Review: Shovel Knight: King of Cards

Zeitgleich mit Shovel Knight: Showdown veröffentlicht, handelt es sich bei Shovel Knight: King of Cards um die letzte Kampagne des modernen 8-Bit-Klassikers Shovel Knight. Diese punktet mit tollen Geschicklichkeitspassagen, enttäuscht jedoch leider mit dem Kartenspiel.

Im Gegensatz zum Hauptspiel schlüpfen wir – wie in jeder anderen Kampagne auch – nicht in die Haut des titelgebenden Shovel Knights, sondern in dessen Rivalen King Knight. Getrieben von Größenwahn und Geldgier will dieser sein Königreich aufbauen. Dies gelingt ihm jedoch nur, wenn er die Tjost-Titanen besiegt. Tjost heißt im Übrigen das neue Kartenspiel, das in Shovel Knight: King of Cards eingeführt wird. Hierbei handelt es sich um ein Sammelkartenspiel, das im ganzen Land an Popularität gewinnt und vielerorts in Tavernen gespielt wird. Wer auf solch einen Schnickschnack keine Lust hat, muss aber nicht verzagen. Der Titel suggeriert zwar, dass Tjost im Mittelpunkt steht, doch ist dies nicht gänzlich der Fall. Zwar müssen wir uns in regelmäßigen Abständen mit anderen Figuren vergleichen, doch lässt sich das Abenteuer weitgehend auch ohne das Kräftemessen im Kartenspiel absolvieren. Hier orientiert sich das Gameplay stark am Hauptspiel, das wiederum Anleihen aus der Mega-Man-Reihe und anderen Nintendo-Entertainment-System-Klassikern wie DuckTales aufweist. Das heißt, dass wir unsere Sprünge über Abgründe millimetergenau berechnen müssen und vor jedem Gegner auf der Hut sein sollten. Anfänger dürften ein bisschen am Schwierigkeitsgrad zu knabbern haben, während Serienkenner größtenteils vor keinen Herausforderungen stehen.

Uralte, aber überaus spaßige Spielmechaniken

Um ein Level auszuwählen, reisen wir in Shovel Knight: King of Cards über eine Oberwelt, die an Super Mario Bros. 3 erinnert – inklusive Bewegungen von manchen Gegnern oder speziellen Events. Zusätzlich existiert mit dem Luftschiff noch eine Zentrale, in der sich alle Nebenfiguren sammeln, die sich uns im Verlauf des Abenteuers anschließen. Bei diesen können wir gesammeltes Geld oder Medaillen gegen neue Upgrades tauschen. Wenn wir der Meinung sind, zu wenig Spezialangriffe ausführen zu können, dürfen hier beispielsweise unsere Energieleiste verlängern lassen. Sterben wir zu oft, ist es vielleicht eine gute Idee, den Heulkrampf zu erlernen. Stehen wir dann in einem Level für ein paar Sekunden still, können wir mit unseren Tränen unsere Wunden kurieren. Das sieht ulkig aus und zeigt, wie viel Ideen und Humor in Shovel Knight: King of Cards steckt. Hinzu kommt, dass viele Spielabschnitte nicht nur optisch, sondern auch für das Gameplay abwechslungsreich gestaltet sind. Um über Abgründe zu wirbeln, müssen wir in einem Level beispielsweise herumhängende Laternen als Sprungbrett missbrauchen. An anderer Stelle müssen wir uns hingegen wie Shovel Knight durch den Boden graben, wobei sich Steuerung und Umsetzung davon aber unterscheiden. Dies sollte aber keinesfalls abschrecken, denn die Bedienung des Titels ist kinderleicht zu erlernen.

