Review: Dimension W (Vol. 1)

Cyberpunk und Science Fiction sind zwei fantastische Kategorien, von denen insbesondere Genre-Kenner nicht genug bekommen können. Dimension W ist eine intelligente Anime-Serie, die sich Anhänger zukunftsorientierter Geschichten nicht entgehen lassen dürfen.

Dimension W spielt in einer denkbaren Zukunftsvision unserer Realität ohne dabei konkret eine Utopie oder Dystopie vorzustellen. Nachdem im Jahr 2036 die vierte Dimension, das heißt neben den Achsen X, Y und Z die titelgebende Dimension W entdeckt wurde, konnten sich die Energieprobleme weitgehend in Luft auflösen. Der Energiekonzern New Tesla Energy nutzt die neue Dimension als unerschöpfliche Quelle, um die Länder der Erde durch die Errichtung bestimmter Türme mit Energie zu versorgen. Das führt wiederum dazu, dass der Preis für Benzin im Jahr 2072 in ungeahnte Höhen schießt. 2800 Yen pro Liter sollen Besitzer alter Kraftfahrzeuge ohne Elektromotor berappen. Davon betroffen ist auch der Collector Mabuchi Kyōma, um den sich die Handlung von Dimension W dreht. Wie auch die Menschen in seiner Umwelt feststellen, lebt Kyōma gedanklich in der Vergangenheit. Für seine Aufträge lässt er sich deshalb auch nur zur Hälfte in bar auszahlen, die andere Hälfte der Bezahlung erfolgt in Benzin. Zu Beginn der Anime-Serie erhält Kyōma den Auftrag, Jagd auf zwei Kriminelle zu machen und gestohlene Spulen, genauer gesagt interdimensionale elektromagnetische Induktionseinheiten, umgangssprachlich auch Coils genannt, aus ihren Händen zu entreißen. Bei diesem Abenteuer lernt er die zielstrebige Androidin Yurisaki Mira kennen, die Tochter von Doktor Yurisaki Shidō, dem Entwickler der lebenswichtigen Induktionseinheiten.

Ungleiches Paar

Durch ein bestimmtes Ereignis am Ende der ersten Episode, auf das aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle jedoch nicht genau eingegangen werden soll, will Mira dem mürrischen Kyōma folgen und beschließt, ebenfalls ein Collector zu werden. Kyōmas Vorgesetzte Mary erlaubt es Mira, in ihrem Team zu arbeiten und stellt sie Kyōma zur Seite, der allerdings alles andere als davon begeistert ist. Gemeinsam beginnen sie, auch auf Wunsch von Miras Schöpfer, der Spur illegaler Coils nachzugehen. Während Kyōma selbst keine Coils verwendet, somit auf Modifizierungen in seinem Körper verzichtet und gerne mal im Alleingang agiert, nutzt Mira ihre programmierten Fähigkeiten und damit alle digitalen Möglichkeiten, um den Einzelgänger Kyōma wieder aufzuspüren. Unterwegs treffen die beiden separat voneinander auf weitere Figuren, die an illegalen Coils Interesse zu haben scheinen. Die zwischenmenschliche Beziehung von Kyōma und Mira gehört zu den wohl wichtigsten Aspekten der Anime-Serie, da sie mit jeder Folge weiter ausgebaut wird. Vor allem wie sich Mira in der Gesellschaft als einzelnes Individuum entwickelt und Kyōma mit ihr auch nach dem einen oder anderen Fehltritt agiert, ist ein wichtiges Erzählelement in der ersten Volume. Auch die regelmäßige Einführung von neuen Charakteren, wie dem undurchschaubaren Polizisten Albert Schumann, hält die Geschichte von Dimension W stets frisch und macht sie nur sehr selten vorhersehbar.

Sorgfältig erarbeitetes Gesamterlebnis

Regisseur Kamei Kanta zeigt mit der Anime-Adaption von Dimension W ein facettenreiches Szenario, das aus sehr vielen Perspektiven sehr interessant dargestellt wird. Ähnlich wie in der Anime-Serie Psycho-Pass wollen alle Details des Science-Fiction-Settings an allen Ecken und Enden aufgesaugt und miteinander verbunden werden. Im direkten Vergleich mit dem Franchise von Production I.G. ist Dimension W von Beginn an eher seicht gestaltet und daher selbst für Laien wesentlich einfacher zu verstehen. Unter optischen Gesichtspunkten können die Episoden der Anime-Serie in der Auflösung von 1080p und im 16:9-Format vor allem mit den hübschen Umgebungen und den hier und da recht detaillierten Charaktermodellen punkten. Akustisch überzeugt hingegen der Soundtrack von Fujisawa Yoshiaki und Shīna Gō in DTS-HD Master Audio 2.0, der alle heiteren und auch düsteren Szenen wunderbar einfängt. In puncto Synchronisation können die japanischen und die deutschen Sprecher gleichermaßen überzeugen und hauchen ihren Charakteren durchaus glaubhaft Leben ein. Neben einem Clear Opening und einem Clear Ending sind im digitalen Bereich noch vier Produktionstagebücher zu finden, in denen unter anderem recht spannend auf die Umsetzung vom Manga zum Anime oder die Erstellung von Soundeffekten eingegangen wird. Laut Herstellerangaben liegt ebenso physisches Bonusmaterial in Form eines 16-seitigen Booklets, zwei Artcards und einer Leseprobe bei. Unterm Strich bleibt nichts anderes als ein sorgfältig erarbeitetes Gesamterlebnis!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Dimension W ist eine sehr spannende und an einigen Stellen auch sehr intelligent ausgearbeitete Anime-Serie. Der Zuschauer fiebert mit den beiden Hauptfiguren Mabuchi Kyōma und Yurisaki Mira in jeder einzelnen Episode mit, ist stets wissbegierig darauf, wie sich ihre zwischenmenschliche Beziehung entwickelt und verschlingt regelrecht jedes einzelne aufgeworfene Detail des Science-Fiction-Szenarios. Diese Einzelheiten sind zwar nicht ganz so clever versteckt wie in Psycho-Pass, dafür aber von Beginn an wesentlich besser zu verstehen und werden so von jedem Zuschauer automatisch in einen Kontext gesetzt werden können. Mit den ersten vier Folgen konnte Dimension W hervorragend in das Universum einführen und da die vierte (und damit letzte) Episode dieser Volume mit einem gemeinen Cliffhanger ändert, könnte die Vorfreude auf die Fortführung der Handlung im zweiten Episodenpaket nicht größer sein!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dimension W (Vol. 1)!

 

Review: The Virgin Psychics

The Virgin Psychics von Regisseur Sono Shion aus dem Jahr 2015 ist ein andersartiger Film, der sich mit facettenreichen Science-Fiction-, Erotik- und Comedy-Elementen schmückt, um jungfräuliche Charaktere in den Kampf gegen andere jungfräuliche Charaktere zu schicken.

Sono Shions Film erzählt die Geschichte des jungen Oberschülers Kamogawa Yoshirō, der zu Beginn der Handlung Hand an sich selbst anlegt. Während er onaniert, denkt er relativ häufig an seine Mitschülerin Asami Sae. Er stellt sich dabei vor, wie seine Traumfrau und er sich zu winken, über Wiesen laufen, dabei Händchen halten und sich schließlich küssen. Dieses Mal ist es jedoch anders, denn aus dem Weltraum rast ein mysteriöses Licht auf das Land Japan zu und unterbricht Yoshirō bei seiner Tätigkeit. Danach hüpft er wie jeden Tag zwar ins Bett, am Frühstückstisch am nächsten Morgen bemerkt er jedoch, dass er über neue Fähigkeiten verfügt. Er hört die unanständigen Gedanken seiner Eltern, die schon darüber nachdenken, was sie in der nächsten Nacht gemeinsam erleben wollen. Interessanter wird es für Yoshirō, als er über den Schulhof zum Unterricht schreitet und die Gedanken von seinen männlichen Mitschülern wahrnimmt, die allesamt auf die hübschesten Damen der Schule abfahren. Im Verlauf des Tages wird Yoshirō klar, dass nicht nur er mit „Superkräften“ gesegnet worden ist, sondern auch andere Menschen in der Stadt: Cafébesitzer Nagano Terumitsu kann sämtliche Gegenstände, die in irgendeiner Weise mit Geschlechtsverkehr oder einfach nur mit Erotik zu tun haben, schweben lassen. Yoshirōs Mitschüler Naoya Yabe kann sich wiederum unsichtbar machen und sich so unbemerkt in die schulischen Umkleidekabinen der Mädchen begeben.

Absolut oberflächliche Lust

Selbstverständlich kann die vor allem anfänglich überaus seichte Handlung wohl kaum einen abendfüllenden Film tragen. Da ist es nachvollziehbar, dass peu á peu neue Elemente in die Story eingebaut werden. Schon nach einem Viertel der circa 115-minütigen Laufzeit erfahren Yoshirō, Terumitsu, Yabe und Co von Saes Vater, Professor Asami Takahiro, dass sie allesamt Psychics sind. Hierbei handelt es sich um Menschen mit übernatürlichen Kräften, die während des Lichts aus dem Weltraum beim Masturbieren mit neuen Fähigkeiten gesegnet wurden. Es gibt jedoch auch Psychics, die weniger unschuldig sind und ihre Kräfte für unlautere Zwecke einsetzen wollen. Laut Professor Asami müssen Yoshirō und seine Verbündeten gegen diese Psychics antreten, um Ruhe und Ordnung in die Kleinstadt Toyohashi in der Präfektur Aichi zu bringen. Allerdings sei auch hier gesagt, dass die Story des Films kaum an Tiefgründigkeit gewinnt. Die Rahmenhandlung ist so hanebüchen wie die vielen kleinen Geschichten, die sich um den roten Handlungsstrang schlängeln. Sie sind durchgehend oberflächlich, beschäftigen sich zu sehr mit Äußerlichkeiten und nutzen das Potenzial in diesem unverbrauchten Szenario einfach nicht aus. Insbesondere die Charaktere hätten sich viel mehr mit ihren – persönlich auf sie zugeschnittenen – Fähigkeiten auseinandersetzen beziehungsweise hinterfragen müssen, warum ausgerechnet sie diese Kräfte bekommen haben.

Verpasstes Potenzial

In puncto Humor verhält es sich bei The Virgin Psychics sehr, sehr ähnlich. Andauernd geht es um Erektionen, Brüste und die wohl schönste Sache der Welt. Es kommt nicht gerade sehr überraschend, dass sich der Film mit diesen Themen beschäftigt, aber auch hier könnten die Gags wesentlich besser und nicht so repetitiv sein. Selbst bei Kamerafahrten werden ständig die Rundungen der weiblichen Darsteller betont. Sicherlich ist dies zu einem gewissen Grad auch Fanservice, macht Sonos Film aber nicht besser. Die überwiegend jungen Schauspieler versuchen ihr Bestes, wirken aber häufig zu steif. Immerhin kann Yasuda Ken in seiner Rolle als Professor Asami mit einer gut gespielten Ernsthaftigkeit punkten, auch wenn die von ihm verkörperte Figur unterschwellig von einem extremen Verlangen nach Geschlechtsverkehr angetrieben zu sein scheint. An der Bildqualität ist im fast bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p ansonsten aber kaum etwas auszusetzen. Negativ fallen nur jene Szenen auf, in denen einfach zu kostengünstige Effekte oder gar der Greenscreen erkennbar zum Einsatz kommt. Untermalt werden alle Szenen mit einem passenden Soundtrack, der mit Klavier- und Gitarrenklängen sehr stimmungsvoll in DTS-HD Master Audio 5.1 erklingt. Die deutsche Synchronisation geht zwar in Ordnung, atmosphärischer ist in jedem Falle aber die japanische Originalfassung, für die optional auch deutsche Untertitel vorliegen. Als einziger Bonus winkt ein Poster, das das schrille Filmcover der Kazé-Movie-Fassung wiedergibt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): The Virgin Psycho von Regisseur Sono Shion ist ein Film, den eigentlich kein einziger Mensch gesehen haben muss. Die Story ist fast von vorne bis hinten absolut hanebüchen und kann nur in den letzten zwanzig Minuten mit einem interessanten Kniff punkten, der die anderthalb Stunden davor aber kaum entschädigen kann. An allen Ecken und Enden verspielt Sonos Film reichlich Potenzial, denn weder setzt sich der Regisseur tiefgründig mit dem Thema Liebe und Erotik auseinander, noch lässt er die vielen Charaktere über ihre individuellen Fähigkeiten nachdenken. Da der Humor des Films ebenso auf der Stelle tritt und immer wieder auf Oberflächlichkeiten abzielt, bleibt es auch hier eher wenig unterhaltsam. Bis auf wenige Momente, die leichte emotionale Züge annehmen, ist The Virgin Psychics eher eine zweistündige recht mühselige Tortur als eine gute Abendunterhaltung. Hier greifen höchstens Fans der in acht Bänden veröffentlichten Manga-Vorlage von Wakasugi Kiminori aus den Jahren 2009 bis 2016 zu!

Vielen Dank an Kazé Movie für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Virgin Psychics!

Review: Senran Kagura Reflexions

Fans des Senran-Kagura-Franchises freuen sich grundsätzlich immer über ein neues Videospiel der knapp bekleideten Damen. Um Senran Kagura Reflexions für die Switch sollten aber selbst hartgesottene Anhänger des Franchises einen Bogen machen.

In Senran Kagura Reflexions schlüpfen wir in die Rolle eines Senpais der siebzehnjährigen Asuka, also eines Schülers, der länger an der Hanzō-Akademie ist als sie. Eines Tages werden wir nach dem Unterricht von ihr in ein leeres Klassenzimmer beordert: Seit kurzer Zeit fühlt sich die Shinobi in Ausbildung etwas merkwürdig und versucht herauszufinden, was mit ihr nicht stimmt. Dazu sollen wir doch bitte ihre Hand festhalten – gesagt, getan. Plötzlich befinden wir uns zusammen mit Asuka in ihrem Tagtraum, wo sie leicht bekleidet an verschiedenen Stellen ihres Körpers befummelt werden möchte. Grundsätzlich ist es völlig egal, ob wir sie aus der durchweg verwendeten Ego-Perspektive an Händen und Beinen, am Po oder an ihren Brüsten betatschen; mit der Zeit wird Asuka schwach und vertieft ihren Traum, in dem wir sie schließlich unter anderem an den Beinen massieren sollen. Ist dies innerhalb eines großzügigen Zeitlimits geschafft, füllt sich eine Phiole mit einer Flüssigkeit und sobald die maximale Kapazität erreicht ist, ist zum einen das Kapitel beendet und zum anderen erhalten wir ein Teil eines freizuschaltenden Bildes. Wer das Spiel deswegen durchspielen möchte, muss ganz schön verrückt sein, denn jedes Kapitel verläuft in den gleichen repetitiven Strukturen mit sehr, sehr ähnlichen Aufgaben. Selbst die Dessous wechselt Asuka in ihren Tagträumen kaum, sodass es die Dame darauf anlegt, das sexuelle Interesse an ihr zu verlieren.

Enttäuschung für Fans

Hinzu kommt, dass die Story das Langweiligste sein dürfte, was es aktuell weit und breit zu finden oder zu erleben gibt. Die schüchterne Asuka versucht mit der Zeit uns ihre Liebe zu gestehen, mehr passiert im Spiel nicht. Wäre das belanglose Gameplay wenigstens in eine packende Geschichte eingewoben, hätten wir darüber mit einem Achselzucken hinweggesehen. Es ist einfach nur mühselig, die Phiole jedes Mal aufs Neue zu füllen. Da hilft es auch nicht, dass wir die teils spärlich bekleidete Asuka in ihren Träumen mit einer Wasserpistole bespritzen dürfen. Immerhin können wir jede Menge Kleidungsstücke freischalten und Asuka in einem speziell dafür vorgesehenen Modus von allen Seiten zumindest gedanklich vernaschen: Brillen, Häschenohren oder Teufelsschwänzchen – hier wird kein pubertärer Wunsch ausgelassen. Auf der technischen Ebene kann der Titel zumindest teilweise überzeugen: Asuka ist bezüglich ihres Busen mit einer möglichst unrealistischen Physik gesegnet und wird zugleich mit repetitiven Animationen von den Entwicklern gepeinigt. Die lieblichen Musikstücke passen zur seichten Atmosphäre und da Asukas Monologe komplett auf Japanisch synchronisiert sind, bleibt es kaum eine Sekunde zu still. Ärgerlich ist eigentlich nur die Bedienung, da trotz aufgezwungener Joy-Con-Steuerung im stationären Modus die Analog-Sticks für die beiden gleichzeitig zu bedienenden Cursor verwendet werden müssen, ist das besonders beim rechten Joy-Con für Menschen mit großen Griffeln leider eine äußerst fummelige Angelegenheit.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Wer das Franchise kennt, wird sehr wohl wissen, dass die Werke keine allzu tiefgründige Geschichte erzählen. Beim „Spielen“ von Senran Kagura Reflexions fällt jedoch auf, dass das Franchise in anderen Spielen, Manga oder Anime eigentlich den Oscar für das beste Drehbuch verdient hätte. Senran Kagura Reflexions ist ein erotisches Spiel, das selbst Fans der knapp bekleideten Darstellerinnen einfach nicht richtig befriedigen kann. Repetitive Aufgaben, in allen Kapiteln nahezu identische Strukturen und eine äußerst nervenaufreibende Steuerung sorgen durchweg schließlich dafür, dass nach spätestens fünfzehn Minuten jeder genug vom Spiel gesehen hat. Selbst das von Director Ken’ichirō Takaki groß angekündigte HD-Rumble-Feature, das jede Berührung mit Asuka zu einem Erlebnis machen soll, ist eine kleine Enttäuschung. Wer sich für den Download des Titels entscheidet, entscheidet sich gleichzeitig auch dafür, ganze acht (!) Gigabytes (!) an nutzlosen (!) Daten auf seinem Speicherplatz in Kauf zu nehmen, der mit wesentlich besseren, abwechslungsreicheren und schlicht intelligenteren Titeln gefüllt werden könnte.

Prime Time: Texhnolyze – Collector’s Edition (Unboxing)

Vor ein paar Wochen haben wir euch die Anime-Serie Texhnolyze im Rahmen eines Reviews vorgestellt. Da Publisher Nipponart die Anime-Serie als Collector’s Edition vermarktet, stellt euch unser Chefredakteur Eric diese zusätzlich noch in einem Unboxing-Video vor. Wir wünschen euch viel Vergnügen beim Anschauen!

Review: Inō Battle within Everyday Life (Vol. 2)

In der ersten Volume von Inō Battle within Everyday Life wurden die Grundlagen der ulkigen Handlung gelegt, ein roter Faden konnte sich aber dennoch nicht entwickeln. Das Konzept der losen Verknüpfung einzelner Geschichten wird in der zweiten Ausgabe immerhin ausgebessert.

Seit einiger Zeit verfügen die fünf Mitglieder des Literaturklubs an der Senkō-Oberschule über Superkräfte. Zwar gab es in den ersten sechs Episoden ein Indiz, woher diese magischen Fähigkeiten stammen, doch wirklich gelüftet wurde der Ursprung bisher noch nicht. Somit ist es nach wie vor unklar, weshalb Andō Jurai eine schwarze Flamme beschwören kann, mit der grundsätzlich gar nichts anfangen kann. Immerhin können seine Freunde ihn so ärgern, wenn er mal wieder den Einfall hat, ein Problem mit seiner Superkraft zu lösen. An den anderen Spezialfähigkeiten hat sich seit den ersten Folgen ebenfalls nichts geändert. Nach wie vor kann Kanazaki Tomoyo, die – wie inzwischen herausgekommen ist – insgeheim wie Jurai ein Nerd ist, die Zeit anhalten oder verlangsamen. Kushikawa Hatoko hat hingegen die Fähigkeit, sich den Elementen zu bemächtigen und Takanashi Sayumi repariert mit purer Gedankenkraft zerbrochene Dinge. Himeki Chifuyu kann sich und andere von einem Ort zu einem anderen teleportieren. Dass die Superkräfte nach der ersten Folge der Serie mehr oder weniger in den Hintergrund gerückt sind, macht jedoch nichts. So stehen sie mindestens stellvertretend für die Persönlichkeiten der Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da jede Folge einen anderen Schwerpunkt legt, kann die Anime-Serie mit Abwechslungsreichtum punkten.

