Review: Bayonetta 3

Obwohl Bayonetta aus dem Jahr 2009 zwar ein paar Qualitäten vorweist, war dem Titel nicht der große Durchbruch beschert. Daran änderte der zunächst exklusiv für die Wii U veröffentlichte zweite Serienteil nichts. Mit Bayonetta 3 wird sich an diesem Umstand nichts ändern.

In Bayonetta 3 steht die Welt am Abgrund zur Apokalypse. Ein Wesen aus einer anderen Dimension hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Dimensionen miteinander zu verbinden und sämtliche Widersacher aus dem Verkehr zu ziehen. Dazu zählen auch alle Hexen, die sich quer durch das Multiversum bewegen. Die titelgebende Protagonisten Bayonetta ist hierbei keine Ausnahme. In der dritten Episode der Actionreihe muss sie sich weniger mit Engeln aus dem Himmel und Dämonen aus der Hölle herumschlagen, sondern sich mit künstlich erschaffenen Menschen, so genannte Homunkuli, anlegen. Ihre Reise führt sie durch Zeit und Raum und wir begleiten sie dabei. Unterstützung erhält Bayonetta von ihrer feschen Weggefährtin Jeanne und der neu hinzugekommenen Viola. Um wen es sich dabei genau handelt, lassen wir an dieser Stelle aber mal außen vor. Eine Exposition für die Charaktere fehlt jedoch, weshalb das Spiel hier Vorwissen erwartet. Serientypisch ist die Story von Bayonetta 3 abgedreht. Umso mehr überrascht es, dass die einzelnen Dimensionen in ihren Zeitepochen deutlich bodenständiger wirken. Beispielsweise befinden wir uns inmitten des zerstörten Tōkyō der Gegenwart, laufen über chinesische Festungsmauern und steigen hinab in die Untiefen ägyptischer Tempelanlagen. Zwischenzeitlich wechseln wir von Bayonetta immer mal wieder zu Jeanne und Viola, was teils auch leicht bis ganz anderes Gameplay mit sich bringt.

Kämpfe mit unzähligen Angriffsmöglichkeiten

Wer die ersten beiden Teile gespielt hat, wird ungefähr wissen, auf was er sich in Bayonetta 3 einlässt. Aus der Third-Person-Perspektive kämpfen wir mit Bayonetta gegen unzählige Homunkuli und hin und wieder müssen auch Engel Federn und Dämonen Hörner lassen. In den Kämpfen stehen uns einige Kombinationen an Angriffsmöglichkeiten zur Verfügung. Zum einen hat Bayonetta immer noch bekannte Tricks aus den Vorgängern auf Lager und zum anderen gibt es neue Attacken zu bestaunen. Das liegt auch daran, dass sich Bayonetta beim Anlegen von neuen Waffen jetzt auch verwandelt. So unterscheiden sich die Angriffe etwas voneinander und auch die Fortbewegung verändert sich. Wer keine Lust hat, mit Schmetterlingsflügeln im Laufschritt über die Schlachtfelder zu huschen, kann sich in Bayonetta 3 auch eine Monsterspinne als Reittier herbeizaubern. Kreativität schreibt Entwicklerstudio Platinum Games durchaus groß. Es scheint ganz so, als wollten sich die Entwickler im dritten Teil ganz besonders austoben. Dies geht jedoch mit einer Anbiederung an aktuelle Standards einher. Anstatt Moves im Laden zu kaufen, müssen diese in einem sterilen Menü über einen Fähigkeitsbaum mit Blut erkauft werden. Sonderlich störend ist das zwar nicht, aber gerade weil sich die ersten beiden Teile auch heute noch erfrischend anders und genaugenommen wie Spiele aus den späten 2000er-Jahren anfühlen, ist das für uns leider ein klarer Rückschritt.

