Prime Time: Black Fox (Unboxing)

Vor einiger Zeit haben wir euch den Film Black Fox im Rahmen eines Reviews vorgestellt. Damit wir auch wisst, was euch beim Kauf des Anime-Films erwartet, folgt heute das Unboxing-Video unseres Chefredakteurs zur Rezension. Wir wünschen euch viel Spaß und gute Unterhaltung!

Review: Magic Scroll Tactics

Rundenbasierte Strategie-Rollenspiele aus Japan sind spätestens seit den 3DS-Ablegern der Fire-Emblem-Reihe schon lange kein Nischengenre mehr. Magic Scroll Tactics bricht aus dem Einheitsbrei der Konkurrenzspiele allerdings mit ein paar intelligenten Kniffen aus.

In Magic Scrolls Tactics schlüpfen wir in die Haut der Beschwörerin Nash, die mitsamt ihrer beschworenen Begleiter eine mysteriöse Insel erkundet. Auf dem Eiland wurden einst dunkle Mächte versiegelt, die nach neuer Freiheit trachten. Das darf Nash natürlich nicht zulassen, weshalb sie alles daran setzt, durchtriebenen Piraten, hungrigen Zombies und bösen Zauberern einen Strich durch die Rechnung zu machen. So tiefgründig wie die großen Vorbilder Fire Emblem oder Shining Force wird Magic Scrolls Tactics zwar an keiner Stelle, doch die Handlung motiviert, ein Gefecht nach dem anderen in Angriff zu nehmen. Auf einer Weltkarte schalten wir nach einem erfolgreichen Kampf das nächste Schlachtfeld frei und ziehen so von Ort zu Ort. Zwischendurch gibt es einerseits immer mal wieder kleinere Schlachtfelder, die wir zum Verbessern von Nash und ihren Beschwörungen absolvieren, und andererseits kurze Zwischensequenzen in Spielgrafik. In diesen wird die Story in Form von charmanten, aber zumeist kleineren Gesprächen vorangetrieben. Dennoch sollten die Dialoge, die allesamt ohne Sprachausgabe auskommen, aufmerksam gelesen werden, da sie mit ihrer Kürze abrupt abbrechen können und der aktuelle Stand der Dinge somit nicht immer ganz in Erinnerung bleibt. Dies ist aber verschmerzbar, da die Abenteuerreise stets in die nächste Schlacht führt.

Schlachten aus der Seitenansicht

Obwohl sich auch Magic Scrolls Tactics in puncto Gameplay an Mercenaries Saga Chronicles oder Final Fantasy Tactics orientiert, unterscheidet sich vor allem die Darstellungsweise in den Kämpfen. Während die Schlachten in den genannten Vorbildern aus der isometrischen Darstellung oder der leicht versetzten Vogelperspektive gezeigt werden, verlagert das Spiel von Entwicklerstudio Ōtori Denshi das Geschehen in die zweidimensionale Seitenansicht. Im ersten Moment klingt das vielleicht etwas ungewöhnlich, das Gameplay funktioniert dennoch erstaunlich gut. Jede Spielfigur kann eine bestimmte Anzahl an Feldern weit gehen und kann dann beispielsweise mit dem Schwert im Nahkampf um sich schlagen, aus der Ferne mit einem Bogen bewaffnet die Feinde ins Visier nehmen oder mit mächtigen Zaubersprüchen Flächenschaden anrichten. Damit die taktische Tiefe gewahrt bleibt, ist das Schlachtfeld auch nach oben hin in quadratische Felder aufgeteilt: Nur so können fliegende Einheiten geschickt positioniert oder Anhöhen im richtigen Moment erklommen werden. Da die Zugreihenfolge der Figuren für Freund und Feind nach dem Geschwindigkeitswert festgelegt ist, haben sich die Entwickler eine tolle Idee für belegte Felder ausgedacht. Die nächste Figur kann ebenso auf das Feld ziehen und verschiebt die nachfolgenden Charaktere kurzerhand nach hinten.

