Review: Bloodstained: Ritual of the Night

Dass Konami kaum Interesse mehr an Videospielproduktionen zeigt und sich nur noch auf Pro Evolution Soccer stützt, ist bedauerlich. Die Firmenpolitik führte auch zum Weggang von Größen wie Kojima Hideo oder Igarashi Kōji. Letzterer hat mit Bloodstained: Ritual of the Night ein Spiel entworfen, das nicht von ungefähr an Konamis Castlevania-Franchise erinnert.

Igarashi, der zwei Jahrzehnte lang an vielen Ablegern der Castlevania-Serie mitgearbeitet und ihr schließlich auf dem Game Boy Advance einen frischen Anstrich verpasste, verließ Konami im März 2014 mit der Begründung, dass er kein Interesse an den damals aufkommenden Mobile Games hat und weiterhin Videospiele nach bekannten Mustern entwickeln möchte. So wurde er Gründungsmitglied vom Entwicklerstudio ArtPlay und startete 2015 eine Kickstarter-Kampagne, um einen spirituellen Nachfolger zu den 2D-Ablegern der Castlevania-Reihe zu entwerfen. Vor allem für Konami dürfte es sehr überraschend gewesen sein, wie groß das Interesse an derlei Spielen immer noch ist, denn mit fünfeinhalb Millionen US-Dollar wurde das Finanzierungsziel weit übertroffen und stellte sogar kurzzeitig einen Rekord auf. Wer Castlevania: Symphony of the Night, die Namensähnlichkeit kommt schließlich nicht von ungefähr, gespielt hat, wird von der allerersten Spielminute an wissen, worauf er sich bei Bloodstained einlässt. Zumindest in puncto Gameplay, denn die Story dreht sich glücklicherweise nicht mehr um den bereits zugenüge ausgeschlachteten Vampirfürsten Dracula. Stattdessen stehen im Mittelpunkt der Handlung die so genannten Scherbenbinder und der Konflikt untereinander. Hierbei handelt sich um manipulierte Menschen, die dämonische Scherben absorbieren können, um die Kräfte der dunklen Wesen für das Gute einzusetzen.

Ein Schloss voller Dämonen

Bloodstained konzentriert sich vor allem auf die Geschichte von Miriam, die nach einem zehnjährigen Schlaf erwacht und sich mit ihrem Gehilfen Johannes zu einem Dämonenschloss aufmacht. Im Verlauf der Story werden peu á peu Hintergründe über Miriam, die Scherbenbinder und die wenigen Nicht-Spieler-Charaktere wie Dominique offengelegt. Das passt zur Spielwelt, die mit den ansteigenden Möglichkeiten von Miriam immer weitläufiger wird. Es sei aber gesagt, dass trotz vieler zu entdeckender Geheimnisse dennoch ein roter Faden zu spüren ist. Dementsprechend ist das alte Gemäuer keine offene Spielwiese, sondern ein in Sektoren unterteilter Dungeon. Aus der zweidimensionalen Seitenansicht, die nur an wenigen Stellen mit der dreidimensionale Tiefe verschiedener Orte wie den beiden Zwillingstürmen spielt, wird gegen allerhand Monstrositäten gekämpft. Unter anderem stellen sich Miriam Skelette, Höllenhunde, Wolfsmenschen, Schleimmonster, zum Leben erweckte Ritterrüstungen, Gargoyles oder herumschwirrende Schwerter in den Weg. Tausende Auseinandersetzungen später, in denen rollenspieltypisch Erfahrungspunkte für Level-Aufstiege gesammelt werden, ist Miriam kaum mehr zu bremsen und haut selbst die stärksten Feinde mit ein bis zwei Schlägen um. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg, auf dem diese Gefahren in einem angemessenen Schwierigkeitsgrad erst einmal auf einer geringeren Stufe gemeistert werden wollen.

Abwechslungsreiches Kampfsystem

In puncto Gameplay unterscheidet sich Bloodstained kaum von den letzten 2D-Ablegern des Castlevania-Franchises. So sind Hüpfeinlagen, bei denen dann später auch Ergänzungen wie ein Doppelsprung hinzu kommen, genauso mit von der Partie wie Kämpfe, die mit sehr unterschiedlichen Waffen ausgetragen werden können. So stehen Miriam europäische Zweihänder als auch japanische Katana, Peitschen, Degen oder Kampfstiefel zur Verfügung, mit denen sie den Dämonen das Fürchten lehren kann. In der Praxis fühlt sich jede Waffenart erfrischend anders an, sodass sich jeder seinen ganz eigenen Kampfstil zurechtschneidern kann. Die alten Wälzer in den durchs Schloss verteilten Bücherregalen verraten der Heldin außerdem besondere Techniken, mit denen sie Angriffe auch blocken oder noch mächtigere Attacken mit den dazu erforderlichen Waffen ausführen kann. Mit ständigen Wiederholungen werden diese Kampftechniken immer mächtiger, was ebenso motivierend ist wie das Sammeln von möglichst vielen Dämonenscherben. Durch das Besiegen von Gegnern werden diese automatisch an Miriam übertragen. Anschließend kann sie Magiepunkte verbrauchen, um hitzige Feuerbälle durch die Luft zu schleudern, wie ein Fisch durchs Wasser zu flitzen oder gar Kreaturen zu beschwören, die an ihrer Seite kämpfen. Abwechslungsreichtum wird im Spiel großgeschrieben. So fühlt sich kaum ein Feindkontakt wie der vorherige an, was äußerst positiv ist.

