Review: Uncharted: Legacy of Thieves Collection

In den Jahren 2016 und 2017 erschienen für die PlayStation 4 die bis dato letzten beiden Episoden der beliebten Uncharted-Reihe. Genau diese beiden Serienteile hievten Publisher Sony Interactive Entertainment und Entwicklerstudio Naughty Dog mit leichten Verbesserungen auf die PlayStation 5.

Ob die Uncharted: Legacy of Thieves Collection, die sowohl Uncharted 4: A Thief’s End als auch Uncharted: The Lost Legacy beinhaltet, sechs beziehungsweise fünf Jahre nach der ersten Veröffentlichung einen erneuten Blick wert ist, hängt von eurer persönlichen Liebe zur Serie ab. Ab Uncharted 3: Deception legt die Reihe den Fokus mehr auf die Story und die Figuren und weniger auf das Gameplay. Uncharted 4 und The Lost Legacy machen dabei keine Ausnahme. Storytechnisch hat sich in den beiden überarbeiteten Fassungen in der Kollektion, die neben der PlayStation 5 zu einem späteren Zeitpunkt auch für den PC erscheint, nichts verändert. Uncharted 4 konzentriert sich auf Nathan Drake und seinen Bruder Samuel, die auf der Jagd nach dem Schatz von Kapitän Henry Every sind. Da der Schatz wohl um die vierhundert Millionen US-Dollar wert sein soll, sind die beiden nicht die einzigen, die nach dem Schatz suchen. Auch Nathans Konkurrent Rafe Adler und Nadine Ross, die Chefin der Söldnertruppe Shoreline, haben die Lunte gerochen. Gemeinsam mit Nathans langjährigem Freund Victor Sullivan machen sich die beiden Brüder auf, um das Geheimnis des Piraten zu lüften und das Gold zu finden. Die Geschichte ist mit vielen Zwischensequenzen gewohnt sehr spannend und im Gegensatz zu den vorherigen Serienteilen noch tiefgründiger erzählt.

Eigenständige Erweiterung

Beispielsweise erhalten wir neue Erkenntnisse über Nathans Familiennamen und erhaschen Einblicke in sein Eheleben mit Elena. In The Lost Legacy hat Nathan den Beruf an den Nagel gehängt, zumindest vorläufig. Stattdessen schlüpfen wir in der Erweiterung in die Rolle von Chloe Frazer, die Fans der Reihe schon aus dem zweiten und dritten Serienteil kennen. Mit Nadine im Schlepptau sucht sie in Westindien beziehungsweise den Westghats nach dem Stoßzahn von Ganeśa. Wie das bei einer Suche nach einem mythischen Artefakt so ist, muss es auch wieder einen Rivalen geben, der die beiden Helden daran hindern will. Arman Khurana, genannt Asav, versucht mit allen Mitteln, den Stoßzahn in seine Gewalt zu kriegen. Welchen Anreiz er dabei hat, wird erst im Finale der Handlung deutlich. Aus Spoiler-Gründen gehen wir an dieser Stelle nicht weiter darauf ein. Es sei jedoch gesagt, dass der Bösewicht recht blass bleibt und eher mit Worten denn mit Taten bedrohlich erscheint. Glaubhaft dargestellt werden hingegen die Hauptcharaktere Chloe und Nadine, die beide ihre eigenen und nachvollziehbaren Hintergründe spendiert bekamen. Trotzdem kann Nadine mit ihrem Verhalten und ihren Kommentaren gerne mal an unseren Nerven zerren. Wie gut, dass im letzten Spieldrittel ein weiterer Seriencharakter hinzu kommt und die Situation auflockert.

