Review: Mass Effect: Andromeda

Lange musste die Fans der Mass-Effect-Reihe auf Nachschub warten. Weder Bücher, noch Comics wurden unmittelbar nach Fertigstellung des dritten Teils rund um die Abenteuer des Commander Shepard veröffentlicht – eine lange Zeit für Fans der Reihe.

Nach fünf Jahren Wartezeit gibt es endlich Nachschub und ein neues Spiel erobert den heimischen PC und die Konsolen. Das Entwicklerstudio Bioware will aber einen neuen Schritt wagen und wendet sich von dem bekannten Setting rund um Commander Shepard ab und versucht eine neue Geschichte, lange nach den Ereignissen der Reaper-Invasion, auf die Beine zu stellen. Mass Effect: Andromeda spielt ganze 634 Jahre nach den Ereignissen von Mass Effect und behandelt die Reise einer Gruppe, der sogenannten Andromeda-Initiative, zu der gleichnamigen Galaxie. Die Andromeda-Initiative ist ein privater Finanzier, welcher Freiwillige der Citadel-Rassen, also Menschen, Turianer, Salarianer, Kroganer und Asari aufnimmt, um diese auf die große Reise zu schicken, welche um die sechshundert Jahre überdauert. Auf vier sogenannten Archen, Hyperion, Leusinia, Natanus und Parssero, werden die Mitglieder im Kryoschlaf nach Andromeda geschickt, wo ein neues Leben fernab der alten Geschichte und Galaxie beginnen soll. Ziel ist das Errichten von Siedlungen und der Aufbau einer neuen und besseren Zivilisation. Wir schlüpfen dabei in die Rolle von Ryder, welche oder welcher mit ihrem beziehungsweise seinem Vater und ihrer respektive seiner Schwester ebenfalls ein Teil der Initiative ist. Alec Ryder, unser Vater, ist eines der Gründungsmitglieder und zudem eine wichtige Figur innerhalb der Initiative.

Willkommen in der Andromeda-Galaxie

Für das Erforschen und Entdecken neuer Welten sind die sogenannten Pathfinder zuständig, zu welchen unser Vater gehört. Jede Arche gehört einer Rasse an, was jedoch nach Betrachtung der oben genannten Rassen nicht aufgeht. Die Kroganer sind die einzige Spezies, welche nicht im Rat der Citadel vertreten ist, jedoch als Spezies aufgrund ihrer enormen Feuerkraft mitreisen darf. Zwar ist die Mission auf eine friedliche Besiedlung neuer Planeten ausgelegt, aber im Fall der Fälle helfen Kroganer aus schwierigen Situationen immer heraus. Wie zu erwarten geht nach Ankunft unserer Arche, der Hyperion, jedoch einiges schief. Als wir an der Nexus ankommen, einer Raumstation, welche als eine Art neue Citadel erbaut wurde und als Andockstation für die Archen dient, fällt auf, dass wir die einige Arche vor Ort sind und die Nexus auf Energiesparmodus läuft. Laut Plan hätten wir jedoch die letzte Arche sein sollen, welche ihr Ziel in der Andromeda-Galaxie erreicht. Eine Reizüberflutung neuer Probleme baut sich zu Beginn des Spiels auf: Eine dunkle Materie, die sogenannte Geißel, breitet sich immer weiter in der Andromeda-Galaxie aus und zerstört alles, was ihr in den Weg kommt. Auf der Nexus hat eine Art Bürgerkrieg stattgefunden und die Initiative ist auf ihre Grundmauern zerrüttet. Zu guter Letzt kommen auch noch die Kett, ein feindlich gesinnter Alien-Invasor, welcher sich ebenfalls in der Galaxie breitmacht, zu unseren Problemen hinzu.