Motivierende und demotivierende Elemente

Spieltechnisch kann der Titel mit einem hohen Tempo punkten, was daran liegt, dass die Erfahrungspunkte für besiegte Gegner gleichermaßen auf die Gruppe verteilt werden. Für jedes Level-up erhält ein Charakter zudem einen Fähigkeitspunkt, mit dem weitere Boni wie verbesserte Lebensenergie, eine erweiterte Magieleiste oder neue Zaubersprüche freigeschaltet werden. Es motiviert durchweg, sämtliche Monster zu töten und Schatztruhen zu plündern. Eingesacktes Gold tauschen wir im Laden gegen Heilkräuter, Waffen, Rüstungen und Krimskrams ein. Diese Aufwärtsspirale sorgt dafür, dass wir die Switch nicht so schnell aus der Hand legen wollen. Tatsächlich gibt es nur wenig, was einem die Freude am Taktieren nimmt. Beispielsweise können sich manche Spielfiguren nur viel zu langsam bewegen und kommen im Kampf kaum bis gar nicht zum Zug. Waffen wie Speere, die gleich zwei Gegner gleichzeitig treffen können, lassen sich tatsächlich nur waagerecht und nicht vertikal oder diagonal einsetzen. Der größte Kritikpunkt dürfte jedoch der unstete Schwierigkeitsgrad sein. Manche Schlachten sind viel zu leicht, in anderen wird unsere ganze Gruppe in drei bis vier Zügen ausradiert. Wer derlei Rückschläge in Kauf nehmen kann und sich mit der Spielmechanik anfreundet, wird einige Stunden lang gut von Magic Scroll Tactics unterhalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Final Fantasy Tactics, Fire Emblem, Mercenaries Saga oder Shining Force sind allesamt tolle Strategie-Rollenspielreihen, die sich in vielen Punkten jedoch sehr ähnlich spielen. Magic Scroll Tactics orientiert sich deutlich am Gameplay der Vorbilder, hebt sich aber mit eigenen Ideen von diesen ab. Das Gameplay in die zweidimensionale Seitenansicht zu verfrachten ist eine einfache wie geniale Idee, die dem Genre neue Impulse gibt. Schade ist nur, dass hier und da manche Entscheidungen nicht überdacht wurden. So bewegen sich diverse Figuren viel zu langsam, sodass meistens nur die starken Einheiten an die Front geschickt werden, die das Schlachtfeld aufräumen. Abseits dessen funktioniert die Spielmechanik überwiegend gut, nur starke Schwankungen im Schwierigkeitsgrad sorgen dafür, dass die Lust am Taktieren hin und wieder vergeht. Wer Lust darauf hat, das Genre im wahrsten Sinne des Wortes mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, sollte sich Magic Scrolls Tactics genauer anschauen.

 

Review: Rent-a-Girlfriend (Vol. 3)

Im Monatstakt erschien die Anime-Serie Rent-a-Girlfriend bei Kazé Anime. So erschien im September 2022 die dritte und letzte Volume der ersten Staffel. Diese baut das Konzept der Serie weiter aus und treibt das turbulente Geschehen mit einem offenen Ende auf die Spitze.

Inhaltlich baut Rent-a-Girlfriend auf den Geschehnissen der ersten beiden Volumes auf. Da der Student Kinoshita Kazuya von seiner Freundin Nanami Mami verlassen wurde, sucht er Trost in den Weiten des Internets. Dort entdeckt er die Möglichkeit, eine Freundin zu mieten. Auf diesem Weg lernt er Mizuhara Chizuru kennen, die für Geld seine Freundin spielt. Durch eine unglückliche Verkettung der Umstände lernen auch seine Familie und seine Freunde die notleidende Chizuru als seine feste Partnerin kennen. Insbesondere Kazuyas Großmutter ist von Chizuru derart überzeugt, dass sie regelrecht einen Narren an ihr frisst. Als auch noch Chizurus Großmutter erfährt, dass ihre Enkelin einen Partner hat, gibt es für die beiden kein Zurück mehr: Sie müssen die Scharade unbedingt aufrechterhalten, damit ihre Familien nicht von ihnen enttäuscht sind. Nach und nach werden mehr Personen in das Drama, das eigentlich keines sein müsste, hineingezogen. Peu à peu verkompliziert sich die Geschichte um die beiden Turteltauben, was für den Zuschauer jedoch äußerst unterhaltsam ist. So sehr der Zuschauer mit Kazuya und auch Chizuru mitfühlt, so humorvoll sind die ganzen Situationen, in denen sich die Akteure wiederfinden. Rent-a-Girlfriend konzentriert sich in der dritten Volume aber nicht nur auf Kazuya und Chizuru, sondern holt auch weitere Personen mit ins Boot.

