Review: Collection of SaGa: Final Fantasy Legend

Mit der Collection of SaGa: Final Fantasy Legend lässt uns Publisher Square Enix ein weiteres Mal in die Vergangenheit reisen. Dieses Mal geht es in die Jahre 1989 bis 1991, aus denen die drei in dieser Kollektion enthaltenen, aber nie in Europa veröffentlichten Spiele stammen.

Nachdem europäischen Spielern im Jahr 2019 mit Titeln wie Romancing SaGa 3 und SaGa: Scarlet Grace – Ambitions Geschmack auf das Franchise gemacht wurde, klapperte Square Enix Ende 2020 rechtzeitig zum 31. Geburtstag der Marke deren ersten drei Einträge ab. Obwohl die Trilogie in Nordamerika als Final-Fantasy-Legend-Reihe bekannt wurde, blieb der japanische Konzern die drei Rollenspiele dem europäischen Publikum schuldig. Warum das Unternehmen respektive die damals noch allein agierende Firma Square die drei Rollenspiele nie nach Europa brachte, ist nicht bekannt. Wir gehen davon aus, dass das Distributionsnetzwerk in dieser Zeit einfach noch nicht weit genug ausgebaut war. Am ungewöhnlichen Spieldesign, hinter dem niemand geringeres als Entwicklerlegende Kawazu Akitoshi steckt, kann es wohl nicht liegen – schließlich erschien die komplette Trilogie in Nordamerika. In den drei Titeln der Collection of SaGa übernehmen wir jeweils die Führung über eine Heldengruppe, erkunden aus der leicht versetzten Vogelperspektive fantasievolle Orte, messen uns in rundenbasierten Kämpfen mit allerlei Monstern, verbessern nach und nach unsere vier Recken und quasseln uns mit Nicht-Spieler-Charakteren den Mund fusselig. Das klingt alles nach typischen japanischen Rollenspielen, die im Kern aber einen ganz anderen Ansatz verfolgen.

Frische Impulse in einem damals noch jungen Genre

Dieser Ansatz ist bereits in puncto Storytelling zu erkennen. Zwar reißen die ersten drei Ableger der SaGa-Reihe keine Bäume aus, doch heben sie sich für ihre Entstehungszeit stark von anderen japanischen Werken ab. Im ersten Serienteil, Makai Tōshi SaGa, erklimmen wir beispielsweise einen Turm, der in das so genannte Paradies führen soll. Auf dem Weg zur Spitze verbindet der Turm verschiedene Welten miteinander, die wir erkunden dürfen. In SaGa 2: Hihō Densetsu gehen wir hingegen auf die Suche nach unserem verschwundenen Vater. Dieser steht in irgendeiner Weise in Verbindung zu zwölf mysteriösen Artefakten. SaGa 3: Jikū no Hasha thematisiert hingegen Zeitreisen. Während wir im ersten Ableger noch einen namenlosen respektive frei benennbaren Helden spielen, erhält der Protagonist im zweiten Teil eine Hintergrundgeschichte. Dennoch bleiben vor allem unsere Mitstreiter im ersten Teil blass. So müssen wir sie in einer Gilde rekrutieren, während wir sie in SaGa 2 zu Beginn des Abenteuers auswählen und zumindest der Schein gewahrt wird, dass sie Bewohner unseres Heimatdorfes sind. Erst SaGa 3 gelingt es, die Story weniger lose und stringenter zu erzählen, da den Helden vordefinierte Namen verpasst wurden. So steht die Collection of Saga exemplarisch dafür, wie sich das Storytelling im Game-Boy-Zeitalter schrittweise entwickelt hat.

Charakterentwicklung mal anders

Mit ihrem Gameplay greifen die Spiele zwar auf ein bekanntes Fundament zurück, das durch die ersten Ableger der japanischen Rollenspielreihen Dragon Quest und Final Fantasy zementiert wurde, doch gehen sie ein Stück weiter. Kawazu, dem es in seinen Spielen immens wichtig ist, immer etwas Neues oder Unbekanntes zu wagen, gelingt dieser Spagat vor allem im SaGa-Franchise. So entwickeln sich unsere Helden in den ersten beiden Teilen nicht durch Stufenaufstiege weiter, die etwa durch das Sammeln von Erfahrungspunkten ausgelöst werden. Stattdessen sammeln wir Goldmünzen, um unseren menschlichen Mitstreitern Items im Laden zu kaufen, die ihnen permanente Verbesserungen wie mehr Lebensenergie oder mehr Stärke bescheren. Haben wir Monster in unserer Gruppe, so verfüttern wir am Ende eines Kampfes stattdessen Fleisch an sie. Je nachdem um welches Fleisch es sich handelt, verwandelt sich das Monster in ein stärkeres oder schwächeres Wesen. Das ist zwar interessant, doch sind die Titel in dieser Disziplin nicht makellos. Während im Original die Bedienungsanleitung eine Hilfe gewesen sein könnte, fehlen diese Informationen innerhalb der Spiele. Ebenso kommt die Collection of SaGa ohne digitale Anleitung aus. Wollen wir etwas nachschlagen, sind wir auf Guides im Internet oder stundenlanges Experimentieren angewiesen. Das ist umständlich!

