Review: Persona 5 Strikers

Für die Persona-Reihe sind Spin-offs nichts Neues mehr. Die Verschmelzung von Persona 5 mit den Massenprügeleien aus dem Hause Koei Tecmo ist aber ein neues und bisher unerprobtes Spielkonzept für die Serie.

Der Erfolg von Persona 5 aus dem Jahr 2016 zog eine ganze Menge Spin-offs und Crossovers nach sich, darunter die schon bekannten Rhythmus- und Dungeon-Crawler-Varianten Persona 5: Dancing in the Starlight und Persona Q2: New Cinema Labyrinth. Persona 5 Strikers spielt hingegen wenige Monate nach den Ereignissen des Hauptspiels und ist damit Sequel und Spin-off zugleich. Protagonist Kurusu Akira respektive Joker kehrt in den Sommerferien zurück in die japanische Hauptstadt Tōkyō, um seine Freunde und ehemaligen Phantomdiebkollegen wiederzusehen. Während die Bande Jugendlicher nach außen wie eine Gruppe ganz gewöhnlicher Oberschüler anmutet, waren sie in Wahrheit für eine gesellschaftliche Revolte gegen die Unterdrückung und Ungerechtigkeit aller Art verantwortlich, die in Persona 5 ganz Tōkyō erschütterte. Dafür nutzten sie die Macht der Personas, um in einer Art Parallelwelt Missetäter zur Rechenschaft zu ziehen. Persona 5 Strikers bietet von Anfang an den großen Kader von Persona 5 und macht sich nicht die Mühe, alle Figuren neu zu etablieren. Hier richtet es sich klar an die Kenner des Hauptspiels, auch wenn Persona 5 Strikers als Spiel sehr gut eigenständig spielbar ist. Das liegt auch an der etwas zurückgefahrenen und reduzierteren Story, die zu keinem Zeitpunkt den Anspruch eines Hauptteils haben will.

Persona-5-Road-Movie

Persona 5 Strikers setzt diese Erzählung fort, begrenzt sich nun aber nicht mehr auf die Region Tōkyō. Überall in Japan haben sich sogenannte Gefängnisse aufgetan. Diese Dungeons sind verzehrte Abbilder der Realität, jedoch mit dem Unterschied, dass sie von einer schieren Anzahl dämonenartiger Gegner bevölkert sind. Passend zur Urlaubstimmung schlagen die Phantomdiebe dank eines geräumigen Campers zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen kümmern sie sich um die Gefängnisse, zum anderen versuchen sie möglichst viel aus ihrer Ferienzeit herauszuholen. Städte wie Sendai, Ōsaka und Kyōto sind nicht nur die Grundlage für die Dungeons, sondern werden auch ansprechend und abwechslungsreich in Szene gesetzt. Ein bisschen fühlen wir uns tatsächlich wie Touristen, ebenso wie die Phantomdiebe. Dazwischen gibt es immer wieder kleinere Events im Stil von Persona 5 und Persona 5 Royal, in denen sich die Figuren näherkommen oder einfach nur Spaß haben. Die Gebiete sind nie groß und ziemlich klassisch gestaltet, aber im Hinblick auf die echten Vorbilder und zum Kontrast der Darstellung in der Parallelwelt sind wir immer gespannt, was uns noch erwartet. Der größte Unterschied: Persona 5 Strikers ist ein Action-Rollenspiel, das dennoch die Persona-Mechaniken beibehält. Betreten wir die Dungeon-Abschnitte, haben wir wahlweise die Kontrolle über alle Spielfiguren, von denen wir immer zu viert im Kampf unterwegs sind.

Zu viel des Guten

Für Spiele des Musō-Genres typisch gibt es die gewöhnlichen Angriffscombos mit der X- und Y-Taste auf der Nintendo Switch – an unserer Seite sind aber immer noch die Personas – und per Knopfdruck friert nicht nur die Zeit fast schon wie im rundenbasierten Vorgänger ein, sondern wir können auch wohlüberlegt die Skills dieser Wesen einsetzen. Hier achten wir selbstverständlich auf die elementaren Schwachstellen der Gegner, um wesentlich mehr Schaden anzurichten, Spezialangriffe auszulösen und uns schließlich an deren Inszenierung zu erfreuen. Das alles ist mit toll animierten Finisher Moves und viel Style inszeniert, so wie es für ein Persona-5-Spiel sein muss. Die meisten Kämpfe benötigen keinerlei Taktik, nur größere Feinde und die Bossgegner halten tatsächlich mehr aus und teilen auch richtig aus. Oft reicht das Spammen von Angriffszaubern hier nicht und ein bedächtiges Vorgehen inklusive Ausweichen ist der Schlüssel zum Erfolg. Die unglaubliche Inszenierung und die stilistischen Bildschirmanzeigen sind aber zugleich Fluch und Segen. Während wir in einem Rundensystem stets die Kontrolle haben, sind in Persona 5 Strikers viele Kämpfe sehr unübersichtlich und wir bekommen nicht immer mit, wenn wir Schaden nehmen, geschweige denn, dass ein Gegner einen starken Angriff gewirkt hat.

