Review: Gamers! (Vol. 1)

Zwischen 2015 und 2019 erschienen in Japan zwölf Bände der Light Novel Gamers!, wenig später wurde das Werk auch als siebenteilige Manga-Reihe umgesetzt. Als Anime feierte das Werk von Aoi Sekina 2017 sein Debüt, erst im August 2020 war es auch hierzulande soweit.

Im Mittelpunkt der Anime-Serie Gamers! steht der Oberschüler Amano Keita, der in der ersten Folge von der Schulschönheit Tendō Karen eine Einladung in den so genannten Games Club erhält. Eigentlich wurde der Klub vor ein paar Jahren aufgelöst, doch Karen hat ihn mit harter Arbeit wieder aufgebaut. Kaum im Klubraum angelangt, erkennt Keita, dass im Games Club rund um die Uhr Videospiele gespielt werden. Es geht im Klub aber nicht darum, besonders gut in einem Videospiel zu sein, sondern seine Technik in den jeweiligen Spielen gemeinsam mit den anderen zu verbessern und sich der Leidenschaft hinzugeben. Obwohl solch ein Klub für einen Videospielenthusiasten wie Keita eigentlich wie gemacht sein müsste, lehnt er die Einladung von Karen ab. Er interessiert sich nicht für die Titel, die im Games Club gespielt werden und will auch gar nicht seine Technik verbessern. Auch die Freunde, die ihm im täglichen Leben fehlen, könnte er dadurch bekommen, doch bleibt er bei seinem Entschluss. Wer das japanische Schulsystem kennt, sollte wissen, dass solche Klubs fast schon ein gesellschaftlicher Zwang für die Schüler sind. Kaum ein japanischer Schüler gehört keinem Klub an, sodass Keitas Entscheidung konträr zum realen Alltag steht oder zumindest eine Ausnahme bildet. Für Gamers! ist es jedoch der Auftakt zu zwölf recht turbulenten Episoden.

Spaßig, aber nicht tiefgründig

Wer sich auf Gamers! einlässt, sollte aber nicht denken, dass sich die Anime-Serie nur um das Thema Videospiele dreht. Nebenher kommen auch viele romantische Elemente zum Tragen, sodass die zwischenmenschlichen Beziehungen unter den Charakteren regelrecht aufgewirbelt werden. Keitas Mitschüler Uehara Tasuku merkt schnell, dass Karen womöglich mehr an Keita interessiert ist, als dieser glaubt. Auf einmal verbringen Keita und Tasuku Zeit miteinander und lernen sich gegenseitig besser kennen, was im Vorbeigehen die Charaktereigenschaften der Figuren nach Außen kehrt. Hinzu kommt die aufgeweckte Hoshinomori Chiaki, die ebenfalls Interesse an Keita zeigt. Dennoch muss sich nicht nur Keita dem Thema Liebe stellen, auch Tasuku hat mit seiner langjährigen Freundin Sakurano Aguri genug um die Ohren. Tiefgründig sind all diese Geschichten allerdings nicht. Sie kratzen nur oberflächlich an der Thematik und verpassen viele Gelegenheiten, die das Genre bietet. Nichtsdestotrotz eignet sich die Serie aber immer noch für verregnete Nachmittage. Das liegt vor allem daran, dass viele Gags auf Kosten der Populärkultur gemacht werden. Wenn Keita beispielsweise an Karen vorbeigeht, ist das für ihn nichts weiter als eine StreetPass-Begegnung, wie es Besitzer des Nintendo 3DS kennen. Die Romantik wird hingegen mit überzeichnetem Humor inszeniert.

Anime für Videospielkenner

In puncto Präsentation und Atmosphäre steht und fällt Gamers! mit dem Hintergrundwissen über (japanische) Videospiele. Steckt der Zuschauer hier nicht in der Materie, wird er sehr viele Anspielungen schlichtweg nicht verstehen. Das beginnt mit dem überladenen Intro: Hier sind an Dragon Quest oder Street Fighter II angelehnte Szenen zu erkennen, die vor allem älteren Semestern sofort bekannt vorkommen dürften. Inhaltlich werden manche Spiele wie Persona 4 Arena als Mittel zum Zweck für das Vorantreiben der Story genutzt. Andere Titel werden wiederum kaschiert. Dazu zählen Spiele wie Counter-Strike oder Ace Combat 7. Stilistisch bestechen vor allem die Hintergründe und in seltenen Fällen sogar die Charaktere. Die Qualität der einzelnen Szenen schwankt leider viel zu oft, was jedoch stark von der jeweiligen Ausgestaltung abhängt. Manchmal wirken die Umgebungen einfach zu karg und die wenigen Charaktere zu detailarm. Im nächsten Moment sieht es allerdings wieder ganz anders aus, denn wenn die Szenen bedingt mit diffusem Licht durchflutet werden oder Licht- und Schatteneffekte die nächtlichen Szenen aufwerten, kann Gamers! gelegentlich gestaltungstechnisch das volle Potenzial ausspielen. Bonusmaterial ist allerdings Mangelware, denn neben einem Clean Opening und einem Clean Ending schlummert nur ein 16-seitiges Booklet in der Box.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Gamers! hat aufgrund des Settings sehr viel Potenzial, das die Anime-Serie jedoch in den seltensten Fällen ausspielen kann. Zwar gibt es zahlreiche Anspielungen auf Videospiele, die dem Anime durchaus geglückt sind, doch reicht das nicht aus. In erster Linie wird die Story über die Charaktere vorangetrieben und hier hapert es stark. Bei diesen handelt es sich allesamt um spätpubertäre Stereotypen, die sich einerseits nach Romantik sehnen, das Ganze aber mit Videospielen aufwiegen. Mit ein wenig Humor wird versucht, die seichte Handlung über Wasser zu halten. Während die Jokes auf Kosten der Populärkultur weitgehend gut funktionieren, sind die romantischen Gags überzeichnet und überzeugen nur in den wenigsten Fällen. Wer einen seichten Anime für verregnete Nachmittage sucht, kann Gamers! eine kleine Chance geben. Alle anderen sehen sich lieber nach Alternativen um, die tiefgründiger, wendungsreicher und schlicht spannender sind.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Gamers! (Vol. 1)!

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