Gleich mehrere Dornen im Auge

Ebenso umständlich dürfte für den einen oder anderen Spieler auch der Verschleiß der Waffen sein. Mit unserem Langschwert können wir beispielsweise fünfzig Mal angreifen, bis es zerbricht. Das erinnert ein wenig an Strategie-Rollenspiele wie Fire Emblem: Shadow Dragon & the Blade of Light und kann vor allem dann stören, wenn der Weg zum letzten Schmied ein wenig länger ist. Auch alle anderen Fähigkeiten können in den ersten beiden Teilen verbraucht werden, bis sie nicht mehr einsatzfähig sind. Heilgegenstände sind wiederum nur außerhalb der Kämpfe nutzbar. Beim Seriendebüt wird uns das Leben zusätzlich dadurch erschwert, dass jeder Charakter unserer Gruppe über eine bestimmte Anzahl an Herzen verfügt, die er mit jedem Ableben verbraucht. Das heißt, wenn er im Kampf fällt, kann er im Tempel vom Priester zwar wiederbelebt werden, doch verliert er dafür ein Herz. Sind alle Herzen verbraucht, ist der Charakter nahezu unwiderruflich tot. Für einen exorbitanten Betrag lassen sich zwar Herzen erwerben, doch dies dürfte wohl für die wenigsten eine Option sein. In der Gilde können tote Charaktere mit Ausnahme des Haupthelden nach ihrem Ableben aber ausgetauscht werden. SaGa 2 und SaGa 3 verzichten auf dieses Konzept, sind aber nicht weniger anspruchsvoll. Der dritte Teil bringt für menschliche Charaktere gar Erfahrungspunkte zurück.

Namhafte Komponisten an Bord

Jede einzelne Episode der Trilogie verzaubert uns mit besonderen Musikstücken. Das ist auch kein Wunder, denn an allen drei Spielen haben bedeutende Persönlichkeiten der japanischen Videospielbranche mitgearbeitet. Für den ersten Teil zeichnet sich Komponist Uematsu Nobou verantwortlich, dem es trotz schnell einsetzender Schleifen gelingt, das Erkunden von Dungeons mysteriös zu halten und die Musik im Kampfbildschirm in Adrenalin zu tupfen. Beim zweiten Ableger erhält Uematsu, der vor allem für seine Arbeit an den ersten zehn Ablegern der Final-Fantasy-Reihe bekannt ist, Unterstützung von Itō Kenji. Dieser beeindruckte mit seinem frischen Einfluss Square Enix anscheinend so sehr, dass er dem SaGa-Franchise und einigen Ablegern der Mana-Reihe auch in den folgenden Jahrzehnten seinen spielbezogenen Stempel aufdrückte. Im letzten Serienteil der Trilogie wurden beide Komponisten durch Fujioka Chihiro und Sasai Ryūji ersetzt. Während Sasai schon länger nicht mehr im Videospielbereich tätig ist und am ehesten für seine Arbeit an Mystic Quest Legend bekannt sein dürfte, war Fujioka 2019 unter anderem für die Überarbeitung der Musik und Soundeffekte von Mario & Luigi: Abenteuer Bowser + Bowser Jr.s Reise zuständig. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Teilen setzt das Schlusslicht der Trilogie vermehrt auf schnelle Melodien.

