Review: Shin Megami Tensei IV: Apocalypse

shin-megami-tensei-iv-apocalypse-1Ein weiteres Mal bekommt ein Shin-Megami-Tensei-Hauptteil einen direkten Nachfolger – genauso wie Shin Megami Tensei IV erschien dieser ebenfalls auf dem Nintendo 3DS und sollte von Fans des Vorgängers keinesfalls außer Acht gelassen werden.

shin-megami-tensei-iv-apocalypse-2Shin Megami Tensei IV: Apocalypse setzt vor einem der drei Enden des Vorgängers ein und erzählt die Geschichte mit einem anderen Charakter weiter. Die relevanten Ereignisse des Vorgängers werden zu Beginn zusammengefasst. Wer nicht gespoilert werden will, sollte spätestens jetzt den Vorgänger unter die Lupe nehmen. Das postapokalyptische Tōkyō wird von einer gigantischen Kuppel geschützt, dennoch ist auch der Innenbereich nicht von einfallenden Dämonen verschont geblieben. Zurückgezogen in die Tiefen der U-Bahn-Schächte, sammeln sogenannte Jäger Vorräte und Ressourcen, um das weitere Überleben der Menschen zu sichern. Auf Beutejagd sind Auseinandersetzungen mit Dämonen allerdings unvermeidlich. Unser junger Protagonist Nanashi, ein Anwärter auf den Rang des Jägers, wird genauso wie wir Spieler zwischen die Fronten der Kämpfe von Menschen gegen Dämonen, Dämonen gegen Engel und nicht zuletzt Himmel gegen Hölle geworfen. Das Setting des Spiels, angesiedelt im Jahre 2038, gehört nicht zur üblichen Fantasy-Kost der japanischen Rollenspiele. Wenn wir hier von Engeln, Dämonen, Göttern und anderen Gestalten reden, von denen sich jeder sofort ein stereotypisches Bild machen kann, werden damit allerdings die längste Zeit sehr abstrakte Gestalten gemeint, die fast schon sinnbildlich für die ganze Reihe stehen.

Deine Schwachstelle ist meine Stärke

shin-megami-tensei-iv-apocalypse-3Diese Wesen, der japanischen Vorstellungskraft entsprungen und vermischt mit mythologischen und okkulten Einflüssen aus aller Welt, bilden das Grundgerüst der Shin-Megami-Tensei-Reihe. Im Kampf setzen auch wir sie in Form von Beschwörungen ein. Dies erlaubt uns eine apokalyptische Applikation auf unserem In-Game-Smartphone. Das Kampfsystem der Videospielreihe ist klassisch rundenbasiert, besitzt aber einen interessanten Twist. Das Aufspüren und Ausnutzen von Schwächen gegen elementare oder physische Angriffe ist wie in vielen anderen Rollenspielen sehr wichtig, solche Angriffe verursachen aber nicht einfach nur mehr Schaden. Wenn wir einen Gegner am Schwachpunkt oder kritisch treffen, bekommen wir eine zusätzliche Runde spendiert. Das gilt allerdings auch für die Gegner, sodass sich das Blatt im Kampf unglaublich schnell wenden kann, falls nicht nachsichtig genug agiert wurde. Um das Zünglein an der Waage, das zwischen Tod und Leben entscheidet, wieder etwas mehr dem Spieler in die Hand zu geben, gibt es den neuen Zustand namens Smirk, der uns einmalig vor kritischen Treffern schützt. Neben unserem Protagonisten nehmen drei Dämonen und ein unterstützender Charakter am Kampf teil, der jedoch eigenständig agiert. Ähnlich wie in Etrian Odyssey sehen wir auch in diesem Atlus-Spiel nur die Gegner und nicht unsere Figuren auf dem Kampfbildschirm.

Freund und Feind zugleich

shin-megami-tensei-iv-apocalypse-4Im Kampf bietet sich uns die Möglichkeit, die feindlichen Dämonen anzusprechen und für unsere Sache zu überzeugen, insofern wir ihnen im Level ebenbürtig sind. Zum Glück verstehen uns auch Gestalten mit den absurdesten Designs, bei denen wir uns nicht einmal sicher sind, ob sie die entsprechenden Organe zur Kommunikation überhaupt besitzen. Über Dialogoptionen verhandeln wir dann über die Bedingungen – einige Dämonen sind schon damit zufrieden, nicht beleidigt zu werden, andere verlangen Items oder gar den Tod eines anderen Spießgesellen. Diese Passagen bieten nicht nur eine schöne Abwechslung zum routinierten Kampfgeschehen, sondern besitzen auch ihren eigenen Charme. Allerdings werdet ihr in Kauf nehmen müssen, dass nicht jedes Wesen so einfach auf eure Seite wechselt. Auch wenn sie nicht so aussehen, haben einige Dämonen höhere Anforderungen, als die Pendants in Pokémon, die sich nach einem mehr oder weniger großen Hagel aus Pokébällen letztendlich doch so gut wie immer in unser Team bequemen. Drumherum ergänzen weitere Elemente das Bild des klassischen japanischen Rollenspiels. Nach absolvierten Kämpfen gibt es Erfahrungspunkte und Ressourcen. Beim Levelaufstieg dürfen wir fünf Punkte den Statuswerten frei zuweisen, sodass wir uns ganz nach unseren Vorstellungen entfalten – oder verskillen – können.