Große Areale voller versteckter Geheimnisse

Neben den Kämpfen, die in puncto Schwierigkeitsgrad selbst auf der mittleren Stufe besonders für Anfänger sehr fordernd sein können, setzt Bayonetta 3 verstärkt auf Erkundungstouren. Während der erste Teil nur wenig Raum dafür lässt, ist Bayonetta 2 diesbezüglich angenehm offen. Bayonetta 3 übertreibt es mit der Freiheit unserer Meinung nach jedoch sehr stark. Häufig sind die Areale viel zu weitläufig und so gut wie hinter jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Ein Rätsel hier, eine verschlossene Truhe dort und zusätzliche Aufgaben noch woanders warten auf uns. Erkundungsfreudige Spieler dürfte dies zwar sicherlich freuen, es bremst aber unglaublich die Story aus. Die Krux an der Sache ist die, dass das Spiel leichter wird, je mehr wir die Dimensionen erkunden. Überall lassen sich auch Teile von Hexenherzen und Mondperlen finden, die die Gesundheitsanzeige und Magieleiste verlängern. Wer einfach nur durch das Spiel rasen will, kann dies zwar auch tun, muss dafür aber ordentliche Skills in den Kämpfen beweisen. Immerhin sind die Lutscher, die als Heilungsobjekt oder Stärkungsmittel dienen, nicht mehr so teuer wie in den Vorgängern. . Ressourcen zum Brauen der Heilobjekte gibt es in Hülle und Fülle. Geld hagelt es in Kämpfen zwar zuhauf, aber auch hier empfehlen wir euch, die Blüten auch abseits des Wegesrands einzusammeln. Darüber hinaus müsst ihr euch bei Bayonetta 3 auch auf gelegentliche Gameplay-Abweichungen einstellen.

Gleiches Spiel, anderes Gameplay

Den geringsten Unterschied macht hierbei Viola. Statt mit Schusswaffen ist sie mit einem Katana ausgerüstet. In den Kämpfen lösen wir die Hexenzeit, also eine kurzzeitige Verlangsamung des Geschehens, durch Blocken mit dem Schwert statt Ausweichen aus. In unseren Augen lässt sich Viola jedoch nicht ganz so gut steuern wie Bayonetta. So muss der abzupassende Zeitpunkt, sprich der Moment, in dem wir blocken, genauestens getroffen werden. Derlei Schnitzer im Gameplay verpassen Bayonetta 3 immer wieder einen kleinen Dämpfer. Mit Bayonetta ist es mit Fortschritten im Spielverlauf wiederum möglich, eine nach und nach ansteigende Anzahl an Dämonen im laufenden Kampf zu beschwören. Das sieht dann zwar echt cool aus, da die Viecher durchaus riesig sind, aber in dieser Zeit tanzt Bayonetta bloß vor sich hin und kann sich nicht frei im Raum bewegen, da sie ihre Beschwörungen kontrolliert. Wir verstehen ja, dass das Spiel mit seinem Schwierigkeitsgrad nicht zum Kindergeburtstag verkommen soll, aber ein Gameplay-Element muss sich auch gut anfühlen. Dies ist hier nicht der Fall. Ähnlich sieht es bei den Kaijū-Anleihen aus, also den Momenten, in denen wir einen Dämon im Gojira-Stil inmitten von Häuserschluchten gegen den Feind kämpfen lassen. Auch das sieht nicht nur für Cineasten fantastisch aus, aber die Kreaturen brauchen gefühlt ewig, um zu beißen, zu schlagen, den Schwanz zu schwingen oder gigantisches Feuer zu speien.

Schleichpassagen in einem Actionspiel

Neben äußerst gelungenen Passagen, die an vertikale oder horizontale Shoot ’em ups angelehnt sind und in manchen Szenen sogar wie eine Interpretation von Panzer Dragoon wirken, gibt es jedoch auch Schleichpassagen. Richtig gehört: Schleichpassagen in einem Actionspiel, das uns sonst in allen anderen Belangen auf Tempo drillt. So müssen wir mit Jeanne in regelmäßigen Nebenkapiteln eine Forschungseinrichtung aus der Seitenperspektive infiltrieren. Anfangs ist das noch gewöhnungsbedürftig. Gegen Ende des Spiels beherrschen wir das Gameplay deutlich besser. Es fragt sich nur, warum uns die Entwickler auch hier ausbremsen müssen. Irgendwie zündet gerade dieser Aspekt des Spiels nicht und passt unserer Meinung nach auch gar nicht zur actionlastigen Reihe. Überspringen lassen sich die Abschnitte darüber hinaus ebenfalls nicht, was dem ganzen Spektakel die Krone aufsetzt. Nach dem abwechslungsreichen Nier: Automata aus dem Jahr 2017 bleibt bei uns das mulmige Gefühl, dass auch Bayonetta 3 möglichst viele verschiedene Inhalte benötigt. Bitte nicht falschen verstehen: Sofern diese Inhalte optional sind und den Kern des Spiels nicht sonderlich stark tangieren, das Gesamtwerk aber bereichern, ist das für uns auch vollkommen in Ordnung. So werden wir aber viel zu oft aus dem Spielfluss geworfen. Die Abschnitte mit Jeanne und zum Teil auch mit Viola mit ihrem eher unnützen Dämon fügen sich einfach nicht organisch ins Spiel ein.