Spiel mit der Liebe

Ein Thema, das immer wieder behandelt wird, ist Liebe. Jedes der vier Klubmitglieder scheint etwas für Jurai übrig zu haben. Eifersucht kommt somit immer mal wieder direkt oder indirekt zur Sprache. Beispielsweise nähern sich Jurai und Tomoyo an, da diese gerne Light Novels schreiben will und Inspiration von Jurai benötigt. Hatoko, die die beiden bei ihrem eventuellen Date schon in der ersten Volume von Inō Battle within Everyday Life heimlich beobachtet hat, platzt in dem Moment, in dem Jurai ihr nicht alles erzählt, offensichtlich der Kragen. Obwohl Tomoyo leugnet, dass sie Gefühle für Jurai hat, sehnt sie sich im Geheimen dennoch nach ihm. Grundschülerin Chifuyu merkt auch, dass sie sich zu Jurai hingezogen fühlt und drängt ihn dazu, mit ihr in den Sommerferien ins Schwimmbad zu gehen. Mit Sayumi trifft sich Jurai ebenfalls im Schwimmbad, doch hat ihr Bekannter Sagami Shizumu ihren Bikini vorher ausgetauscht. Angeblich wird der Bikini durchsichtig, wenn er mit Wasser in Berührung kommt. Das sorgt natürlich dafür, dass Sayumi partout nicht ins Becken springen will, was sich wiederum zu einer der lustigsten Szenen der Serie entwickelt. Dementsprechend ist auch Humor immer noch ein wichtiger Bestandteil der Handlung, die sich trotz so manchem ernsten Thema vor allem darauf stützt. Da der Humor fantastisch funktioniert, wird es kaum langweilig.

Atmosphärisches Gesamtbild

Auf der technischen Ebene orientiert sich die Anime-Serie von Animationsstudio Trigger an der Qualität der vorherigen Volume. Im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p können Hintergründe und Charaktere in fast schon symbiotischer Form überzeugen. Hinzu kommen sehr hübsche Licht- und Schatteneffekte, beispielsweise wenn die Szenerien ins Abendrot gehüllt werden. Die Animationen der facettenreichen Charaktermodelle können ebenfalls überzeugen und unterstützen sowohl die Dynamik, als auch den zumindest zum Teil überzeichneten Humor. Neben dem kristallklaren Bild können auch die beiden Tonspuren im Format DTS-HD Master Audio 2.0 überzeugen. Der Soundtrack unterlegt die oft heiteren und düsteren Szenen mit den passenden Klängen und untermauert so die gelungene Atmosphäre. Positiv fällt auch die deutsche Synchronisation auf, da die Synchronsprecher den Charakteren reichlich Leben einhauchen und die meistens ganz schön durchgedrehten Dialoge fast schon so gut wie die japanischen Sprecher betonen. Der Originalton hat die Nase dennoch leicht vorn. Wer des Japanischen nicht mächtig ist, freut sich über nicht abschaltbare deutsche Untertitel. Digitales Bonusmaterial ist bei der zweiten Volume von Inō Battle within Everyday Life leider nicht vorhanden, ein Booklet entschädigt Fans der Anime-Serie zumindest im physischen Bereich.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Warum Inō Battle within Everyday Life die zu Beginn eingeführten Superkräfte bei den Charakteren tatsächlich gebraucht hat, ist beim Ansehen der Episoden in der zweiten Volume die große Frage. Zwar gibt es gelegentlich die eine oder andere Szene, in denen Nebenfiguren mit anderen Superkräften auftreten und die Freunde als Rivalen betrachten, doch verschwinden diese merkwürdigen Handlungsstränge so schnell wie sie gekommen sind. Hauptsächlich drehen sich die abschließenden Folgen um das Thema Liebe und welche Gefühle die Mädchen für Jurai haben. Genau dieses Konzept funktioniert sehr gut, da die Geschichten tatsächlich alltäglich und somit auch sehr glaubhaft sind. Die Kernhandlung kann jedoch getrost ignoriert werden, denn vor allem in den Seitensträngen der Story überzeugt die Anime-Serie mit Humor und tollen Charakteren!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Inō Battle within Everyday Life (Vol. 2)!

Review: Another Lost Phone: Laura’s Story

Im März 2018 veröffentlichte Plug in Digital das Adventure A Normal Lost Phone für die Switch. Einen Monat später schob der Publisher Another Lost Phone: Laura’s Story nach und beweist damit, dass es nicht ausreicht, etwas Bewährtes in abgewandelter Form aufzubacken.

Wie schon im Erstlingswerk vom französischen Entwicklerstudio Accidental Queens findet der Spieler ein verlorengegangenes Smartphone. Anhand des Spieltitels dürfte jedem bewusst sein, dass es sich hierbei um das Mobiltelefon von einer gewissen Laura handelt. Wer diese Laura ist, muss der Spieler durch das Lesen von dutzenden Nachrichtenverläufen in Form von Kurzmitteilungen, E-Mails und weiteren privaten Nachrichten herausfinden. In vielen Dialogen zwischen Laura und ihren Mitmenschen verstecken sich zahlreiche Informationen, die zum Spielfortschritt bitter nötig sind. So können Bilder in den Nachrichtenverläufen und E-Mails aufs fiktive Smartphone heruntergeladen und analysiert werden, um beispielsweise die Menschen in Lauras Leben zu identifizieren. Unter anderem lernt der Spieler durch Betrachten der Bilder und Lesen der Gesprächsverläufe Lauras Freund Ben, ihre Schwester Carmen oder etwaige Arbeitskollegen kennen. So ist es zwar möglich, sich ein gutes Bild von Lauras Umfeld zu machen, doch bleiben die meisten Charaktere eher leblose Hüllen. Sie wirken eher wie ein Mittel zum Zweck als natürliche Menschen, die es so auch in der Realität geben könnte. In A Normal Lost Phone ist dies durch zahlreiche Details und unverkennbare Merkmale in den Nachrichten auf dem Smartphone zu erkennen. In Laraus Geschichte sind diese einfach zu steril, was dazu führt, dass kaum Überraschungen oder Wendungen auf den Spieler warten.

Unerklärlich umständliches Gameplay

Am eigentlichen Gameplay hat sich seit dem Vorgänger nur wenig getan – und eher gesagt hat das Spiel auch hier einen Rückschritt gemacht. Nach wie vor verstecken sich in Fotos und in den Nachrichtenverläufen wichtige Botschaften, die geschickt kombiniert werden wollen, um beispielsweise auf verschiedene Online-Konten zugreifen zu können oder den Internetzugang auf das öffentliche Netzwerk zu aktivieren. Leider wirken diese Rätsel in Another Lost Phone sehr aufgesetzt, da auch das Herausfinden der Lösung künstlich in die Länge gezogen wird. Unter anderem müssen bei einer Sicherheitsfrage die Namen dreier zufälliger Personen aus Lauras Bekanntenkreis zum richtigen Porträt zugeordnet werden. A Normal Lost Phone ist in dieser Hinsicht wesentlich verspielter und nicht so unzugänglich. Ärgerlich ist auch, dass das Spiel im stationären Modus ausschließlich mit dem rechten Joy-Con inklusive Pointer-Funktion gespielt werden kann. Eine reine Knöpfchensteuerung oder eine Pro-Controller-Unterstützung wie beim Vorgänger gibt es nicht. Es empfiehlt sich aber ohnehin auch beim zweiten Serienteil den Titel eher im Handheld-Modus zu spielen, da die Steuerung über den Touchscreen der Bedienung eines echten Smartphones nachempfunden ist. Leider kann diese Steuerungsmethode das Spiel nicht aus seiner kontinuierlichen Talfahrt retten – die hohen Erwartungen nach dem überraschend guten ersten Teil können leider nicht erfüllt werden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Switch-Fassung): A Normal Lost Phone ist ein Adventure, das mit vielen einzigartigen Charakteren, intuitiver Rätselkost und schlussendlich mit der behandelten Thematik eine Tiefgründigkeit erreicht, die in Another Lost Phone: Laura’s Story verzweifelt gesucht wird. Zwar setzt sich das zweite Spiel von Accidental Queens ebenfalls auf sehr sozialkritische Weise mit einem gesellschaftlichen Problem auseinander, doch bleibt ein Großteil der auftretenden Charaktere viel zu blass. Sie weisen kaum Eigenschaften auf, die sie voneinander unterscheiden lassen und sämtliche Textbausteine fühlen sich immer wie die logische Konsequenz an, was als nächstes in der Story passieren muss. Das ist wirklich sehr unverständlich, da sich der Vorgänger vom gleichen Entwicklerstudio auf wesentlich bessere Art und Weise mit den Figuren und ihren Beweggründen auseinandersetzt – und noch dazu mit ein paar Überraschungen und Wendungen punkten kann. Das Spiel rundum Lauras Geschichte ist zwar immer noch ein solides Adventure, doch kommt es mit Abstand nicht an den ersten Teil heran. Wer diesen noch nicht gespielt hat, sollte eher dort zugreifen.

Review: Pretty Guardian Sailor Moon Crystal (Vol. 6)

Mit der fünften Volume von Pretty Guardian Sailor Moon Crystal konnte die Anime-Serie eine neue Geschichte einleiten, die sich rasch zu einem neuen Kampf gegen das Böse entwickelt hat. In der sechsten Ausgabe wird dieser Handlungsstrang zum Abschluss gebracht.

Noch immer kämpfen die Sailor-Kriegerinnen gegen die durchtriebenen Death Busters. Zwar mag dies aufgrund der verkürzten Struktur der Serie überraschend sein, doch entsteht dieses Mal so zumindest eine bestimmte Dynamik. Gemeinsam versuchen die Kriegerinnen gegen ihre Feinde zu bestehen, doch benötigen sie dafür wesentlich mehr Kraft, als sie sich hätten vorstellen können. In dem Moment der Zusammenarbeit entwickelt Tsukino Usagi alias Sailor Moon eine unvorstellbare Macht, die jäh zerbricht, als das Vertrauen zueinander bröselt. Das liegt daran, dass sich die Sailor-Kriegerinnen uneins sind, was mit Tomoe Hotaru geschehen soll. In den letzten Episoden lernten die Zuschauer sie als einfühlsames Mädchen kennen, mit dem sich Chibiusa angefreundet hat. Nun soll sie jedoch auch eine Sailor-Kriegerin namens Sailor Saturn sein, die Unheil und Zerstörung mit sich führt. Angeblich sei die Vernichtung der Erde ihr großes Ziel, das die Sailor-Kriegerinnen natürlich verhindern wollen. Allerdings gehen sie auseinander, denn während der einen Hälfte der Kämpferinnen jedes Mittel recht ist, um den blauen Planeten zu retten, ist die andere Hälfte davon überzeugt, dass es einen anderen Weg geben muss, damit Hotarus Leben verschont werden kann. Chibiusa ist erzürnt und will ihre Freundin nicht aufgeben – und wird daraufhin von dieser in gewisser Weise getötet.

Austauschbare Beweggründe

Was es mit der ominösen Sailor Saturn auf sich hat und warum sie die kleine Chibiusa umbringt, wird an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen natürlich nicht verraten. Für die Sailor-Kriegerinnen gibt es jedenfalls reichlich Motivation, um das Böse in Form der Death Busters zu bekämpfen. Zentrale Themen der vorliegenden Episoden sind der Glaube aneinander, das Vertrauen unter Gefährtinnen und selbstverständlich der Mut, alles zu geben, um die Erde ein weiteres Mal zu retten. Das kann ganz schön ermüdend sein, da die Bösewicht allesamt Stereotypen sind und kaum mit intelligenten Beweggründen punkten wollen. Beispielsweise ist Professor Tomoe Sōichi einzig und allein daran interessiert, seine so genannten Über-Organismen zu züchten, um außerirdisches Leben mit der menschlichen Existenz zu verknüpfen. Er will nicht nur Gott spielen, sondern als solcher über seine neuen Untertanen herrschen. So etwas war schon in vielen anderen Geschichten zu sehen und erreicht in Pretty Guardian Sailor Moon Crystal keinerlei Tiefe. Fans wird das aber nicht stören, sind sie an die bekannten Strukturen der Anime-Serie doch seit bereits fünf Volumes gewöhnt. Somit gibt es im Verlauf der Handlung auch nur sehr wenige Überraschungen oder Wendungen, was besonders beim Finale der dritten Staffel ein wenig schade ist. Weniger unterhaltsam sind die letzten Episoden deswegen aber nicht.

Bekannte Serienstruktur

Erzähltechnisch bleibt die Anime-Serie hinter ihrem Potenzial zurück, es wirkt meistens alles auf das absolut Nötigste reduziert. Zwar mag dies vom Animationsstudio gewollt sein, doch bei Titeln wie Dragon Ball Z Kai, die die gleiche Intention haben, eine existierende Serie ohne Filler-Episoden neu aufzulegen, funktioniert das deutlich besser. So sind die Kämpfe auch in der sechsten Volume von Pretty Guardian Sailor Moon Crystal nicht überwältigend. Das Böse wird mehr mit dem guten Willen und ein paar deftigen Wortduellen als hitzigen Attacken bekämpft. Wirklich spannend ist das nicht, aber wenigstens bleibt die Serie hier der Tradition treu. Ähnliches gilt auch für die technische Gestaltung. Im bildschirmfüllenden 16:9-Format ist das Geschehen jederzeit gestochen scharf und auch die Lichteffekte sind schön anzusehen. Einzig und allein so manche Animation hätte etwas umfangreicher sein dürfen. Unterlegt wird der Kampf gegen die Death Busters mit toller Musik im DTS-HD-Master-Audio-2.0-Format, die die zumeist düstere Handlung passend unterlegt. Auch die Synchronsprecher helfen stets dabei, dass die Szenen unterhaltsam bleiben. Physisches Bonusmaterial gibt es in Form von Postkarten und einem Poster, digitales Material gibt es in dieser Volume leider gar nicht. Fans werden diesbezüglich dank des halbwegs gelungenen Abschluss der Staffel hinwegsehen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): In den letzten Volumes war abzusehen, dass sich die Anime-Serie Pretty Guardian Sailor Moon Crystal in ihren Grundstrukturen nicht sonderlich verändern wird. Nach wie vor wirkt der gesamte Handlungsstrang aufs Nötigste reduziert und lässt kaum Raum für die Entwicklung der Charaktere. Schade ist auch, dass der Kampf gegen die austauschbaren Death Busters kaum mit Angriffstechniken, sondern vor allem mit dem guten Willen und Wortgefechten gewonnen wird. Pretty Guardian Sailor Moon Crystal hat so viel ungenutztes Potenzial, das die Serie einfach nicht ausspielt. So bleibt die sechste und somit letzte Volume der dritten Staffel der Tradition treu. Fans greifen unbedacht zu, alle anderen werden wohl eher zu anderen Anime-Titeln greifen wollen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Pretty Guardian Sailor Moon Crystal (Vol. 6)!

Prime Time: Blue Exorcist: Kyōto Saga (Vol. 1+2, Unboxing)

In den letzten Monaten haben wir euch die beiden Volumes zur Anime-Serie Blue Exorcist: Kyōto Saga bereits ausführlich in Form von Rezensionen vorgestellt. Heute möchten wir dazu unser Unboxing-Video ergänzen, in dem euch Chefredakteur Eric alles Wissenswerte zur Beschaffenheit der beiden Volumes verrät. Wir wünschen euch viel Spaß!

Review: Attack on Titan – Teil 2: Flügel der Freiheit

Wenn ein Franchise erfolgreich ist, wird es in den meisten Fällen sehr flott ausgeschlachtet. Nachdem 2014 der erste Anime-Film über die Kinoleinwände in Japan flimmerte, folgte im Jahr 2015 der zweite Teil, der die zweite Hälfte der ersten Staffel kompakt zusammenfasst.

Im ersten Film, Attack on Titan – Teil 1: Feuerroter Pfeil und Bogen, erlebt der Zuschauer, wie Eren Jägers Mutter bei einem Titanenangriff ums Leben kommt. Belastet mit diesem Erlebnis, beschließt Eren, beim Militär anzuheuern, um fortan die letzte Bastion der Menschheit vor den titelgebenden Titanen zu beschützen. Schon relativ früh im Lauf seiner Ausbildung kommt es zu einem weiteren Angriff, bei dem Eren offensichtlich sein Leben verliert. Kurz darauf taucht in der Stadt, in der der Kampf entbrennt, ein neuer Titan auf, der sich nicht gegen die Menschen stellt, sondern auf die anderen Titanen losgeht. Am Ende des Films stellte sich heraus, dass Eren sich im Magen des Titans selbst zu einem Riesen verwandelt hat. Da die Menschen sich vor den Kolossen jedoch fürchten, wird er in Ketten gelegt. Der zweite Film, der auf Namen Attack on Titan – Teil 2: Flügel der Freiheit getauft wurde, beginnt mit der Gerichtsverhandlung, in der über das Schicksal von Eren entschieden werden soll. Levi Ackermann und Hanji Zoe, die ranghöchsten Kommandanten des Aufklärungstrupps, setzen sich für Eren ein, woraufhin er Mitglied dieser Gruppe wird und außerhalb der zweiten noch intakten Stadtmauer agiert. Dort, vor allem auf Drängen von Hanji, soll er die Kontrolle über seine Verwandlungsfähigkeit erlernen, damit die Armee die dritte und äußerste Mauer reparieren und den früheren Lebensbereich zurückzuerobern kann.

Zweiter Akt mit ähnlichen Problemen

Beim zweiten Film verhält es sich ähnlich wie beim Auftakt der Filmreihe: Die Handlung, die sich in der Anime-Serie über zwölf Episoden streckt, wurde hier auf die Laufzeit von nur 121 Minuten gekürzt. Dadurch werden einige Nebengeschichten ganz wegrationalisiert und auch die Rahmenhandlung wirkt an einigen Stellen etwas holprig, was vor allem auch daran liegt, dass die Nebenfiguren kaum bis gar nicht charakterisiert werden. So wird nur der eigentliche Plot immer weiter vorangetrieben ohne darauf zu achten, dass das Erzähltempo im Kontext Sinn ergibt. In einer Szene bereiten sich die Charaktere noch auf die Umsetzung ihres Plans vor, in der nächsten befinden sie sich mitten in der Ausführung. All das macht die Serie viel besser, steht ihr in den zwölf Folgen doch auch mehr Zeit zur Verfügung, als es beim zweiten Film der Fall ist. Eine etwas längere Laufzeit hätte Flügel der Freiheit definitiv gut getan, um diese Problematik leicht zu umgehen und die Atmosphäre so noch etwas stimmungsvoller zu machen. Wit Studio hat die Story wie beim ersten Film auf das Nötigste heruntergebrochen, wodurch Nichtkenner der Vorlage das eine oder andere Verständnisproblem bekommen. In sonstigen Belangen steht der Film der Serie in Nichts nach. Alle Hintergründe, Figuren und Animationen ergeben ein stimmiges Gesamtbild und werden mit toller Musik unterlegt. Die deutschen und japanischen Synchronsprecher tun ihr Übriges für die gelungene Atmosphäre.

