Review: Golden Kamuy (Vol. 3)

Im Juni 2020 veröffentlichte Kazé Anime die dritte Volume der Anime-Serie Golden Kamuy. Diese führt nicht nur die Geschichte um den ehemaligen Soldaten Sugimoto Saichi fort, sie bringt auch weitere Figuren ins Spiel, die die Jagd nach dem Schatz auf eine neue Ebene hieven.

Die Suche nach dem Goldschatz im Herzen der nördlichsten Hauptinsel Japans, Hokkaidō, geht in die nächste Runde. Noch bevor der Zuschauer den Protagonisten Sugimoto auf der Suche nach dem Schatz begleitet, kann er einen Blick auf einen neuen Charakter erhaschen. Bei diesem handelt es sich um den ominösen Tierpräparator Edogai Yasaku. Zu Beginn der dreizehnten und damit ersten Episode der dritten Volume von Golden Kamuy erhält Edogai Besuch vom durchtriebenen Tsurumi Tokushirō. Tsurumi ist handwerklich sehr begabt und stellt neben Tierpräparaten auch Kleidungsstücke her, die wie gemacht für den menschlichen Körper sind. Sie schmiegen sich regelrecht an die Haut des Trägers an. Kurioser wird es nur, wenn der Zuschauer auch die menschlichen Präparate im Haus des Handwerkers sieht. So hat er nicht nur in bester Norman-Bates-Manier seine Mutter aufbereitet, er hört sogar wie der unscheinbare Psychopath aus Alfred Hitchcocks Film Psycho deren Stimme und die der anderen im Haus aufbewahrten Präparate. Hinzu kommt, dass er mit ihnen kommuniziert. Tsurumi gelingt es, Edogai von den Stimmen zu befreien und ihn für seine Pläne zu instrumentalisieren. In der vierzehnten Folge treffen schließlich auch Sugimoto und Edogai aufeinander, was in einer bahnbrechenden Verfolgung durch eine Mine inklusiver gewaltiger Explosionen gipfelt.

Fiktion und Historizität

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist auch das Zusammentreffen von Sugimoto und Hijikata Toshizō, einer in der Realität zu diesem Zeitpunkt bereits verstorbenen Persönlichkeit. Das lässt die verschiedenen Ansichten der Charaktere aufeinanderprallen und hält die Story auf diese Art und Weise frisch. Ein äußerst positiver Aspekt von Golden Kamuy ist in diesem Zusammenhang, dass die Anime-Serie an vielen Stellen hervorragend in den historischen Kontext eingegliedert ist. Bei einem Dialog zwischen den Überbleibseln der Shinsengumi wird beispielsweise die Wiedererrichtung der Republik Ezo in Betracht gezogen, die lediglich von Dezember 1868 bis Juni 1869 bestand, bis sie aufgelöst und das Areal wieder Teil des japanischen Kaiserreichs wurde. Hinzu kommt, dass ebenfalls auf das Zarenreich geschielt wird. Dieses ist zu jener Zeit zerstritten, was vor allem am aufkeimenden Kommunismus unter der Führung von Wladimir Iljitsch Lenin in Russland liegt. Lenin wird sogar kurz gezeichnet dargestellt, so dass sich der Zuschauer ein glaubhaftes Bild von der Zeit machen kann. Dennoch bleibt auch in den Folgen der vorliegenden Volume etwas Zeit, um die Lebensweise der Ainu zu charakterisieren. Bevor eine Gruppe beispielsweise aufbricht, wird ein Segen über sie gesprochen. Das ist interessant und verdichtet die Atmosphäre von Golden Kamuy.

Ausgeglichene Gestaltung

An der technischen Gestaltung hat sich in der Anime-Serie von Regisseur Nanba Hitoshi seit der zweiten Volume nicht viel geändert. Das gilt sowohl im Positiven als auch im Negativen. Beispielsweise stechen die sehr detaillierten Charaktermodelle sofort ins Auge, während die Hintergründe eher unscheinbar bleiben. Dennoch unterstützen auch die Umgebungen, vor allem die japanische Architektur und die Wildnis, die Atmosphäre von Golden Kamuy. Effekte und Animationen fallen ebenso positiv ins Gewicht, sodass das Bild in 1080p respektive im bildschirmfüllenden 16:9-Format stets dynamisch eingefangen wird. In akustischer Hinsicht bereichern beruhigende Melodien Dialoge und hitzige Klänge im Tonformat Dolby Digital 2.0 die actionreichen Szenen, die sich in der dritten Volume die Waage halten. Die alternierende Gestaltung der Episoden ist gut gelungen, da einerseits genügend Zeit zum Verschnaufen bleibt und andererseits die Schatzsuche mit neuen Informationen in eher ruhigen Momenten gefüttert werden kann. Digitale Boni gibt es in Form von sechs kurzen Mini-Episoden, die als heiteres Gegengewicht zur ernsten Handlung dienen. Hinzu kommen Clean Opening und Ending. Als physische Boni erhalten Käufer zudem zwei Art Cards und eine Tattoo Card. Letztere dürften Fans in Ehren halten, ist sie doch Teil der „Schatzkarte“ aus Golden Kamuy.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): In puncto Storytelling gelingt es der Serie Golden Kamuy vom Animationsstudio Geno, ständig mit neuen Ideen zu punkten. So tritt mit dem Tierpräparator Edogai Yasaku ein neuer, wenn auch kurzlebiger Charakter auf, der in die Pläne des gefährlichen Tsurumi Tokushirō involviert wird. Ebenfalls interessant ist die Zusammenkunft von Sugimoto Saichi und Hijikata Toshizō, was einmal mehr den perfiden Unterton der Serie unterstreicht. Jeder denkt nur an seinen Vorteil, was insbesondere in der vierten und letzten Volume der Veröffentlichungsreihe von großer Bedeutung sein dürfte. In visueller und akustischer Hinsicht sollte aber auch die dritte Volume wieder jeden Fan zufriedenstellen, da hier auf das gleiche Konzept gesetzt wird, wie bei den ersten beiden Ausgaben. Nichtsdestotrotz steht die vierte Volume nun in der Pflicht, die Serie zu einem Abschluss zu bringen. Das Ende der achtzehnten und damit letzten Folge dieses Episodenpakets lässt jedoch noch nicht darauf schließen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Golden Kamuy (Vol. 3)!

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