Review: Arslan: The Warriors of Legend

Arslan - The Warriors of Legend (1)Im 19. Jahrhundert erzählte Mīrzā Moḥammad ʿAlī Naqīb-al-mamālek dem persischen König Nāṣer-al-dīn Shah die Legende von Amīr Arsalān. Weniger als 150 Jahre später nutzt der japanische Schriftsteller Dr. Tanaka Yoshiki diese Geschichte, um ein eigenes Werk zu kreieren.

Arslan - The Warriors of Legend (2)Während die originale Geschichte im westasiatischen Raum, genauer gesagt in Persien angesiedelt ist, verlagert Tanaka seine Romanreihe Arusurān Senki (eine deutschsprachige Veröffentlichung existiert nicht) seit 1986 ins fiktive Königreich Pars. Die Handlung folgt, sowohl im Roman, als auch in Arslan: The Warriors of Legend, dem Werdegang von Kronprinz Arslan. Während einer Schlacht werden die Truppen des Königreichs in einen Hinterhalt gelockt. Dabei wird Arslan von seinem Vater Andragoras III getrennt, der danach außerdem spurlos verschwindet. Während Arslan in den folgenden Monaten von seinem treuen Gefolgsmann Daryun unterstützt wird, bemächtigen sich in dieser Zeit die Truppen der benachbarten Nation Lusitania an seiner Heimat. Arslans und somit unsere Aufgabe ist es, in allen vier Himmelsrichtungen nach Unterstützung für unser Vorhaben zu suchen, die Lusitaniaer aus Pars zu vertreiben. Dabei werden uns jedoch jede Menge Hindernisse in den Weg geworfen, denn auch wenn wir glauben, gerade neue Freunde gewonnen zu haben, sind diese eigentlich nicht immer auf unserer Seite. Noch dazu taucht plötzlich ein maskierter Krieger auf, der Ansprüche auf den Thron von Pars erhebt. Oft haben wir das Gefühl, hier den persisch-japanischen Vorläufer von George Raymond Richard Martins Das Lied von Eis und Feuer nachzuspielen.

Geschichte epischer Bandbreite

Arslan - The Warriors of Legend (3)Das liegt vor allem daran, dass wirkliche Fantasy-Elemente nämlich so gut wie gar nicht auftauchen, wenn wir von zwei oder drei Zauberern, die beiläufig von uns ins virtuelle Nirwana gepustet werden, und dem einen oder anderen Spezialangriff unserer Helden, absehen. Die ganze Story wird von den Charakteren, ihren Persönlichkeiten und ihren Entscheidungen getragen. Erzählt wird die Geschichte hauptsächlich über Anime-Sequenzen, die zwischen den Schlachten abgespielt werden. Positiv fällt uns dabei auf, dass wir diese jederzeit pausieren dürfen. Das liegt daran, dass diese Szenen meistens gut und gerne mehrere Minuten in Anspruch nehmen und über jede gegebene Möglichkeit, das stille Örtchen vor der kommenden Schlacht aufzusuchen, nehmen wir dankend an. Negativ fällt dabei nur auf, dass die Szenen durchgehend mit nervigen Bildschirmeinblendungen in der unteren rechten Bildschirmecke gestört werden. Eine automatische Abschaltung dieser Einblendungen nach ein paar Sekunden wäre sicherlich kein großer Programmieraufwand gewesen! Die Geschichte wird jedoch nicht nur zwischen den Schlachten, sondern auch während den Kämpfen in Dialogen vorangetrieben. Da die Kämpfe äußerst hektisch sind und nicht jeder der japanischen Sprache mächtig ist, werden die Gespräche temporär gespeichert, um dann in Ruhe nachgelesen werden zu können.

Klar definierte Ziele

Arslan - The Warriors of Legend (4)Letzteres ist übrigens ein Novum innerhalb des Universums der Musō-Spiele. Kürzlich haben wir das Fehlen einer solchen Protokollfunktion noch bei Dragon Quest Heroes: Der Weltenbaum und der Tyrann aus der Tiefe bemängelt. Großartig, dass sich das Franchise weiterentwickeln will. Allerdings macht Arslan: The Warriors of Legends auch einiges anders wie der Rest der Spiele. Am grundlegenden Spielprinzip, also über verschiedene Schlachtfelder zu rasen und tausende virtuelle Gegner mit jeweils ein oder zwei Hieben außer Gefecht zu setzen, hat sich nichts geändert. Ebenso müssen Kommandanten aus dem Weg geräumt werden, damit sich beispielsweise Tore öffnen, die uns dann neue Wege aufzeigen, wie wir am schnellsten zum nächsten Ziel gelangen. In der Regel haben wir auch immer nur ein primäres Ziel zu erfüllen. Selten werden sekundäre Ziele angesprochen und ob wir diese erfüllen oder nicht, hat keinerlei spürbare Auswirkungen auf den weiteren Schlachtverlauf. Entkommt beispielsweise ein Botschafter (nur bei sekundärem Ziel), tauchen einfach ein paar Soldaten mehr auf dem Feld auf. Meistens ist aber genau dann das Hauptziel schon in Sicht und die Schlacht so gut wie gewonnen. Außerdem spielen wir immer nur einen Charakter auf einmal. Sobald wir zum Beispiel mit Arslan alles erledigt haben, springen wir automatisch zum nächsten Helden.

Zu den Waffen!