Film für Kenner und Fans

In puncto Bonusmaterial verhält es sich, wie in allen weiteren Punkten bei Flügel der Freiheit, ähnlich wie beim ersten Film. Wer hier auf ein interessantes Making-of oder Einblicke in die Produktion durch Interviews mit den Mitarbeitern von Wit Studio hofft, wird enttäuscht. Auf der Blu-ray Disc befindet sich abermals kein Bonusmaterial, da verspielt Kazé Anime Potenzial. In der normalen Verkaufsfassung, die uns zu Testzwecken zur Verfügung steht, befindet sich dafür ein Poster, das das Filmcover ziert. Wer die Limited Edition des Films erwirbt, kommt nach dem 56-seitiges Booklet des ersten Films dieses Mal sogar in den Genuss eines Büchleins, das sich auf über einhundert Seiten erstreckt. Da es uns nicht zur Verfügung stand, ist es uns hier leider erneut nicht möglich, eine Auskunft darüber zu geben, welche Informationen im Booklet vorhanden sind und inwiefern sie die kleineren Lücken im Erzählstrang schließen können. Unterm Strich stellt sich erneut die Frage, an wen sich auch der zweite Film richtet – und diesmal lässt sich diese noch einfacher beantworten: Wer die Anime-Serie gesehen oder die Manga-Reihe konsumiert hat, kann sich den Film guten Gewissens ansehen, um zum Beispiel noch einmal alle wichtigen Fakten zum notwendigen Verständnis für den zweiten Film Revue passieren zu lassen. Interessierte, die sich mit dem Franchise vorher aber noch gar nicht beschäftigt haben, sollten vom Kauf bei Flügel der Freiheit absehen und sich zunächst der wirklich tollen Serie widmen, die sich genug Zeit nimmt, um Story und Charaktere vollends zu entfalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Attack on Titan wird zu den wohl besten Anime-Serien aller Zeiten gezählt und das ist auch in jeder einzigen Episode zu merken. In Filmform funktioniert das Franchise allerdings nicht sonderlich gut, wie es auch schon an den Realfilmen zu erkennen ist, die nicht nur die Handlung kurz fassen, sondern sich auch noch weit weg von der Vorlage bewegen. Dies ist bei Attack on Titan – Teil 2: Flügel der Freiheit zwar nicht der Fall, die aufs Allernötigste reduzierte Story kann jedoch nicht gänzlich zünden. Zwischen einzelnen Szenen liegen mitunter Wochen und hin und wieder wird auf Ereignisse zurückgegriffen, die innerhalb der Handlung nicht wirklich gezeigt wurden und dem nichtsahnenden Zuschauer damit fremd sind. Wie schon beim ersten Film gilt auch bei Flügel der Freiheit, dass bei diesem Film nur die allergrößten Fans zuschlagen sollten, die die Serie noch einmal in stark komprimierter Form erleben wollen. Wer Attack on Titan noch nicht gesehen hat, sollte sich lieber zuerst die Serie anschauen, um die Story in einem vernünftigen und vor allem in einem funktionierenden Erzähltempo zu erleben.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan – Teil 2: Flügel der Freiheit!

Review: Cursed Castilla EX

Ursprünglich erschien der Titel als Maldita Castilla für den PC im Jahr 2012, bevor er 2016 für Xbox One und PlayStation 4 mit dem Zusatz EX veröffentlicht wurde. Unter dem Alias Cursed Castilla EX portierte Publisher Abylight das Spiel im Sommer 2017 auf den 3DS.

Die Hintergrundgeschichte von Cursed Castilla ist schnell erzählt. Mouras Liebster fällt nach zahlreichen Schlachten im Kampf. Von Trauer übermannt, vernimmt ein Dämon ihr Klagen, nutzt ihre Situation aus und verführt sie zu einer verheerenden Tat. Moura verwandelt ihre Tränen in einen Schlüssel, mit dem die Dämonen das Tor ins Reich der Lebenden aufstoßen können. Tausende Dämonen fallen dadurch ins Königreich Kastilien ein und sorgen dort für Angst und Schrecken. Wenig später schlüpfen wir in die Haut des Ritters Don Ramiro, der mit seinen Verbündeten Quesada, Don Diego und Mendoza von Alfons VI., dem König von Kastilien, durchs Land geschickt wird, um im Jahr 1081 das Böse aus Spanien zu vertreiben. So und nicht anders beginnt das Abenteuer, das inhaltlich vom Prosaroman Amadis de Gaula inspiriert ist. Während die Story in ähnlichen Videospielen vor Jahrzehnten hauptsächlich ins Handbuch ausgelagert wurde, kommen wir in Cursed Castilla immerhin in den Genuss von ein paar kommentierten Situationen. So kämpft Don Ramiro beispielsweise innerlich mit dem Verlust diverser Freundschaften, sodass der Kampf gegen das Böse motiviert wird. Solche Szenen sind zwar selten, doch machen sie den Helden in den richtigen Momenten glaubhafter und entfachen in uns mit erwachsenen Themen wie Tod oder Vergänglichkeit neuen Mut.

Für Gott und Kastilien!

Insgesamt bietet Cursed Castilla acht verschiedene Stages. Das klingt zwar nach einem recht kurzen Spiel, doch ist der Abwechslungsreichtum enorm. Im ersten Level stehen aus Gräbern beispielsweise gefallene Krieger als Untote wieder auf und in der zweiten Stage sind wir auf einem fahrenden Karren unterwegs, während wir aus der Luft von Flattervieh angegriffen werden. Des Weiteren erkunden wir zerstörte Städte, hüpfen im Gebirge über Abgründe und erkunden bei Kerzenschein eine dunkle Höhle. Weitere typische Szenarien wie Schlösser oder Kerker werden in Cursed Castilla selbstverständlich ebenfalls behandelt. Während wir durch die acht Stages aus der zweidimensionalen Seitenansicht laufen, kämpfen wir währenddessen unermüdlich gegen die Horden der Finsternis. Dazu steht uns zu Beginn ein unermüdlicher Vorrat an Wurfdolchen zur Verfügung, doch weitere Waffen wie Schwerter, Bolas oder Äxte können ebenfalls auf Ritter, Spinnen, Schleime und Co zur Verteidigung eingesetzt werden. Haben wir ein paar Spielabschnitte überstanden, stellen wir uns einem der vielen Zwischen- und Bossgegnern. Da begegnen wir unter anderem einem zweiköpfigen Geier, kämpfen in den Wolken gegen Nuberu (der asturianischen Gottheit für Sturm und Gewitter), weichen den Giftangriffen des Mantikors aus oder werden gar von einer Riesenraupe unter Tage verfolgt.

Ruhe in Frieden

Schon in den 1980er und 1990er Jahren bissen sich zahlreiche Spieler an Titeln wie Ghouls ’n Goblins auf dem Nintendo Entertainment System oder Super Ghouls ’n Ghosts auf dem Super Nintendo die Zähne am Controller aus. Der hohe Schwierigkeitsgrad treibt damals wie heute Spieler zur Verzweiflung. Ganz so happig wie die großen Vorbilder ist Cursed Castilla aber nicht, da die Steuerung nicht ganz so archaisch ist und Gegner und Plattformen sehr viel fairer positioniert sind. Das heißt jedoch nicht, dass die Entwickler uns den Sieg schenken, denn mit jedem neuen Versuch stehen uns nur drei volle Herzen, unsere Lebensenergie, zur Verfügung. Sind diese aufgebraucht, starten wir zu Beginn des Spielabschnitts. Dies ist auch der Fall, wenn wir keinen Versuch mehr übrighaben – für das Nutzen eines der unendlich verfügbaren Continues wird unser Punktestand jedoch auf Null gesetzt. Das dürfte wohl Anfänger freuen und Profis herausfordern, den Titel ohne Punkteverlust durchzuspielen. Weitere Inspiration holte sich das spanische Entwicklerstudio Locomalito von den Spielen Black Tiger, Tiger Road und Shinobi. Gewollt altbacken wirkt die Technik des Spiels, die mit ihrer oft putzigen Retro-Grafik und dem Soundtrack per Soundchip Yamaha YM2203 allerdings für ein paar offene Münder sorgen dürfte. Cursed Castilla EX mausert sich damit zu einem der besten Action-Titel, die im eShop zum Download bereitstehen. Action-Fans müssen hier zugreifen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der 3DS-Fassung): Cursed Castilla EX ist für mich eines der besten eShop-Titel, die es für den 3DS gibt. Natürlich inspiriert sich der Titel zu stark an bekannten Marken und kopiert im Grunde nur die Spiele, die es bereits in den 1980er und 1990er Jahre fast schon bis zur Übersättigung gab. Soll heißen, dass das Gameplay bis auf die leicht angenehmere Steuerung und die wesentlich fairer positionierten Gegner wie bei Super Ghouls ’n Ghosts funktioniert und im Kern einfach nichts Neues bietet. Dennoch ist der Titel in meinen Augen einfach charmant gestaltet, dass ich ihn gar nicht mehr aus der Hand legen will. Cursed Castilla wird elegant im Vorbeilaufen erzählt und bietet trotz der minimalistischen Erzählung genug Raum, um mich in Protagonist Don Ramiro hineinzudenken und mich mit seiner inneren Zerrissenheit auseinanderzusetzen. Hinzu kommt die gelungene Symbiose aus Retro-Grafik und –Soundtrack, die mich motiviert, auch nach aberdutzenden Continues mehr und mehr Zeit in das Spiel zu investieren. Vor allem aufgrund der abwechslungsreichen Levels und der guten Spielbarkeit sollte Cursed Castilla EX von jedem Action-Fan einmal genauer unter die Lupe genommen werden!

Review: A Day: The Hell that never ends

A Day: The Hell that never ends ist ein koreanischer Film von Regisseur Cho Sŏnho aus dem Jahr 2017, der Mystery- und Thriller-Elemente miteinander mischt. Obwohl er anfangs an den Filmklassiker Und täglich grüßt das Murmeltier erinnert, entwickelt er mit der Zeit auf eine ganz eigene Dynamik.

Im Mittelpunkt der Handlung scheint zunächst nur der Arzt Kim Chunyŏng zu stehen, der mit einem Freund und Kollegen gerade am Flughafen von Sŏul T’ŭkpyŏlsi landet. Kaum sind sie dort angekommen, muss Kim zunächst einen kleinen Jungen retten, der sich an einem seiner Bonbons verschluckt hat. Zu allem Überdruss wird er von seinem Kollegen, der Kim quasi als prominentes Produkt der Öffentlichkeit verkauft, zu einer Pressekonferenz gedrängt. Bei der Pressekonferenz, die live im Fernsehen übertragen wird, verplappert sich der Chirurg jedoch und seine kleine Tochter Ŭnjŏng, die in einer Spielhalle die Übertragung zufälligerweise verfolgt, ist darauf nicht sonderlich gut auf ihn zu sprechen und stellt ihm ein Ultimatum: Bis zwölf Uhr soll er an ihrem gemeinsamen Treffpunkt sein, warten würde sie nicht. Kim versucht die Zeit einzuhalten, wird aber aufgrund einer Geschwindigkeitsbegrenzung, einer tollpatschigen Mitarbeiterin an der Mautstelle und schließlich auch noch von einem Unfall aufgehalten, bei dem er sich als Arzt um die Verletzten kümmern möchte. Als er versucht, seine Tochter auf ihrem Mobiltelefon zu erreichen, bemerkt er, dass diese tot auf der anderen Seite der Straßenkreuzung liegt. Nur wenige Minuten später scheint dies für Kim alles nur ein sehr böser Traum gewesen zu sein; er wacht im Flugzeug auf und bereitet sich auf den Landeanflug auf Sŏul T’ŭkpyŏlsi vor – und durchlebt immer und immer wieder dieselben Ereignisse.

Und täglich grüßt der Unfallort

Chos Film baut auf dem Konzept der Zeitschleife auf, das Filmliebhaber seit 1993 aus dem US-amerikanischen Film Und täglich grüßt das Murmeltier von Harold Ramis, das wiederum auf Ken Grimwoods Zeitschleifenkonzept aus dessen Roman Replay: Das zweite Spiel basiert. Oft wurde diese Idee in Filmen bereits kopiert oder verändert und so scheint es in den ersten Minuten von A Day ebenfalls so zu sein, dass die Handlungsstruktur auf eine wesentlich kürzere Zeitschleife von nur wenigen Stunden übertragen wurde. In dem Moment, als Kim beim erneuten Besuchen des Unfallortes jedoch von I Minchŏl angesprochen wird und ihn fragt, warum alles genau gleich abläuft, aber Kim jeden Tag anders reagieren würde, beginnen die beiden sich von Tag zu Tag anzufreunden. Kim erfährt von I, dass sich auch dessen Verlobte Mikyŏng unter den Unfallopfern befindet und deshalb wohl immer und immer wieder den Tag aufs Neue erlebt. Gemeinsam versuchen sie einen Weg zu finden, um sowohl Mikyŏng als auch Ŭnjŏng vor dem Tod zu retten. Allerdings scheitern alle ihre Versuche, die mit neuen Routen zum Unfallort, einem besseren Zeitmanagement oder einer Manipulation der Geschehnisse zu tun haben. Auch wenn sie die Zeitspanne verlängern, ändert es früher oder später damit, dass Kim im Flugzeug und I wieder morgens in einem Bett erwacht. Der Film spielt hier stark mit der emotionalen Verfassung der Charaktere, deren Situation fast ausweglos ist.

Eingespieltes Team

In der zweiten Filmhälfte wird die Story noch um eine dritte Sichtweise erweitert, die zudem mit der Vergangenheit von Kim und I verknüpft wird. Somit kann der Film nicht als Kopie, durchaus aber als zugleich dosierte Kurzfassung und clevere Weiterentwicklung von Grimwoods und Ramis’ Werken gesehen werden. Dennoch sei gesagt, dass der Filmeinstieg aufgrund der zeitraffenden Erzählweise etwas anstrengend ist – da die Struktur aber nach etwa einem Drittel des insgesamt 90-minütigen Films aufgebrochen wird, kann die Handlung mit ihrem schnellen Tempo und wichtigen Rückblenden in der letzten Stunde, die zu einem klärenden Ergebnis für alle Beteiligten inklusive des Zuschauers führt, durchweg begeistern. In den Hauptrollen sind Kim Myŏngmin als Kim und Pyŏn Yohan als I zu sehen, die bereits gemeinsam in der koreanischen Fernsehserie Six Flying Dragons zu sehen waren und als eingespieltes Team auch in A Day miteinander harmonieren, egal ob sie gerade die menschlichen Abgründe oder die guten Seiten des jeweils anderen Charakters erblicken. Auf der technischen Seite gibt es kaum etwas zu meckern: Das Bild ist gestochen scharf und nur manche rasante Autofahrt ist die Trickserei anzusehen. Akustisch werden die Szenen manchmal mit Songs, in der Regel aber mit stimmungsvoller Musik unterlegt, um die spannende Atmosphäre aufrechtzuerhalten. Puristen schauen sich den Film am besten auf Koreanisch an, die deutsche Synchronisation ist aber bis auf die manchmal etwas zu lockere Übersetzung ebenfalls gut gelungen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): A Day von Regisseur Cho Sŏnho erzählt im Grunde mehrfach immer und immer wieder die gleiche Geschichte des Arztes Kim mit kleinen Nuancen, die jedoch im weiteren Filmverlauf spätestens mit dem Hinzukommen der Figur I aufgebrochen wird und sich dann vom filmischen Vorbild Und täglich grüßt das Murmeltier eindeutig abhebt. Es ist interessant zu sehen, wie das Konzept der Zeitschleife mit gleich zwei beziehungsweise drei Individuen funktioniert und schließlich aufgelöst werden will. Dazu tragen auch die beiden Hauptdarsteller Kim und Pyŏn bei, die wunderbar miteinander harmonieren und die manchmal rasante und manchmal langsame Erzählung vorantreiben. Unterm Strich ist A Day sicher kein Film geworden, der es mit Ramis’ Klassiker oder abseits der Thriller- und Mystery-Elemente mit anderen Dramen des koreanischen Kinos aufnehmen kann, für Fans der Zeitschleifenthematik oder auch der beiden Hauptdarsteller ist Chos Werk aber durchaus ein angenehm abendfüllender Film geworden!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von A Day!

Review: Onimusha: Warlords

Erstmals wurde Onimusha: Warlords im Jahr 2001 für die PlayStation 2 veröffentlicht. 2002 folgte noch eine Umsetzung für die Xbox, bevor der erste Serienteil für viele Jahre zumindest bei Capcom in Vergessenheit geriet. Dies sollte sich Anfang 2019 schlagartig ändern.

Onimusha: Warlords hat eine recht lange Entstehungsgeschichte, denn bereits 1997 dachte der japanische Publisher Capcom darüber nach, ein – der eigenen Resident-Evil-Marke nicht unähnliches – Spiel in der Sengoku-Zeit für das Nintendo 64DD zu entwickeln. Möglicherweise entschied sich Capcom aufgrund der zu geringen Verkaufszahlen der Nintendo-64-Peripherie dafür, die Entwicklung des Spiels für die PlayStation fortzusetzen. Als ungefähr die Hälfte der Entwicklung abgeschlossen war, veranlassten die Verantwortlichen bei Capcom, dass Onimusha: Warlords im Jahr 2001 für die Nachfolgekonsole PlayStation 2 veröffentlicht werden sollte – und somit wurde auch hier noch einmal die Entwicklungszeit verlängert. Im Januar 2001 war es dann aber endlich soweit und das teils an Resident Evil angelehnte Spiel stand in den japanischen Verkaufsregalen. Der Handlungsbeginn von Onimusha: Warlords kann ziemlich genau auf den 12. Juni 1560 datiert werden: Während der Schlacht von Okehazama kämpft Protagonist Akechi Samanosuke auf der Seite des ersten der drei Reichseiniger, Oda Nobunaga, gegen dessen Feind Imagawa Yoshimoto. Dieser fällt, wohlgemerkt historisch korrekt, bei der Schlacht. Dennoch sorgen künstlerische Freiheiten für eine alternative Geschichtsschreibung, da Oda Nobunaga bei der Schlacht ebenfalls sein Leben lassen muss.

Überschaubare Spielwelt, gefüllt mit wenigen Charakteren

Kurz darauf erhält Samanosuke von Prinzessin Yuki aus dem Geschlecht der Saitō einen unmissverständlichen Hilferuf. In der Provinz Mino, genauer gesagt in ihrem Heim, der Burg Inabayama, seien Dämonen eingefallen. Beim Eintreffen muss Samanosuke sehen, wie die Prinzessin von einem Oni entführt wird, woraus aus der Dämonenjagd auch noch eine Befreiungsaktion wird. Wie Odas vermeintlicher Tod mit der eigentlichen Story in Verbindung steht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Fakt ist, dass Onimusha: Warlords mit einigen Überraschungen und Wendungen punkten kann. Abseits der Hauptfiguren gibt es zwar nur eine Handvoll Nebencharaktere, die jedoch durch die eine oder andere Unvorhersehbarkeit umso mehr dafür sorgen, dass es stets spannend bleibt. Wirklich groß ist die Spielwelt von Onimusha: Warlords ebenfalls nicht, denn neben überschaubaren Spielabschnitten wie einer Höhle, einem Kerker, dem Burgfried, einem Gefängnis, diversen Außenarealen und schließlich noch dem einen oder anderen Ausflug in die Dämonenwelt gibt es tatsächlich nicht. Da die Spielwelt allerdings bis auf sehr wenige Abschnitte vollkommen zusammenhängt, entwickelt sich schnell ein heimeliges Gefühl. Die Position jedes Zimmers, Korridors oder sogar Geheimgängen wird unverzüglich verinnerlicht, sodass Verlaufen nahezu ausgeschlossen ist.

Angenehme Rätselkost und geheimnisvolle Orte

Nicht nur mit der Größe der Spielwelt erinnert Onimusha: Warlords an Resident Evil, auch wie sich die Welt mit der Zeit öffnet, erinnert an Capcoms Survival-Horror-Spiel. Die Erkundung verläuft dabei zum Großteil sehr linear, hin und wieder gibt es jedoch Nebenräume oder Geheimnisse zu entdecken, sodass die stringente Erschließung der Burg kaum auffällt. Eine weitere Ähnlichkeit ist in den Rätseln zu finden, die die Spielwelt limitieren. Verschiedene Türen benötigen unterschiedliche Schlüssel, hin und wieder müssen Objekte kombiniert und diverse Schalterrätsel gelöst werden. Diese Rätsel sind zwar nur selten logisch, doch da sie auf ein erträgliches Mindestmaß reduziert sind, fallen sie auf Dauer absolut nicht so störend wie im geistigen Vorbild auf. Überall in der Spielwelt sind zudem Truhen platziert, die Heilkräuter, Pfeile für den Bogen, Talismane oder auch Energie-Erweiterungen für Samanosuke beinhalten. Es empfiehlt sich also, die Spielwelt stetig nach Geheimnissen und Verstecken abzusuchen. Manche Truhen können auch nur durch das Studieren von verschiedenen Texten geöffnet werden, die ebenfalls kreuz und quer in der Burg zu finden sind. Schade ist in diesem Zusammenhang nur, dass gewisse Spielabschnitte handlungsbedingt nicht noch einmal besucht werden können – und auch dort haben sich leider Texte und hilfreiche Items versteckt.

