Review: Dynasty Warriors 9: Empires

Im Februar 2018 erschien Dynasty Warriors 9 und entsetzte mit Ideen, die so kaum bis gar nicht zum Musō-Spielgefühl passen. Entsprechend groß war die Furcht vor einem vermurksten Dynasty Warriors 9: Empires, die sich nach einigen Stunden allerdings in Luft auflöste.

Direkt einmal vorweg: Eine offene Spielwelt wie im neunten Hauptteil bleibt den Spielern in Dynasty Warriors 9: Empires zum Glück erspart. Die Schnetzelorgie kehrt zu den Ursprüngen zurück und verbindet diese, wie für die Empires-Episoden des Franchises gewohnt, mit einem Strategie-Part. Aufgeteilt ist das Spiel in sehr wenige Modi. Habt ihr noch nie ein Spiel mit Musō-Mechaniken gespielt, dürfte das Tutorial die erste Anlaufstelle sein. Hier lernt ihr die verschiedenen Kniffe des Gameplays kennen. Mit einem von uns gewählten Offizier besteht unsere Aufgabe darin, mit leichten und starken Schlägen ganze Armeen, Hauptmänner und andere Offiziere zu bekämpfen. Noch dazu dürfen wir die Gegner in die Ferne oder in die Luft schleudern. Fördern wir genügend Feinde mit Schwert, Lanze und Co ins Jenseits, füllt sich parallel dazu die Musō-Anzeige. Sobald diese gefüllt ist, dürfen wir einen mächtigen Spezialangriff ausführen und noch mehr Gegner gleichzeitig attackieren. Ebenfalls im Tutorial erfahren wir, wie die Invasion einer feindlichen Burg oder die Verteidigung unseres Reiches stattfindet. Hierfür ist es in der Regel notwendig, die Offiziere des Feindes auszuschalten, verschiedene Stellungen einzunehmen oder Geheimpläne des Gegners zu vereiteln. Je besser oder schlechter wir uns dabei anstellen, desto eher öffnen sich die Tore der Festung.

Acht verschiedene, aber ähnlich aufgebaute Kampagnen

Derlei Schlachten sind integraler Bestandteil des Eroberungsmodus, auf den sich Dynasty Warriors 9: Empires konzentriert. Zu Beginn wählen wir hier eine von insgesamt acht Kampagnen aus. Zur Auswahl stehen der Aufstand der Gelben Turbane im Jahr 184, die Allianz gegen Dǒng Zhuō im Jahr 190, die Rivalität zwischen den Kriegsherren im Jahr 195 und die Schlacht von Guāndù im Jahr 200. Ebenfalls auswählbar sind die drei Reiche im Jahr 218, der Feldzug nach Norden im Jahr 228 und das Heldentreffen, das historisch aber frei erfunden ist. Trotz unterschiedlicher Kampagnen und Jahreszahlen ist das Gameplay stets ähnlich. Haben wir uns eine der eher handlungsarmen Kampagnen ausgewählt, entscheiden wir uns für einen der zur Verfügung stehen Charaktere. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Zhāng Jiǎo, Yuán Shù oder Sūn Jiān. Jede dieser historischen Figuren hat ihren eigenen Hintergrund, der seicht in die jeweilige Geschichte eingebunden ist. Ein Verständnis für die chinesische Geschichte ist in Dynasty Warriors 9: Empires zwar nicht notwendig, aber sie hilft dabei, die Ausgangslage jeder Kampagne ein wenig besser nachvollziehen zu können. Abgesehen davon ändert sich das Gameplay auch durch die Charakterwahl kaum. Es sei aber erwähnt, dass die Figuren unterschiedliche Attribute haben und unterschiedlich gut mit den Waffentypen umgehen.

Halbjährliche Tagung des Kriegsrats

Ausgangspunkt einer jeden Kampagne ist der Kriegsrat, in dem bestimmt wird, wie die nächsten sechs Monate verlaufen sollen. Wir entscheiden uns, ob und welches Gebiet wir in China als nächstes einnehmen wollen und setzen uns weitere Ziele wie die Rekrutierung eines neuen Offiziers oder die Produktion von genügend Rohstoffen. Schnell wird uns klar, dass die Zukunft des Reiches vor allem von der Anzahl an Untergebenen abhängt. Je mehr Untergebene wir haben, desto besser fällt der Ertrag der Ernte oder die Höhe der Einnahmen durch Steuern aus. Führen wir Krieg gegen benachbarte Gebiete, müssen wir stets im Hinterkopf behalten, dass Truppenbewegungen wie in Romance of the Three Kingdoms XIII Rationen kosten. Ist die Reiskammer leer, müssen wir diese durch einen Fokus auf Landwirtschaft oder Handel erst auffüllen. Je länger die Liste unserer Anhänger ist, desto mehr finanzielle Abgaben haben wir auch. Diese sind deshalb so wichtig, da wir mit kleineren Armeen keine Chance in den Schlachten haben. Es passiert in Dynasty Warriors 9: Empires so viel um uns herum, was wir zwar nicht direkt sehen, aber dennoch von essentieller Bedeutung ist. Werden unsere Armeen einfach so abgeschlachtet, können wir noch so gut kämpfen. Entscheidend ist immer die gemeinsame Stärke, weshalb der Strategie-Part in keiner einzigen Minute zu unterschätzen ist.