Konflikte und Komplikationen

Eine dieser Personen ist Sarashina Ruka, die offenbar mit Kazuyas Freund Kuribayashi Shun zusammen war, sich inzwischen aber wie Chizuru als eine Mietfreundin entpuppt hat. Obwohl Kazuya seit Weihnachten echte Gefühle für Chizuru entwickelt hat und diese nur zu gerne erfüllt sehen möchte, sieht er sich inzwischen mit den Gefühlen konfrontiert, die ihm Ruka entgegenbringt. Sie versucht die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten zu torpedieren. Beispielsweise beginnt die dritte Volume von Rent-a-Girlfriend mit dem Neujahrsfest, an dem Kazuya, seine Eltern, seine Großmutter und Chizuru gemeinsam zum Schrein pilgern, um das neue Jahr zu begrüßen. Unverfroren schließt sich Ruka der Gruppe an. Kazuya und Chizuru laufen Gefahr, dass ihre Geschichte endgültig auffliegt. So steht das Finden von Wegen und Mitteln, wie sie ihr Geheimnis bewahren können, im Mittelpunkt der Erzählung. Ruka scheint Kazuya aber nicht in Ruhe lassen zu können und nimmt deshalb sogar den gleichen Teilzeitjob an wie das Objekt ihrer Begierde. Es könnte nicht schon kompliziert genug für Kazuya sein, da bittet ihn Chizuru auch noch eine neue Mietfreundin auszuprobieren. Bei dieser handelt es sich um Sakurasawa Sumi, die jedoch unglaublich schüchtern ist, so gut wie kein Wort spricht und zudem nicht so wirklich weiß, wie sie als Mietfreundin eigentlich agieren sollte.

Vorläufiges Ende der Geschichte

Rent-a-Girlfriend gelingt es am Ende der ersten Staffel allerdings nicht, einen Abschluss für die Storyline zu finden. Stattdessen wird der Zuschauer mit Hoffnung auf weitere Episoden vertröstet. Schlimm ist das aber nicht, da die Handlung weiterhin Potenzial hat, Kazuya und Chizuru weiter und weiter in die Abwärtsspirale zu stoßen, wodurch das Konstrukt nur noch brüchiger und damit unterhaltsamer wird. Beispielsweise trifft Mami zufällig auf Kazuya und Sumi bei ihrem Date, was Kazuya in die Ecke drängt und die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Die Anime-Serie aus dem Jahr 2020 lädt regelrecht zum Mitfiebern ein. Dies dürfte auch an den sehr guten Synchronsprechern liegen. Im japanischen Originalton wird Chizuru von Amamiya Sora und Kazuya von Horie Shun gesprochen. Mit Bravour übernehmen Lasse Dreyer und Luisa Wietzorek ihre Rollen in der deutschen Fassung. Das Tonformat Dolby Digital 2.0 lässt genügend Raum für den Klang, ist nach heutigem Stand aber veraltet. Veraltet ist die DVD-Fassung allgemein, aber fällt das beim Bild im 16:9-Format nicht allzu stark auf. Digitales Bonusmaterial liegt auf der DVD nicht vor. Als physische Dreingabe gibt es immerhin noch eine Artcard. Auch wenn das Ende der Staffel nicht jeden zufriedenstellen dürfte, macht Rent-a-Girlfriend einiges richtig und Fans des Genres dürfte das schon genügen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Rent-a-Girlfriend gelingt es innerhalb von  nur zwölf Episoden eine spannende und niemals langweilige Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen für die Akteure zu erzählen. So traurig die Ausgangslage auch sein mag, so unterhaltsam entwickelt sich die Story über drei Volumes hinweg. Das liegt zum einen an den Turbulenzen der Handlung und zum anderen an den durchaus interessanten Charakteren, die mit ihren Persönlichkeiten, ihren Eigenschaften und nicht zuletzt ihrer unüberlegten Taten zum Lachen bringen. Es ist jedoch schade, dass das Ende der Staffel, das so schön hätte sein können, von einer Sekunde auf die andere abgeschwächt wird. So bleibt aber die Hoffnung auf die zweite und dritte Staffel, die diesbezüglich Klarheit schaffen kann. Wer mit dem offenen Ende zurechtkommt und etwas für romantische Komödien, aufgesetzt wirkende Dramen und auch das Coming-of-Age-Genre übrig hat, darf auch bei der dritten Volume von Rent-a-Girlfriend gerne einen Blick riskieren. 