Ein Samurai mit besonderen Fähigkeiten

Zu neunzig Prozent des Spiels schlüpft der Spieler in die Haut des Samurais Samanosuke und kämpft dabei mit drei verschiedenen Schwertern, die den Elementen Blitz, Feuer und Wind zugeordnet sind. Jeder Schwerthieb fühlt sich je nach Waffe unterschiedlich an. Während die Blitzklinge für schnelle Hiebe bekannt ist, kann das Feuerschwert mit seinen langsamen Angriffen hingegen deutlich mehr Schaden anrichten. Wird sogar der Spezialangriff aktiviert, können durch den Verbrauch der eigenen Oni-Energie Gegner elektrisiert, verbrannt oder in einen Windstrudel gezogen werden. Mit einem Bogen und später auch mit einem Gewehr lassen sich auch auf Dächern stehende Scharfschützen ausschalten, was jedoch im Vergleich zum Schwertkampf eine sehr fummelige Angelegenheit ist. Wenn Samanosuke Feinde tötet, tauchen auf dem Bildschirm für kurze Zeit kleine oder große Seelen auf. Diese können auf Knopfdruck aufgesogen werden. Während rote Seelen für Waffenupgrades oder in die Herstellung von Munition oder Medizin investiert werden, können gelbe Seelen die Lebensenergie auffüllen. Weißblaue Seelen sind ebenso wertvoll, da sie die Oni-Energie auffüllen, mit der die Magie der drei Schwerter eingesetzt werden kann. Letzteres ist aber auch an nahezu jedem Speicherort möglich, nur die Lebensenergie gibt es in Onimusha: Warlords nicht gratis.

Eine stets unterlegene Kunoichi

In manchen Szenen wechselt das Geschehen zu Kaede, einer Kunoichi. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist definitiv ihre Agilität. So schnell wie sie kann sich Samanosuke zu keiner Zeit bewegen. Dennoch spielt sich die Kunoichi sehr viel schwieriger als Samanosuke, da sie nicht über die Fähigkeit verfügt, Seelen zu absorbieren. Wer im Spiel pausenlos die knappen Kräuter- und Medizinvorräte verschlingt und dann mit der arg benachteiligten Kaede über keine Heilungsmöglichkeiten verfügt, kann durchaus in einer sehr schwer zu meisternden Situation landen. Auch wenn diese Spielabschnitte den harten Schnetzelalltag des Samurais auflockern sollen, können sie nicht ansatzweise so stark überzeugen wie der Rest des Abenteuers. Der sekundären Hauptfigur fehlt es einfach an Alleinstellungsmerkmalen. Abgesehen davon ist das Spiel auf dem normalen Schwierigkeitsgrad grundsätzlich aber nicht sonderlich schwer. Nur hin und wieder gibt es den einen oder anderen Gegner, bei dessen Auseinandersetzung wiederholt der Game-Over-Bildschirm auf der Mattscheibe erscheint. Es gibt in Onimusha: Warlords übrigens keine Kontrollpunkte: Sobald die Spielfigur stirbt, ist es lediglich nach der Rückkehr auf den Titelbildschirm möglich, den letzten Speicherpunkt zu laden. Hier heißt es die Zähne zusammen zu beißen und den überlegenen Feind eines Besseren zu belehren

Angemessene HD-Portierung

An dieser Form des Gamedesigns ist der Entstehungszeitpunkt des Spiels deutlich zu erkennen, denn aktuelle Standards werden bewusst ignoriert. Beispielsweise lassen sich auch die leicht gealterten Zwischensequenzen nicht überspringen. Dennoch hat der Titel den Sprung von der PlayStation auf die PlayStation 2, von Sonys Konsole auf Microsofts Xbox und von dort auf Nintendo Switch, PC, PlayStation 4 und Xbox One sehr gut gemeistert. Im direkten Vergleich zum Original sind die Texturen nicht mehr ganz so verwaschen und wesentlich schärfer, was sich vor allem in den kameratechnisch starren Hintergrundgrafiken widerspiegelt. Nur die Charaktermodelle könnten im Jahr 2019 vor allem in den Gesichtern etwas detaillierter sein. Die Körperbewegungen sind jedoch in allen Versionen atemberaubend, was vor allem am Motion-Capture-Verfahren liegt. Im Falle von Samanosuke stand hier der taiwanesisch-japanische Schauspieler Kaneshiro Takeshi „vor der Kamera“, der dem Samurai ebenso seine Stimme leiht. Allgemein lässt sich sagen, dass die japanischen Synchronsprecher sehr gut ausgewählt worden sind. Selbiges gilt für die Effekte und den vortrefflichen Soundtrack von Niigaki Takashi, der die tolle Inszenierung mit den richtigen Tönen trifft. In puncto Steuerung hat der Spieler die Wahl zwischen einer altbackenen Steuerung über die Richtungstasten oder einer neueren, wesentlich angenehmere Bedienung. Toll!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Onimusha: Warlords ist ein Spiel, das zu Beginn der 2000er-Jahre nach einer sehr turbulenten Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte den Grundstein für eine der wohl interessantesten Videospielreihen aus dem Hause Capcom gelegt hat. In fast allen Belangen behält sich der Titel vor, die einzelnen Elemente auf ein absolutes Minimum zu reduzieren und den überschaubaren Umfang dabei außerordentlich gut zu kaschieren. An keiner Stelle fällt auf, dass die Spielwelt eigentlich recht klein und die Spielzeit zu kurz ist. Wie in kaum einem anderen Spiel ist es Capcom gelungen, eine packende Geschichte in ein semi-lineares Spiel zu packen und vom opulenten Auftakt bei der Schlacht von Okehazama bis zum furiosen Endkampf zu unterhalten. Wer sich für die japanische Geschichte, Kultur und Architektur interessiert und einer kräftigen Portion Mythologie und Fantasy nicht abgeneigt ist, kommt um Onimusha: Warlords definitiv nicht herum!

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Onimusha: Warlords!

 

Prime Time: Tales of Vesperia – Definitive Edition (Premium Edition, Unboxing)

Vor Kurzem veröffentlichte Bandai Namco die Premium Edition von Tales of Vesperia – Definitive Edition in Europa. Unser Chefredakteur Eric ist ein kleiner Fan der Reihe und hat sich über diese Edition pünktlich zum Release im Briefkasten gefreut. Heute möchte er sie euch in einem Unboxing-Video vorstellen. Viel Spaß!

 

 

Review: Sega Mega Drive Classics

Regelmäßige Veröffentlichungen von Retro-Konsolen im Miniaturformat, Remakes von älteren Spielen und nicht selten Zusammenstellungen von ausgewählten Klassikern lassen uns auf einer nicht abnehmenden Nostalgiewelle reiten. Die Videospielsammlung Sega Mega Drive Classics für die Switch fällt ebenso in diese Kerbe, schöpft aber nicht alle Möglichkeiten aus.

Im November 2006 hat der einstige Konsolenhersteller Sega die Zeichen der Zeit erkannt und verschiedene Klassiker seiner 16-Bit-Konsole Mega Drive für PlayStation-2-Spieler verfügbar gemacht. Während Besitzer einer Nintendo Wii nur wenige Wochen nach Veröffentlichung dieser Sammlung ausgewählte Titel aus Segas Mega-Drive-Fundus im Wii-Shop-Kanal erwerben konnten, kamen PlayStation-3- und Xbox-360-Spieler ab Februar 2009 mit der Sega Mega Drive Ultimate Collection sehr viel günstiger davon. Mit der erneuten Vermarktung einer solchen Sammlung, diesmal unter dem neuen Decknamen Sega Mega Drive Classics, macht Sega seit Mai 2018 auch Besitzer einer PlayStation 4 oder Xbox One glücklich. Die Nintendo-Switch-Fassung ließ – wie so oft auch – ein halbes Jahr auf sich warten, ist seit dem 6. Dezember 2018 aber ebenfalls für jedweden Nostalgiker verfügbar. Die Unterschiede zu den Fassungen für die Konkurrenzkonsolen fallen, zumindest auf den ersten Blick, sehr marginal aus. Sobald das Spiel gestartet ist, landen wir in einer verspielten Menüstruktur respektive in einem Zimmer, das mit wichtigen Einrichtungsgegenständen wie einem Röhrenfernseher oder einer Videospielregal ausgestattet ist. So oder so ähnlich hätte auch das Zimmer eines Sega-Fans in den 1990er-Jahren aussehen können. Je nachdem welchen Bereich des Zimmers wir auswählen, können wir unterschiedliche Aktionen oder Anpassungen durchführen.

Fantastische 16-Bit-Zeitreise

Zu den Sega Mega Drive Classics zählen ungefähr fünfzig Klassiker, die mal mehr und mal weniger die Qualität der 1988 erstmals in Japan veröffentlichten Konsole darstellen. Mit an Bord ist beispielsweise die Beat-’em-up-Trilogie Streets of Rage, die insbesondere mit ihrem stark paralysierenden Soundtrack Anfang der 1990er-Jahre für offene Münder sorgte. Auch der künstlerisch wertvolle Geheimtipp Comix Zone, in dem wir uns von einem Comic Panel zum nächsten hangeln, ist mit von der Partie. Fans von Jump ’n’ Runs kommen hingegen in den Genuss der ersten beiden Ableger von Sonic the Hedgehog und dürfen mit dem blauen Igel das rasante Tempo der Reihe in ihren Anfängen erleben. Rollenspieler werden nicht nur mit dem zweiten, dritten und vierten Teil der unter Sega-Fans beliebten Rollenspielreihe Phantasy Star bedient, sondern dürfen auch erneut die Abenteuer in Sword of Vermilion oder Fatal Labyrinth durchleben. Wer dringend Abwechslung von der das Genre dominierenden The-Legend-of-Zelda-Serie benötigt, kommt mit The Story of Thor in den Genuss eines frühen konkurrenzfähigen Action-Adventures. Strategen planen ihren Feldzug gegen das Böse hingegen in den beiden Shining-Force-Ablegern. Kampfeslustige Naturen erfreuen sich stattdessen am zweiten Eintrag der Virtua-Fighter-Serie und prügeln sich mit Akira Yūki und Co einmal rund um die Weltkugel. Mit Columns und Dr. Robotnik’s Mean Bean Machine sind zudem zwei süchtigmachende Puzzle-Spiele mit an Bord.

Ungenutzte Chancen

So gut wie die Auswahl an unterschiedlichen Genres bei den Sega Mega Drive Classics auch ist, fehlen wichtige Titel in dieser Sammlung erneut. Beispielsweise liegt auch dieses Mal kein einziges Rennspiel bei. Super Hang-on oder Out Run hätten das Gesamtpaket sehr stark aufgewertet und zumindest ein Ableger der Ecco-the-Dolphin-Reihe hätte seinen Weg in die Kollektion finden dürfen. Ärgerlich ist auch, dass das unter Fans beliebte Sonic the Hedgehog 3 erstaunlicherweise kein Bestandteil dieser Veröffentlichung ist. Leider betrifft das Fehlen auch Titel, die schon mal Teil der Veröffentlichung war: Bei den PlayStation-3- und Xbox-360-Ausgaben hatte Sega sogar noch Arcade- und Master-System-Spiele als freispielbare Boni implementiert, die vollständig wegrationalisiert worden sind. Wer also darauf gehofft hatte, das erste Phantasy Star oder gar die ebenso spielenswerte The-Legend-of-Zelda-Alternative Golden Axe Warrior auf der Cartridge zu entdecken, wird wohl sehr enttäuscht sein. Absolut unverständlich ist aber in jedem Falle die Abwesenheit von Wonder Boy III: Monster Lair und Wonder Boy in Monster Land, obwohl beide Werke fester Bestandteil der PlayStation-4- und Xbox-One-Fassung sind. Publisher Sega kommentiert das Fehlen dieser beiden Titel mit keinem einzigen Wort. Unverschämt ist in diesem Zusammenhang, dass die Sammlung von Sega auf der Produktseite auf Nintendos deutschsprachiger Homepage als „größte Auswahl von Retro-Klassikern” beworben wird, was faktisch nicht richtig ist.

Tolle Emulation und praktische Funktionen

Trotz der mehr oder weniger kleinen Flunkerei gibt es aber noch weitere Kritik, denn obwohl das Freispielen von zusätzlichen Titeln entfällt, hat Sega die Lücke nicht mit anderen Boni gefüllt. Interviews mit Entwicklern, Konzeptzeichnungen, eingescannte Anleitungen oder sonstiges Bonusmaterial hätte die Kollektion wunderbar ergänzen können, zumal Segas Sammlung nun schon zum wiederholten Male auf einer weiteren Plattform erscheint. Da ging Capcom bei seinen Collections wesentlich sorgfältiger und liebevoller vor, hier hätte sich Sega ruhig eine Scheibe abschneiden können! Obwohl das alles sehr negativ klingt, hat der japanische Konzern unter technischen Gesichtspunkten aber sehr viel richtig gemacht. Da es sich bei den über fünfzig enthaltenen Spielen allesamt um verhältnismäßig alte Spiele handelt, die auf einer schwächeren Hardware liefen, müssen diese logischerweise emuliert werden. Sega überlässt uns beim Emulator beispielsweise die Wahl, ob wir mit der originalen Auflösung spielen wollen oder ob wir die Pixel-Anzahl vervielfachen möchten. Ebenso dürfen wir die Kantenglättungsfunktion nutzen oder Scanlines hinzufügen, um das Gefühl zu vermitteln, wir würden auf einem Röhrenfernseher spielen. Selbst die Wölbung des betagten Monitors lässt sich einstellen. Sekundengenaue Vor- und Zurückspulfunktionen und die Option, jederzeit einen Spielstand anzulegen oder diesen zu laden, machen die Sega Mega Drive Classics trotz geringfügiger Kritik bei der Auswahl an Spielen und Boni zu einem wahren Genuss!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Im direkten Vergleich mit der fantastischen Videospielbibliothek des Super Nintendos zieht das Sega Mega Drive als 16-Bit-Konsole definitiv den Kürzeren. Dennoch gibt es auch auf Segas Konsole einige Titel, die jeder unbedingt einmal gespielt haben sollte. Phantasy Star IV: The End of the Millennium, Sonic the Hedgehog 2 oder The Story of Thor sind nur drei der über fünfzig enthaltenen Titel dieser Kollektion, die mir sehr viel Freude bereiten. Es kommen gelungene Optionen hinzu, die Spiele zu emulieren, und schließlich Möglichkeiten, jederzeit speichern oder laden zu können. Schade ist aber, dass Sega es bei der erneuten Veröffentlichung versäumt hat, wichtige Spiele wie Out Run hinzuzufügen. Stattdessen fehlen sogar zwei Titel komplett, die in derselben (!) Collection auf der PlayStation 4 und Xbox One enthalten sind. Wer also in den vollständigen Genuss dieser Ausgabe der Sega Mega Drive Classics gelangen will, muss wohl oder übel fremdgehen – oder gar auf frühere Kollektionen des Konzerns zurückgreifen, um auch die freischaltbaren Spiele abzugreifen. In allen anderen Belangen kann aber auch die Switch-Fassung durchweg überzeugen und viel Spaß machen!

Review: Aldnoah.Zero (Komplettpaket)

Zwischen Mai 2015 und März 2016 veröffentlichte Kazé Manga im Abstand von mehreren Monaten die Manga-Reihe Aldnoah.Zero in vier Einzelbänden. Drei Jahre nach der deutschen Erstveröffentlichung werden seit Mai 2018 alle vier Bände zusammen in einer kompakten Gesamtausgabe noch einmal angeboten. Nach wie vor handelt es sich bei den vier Ausgaben um die erste Auflage der Reihe, sodass inhaltliche Anpassungen oder Erweiterungen nicht vorhanden sind. Die muss es auch nicht geben, da sowohl das Szenario, die Story, die vielen Charaktere und zudem die Zeichnungen wirklich herausragend sind. Zeitlich beginnt das Science-Fiction-Abenteuer in einer alternativen Version des Jahres 2014: Seit fünfzehn Jahren oder genauer gesagt seit dem als Heaven’s Fall bezeichneten Vorfall, über den im Lauf der Handlung immer mehr Details offenbart werden, befinden sich die Planeten Erde und Mars im Krieg. Um den Krieg zwischen beiden Nationen zu beenden, schickt das auf dem Mars ansässige Königreich Vāsu seine Kronprinzessin Aseiramu Vāsu Aryūshia als eine Botschafterin des guten Willens zu Verhandlungen auf den blauen Planeten. Dort wird sie von vermeintlichen Attentätern während einer Parade offensichtlich getötet, was die Ritter des Orbits, Aryūshias Verbündete und ihr Schutz auf ihrer Reise, als Kampfhandlung verstehen und sofort damit beginnen, bestimmte Teile der Erde anzugreifen und einzunehmen.

Handlungsstrangmosaik

Kenner der Anime-Vorlage wissen, dass es sich hierbei natürlich um einen Komplott handelt, um den Kampf gegen die Erde fortzuführen. In den Wirren des Krieges wird die Geschichte von verschiedenen Charakteren erzählt, neben der Prinzessin erfährt der Leser auch einiges über deren Vertrauten Surein Toroiyādo, der ursprünglich von der Erde stammt und mehr über die Hintergründe des Komplotts herausfindet. Nichts ist so wie es scheint und nur wenigen Charakteren kann er in der Zeit der Not vertrauen. Gut und Böse können in Aldnoah.Zero aber nicht einfach voneinander getrennt werden, jede Figur wird von Rückschlägen oder besonderen Wünschen angetrieben. So auch einer der finsteren Gegenspieler, der seine beim Heaven’s Fall verstorbene Partnerin rächen will. Zwar scheint keine Figur so wirklich im Mittelpunkt zu stehen, doch viele Handlungsstränge schlängeln sich um den Werdegang von Kadett Kaizuka Inaho. Dieser ist sich der ernsten Lage bewusst und kämpft mit der Allianz gegen die Bedrohung vom Mars, in dem er die seit dem Heaven’s Fall nutzbare Technologie gegen deren Erschaffer einsetzt. Jeder einzelne Charakter, sei sein Anteil an der Handlung noch so klein, ist wichtig für die Geschichte, die sich mit der Zeit wie ein Mosaik zu einem wunderbaren Erlebnis beim Durchblättern aller vier Bände entwickelt. Obwohl das Tempo der Erzählung stimmt, ist der schnelle Sprung zwischen einzelnen Erzählebenen zu anstrengend.

Mitreißend von der ersten bis zur letzten Seite

In der Anime-Vorlage ergeben die schnellen Schnitte zwischen ruhigen Dialogen und heftiger Action durchaus Sinn, ist dieses Stilmittel bei vielen Produktionen doch Gang und Gäbe. Im Manga funktioniert das nicht so gut, da so viel zu schnell aus der Atmosphäre gerissen wird. Überleitungen in Textform oder zusätzlich gezeichnete Bilder hätten bei diesem Unterfangen geholfen. Nichtsdestotrotz können die Zeichnungen von Pinakes, so das Pseudonym des unbekannten Künstlers, mit gewaltigen Ideen punkten. Insbesondere die den Mechs nicht unähnlichen Kataphrakte überzeugten mit einem tollen Design, aber auch die facettenreichen Charaktere können mit fast schon niedlichen bis sehr gefährlich wirkenden Gesichtsausdrücken begeistern. Alle Abbildungen ergeben in Zusammenhang mit der Story der ebenfalls anonymen Autoren Olympus Knights ein stimmiges Gesamtbild, das nicht mehr so schnell vergessen werden möchte. Jeder Manga umfasst relativ gleichmäßig zwischen 146 und 148 Seiten und verbraucht beim Lesen circa 45 bis 60 Minuten, die jedoch dank der spürbaren Spannung auf so gut wie jeder Seite aber sehr gut investiert sind. Laut Herstellerangaben auf der Internetseite erhalten Käufer des Komplettpakets einen Schuber, in dem die ganze erste Manga-Reihe, abgeschlossen ist die Serie mit dem vierten Band nicht, Platz finden wird. Für den Test stand der Schuber allerdings nicht zur Verfügung, weshalb wir dessen Qualität nicht bewerten können. So oder so empfiehlt sich aber der Kauf der Gesamtausgabe, da dieser im Vergleich zum Kauf der Einzelbände mehr als 25 Prozent günstiger ist.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basiert auf der Erstauflage): Aldnoah.Zero hat bereits als Anime-Serie mit vielen tollen Ideen, gelungenen Charakteren, einer mitreißenden Geschichte mit Überraschungen und Wendungen und schließlich auch noch schicken Kämpfen gepunktet. Dieses Konzept geht in der Manga-Form ebenfalls auf. Jeder Band ist in drei Kapitel aufgeteilt, die eng der Geschichte der Anime-Vorlage folgen. Wer die Anime-Serie also bereits kennt, wird wohl kaum neue Details aufschnappen. Trotzdem sind die Manga jedoch auf für Kenner und Fans des Anime interessant, da bis auf die – logischerweise – fehlenden farblichen Abbildungen alles aus einem Guss wirkt und ein paar Stunden am Stück die Zeit vergessen lässt. Das Abenteuer um Kaizuka Inaho, Surein Toroiyādo, Aseiramu Vāsu Aryūshia gehört definitiv zu den besten Science-Fiction-Geschichten, die es in Anime- oder Manga-Form bisher gegeben hat – und wer ganz dringend auf der Suche nach packenden Weltraumgeschichten ist, wird bei Aldnoah.Zero definitiv fündig werden!

