Review: The Last of Us: Part I

Im Jahr 2013 erschien mit The Last of Us auf der PlayStation 3 ein Survival-Horror-Spiel, das von Kritikern überwiegend gefeiert wurde. 2014 folgte überraschend ein Remaster für die PlayStation 4. In Form von The Last of Us: Part I wurde der Titel im September 2022 neu aufgelegt.

Bei Remakes gibt es verschiedene Ansätze. Einerseits können sie die Spielerfahrung des Originals wunderbar einfangen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Remake von MediEvil, das sich genauso anfühlt und spielt wie das Original. Andererseits gibt es auch Remakes, die ein komplett anderes Spiel aus dem ursprünglichen Werk machen. Entwicklerstudio Naughty Dog hält davon nicht viel. Den Entwicklern war es wichtig, das Remake von The Last of Us möglichst nah am Original und am Remaster zu halten. So gibt es auch bei der Story keine Änderungen, was vor allem Verfechtern der Lore gefallen dürfte. Im Jahr 2013 hat eine Pilzinfektion dafür gesorgt, dass ein Großteil der Menschheit nach und nach die Kontrolle über sich verliert, ihre Mitmenschen angreifen und diese durch Bisse infizieren. Das Übel nimmt seinen Lauf. Zwei Jahrzehnte später haben sich die Überlebenden in Quarantänezonen und anderen Gruppen organisiert. Trotzdem leben sie ständig in der Furcht, von den Infizierten entdeckt und überrannt zu werden. Hinzu kommen gesellschaftliche Probleme durch Überfälle und Plünderungen, die oft blutig ausgehen. Inmitten dieser Welt lebt der etwa fünfzig Jahre alte Schmuggler Joel, der sich mit Botengängen über Wasser hält. Eines Tages soll er die 14-jährige Ellie zu einem Labor eskortieren. Es stellt sich heraus, dass Ellie wohl immun gegen die Seuche ist.

Variantenreicher Überlebenskampf

The Last of Us: Part I ist wie das Original auf der PlayStation 3 ein lineares Spiel. Das heißt, dass wir uns von einem Kapitel zum nächsten entlang hangeln. Ständig bekommen wir es mit neuen Problemen wie versperrten Wegen, Blockaden von Plünderern, Militärs und Gebäude und Untergründe voll mit Infizierten zu tun. Meistens können wir all diese Hindernisse auf unterschiedliche Art und Weise meistern. Beispielsweise können wir uns an unsere Gegner heranschleichen und diese lautlos aus dem Weg räumen. Manchmal können wir aber auch an den Feinden vorbei schleichen, was vor allem bei den Infizierten eine gute Wahl ist. Hier seien allen voran die so genannten Clicker genannt. Anstatt eines Kopfes im herkömmlichen Sinne haben die Clicker einen großen Pilz inklusive eines riesigen Schlundes an ihrem Torso hängen. Die Clicker sehen uns zwar nicht, hören dafür aber umso besser. Besiegen können wir diese in der Regel nur durch gezielte Schüsse, die aber alle anderen Infizierten in der Umgebung auf den Plan rufen. Wir können jedoch auch mit einem ausgerüsteten Messer den Todesstoß ausführen. Problematisch ist hierbei nur, dass wir so ein Messer mit Klingen und Klebeband erst selbst herstellen müssen. Je nach Schwierigkeitsgrad sind die Ressourcen allerdings arg begrenzt, weshalb wir je nachdem ständig mit unserem Inventar haushalten müssen.

