Review: The King of Fighters XV

Fans der langlebigen Fighting-Game-Reihe The King of Fighters mussten sich auf die Fortführung der Serie wie schon beim Vorgänger etwa sechs lange Jahre gedulden. The King of Fighters XV erschien im Februar 2022 und will jetzt auch auf der PlayStation 5 mitmischen.

Zumindest storytechnisch sollte das letzte Turnier in der The-King-of-Fighters-Reihe seinem Namen alle Ehren machen. Von dieser Entscheidung haben jedoch sowohl die Entwickler als auch die Protagonisten und Antagonisten im Spiel selbst Abstand genommen. Nachdem Antonov als Austräger der letzten Veranstaltung zurückgetreten ist, hat Anastasia diese wichtige Rolle übernommen. Sie lässt bekannte Figuren wie Kusanagi Kyō, Blue Mary oder Terry Bogard erneut im Ring gegeneinander antreten. Hinzu kommen viele kleine Geschichten respektive Hintergründe, die im Story-Modus in kurzen dialogartigen Schlagabtauschen vor der jeweiligen Auseinandersetzung von den am Kampf beteiligten Figuren offenbart werden. Das ist zwar gut gemeint und bereichert in jenen Momenten auch die Atmosphäre, hätte aber wie schon beim Vorgänger aus dem Jahr 2016 viel deutlicher ausgebaut werden müssen. Natürlich ist uns bewusst, dass die Geschichte bei einem Fighting Game nicht sonderlich wichtig ist. In diesem Falle hätten die Entwickler aber zumindest alternativ einen Arcade-Modus ins Spiel implementieren sollen. Wenn ein Modus schon mit einer Story wirbt, sollte dieser auch eine bestimmte Qualitätsstufe einhalten. Da The King of Fighters XV ganze sechs Jahre nach der Erstveröffentlichung des Vorgängers erschien, war nicht nur dafür definitiv genügend Zeit.

Um zwanzig Prozent gekürzte Kämpferriege

Am eigentlichen Gameplay hat sich glücklicherweise nichts geändert. Haben wir uns für den Story-Modus entschieden, wählen wir drei aus insgesamt 39 Charakteren aus, mit denen wir die virtuellen Arenen betreten dürfen. Hier zieht The King of Fighters XV ganz klar den Kürzeren zum Vorgänger, denn anstatt schlicht weitere Charaktere für ein wenig mehr Diversität hinzuzufügen, wurden Kämpfer aus der Riege entfernt. Es bleiben jedoch ganze elf Schaltflächen für weitere Figuren frei, die jedoch vermutlich über kommende Download-Inhalte hinzugefügt werden können. Hinweise zu freischaltbaren Charakteren entdecken wir nicht. Wie dem auch sei: Haben wir uns für drei Kämpfer entschieden, wählen wir zu Beginn der anstehenden Prügelei die Reihenfolge aus, in der wir sie antreten lassen. Gelingt es uns, mit einer Figur den ersten von ebenfalls drei Gegnern zu besiegen, übertragen wir sie mit einem kleinen Energiebonus in die nächste Runde und somit zum nächsten Rivalen, der den Platz des bisherigen Gegners ausfüllt. Andersherum funktioniert dieses Konzept ganz genauso. Sollten wir im Kampf unterlegen sein, müssen wir den Story-Modus aber nicht von Anfang an neu starten. Wir können den Kampf wiederholen und auf Wunsch auch die Lebensenergie der Gegner auf drei Viertel oder die Hälfte hinabsetzen. Puristen belächeln dies, Anfänger wird es freuen.

Mit Vorbereitung zum Erfolg

Damit wir eine Chance gegen unsere Gegner haben, hilft Button Mashing nur bedingt weiter. Es ist zwar durchaus möglich, die meisten Gegner mit stumpfem Draufhauen auf die Knöpfe des Controllers zu besiegen, doch hängt dies zum einen von den gewählten Kämpfern ab und zum anderen ist das nur wenig spaßig. Umso mehr Laune machen die Auseinandersetzungen, wenn wir die Charaktere wirklich beherrschen und einen Move nach dem anderen einsetzen und zu wahnwitzigen Angriffsketten miteinander verbinden. Hierzu empfehlen wir jedem, als allererstes die Einführung zu spielen. In dieser lernen wir die Grund- und Angriffstechniken des Spiels kennen. Von einfachen Schlägen und Tritten bis hin zum Ausweichen, rechtzeitigem Kontern und Einsetzen von Spezialmanövern ist hier alles dabei, was in The King of Fighters XV wichtig ist. Da sich jeder Charakter nicht nur in Stärke und Geschwindigkeit, sondern auch in puncto Moves leicht bis stark unterscheidet, empfehlen wir als nächsten Schritt genau die drei Figuren auszuwählen, mit denen ihr den Story-Modus bestreiten wollt. Im Training lassen sich alle Charaktere gegen wehrlose Gegner einsetzen. So können wir ganz bequem sämtliche Spezialtechniken verinnerlichen. Mit dieser Art der Vorbereitung steht und fällt nicht nur das Tempo des Gameplay, sondern vor allem auch der Spielspaß.