Vielen Dank an Kazé Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Aldnoah.Zero (Komplettpaket)!

Review: Battle Princess Madelyn

Den Anstoß zur Entwicklung von Battle Princess Madelyn vom kanadischen Entwicklerstudio Causal Bit Games hat die Beziehung zwischen Entwickler Christopher Obritsch und seiner Tochter Madelyn gegeben. Was für den einen oder anderen vielleicht zunächst etwas kitschig klingt, überrascht und überzeugt im Nachhinein als durchaus gelungenes Action-Adventure.

Battle Princess Madelyn arbeitet mit zwei verschiedenen Handlungsbögen, die sich nur leicht unterscheiden, sobald wir uns für den Story-Modus oder für den Arcade-Modus entscheiden. Die Handlung des Spiels beginnt, zumindest im Story-Modus, mit einem Dialog zwischen einem Mädchen namens Madelyn und ihrem Großvater. Madelyn hat es sich in ihrem Bett bequem gemacht und spielt währenddessen auf ihrem Tablet-PC ein Spiel, um darin ihre Charaktere aufzustufen. Ihr Großvater hat selbstverständlich keine Ahnung, wovon sie spricht und beginnt damit, ihr eine Geschichte über eine Prinzessin namens Madelyn zu erzählen, womit er über kurz oder lang ihre Aufmerksamkeit gewinnt. Daraufhin beginnt die eigentliche Geschichte des Spiels, in der ein Dämon das Schloss angreift und Fritzy, den Hund der Prinzessin, im Kampf tötet. Viel Zeit zu trauern bleibt der Prinzessin zwar nicht, doch kaum wurde der Vierbeiner in der Familiengruft beigesetzt, taucht dessen Geist auf und schließt sich der Prinzessin im Kampf gegen das Böse wieder an. Es beginnt eine Reise, in der sich Madelyn zahlreichen Gefahren stellen muss. Mit einem unendlichen Vorrat an Speeren ziehen wir mit ihr in den Krieg gegen Skelette und andere Unholde – und müssen dabei, wie schon auf dem Super Nintendo in Super Ghouls‘n Ghosts, sehr knifflige Geschicklichkeitspassagen meistern.

Klassisches Gameplay dank großer Inspiration

Wenn wir uns hingegen für den Arcade-Modus entscheiden, erleben wir zu Beginn des Abenteuers, wie ein Dämon die gesamte königliche Familie mit einem finsteren Zauberspruch aus dem Leben reißt. Unter den Opfern befindet sich abermals Fritzy, um den sie zwei Sekunden lang trauert, nur um anschließend mit dessen Geist wie im Story-Modus in die Welt zu ziehen und Rache am Dämon zu nehmen. Obwohl wir genau genommen dieselben aus der Geschichte bekannten Themenwelten erkunden, wurde ihre Struktur stark verändert, um die Levels in bester Arcade-Manier genießen zu können. Gesammeltes Gold und getötete Monster ergeben im Arcade-Modus des Weiteren ausschließlich Punkte, um den Highscore in die Höhe schnellen zu lassen – und haben sonst keine Auswirkung auf das Spielgeschehen. In den aus der zweidimensionalen Seitenperspektive dargestellten Levels, die ihre Inspiration neben Super Ghouls’n Ghosts laut Herstellerangaben unter anderem auch aus Wonder Boy III: The Dragon’s Trap nehmen, treffen wir auch auf interessante Bossgegner wie einen riesigen Skelettkrieger, eine gehörnte Riesenkatze oder einen feuerspeienden Eber. Der Fantasie sind keinerlei Grenzen gesetzt, sodass es stets Spaß macht, neue Bereiche zu erforschen. Anders wie im Vorbild aus dem Hause Capcom ist der Schwierigkeitsgrad sehr human gestaltet. Solange eine bestimmte Anzahl an Gegnern von uns getötet wird, ist der letzte Rücksetzpunkt nach Madelyns Ableben nur ein paar Meter weit weg. Fantastisch und vor allem einsteigerfreundlich!

Starke Orientierung am Vorbild

Auch grafisch erinnert das Spiel stark an Super Ghouls‘n Ghosts für das Super Nintendo. Sowohl die Umgebungsgrafiken als auch die Charaktermodelle könnten so direkt einem 16-Bit-Spiel entspringen. Selbiges gilt auch für die Effekte und die Animationen, die zu den Höhepunkten der technischen Ausgestaltung von Battle Princess Madelyn gehören. Weniger schön gefallen uns hingegen die Zwischensequenzen im Stil US-amerikanischer Samstagmorgen-Cartoons. Allem voran die zu grobe Kantenglättung springt uns vor allem im TV-Modus negativ ins Gesicht. Auf der akustischen Ebene können die adrenalingeladenen Musikstücke hingegen stets sehr motivieren, in die nächsten Gebiete vorzudringen und sich immer und immer wieder nach dem Tod der Spielfigur erneut ins Gefecht zu stürzen. In puncto Steuerung überzeugt der Titel grundlegend, was vor allem daran liegt, dass sich die Richtung, in die Madelyn springt, anders als im Capcom 16-Bit-Genre-Klassiker, jederzeit beeinflussen lässt. Einzig und allein der direkte Kontakt mit Gegnern lässt die Prinzessin bis ins Mark erschaudern, was häufig dazu führen kann, dass sie paralysiert in einen Abgrund zurückgeschleudert wird. Hier hätten wir uns gewünscht, dass das Entwicklerstudio ein wenig konsequenter gewesen wäre. Dennoch ändert das nichts daran, dass Battle Princess Madelyn ein sonst wirklich tolles Action-Adventure ist, das es mit Super Ghouls‘n Ghosts und Co problemlos aufnehmen kann!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintndo-Switch-Fassung): Obwohl ich ein großer Fan von Super Ghouls‘n Ghosts bin, konnte ich den Super-Nintendo-Klassiker aufgrund seines sehr hohen Schwierigkeitsgrades und seiner durchaus sperrigen Steuerung bis heute nicht durchspielen. Battle Princess Madelyn fühlt sich im Gegensatz zu seinem großen Vorbild sehr viel fairer an, motiviert deshalb umso mehr und überzeugt mit einer ebenso hübschen Optik und schöner musikalischer Untermalung. Zwar ist die Story nicht sonderlich spannend, dürfte aber zumindest jüngere Spieler stets bei Laune halten. Ältere Semester erfreuen sich hingegen daran, dass sie mit dem Spiel einfach nur in Erinnerungen schwelgen können und ein wirklich tolles Action-Adventure ohne große oder gar unnötige Hindernisse genießen dürfen.

Review: Blue Exorcist: Kyōto Saga (Vol. 2)

Nachdem im August 2018 die erste Hälfte der zweiten Staffel der Anime-Serie Blue Exorcist veröffentlicht wurde, reichte Publisher Kazé Anime die zweite Hälfte Ende Oktober 2018 für die hungrigen Fans nach und führt den Handlungsstrang zu einem angenehmen Abschluss.

Inhaltlich knüpft die Geschichte von Blue Exorcist: Kyōto Saga an die Geschehnisse, die in den Episoden der ersten Volume stattgefunden haben, an. In der Edo-Zeit wurde ein Dämon, der so genannte „unreine König“, nachdem er mit tödlichem Miasma tausende Menschen ins Jenseits geschickt hat, besiegt und für alle Zeit versiegelt. Damit verhindert wird, dass dieses Monstrum ein weiteres Mal für Angst und Schrecken sorgen kann, wurden die beiden Augen des Dämons seitdem an zwei verschiedenen Plätzen aufbewahrt. Während das linke Auge in der Heiligkreuz-Akademie unter strenger Aufsicht bewacht wurde, ist das rechte Auge seither in Kyōto eingeschlossen. Die Ausgangslage der zweiten Staffel ist somit zwar schnell erklärt, doch da das linke Auge schon vor dem Beginn der Season gestohlen wurde, ist die Lage von Beginn an tatsächlich angespannt. So wurden einige Schüler der Heiligkreuz-Akademie nach Kyōto entsandt, um das rechte Auge zu bewachen. Zu Beginn der siebten und damit ersten Folge dieser Volume erfährt der Zuschauer, dass die Schüler den Diebstahl des Auges nicht verhindern konnten. Dem Verräter Tōdō Saburōta ist es nicht nur gelungen, das rechte Auge zu stehlen, mit beiden Gefäßen in seinen Händen war es ihm gar möglich, den unreinen König, der zur ominösen Sippe des Königs der Verwesung gezählt wird, zurück ins Leben zu holen.

Wettlauf gegen die Zeit

Somit dürfte jedem Zuschauer sofort klar sein, dass die Freunde rund um Okumura Rin sich dem unreinen König stellen müssen. Dies ist jedoch mit mehreren Problemen behaftet, denn Rin wurde ins Gefängnis gesteckt, da er als Satans Sohn gerade jetzt eine Gefahr darstellt. In der Zwischenzeit überlegen seine Freunde, wie sie ihn aus dem recht gut geschützten Kerker befreien können. Hinzu kommt, dass Rin derzeit Probleme hat, seine Kräfte zu kontrollieren – vor allem das magische Schwert, das er zwingend für den Kampf gegen den unreinen König benötigt, kann er nicht aus der Scheide ziehen. Damit nicht genug, hat ihr gefährlicher Feind einen Sporensack erschaffen, der mit demselben tödlichen Miasma gefüllt ist, mit denen der unreine König schon in der Edo-Zeit tausende Menschen getötet hat. Problematisch ist, dass das Miasma dieses Mal mehrere hunderttausend Menschen erreichen könnte. Es entbrennt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem auch Rins Bruder Okumura Yukio Hindernisse aus dem Weg räumen muss. Unter anderem kommt es zu einer wichtigen Auseinandersetzung zwischen ihm und Saburōta. Mephisto Pheles, der in der ersten Volume nur kurz zu sehen ist, hat in der zweiten Volume mehrere kurze Auftritte. Dennoch beobachtet er das Treiben eher vom Rand des Geschehens, sodass seine Anwesenheit stets für einen mulmigen Unterton sorgt.

Atmosphärisches Gesamterlebnis

Obwohl die ehemalige japanische Hauptstadt Kyōto nach wie vor Schauplatz der Season ist, wird sie nur an wenigen Stellen tatsächlich gezeigt. In der meisten Zeit befinden sich die Charaktere in Wäldern, auf Hügeln oder an mysteriösen Orten, die mit der Realität gar nichts gemein haben. Trotzdem ist die Optik in der Auflösung von 1080p und im bildschirmfüllenden 16:9-Format eine wahre Augenweide: Die detaillierten Charaktere sind sehr gut animiert, die Hintergründe schön gezeichnet und die Licht- und Schatteneffekte erweitern die Atmosphäre enorm. Daran ist aber auch die stets passende Musik im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 nicht gerade unschuldig. Der Soundtrack trifft sowohl in den actionreichen und bedrohlichen als auch in den eher ruhigen Szenen stets den richtigen Ton. Beispielsweise werden Szenen, in denen Dramatik vorherrscht, mit Klavierklängen unterlegt. Wenn Suguro Ryūji Rin bei der Flucht aus dem Gefängnis zur Rede stellt, warum er die Last alleine trägt und seine Freunde nicht einweiht, kann das durchaus den einen oder anderen Zuschauer zu Tränen rühren. Das funktioniert sowohl in der deutschen als auch in der japanischen Synchronfassung sehr gut, sodass es zu keiner Zeit in jeder der jeweils circa 24-minütigen Episoden langweilig wird. Wer auf Bonusmaterial hofft, wird beim Finale jedoch enttäuscht, da es dieses nicht gibt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Zwei Monate nach der ersten Volume von Blue Exorcist: Kyōto Saga hat Kazé Anime die zweite Staffelhälfte nachgereicht, die die Story nahtlos fortführt. Mittlerweile ist der Kampf gegen den unreinen König, der tunlichst vermieden werden sollte, zur bitteren Realität geworden. Die Rahmenhandlung ist spannend inszeniert und gut mit vielen kleinen Nebengeschichten verknüpft, was vor allem an den interessanten Charakteren liegt, die in der Stunde der Not ein weiteres Mal zusammenarbeiten müssen. So behandelt die zweite Staffel nicht nur Themen wie Mut und Tapferkeit, auch Freundschaft ist einer der wichtigsten Aspekte, die die Serie beleuchtet. Auf technischer Seite entspricht auch die zweite Volume dem, was die erste Ausgabe vorlegte. Wer diese gesehen hat, kommt um die zweite Staffelhälfte nicht herum, um den gelungenen Abschluss der Story zu erleben!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Blue Exorcist: Kyōto Saga (Vol. 2)!

Prime Time: Black Butler II (Vol 1+2, Unboxing)

Vor ein paar Wochen haben wir euch die Anime-Serie Black Butler II im Rahmen von zwei Rezensionen ausgiebig vorgestellt. Heute folgt, wie damals zu ersten Staffel, unser Unboxing-Video. In diesem stellt euch Eric die optische und haptische Beschaffenheit der beiden Volumes vor und verrät euch außerdem seine persönliche Meinung zur zweiten Season. Wir wünschen euch viel Vergnügen!

Review: Attack on Titan – Teil 1: Feuerroter Pfeil und Bogen

Im Jahr 2013 wurde die Anime-Serie Attack on Titan, basierend auf dem Manga von Isayama Hajime, zum ersten Mal im japanischen Fernsehen ausgestrahlt. Nur ein Jahr später wurde die erste Hälfte der ersten Staffel in Kinofilmform in den Lichtspielhäusern Japans gezeigt.

Seit mehr als einhundert Jahren verschanzt sich die Menschheit hinter drei je fünfzig Meter hohen Mauern, um vor den titelgebenden Titanen der Außenwelt in Sicherheit zu sein. Zwar rückt die Garnison immer mal wieder aus, um die äußeren Gebiete zu untersuchen und die Titanen zu bekämpfen, doch scheint die Population ihrer riesigen Gegenspieler keinesfalls zu schrumpfen. Oftmals enttäuscht und in ihrer Truppenstärke dezimiert, kehren die sehr mutigen Soldaten nach Hause zurück. Gleich zu Beginn der Serie beziehungsweise des ersten Films wird somit eine düstere Welt gezeichnet, aus der es offenbar langfristig kein Entkommen gibt. Im Mittelpunkt der Story steht der Protagonist Eren Jäger, der bei einem großflächigen Angriff der Titanen seine Mutter verliert. Gebeutelt durch diese schreckliche Erfahrung, beschließt er fünf Jahre später dem Militär beizutreten, um die Stadt vor den Titanen zu beschützen. Schon kurz darauf kommt es zum nächsten Titanenangriff, an dem nicht nur Eren, sondern auch seine Jugendfreunde Mikasa Ackermann und Armin Arlert teilnehmen. Augenscheinlich wird bei dieser Schlacht Eren getötet, in Wahrheit überlebt er den Kampf jedoch und kehrt in veränderter Form zurück. Aus Spoiler-Gründen wollen wir hier nicht zu sehr ins Detail gehen, da die Geschichte grundsätzlich ganz schön spannend, interessant und wendungsreich ist.

Hinderliche Reduzierung aufs Allernötigste

Leider gelingt es dem Film nicht, diese erwachsene Erzählung dem Zuschauer in tatsächlich würdiger Art und Weise näherzubringen. Wer die Anime-Serie, die Manga-Reihe oder diverse Spiele des Attack-on-Titan-Franchises bisher noch nicht gesehen, gelesen oder gespielt hat, wird sich mit dem ersten Film, der mit dem Untertitel Feuerroter Pfeil und Bogen ausgestattet wurde, nur sehr schwer anfreunden können. Das liegt daran, dass die Handlung innerhalb des exakt 119-minütigen Films auf das Allernötigste reduziert wurde. Selbst Nichtkennern der grandiosen Vorlagen sollte bewusst werden, dass auf diesem Weg bei Weitem nicht alle Handlungsstränge Beachtung finden und auch nicht jeder Charakter ausgiebig vorgestellt werden kann. Vor allem Nebencharaktere, die mitunter starke Persönlichkeiten sind, bleiben im Film eher blasse Statisten, die zu plötzlich auftreten und zu schnell verschwinden. Somit ist die Essenz von Feuerroter Pfeil und Bogen kaum greifbar. Optisch funktioniert der Film, wie schon die Anime-Serie, im bildschirmfüllenden 16:9-Format bei der Auflösung von 1080p mit Hintergründen, Animationen und Charaktermodellen hingegen hervorragend, da die meisten Elemente und Szenen eins zu eins übernommen wurden. Akustisch wurden die häufig neu zusammengeschnittenen Szenen mit packender Musik unterlegt, sodass es auch hier stets atmosphärisch bleibt. Auch die deutschen und japanischen Synchronsprecher punkten.

Kurz gefasster Film für hartgesottene Fans

Wer auf ausgiebiges Bonusmaterial hofft, das durchaus Platz auf dem Datenträger gehabt hätte, wird leider enttäuscht. Kazé Anime versäumt es, Interviews mit Mitarbeitern des Wit Studios, ein Making-of und Co auf die Datenträger zu packen. Gerne hätten wir erfahren, warum sich die Mitarbeiter für bestimmte Darstellungsweisen entschieden oder warum sie gerade die eine oder andere Szene, die Fans der Anime-Serie im Gedächtnis geblieben sind, aus dem Film gestrichen haben. In der uns zur Verfügung stehenden Verkaufsfassung lag nur ein Poster, das dem Filmcover entspricht, bei. Käufer der Limited Edition kommen zusätzlich in den Genuss eines 56-seitigen Booklets. Da uns das Heftchen nicht zum Testen vorlag, ist es uns nicht möglich, euch hierzu unseren Eindruck zu vermitteln. Die Booklets der einzelnen Volumes der Anime-Serie waren jedoch stets knapp bemessen, weshalb 56 Seiten durchaus vielversprechend sind und das Büchlein so möglicherweise Informationen bietet, die die Lücken in der im Film viel zu kurz gefassten Erzählung schließen. Unterm Strich eignet sich Attack on Titan – Teil 1: Feuerroter Pfeil und Bogen nur für die härtesten Fans, die die Story in- und auswendig kennen und vor dem Ansehen der zweiten Staffel noch einmal alle wichtigen Fakten aufs Nötigste runtergebrochen rekapitulieren wollen. Wer noch nie Attack on Titan gesehen hat, sollte lieber zur fantastischen und auf vier Volumes aufgeteilten Anime-Serie greifen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Attack on Titan funktioniert als Anime-Serie wirklich hervorragend, denn die Geschichte kann dort in angenehmer und in angemessener Weise erzählt werden. Das Reduzieren auf das Allernötigste ist in Filmform nicht immer möglich – und Attack on Titan – Teil 1: Feuerroter Pfeil und Bogen ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Natürlich ist die Rahmenhandlung von vorne bis hinten nachvollziehbar, aber es fehlt häufig an hilfreichen Details zum Verständnis. Auch Nebenhandlungsstränge und -figuren kommen zu wenig zur Geltung und fühlen sich, sofern sie greifbar sind, nur wie unnötiger Ballast an. Eine etwas längere Laufzeit hätte Wunder bewirkt und grobe Schnitzer korrigiert. Nichtkennern des Franchises ist der Film somit keinesfalls zu empfehlen. Diese sollten lieber mit der ersten Staffel beginnen, die sich in 25 Episoden genug Zeit lässt, um Attack on Titan zu dem Genuss zu machen, der es eigentlich ist. Wer jedoch sehnsüchtig auf die zweite Staffel wartet und die Ereignisse in komprimierter Form noch einmal erleben will, kann sicherlich auch mit Feuerroter Pfeil und Bogen einen angenehmen Filmabend erleben.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan: Teil 1 – Feuerroter Pfeil und Bogen!

