Review: CrossCode

Im 16-Bit-Zeitalter erschienen vor allem für das Super Nintendo unzählige Rollenspiele, die uns bis heute im Gedächtnis bleiben. CrossCode knüpft mit seinem Retro-Look an diese Ära an und verbindet das Spektakel mit dem Konzept eines Online-Rollenspiels, nur eben offline.

CrossCode spielt sowohl in einer fernen Zukunft als auch auf einem fremden Planeten. Auf diesem gab es einst eine alte Kultur, die aber vermeintlich ausgestorben ist. Im Verlauf des Spiels erfahren wir mehr über diese Kultur und ihre mythologischen Wurzeln. All das ist auf der einen Seite Realität, auf der anderen Seite aber zugleich Fiktion. Anstatt unsere Figur direkt zu steuern, schlüpfen wir stattdessen in die Rolle ihres Avatars. Der in der Welt von CrossCode wirklich existierende Planet ist nämlich Austragungsort eines Online-Rollenspiels – komplett mit Nicht-Spieler-Charakteren, Gilden, Quests und dem Sammeln von Ressourcen. Wir schlüpfen in die Haut von Lea, die sich an nichts weiter als ihren Namen erinnern kann. Zu allem Überfluss ist auch ihr Sprachmodul defekt, sodass sie kaum ein Wort herausbringt. Auf diese Art und Weise parodiert CrossCode einerseits den stummen Helden und andererseits den Gedächtnisverlust, an dem schon so viele Charaktere in der Geschichte des Rollenspiels gelitten haben. Dennoch entwickelt sich mit der Zeit eine interessante Geschichte, die genau diese beiden Aspekte logisch in die Handlung einwebt und immer mal wieder zum Bestandteil der Diskussion macht. Auch dass sich die Figuren in einem Online-Rollenspiel befinden, wird an allen Ecken und Enden der Spielwelt mit zahlreichen Details deutlich gemacht.

Knifflige Rätsel als Alleinstellungsmerkmal 

Überall auf dem Planeten flitzen andere „Spieler“ durch die Gegend, unterhalten sich über eingeblendete Chatfenster miteinander, berichten von ihrem Real Life und geben uns hier und da sogar Tipps, wie wir Gegner besiegen oder ein Rätsel lüften können. Es ist faszinierend, mit welch einfachen Mitteln es dem Entwicklerstudio Radical Fish Games gelungen ist, die Illusion eines Online-Rollenspiels in einem Offline-Rollenspiel zu erzeugen. Sicherlich sind die deutschen Entwickler aus Saarbrücken nicht die ersten, die sich daran versucht haben. Mit .hack und Sword Art Online gibt es bereits zwei namhafte Franchises aus Japan, die genau dieses Konzept erfolgreich umgesetzt haben. CrossCode schlägt in puncto Gameplay jedoch noch eine andere Richtung ein. Eines der Alleinstellungsmerkmale sind beispielsweise die bereits erwähnten Rätsel. Zum einen gilt es hier Schalterrätsel zu lösen, indem wir mit Geschossen, so genannten Bällen, auf Schalter schießen. Zuvor müssen gelegentlich auch Felsblöcke, an denen die Bälle abprallen, richtig angeordnet werden. Zum anderen gibt es Sprungeinlagen, bei denen wir von Anhöhe zu Anhöhe springen müssen. Diese sind derart organisch in die stimmige Spielwelt eingebaut, dass sie fast gar nicht auffallen. Zudem sind die meisten Rätsel überaus knifflig, sodass sie auch munter zum Experimentieren einladen.