Mehr Story, weniger Gameplay

In beiden Spielen der Uncharted: Legacy of Thieves Collection werden die Beziehungen der Charaktere zueinander trotz allem glaubhaft dargestellt und mit reichlich Witz und ernsten Dialogen unterlegt. Rückblicke auf gemeinsame Abenteuer oder das Herumblödeln beim Spielen an der PlayStation verleihen den Geschichten Authentizität. Selbst beim Klettern im Dschungel unterhalten sich die Charaktere miteinander. Das finden wir gut, da wir so stets Einblicke in das Leben und Innenleben der Protagonisten und Antagonisten bekommen. Der Fokus bewegt sich, wie anfangs schon erwähnt, in beiden Titeln noch weiter vom Gameplay weg als beispielsweise der dritte Teil der Nathan Drake Collection für die PlayStation 4. Zwar ist die bekannte Uncharted-Formel, die sich aus motivierendem Erkunden, Schusswechsel mit Söldnern und hitzigen Verfolgungsjagden zusammensetzt, immer noch spürbar, doch auch gefühlt auf ein Minimum reduziert. Das mag auch daran liegen, dass sich Uncharted 4 und The Lost Legacy mehr wie ein Stealth-Shooter anfühlen als Action-Adventures. Bei so gut wie jedem Feindkontakt versuchen uns die Spiele ein lautloses Vorgehen aufzudrängen. Natürlich dürfen wir jederzeit zur Waffe greifen und ordentlich Rabatz machen, doch selbst dann sind die Schießereien bei Weitem nicht so intensiv wie noch in vorherigen Abenteuern.

Aufgewärmtes, Unausgegorenes und Verbessertes

Neue Ideen sind in der Uncharted: Legacy of Thieves Collection rar gesät. Das Gameplay wurde auf der PlayStation 5 genauso wie die Story nicht angerührt. Es werden außerdem weitgehend dieselben Stilmittel beim Gebietswechsel verwendet wie bei den Vorgängern. Neuerungen beider Spiele sind hingegen, dass wir an steilen Abhängen herunterrutschen und uns mit einem Fanghaken über Abgründe schwingen können. Das ist alles nur ein kalter Tropfen auf den heißen Stein. Viel besser gefallen uns die drei Open-World-Abschnitte. Die Steppe von Madagaskar, eine Inselgruppe in der Karibik und die Westghats in Indien können wir mit Jeep und Boot nahezu frei erkunden. Abseits der Suche nach kleinen Schätzen gibt es hier aber nicht viel zu tun. Trotzdem fühlt sich die Freiheit statt der sonst durchweg nur mit Schlauchlevels besetzten Reihe richtig gut an. Hinzu kommt, dass beide Spiele auf der PlayStation 5 mit sechzig Bildern pro Sekunde laufen, fantastisch aussehen und noch dazu mit einer wunderbaren Klangkulisse unterlegt sind. Noch dazu bieten beide Titel 3D-Audio und unterstützen die haptischen Fähigkeiten des DualSense-Controllers, die für noch mehr Immersion sorgen. Trotz dieser Zusätze ist die Kollektion nicht komplett. So wurden die Online-Mehrspielermodi beider Titel restlos gestrichen. Schade, aber dennoch leicht verschmerzbar.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4- und PlayStation-5-Fassung): In meinen Augen sollte jeder einmal die Uncharted-Reihe gespielt haben, wobei ich bis heute klar an der Meinung festhalte, dass die ersten beiden Serienteile und vor allem die zweite Episode zum Besten gehören, was die Reihe in all den Jahren hervorgebracht hat. Schon der dritte Teil hat, zumindest was das Gameplay angeht, meiner Meinung nach nachgelassen. Da ist es gar nicht verwunderlich, dass auch Uncharted 4: A Thief’s End und Uncharted: The Lost Legacy an dieser Entwicklung festhalten. Erzähltechnisch und inszenatorisch können beide Titel der Uncharted: Legacy of Thieves Collection dennoch überzeugen. Es macht auch beim wiederholten Male Spaß, mit Anhängseln durch die Levels zu rennen und hier und da Rätsel zu lösen. Allerdings finde ich es schade, dass Publisher und Entwickler nicht die Chance genutzt haben, das Gameplay beider Spiele zumindest im Ansatz zu überarbeiten. So bleiben es inhaltlich immer noch dieselben Spiele wie vor einem halben Jahrzehnt. Da hilft es auch nicht viel, dass die DualSense-Controller- und 3D-Audio-Unterstützung die Immersion in die Höhe schrauben. Wer die Spiele schon für die PlayStation 4 besitzt, muss bei der Uncharted: Legacy of Thieves Collection nicht noch einmal zugreifen, zumal auch die Mehrspielermodi restlos gestrichen wurden. Wer die Titel noch nachholen will und ohnehin nur das Einzelspieler-Erlebnis sucht, darf auf der PlayStation 5 bedenkenlos zugreifen.

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Uncharted: Legacy of Thieves Collection!

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