Review: Moonlighter

Bereits im Mai 2018 konnte das spanische Entwicklerstudio Digital Sun unter der Flagge des polnischen Publishers 11 Bit Studios das Action-Adventure Moonlighter veröffentlichen. Mit mehr als einem halben Jahr Verspätung reichten die Entwickler die Switch-Fassung nach.

In Moonlighter schlüpfen wir in die Rolle des angehenden Händlers Will, der im verschlafenen Nest Rynoka seinem Tagewerk nachgeht. Seine Karriere steckt zu Beginn des Spiels noch in den Kinderschuhen, weshalb es unsere Aufgabe ist, den jungen Kaufmann zu unterstützen. Da passt es umso besser, dass in der Nähe von Rynoka mysteriöse Tore aufgetaucht sind, die an noch geheimnisvollere Orte locken. Hierbei handelt es sich um so genannte Dungeons, die weitgehend nach dem Zufallprinzip aufgebaut sind. Kaum haben wir einen Dungeon betreten, der zum Beispiel einem Kerker oder einem Sumpf nachempfunden ist, müssen wir uns durch das Gebiet schlagen und dabei gegen zahlreiche Gegner kämpfen. Besiegte Monster hinterlassen zwar keine Goldmünzen oder Erfahrungspunkte, dafür aber eine ganze Menge verschiedener Gegenstände. Diese landen in unserem arg begrenzten Inventar und können nach Verlassen des Dungeons in unserem Laden den Kunden feilgeboten werden. Neben den Dungeons ist der Laden der zweite wichtige Aspekt des Spiels, denn sobald wir diesen am Morgen eines Tages für die liebe Kundschaft öffnen, strömen mal mehr und mal weniger interessierte Käufer hinein. Mit dem eingenommenen Geld und gesammelten Materialien können wir bessere Ausrüstung beim Schmied kaufen – und uns so abermals den Gefahren der Dungeons stellen.

Erkundungsdrang und Geldgier

An dieser Stelle schließt sich der Kreislauf von Moonlighter zwar, doch gibt es noch weitere Inhalte, die im Spiel stecken. Einerseits müssen der Schmied und weitere Dorfbewohner erst einmal gegen bestimmte Beträge nach Rynoka gelockt werden und andererseits können wir auch unseren Laden mit der Zeit immer weiter ausbauen, um noch mehr Waren gleichzeitig zu verkaufen und mehr Kundschaft zu bedienen. Dass ein florierendes Geschäft auch unliebsame Gäste wie Ladendiebe anlockt, ist der negative Nebeneffekt der Expansion. Es zeigt aber nur, wie viele kleine Details in Moonlighter stecken. Beispielsweise kann auch das Mobiliar leicht überarbeitet werden, sodass zufriedene Kunden auch gerne mal ein Trinkgeld bezahlen, wodurch unser Betrieb noch weiter wachsen kann. Da wir uns aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen dürfen, müssen wir uns auch schon mal nachts in die Dungeons wagen, um gegen stärkere Monster zu kämpfen und bessere Materialien aufzusammeln. Überheblichen Händlern beziehungsweise Abenteurern wird allerdings schnell die Quittung präsentiert: Sollte Will im Kampf das Zeitliche segnen, können wir den Dungeon in einer neu zusammengestellten Raumaufteilung zwar von vorne beginnen oder gar direkt nach Rynoka zurückkehren, doch bis auf eine Handvoll Materialien sind sämtliche Items unwiderruflich verloren.

Aufstieg und Fall eines Händlers

Wer in Moonlighter zu gierig ist, zumal in den tieferen Ebenen der Dungeons stärkere Feinde und somit bessere Items warten, wird unverzüglich dafür bestraft. Zum Glück kann sich Will jederzeit zurück nach Rynoka teleportieren, sofern er drei Sekunden lang nicht attackiert wird. Damit vermittelt Moonlighter weitgehend ein faires Spielgefühl. Nur in seltenen Momenten, wenn Will beispielsweise von einem halben Dutzend kleinerer Gegner umzingelt, von einem Feind an Ort und Stelle festgehalten und noch von zwei Schützen aus der Ferne aufs Korn genommen wird, könnten wir dem Spiel den fehlenden Sportsgeist vorwerfen, zumal es in den ersten Spielstunden gefühlt ewig dauert, bis die erste halbwegs taugliche Rüstung zusammengebastelt ist. Dennoch erzeugt das Spiel ähnlich wie The Binding of Isaac: Rebirth schnell eine Suchtspirale, in der wir uns gerne verlieren. Das liegt vor allem auch an dem interessanten Konzept, den Materialien und an der selbstbestimmten Preisfestlegung der handwerklich zusammengestellten Waren bei den Nicht-Spieler-Charakteren. Stets müssen wir darauf achten, welche Reaktion wir mit einem Preis bei den Käufern erzielen. Bei zu günstigen Angeboten glitzern die Augen der frohen Interessenten, horrende Preise vergraulen hingegen die Kundschaft. Der Preis kann glücklicherweise jederzeit, auch während der Öffnungszeiten, angepasst werden.

Schöne Kulisse trotz Abwechslungsarmut

Trotz des teilweise immensen Spielspaßes, den Moonlighter beschert, kann der auf Dauer zu repetitive Spielverlauf nicht kaschiert werden. Es gibt eine viel zu geringe Varietät der einzelnen Räume in den Dungeons, sodass trotz unterschiedlichen Aufbaus sich bestimmte Merkmale einfach zu schnell wiederholen. Das liegt natürlich auch daran, dass alleine schon die ersten beiden Ebenen des ersten Dungeons in den frühen Spielstunden dutzende Male in Angriff genommen werden müssen, damit sich außerhalb des mit Monstern verseuchten Gebiets Progression einstellt. Hier hätten wir uns deutlich mehr Abwechslung gewünscht, damit der Ausflug in die zufallsgenerierten Gebiete spannender wäre. Immerhin kann der Grafikstil, der an Game-Boy-Advance-Spiele wie The Legend of Zelda: The Minish Cap oder Golden Sun erinnert, durchaus zufriedenstellen und zumindest zu einem Teil die wenig verspielten Level-Strukturen vergessen lassen. Für einen Indipendent-Titel durchaus überraschend ist außerdem die Musik aus den Federn von David Fenn und Pablo Caballero. Sowohl dunkle Katakomben als auch warme Gebiete werden mit den richtigen Tönen sehr stimmungsvoll untermalt. Wer sich davon selbst überzeugen will, kann dem Soundtrack auf dem Youtube-Kanal von Fenn lauschen. Unterm Strich ist Moonlighter ein schickes Spiel geworden, dem höchstens ein wenig mehr Abwechslung gut getan hätte, sonst aber durchweg stundenlang überzeugen kann.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Moonlighter lässt mich in die Rolle eines Händlers und Abenteurers schlüpfen. Das ist im Videospielsektor zwar bereits das eine oder andere Mal vorgekommen, doch kein Spiel hat mich bisher in genau dieser Disziplin so stark in seinen Bann gezogen, wie es Moonlighter schafft. Trotz der repetitiven Aufgaben und dem oftmals sehr ähnlichen Level-Aufbau macht es mir dennoch Spaß, mich immer und immer wieder aufs Neue in die mit stimmungsvoller Musik unterlegten Dungeons zu stürzen, ständig neue Materialien zu sammeln, mir eine bessere Ausrüstung zusammenzustellen und schließlich meinen Laden auszubauen. Einzig und allein das viel zu stark limitierte Inventar und der anfangs kaum spürbare Fortschritt stoßen mir bei Moonlighter dann doch sauer auf. Wer mit den negativen Aspekten des Spiels jedoch leben kann, wird so schnell keinen vergleichbaren Titel im Download-Angebot der Switch und darüber hinaus entdecken können.

Review: Parasyte: The Maxim (Vol. 3)

Während die erste Volume der Anime-Serie Parasyte: The Maxim die Grundlagen der Story festigte, baute die zweite Ausgabe auf dieser Basis auf und setzte sich vor allem mit der Persönlichkeit des Protagonisten auseinander. Daran knüpft die dritte Volume nahtlos an.

Im zweiten Episodenpaket musste Protagonist Izumi Shin’ichi mehrere Rückschläge hinnehmen, was nicht nur auf die Ankunft der Außerirdischen, sondern auch auf das Zusammenleben zwischen Symbiont und Wirt zurückzuführen ist. Noch immer ist die außerirdische Lebensform Migī in seinem Körper gefangen: Diese Symbiose führt schrittweise zu einer Veränderung seiner Persönlichkeit. Shin’ichi ist kühl, er fasst auf einmal Entscheidungen, die seine Gefühlswelt kaum bis gar nicht beeinflussen. Auch seine Freundin Murano Satomi merkt, wie sich Shin’ichi verändert und distanziert sich deshalb immer mehr von ihm. Sie stellt ihn zur Rede, will mehr über sein Geheimnis erfahren, aber Shin’ichi weigert sich ihr Details über sein Verhalten zu verraten. Noch dazu muss er sich mit dem Verlust zweier Menschen auseinandersetzen, die ihm wichtig waren. Während Shin’ichi das Ableben seiner Mutter, die von einem Parasiten vollkommen übernommen und dann vor seinen Augen getötet wurde, in den letzten Episoden bereits verarbeiten konnte, macht ihm jetzt der Tod seiner Freundin und Mitschülerin Kimishima Kana zu schaffen. Kana wurde am Ende der zweiten Volume von einem Parasiten getötet, was Shin’ichi eigentlich erzürnen sollte. Stattdessen fragt er sich, warum er kein Mitgefühl für den tragischen Tod seiner Freundin empfinden kann. Diese Ausgangslage stellt die funktionierende Exposition des nächsten Handlungsstrangs dar.

Den Parasiten auf der Spur

Beim Aufsuchen und Untersuchen des Tatorts, an dem Kana getötet wurde, wird Shin’ichi von einem Privatdetektiv beobachtet. Kuramori Shirō, so der Name des Privatdetektivs, bemerkt die rechte Hand von Shin’ichi, während Migī mit seinem Wirt interagiert. Noch dazu filmt Herr Kuramori Shin’ichi und Migī bei der Kommunikation mit seiner Digitalkamera. Während Migī nicht lange zögert und den Angriff auf Kuramori sofort beginnt, hält sich Shin’ichi zurück und will nicht, dass ein Unschuldiger in den Konflikt hineingezogen wird. Kuramori gelingt zwar die Flucht, doch hört er nicht damit auf, Shin’ichi und Migī zu observieren. Seine gesammelten Informationen übermittelt er seiner Auftraggeberin Tamura Reiko. Bei dieser handelt es sich allerdings um niemand geringeres als Shin’ichis frühere Oberschullehrerin Tamiya Ryōko, in der sich ebenfalls noch ein Parasit befindet. Mittlerweile ist sie umso mehr daran interessiert, mehr über das menschliche Leben herauszufinden. Einerseits versucht sie durch den Einsatz des Privatdetektiven mehr über das kuriose Bündnis zwischen Shin’ichi und Migī in Erfahrung zu bringen. Andererseits ist mittlerweile ihr – wohlgemerkt menschliches – Kind geboren, an dem sie Experimente durchführen möchte, sobald es ein wenig älter geworden ist. Um Reiko aufzuhalten, sammeln und kombinieren Shin’ichi und Kuramori nach ein paar Anfangsschwierigkeiten schließlich ihre Kräfte.

Gestaltungsweise der Parasiten

Ein weiterer interessanter Aspekt in der dritten Volume von Parasyte: The Maxim ist vor allem die Darstellung der Parasiten. Über diese erfährt der Zuschauer in einigen Dialogen zwischen den Bösewichten zahlreiche Informationen, die die außerirdische Lebensform teilweise in ein völlig neues Licht rücken und sie in einem gewissen Maße sogar vermenschlichen. Es bleibt jedoch bei finsteren Gestalten, die noch düsterere Gedanken haben und über Leichen gehen: Diese kühle Atmosphäre wird – wie schon in den beiden vorherigen Ausgaben – mithilfe eines sehr tristen Bildes ausgedrückt, das auf sehr blasse Farben setzt und mit trübem und hin und wieder gar mit diffusem Licht ausstaffiert wird. Sämtliche Szenen überzeugen bildtechnisch, auch mit vielen gelungenen Kameraeinstellungen, im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p. Hinzu kommt ein stimmungsvoller Soundtrack, der viele Szene im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 atmosphärisch unterlegt. Insbesondere der Einsatz der wohl berühmtesten Nocturne von Frédéric François Chopin inszeniert das Grauen in einer Szene auf makabere Art und Weise – und bleibt genau deswegen in Erinnerung. Digitales Bonusmaterial liegt auf dem dritten Datenträger nicht vor, stattdessen möchte Kazé Anime mit einem beiliegenden Stickerbogen entschädigen. Ein schwacher Ausgleich, der für Fans ein nur kleiner Bonus ist.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Es gibt nur wenige Anime-Serien, die mit ihrer Handlung von vorne bis hinten begeistern können. Parasyte: The Maxim gelingt dies bisher mit einem sehr angenehmen Erzähltempo, das sich die Zeit nimmt, um die Figuren ausreichend vorzustellen und zugleich die Geschichte stets voranzutreiben. Nachdem die ersten Episoden die wichtigen Grundlagen legten konnten, baute die zweite Volume auf dieses Konstrukt auf und bereicherte es mit neuen Informationen. Nichts anderes macht die dritte Ausgabe der Serie, in der sowohl die Parasiten als auch die Gefühlswelt des Protagonisten noch viel tiefgründiger dargestellt werden. Technisch überzeugt auch die dritte Volume mit einem kühlen Bild, einem tollen Soundtrack und gelungenen Synchronsprechern. Zwar endet die letzte Episode dieser Volume mit einem gemeinen Cliffhanger, aber wenn Parasyte: The Maxim die Qualität der bisherigen fantastischen Entwicklung beibehält, kann das Finale nur noch großartig werden.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Parasyte: The Maxim (Vol. 3)!

Review: Kingdom: Two Crowns

Ein ganzes Königreich erschaffen ist wohl der Traum eines jeden Hobby-Strategen. Schon in Little King’s Story oder Final Fantasy: Crystal Chronicles – My Life as a King konnte dieser Wunsch in Erfüllung gehen. Kingdom: Two Crowns schließt sich diesem illustren Gespann an.

Aufbau- und Strategiespielfans ist die Kingdom-Reihe bereits seit dem Jahr 2015 bekannt und am allgemeinen Spielprinzip hat sich auch im mittlerweile dritten Serienteil grundsätzlich nichts verändert. Aus der zweidimensionalen Seitenansicht ist es nach wie vor unsere Aufgabe, in der Rolle eines frisch gebackenen und somit natürlich auch noch unerfahrenen Herrschers aus dem Nichts ein Königreich zu erschaffen. Zunächst wird an der zentralen Stelle des jeweiligen Spielabschnitts ein Lager errichtet, das als Ausgangspunkt für jeden Erkundungsausflug herhält. Anschließend werden umherstreunende Einheimische ins Reich eingebürgert, indem wir ihnen einfach eine Goldmünze als Anreiz vor die Füße werfen. Als nächstes folgt das Herstellen von Hämmern und Bögen, damit unsere neuen Bürger auch Palisaden errichten und Wild erlegen können. Auch das Abholzen von Bäumen oder das Errichten von kleinen Gehöften gehört zu den Aufgaben des Volks. Zwar kosten so gut wie alle Aktionen Goldmünzen, doch die häufen sich mit der Zeit wieder an, damit – zumindest theoretisch – immer und immer mehr Ausgaben getätigt werden können. Wirklich voll wird unser Geldbeutel aber nie, da in der Nacht von Gier getriebene Halunken die Festung angreifen und wir mit Kleingeld Schäden an den Barrikaden reparieren oder gestohlene Werkzeuge ersetzen müssen. Was zunächst einfach klingt, entpuppt sich mit ansteigender Spielzeit als fummelige Kleinstarbeit.

Vermeidbare Schwachstellen

Wer übrigens darauf gehofft hat, dass es dieses Mal eine Story in das Spiel geschafft hat, wird wohl bitter enttäuscht sein. Entwicklerstudio Licorice hat zwar Anleihen einer Handlung an den Beginn der Kampagne, die uns über rein optisch unterschiedliche Inseln führt, gesetzt, doch ist davon im restlichen Spielverlauf kaum mehr etwas zu spüren. Nach wie vor vertrauen die Entwickler darauf, auf Erklärungen oder Hintergründe jedweder Art zu verzichten. Obwohl diese Designentscheidung bei der Geschichte nicht so schlimm ist, da sich das Spiel eindeutig aufs Gameplay konzentriert, fällt es beim Erkunden der Inselkette aber umso mehr auf. Anfangs erklärt uns ein Geist noch die ersten Schritte, die wir intuitiv mit Analog-Stick und A-Knopf nachäffen. Nach wenigen Minuten verschwindet dieser jedoch und lässt uns ganz alleine in Kingdom: Two Crowns zurück. Das heißt, dass wir so gut wie alle Kniffe und Mechaniken alleine herausfinden müssen. Selbstverständlich kann das dem einen oder anderen Spielertyp durchaus Spaß machen; der vollständige Verzicht auf eine elektronische Bedienungsanleitung, die wenigstens optional zurate gezogen werden könnte, ist unserer Meinung nach aber äußerst unklug. Ungeduldige Spieler verlieren so zu schnell das Interesse am eigentlich recht interessanten Spielprinzip, zumal nicht einmal verraten wird, welches Ziel in den Levels verfolgt wird. Diese Einarbeitungszeit wäre von Vornherein vermeidbar gewesen.

Auf zwei Spieler ausgerichtetes Vergnügen

Obwohl noch viele Spielmechaniken wie in den vorherigen Serienablegern funktionieren, hat Licorice die dritte Episode um einen lokalen Zwei-Spieler-Modus erweitert, womit auch der Titel von Kingdom: Two Crowns erklärt wäre. In diesem Modus können wir zusammen mit einem Mitspieler per Splitscreen unabhängig voneinander durch die Spielwelt reiten und unseren Untertanen Befehle erteilen, Geld einsammeln und das Königreich vergrößern. Unterm Strich funktioniert die kooperative Spielweise wesentlich besser als der Alleingang, da die Levels aufgrund der zweidimensionalen Struktur und der viel zu schnell erschöpften Reittiere zu groß ausfallen, um vernünftig Schutzwälle zu errichten und neue Bewohner zu rekrutieren. Schon im zweiten Spielabschnitt haben wir heftige Probleme, die anwachsende Zahl an Angreifern an beiden Seiten abzuwehren. Zusätzliche Befehle, die aus der Ferne und nicht nur an Ort und Stelle ausgeführt werden können, hätten hier wahre Wunder bewirkt. Wer das Spiel mit einem Freund spielt, freut sich dafür gleich doppelt, den hübschen Retro-Grafikstil inklusive netter Effekte und liebevoller Animationen zu bewundern. Auch die gelegentlich einsetzenden  Musikstücke sorgen in manchen Momenten für Stimmung, kommen aber zu wenig zum Einsatz. Unterm Strich bleibt ein Strategiespiel, das als Einzelgänger häufig demotiviert, im Mehrspielermodus aber immerhin noch als Zeitvertreib für regnerische Nachmittage taugt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Kingdom: Two Crowns möchte mit dem eingängigen Spielprinzip und der für das Genre ungewöhnlichen Kameraperspektive Fans von Aufbau- und Strategiespielen überzeugen. Dieses Kunststück gelingt dem dritten Serienteil der Kingdom-Reihe wieder einmal nur halbwegs. Nach wie vor verzichten die Entwickler auf eine vernünftige Einführung oder gar nachlesbare Erklärungen. Möglichst alles soll vom Spieler selbst herausgefunden werden, was zu Beginn zu einer viel zu langen und vor allem vermeidbaren Einarbeitungszeit geführt hat. Auch Stunden nach dem ersten Spatenstich der umherwuselnden Bürger wird keinesfalls verraten, warum beispielsweise Nicht-Spieler-Charaktere aus einer Steinhütte gegen einen Obolus in Form eines Diamanten eingesammelt werden wollen. Das nervt, demotiviert und hätte einfach verständlicher umgesetzt werden müssen. Immerhin teilt das Spiel das Leid im Zwei-Spieler-Modus, sodass auch viel zu lange Reitwege im Königreich entfallen und zu zweit gerätselt werden darf, weshalb die Entwickler auf die eine oder andere Art und Weise mit dem Gamedesign umgegangen sind.