Technische und akustische Abstriche

All das klingt furchtbar schlimm, aber ein schlechtes Spiel ist Bayonetta 3 deshalb trotzdem nicht. Bis auf das Puppenspiel mit den Dämonen und den Schwierigkeiten beim Blocken mit Viola gehen alle Bewegungen flüssig von der Hand. Bei einem Spiel, bei dem es auf Präzision und Können ankommt, ist das schließlich enorm wichtig. Technisch wiederum hat das Spiel mit dem einen oder anderen kleinen Problem zu kämpfen. Optisch hinkt der Titel in unseren Augen selbst dem ersten Teil aus dem Jahr 2009 hinterher. Hinzu kommt, dass die Switch die sechzig Bilder pro Sekunde niemals halten kann. Die Einbrüche in der Framerate sind jedoch leicht und mehr als dreißig bis vierzig Bilder pro Sekunde werden in der Regel immer erreicht. Dennoch fallen die Einbrüche auf, da das Spiel wie gesagt auf ein hohes und flüssiges Tempo setzt. An der akustischen Qualität gibt es nur wenig zu beanstanden. Trotzdem kann die Musik nicht mit den grandiosen Kompositionen der Vorgänger mithalten. Auf eine Umstellung müssen sich Fans der englischen Synchronisation ebenso einstellen. Statt Hellena Taylor saß für Hexe Bayonetta Jennifer Hale vor dem Mikrofon. Auch wenn die Gründe hierfür nachvollziehbar sind, so schafft es Hale leider nicht, in die Fußstapfen von Taylor zu treten. Das ist aber nur der kalte Tropfen auf den heißen Stein. Wer die ersten beiden Episoden mag, wird auch mit Bayonetta 3 seinen Spaß haben. Es ist aber definitiv der schwächste Teil der Reihe.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Bayonetta 3 ist für mich eindeutig der Tiefpunkt der Reihe. Während ich den ersten Serienteil nach wie vor für ein mittelmäßiges Spiel halte, ist die zweite Episode in meinen Augen echt klasse. Kämpfe und Erkundungsdrang halten sich hier wunderbar die Waage und auch der Schwierigkeitsgrad ist weder übertrieben noch zu anspruchslos. Beim dritten Teil geht mir jedoch so einiges gegen den Strich. Die ständigen Charakterwechsel schwächen das Gameplay enorm ab. So kriege ich beim Kämpfen mit Viola dauernd die Krise, wenn sie einen Angriff nicht abwehrt – und ich will mich nicht mit Jeanne durch eine Forschungseinrichtung schleichen. So gut das von Seiten der Entwickler für die Abwechslung auch gemeint ist: Das Gameplay in einem Actionspiel muss einfach flutschen und abseits der Bayonetta-Abschnitte passiert das viel zu selten. Hinzu kommen die ausufernden Erkundungsmissionen. Zwar muss ich das nicht machen, will ich aber alles vom Spiel sehen und gegen starke Gegner eine Chance haben, bleibt mir einfach nichts anderes mehr übrig. Außerdem frage ich mich, warum keinem die lahme Steuerung bei den Kaijū-Szenen aufgefallen sein soll. In technischer Hinsicht ist das Spiel zwar keine Katastrophe, aber warum der Titel nicht mal so gut wie die ersten beiden Teile auf älterer Hardware läuft und mir noch dazu viele verwaschene Texturen ins Gesicht schleudert, lässt mich ebenso sprachlos zurück. Falls ihr Bayonetta noch nicht kennt, dann spielt die ersten beiden Teile und schließt mit der Serie ab. Mit circa zwanzig Stunden Einmalspielzeit ist Bayonetta 3 zwar die längste Episode geworden, aber auch die schwächste.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Bayonetta 3!

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