Review: Kimetsu no Yaiba: Demon Slayer – The Hinokami Chronicles

In Japan geht das Demon-Slayer-Franchise regelrecht durch die Decke, obwohl der Manga im Jahr 2020 bereits beendet wurde. Mit Kimetsu no Yaiba: Demon Slayer – The Hinokami Chronicles erschien im Oktober 2021 ein Spiel auf Basis der ersten Staffel und des Kinofilms.

Erzähltechnisch folgt die Geschichte von The Hinokami Chronicles dem Leben von Kamado Tanjirō, der zum Dämonenjäger ausgebildet wird. Diesem Weg folgt er, da seine Familie von einem Dämon nahezu vollständig getötet wurde. Lediglich seine Schwester Nezuko ist mit dem Leben davongekommen, wurde jedoch in einen Dämon verwandelt. Allerdings ist sie keineswegs daran interessiert, in Menschennähe ein Blutbad anzurichten. Zu zweit reisen sie durch das Japan der Taishō-Zeit und versuchen, Kibutsuji Muzan, den ersten aller Teufel, ausfindig zu machen. Während dieses Unterfangens lernen sie neue Freunde kennen, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen. Dazu zählen vor allem Agatsuma Zen’itsu, der schon beim Anblick einer kleinen Spinne ängstlich davon laufen würde, und Hashibira Inosuke, der seine Identität mit einem Wildschweinkopf verschleiert und keine Konfrontation scheut. In der auf circa fünfzehn bis zwanzig Stunden ausgelegten Handlung, die auf der ersten Season und Kimetsu no Yaiba: Demon Slayer – The Movie: Mugen Train basiert, treten entsprechend auch Feinde wie die Dämonen Kyōgai und Rui auf. Anhand solcher Begegnungen wachsen die Fähigkeiten der Helden, die auch die Story-Stationen wie das Schmetterlingsanwesen ablaufen. The Hinokami Chronicles hält sich sehr nahe an der Vorlage, was wirklich positiv ist.

Mosaikartig zusammengesetztes Gameplay

An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich das Spiel vor allem auf die Handlung und weniger auf das Gameplay konzentriert. Zudem ist die Story teilweise arg fragmentiert, weshalb in erster Linie Fans angesprochen werden dürften. Dennoch ist die Geschichte auch für all jene verständlich, die bisher noch keinen Kontakt mit dem Franchise hatten. Der Autor dieser Zeilen ist hierfür das beste Beispiel. The Hinokami Chronicles bedient sich verschiedenen Genres und setzt diese mosaikartig zusammen. So erkunden wir in bester Action-Adventure-Manier diverse Ortschaften wie einen mit Spinnweben durchzogenen Wald oder ein mysteriöses Anwesen im Stil traditioneller japanischer Architektur. Diese Areale sind schlauchartig aufgebaut und lassen unseren Erkundungsdrang nur bedingt zu. Am Wegesrand können wir mit diversen Objekten interagieren, mit denen wir Teile von Motiven freischalten. Ebenfalls lassen sich hier so genannte Kimetsu-Punkte aufklauben, mit denen wir fehlende Teile besagter Bilder erwerben können. Für die Story deutlich essentieller sind jedoch die Erinnerungsfragmente, die im Kapitelauswahlbildschirm zusätzliche Story-Sequenzen freischalten. Während der Erkundung kommt es wieder zu Dialogen zwischen den Charakteren in Spielgrafik und in seltenen Momenten auch zu Konfrontationen mit Feinden in bester Fighting-Game-Manier.

Flüssige und einsteigerfreundliche Kämpfe

Kommt es zu einem Kampf mit einem Dämon, dann öffnet sich ein abgesteckter dreidimensionaler Bereich, in dem wir mit leichten und schweren Angriffen auf den Gegner einprügeln dürfen. Ebenso können wir Spezialangriffe entfesseln oder den Gegner packen und ihm so eine Kopfnuss verpassen. Diese Kämpfe spielen sich erstaunlich flüssig. Lediglich das Ausweichen aus einer Angriffskette hinaus und das Parieren von gegnerischen Angriffen sind zwei schwer zu meisternde Angelegenheiten. Zumindest innerhalb der Story ist das fast unmöglich, da es vor allem im letzten Spieldrittel sehr wenige Kämpfe gibt. Wirklich schwierig ist The Hinokami Chronicles zudem nicht. Verlieren wir unsere Lebensenergie, können wir diese vom Spiel einfach wieder auffüllen lassen. In diesem Falle bleibt uns jedoch die hohe Kampfwertung verwehrt, die aber tatsächlich nur für wenige In-Game-Boni und Achievements erforderlich ist. Soll heißen, dass auch jüngere oder unerfahrene Spieler durchweg Spaß mit dem Titel haben. Profis und hartgesottene Spieler können den Kampf auch komplett von Beginn an starten, müssen dann aber gegebenenfalls mit nicht abbrechbaren Zwischensequenzen leben. Für die finalen Schläge in Bosskämpfen stehen auch kleine Quick-Time-Events auf dem Programm, die aber wesentlich fairer als zum Beispiel in Shenmue I & II ausfallen.

