Review: Shovel Knight: Showdown

Shovel Knight aus dem Jahr 2014 gehört auch 2019 noch zu den besten Download-Titeln, die im eShop zu finden sind. Fünf Jahre nach der Erstveröffentlichung des Hauptspiels wird das Franchise um die Stand-alone-Multiplayer-Erweiterung Shovel Knight: Showdown ergänzt.

1999 hatte der japanische Publisher Nintendo eine geniale Idee, denn in Super Smash Bros. für das Nintendo 64 ließ er zwölf seiner Maskottchen in einem Fighting Game gegeneinander antreten. In den darauffolgenden zwei Dekaden versuchten andere Publisher Nintendos Konzept umzusetzen – und verbrannten sich dabei die Finger. Das berühmteste Beispiel dürfte wohl PlayStation All-Stars: Battle Royale von Konkurrent Sony sein, das höchstens mit dem flüssigen Online-Mehrspielermodus punktete, aber ansonsten wieder recht schnell in der Versenkung verschwand. Gerne würden wir sagen, dass das ähnlich strukturierte Shovel Knight: Showdown zumindest ansatzweise das große Vorbild aus dem Hause Nintendo erreicht, doch geht dem Kampfspiel äußerst schnell die Puste aus. Auf dem Titelbildschirm angelangt, dürfen wir uns entscheiden, ob wir uns direkt ins Getümmel stürzen oder doch lieber einer Story folgen wollen. Geschichte ist aber zu viel gesagt, denn sonderlich tiefgründig oder gar unterhaltsam ist diese nicht. Sie reicht lediglich aus, um unseren Helden der Reihe nach in mehrere Kämpfe zu verwickeln. Zu Beginn des Spiels dürfen wir aus zwei Handvoll Kämpfern wählen. Mit der Zeit schalten wir jedoch weitere Charaktere frei, bis wir insgesamt eine Heldenriege von zwanzig Figuren freigeschaltet haben, darunter auch Shield Knight und Treasure Knight.

Abwechslungsreiche Charaktere trotz unzugänglicher Bedienung

Sämtliche Kämpfer sind Fans der Reihe bereits aus früheren Episoden bekannt. Neuzugänge bleiben damit zwar aus, doch ist das nicht weiter schlimm, da die meisten Charaktere vorher ohnehin nicht spielbar waren. Während Figuren wie der titelgebende Shovel Knight und seine Kompagnons Plague Knight, Specter Knight und King Knight weitgehend ihre Bewegungsmuster aus den Action-Adventures beibehalten haben, überraschen andere Figuren wiederum mit neuen Techniken. Während beinharten Serienfans jedes Detail sofort ins Auge sticht, erfreuen sich Neulinge hingegen über die abwechslungsreiche Spielbarkeit der Charaktere. Zum Beispiel missbraucht Shovel Knight wie schon im Seriendebüt seine Schaufel als Pogostab, um wie Dagobert Duck in DuckTales: Remastered auf die Gegner zu hüpfen. Specter Knight kann hingegen diagonal durch die Lüfte schießen, um schneller auf Plattformen zu landen. Es ist zwar positiv, dass sich die Figuren teilweise sehr stark unterscheiden und Kloncharaktere vermieden werden, doch beschränken sich die Angriffsmuster pro Charakter meist auf wenige Möglichkeiten. Hinzu kommt, dass je nach gewählter Figur ein bestimmter Angriff mit einer anderen Tastenkombination ausgelöst wird, was die Einarbeitungszeit erhöht. Da es eine Kurzanleitung nur im Pausenmenü gibt, ist das langfristig hinderlich, nervig und unzeitgemäß.

Verschenktes Potenzial eines Mehrspielertitels

Hinzu kommen verschiedene Kampfschauplätze, die den abwechslungsreichen Örtlichkeiten des Franchises nachempfunden sind. So kämpfen wir in Shovel Knight: Showdown über heißen Lavaseen, in malerischen Dörfern, auf den Burgzinnen oder vor der Kulisse eines Teiches. In diesem lauert ein riesiger Fisch, der uns zusätzlich zu unseren Rivalen ärgert. Genau hier liegt schon der nächste Hund begraben, denn die Levels sind verhältnismäßig klein. Wenn in den Arenen tatsächlich vier Charaktere gleichzeitig kämpfen und zugleich herumschwirrende Morgensterne oder ähnliches in die Level-Architektur involviert sind, geht schnell die Übersicht flöten. Hinzu kommen Luftblasen, die Items wie Bomben oder Heilgegenstände offenbaren und die Reizüberflutung weiter anheizen. Ärgerlich ist ebenfalls, dass es lediglich zwei bis drei Spielmodi gibt. Entweder müssen wir unseren Gegnern durch gezielte Treffer alle Lebenspunkte abziehen oder aufpoppende Edelsteine einsammeln. Hin und wieder verwandeln sich alle Kämpfer auch in kleine Feen, wodurch sich die Zielvorgabe aber nicht verändert. Der Umstand, dass der Mehrspielertitel (!) über keinen (!) Online-Modus verfügt, macht das Spiel fast obsolet. Wer hin und wieder ein paar Freunde zusammengetrommelt bekommt, hat mit denen zwar ein paar Minuten Spaß, doch das Genre bietet wesentlich bessere Alternativen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Mit der Shovel-Knight-Reihe habe ich auf Wii U und Switch jede Menge. Die Action-Adventures mit ihren Jump-’n’-Run-Anleihen sind großartig inszeniert und vor allem für ältere Hasen wie mich, die auch nichts gegen einen Schwierigkeitsgrad à la Mega Man einzusetzen haben, genau richtig. Shovel Knight: Showdown möchte das Franchise hingegen über seine Genre-Grenzen hinweg bekannt machen. Meiner Meinung nach ist das Spiel in seiner jetzigen Form aber ein Schuss in den Ofen. Ich finde es toll, wie abwechslungsreich sich die Charaktere anfühlen und wie viele Kampfschauplätze mit der Zeit freigeschaltet werden, doch brauche ich viel zu viel Einarbeitungszeit, um die verschiedenen Items zu verstehen und – noch wichtiger – die Kampftechniken aller meiner Figuren zu durchschauen. Street Fighter und Co arbeiten hier mit Tutorials, die in Shovel Knight: Showdown fehlen. Des Weiteren ist die „Geschichte“ des Spiels nichts weiter als ein verschleierter Arcade-Modus. Am unerklärlichsten ist für mich jedoch, dass ich das Fighting Game nicht online spielen kann, da ein entsprechender Modus fehlt. Ein Spiel, das zu neunzig Prozent auf seine Multiplayer-Komponente setzt, braucht einfach Online-Modi. Unterm Strich weiß ich einfach nicht, was Publisher und Entwickler Yacht Club Games mit Shovel Knight: Showdown bezwecken wollte, denn für reine Offline-Partien eignet sich der Titel aufgrund der Einstiegshürde und zahlreicher besserer Alternativen nicht.

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