Arslan - The Warriors of Legend (5)Wir finden das im Übrigen sehr schade, denn so fühlt sich Arslan: The Warriors of Legend absolut wie ein Musō-Spiel für Einsteiger an. Gerne würden wir mehr Aufgaben während der Schlachten bekommen oder entscheiden dürfen, welchen Charakter wir verkörpern wollen beziehungsweise zu den anderen Kriegern der Legende jederzeit wechseln dürfen, um die Schlacht wesentlich abwechslungsreicher erleben zu können. Abwechslung bringt dafür das Kampfsystem mit sich. Zum einen verfügen unsere Helden nach wie vor über Spezialangriffe. Während Daryun mit seinem Speer Gegner aufspießt, können wir Arslans Falken Azrael auf die Feinde loslassen und Barde Gieve lehrt mit seiner umhauenden Musik den Widersachern das Fürchten. Wesentlich interessanter sind jedoch die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten. Manche Charaktere verfügen über mehrere Waffen, zwischen denen wir jederzeit wechseln können. Je öfter wir diese einsetzen, desto mehr Angriffsmöglichkeiten stehen uns dabei zur Verfügung, zumal diese wiederum in mehrere Elemente unterteilt werden. Alleine damit lässt sich schon in jeder Schlacht experimentieren, doch erlaubt es das Spiel ebenfalls, während einer Angriffskombinationsreihe die Waffe zu wechseln. Wer es schafft, den Vorgang zeitlich passend abzustimmen, kann den Schaden nahezu ins Unermessliche steigern!

Kurze Kampagne

Arslan - The Warriors of Legend (6)In manchen Schlachten können wir dazu auch noch unsere Truppen bündeln, um ähnlich wie in Bladestorm: Nightmare übers Feld zu marschieren. Dieses Feature funktioniert leider nur ein paar Sekunden lang und wird hauptsächlich dazu missbraucht, um bestimmte Barrikaden aus dem Weg zu räumen, die wir ohne den Mārdān-Befehl nicht beseitigen können. Trotzdem macht es sehr viel Spaß, in diesen Sekunden tausende Gegner auf einmal zu überrollen und Trefferserien aufzubauen, die in die Zehntausenden steigen. Wem das alleine zu öde ist, darf jederzeit einen Freund über einen zweiten Controller ins Geschehen einklinken lassen oder online mit einem anderen Spieler in die Schlacht ziehen. Auch wenn Arslan: The Warriors of Legend an vielen Stellen Freude bereitet, so ist der Umfang des Titels dennoch sehr dürftig. Der Story Mode ist in gerade einmal zehn Stunden durchgespielt und sämtliche Inhalte können dann im Free Mode mit anderen Einstellungen nochmals ausprobiert werden. Zusätzliche Kampagnen hätten hier gut getan, zumal es nicht der erste Versuch ist, das Franchise in einem Videospiel unterzubringen. Schon 1993 erschien mit The Heroic Legend of Arslan für das Sega Mega-CD ein Rundenstrategiespiel. Beide Titel haben etwas gemeinsam: Optisch und akustisch sind beide Titel auf der Höhe der Zeit. Ein atmosphärisches Spektakel eben!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Ich finde es sehr schade, dass es Tanakas Romanreihe bis heute nicht nach Deutschland geschafft hat. Sogar auf den Anime und den Manga müssen wir hierzulande verzichten. Umso mutiger ist es, ein Lizenzspiel auf Basis eines quasi nicht existenten Bekanntheitsgrades zu veröffentlichen. Noch erstaunter bin ich darüber, wie gut die Handlung mit Hilfe sehr spannender und interessanter Dialoge erklärt wird. Nicht selten haben Lizenzspiele bekannterweise den Anspruch, dass man bereits Wissen aus der Vorlage gewonnen hat und dieses nun im Spiel selbst verarbeiten soll. In dieser Disziplin funktioniert Arslan: The Warriors of Legend ebenso gut wie in seiner technischen Gestaltung. Der wunderschöne Anime-Look in den Zwischensequenzen geht meistens fließend über in die Charaktermodelle im Spiel. Einzig und allein Arslans Charaktermodell in puncto Mimik sollte hier noch einmal überarbeitet werden. Oft wirkt er im Spiel, nicht aber so in den Anime-Sequenzen, wie ein Schreckgespenst. Nicht gruselig ist hingegen der Soundtrack, der mich oft zum Mitsummen animiert und die Schlachten atmosphärisch unterlegt. Das Gameplay selbst ist durchschnittlich ausgefallen. Es fehlen viele Funktionen wie mehrere (und vor allem sekundäre) Auftragsziele oder das freie Wechseln zwischen den Figuren. Außerdem ist das Abenteuer nach etwa zehn Stunden auch schon vorbei. Der Titel möchte mich nach dem Abspann (und Cliffhanger) nur noch dazu anregen, die aus dem Story Mode bekannten Szenarien immer und immer wieder mit anderen Einstellungen zu spielen. Das geht deutlich anders und ich hoffe, dass den Entwicklern bei einem möglichen Nachfolger mehr Zeit zur Verfügung steht, denn wenn Musō-Spiele eines nicht vertragen, dann ist dies Eintönigkeit. Trotzdem dürfen sich beinharte Fans des Spielprinzips den Titel einmal genauer anschauen und wer immer einmal solch ein Spiel ausprobieren wollte, wird in Arslan: The Warriors of Legend einen wirklich sehr angenehmen Einstieg ins Musō-Universum entdecken.

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Arslan: The Warriors of Legend!

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