Review: Beautiful Bones – Sakurako’s Investigation (Vol. 1)

Beautiful Bones – Sakurako’s Investigation von Animationsstudio Troyca ist eine Anime-Serie, die 2015 auf dem japanischen Fernsehsender Tōkyō MX ausgestrahlt wurde und auf der Light Novel von Ōta Shiori basiert. Hierzulande ist Kazé Anime für die Vermarktung verantwortlich.

Im Gegensatz zu vielen anderen Anime-Serien spielt Beautiful Bones nicht in Tōkyō, sondern in Asahikawa, der zweitgrößten Stadt in Japans nördlichster Präfektur Hokkaidō. Im Fokus der Erzählung steht die Präparatorin Kujō Sakurako. Diese sucht und sammelt Knochen, um daraus vollständige Skelette zu erstellen. Zwischenmenschlich wird sie teilweise als Wrack dargestellt, da sie nicht immer gut mit Menschen umgehen kann, was sich in verschiedenen Dialogen widerspiegelt. Begleitet wird sie bei der Arbeit von Oberschüler Tatewaki Shōtarō, der den ruhigen Gegenpol zu ihr bildet und bei anderen involvierten Personen entsprechend vermitteln muss. Das Kuriose an ihrer Zusammenarbeit ist, dass sie wirklich jedes einzelne Mal über Menschenknochen oder frische Leichen stolpern. Während die junge Sakurako von ihrem Fund dermaßen fasziniert ist, dass sie diese am liebsten eintüten und ihrer Sammlung hinzufügen würde, muss ihr Kollege Shōtarō zu ihrem Leidwesen die Polizei verständigen. Direkt in der ersten Episode stößt das Duo am Strand auf einen menschlichen Schädel. Hier lässt Sakurako Informationen verlauten, die sowohl für den Zuschauer als auch für Shōtarō und den zum Fundort georderten Polizisten zunächst nicht zu erkennen sind. Die Erklärung, warum der Schädel einhundert Jahre alt sein soll, sollte der Zuschauer aber lieber selbst hören.

Von Knochen- und Leichenfunden

Wie bereits erwähnt, müssen es nicht immer Knochen sein, die als Mittel zum Zweck für die Story herhalten. So werden – ebenfalls in der ersten Folge – zwei aneinander gebundene Leichen gefunden. Während die Polizei von einem Liebesselbstmord ausgeht, zieht sich die Präparatorin ihre Gummihandschuhe über und erklärt während ihrer groben Untersuchung den anwesenden Ermittlern, welche Details sie übersehen haben. In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass in Beautiful Bones nicht immer der Täter überführt wird. Es dreht sich in erster Linie alles um die Todesursache und womöglich noch, wie es dazu gekommen ist. Die polizeiliche Ermittlung wird hierbei weitestgehend ausgeklammert, geht gelegentlich aber auch Hand in Hand mit Sakurakos Schlussfolgerungen. Zu sehen ist das beispielsweise in der zweiten Episode. In dieser Folge entdeckt Shōtarō beim Einkaufen ein kleines Mädchen vor dem Supermarkt und bringt es zum nächsten Polizeirevier. Da sich das etwa dreijährige Mädchen noch nicht richtig ausdrücken kann, fällt es den Beamten schwer, ihre Personalien festzustellen. Als sie dann auch noch bemerken, dass ein blutiger Handabdruck auf ihrem Rucksack zu erkennen ist, benötigen sie die Hilfe von Sakurako. Obwohl sich die Suche nach Anhaltspunkten zunächst als schwierig erweist, wird sie zum Ende hin ganz schön brenzlig.

Dynamische Handlungen im starren Bild

In technischer Hinsicht beeindruckt Beautiful Bones mit realistisch wirkenden Hintergründen, die jedoch überzeichnet und unscharf gehalten sind, um die abwechslungsreichen Charaktere herausstechen zu lassen. Bei diesen fallen geschmeidige Animationen auf, denn trotz starrer Hintergründe agieren die Figuren in ihrem zur Verfügung stehenden Handlungsraum wirklich hervorragend und verleihen dem Bild eine kräftige Portion Dynamik. Hinzu kommen schöne Licht- und Schatteneffekte, die die Atmosphäre bereichern. Teilweise wirkt die Anime-Serie in so mancher Einstellung wie die Filme von Regisseur Shinkai Makoto, auch wenn zwischen den einzelnen Werken natürlich Welten liegen. Akustisch bleibt die Musik weitestgehend im Hintergrund und kommt in der Regel bei Sakurakos Schlussfolgerungen durchaus gekräftigt zum Einsatz. Sowohl die deutsche als auch die japanische Sprachfassung ist gut gelungen, die ernste Thematik wird respektvoll betont. Alle sechs, jeweils circa 24-minütigen Episoden liegen mitsamt einem Clear Opening und einem Clear Ending auf einer Blu-ray Disc vor. Ein Special zur Umsetzung von der Light Novel zum Anime wäre hier sehr interessant gewesen, fehlt allerdings. Dafür liegt der ersten Volume ein 52-seitiges Booklet bei. Für unser Review lag dieses nicht vor, doch ist von der gewohnt hohen Qualität des Publishers auszugehen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die dem Kriminalgenre angehörende Anime-Serie Beautiful Bones – Sakurako’s Investigation spielt rein vom europäischen Titel an die US-amerikanische Fernsehserie Bones – Die Knochenjägerin an. Ähnlichkeiten zwischen den jeweiligen Protagonisten Kujō Sakurako und Temperance Brennan sind an der einen oder anderen Stelle zwar sehr wohl vorhanden, doch sollten beide Werke unter anderem aufgrund des unterschiedlichen Kulturraums unabhängig voneinander betrachtet werden. In jeder Episode, auch wenn in der ersten Volume eine Doppelfolge vorliegt, werden Sakurako und ihre Assistent Tatewaki Shōtarō durch einen Knochen- oder gar Leichenfund oder einem anderen mysteriösen Ereignis in einen interessanten Mordfall verwickelt, den sie auflösen wollen. Anders als bei Detektivgeschichten normalerweise üblich, steht allerdings nicht die Überführung des Mörders, sondern die Aufklärung und die Reproduktion des Tathergangs im Fokus. So wirken die Fälle nicht ganz so konstruiert wie etwa bei Detektiv Conan und können daher auch den letzten Zuschauer mit unerwarteten Wendungen überzeugen. Wer das Genre mag, sollte Beautiful Bones – Sakurako’s Investigation unbedingt eine Chance geben.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Beautiful Bones – Sakurako’s Investigation (Vol. 1)!

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