Vollgepackt mit tollen Sachen

Ein nicht weniger wichtiger Aspekt von The Last of Us: Part I ist das Erkunden der Spielwelt. Die Areale sind zwar sehr linear und verlaufen können wir uns eigentlich nie, doch gibt es im Spiel abseits der Wege zahlreiche Räume oder kleinere Abzweigungen, an deren Ende gar nicht so selten Materialien auf uns warten. So basteln wir uns mit der Zeit Verbandskästen, Molotowcocktails, Nagelbomben und Co zusammen, um den Infizierten und menschlichen Gegnern gewachsen zu sein. Auch Waffen wie Baseballschläger lassen sich mit Klingen und Klebeband zu echten Mordinstrumenten verwandeln. Wer jetzt an Lucille aus The Walking Dead denkt, darf genüsslich schweigen. Ebenfalls entdecken wir viele interessante Dokumente, die uns einen Einblick in die Geschehnisse nach dem Ausbruch geben. Manchmal finden wir auch Notizbücher, die unsere Fähigkeiten beim Basteln verbessern. Auch Pillen, mit denen wir etwa unsere Lebensenergie verlängern, die Fertigungszeit von Items verkürzen oder unsere Lauschfähigkeit verbessern, sind hier und da zu finden. Zu guter Letzt klauben wir in den Winkeln der Spielwelt auch Bauteile auf, mit denen wir unsere Schusswaffen an spärlich vorhandenen Werkbänken verbessern können. Eine größere Kapazität für Munition oder eine höhere Reichweite sind für fast jede unserer Lieblingswummen kinderleicht umsetzbar.

Gebremster Erkundungsdrang

Im Großen und Ganzen ist The Last of Us ein charaktergetriebenes Spiel. Joel und Ellie sind bis auf wenige Ausnahmen immer zusammen unterwegs. Manchmal erhalten sie auch Hilfe von weiteren Nebenfiguren, die sich ihnen temporär auf ihrer Reise anschließen. Damit wir im Spiel vorankommen, müssen wir die beiden stetig zusammenarbeiten lassen. So hilft Joel Ellie Vorsprünge hinauf, die dort oben nach einer Leiter oder einer Kiste sucht und uns hinunter wirft. So wird peu à peu auch der Weg für Joel frei. Da Ellie nicht schwimmen kann, müssen wir ihr des Öfteren mit einer Palette übers Wasser helfen. Hin und wieder macht das durchaus Spaß, zeigen solche Momente doch den wichtigen Faktor des Teamworks. Allerdings torpedieren gerade solche Situationen die Erkundung der Spielwelt, denn viel zu oft wissen wir nicht, ob die nächste Kletterpartie auch wirklich zum nächsten Spielabschnitt führt. Ein Zurück gibt es nicht. Wirklich alles zu erkunden und zu entdecken ist ohne einen Guide selbst für neugierige Spieler ein Ding der Unmöglichkeit. Auch wer nicht sparsam mit seinen Messern umgeht und plötzlich vor einer verschlossenen Tür steht, hinter der es für uns optionale Boni abzustauben gibt, hat einfach Pech gehabt. Vor allem durch die Erfahrung der Entwickler mit der Uncharted-Reihe, ist das sowohl bedauerlich als auch sehr, sehr ärgerlich.

Mittelmäßiges Gameplay

Des Weiteren gelingt es den Entwicklern nicht, das Gefühl verschwinden zu lassen, dass wir gerade in eine Arena gestolpert sind. Sobald genug Hindernisse zu sehen sind, hinter denen sich Joel und Ellie verstecken könnten, wissen wir schon im Vorfeld, dass gleich der nächste Angriff von Menschen bevorsteht oder Infizierte um die Ecke humpeln werden. Dies ist ebenso ein Problem, dass es auch schon im Uncharted-Universum gibt. Das Gameplay von The Last of Us: Part I ist aber sowieso bestenfalls mittelmäßig. So können die Schusswechsel aus der dritten Person im Jahr 2022 nur wenig für Begeisterung sorgen, haben wir dies doch schon etliche Male anders und sogar besser gesehen. Beispielsweise können wir uns mit Joel und Ellie nicht einmal an eine Wand drücken, um dort Deckung zu suchen. Stattdessen bleiben wir ständig in der Hocke. Was für ein PlayStation-2-Spiel in Ordnung gewesen wäre, geht heutzutage einfach nicht mehr, zumal es sich hierbei um ein Remake handelt, bei dem solche Defizite hätten ausgemerzt werden können. Darüber hinaus spielt sich der Titel auch nicht so gut und flüssig, wie wir es uns wünschen. Vor allem wenn wir von Infizierten eingekesselt werden, gibt es absolut kein Entkommen. Etliche und zuweilen unfaire Bildschirmtode sind zu überwinden, wenn ihr euch auf dieses Survival-Horror-Abenteuer einlassen wollt.

