Review: 2Dark

Das Survival-Horror-Genre erfuhr in den letzten Jahren eine starke Wandlung, lieh sich reihenweise Action-Elemente und kombinierte diese mit geringem Gruselgehalt. Die Entwickler von 2Dark wollten sich dem nicht anschließen und erarbeiteten ein Spiel der alten Schule.

Der Camping-Ausflug von Mister Smith und seiner Familie hätte so idyllisch sein können: Im Sommer des Jahres 1969 wollen sie ihren Urlaub in der freien Natur verbringen. Als die Zelte schon fast aufgebaut sind, machen sich seine Frau und seine beiden Kinder, Sandra und Martin, auf, um Feuerholz fürs Lagerfeuer zu sammeln. Nur wenige Augenblicke nach ihrem Aufbruch ertönt ein furchterregender Schrei aus den Wäldern, den Smith ohne zu Zögern auf den Grund geht. Seine Frau liegt blutüberströmt im Gehölz und von seinen Kindern ist keine Spur zu sehen, bis weitere Schreie erfolgen und er Martin und Sandra, mit den Gesichtern auf die Scheibe eines davonfahrenden Busses gepresst, sitzen sieht. Sieben Jahre vergehen, ohne dass die Leichen der beiden Kinder gefunden werden. Dennoch nimmt das Verschwinden von Kindern in der Kleinstadt Gloomywood nicht ab. Suspendiert vom Polizeidienst macht sich Smith (teils im Film-Noir-Stil) alleine auf die Suche nach der Ursache für die mysteriösen Entführungen. Wir begleiten ihn dabei unter anderem durch einen Vergnügenspark, einen Schrottplatz oder ein Krankenhaus. Dabei retten wir nicht nur Kinder vor unsäglichen Qualen, sondern sammeln auch Hinweise auf das nächste Missionsziel, da die Vorfälle allesamt miteinander verbunden zu sein scheinen. Das ist zwar durchweg spannend geschildert, doch ausgerechnet das große Finale von 2Dark entpuppt sich leider nichts weiter als heiße Luft.

Perfides Gedankenspiel

Es fehlt einfach an einer zufriedenstellenden Auflösung, die unsere Anstrengungen belohnt oder zumindest eine ultimative Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Hier haben die Entwickler das Potenzial, das sie bei einer ungefähren Spielzeit von zehn Stunden aufbauen, deutlich verspielt. Dennoch kann der Titel bis zum Ende unterhalten beziehungsweise schockieren. Nicht selten wollten wir unseren Augen nicht trauen, welche perfiden Ideen und Gedanken die Entwickler gehabt haben müssen, um das Setting von 2Dark dermaßen abartig und düster zu gestalten. Da werden Kinder in einen Hundezwinger mit einem blutrünstigen Kläffer gesteckt oder von einem Mann mit Maschinenpistole zum Laufen animiert. Gelegentlich kommt es dabei sogar vor, dass wir unter Zeitdruck arbeiten müssen. Beispielsweise haben wir weniger als eine halbe Minute Zeit, um ein Kind aus dem Hundezwinger zu befreien, während Schaulustige das Geschehen beobachten und uns sofort erschießen, sollten wir den Käfig auch nur einmal schief ansehen. Also müssen wir uns eine neue Lösung für das Problem ausdenken: In der Nähe befindet sich ein Stromgenerator, der die Scheinwerfer mit Energie versorgt. Zerstören wir diesen, können wir uns durchs Dunkle schleichen, das Kind retten und verschwinden. Ein gewisser Anteil an Stealth-Mechaniken ist in 2Dark stets bemerkbar.

Aggression und Hilflosigkeit

Unsere Gegner, die durch Gänge patrouillieren und mit zunehmender Spielzeit nur darauf warten, dass ihnen Smith vor die Füße läuft, achten nämlich auf jedes Geräusch. Wer also nicht gerne schleicht, wird in 2Dark nicht überleben können. Ähnlich wie im PlayStation-Vita-Spiel Yomawari: Night Alone erkunden wir die Spielumgebungen aus der Vogelperspektive, sind in 2Dark aber bei Weitem nicht so hilflos. Wir können uns mit Brecheisen, Baseball-Schlägern oder Katana im Nahkampf zur Wehr setzen oder mit einer überschaubaren Anzahl an Schusswaffen agieren. Übermächtig sind wir dadurch aber noch lange nicht. Wer einen Gegner frontal angreift, fügt diesem nur sehr wenig Schaden zu, weshalb Meuchelmorde fast schon automatisch zur Tagesordnung in 2Dark gehören. Wollen wir die Psychopathen und Kannibalen mit Blei vollpumpen, sollte jeder Schuss sitzen. Die meisten Gegner halten in der Regel mehr als einen Schuss aus und da wir nur sehr begrenzt neue Patronen finden, kann die dadurch entstandene Munitionsknappheit sehr gut mit den restlichen Elementen des Genres harmonieren. An anderer Stelle erkennen wir, dass Alone-in-the-Dark-Erfinder Frédérick Raynal mit an Bord war, denn Soforttode durch brüchige Fußböden sind ebenfalls mit von der Partie. 2Dark setzt daher vehement darauf, dass wir unsere Fortschritte (zu) oft speichern.