Am Ende geht die Puste aus

Wie bereits beschrieben ist der Anfang eine Überflutung von Problemen, welche es zu lösen gilt. Neben den Kett lernen wir im Verlauf des Spiels eine weitere Rasse kennen, die in der Andromeda-Galaxie heimischen Angara. Die Angara sind eher zurückhaltend und skeptisch gegenüber neuen Völkern, da sie von den Kett vor Jahrzehnten angegriffen wurden, als diese in ihre Galaxie vordrangen. Als sympathische Nachbarn der Milchstraße verbünden wir uns jedoch recht schnell mit den Angara, um zusammen gegen die Geißel und den Kett vorzugehen. Ein weitaus größeres Problem jedoch ist, dass alle potenziellen Planeten für eine Besiedlung nicht bewohnbar sind und unser Vorhaben zu scheitern droht. Mysteriöse Relikte vor Ort sind für diesen Umstand verantwortlich, welche die Geofaktoren eines Planeten kontrollieren können. Diese Relikte sind uralte und unbekannte Technologien, welche von kybernetischen Wächtern beschützt werden. Bei dem Versuch, einen Reliktturm zu bedienen, stirbt unser Vater, beweist aber jedoch das Menschen in der Lage sind, die Relikttechnologie zu nutzen. All dies geschieht innerhalb der ersten sechs Spielstunden, was verdeutlicht, wie schnell die Geschichte zu Anfang vorangetrieben wird. Innerhalb dieser Zeit stellt sich auch unser gesamtes Team zusammen, mit welchem wir die Galaxie umreisen und eine Aufgabe nach der anderen lösen.

Neue Engine, altes Spielprinzip

Technisch hat sich innerhalb des Spiels einiges getan. Wie schon bei Dragon Age: Inquisition setzt Bioware auch bei Mass Effect: Andromeda auf die Frostbite-Engine von Digital Illusions Creative Entertainment und wie bei Dragon Age kämpft Bioware mit denselben Problemen. Während die Umgebungen unterschiedlicher Welten nahezu phantastisch aussehen, sind die Gesichtsanimationen das reinste Grauen und wirken plastischer als bei so manch veralteter Engine. Lässt man diese Tatsache außen vor, so fällt jedoch auf, dass sich am Spielgefühl relativ wenig verändert hat. Die Areale sind weitläufiger und bedienen sich prozedural generierten Gegnern, welche immer wieder in den verschiedensten Ecken einer Karte erscheinen. Auch haben wir nun eine Art Jetpack, mit welchem wir für kurze Zeit schweben können oder uns einen Schub Richtung Seite, nach vorne oder nach hinten geben lassen können. Die Deckungsfunktion verläuft nun auch völlig ohne Tastendruck, so dass unser Charakter sich automatisch hinter Gegenständen verdeckt. An der Geschwindigkeit im Kampf hat sich nichts verändert, sodass wir je nach Fähigkeit gewohnt vorgehen können. Dabei können wir, wie aus den alten Spielen gewohnt, zwischen den typischen Klassen vom Soldat bis hin zum Biotiker wechseln. Wobei Wechseln ein Stichwort ist, da wir nun innerhalb eines Kampfes zwischen verschiedenen Fähigkeiten umsatteln können.

Variabilität

Unser Charakter ist nun nicht mehr an eine Klasse und seinen vorgeschriebenen Fähigkeiten gebunden, sondern kann nun auch beim Erreichen eines neuen Levels die gewonnenen Erfahrungspunkte in Fähigkeiten einer jeden Klasse investieren. Dieses System heißt Profile, die wir erstellen und mit verschiedenen Fähigkeiten ausstatten können. Grund für diese Neuerung ist die künstliche Intelligenz namens Simulated Adaptive Matrix. Dabei handelt es sich um eine intelligente künstliche Intelligenz, welche in Kombination mit einem Lebewesen als Wirt funktioniert – also quasi in unserem Kopf lebt. Da in der Milchstraße künstliche Intelligenzen verboten sind, wurde S.A.M. illegal von Alec Ryder erfunden, was einer der Gründe ist, warum er in die Andromeda-Galaxie geflohen ist. Die künstliche Intelligenz hilft uns dabei, zwischen verschiedenen Profilen zu wechseln, so dass wir im Kampf, je nach Level versteht sich, Fähigkeiten quer kombinieren können. Auf der einen Seite sorgt dieses Feature für eine Menge Spaß, auf der anderen Seite fühlen wir uns während des Spiels oftmals zu mächtig, da diverse Kombinationen so effektiv sind, dass man diese reihum nutzen kann. Mit jedem Level erhalten wir nicht nur Skillpunkte für unsere Fähigkeiten, sondern auch Forschungspunkte und Supportpunkte, welche wir in Forschung, Ausrüstungsbeschaffung und Co investieren können. Hier wurde die Rollenspielschraube ordentlich angezogen und bietet einige neue Möglichkeiten.