Benutzerdefinierter Schwierigkeitsgrad

All dies liegt vor allem an der Steuerung. Joel und Ellie bewegen sich sehr schwerfällig. Vor allem wenn wir mitten in einem Gefecht Waffen wechseln wollen, müssen wir ausgebildete Fingerakrobaten sein. So wählen wir mit den Steuerungstasten erst den Waffenslot aus, den wir wechseln wollen. Anschließend müssen wir die Vierecktaste gedrückt halten, damit Joel in seinem Rucksack kramt. Hier wählen wir dann mit den Steuerungstasten die Waffe aus, zu der wir wechseln wollen. Wir verstehen, warum die Steuerung so überladen sein muss, denn Mechaniken wie diese verleihen uns ein wunderbares Gefühl der Ausweglosigkeit. Allgemein ist The Last of Us: Part I ein atmosphärisches Spiel, aber wenn die Spielbarkeit darunter leidet und es erst nach zehn von fünfzehn bis zwanzig Spielstunden bei uns klickt, dass sich der Titel auch nur ein wenig besser spielt, ist das ein Armutszeugnis. Zum Glück haben die Entwickler gemerkt, dass wohl so einige Spieler beim ersten Serienteil oft geflucht und den Fernseher angeschrien haben. So können wir nicht einfach nur einen Schwierigkeitsgrad wählen. Im Remake lässt sich dieser sogar personalisieren. Beispielsweise können wir einstellen, wie aufmerksam die Gegner sind, wie hoch der ausgeteilte Schaden der Feinde ist und auch wie aggressiv unsere Mitstreiter im Kampf agieren sollen. Eine absolut hervorragende Idee!

Freischaltbare Bonusinhalte

Ganz im Ernst: Ihr müsst euch nicht scheuen, die Regler euren Bedürfnissen entsprechend anzupassen. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad hören uns die Clicker trotz Schleichen immer noch oft genug, was zu unfreiwilligen und auf Dauer nervigen Toden führt, zumal die Kontrollpunkte nicht immer fair gesetzt sind. So habt ihr aber wenigstens die Möglichkeit, das Spiel genau so zu genießen, wie ihr es auch wollt! Andere Entwicklerstudios können sich von diesen Optionen gerne eine große Scheibe abschneiden. Es sorgt einfach für ein angenehmeres Spielgefühl, das im Original oder im Remaster nicht möglich wäre. Wem das wichtig ist, muss unbedingt zur PlayStation-5-Fassung des Spiels greifen. Für das Durchspielen von The Last of Us: Part I erhalten wir darüber hinaus Punkte, die wir unter dem Punkt „Extras“ im Hauptmenü für recht unterschiedliche Bonusinhalte eintauschen können. Neben anderen Outfits für Joel und Ellie gibt es hier neben Konzeptzeichnungen, einer anderthalbstündige Dokumentation, vielen Grafik- und Soundfilter auch Gameplay-Modifikatoren freizuschalten. So kann jeder einzelne Schuss tödlich und Munition oder Materialien unbegrenzt vorhanden sein. Wer den Titel noch ein zweites Mal durchspielen will, um verpasste Trophäen einzuheimsen oder die Welt besser zu erkunden, kann es sich auf diesem Weg also sehr einfach machen.