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Rent-a-Girlfriend (Vol. 3)!

Review: Hogwarts Legacy

Im Jahr 2020 bereits angekündigt und ursprünglich für das Jahr 2021 geplant, erschien das von Fans heiß erwartete Hogwarts Legacy erst im Februar 2023. Wir begrüßen diesen Schritt, zeichnet sich im fertigen Produkt eine sehr hohe, wenn auch nicht unantastbare Qualität ab.

Einmal an Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, zu lernen, Freundschaften zu knüpfen und Abenteuer zu erleben: Durch die sieben Harry-Potter-Romane und ihre Verfilmungen hat sich das wohl jeder schon einmal vorgestellt. Zu behaupten, dass dies in Hogwarts Legacy zum ersten Mal möglich sei, ist aber schlichtweg falsch. Bereits zu Beginn der 2000er-Jahre machten dies bereits die Harry-Potter-Spiele möglich, bei denen vor allem der erste und der zweite Serienteil in den GameCube-Fassungen zu erwähnen sind. Hogwarts Legacy gelingt es durch die technische Entwicklung von zwei Jahrzehnten aber ein noch sehr viel atmosphärischeres Erlebnis auf den Bildschirm zu zaubern. Außerdem haben sich die Entwickler dazu entschieden, nicht auf den Spuren von Harry Potter zu wandeln, sondern das Geschehen ins späte 19. Jahrhundert zur Zeit der Koboldaufstände zu verlagern. Da Technologie ohnehin nur eine untergeordnete Rolle in der Welt der Zauberei spielt, fällt dies aber kaum bis gar nicht auf. Hinzu kommt, dass wir auch keine historische Persönlichkeit aus dem Harry-Potter-Universum mimen, sondern uns zu Beginn des Spiels in einem umfangreichen Editor unseren Nachwuchszauberer respektive unsere Nachwuchshexe oder einen diversen Charakter erstellen können. Die Spielfigur erhält die Schuleinladung ganze vier Jahre zu spät.

Magische Spielwelt mit Grenzen

Warum das so ist, wird im Spiel zwar angerissen, aber nicht tiefgründig genug erläutert. Das ist aber auch nicht schlimm, denn nachdem wir zusammen mit Professor Eleazar Fig einen kleinen Umweg durch eine zerfallene Ruine und die Bank Gringotts gemacht, einen Drachenangriff überstanden und in Hogwarts den sprechenden Hut aufgesetzt bekommen haben, der uns prompt in einem der vier Schulhäuser untergebracht hat, dreht sich ohnehin sehr viel mehr Zeit der Story um Ranrok, dem Anführer der Koboldrebellion, die es aufzuhalten gilt. In dieser Disziplin ist Hogwarts Legacy gut und vor allem verzahnt geschrieben, denn viele der wichtigsten Hauptstorystränge greifen ineinander. So gehört die Suche nach Artefakten und Relikten genauso dazu, wie Geheimnisse in und um Hogwarts herum. Allerdings macht das Spiel zu wenig aus der Spielwelt und der Epoche. Dass Kobolde unterdrückt werden, wird einfach so hingenommen und zu wenig hinterfragt. Natürlich muss einem das Spiel jetzt nicht zwangsweise einen Moralkompass vorhalten, aber ein wenig mehr Dreidimensionalität wäre hier und da nicht verkehrt gewesen. Auch dass nahezu alle Schüler von Hogwarts unglaublich freundlich uns gegenüber sind und sich recht naiv verhalten, lässt die Illusion von der Zauberei nach ein paar Spielstunden bröckeln. Daran ist aber auch ein wenig das Gameplay schuld.