Spaziergänge mit Offizieren

Gefangen genommene Offiziere während einer Schlacht können nach dieser zum Beispiel rekrutiert werden, was diese aber auch ablehnen können. In diesem Fall dürfen wir sie aber immerhin noch freilassen oder gar exekutieren, was Einfluss auf unser Ansehen an. Heitere Spaziergänge mit anderen Offizieren abseits der Schlacht vertiefen die Beziehung zwischen den Charakteren. Auch ein Saufgelage ist hier möglich. Ähnlich wie eine Schlacht oder die Vertiefung einer diplomatischen Beziehung verschlingen auch die Spaziergänge gleich einen ganzen Monat. Während die Schlachten, in denen zum Beispiel auch Kriegsmaschinerie und Enterhaken zum Einsatz kommen, genauso die Immersion fördern wie der Kriegsrat im Januar und Juli der jeweiligen Jahre, fallen gerade die Spaziergänge in puncto Inszenierung ab. Dieser Aspekt von Dynasty Warriors 9: Empires macht tatsächlich am wenigsten Spaß. Für die nächste Episode der Empires-Geschichte empfehlen wir Entwicklerstudio Omega Force dieses System unbedingt zu überarbeiten. Vor allem der zeitliche Aufwand für die gezeigten Aktivitäten steht nicht im Verhältnis zu jener Dauer, die die anderen Aktionen tatsächlich umfassen. Vernachlässigbar sind die Spaziergänge nicht, da viele politische Ziele, die wir uns setzen, nur während der langweiligen, wenn auch eher kurzen Spaziergänge erfüllbar sind.

Klare Verbesserung zum Hauptteil

Zu guter Letzt gibt es in Dynasty Warriors 9: Empires einen Bearbeitungsmodus, der uns in einem Baukasten einen eigenen Offizier erstellen lässt. Mehrspielermodi gibt es leider erneut nicht. Das ist wirklich schade, da gerade die Schlachten zu zweit viel Spaß machen würden, wenn wir uns mit einem Mitspieler absprechen könnten. In puncto Bedienung wirken die Erklärungen anfangs überladen. Oft ist unklar, wann und wie etwas ausgelöst wird. Damit sind Aktionen, wie wir etwa einen feindlichen Offizier zum Verbündeten machen, gemeint. Learning by Doing heißt die Devise in den ersten Stunden. Die Steuerung in den Schlachten geht in Ordnung, fühlt sich serientypisch sehr schnell an und besteht auch viel aus Button Mashing. Technisch läuft der Titel viel besser als der Vorgänger. Hier wählen wir zwischen dem Aktionsmodus mit einer höheren Bildwiederholrate, bei der jedoch teilweise horizontale Streifen auf fehlende vertikale Synchronisation hinweisen, und dem Filmmodus. Letzterer legt den Fokus auf eine höhere Auflösung, nimmt aber selbst auf der potenten PlayStation 5 ein nerviges Dauerruckeln in Kauf. Akustisch gibt es recht angenehme Musikstücke auf die Ohren, die je nach Situation leicht chinesisch angehaucht sind. Apropos Chinesisch: Bei der Sprachausgabe gibt es lediglich japanische Sprecher. Eine chinesische Synchronisation wie beim Hauptteil der Reihe gibt es nicht, was die Atmosphäre durchaus etwas schmälern kann. Schade.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-Fassung): Dynasty Warriors 9 ist visuell und spieltechnisch eine Katastrophe für die Reihe. Entsprechend habe ich befürchtet, dass auch Dynasty Warriors 9: Empires in diese Kerbe schlägt. Da habe ich mich zum Glück geirrt, denn das Spiel fühlt sich deutlich mehr nach dem Musō-Spielprinzip an als noch der Hauptteil aus dem Jahr 2018. Mir macht es sehr viel Spaß, verschiedene Schlachten in China zu schlagen. Hinzu kommt, dass ich dabei noch viel strategischer vorgehen muss, da Nahrung, Geld und Truppen begrenzte Ressourcen sind, mit denen ich ständig haushalten muss. Ist die Reiskammer leer, kann ich Truppen nicht in den Krieg führen. Ist die Schatzkammer leer, kann ich keine neuen Offiziere einstellen. Sind meine Armeen viel zu klein, kann ich keine Schlachten gewinnen. Alle Gameplay-Elemente greifen logisch ineinander, was mir gut gefällt. Lediglich die Spaziergänge mit anderen Offizieren sind in meinen Augen Quatsch und mindern die Immersion etwas. Auch dass selbst die äußerst potente PlayStation 5 keine hübscheren Grafiken, stabilere Bildwiederholraten und Auflösungen hinbekommen soll, bezweifle ich im Jahr 2022 stark. Entwicklerstudio Omega Force und Publisher Koei Tecmo können mehr. Sie müssen es nur wollen.

Vielen Dank an Koei Tecmo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dynasty Warriors 9: Empires!

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