Verzicht auf Mehrspielermodi

Wie bereits erwähnt, ist The Last of Us: Part I ein charaktergetriebenes Abenteuer. Vor allem die Interaktion zwischen Joel, der beim Ausbruch seine Tochter verlor, und Ellie, die keine Eltern mehr hat, ist mitreißend inszeniert. Sie streiten sich, raufen sich wieder zusammen und agieren in äußerster Not immer als Team. Auch die Erzählweise, wie wir immer mehr über die Akteure erfahren, ist großartig. Das Spiel ist in vielen Punkten schonungslos und erbarmungslos in seiner Inszenierung. So ausgelutscht das Szenario im Jahr 2022 auch sein mag, so sehr gefallen uns dafür die Charaktere. Wie beim Remaster aus dem Jahr 2014 liegt dem Titel auch der damalige Download-Inhalt Left Behind bei. In diesem erfahren wir noch mehr über Ellie. Viel mehr lässt uns die Zusatzgeschichte genau die Ereignisse nacherleben, die sie im Hauptspiel andeutet. Nicht mehr dabei ist jedoch der Mehrspielermodus. Das ist zwar durchaus zu verschmerzen, aber demonstriert auch eine gewisse Faulheit, denn auch bei der ebenfalls von Naughty Dog stammende Uncharted: Legacy of Thieves Collection fehlt der Multiplayer-Modus völlig. Wem dieser wichtig ist, muss zur PlayStation-4-Fassung greifen. In diesem Fall würde der Spieler aber viele grafische Aufwertungen verpassen. Die Spielwelt und die Figuren sehen großartig aus. Auch dass der DualSense-Controller mit den Rumble- und Widerstandsfunktionen vom Spiel unterstützt wird, ist echt eine gelungene Bereicherung.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4- und PlayStation-5-Fassung): Als ich The Last of Us das erste Mal auf der PlayStation 4 im Jahr 2014 gespielt habe, hatte ich mit dem Titel wirklich keine Freude. Die Charaktere bewegen sich so lahm und träge, dass ich vor allem in den Kämpfen kein Land sehe. Auch das Schleichen scheint oft keine Option zu sein, wenn die Gegner viel zu sehr die Ohren aufsperren. Aus derlei Gründen habe ich das Spiel damals abgebrochen. Auf der PlayStation 5 wollte ich dem Spiel aber eine zweite Chance geben. Es sind wieder haargenau dieselben Kritikpunkte, die ich dem Spiel vorwerfe – und es handelt sich hierbei um ein Remake! Viel zu oft brülle ich meinen Fernseher auf dem normalen Schwierigkeitsgrad an. Ein Glück, dass mich The Last of Us: Part I den Schwierigkeitsgrad jederzeit modifizieren lässt. So kann ich mir das Erlebnis nach und nach zurechtschustern, wodurch aus dem eher durchschnittlichen Titel noch ein ganz passables Spiel wird. Ein großer Fan von The Last of Us: Part I werde ich jedoch nie. Das Gameplay wirkt an vielen Stellen zu austauschbar, die eigentliche Spielbarkeit könnte besser sein und viel zu oft kann ich vorhersehen, was im nächsten Spielgebiet passiert. Vor allem von einem Remake, das nur acht Jahre nach dem Remaster erscheint oder erscheinen muss, ist deutlich mehr zu erwarten. Auch das Fehlen des Mehrspielermodus dürfte für den einen oder anderen ein Dorn im Auge sein. Wer den Titel schon kennt, kann sich das Remake eigentlich sparen. Es gibt einfach zu wenige Neuerungen, die ein erneutes Durchspielen rechtfertigen würden. Kennt ihr das Spiel aber noch nicht, solltet ihr dem Titel aber zumindest wegen den Charakteren Joel und Ellie, ihrer zwischenmenschlichen Beziehung und allgemein der schonungslosen und erbarmungslosen Inszenierung spielen, denn all diese Faktoren greifen wunderbar ineinander und lassen das dünne Gameplay vergessen und mich tatsächlich bis zum Abspann mitfiebern.

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Last of Us: Part I!

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