Zurück in die Neunziger

In diesem Zusammenhang darf das antiquierte Item-Menü, das hervorragend zum Retro-Look des Spiels passt, nicht unerwähnt bleiben. In jedem Spielabschnitt sammeln wir eine manchmal mehr und manchmal weniger überschaubare Gegenstandsanzahl, die wir zum Teil miteinander kombinieren können. Obwohl dieses Feature jede Menge Experimentierfreiraum lässt, wird hier nicht aus den Vollen geschöpft. Wollen wir das Spiel etwa speichern, müssen wir unsere Zigaretten mit Streichhölzern entzünden (keine Sorge, Limitierungen wie bei den Farbbändern in Resident Evil gibt es nicht). Eine verschlossene Holzkiste öffnen wir wiederum, indem wir einen bestimmten Anhänger als Schlüssel verwenden. Ansonsten laden wir darüber nur unsere Pistolen nach oder laden unsere Taschenlampen mit Batterien auf. Letzteres ist auch bitter nötig, da weite Teile der Levels mit Dunkelheit übersäht sind, die wir nur mit Taschen- oder Öllampe temporär vertreiben können. Obwohl das Wechseln von Items besonders in brenzligen Situationen etwas hinderlich ausfällt, haben wir uns schnell an das altmodische System gewöhnt. Das liegt aber nicht zuletzt am fantastischen Spielstil, der mit Voxel-Charakteren an die 32-Bit-Zeit erinnert und Musik entweder immersiv ins Spiel einfließen lässt oder nur zulässt, wenn Bedrohungen oder Enthüllungen auf den Helden wirken. Fans von Survival-Horror-Spielen der 1990er Jahre müssen bei 2Dark einfach zugreifen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Das Survival-Horror-Genre hat in den letzten Jahren deutlich unter einem zu großen Action-Anteil und der Verkennung, was Horror bedeutet, stark gelitten. Dass haben nicht nur Unternehmen wie Capcom gemerkt und Resident Evil zurück zu den Wurzeln geschickt, sondern auch kleine Entwickler wie Gloomywood. In 2Dark habe ich mich zehn Stunden lang wirklich gut unterhalten gefühlt, denn die Geschichte wird bis kurz vor dem Ende sehr spannend erzählt und ist mit abwechslungsreichen Charakteren gespickt. Man sollte jedoch keinen schwachen Magen haben, denn obwohl 2Dark mit seinen Grafiken an ein spätes Spiel der 1990er Jahre erinnert, geizt der Titel nicht mit Blut – und noch schlimmer – perfiden Ideen. Erwachsene Themen wie Kannibalismus, Pädophilie und Gehirnwäsche werden in 2Dark auf anschauliche Weise verarbeitet und gerade deshalb ist es schade, dass mir das Finale einfach nicht gefällt. Die Idee, dass es ein alternatives „Ende“ gibt, über das so gut wie jeder Spieler des letzten Levels wohl oder übel stolpern wird, finde ich zwar super, doch werden hier Informationen gestreut, die der Held im normalen Spielverlauf nicht in dieser Form erhält und schlussendlich trotzdem darüber berichtet. Das hätte man genauso besser machen können, wie die weitgehend fehlende Sprachausgabe. Diese taucht nämlich nur während des Ladebildschirms beim erstmaligen Betreten eines Spielabschnitts auf. Trotzdem sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. 2Dark ist mit seinen Ambitionen, ans Survival-Horror-Genre der 1990er zu erinnern, ein wirklich tolles Spiel, das jedem Genre-Fan mit Retro-Fetisch schon nach kurzer Einarbeitungszeit sehr gefallen wird!

Vielen Dank an Bigben Interactive für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von 2Dark!

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