Preview: SaGa Frontier Remastered

Unter Retro-Fans erarbeitete sich Square Enix in den letzten Jahren einen guten Ruf. Der japanische Konzern veröffentlicht der Reihe nach ältere Spiele seines Repertoires. Dazu zählen auch Spiele, die nie in Europa erschienen sind. Im April 2021 ist SaGa Frontier an der Reihe.

Ursprünglich erschien SaGa Frontier im Jahr 1997 für die PlayStation in Japan und schaffte ein Jahr später den Sprung nach Nordamerika. Den Europäern enthielt Square das Spiel damals aber vor, was womöglich an den harschen Kritiken lag. So gilt das Spiel bis heute als  wenig zugänglich, da es angeblich nicht weiß, was es eigentlich will. Ein harter Dämpfer, denn auch die insgesamt sechs Vorgänger der SaGa-Reihe haben gezeigt, dass auch experimentelles Gameplay mit sehr viel Spielspaß aufwarten kann. Obwohl es sich bei SaGa Frontier um den ersten Teil der Reihe handelt, der nicht auf einer Nintendo-Plattform erschien, hat sich so gut wie nichts an den kreativen Köpfen hinter dem Projekt geändert. So übernahm Kawazu Akitoshi einmal mehr die Rolle des Produzenten und Regisseurs, während Itō Kenji als Komponist das auf mehrere Kapitel eingeteilte Rollenspiel musikalisch unterlegte. In diesem Punkt unterscheidet sich der Titel stark von anderen Spielen seiner Zunft und selbst für das SaGa-Franchise ist der Sprung mutig. So fungieren die einzelnen Kapitel unabhängig voneinander und erzählen jeweils eine eigenständige Geschichte. Da gibt es genauso den stereotypischen Helden, der gegen das Böse kämpft, wie einen Magier, der seinen Bruder übertrumpfen will. Ein Roboter, der seinen Sinn im Leben sucht ist ebenso mit an Bord wie eine Frau, die auf Rache für ihren verstorbenen Verlobten sinnt.

Totgeglaubte leben länger

Anhand solcher Charaktere wird deutlich, dass sich SaGa Frontier vom nicht selten zitierten Einheitsbrei des Rollenspielgenres abheben will. Unserer Meinung nach gelingt das dem Spiel sehr gut, denn wir können uns nicht daran erinnert, wann wir zuletzt mit einem Monster auf der Suche nach magischen Ringen ausgezogen sind, um dessen Heimat zu retten. Auch einfach mal in die Rolle eines Tunichtguts zu schlüpfen, ist eine willkommene Abwechslung. Je nachdem welche Entscheidungen wir treffen und welche Mitstreiter wir in unsere Gruppe(n) aufnehmen, variiert der Verlauf der Geschichte zusätzlich. Für die Remastered-Ausgabe hat sich Square Enix aber eine überaus positive Überraschung ausgedacht, denn mit Fuse bringt der Publisher einen Charakter zurück, der bereits für das Original angedacht war, jedoch aus Gestaltungsgründen der Schere zum Opfer fiel. Angeblich sei die Figur zu komödiantisch für das Spiel gewesen. So werden aus sieben gleich acht Figuren, mit denen wir dutzende Stunden Zeit verbringen dürfen. Dadurch wird das Spiel um eine weitere Facette ergänzt, von denen es ohnehin schon reichlich gibt. Wie in den ersten drei Teilen der SaGa-Reihe gibt es in SaGa Frontier verschiedene Ethnien wie halbmystische Wesen, deren Hintergründe jetzt aber in epischer Breite ausformuliert werden und nicht einfach nur hingenommen werden müssen.

Bekannte SaGa-Merkmale

Ansonsten ähnelt das Konzept von SaGa Frontier den vorherigen Ablegern der Reihe stark. Das so genannte Free Scenario System führt uns regelrecht frei durch die Spielwelt, sodass sich jeder Spieldurchgang zusätzlich anders anfühlen dürfte. Die Kämpfe selbst sind, wie für die Reihe gewohnt, rundenbasiert. So erlernen wir Fähigkeiten wie in Romancing SaGa 3 im Kampf oder erwerben Zaubersprüche in Magieläden. Auch verheerende Gruppenangriffe sind möglich. Für abgeschlossene Kämpfe hagelt es übrigens keine Erfahrungspunkte. Stattdessen erhöhen sich Attribute wie Lebensenergie oder Stärke mit der Zeit automatisch. Wem die ausufernden Kämpfe übrigens zu langsam sind, kann die Geschwindigkeit auf Knopfdruck erhöhen. Da im Trailer keine weiteren Komfortfunktionen angekündigt worden sind, gehen wir noch davon aus, dass es keine weiteren Features dieser Art geben wird. In optischer Hinsicht ist die aufpolierte Fassung jedoch ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite gefallen uns die zweidimensionalen Charaktermodelle und auch die vorgerenderten Hintergründe sehen mit einem Augenzwinkern aufs Alter durchaus hübsch aus. Lediglich die dreidimensionalen Effekte und Animationen wirken dann doch etwas zu betagt. Europäische Retro-Fans dürfte das aber kaum stören, denn diese können sich auf einen verpassten Klassiker freuen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Prognose (basierend auf dem veröffentlichten Videomaterial): In den letzten Jahren habe ich mich regelrecht zu einem Fan des SaGa-Franchises entwickelt. Die Spiele dieser Reihe heben sich so wunderbar von anderen Rollenspielen ab, dass es einfach eine wahre Freude ist, das Genre aus anderen Blickwinkeln zu betrachten und zu erleben. SaGa Frontier wird für mich da keine Ausnahme darstellen, denn das Rollenspiel bietet mit acht Charakteren, von denen einer erstmals in der Remastered-Fassung spielbar sein wird, reichlich Abwechslung. Besonders interessant finde ich, dass die Charaktere grundsätzlich nichts miteinander zu tun haben und jedes Kapitel in sich geschlossen ist. Das ergibt für mich storytechnisch deutlich mehr Sinn als zum Beispiel in Octopath Traveler, wo die Helden überhaupt nicht miteinander kommunizieren, aber dennoch Seite an Seite kämpfen, wobei im Grunde jeder sein eigenes Bier braut. Auch die Kämpfe, in denen ich meine Helden automatisch mit der Zeit verbessern und neue Fähigkeiten erlernen kann, haben mir schon in Romancing SaGa 3 gefallen. In diese Kerbe fällt auch SaGa Frontier Remastered, auf das ich mich einfach wahnsinnig freue! 

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