Detailliertes und gelungenes 8-Bit-Abenteuer

Des Weiteren sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass die meisten Levels gefühlt kürzer ausfallen als beispielsweise noch im Hauptspiel oder Shovel Knight: Specter of Torment. Auf die Kontrollpunkte wurde dennoch nicht verzichtet. Sobald wir einen Checkpoint erreichen, können wir nach unserem Ableben jedes Mal dort starten. Es steht uns aber auch frei, den Kontrollpunkt in Stücke zu schlagen, um unsere Geldbörse aufzustocken – in diesem Fall starten wir jedoch am Checkpoint davor oder im schlimmsten Fall am Anfang des Levels. Da wir bei jedem Ableben einen nicht unerheblichen Teil unseres Geldes verlieren, sollte diese Entscheidung aber gut überlegt sein. Zwar können wir verlorene Geldsäcke an der Stelle wieder einsammeln, wo wir sie verloren haben, doch sterben wir in der Zwischenzeit erneut, ist auch das Geld futsch. Dieses Konzept versprüht einen ungeheuren Reiz und stellt sowohl Hardcore-Fanatiker als auch Anfänger zufrieden. Grundsätzlich macht Shovel Knight: King of Cards sehr vieles richtig, da wir ständig dazu motiviert werden, das nächste Level in Angriff zu nehmen, versteckte Medaillen und weitere Secrets aufzuspüren, Diamanten zu sammeln, Upgrades zu kaufen und dank witziger Dialoge unsere Tränen vor Lachen aus dem Gesicht zu wischen. Wäre da nicht das Kartenspiel Tjost, das sich wie unnötiger Ballast anfühlt.

Zeit für ein Duell!

Kommt es zu einem Tjost-Duell, öffnet sich ein Kampfbildschirm. In der Mitte befindet sich ein quadratischer Bereich, der in mehrere Felder aufgeteilt ist, auf dem die Karten beider Spieler abgelegt werden. Ziel von Tjost ist, dass alle Felder am Ende belegt sind. Derjenige, der am Ende die meisten Felder belegt hat, auf denen Edelsteine abgebildet sind, gewinnt die Partie. Das klingt in der Theorie einfach, wird in der Praxis durch die Schiebemechanik aber erschwert, denn jede Karte darf nur in verschiedene Richtungen verschoben werden. Wir sollten das beim Ablegen einer Karte stets beachten, da wir eine neue Karte zwischen bereits abgelegten Karten positionieren können – dies geht aber nur, wenn das Verschieben nicht durch die vorhandenen Karten blockiert wird. Der Gewinner des Duells darf sich übrigens auch Karten von seinem Gegner stibitzen. Wollen wir eine verlorene Karte zurückholen, dürfen wir diese beim Händler erneut erwerben. Wer bei Tjost die Oberhand behalten will, sollte sein Deck stets aktuell halten. Ähnlich wie bei Final Fantasy VIII und Co gehört das Sammelkartenspiel eher zur optionalen Spielerfahrung, hätte unserer Meinung nach aber durchaus ein wenig mehr Feinschliff gebrauchen können. Trotzdem sollte Shovel Knight: King of Cards von jedem Fan der Reihe gespielt werden. Alle, die Shovel Knight noch nicht kennen, sollten aber zuerst zum Hauptspiel oder gleich zum Treasure Trove genannten Gesamtpaket greifen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Während mich Shovel Knight: Showdown als Kampfspiel eher enttäuscht, erfreut mich Shovel Knight: King of Cards umso mehr. Hier ist genau das Gameplay vorhanden, das ich mir von der Shovel-Knight-Serie erhoffe. Zweidimensionale und abwechslungsreiche Levels, vollgestopft mit Action, Secrets und Geschicklichkeitspassagen passen einfach ins das visuelle 8-Bit-Gewand, das zudem ein weiteres Mal mit einem tollen Soundtrack begleitet wird. Hinzu kommt eine abgedrehte Story um einen größenwahnsinnigen Möchtegern-Monarchen, begleitet von vielen weiteren und ähnlich irrwitzigen Charakteren und grundsätzlich sehr humorvoll geschriebenen Dialogen, bei denen kein Auge trocken bleibt. Lediglich die Anwesenheit des weitgehend optionalen Kartenspiels Tjost erschließt sich mir nicht. Es mag vielleicht ein netter Bonus sein, doch in der jetzigen Form ist es in meinen Augen für die meisten Spieler wohl kaum durchschaubar und nur mit viel Geduld zu erlernen. Wer diese Nerven nicht mitbringt, wird am Spiel aber dennoch seine Freude haben, da Shovel Knight: King of Cards mit dem Kern-Gameplay immer noch auf ganzer Linie überzeugen kann.

 

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