Review: Yakuza Kiwami

Nachdem im Januar 2017 Yakuza Zero endlich in Europa erschien, veröffentlichte Sega mit Yakuza Kiwami hierzulande im Sommer 2017 das Remake des ersten Teils. Wir haben uns sehr darüber gefreut, in das fiktive Tōkyōer Stadtviertel Kamurochō zurückkehren zu dürfen.

Ursprünglich erschien der japanische Mix aus Crime-Thriller und Gangster-Simulation auf der PlayStation 2 im Jahre 2005. Mit dem Beinamen Kiwami, was auf Deutsch Zenit oder Höhepunkt bedeutet, erschien 2016 die Neuauflage PlayStation 3 und PlayStation 4 in Japan, die nun auch bei uns angelangt ist. Unsere Spielfigur Kiryū Kazuma, ein noch frisches Mitglied in den Reihen des japanischen Untergrunds, gerät zwischen die Fronten der Yakuza-Spielereien, die schnell außer Kontrolle geraten. Während er sich noch in der komplizierten und umfangreichen Hierarchien der unterschiedlichen Familien des Tōjō-Clans zurechtfinden muss, entbrennt schnell ein erbitterter Machtkampf um begehrte Positionen innerhalb des Bündnisses. Aus Freunden und Brüdern werden schnell Feinde und Rivalen, während der Gangster-Thriller Kiryū nach wenigen Spielminuten genauso in den Bann nimmt wie uns Spieler. Die Abwechslung aus Fighting-, Dialog-, und Erkundungseinlagen in Kamurochō bleibt sich zwar über die gesamte Spielzeit der Hauptstory von fünfzehn Stunden treu, ohne spielerisch aus dem bekannten Rahmen zu fallen, doch wird dabei die ganze Achterbahn der Emotionen abgefahren. Vorteilhaft ist, dass das Spiel auch im Englischen gut geschrieben und die Charaktermodelle – auch wenn nicht erstklassig – sehr charmant und detailliert ausfallen.

Stets lebendige Spielwelt

In kaum einem anderen Spiel ist der Schnitt zwischen Erzählung und Gameplay schärfer, als in den Yakuza-Spielen. Schönerweise ist das aber auch überhaupt nicht störend. Auf der einen Seite erleben wir mit Kiryū einen düsteren Gangster-Epos, der uns tief in die durchtriebene Unterwelt Japans führt. Gleichzeitig sind die Nebenquests, viele Dialoge und vor allem die Prügel-Einlagen, alles andere als ernstzunehmend und punkten mit witzigen Dialogen und absurden Elementen, die uns zu jeder Zeit erinnern, aus welchem Land dieses Spiel stammt. Das gilt auch für Yakuza Kiwami – bunt, schrill und abgedreht ist Kamurochō, das seit jeher als Hauptschauplatz der Ereignisse herhält. Im Gegensatz zu anderen Open-World-Spielen wie Grand Theft Auto oder Saints Row, kann auf Kosten der Spielweltgröße diese dafür mit echtem Leben gefüllt werden: An jeder Ecke erwartet uns entweder ein Establishment, dass uns mit Glücksspiel oder anderen Attraktionen das Geld aus der Tasche ziehen will oder ein vollgestopfter Einkaufsladen, mit zahllos erschreckend realistischen Produkten im Angebot. Die Leute auf den Straßen selbst sind zwar bis auf wenige Ausnahmen hauptsächlich Kulisse, punkten aber mit abwechslungsreichen und detaillierten Designs und lassen uns zusammen mit der tollen Soundkulisse spüren, dass wir uns in einer wirklich lebendigen Stadt befinden.

Anstrengende Kämpfe

Spielerisch bleibt sich die tatsächlich sehr traditionelle Yakuza-Reihe wesentlich treuer, als es sich andere Videospielreihen genreübergreifend wagen würden. Dies gilt auch für das Kampfsystem: Das stärkste Argument eines Yakuza ist immer noch seine rechte Faust, die muss Kiryū in diesem Abenteuer alle zehn Minuten sprechen lassen. In den prügelspielartigen Kämpfen verkloppen wir die Gegner mithilfe leichter Schlagkombinationen, die vor allem von den hervorragend inszenierten und außerordentlich brutalen Finisher-Animationen getragen werden. Dafür kann Kiryū zwischen sogenannten Fighting Stances wechseln, die Tempo und Durchschlagskraft der Angriffe angeben. Im Beast-Modus können wir dazu herumliegende Gegenstände wie Brechstangen oder ganze Fahrräder aufnehmen, um den Rüpeln in Kamurochō noch härtere Verwundungen zuzufügen. Regelmäßige Updates unseres Angriffsrepertoires durch Freischaltungen halten uns bei Laune; Highlights sind die comichaften Kämpfe aber selten. Leider besitzen manche Gegner nervenaufreibend viel Lebensenergie, die die Kämpfe teils arg in die Länge ziehen. Angst zu verlieren hatten wir dazu auch nie, immerhin können wir uns an jeder Ecke für ein paar Yen mit Medikamenten und anderen Heilgegenständen ausstatten, die wir im Kampf so oft verwenden wie wir wollen. Ein Grind-Fest.