Bekannter Multiplayer-Spaß

Innerhalb der Singleplayer-Erfahrung können wir sogenannte APEX-Teams rekrutieren, welche wir auf Missionen schicken dürfen und uns dadurch Ressourcen oder Gegenstände beschaffen. Nach dem Erfolg einer Mission kann das APEX-Team im Level aufsteigen, um eine höhere Erfolgsaussicht auf schwierigere Missionen zu bekommen. Der Clou daran ist, dass wir nicht immer unser Team schicken müssen, sondern auch einfach selbst eine Mission in Angriff nehmen können. Nehmen wir eine solche Mission selber an, so werden wir aus dem Einzelspielermodus heraus mit dem Mehrspielermodus verbunden und landen in einer Gruppe mit bis zu vier Spielern. Dies funktioniert dann genau so wie schon in Mass Effect 3. Innerhalb eines Spiels müssen wir zehn Runden überleben und Gegnerwellen abwehren, wobei jede dritte Runde eine neue Aufgabe mit sich bringt, die es zu erfüllen gilt. Der Mehrspielermodus macht wie schon zuletzt in Mass Effect 3 eine Menge Spaß, lässt jedoch Innovation vermissen. Besser ist jedoch diesmal die Konnektivität mit dem Einzelspieler-Anteil, so dass die Belohnungen im Mehrspielermodus uns diverse interessante Ressourcen für unseren Charakter und unser Team geben. Nichtsdestotrotz kennt man das Spielprinzip, sodass wir uns im Nachhinein mehr erhofft hatten wie zum Beispiel einen Versus-Modus, damit wir uns gegen andere Spieler hätten messen können.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Mass Effect: Andromeda ist ein solides Spiel mit weitestgehend schöner Grafik und tollem Flair. Jedoch schaff es das Spiel in keiner Weise, an die Magie des Vorgängers anzuknüpfen. Als Fan lohnt sich der Kauf schon, als Neuling ebenso, aber der Fan wird verstehen, was ich meine. Der Beginn des Spiels ist rasant und überflutet einen mit Informationen und einer stark wirkenden Storyline, welche im Verlauf des Spiels jedoch stark nachlässt. Nach den ersten sechs spannenden Stunden kommen um die vierzig Spielstunden, in denen gefühlt nichts passiert, um gegen Ende dann noch einmal ordentlich Fahrt aufzunehmen. Was fehlt ist die Beziehung zu den Charakteren und dem eigenen Team. Habe ich bei Mass Effect 2 noch um jeden Toten aus meinem Team getrauert, ist ein Opfer in Mass Effect: Andromeda in meinen Augen kein Verlust. Die Begleiter wirken stumpf, haben kaum Geschichten zu erzählen und sind nur Randobjekte in einer guten Story; mehr aber auch nicht. Das Spiel geistert irgendwo zwischen Erfolg und grundsolidem Spiel, was den Eindruck erweckt, dass die Entwickler von Bioware ihr Konzept bis zum Ende der Entwicklung selbst noch nicht verstanden oder sich mit dem Release in diesem Jahr zu viel aufgebrummt haben. Mit einem Jahr mehr an Entwicklungszeit, die nach fünf wartenden Jahren auch egal gewesen wären, hätte das Spiel das Potenzial gehabt, eines der besten Titel des Jahres zu werden. Es sind nur Kleinigkeiten, die es kumuliert daran hindern, wie eben die weniger schönen Gesichtsanimationen, die leere Mitte in der Stroyline und die belanglosen Begleiter.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mass Effect: Andromeda!

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