In der Ausrüstung liegt die Kraft

In puncto Kampfsystem geht CrossCode deutlich weniger Experimente ein. Das heißt aber nicht, dass das Rollenspiel in dieser Disziplin anspruchslos ist. Wir können mit unserem Schwert im Nahkampf angreifen, Angriffe abwehren, mit Ausweichrollen einer Attacke aus dem Weg gehen und im Fernkampf den Gegner mit Bällen aufs Korn nehmen. Hier fühlt sich das Spiel fast schon wie ein Twin-Stick-Shooter an. Nur eben mit dem Unterschied, dass die Gegner trotzdem aktiv den Nahkampf suchen und wir an keiner Stelle wirklich sicher sind. Selbst Anhöhen können sie erklimmen, wodurch wir stets in Bewegung und auf der Hut sein sollten. Da Händler für neue beziehungsweise bessere Waffen wenig bescheiden beim Kassieren unseres hart verdienten Geldes und Ressourcen in der Spielwelt zum Eintauschen für neue Rüstungen, Helme oder Stiefel rar gesät sind, müssen wir öfter als uns lieb ist, mit älterer Ausrüstung zurechtkommen. Hier spielt CrossCode gekonnt mit einem weiteren Aspekt von Online-Rollenspielen. Level-Aufstiege brauchen Zeit, viel Zeit. Schneller erreichen wir das nächste Level-up, wenn wir Quests erledigen. Dennoch erhöht ein Stufenaufstieg die Statuswerte kaum. Nur wenn wir neue Ausrüstung finden oder kaufen, fühlen wir uns auch tatsächlich stärker. Einerseits ist das ganz schön genial, andererseits aber auch unnötig zeitintensiv.

Pflichtprogramm für Rollenspieler

Zeit sollten wir übrigens mitbringen, wenn wir alles von CrossCode sehen wollen. Möchten wir alle Quests erledigen, können wir über fünfzig Stunden lang den Planeten erkunden. Folgen wir nur der Haupthandlung, fällt das Abenteuer entsprechend kürzer aus. Vor allem ist es aber sehr wichtig, Sitzfleisch mitzubringen. Stellenweise plappern die Figuren wie ein Wasserfall. Vor allem wenn wir eine neue Stadt erreichen, Quests suchen und keine Einzelheiten verpassen wollen, vergessen wir gerne, dass wir Lea eigentlich von ihrer Amnesie befreien sollten. Wer nur der Story folgt, bekommt den besseren Spielfluss und verpasst zudem keine tiefgründigen Nebengeschichten, denn auch das Sammeln von einer bestimmten Anzahl an Items oder das Töten von einer gewissen Gegneranzahl ist – wie könnte es auch anders sein – Online-Rollenspielen nachempfunden. Spieltechnisch und visuell orientiert sich CrossCode vor allem an Super-Nintendo-Klassikern wie Secret of Mana, Trials of Mana, Terranigma oder Secret of Evermore. Alles Spiele, die ein Rollenspieler in seinem Leben nicht verpassen sollte. CrossCode verbeugt sich vor diesen Klassikern und verbindet einzelne Elemente wie flotte Kämpfe, hübsche Gegenden und akrobatische Sprungeinlagen zu einem fantastischen Genuss, der noch dazu mit einem tollen Soundtrack von Deniz Akbulut unterlegt ist. Crosscode gehört zum Pflichtprogramm für alle Fans von guten alten japanischen Rollenspielen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Bereits vor Monaten hat mir ein Freund CrossCode auf Steam geschenkt. Undankbar wie ich bin, habe ich es bis heute dort nicht angerührt. Erst auf der Switch habe ich dann tatsächlich zum Spiel gefunden und bin begeistert. Nicht nur, dass die Entwickler die anfänglich unerträgliche Framerate in manchen Gebieten in den Griff bekommen haben, mir gefallen auch Story, Charaktere und Spielwelt sehr. Ich fühle mich tatsächlich in ein Online-Rollenspiel wie Final Fantasy XIV: A Realm Reborn versetzt, ohne dass ich monatliche Kosten latzen muss und erlebe dabei eigentlich ein waschechtes Offline-Rollenspiel. Als Nostalgiker, der mit Secret of Mana, Terranigma und Co aufgewachsen ist, erkenne ich sofort so manche Anspielung an die 16-Bit-Zeit, die für das japanische Rollenspiel tatsächlich wegweisend war. CrossCode macht so gut wie alles richtig. Lediglich die eine oder andere gefühlte Länge in der Story und das zeitintensive Aufleveln respektive Geld- und Ressourcensammeln für neue Ausrüstungsgegenstände sind mir persönlich wirklich ein Dorn im Auge. Abgesehen davon genieße ich aber jede einzelne Minute des Spiels und kann CrossCode deshalb jedem Rollenspieler wärmstens empfehlen!

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