Ärgerliche Technik

Tatsächlich sind uns die Rundenkämpfe des Originals lieber, aber dennoch haben die Entwickler die Essenz von Persona in einem spaßigen Action-System umsetzen können. Spielmechanisch haben die Entwickler auch an anderen Stellen versucht, dem Hauptspiel nachzueifern. Kernelemente wie das motivierende Aufleveln der Beziehungen der Figuren und das Kalendersystem, das zum Optimieren von Aufgaben anregt, gibt es in Strikers nicht. Oft werden wir aber mit Bindungspunkten belohnt, mit denen wir rollenspieltypische Verbesserungen freischalten. Die Dungeons selbst kommen nicht an die des Hauptspiels heran, versuchen uns aber mit kleineren Rätseln und Geschicklichkeitspassagen bei Laune zu halten. Oft laufen wir aber einfach nur den Zielmarkern und Schlüsselobjekten nach. Es gibt Spannenderes! Dass wir keine Motivation haben, jeden Winkel zu erkunden, hat aber noch einen anderen Grund. Vor allem ärgern wir uns über die bis zu zehnsekündigen Ladepausen beim Wechsel von Spiel- und Dungeon-Abschnitten. Wenn wir darüber nachdenken müssen, ob wir wegen einer Ladezeit ein vorheriges Gebiet zum Erforschen lieber doch nicht mehr aufsuchen wollen, dann ist das kein gutes Zeichen. Die Kämpfe laufen aber überraschend flüssig ab, die Welt ist dafür von zahlreichen schmierigen Texturen und einem absurden Kantenflimmern gequält.

An Fans gerichtetes Abenteuer

Technisch baut Persona 5 Strikers direkt auf Persona 5 auf – das sind beides Spiele, die eher durch ihren Style als durch direkte technische Opulenz punkten können. Wir sind uns sicher, dass in der Theorie beide Spiele auch auf der Nintendo Switch um einiges performanter laufen könnten, als Persona 5 Strikers es uns momentan vorführt. Die technisch beste Version dürfte damit die Version für PC und PlayStation 4 sein. Es gibt trotzdem genug Gründe, warum wir weiterspielen wollen. Zum einen gewöhnen wir uns zum Teil an die technischen Defizite, zum anderen können wir gleichzeitig nicht genug vom Soundtrack bekommen. Auf der Grundlage der Tracks von Persona 5 fügt Strikers noch einige neue Musikstücke hinzu und feuert ein eingängiges Jazz- und Pop-Feuerwerk ab, dem sich die meisten Ohren nicht entziehen können. Angenehm ist die Wahl zwischen japanischer und englischer Synchronisation, genauso wie die Option auf deutsche Bildschirmtexte, auch wenn wir die Textsprache nur durch das Umschalten der Konsolensprache ändern können. Insgesamt ist Persona 5 Strikers vor allem für Fans der Figuren und Stimmung des Hauptspiels zu empfehlen, auch wenn diese zwei Punkte auf der Switch nicht zu finden sind. Wer noch gar keinen Kontakt zur Persona-Reihe hatte, ist allerdings mit der Hauptreihe auf jeden Fall besser bedient.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas’ Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Version): Viele Persona-Fans waren bei der Ankündigung von Persona 5 Strikers unsicher, ob die Mischung eines beliebten Franchises mit den Koei-Tecmo-Action-Mechaniken auch für Persona aufgehen kann. Das fertige Spiel lässt keine Fragen offen, denn das Kampfsystem ist durchaus gelungen, Probleme gibt es aber an ganz anderen Front: Die schnellen Kämpfe sind zwar spaßig und laufen auf der Nintendo Switch ziemlich gut – ausgenommen sind die unübersichtlichen und wirren Momente im Kampf – die schwache Portierung sorgt aber immer wieder für unschöne Situationen. Besonders die Ladezeiten sind einfach zu lang. Sie stören den Fluss der schnellen Kämpfe und Bewegung in den Dungeons. Die Switch kann hier eindeutig mehr. Ansonsten wurde die Reisestimmung durch die unterschiedlichen japanischen Städte zusammen mit den Figuren sehr schön eingefangen. Persona 5 Strikers ist das perfekte Fan-Spiel für diejenigen, die noch mehr Zeit mit den liebevoll designten Charakteren verbringen wollen.

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