Fantastisches Erlebnis mit kleinen Mängeln

Steuerungstechnisch macht Bloodstained vieles, aber nicht alles richtig. So kann es ärgerlich sein, wenn sich Miriam durch einen feindlichen Treffer kurzfristig nicht bewegen lässt und unkontrolliert in eine Feuergrube stürzt, die zu allem Übel auch noch den zehnfachen Schaden anrichtet wie der gegnerische Angriff. Auch wenn Miriam von vier oder fünf Gegnern umzingelt wird, die noch dazu in zwei bis drei verschiedenen Angriffsmustern agieren, ist das Lösen der Situation eine teils unmögliche Aufgabe, da Gegner auch gerne dazu bereit sind, ihre Aktion in Dauerschleife zu wiederholen. Solche Situationen sind die absolute Ausnahme, größtenteils lässt sich alles mit wilder Action und ein wenig Taktik absolvieren. Schade ist, dass durch den Rollenspielanteil die Bewegungsmuster der Bossgegner vernachlässigbar sind und permanentes Draufhauen und ein paar eingeworfene Heiltränke eine verlockende Alternative darstellen. Nichtsdestotrotz ist das alles nur der kalte Tropfen auf den heißen Stein. Unverständlich ist aber, dass die Bildwiederholungsrate trotz der veralteten Grafik gelegentlich auch auf der PlayStation 4 leicht ins Stottern kommt und für ein bis zwei Sekunden einfriert, wenn der Kartenabschnitt gerade geladen ist. So unsauber wie die Nintendo-Switch-Portierung ist die Version für Sonys Konsole aber bei Weitem nicht. Nach zwanzig bis dreißig Stunden ist der Spuk im Dämonenschloss leider schon vorbei. Übrig bleibt ein verdammt tolles Erlebnis, das mit einem phänomenal guten Soundtrack noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Es ist wirklich schade, dass Konami so wenig Interesse und Vertrauen in die Castlevania-Reihe gesetzt hat, sodass sie wie viele andere Franchises des Konzerns im Sterben liegt. Zum Glück hat sich Igarashi Kōji rechtzeitig von Konami gelöst und in den letzten Jahren an einem spirituellen Abbild verschiedener Serienteile gearbeitet, für die er maßgeblich verantwortlich war. In Bloodstained: Ritual of the Night ist an allen Ecken und Enden der Geist des Vorbilds zu spüren. Angefangen bei den actionreichen Kämpfen, dem Anhäufen von Geld durch das Zerstören von Kronleuchtern und dem Stück für Stück ansteigenden Entdeckerdrang, bedingt durch das recht verwinkelte Dämonenschloss mit unzähligen Geheimnissen, die in Wänden und hinter Wänden in Geheimräumen versteckt sind. Es gibt nur wenig, was an Bloodstained meiner Meinung nach auszusetzen ist. Beispielsweise finde ich es schade, dass Hinweise zum nächsten Zielort nicht nachgelesen werden können und auch dass sich ein zum Fortschritt nötiger Gegenstand an einer wirklich unangemessenen Stelle befindet, ist eine schlechte Designentscheidung. Dennoch hat mich dieses Manko nicht davor aufgehalten, das Spiel mit einer Platin-Trophäe abzuschließen. Castlevania-Fans müssen bei Bloodstained, auch ohne die Lizenz, einfach zuschlagen!

Jonas’ Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Auch ohne mich an viele Castlevania-Teile gewagt zu haben, erkenne ich ein gutes Metroidvania, wenn ich es spiele. Bloodstained beinhaltet hier alle klassischen Elemente: Von den Fähigkeiten, die mir neue Wege öffnen bis zu geheimen Räumen mit lohnenswerten Upgrades ist alles dabei. Im Detail und vor allem in der Spielwelt hätten sich die Entwickler aber auch ein paar neue Vertreter des Subgenres anschauen dürfen. Zum Beispiel beantwortete die Karte meine Frage nach dem nächsten Ziel so gut wie niemals. Sehr schön finde ich den Schwierigkeitsgrad. Ich mag es, dass Bloodstained durchweg fordernd ist, aber nie zu schwer wird. Nur wenn der Spielfluss wieder einmal von dem einen oder anderen Ruckler gebrochen wird, kassiere ich unnötige Treffer. Das finde ich bei Weitem schlimmer als die anderen technischen Unsauberkeiten.

Vielen Dank an 505 Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Bloodstained: Ritual of the Night!

 

 

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