 

Wir wünschen euch einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr!

Hochgeschätzte Gameplay-Gamers-Leser,

am heutigen Abend beenden wir nicht nur ein weiteres und ereignisreiches Jahr voller interessanter Spiele, sondern auch ein Jahr voller Anime, Manga und Filme aus Fernost, die wir mit dem Jahr 2018 für alle Zeit in Verbindung bringen werden. Im zweitätigen Rhythmus, der hier und da von einem Unboxing-Video jäh unterbrochen wurde, haben wir euch in diesem Jahr viele nennenswerte Titel und auch den einen oder anderen Klassiker vorgestellt. News findet ihr, wie in den vergangenen Jahren, nicht mehr auf unserer Seite. Sie machen Platz für viele interessante Reviews, Previews und auch das eine oder andere Special. Daran halten wir auch im kommenden Jahr 2019 fest!

In diesem Jahr etablierte Nintendo mit der Nintendo Switch die 2017 gestartete Konsole mit glänzenden Verkaufszahlen im Konzert der Konsolenhersteller. Das Konzept, ein und dasselbe Spiel entweder zuhause auf dem heimischen Fernseher oder unterwegs im Handheld-Modus zu spielen, stößt bei Nintendo-Fans offenbar auf Gegenliebe. Sony und Microsoft hielten sich in diesem Jahr mit neuer Hardware bedeckt und so langsam ist zu spüren, dass beide Hersteller fleißig an den nächsten Ausgaben ihrer Konsolen für die nächste Generation werkeln. Dennoch sind auch hier tolle Spiele wie Forza Horizon 4, God of War, Marvel’s Spider-Man oder Red Dead Redemption 2 veröffentlicht worden, die nicht nur optisch für offene Münder gesorgt haben. Ob wir in diesem Jahr aber schon die Nachfolgekonsolen von Microsoft und Sony zu Gesicht bekommen, steht wie so oft in den Sternen. Es bleibt spannend!

2018 wurde jedoch nicht nur durch die Populärkultur geprägt. Populismus ist aus unserer Gesellschaft und der Politik nicht mehr wegzudenken, Kriege und Terroranschläge auf der Welt bereiten uns Tag für Tag sorgen. Trotzdem hat sich jeder von uns auch positive Erlebnisse in diesem Jahr gemacht und gerade die kleinen Dinge sind es, die das Leben bereichern. Die Welt verändert sich und wir als Teil davon sollten Positives beitragen. Mit diesen Worten beenden wir auch dieses Jahr. Einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr wünscht euch

Eric Ebelt

 

Review: Viviette

Survival-Horror-Spiele im klassischen 16- oder 32-Bit-Look aus der Vogelperspektive erfreuen sich seit ein paar Jahren großer Beliebtheit. Nach 2Dark aus dem Jahr 2017 möchte auch das Ende 2018 von Entwicklerstudio DYA Games veröffentlichte Viviette an diesem Trend anknüpfen, legt sich mit undurchsichtigen Rätseln und sehr hartnäckigen Bugs allerdings unnötig Steine in den Weg.

Viviette erzählt in Form einer Rückblende die Geschichte einer Freundesgruppe, die auf einer Insel ein mysteriöses Anwesen untersuchen will. Was sie in dem alten Gemäuer eigentlich zu suchen haben, lässt die Erzählung – zumindest anfänglich – offen. Nachdem Hauptfigur Jules eine Begegnung mit einem Geist nur knapp überlebt und seine Gefährten spurlos verschwinden, macht er sich daran, die alte Villa auf eigene Faust zu erkunden. Ausgestattet mit einer alchemistischen Lampe durchstreift er die Räumlichkeiten und Gänge des Herrenhauses, um die Inneneinrichtung genauestens zu untersuchen. Überall liegen Notizen herum, die ansatzweise versuchen, die Hintergrundgeschichte über die eigentlichen Bewohner des Hauses zu erzählen. Nach etwa einem Drittel des Spiels macht Jules des Weiteren die Bekanntschaft mit der titelgebenden Viviette. Um wen es sich dabei genau handelt, soll aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle nicht verraten werden. Sicher ist nur, dass Jules die Konfrontation mit Viviette unbedingt meiden sollte, da sie ihn ansonsten mit einem Messer absticht. Auch an weiteren Stellen des Spiels kann Jules den Tod finden, beispielsweise wenn er in die Tiefe oder einen Abgrund gerissen wird. Das klingt im ersten Moment wie eine Mischung aus Alone in the Dark von 1992 und Clock Tower von 1995, spielt sich jedoch wesentlich fortschrittlicher.

Altmodische Rätselkost mit Konsequenzen

Am meisten orientiert sich Viviette jedoch an Resident Evil von 1996, denn überall in der überschaubaren Spielwelt gibt es Hindernisse, die nur durch das Lösen von Rätseln überwunden werden können. Unter anderem müssen Schalter betätigt werden, um Durchgänge freizulegen oder neue Items zu offenbaren. Auch wollen verschiedene Flüssigkeiten in einem Eimer von einem Ort zum anderen transportiert, im wahrsten Sinne des Wortes an einer Uhr gedreht oder Glöckchen aktiviert werden. Nach und nach öffnet sich die Spielwelt und wird so immer größer und verschachtelter. Ist beispielsweise eine bestimmte Türenart verschlossen, so benötigt Jules zum Öffnen einen speziellen Schlüssel, den er für das Lösen eines Rätsels erhält. Es macht tatsächlich viel Spaß, jeden versteckten und auch noch so kleinen Hinweis aufzunehmen und das Herrenhaus zu erkunden. Blöderweise ist die Rätselqualität schwankend, denn während manche Puzzles auf übernatürliche Phänomene zurückzuführen sind, sind andere Knobelaufgaben wie schon in Resident Evil einfach nur künstlich gestaltet. Das heißt, dass einige Rätsel nicht durchschaubar sind und da es keinerlei Hilfestellungen gibt, kann das sehr oft dazu führen, wiederholte Male durch das Haus und über das Anwesen zu schlendern, per Zufall den nächsten Zielort zu finden oder sogar einfach mit purem Glück ein Puzzle zu lösen.

Durchwachsene Qualitätskontrolle

Beim Lösen der Rätsel fällt auf, dass die Entwickler die Qualitätskontrolle am Ende ein wenig haben schleifen lassen. An einer Stelle in der Mitte des Spiels muss zum Beispiel eine Schalterreihenfolge korrekt wiedergegeben werden, damit ein Geheimfach geöffnet wird. Hier kann es sein, dass sich das Fach auch nach wiederholten Versuchen nicht öffnen will, obwohl das Spiel jedes Mal darauf hinweist, dass es nun geöffnet wurde. Das Laden eines etwas älteren Spielstands behebt den Bug zwar, unschön ist dies aber dennoch. Ebenso ärgerlich ist das Rätsel, bei dem drei Raben drei verschiedene Stellen auf dem Friedhof einnehmen müssen, indem sie von einem Grabstein zum nächsten gescheucht werden. Da die Raben nach keinem festen Bewegungsmuster umherflattern und sogar überlappend auf denselben Grabsteinen landen können, werden hier starke Nerven gefordert. Obwohl vielleicht nur ein Rabe seine Position wechseln soll, fliegen beim Belagern eines gemeinsamen Grabsteines meist beide Vögel weg, was die ganze Angelegenheit zu einem zeitaufwendigen Erlebnis macht. Noch ärgerlicher ist hierbei, dass das Puzzle am gleichen Problem wie das bereits genannte Schalterrätsel scheitert, das Lösen des Rätsels nicht akzeptiert und das Weiterspielen vollständig verhindert. Das Laden eines Spielstandes hat das Problem in diesem Falle ebenso nicht gelöst.

Klassisches Korsett

Obwohl an diesen äußerst ärgerlichen Spielfehlern mehr als deutlich wird, dass dem Abenteuer kurzerhand ein Riegel vorgeschoben und das Durchspielen verunmöglicht werden kann, ist Viviette selbstverständlich kein Totalausfall. Sobald sich ein Spielfluss eingestellt hat, ist es extrem motivierend, bei einer von 16-Bit-Spielen beeinflussten Grafik und einem sehr, sehr stimmungsvollen Soundtrack durch das verfluchte Anwesen zu schlendern. Die Animationen sind trotz der düsteren Atmosphäre durchaus putzig gestaltet und passen hervorragend zum restlichen optischen Konstrukt. Auch die sparsam dosierten Soundeffekte sorgen dafür, dass Viviette in seinen Bann zieht, denn wenn ein Spiegel zerbricht, der Wind durchs Haus pfeift und Viviette persönlich durch die Gänge stapft und dabei eklig stöhnt, kann das durchaus das Blut gefrieren lassen. In puncto Steuerung ist neben der Tastatursteuerung unbedingt ein klassischer Controller wie das Buffalo Classic USB Gamepad oder vergleichbare Steuerungseinheiten mit einem Steuerkreuz und mindestens fünf Tasten zu empfehlen, um den Retro-Ansatz des Spiels zu bestärken. Der Xbox-360-Controller reagiert auch nach mehrfachem Neuverbinden überempfindlich und schickt die Spielfigur in der PC-Fassung weiter in eine Richtung, obwohl kein Knopf gedrückt ist. Unterm Strich ist Viviette so ein nettes Survival-Horror-Abenteuer, das vor allem aufgrund nicht ausgemerzter Bugs zu reichlich Frust führen kann.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Bei Survival-Horror-Spielen ist es mehr als nur wichtig, dass sie eine düstere und vor allem in den Bann ziehende Atmosphäre aufbauen. Optisch und akustisch gelingt dies Viviette durchgehend, da viele kleine Details, ein stimmungsvoller Soundtrack und eine sonst sparsam eingesetzte Soundkulisse dafür sorgen, immer tiefer in das Geschehen einzutauchen. Leider hapert es in Viviette aber dennoch an einigen Stellen, wie beispielsweise dem kaum durchschaubaren Rätseldesign. Hin und wieder sind die Lösungen zwar nicht fern, viel Sinn ergeben diese im Kontext aber kaum. Ärgerlicher kann es sein, wenn der nächste Zielort erst einmal gefunden werden muss und sich dieser irgendwo im fast verlassenen Anwesen befindet. Aufgrund fehlender Hilfestellungen ist längeres Umherirren oftmals nicht ausgeschlossen. Der wohl größte Sargnagel für Viviette sind jedoch verschiedene Bugs, denn manche Rätsel sind fehlerhaft programmiert: Sie können sich zwar lösen lassen, aktivieren unter Umständen aber nicht das nächste Ereignis in der Aktionskette. Wer mit diesem hohen Risiko leben kann, kommt in den Genuss eines angenehmen Survival-Horror-Spiels. Alle anderen Interessenten sollten bei Viviette allerdings erst zuschlagen, wenn die Entwickler die negativen Punkte ausgebessert haben.

Vielen Dank für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Viviette!

 

Review: Tōkyō Ghoul: The Movie

Seit 2011 bezaubert das Tōkyō-Ghoul-Franchise sowohl als Manga als auch in Anime-Form weltweit viele Fans. Im Jahr 2017 folgte dann eine Realfilmumsetzung, die auf der Story der Vorlage basiert und sich schnell zu einer der besten Anime- und Manga-Verfilmungen mauserte.

Seit langer Zeit leben in der Welt von Tōkyō Ghoul gefährliche Wesen, die so genannten und titelgebenden Ghule, parallel zu den Menschen. Zwar weiß in Japans Hauptstadt Tōkyō die Bevölkerung von den Ghulen, doch da die sich als menschliche Wesen tarnen, ist es ihnen nicht so einfach möglich, sie zu entlarven. Im Mittelpunkt des gegenwärtigen Szenarios steht Kaneki Ken, der schon etwas länger ein Auge auf die hübsche Kamishiro Rize geworfen hat. Sein guter Freund Nagachika Hideyoshi kann Kens Schüchternheit nicht mehr ertragen und sorgt dafür, dass sich Ken und Rize näherkommen und verabreden. Die beiden Turteltauben verbringen zu zweit einen äußerst schönen Nachmittag in einem Café in Tōkyō und genießen anschließend einen gemeinsamen Spaziergang. Als sich die beiden umarmen und verabschieden wollen, erlebt Ken eine böse Überraschung: Rize beißt ihn in die Schulter und entpuppt sich somit als ein Ghul. Ken versucht aus der Situation zu fliehen, Rize nimmt daraufhin sofort die Verfolgung auf, wodurch es zu einem sehr einseitigen Kampf kommt. Wie durch ein Wunder stürzt im Eifer des Gefechts ein Stahlgerüst über Rize zusammen, wodurch Ken schwer verletzt überleben kann. Einige Zeit später wacht er in einem Krankenhaus wieder auf und erfährt dort, dass Rize gestorben sei, ein Teil ihrer Organe allerdings in seinen Körper transplantiert werden musste, damit er weiterleben kann.

Kampf ums Überleben

Mit diesem erzählerischen Kniff gelingt es Regisseur Hagiwara Kentarō, ähnlich wie Ishida Sui mit der Manga-Vorlage, einen interessanten Charakter zu zeichnen, der sich in einer sehr düsteren Welt zurechtfinden muss. Dadurch, dass in Kens Körper neue Organe schlummern, entwickelt er sich mehr und mehr selbst zum Ghul. Typische Nahrung ist für ihn auf einmal ungenießbar und den immer größer werdenden Hunger kann er nicht stillen, da er dafür auf die Jagd nach Menschen gehen müsste. Nachdem sein neues Leben zu einer Qual geworden ist, lernt er nach einer Weile die zunächst feindselige, später aber freundliche Kirishima Tōka kennen. Diese arbeitet im Café Anteiku, das von Yoshimura geleitet wird. Bei beiden Figuren handelt es sich um Ghule, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, sich um Ghule zu kümmern, die sich nicht in der Welt orientieren können. Mit bestimmten Kaffeesorten können die Ghule hier überleben, ohne dass sie nur einen Menschen töten müssen. In Ruhe und Frieden können die Ghule so aber nicht leben, da die Commission of Counter Ghoul sämtliche Ghul-Aktivitäten überwacht und gnadenlos jeden „Menschenfresser“ töten, der ihnen vor die Augen kommt. Mado Kureo und Kōtarō Amon, zwei Ermittler, sind auf der Suche nach zwei Ghulen, die blöderweise im Café Anteiku Zuflucht suchen, wodurch Ken und Tōka ins Blickfeld von Kureo und Amon geraten und zur Zielscheibe der Ermittler werden.

Eindrucksvolle Realfilmumsetzung

Hauptsächlich basiert der Film auf den Inhalten, die in der ersten Anime-Staffel stattgefunden haben, klammert aber die eine oder andere Figur und kleinere Nebenhandlungsstränge aus, um die Laufzeit von zwei Stunden konsequent für eine stringente und spannende Geschichte zu nutzen. Sowohl die facettenreichen Charaktere als auch das Szenario selbst wurden in der Realfilmumsetzung gut eingefangen, sodass Kenner der Vorlage alle Orte und Figuren sofort wiedererkennen. Selbst einige Kameraeinstellungen wurden aus dem Anime übernommen, beispielsweise wenn Kureo und Amon durch die Gänge der Kommission stapfen. Auch die Spezialeffekte, die hauptsächlich die Fähigkeiten der Ghule ausdrücken, kommen Kennern sofort bekannt vor. Diese wirken im knackscharfen Bild zwar ansehnlich, doch hätten sie für eine Kinoproduktion noch etwas hochwertiger ausfallen dürfen. Unterlegt werden die ganzen Szenen mit eindrucksvoller Musik, die die düstere Stimmung jederzeit aufrechterhält. Obwohl die Schauspieler optisch gut zu ihren Rollen passen, dauert es jedoch eine ganze Weile, bis sich der Zuschauer an sie gewöhnt hat. Die Dramatik ist im japanischen Originalton dennoch jederzeit spürbar. Wer sich für die deutsche Synchronisation entscheidet, wird bekannte Sprecher wie Peter Flechtner und Co positiv aufnehmen. Als Bonus winkt auf der Disc eine heitere und interessante Frage-und-Antwort-Runde mit dem Regisseur, während ein Poster in physischer Form beiliegt, mit dem Fans des Franchises ihr Zimmer leicht verschönern können.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nach dem Anschauen des Films lässt sich sagen, dass sich die lange Wartezeit auf die Realfilmumsetzung von Tōkyō Ghoul sehr gelohnt hat. Regisseur Hagiwara Kentarō hat die Vorlage wirklich gut und zu weiten Teilen auch originalgetreu umgesetzt, was sogar an einzelnen Kameraeinstellungen zu erkennen ist. Zwar haben es nicht alle Elemente in den Film geschafft, die die erste Staffel der Anime-Serie so sehenswert gemacht haben, doch die Reduzierung aufs Nötigste zeigt einmal mehr, wie gut sich die Bestandteile des Animes oder des Mangas eignen, um daraus einen abendfüllenden Spielfilm zu gestalten, ohne dabei das Szenario zu überarbeiten oder die facettenreiche Darstellung der wichtigsten Charaktere zu verändern. Tōkyō Ghoul: The Movie richtet sich daher nicht nur an die Kenner der Vorlagen, die sich allerhöchstens an Kleinigkeiten stören könnten, sondern auch an jene Zuschauer, die nur einen packenden Action-Fantasy-Horror-Film erleben wollen. Hagiwaras Werk mausert sich so zu einer der wohl besten Anime- und Manga-Verfilmungen, die unbedingt nach einer Fortsetzung schreien!

Vielen Dank an Kazé Movie für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Ghoul: The Movie!

Wir wünschen euch frohe Weihnachten!

Liebe Gameplay-Gamers-Leser,

vor achteinhalb Jahren haben wir Gameplay Gamers gegründet und sind seitdem ununterbrochen spätestens alle zwei Tage mit einem neuen Artikel für euch da. Nach wie vor setzen wir auf ein schlichtes Design, an dem sich in den letzten Jahren aus gutem Grund kaum etwas geändert hat, auch wenn wir hier ein paar Änderungen im neuen Jahr anstreben. Wir wollen damit weiterhin alte Fans als auch neue Leser begeistern, von denen viele ihren Weg zu uns über unsere Partnerseiten oder der NextGen-Community gefunden haben. Unser Fokus lag in diesem Jahr weiterhin auf Reviews, Previews und dem einen oder anderen Special, woran sich auch in Zukunft nichts ändern soll. Wer sich zu Weihnachten über Geldgeschenke freuen darf, dem legen wir – wie in jedem Jahr – unsere Artikel der letzten Wochen und Monate ans Herz. Wir haben viele interessante Titel für euch intensiv getestet und vielleicht ist für den einen oder anderen unter euch ja noch das passende Geschenk dabei.

An dieser Stelle möchten wir auch gar nicht mehr so viele Worte verlieren, da die meisten sicher schon im Kreis der Familie oder mit Freunden das Fest der Liebe zelebrieren. Genießt die Feier, die weihnachtliche Atmosphäre, das gute Essen, schaut euch ein paar Anime oder Filme an, zockt die Spiele, die ihr von euren Liebsten geschenkt bekommen habt und nehmt euch vor allem die Zeit dafür, all das zu erledigen, was ihr euch vorgenommen habt. Frohe Weihnachten wünscht euch im Namen des ganzen Gameplay-Gamers-Teams

Eric Ebelt

 

Review: Black Butler II (Vol. 2)

Zwar wurde die Story der ersten Staffel der Anime-Serie trotz eines recht offenen Endes eigentlich abgeschlossen, doch wollte A-1 Pictures das Franchise mit einer weiteren Season würdigen. Mit der ersten Volume hat dies gut geklappt, die zweite Ausgabe enttäuscht hingegen stark.