Dämonenbeschwörung per Knopfdruck

shin-megami-tensei-iv-apocalypse-5Die Dämonen stufen auch auf und lernen auf höheren Levels angekommen neue Fähigkeiten. Jede neue Fähigkeit eines Dämons kann auch unserem Repertoire an Angriffen hinzugefügt werden, was das Zusammenspiel zwischen Hauptfigur und Dämonen verstärkt. Richtig interessant wird es allerdings erst, wenn wir die Wesen miteinander fusionieren, um völlig neue und stärkere Mitstreiter zu erschaffen. Damit macht es wirklich Sinn, kontinuierlich auf Dämonenjagd zu gehen und anschließend Gott zu spielen. Unser Team wird stets durchrotiert, sodass neues Futter für Fusionen stets willkommen ist. All diese Elemente sind nicht nur Beiwerk, sondern existenziell, um im Spiel, dessen Schwierigkeitsgrad nicht von schlechten Eltern ist, voranzukommen. Trotzdem gibt es drei wählbare Schwierigkeitsgrade. In den Läden der Kinshichō-Bahn-Station, in der sich die Jäger organisieren, verbessern wir unsere Ausrüstung und nehmen neue Quests an, die abgesehen von den Hauptaufgaben unter den Schlagwörtern Sammeln, Töten und Finden zusammenzufassen sind. Viele davon werden im Spielverlauf nebenher abgearbeitet. Das Spiel erzählt sich auf Englisch die längste Zeit über Texttafeln und Charakter-Portraits. Die wichtigsten gesprochenen Passagen wurden auf Englisch synchronisiert, der Wechsel zur originalen japanischen Spur ist allerdings nicht möglich.

Der Held mit Lesebrille

shin-megami-tensei-iv-apocalypse-6Unsere Figur bleibt, wie in vielen Rollenspielen klassischerweise stumm, hier und da haben wir die Wahl zwischen einigen Antwortmöglichkeiten, um die Dialoge etwas aufzulockern. Die heruntergekommenen Umgebungen in Tōkyō sind dreidimensional nett in Szene gesetzt und durchaus abwechslungsreich gestaltet, auch wenn nach unserem Geschmack ein paar Texturen zu viel an die braun-graue Nachkriegszeit erinnern. Das Spiel bietet einen sehr starken Tiefeneffekt, der das gesamte Spielgeschehen hindurch aktiv bleibt. Sehr viele Level-Assets wurden jedoch direkt aus Shin Megami Tensei IV übertragen. Das macht zwar Sinn, immerhin spielt das Spiel in derselben Welt, allerdings gilt das auch für die Menügestaltung, die durchaus übersichtlicher und vor allem großflächiger hätte ausfallen können. Besonders auf dem normalen Nintendo 3DS kann die kleine Schrift in Statusmenüs für einige Erkennungsschwierigkeiten sorgen. Im Kampf werden teilweise sogar wichtige Informationen von Bedienelementen verdeckt, was die Sache zu einer kleinen Tortur verkommen lässt. Auch der Touchscreen hätte stärker in die Bedienung des Spiels eingebunden werden können. Bis auf die kleinen Defizite macht Shin Megami Tensei IV: Apocalypse jedoch sehr viel Spaß.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit: Wer nach einer dunklen, verschrobenen und vor allem anspruchsvolleren Alternative zu Pokémon für lange Rollenspielabende im Alleingang sucht, ist mit Shin Megami Tensei IV: Apocalypse bestens bedient. Der Kampf gegen und mit den Dämonen motiviert und die Dämonen-Fusionierungen bieten einen enormen Tiefgang und setzen immer neue Anreize. Das flotte Kampfsystem hält mich durchgehend bei der Stange, was besonders bei den schwierigen Bossgegnern wirklich elementar ist. Kleinere grafische und gestalterische Schwächen schmälern hier kaum meinen Gesamteindruck. Storytechnisch empfiehlt es sich zwar den Vorgänger zu kennen, eine Menge Spaß kann man mit Shin Megami Tensei IV: Apocalypse dennoch haben! 

Ein Kommentar zu “Review: Shin Megami Tensei IV: Apocalypse

  1. Obwohl ich Devil Survivors und Persona liebe, muss ich sagen, dass ich mit den älteren SMT-Neuauflagen nichts anfangen konnte. Aber vielleicht gebe ich dieser Version noch mal eine Chance, die App hat mich irgendwie wieder auf den Geschmack gebracht.

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