Neuigkeiten aus Kamurochō

Bevor dieses Element aber allzu negativ zu tragen kommt, ist der selten ausufernde Kampf meist auch schon wieder vorüber und wir befassen uns zum Beispiel mit einer der knapp achtzig Nebenaufgaben, die Yakuza Kiwami bietet. Einige neue Quests und Nebenbeschäftigungen, die es im originalen Yakuza aus dem Jahr 2005 nicht gab, sind auch mit von der Partie. Um den roten Faden in der Yakuza-Reihe stramm zu halten, wurde auch Majima Gorō, im Vorgänger Yakuza Zero noch eine spielbare Hauptfigur, implementiert. Der wohl verrückteste Anhänger der Yakuza lauert uns regelmäßig in Kamurochō auf und fordert uns zu Kämpfen heraus. Indem wir ihn besiegen, schalten wir neue Moves für einen Fighting Stance frei – gleichzeitig gehören die Szenen mit Majima zu den unterhaltsamsten im gesamten Spiel – ihn aufzusuchen, lohnt sich also doppelt. Die Kontrolle von Kamera und Spielfigur geht in Yakuza Kiwami etwas direkter und weicher von der Hand, als noch in Yakuza Zero. Das macht auch Sinn, immerhin erschienen auch in Japan die Spiele in dieser Reihenfolge. Dafür besitzt das Prequel unserer Einschätzung nach die etwas feineren Charaktermodelle und Zwischensequenzen. Auch wenn das Spiel an sich hübsch wirkt, erkennen wir dennoch zu jeder Zeit, dass die Grundlage der Hardware-Architektur der PlayStation 3 geschuldet ist.

Ein schweres Los

Yakuza Kiwami lässt seine japanische Herkunft aber nicht nur vom Inhalt und Gameplay her raushängen. Die Spiele sind auch heute noch extrem methodisch und besitzen teils altbackene Elemente. Kiwami hat allerdings ein paar Komfort-Funktionen mehr als noch sein Vorgänger: Gespeichert wird nun nicht nur an den Retro-Telefonzellen, sondern auch bequem über das Menü. Zusätzlich können die Spaziergänge durch die Stadt an der Seite von Nicht-Spieler-Charakteren nun auch per Tastendruck zurückgelegt werden, sodass wir uns ganz auf die Untertitel des Gesagten konzentrieren können. Auffällige Ladezeiten beim Betreten und Verlassen der engen japanischen Einrichtungen sind aber geblieben. Mit regelmäßigen Freischaltungen und Pop-ups werden wir noch dazu regelmäßig daran erinnert, dass wir ein Videospiel spielen. In Yakuza wird alles aufgezeichnet und belohnt, egal ob die zurückgelegte Laufwege oder die Anzahl an verspeisten Snacks. Einen gewissen Charme besitzen diese Elemente dennoch. Die letzten Punkte werden vermutlich viele Spieler vor den Kopf stoßen, genauso wie die stimmige, aber nicht zeitgemäße Optik und auch die langen Leseeinlagen helfen nicht, das Spiel zugänglicher zu machen. Wer sich damit aber abfinden kann, bekommt aber kaum einen ähnlich mitreißenden Crime-Thriller, der ebenso herzzerreißend wie hirnrissig ist.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Wie schon mit Yakuza Zero hatte ich großen Spaß mit diesem Spiel. Nachdem ich mit den Mechaniken schon vertraut war, fiel mir auch der Einstieg alles andere als schwer. Die Story nahm mich von Beginn an in Beschlag und wusste mich konsequent zu begeistern – und das ohne störende Längen. Kleinere Verbesserungen gegenüber Yakuza Zero werten die Spielerfahrung zwar nicht maßgeblich auf, zeigen aber, dass die Reihe sich doch etwas weiterentwickeln kann. Daneben finde ich es auch nicht schlecht, dass das Spiel vom Inhalt her etwas reduzierter ist, als Yakuza Zero. Mit nur einer Spielfigur und einer zu erkundenden Umgebung fällt es mir leichter, mich auf das Ausbauen meiner Fähigkeiten zu konzentrieren. Auch Kamurochō brennt sich mir damit stärker ins Gedächtnis ein. Wenn man bedenkt, dass das Spiel auch von Release an mit einem günstigen Preis im Laden steht, darf hier wirklich niemand meckern und sollte zuschlagen!

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Yakuza Kiwami!

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