Limitierte, aber charmante Grafik

Unter technischen Gesichtspunkten handelt es sich bei den drei Spielen der Trilogie allesamt um Game-Boy-Spiele. Daher dürfte es nicht verwunderlich sein, dass die 8-Bit-Grafik stark auf wiederkehrende Elemente setzt. Beispielsweise kommen uns einzelne Texturen aus dem etwa zeitgleich entstandenen Mystic Quest für den Game Boy bekannt vor. Einzelne Elemente wie die Schatztruhen im zweiten Teil wurden hingegen sogar später in Mystic Quest Legend für das Super Nintendo erneut aufgegriffen. In Bezug auf die technische Limitierung von Nintendos Handheld lässt sich sagen, dass unter anderem Dorfbewohner gerne schon mal doppelt auftreten oder sogar den Helden der eigenen Truppe ähneln. Im Angesicht des Alters der drei enthaltenen Spiele stört uns das bei der Collection of SaGa allerdings wenig, denn nach wie vor sind die liebevoll gestalteten Umgebungen und Charaktere auf ihre eigene Art und Weise so charmant, dass wir darüber gerne hinwegsehen. Ein Vorteil der schachbrettartig aufgebauten Spielwelt, in der die einzelnen Elemente orthogonal ausgerichtet sind, ist aber in jedem Falle die flotte Steuerung. Wir können unsere Helden kinderleicht über die von Teil zu Teil anspruchsvoller gestalteten Oberweltkarten, Dörfer und Städte sowie in den Dungeons auch durch Räume und Gänge manövrieren, ohne dass wir an einer Stelle der Architektur anecken.

Gelungene Features und verpasste Möglichkeiten

Ähnlich wie andere Videospielsammlungen auf der Switch kann die Collection of SaGa mit zusätzlichen Features punkten, die so auf dem Game Boy weitgehend nicht möglich gewesen wären. Am ehesten dürfte die anpassbare Spielgeschwindigkeit zu erwähnen sein, denn auf Knopfdruck können wir diese verdoppeln oder auf den Normalwert zurücksetzen. Besonders dann, wenn wir unsere Helden trainieren respektive Goldmünzen sammeln wollen, spart das sehr viel Zeit. Dennoch sollten wir das Feature mit Bedacht einsetzen, da wir die sehr starken Gegner der drei Spiele nicht unterschätzen sollten. Ist uns der gezeigte Bildschirmausschnitt zu klein oder zu groß, dürfen wir auf Knopfdruck ebenfalls zwischen zwei Größen wechseln. Freies Kalibrieren ist hierbei nicht möglich. Dafür bietet die Collection of SaGa die Möglichkeit, den Bildschirm vertikal auszurichten, sodass wir die Switch im Handheld-Modus wie einen Game Boy halten und die Eingaben über den Touchscreen tätigen. Das funktioniert erstaunlich gut und sollte zum Standard von möglichen Game Boy Collections für die Switch werden, zumal sich die Positionen der virtuellen Buttons frei einstellen lassen. Ansonsten bietet die Kollektion nur noch acht Hintergründe für den nicht genutzten Bildschirmbereich. Einen Musikspieler, zusätzliche Speicherplätze oder spezielle Farbfilter bietet die Collection of SaGa aber nicht. Hier bleibt Publisher Square Enix hinter den Möglichkeiten leider zurück.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Nach vielen Jahren ist es mir dank der Collection of SaGa endlich möglich, die Ursprünge eine der wohl interessantesten und komplexesten japanischen Rollenspielserien zu ergründen. Da ich spätere Ableger bereits kannte, wusste ich im Vorfeld, auf was ich mich einzustellen hatte. Für all jene, bei denen dieses Vorwissen nicht vorhanden ist, wird die Einstiegshürde deutlich größer sein. Die ersten drei SaGa-Spiele machen nicht nur vieles anders als ein Großteil der japanischen Rollenspiele, sie erklären diese Inhalte auch so gut wie nie. Um mich in vielen Bereichen zurechtzufinden, muss ich entweder auf Guides zurückgreifen oder stundenlang herumexperimentieren, bis der Groschen endlich fällt. Nichtsdestotrotz machen alle drei Teile nach ein wenig Einarbeitungszeit viel Spaß, da vor allem das Storytelling aus dem Einheitsbrei der typischen Weltenrettung ausbricht und die Entwicklung der Charaktere in weiten Teilen völlig anders verläuft als ich es gewohnt bin. Besonders freue ich mich darüber, dass ich die drei Spiele der Collection of SaGa auch mit erhöhter Geschwindigkeit spielen kann, um das Trainieren meiner Heldengruppe voranzutreiben. Auch die Idee, den Bildschirm vertikal auszurichten, damit ich meine Switch wie einen Game Boy in Händen halte, ist genial und sollte unbedingt Geschichte schreiben. Wer sich auf die Collection of SaGa einlässt, auf Genrekonventionen pfeift und zudem experimentierfreudig ist, kommt in den Genuss von drei tollen Klassikern.

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