Motivierender Versus-Modus

Wer sich auf die Auseinandersetzungen in der Handlung vorbereiten will, hat außerhalb der Story die Möglichkeit, mit den verschiedenen Charakteren in einem Trainingsmodus diverse Herausforderungen zu meistern. So lassen sich kinderleicht die eigenen Skills und auch das Timing beim Aufbau von Angriffsketten verfeinern. Tastenkombinationen, wie sie in anderen Kampfspielen wie Capcoms Street Fighter V tatsächlich notwendig zum Meistern des Spiels sind, müssen für The Hinokami Chronicles nicht gelernt werden. Wie gesagt funktioniert hier alles über leichte und schwere Angriffe, das Packen von Gegnern und das Abblocken von feindlichen Attacken. Spielerisch unterscheiden sich die Figuren hier nur bedingt. Während die meisten Charaktere wie Tanjirō mit ihrem Katana angreifen, fährt Nezuko ihre Krallen aus und der Dämon Yahaba schießt im wahrsten Sinne des Wortes Pfeile aus seinem Körper. Hinzu kommt, dass innerhalb der Handlung einige und im Versus-Modus sämtliche Kämpfe zu zweit ausgefochten werden. Soll heißen, dass wir auf Knopfdruck einen zweiten Helden zur Hilfe rufen können. Dieser greift dann mit uns den Gegner an oder rettet uns aus einer brenzligen Situation. Ein gelungener Bonus ist, dass wir den Versus-Modus sowohl offline als auch online zu zweit spielen dürfen. So motiviert der Titel wirklich auch noch nach dem Abspann.

Anime-Atmosphäre in Spielform

Kommen wir noch einmal auf die verschachtelte Story zu sprechen, mit der das Interesse für das Abenteuer steht und fällt. Sind wir gewillt, mehr über die Charaktere und die Welt von Kimetsu no Yaiba zu erfahren, dann stört der fragmentierte Aufbau nicht. Warum Nezuko in ihrem Mund einen Bambusknebel trägt und was mit Tanjirōs Familie passiert ist, erfahren wir beispielsweise erst später als es eigentlich nötig wäre. Nichtsdestotrotz gewöhnen wir uns schnell an dieses Konzept und da so gut wie alle Dialoge auf Japanisch mit den originalen Sprechern aus dem Anime vertont sind, steigert dieser Umstand die Atmosphäre enorm. Während die Story-Sequenzen innerhalb der Handlung in sehr hübscher Anime-Spielgrafik inszeniert sind, kommen bei den Erinnerungsfragmenten vornehmlich Standbilder vor, die der Serie entnommen sind. Diese werden dann schlicht mit gelungenen deutschen Texten untertitelt. Animierte Szenen wie wir es aus halbwegs vergleichbaren Titeln wie Berserk and the Band of the Hawk kennen, gibt es leider nicht. Unserer Meinung nach hätten diese das Gesamtbild ordentlich aufgewertet. Der gelungene Soundtrack macht diesen Umstand aber wieder wett. Könnt ihr die Mankos akzeptieren, dann erhaltet ihr ein Spiel mit gelungenem Setting und toller Story. In puncto Gameplay kommt der Titel aber nicht übers untere Mittelmaß hinaus. Ist euch das besonders wichtig, solltet ihr um The Hinokami Chronicles einen Bogen machen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Kimetsu no Yaiba: Demon Slayer – The Hinokami Chronicles ist ein Spiel, das in meinen Augen keine klare Zielgruppe hat. In erster Linie dürften die Fans der Anime-Serie und des Kinofilms angesprochen werden, da diese die Story kennen. Mit der fragmentierten Erzählweise dürften diese im Grunde keine Probleme haben, an denen eventuell Einsteiger knabbern. Zu letzteren zähle ich mich selbst, doch komme ich trotz der anfangs etwas verwirrenden Handlungsmomente mit der Zeit gut in die Geschichte rein. Jetzt habe ich richtig Lust, die Anime-Serie und ebenso den Kinofilm zu sehen. Auch mit dem Gameplay habe ich ein wenig Spaß, doch ist gerade dieses für ein Videospiel so wichtige Elemente klar das Schlusslicht des Gesamtpakets. Es macht zwar in den wenigen Momenten Laune, die schlauchartigen Levels nach Collectibles abzusuchen und mich in Kämpfen mit Dämonen zu messen, aber reicht das über fünfzehn bis zwanzig Spielstunden einfach nicht aus. So fühlt sich der Titel auf Dauer eher wie eine in bewegter Spielgrafik inszenierte Visual Novel an. Wer eine mosaikartig erzählte Geschichte in einem atmosphärischen Setting und einem interessanten Szenario zu schätzen weiß, der darf The Hinokami Chronicles gerne eine Chance geben. Wer aber keine Lust darauf hat, den Controller auch mal eine Viertelstunde beiseite zu legen, wird nicht sehr viel Spaß mit The Hinokami Chronicles haben. In diesem Falle wäre der Anime vermutlich direkt die bessere Wahl.

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kimetsu no Yaiba: Demon Slayer – The Hinokami Chronicles!

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