Review: Kabaneri of the Iron Fortress (Vol. 1)

Am 5. Dezember 2019 startete der deutsche Publisher Kazé Anime mit der düsteren Serie Kabaneri of the Iron Fortress eine neue Reihe. Das Werk von Wit Studio dreht sich um den Kampf ums Überleben in einer faszinierenden und erschreckenden Steampunk-Welt.

Wer in Europa an das Steampunk-Szenario denkt, dem kommt zunächst eine Vorstellung eines alternativen viktorianischen Zeitalters in den Sinn. Dass das Setting aber nicht nur auf das London um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert respektive England im selbigen Zeitraum beschränkt sein muss, zeigt die Anime-Serie Kabaneri of the Iron Fortress von Regisseur Araki Tetsurō. In der zwölfteiligen Serie aus dem Jahr 2016 erlebt der Zuschauer eine vergleichbare Erfahrung, aber auf der japanisch angehauchten Insel Hinomoto. In einer der Meiji-Zeit nicht unähnlichen Epoche wird die Geschichte rund um den Wissenschaftler Ikoma erzählt. Dieser lebt mit hunderten anderen Menschen in einer geschlossenen Siedlung, die als Bahnhof fungiert. Auf Hinomoto gibt es mehrere solcher Ortschaften, die über das Schienennetz miteinander verbunden sind. Gesichert sind die Siedlungen mit übergroßen Mauern. Wer an Attack on Titan denkt, darf genüsslich schweigen. Ähnlich wie in dieser Anime-Serie gibt es außerhalb der Mauern eine große Bedrohung, die die Menschheit schützen soll. Damit sind die untoten Kabane gemeint, die willenlos sind und wie Zombies vor sich hin vegetieren. Endgültig können diese nur umgebracht werden, wenn ihr von Blei geschütztes Herz durchtrennt wird. Kabaneri of the Iron Fortress nimmt ganz schön makabere Ausmaße an!

Düsteres und erschreckendes Szenario

Arakis Anime-Serie verzichtet im Übrigen auf eine große Exposition und diese ist auch nicht nötig, da alle wichtigen Informationen wie in einem Film von Kurosawa Akira dem Zuschauer sofort gezeigt oder beiläufig erwähnt werden. So beginnt die Handlung mit einem schlimmen Ereignis, das dem Zuschauer ein gutes Bild von Hinomoto und den Zuständen auf der Insel vermittelt. Eingepfercht im Bahnhof Aragane leben die Menschen in ständiger Furcht vor den Kabane, die sie infizieren könnten. An dem Tag, an dem die titelgebende Eiserne Festung, eine überdimensional große Dampflokomotive, in Aragane eintreffen soll, brettert diese aber ungebremst und mit Kabane überlaufen in die Stadt hinein. Es bricht Panik aus, Feuer lodert in den Gassen und in den Wirren wird zu allem Übel Protagonist Ikoma während des Versuchs, einen Kabane mit einer neuen Waffe zu töten, von diesem gebissen. Was wie das tragische Ende eines Charakters im Franchise von The Walking Dead klingt, ist in Kabaneri of the Iron Fortress jedoch der Auftakt einer spannenden Geschichte. Ikoma gelingt es, das Virus in seinem Körper vor Erreichen seines Schädels zu bremsen und kann seitdem als Mensch mit der Kraft eines Kabane leben. Seine Mitmenschen fürchten sich fortan vor ihm, wodurch auch die Bushi, sprich die Samurai, auf den eifrigen Ikoma aufmerksam werden.

Durchdachte und erwachsene Erzählweise

Neben Ikoma spielt auch die Kämpferin Mumei eine entscheidende Rolle, da sie gegen die Kabane kämpft und Menschen zur Flucht verhilft. Prinzessin Yomogawa Ayame betrachtet das Geschehen wiederum aus einer entfernten Position, steht in einer Szene aber auch für Ikoma ein. Etwas wichtiger ist da schon Ikomas bester Freund Takumi, ohne den die Story keine Fahrt aufnehmen kann. Die Geschichte von Kabaneri of the Iron Fortress ist den Köpfen bei Studio Wit absolut geglückt, da sie mit mehreren Höhepunkten gepflastert ist und zudem einen durchgehenden Handlungsstrang bietet, sodass die Episoden nahtlos aneinander anknüpfen. Hinzu kommt, dass sich die erwachsene Erzählweise auch auf das Design der Charaktere auswirkt. Diese sind nicht nur detailliert gestaltet, sondern auch stark animiert. Ebenfalls gelungen sind der Kleidungsstil und das Steampunk-Szenario. An allen Ecken und Enden ergänzen sich diese beiden Punkte, sodass das bildschirmfüllende 16:9-Format mit seiner herausragenden Beleuchtung im Format 1080p im wahrsten Sinne des Wortes glänzt. So ähnelt die Anime-Serie bildtechnisch fast schon Filmen von Shinkai Makoto, auch wenn qualitativ noch Welten dazwischen liegen. Zusammen mit der stimmungsvollen Musik ergibt Kabaneri of the Iron Fortress ein wahrhaft erinnerungswürdiges Gesamtbild, das Lust auf mehr macht!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Kabaneri of the Iron Fortress gehört wohl zu den Überraschungen der letzten Jahre. Regisseur Araki Tetsurō gelingt es, Steampunk- und Japan-Setting miteinander zu verbinden und eine spannende Geschichte zu erzählen. In dieser bedient sich der Regisseur zwar altbekannter Motive, lässt diese allerdings in einem frischen Szenario aufleben. Zusammen mit den zahlreichen Höhen und Tiefen, die die Charaktere während ihrer Reise durchleben, bleibt es an keiner Stelle langatmig oder gar langweilig. Actionreiche und entspannende Szenen wechseln sich in einem angenehmen Rhythmus ab, sodass jede Episode genügend Abwechslung bietet. Das erste Drittel der Serie ist Studio Wit auf ganzer Linie geglückt, auch wenn das Bonusmaterial mit einem achtseitigen Booklet sehr dürftig ausfällt. Die eigentliche Qualität der Anime-Serie wird dadurch aber nicht tangiert, weshalb sich kein Action- und Steampunk-Fan Kabaneri of the Iron Fortress entgehen lassen darf!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kabaneri of the Iron Fortress (Vol. 1)!

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