Vernachlässigbare, aber nützliche Features

Wie schon im Vorgänger gibt es auch in The King of Fighters XV erneut eine Spezialleiste, die sich im Verlauf der Kämpfe auffüllt. Ist diese gefüllt, können wir unsere ganze Kampfkraft entfalten und noch mächtigere Attacken entfesseln. Hinzu kommt jeweils eine Leiste für die Verteidigung auf beiden Seiten. Wenn diese bröckelt, richten Angriffe bei der Figur mit der geleerten Anzeige deutlich mehr Schaden an. Allerdings sei euch gesagt, dass dieses Feature zumindest im Kampf gegen die Computergegner vernachlässigbar ist. Auch ohne die Verteidigung zu schwächen können Erfolge genauso schnell wie in anderen Fighting Games wie Street Fighter V und Konsorten errungen werden. Die künstliche Intelligenz funktioniert zwar gefühlt besser als im Vorgänger, stellt uns andersherum aber vor keine allzu großen Herausforderungen. Neben dem Story-Modus, dem Training und der Einführung gibt es für Einzelspieler noch die Möglichkeit, einzelne Missionen mit sämtlichen Charakteren zu absolvieren. Sonderlich spannend sind diese aber nicht, da wir uns hier ähnlich wie im Training nur noch mehr mit den Kämpfern vertraut machen sollen. Im Versus-Modus können wir uns mit einem gewählten Charakter auch noch ein wenig austoben, indem wir einen Gegner verdreschen und die einzelnen Arenen kennenlernen, die sich jedoch nur audiovisuell unterscheiden.

Passables bis gutes Erscheinungsbild

Letzteren Modus können wir natürlich auch mit mehreren Spielern an einer Konsole spielen. Bei den Turnieren müssen wir das sogar, da hier die optionale Wahl von Computergegnern kurioserweise nicht zur Verfügung steht. Da bietet selbst Super Smash Bros. Ultimate mehr Möglichkeiten. Wer keine Lust mehr auf Computergegner oder Freunde auf dem Sofa hat, darf online gegen bekannte und fremde Spieler antreten. Entweder erstellen wir hierfür einen eigenen Raum, messen uns im Ranglistenkampf oder liefern uns packende Fights in den sogenannten Casual-Kämpfen, die keinen Einfluss auf unsere Bewertung haben. Auch lässt sich hier unser Profil bearbeiten und die Bestenliste einsehen. Da das Online-Spiel nach wie vor ein kostenpflichtiges PlayStation-Plus-Abonnement voraussetzt, verzichten wir an dieser Stelle auf eine nähere Beleuchtung oder gar Bewertung dieser Inhalte. In technischen Belangen macht der Titel eine ganz passable Figur. Die meist kunterbunten Szenerien wissen mit ihren Umgebungen zu gefallen, erinnern aber im Detail noch an die PlayStation-3-Zeit. Dafür läuft der Titel mit fünfzig bis sechzig Bildern pro Sekunde auf der PlayStation 5 anständig. Dazu untermauert der adrenalingetränkte Soundtrack zusammen mit den heftigen Soundeffekten die Kampfkulisse. Fans der Serie oder Fighting-Game-Enthusiasten dürfen bei The King of Fighters XV trotz der kleineren Defizite für stundenlangen Spielspaß aber bedenkenlos zugreifen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Mit The King of Fighters XV hat das japanische Entwicklerstudio SNK den Sprung auf die PlayStation 5 gewagt. Gelungen ist ihm das nur halbwegs, denn vor allem die Umgebungsgrafiken wirken wie schon beim Vorgänger veraltet. Auch dass Charaktere gestrichen worden sind und womöglich als zusätzliche Downloads in Zukunft angeboten werden, ist in meinen Augen ein Unding. Somit bietet der Titel weniger Umfang als sein PlayStation-4-Vorgänger. Immerhin läuft das Kampfspektakel fast durchweg mit sechzig Bildern pro Sekunde. Unmerklich fällt die Bildwiederholrate hier und da auf fünfzig Frames herunter, berappelt sich aber ebenso flüchtig wieder. Für das hohe Spieltempo, das der Titel an den Tag legt, ist das nicht nur sinnvoll, sondern auch spielspaßfördernd. Es macht sehr viel Laune, die verschiedenen Kombinationsangriffe zu lernen, zu verinnerlichen und im Kampf im rechtzeitigen Moment gekonnt einzusetzen. Schade finde ich allerdings wieder, dass die Story nur Mittel zum Zweck ist. Auch der Umfang für Solisten dürfte auf Dauer zu gering sein. Für den nächsten Eintrag in der Serie muss sich SNK also wohl oder übel etwas überlegen. Trotz allem ist The King of Fighters XV eine Empfehlung für Genre-Fans wert. Große Konkurrenz gibt es auf der PlayStation 5 Anfang 2022 ohnehin nicht.

Vielen Dank an SNK für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The King of Fighters XV!

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