Gleich zu Beginn der ersten Folge werden die Zuschauer, die auf eine klare Fortsetzung der Handlung gehofft haben, auf ganzer Linie enttäuscht. Anstatt die Geschichte um den jungen Hausherrn Ciel Phantomhive und seinem Butler Sebastian Michaelis voranzutreiben, haben sich die – diesmal weniger kreativen – Köpfe von A-1 Pictures viel lieber für sechs Original Video Animations entschieden, die ein paar kleinere Geschichten erzählen. Ein Großteil der neuen Handlungsstränge lässt sich jedoch nicht in die Rahmenhandlung einbetten, da sie so fantasievoll oder abgedreht gestaltet sind. In den ersten beiden Folgen der insgesamt sechs für den Heimkinomarkt angefertigten Produktionen parodiert Black Butler II beispielsweise den Roman Alice im Wunderland des Schriftstellers Lewis Carroll. Hauptfigur Ciel ist wohl dermaßen übermüdet vom letzten Kassenbericht, dass er anfängt zu halluzinieren. Kaum hat Sebastian ihm seinen Tee gebracht, fällt Ciel auf einmal der Kaninchenschwanz an seinem Butler auf, als dieser den Raum verlässt. Kaum hat sich Ciel vom Schreibtisch losgerissen, sind seinem Butler auch noch zwei Kaninchenohren gewachsen. Natürlich kommt Sebastian in der Rolle des weißen Kaninchen auf seinem Weg irgendwohin zu spät, Ciel folgt ihm und landet über kurz oder lang im Wunderland, in dem er sich erst einmal zurechtfinden muss, zumal ihm jeder der Bewohner mit dem Namen von Carrolls fiktiver Figur Alice anspricht.

Willkürliche Handlungsstränge

An der einen oder anderen Stelle sind diese beiden Episoden sehr ironisch, zumal Sebastian als der schwarze Butler die Rolle des weißen Kaninchens übernimmt. Weitere Charaktere wie der Undertaker, die in Black Butler auftreten und in der ersten Volume der zweiten Staffel nur selten im Rampenlicht standen, kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Während der Undertaker den Hutmacher „spielt“, übernimmt Shinigami Grell Sutcliff die Rolle der Grinsekatze. Humor ist in dieser Parodie aber kaum greifbar und wenn überhaupt nur dann, wenn dem Zuschauer die Vorlage aus der Feder von Carroll bekannt ist. Die dritte Original Video Animation verlagert das Geschehen nach New York City des Jahres 2010: Gerade wird die zweite Staffel von Black Butler „gedreht“ und die Charaktere, die anscheinend auch in ihrer Freizeit den Namen aus der Serie tragen und in ihren Rollen richtig aufgehen, werden hier im Rahmen des Making-ofs interviewt. Dies ist schon wesentlich unterhaltsamer, bietet aber wie schon die Parodie in den ersten beiden Original Video Animations kaum einen Mehrwert. Die anderen drei Episoden sind hingegen Geschichten, die irgendwie auch in den Kontext der Serie eingewebt werden können. So gelingt in einer Folge eine mysteriöse Dame auf Ciels Anwesen und in einer anderen Episode wird Alois Trancy in den Mittelpunkt gerückt. Mit der abschließenden sechsten Episode erhalten auch die Shinigami ihren ganz persönlichen Auftritt.

Unbefriedigender Staffel-Abschluss

Es ist äußerst fragwürdig, warum sich das Animationsstudio für gleich sechs Original Video Animations entschieden und die offenbar durchaus vorhandenen Ressourcen stattdessen nicht in zwei oder drei Folgen der Haupthandlung gesteckt hat. Da Ciel Phantomhive in der zwölften Episode selbst zu einem Teufel geworden ist, hätte die Anime-Serie mit diesem Ansatz eine gänzlich neue Tiefe erreichen können. Vor allem der mögliche Zwist zwischen Herrn und Diener hätte als konsequente Lösung reichlich Potenzial für einen weiteren Handlungsstrang gehabt. Obwohl die zweite Volume von Black Butler II mit den Original Video Animations den weiteren Verlauf der Geschichte im Unklaren lässt, befinden sich die sechs Produktionen in technischer Hinsicht auf demselben Niveau wie die Anime-Serie. In der Auflösung von 1080p und im bildschirmfüllenden 16:9-Format agieren alle Charaktere mitsamt ihrer Animationen wie in der Serie – und auch die eher etwas blassen Hintergründe, die gerne mal mit diffusem Licht kaschiert werden, können voll und ganz überzeugen. Des Weiteren kann auch hier die deutsche Synchronfassung den japanischen Originalton überflügeln. Musikalisch erklingen die aus der Serie bekannten Melodien im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0, weshalb hier keine Überraschungen, aber eben auch keine schlechten Stücke zu erwarten sind. Als Bonus winkt ein physisches Booklet mit einem Episodenguide und wenigen Zusatzinformationen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mit den zwölf Episoden der zweiten Staffel hat das Animationsstudio A-1 Pictures gezeigt, dass es keine Manga-Vorlage braucht, um eine spannende Geschichte losgelöst von der Handlung des Autors zu erzählen. So waren die Erwartungen an die zweite Volume der zweiten Staffel natürlich hoch, zumal die zwölfte Folge mit einem Cliffhanger endet, der nach einer Fortsetzung schreit. Die zweite Volume bietet stattdessen nur sechs Original Video Animations, von denen die Hälfte noch nicht einmal in irgendeiner Form in die Rahmenhandlung eingewoben werden können, da sie bis auf die Charaktere nichts mit der Serie zu tun haben. Viel besser sind die anderen drei Episoden zwar nicht, doch kommt dort schon sehr viel eher das aus der Serie bekannte mulmige Gefühl auf, an dem es sich nicht sattzusehen gilt. Unterm Strich ist die zweite Volume aber dennoch eine mittelschwere Enttäuschung, die nur die größten Fans, die alles über das Black-Butler-Franchise erfahren wollen, tatsächlich zu empfehlen ist.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Black Butler II (Vol. 2)!

Prime Time: Fairy Tail – Box 4 (Unboxing)

Vor Kurzem haben wir euch die vierte Serienbox von der Anime-Serie Fairy Tail im Rahmen einer Rezension vorgestellt. Heute folgt ganz traditionell unser Unboxing-Video dazu, präsentiert und kommentiert von unserem Chefredakteur Eric. Wir wünschen euch gute Unterhaltung!

Review: Monster Boy and the cursed Kingdom

Monster Boy and the cursed Kingdom, das am 4. Dezember 2018 veröffentlicht wurde, hätte es beinahe nicht gegeben. Eine gescheiterte Kickstarter-Kampagne und ein interessierter Publisher sorgten dafür, dass der fantastische Titel überhaupt seinen Weg auf die Switch fand.

Ursprünglich dachte sich das französische Entwicklerstudio Game Atelier, über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter den zweiten Teil ihrer Flying-Hamster-Serie zu finanzieren. Da das Finanzierungsziel im April 2014 allerdings nur zu einem Viertel erreicht werden konnte, wurde die Entwicklung schließlich vorzeitig abgebrochen. Zum Glück sprang der deutsche Publisher FDG Entertainment ein und unterstützte das Team mit finanziellen Mitteln, wie es beispielsweise schon bei Blossom Tales: The Sleeping King der Fall war. Den ursprünglich für Ende 2015 geplanten Veröffentlichungstermin konnten die Entwickler für das seitdem als Monster Boy bekannte Spiel allerdings nicht einhalten – es sollten gar drei weitere Jahre ins Land ziehen, bis der Titel seinen Weg auf die Online-Distributionsplattformen fand. Vorweg lässt sich sagen, dass sich die lange Wartezeit wirklich gelohnt hat, auch wenn dies nicht unbedingt an der wenig interessanten Geschichte liegt. In Monster Boy and the cursed Kingdom schlüpfen wir in die Haut des jungen Kriegers Jin, der seinen Onkel Nabu dabei beobachtet, wie er das titelgebende Königreich Monster World nach und nach verhext. Warum Nabu auf einmal verrückt spielt, gilt es in der Rolle seines Neffen in dem auf circa fünfzehn bis zwanzig Spielstunden ausgelegten Action-Adventure herauszufinden. Die stellenweise langatmige Story mag zwar niemanden hinterm Ofen hervorlocken, weiß aber stets zu motivieren.

Verwandlungskünstler von Monster World

In der durchweg zweidimensionalen Spielwelt, die ähnlich wie die Metroid-Reihe oder auch der eine oder andere von dieser inspirierte Castlevania-Ableger aufgebaut ist, treffen wir auf illustre Figuren, die die Handlung mit Charme und Wortwitz vorantreiben. Sie schicken uns an märchenhafte Orte wie einen verwunschenen Wald, einen uralten Tempel, einen feurigen Vulkan, einen zauberhaften Sandstrand, aufs Wolkenmeer, in eine gruselige Geistervilla oder einen ebenso wenig einladenden Friedhof. Abwechslungsreichtum wird allerdings nicht nur in puncto Spielwelt großgeschrieben, auch die Interaktionsmöglichkeiten mit der Level-Architektur sind sehr, sehr vielfältig. Dies liegt vor allem an den Verwandlungskünsten des Protagonisten. Kurz nach Beginn des Abenteuers wird dieser von Nabu in ein humanoides Schwein verwandelt und kann prompt kein Schwert mehr verwenden. Beim Erkunden von Monster World kommt regelmäßig nach Abschluss eines größeren Spielabschnitts eine weitere Verwandlungsform hinzu. Beispielsweise kann sich Jin später in eine Schlange verwandeln, um durch sehr enge Rohre zu kriechen oder als Drachenwesen über weite Abgründe hinwegschweben. Positiv hervorzuheben ist, dass auch noch in den letzten Spielstunden reger Gebrauch von den ersten Verwandlungen gemacht werden muss, um voranzukommen. Oft ist es gar notwendig, die Form während eines Kampfes oder eines Rätsels mehrfach zu wechseln.

Mit Geheimnissen bespickte Landkarte

Ähnlich wie im großen Vorbild Metroid birgt die Spielwelt von Monster Boy and the cursed Kingdom zahlreiche Geheimnisse, die die Fähigkeiten oder die Lebensenergie von Jin erweitern. Unter anderem lernt er diverse Zaubersprüche, um mit Blitzen, kleinen Tornados und selbstverständlich auch Feuerbällen Geistern, Haien, Krabben, Skeletten oder Schleimen ordentlich einzuheizen. Des Weiteren lassen sich in Monster World auch mit Juwelen magisch erweiterbare Ausrüstung und Waffen finden, die Jin beispielsweise als vermenschlichter Froschkrieger tragen kann. Mit gefundenen Goldstücken können zudem zusätzliche Rüstungsgegenstände in den zahlreichen Läden erworben werden. Nie kommt dabei das Gefühl auf, dass wir zu viele Goldmünzen in den Taschen haben. Vor allem in den ersten Spielstunden ist das Geld meistens knapp, weshalb wir gut überlegen sollten, welche Ausgaben wir tatsächlich tätigen sollten. Mit der Zeit vervollständigt sich die Karte von Monster World automatisch und auch hier fallen Ähnlichkeiten zu Metroid und Co auf. Sämtliche Abschnitte sind in rechteckige Formen gepresst, Ein- und Ausgänge sowie Verbindungen über Treppen und Aufzüge auf den ersten Blick erkennbar. Truhen, die beim ersten Besuch nicht geöffnet werden können, werden praktischerweise an Ort und Stelle verzeichnet. Sobald wir neue Fähigkeiten erlernt haben, kehren wir ganz einfach dorthin zurück.

Nahezu einwandfreies Action-Adventure

Leicht ist Monster Boy and the cursed Kingdom deshalb aber trotzdem nicht. Zwar mag das eine oder andere Gebiet ohne Probleme zu durchqueren sein, aber regelmäßig werden wir vor mehr oder weniger große Herausforderungen gestellt. An der einen oder anderen Sprung- oder Geschicklichkeitspassage, die vielleicht eine Minute in Anspruch nehmen dürfte, beißen wir uns gelegentlich auch mal eine halbe Stunde die Zähne aus. Auch so manches Rätsel kann uns ähnlich lange herumirren lassen. Obwohl dies durchaus Kritikpunkte sind und besonders ungeduldige Spieler schnell verzweifeln lassen, haben wir diese Passagen in Kauf genommen, denn die danach plötzlich anschnellende Progression beim Erkunden der Umgebungen ist selten so befriedigend wie im Action-Adventure von Game Atelier. Das liegt womöglich auch an der kunterbunten Präsentation, denn der farbenfrohe Comic-Stil zaubert uns schnell ein Lächeln ins Gesicht. Einzig und allein die Animationen der Nicht-Spieler-Charaktere hätte etwas ausgearbeiteter sein dürfen. Hinzu kommt ein Soundtrack, der mit stimmungsvoller Musik für die richtige Atmosphäre sorgt. Schade ist nur, dass uns oft ein und derselbe Track auch schon mal über eine Stunde lang begleitet und trotz schöner Komposition dann einfach nur nerven kann. Bis auf diese wenigen Makel kann das Spiel, einer der besten Download-Titel des Jahres, aber jeden Action-Adventure-Fan voll und ganz zufriedenstellen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Es kommt sehr selten vor, dass mich ein Spiel, das sich an den Grundlagen des Metroid-Franchises orientiert, wirklich zufriedenstellen kann. Monster Boy and the cursed Kingdom übertrifft sogar meine Erwartungen und zeigt mir, dass sich die lange Entwicklungszeit gelohnt hat. Der daraus resultierende Abwechslungsreichtum inklusive der vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten der Verwandlungen stellt mich ständig vor eine neue Herausforderung. Sehr häufig rotieren beim Lösen eines Rätsels meine Gehirnzellen – auch dank weitgehend fehlender Hilfestellungen. Gemütlichen Spielern wird dies sehr zusagen, ungeduldige Naturen hingegen wird so manche Spielstelle sicherlich zur Verzweiflung treiben. Wer aber mit diesem Manko, den manchmal etwas mauen Animationen und dem höchstens hier und da stellenweise nervigen Soundtrack leben kann, wird mit Monster Boy and the cursed Kingdom ein wahrhaftig fantastisches Abenteuer erwarten, das fünfzehn bis zwanzig Spielstunden an den Bildschirm fesseln kann.

Review: Death Note: Light up the New World

Nachdem 2006 die Death-Note-Manga-Reihe in zwei abendfüllenden Spielfilmen wunderbar zusammengefasst wurde, konnte der dritte Film aus dem Jahr 2008 mit einer sehr, sehr dünnen Handlung nicht an vorherige Erfolge anknüpfen. Film Nummer 4 macht dies etwas besser.

Death Note: Light up the New World setzt im Jahre 2016, also genau zehn Jahre nach den Ereignissen der ersten beiden Kinofilme, ein. Damals hat Light Yagami alias Kira mithilfe des titelgebenden Death Notes hunderte Menschen getötet. Bei diesem Werkzeug handelt es sich um ein zugleich mysteriöses als auch magisches Notizbuch, mit dem es unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist, den Tod eines Menschen zu verursachen. Kira konnte vor zehn Jahren zwar aufgehalten werden und sein Gegenspieler L beendete den Schrecken gleich in der ersten Szene des dritten Films, doch ganz abschließen wollten die kreativen Köpfe von Warner Bros. mit dem Franchise, das auf der Manga-Vorlage von Ōba Tsugumi basiert, nicht. Seit einiger Zeit häufen sich in Europa und in Teilen Russlands Ereignisse, die auf den Einsatz eines Death Notes zurückzuführen ist. Der Zuschauer wird in der Eröffnungssequenz des Films Zeuge eines solches Geschehnis, ausgelöst vom russischen Arzt Alexey Yakovlevich Ivanov, der vor einem seiner täglichen Besuche bei einem Patienten ein solches Notizbuch entdeckt. Da sein todkranker Patient sterben will, setzt er das Death Note nach anfänglichen Bedenken zu Testzwecken ein – und ist erstaunt über die Wirkungsweise des Büchleins, die er anschließend nach und nach erforscht. Jedoch ist auch Japan nicht vor Death-Note-Einsätzen gefeit, um die sich der vierte Film in der restlichen Laufzeit dreht.

Sechs Death Notes

Mittlerweile hat sich in Japans Hauptstadt Tōkyō eine Spezialeinheitstruppe gebildet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Besitzer eines Death Notes aufzuspüren und zu verhaften. Ihr erster Einsatz führt sie in den Tōkyōer Stadtbezirk Shibuya, wo es ihnen möglich ist, Aoi Sakura zu stellen, die allerdings kurz darauf verstirbt. Zwar können sie von Aoi nichts mehr erfahren, doch gelingt es ihnen, das Death Note zu ergattern und mit dem Shinigami Beppo in Kontakt zu treten. Beppo verrät der Task Force, die von Ls Nachfolger Ryūzaki geleitet wird, dass es insgesamt sechs Death Notes gibt, die in der Welt der Menschen existieren. Da ein Notizbuch schon unglaublichen Schaden ausrichten kann, ist es noch weniger vorstellbar, was gleich mit der sechsfachen Menge noch geschehen wird. Allerdings scheinen Ryūzaki und die anderen Polizisten nicht die einzigen zu sein, die auf der Suche nach den Besitzern des Death Notes ist. Ein Computervirus, der auf allen erdenklichen Endgeräten erscheint, lässt ein Video abspielen, das offensichtlich den vor zehn Jahren verstorbenen Kira zeigt. Dieser hat offenbar zahlreiche Anhänger um sich geschart, um die anderen Death Notes aufzuspüren, sie zu töten und die Welt mal wieder zu einem besseren Ort zu machen. Die Erzählkniffe sind nicht neu, die Beweggründe mittlerweile altbacken und auch nach der Hälfte der ganzen 135-minütigen Laufzeit des Films bedauerlicherweise immer noch sehr semi-interessant.

Seichte Fortsetzung

Bildtechnisch überzeugt der Film von Regisseur Satō Shinsuke, der zuletzt mit I am Hero ein gelungenes Drama in einer mit Zombies bevölkerten Welt auf die Leinwand gezaubert hat, trotz der wesentlichen Ausbaufähigkeit der Handlung. Oftmals wird das Bild aus recht starren Perspektiven gezeigt oder die Charaktere im Vordergrund von langen Gängen dargestellt. Es gibt jedoch auch jede Menge Einstellungen, die aus der Verfolgeransicht geschildert werden. Das Bildverhältnis 2,35:1 unterstützt diese Darstellung in der Auflösung von 1080p enorm, da so auch die meist sterilen und kühlen Handlungsorte hervorragend eingefangen werden. Hinzu kommen gut gewählte Schauspieler, die zum Teil auch in ihren Rollen wie Toda Erika erneut ins Rampenlicht treten und die Manga-Figuren zum Leben erwecken. Dies funktioniert in der japanischen Originalfassung, die stets mit deutschen – und nicht abschaltbaren – Untertiteln unterlegt ist, wesentlich besser als in der deutschen Synchronisation. Diese wartet zwar mit sehr guten Sprechern auf, doch da unter anderem einige japanische Begriffe wie schon bei den vorherigen Filmen oder der Anime-Serie falsch ausgesprochen werden, ist diese Version nicht so atmosphärisch wie das Original. Digitales Bonusmaterial gibt es nicht, in physischer Form hingegen ein kleines Poster, das das Filmcover schmückt und ein Sticker. Dies hätte es aber ebenso wenig wie den Film gebraucht, der nur geringfügig an die ersten Teile herankommt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Death Note wurde im Jahr 2006 ungefähr zeitgleich mit der Anime-Serie auch in Filmform adaptiert, was dem Franchise damals wirklich gut getan hat. Vor allem die Filme haben die Handlung sehr gut umgesetzt und gehören bis heute tatsächlich zu den besten Filmen, die es in diesem Bereich gibt. Mit Death Note – L: Change the World aus dem Jahr 2008 hat Warner Bros. jedoch sehr gut gezeigt, wie eine Fortsetzung in den Sand gesetzt werden kann. Ganz so schlimm ist Death Note: Light up the New World zwar nicht geworden, doch hätte es auch diese Fortsetzung nicht gebraucht. Diese ist auf der einen Seite glücklicherweise viel enger mit der Death-Note-Mythologie verknüpft als der direkte Filmvorgänger und die Charaktere sind durchaus vielseitig gestaltet, auf der anderen Seite wird die ursprüngliche Handlung jedoch einfach nur in anderer, teils viel zu verwirrender, oft repetitiver und einfach nur stark gekürzter Form erneut erzählt. Für die größten Fans ist der Film sicherlich noch einmal eine gute Möglichkeit, in das Universum einzutauchen, an die ersten beiden Filmumsetzungen von Regisseur Kaneko Shūsuke kommt jedoch auch der vierte Teil einfach nicht heran, da es einfach viel zu viel ungenutztes Potenzial gibt.

Vielen Dank an Kazé Movie für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Death Note: Light up the New World!