Vertrautheitsgefühl

Dies soll bitte nicht falsch verstanden werden. Vor allem zu Beginn ist Hogwarts Legacy ein Spiel, das einem als Fan der Buch- und Filmvorlagen regelrecht mit seiner Atmosphäre zerquetschen will. Wir nehmen am Unterricht teil, auch wenn sich dies meist nur auf sehr kurze Dialoge oder gar Videosequenzen beschränkt, und lernen von unseren Lehrern die allerwichtigsten Zaubersprüche. Mit diesen öffnet sich nach und nach die Spielwelt. Es macht Spaß, das Schloss zu erkunden und mit neuen Fähigkeiten plötzlich bisher verschlossene Areale erreichen zu können. Genau diese The-Legend-of-Zelda-Vibes haben auch Harry Potter und der Stein der Weisen und Harry Potter und die Kammer des Schreckens auf dem GameCube so herausragend gemacht – wohlgemerkt in einer Zeit, in der Lizenzspiele vorschnell als der letzte Rotz abgetan wurden. Solange wir uns nur in Hogwarts aufhalten, vielleicht auch noch das Zaubererdorf Hogsmeade erkunden oder uns in den Verbotenen Wald wagen, gelingt es dem Spiel mit seiner Präsentation zu überzeugen. Sofern ihr die Vorlagen in Form von Buch und Film kennt, kommen euch viele Orte sofort bekannt vor. Allerdings bietet das Spiel auch eine offene Spielwelt – und genau in dieser Disziplin muss sich der Titel mit den großartigen offenen Welten von Red Dead Redemption II und Immortals: Fenyx Rising messen lassen.

Enttäuschende offene Spielwelt

Machen wir uns nichts vor: Die wenigsten Spiele können mit ihrer Open World richtig begeistern. Allerdings versagt Hogwarts Legacy hier auf ganzer Linie, ohne es vielleicht zu wollen. So gibt es überall Prüfungen des Merlins zu bestehen, bei denen sich die unterschiedlichen Aufgaben an einer Hand abzählen lassen können. Auch Schatzgewölbe, in denen wir neue Ausrüstungsgegenstände finden können, sind häufig mit einem Rätsel gekoppelt. Von diesen Aufgaben gibt es einerseits zu viele und andererseits bieten sie unterm Strich viel zu wenig Abwechslung. Auch die verschiedenen Kobold- und Wildererlager bieten kurzweilige Action und Truhen, die es zu plündern gilt. Allerdings kommt hinzu, dass die Ausrüstung, die wir in den Kisten finden können, rein zufällig ist. Mit zunehmender Spielzeit finden wir einfach nur noch Schrott, der unser arg begrenztes Inventar füllt und nur verkauft werden kann. Es wirkt einfach so, als ob die Entwickler das Spiel für Gelegenheitsspieler entwickelt haben, die eben nicht jede Höhle und jede Truhe plündern wollen. Wer aber ständig auf der Suche nach Möglichkeiten ist, um seinen Charakter zu verbessern, wird hier vor den Kopf geschlagen. Zufällige Story-Begegnungen wie in Red Dead Redemption II oder eine Rätselattraktion nach der anderen wie in Immortals: Fenyx Rising bietet Hogwarts Legacy leider nicht.

Künstliche Obergrenze

Auch das Erfahrungspunktesystem des Action-Rollenspiels wird vermutlich nicht jedem Spielertypen gefallen. So gibt es für besiegte Spinnen, Wilderer, Kobolde und Untote nur so lange Erfahrungspunkte, bis die jeweiligen Herausforderungen abgeschlossen sind. Das reicht zwar bis zum Ende des Spiels locker aus und tatsächlich ist die Maximalstufe auch frühestens mit dem Endkampf erreicht, aber wer gerne aufstuft und wirklich alle Talente lernen will, dürfte enttäuscht werden. So störend wie die künstliche Obergrenze von Kingdoms of Amalur: Reckoning fällt dies zwar nicht aus, aber auch hier werden wir schon früh dazu gezwungen, zu selektieren, was wir wirklich brauchen. Zum Glück lassen sich Talentpunkte auch aufsparen, sodass wir erst einmal in Ruhe überlegen können. So müssen wir uns der Frage stellen, ob wir zum Beispiel mehr Nutzen aus gebrauten Tränken ziehen, von Gegnern nicht ganz so leicht entdeckt werden oder Zaubersprüchen Flucheffekte beimischen wollen. Auch wenn nicht alles erlernbar ist, bietet das Spiel in diesem Punkt ausnahmsweise viel Abwechslung. So begleiten wir unsere Spielfigur mit ihrer persönlichen Entwicklung bis zum Abspann, der je nach Spielertyp wohl zwischen 30 und 70 Spielstunden über die Mattscheibe flimmern dürfte. Auf dem Weg dorthin gibt es auch ein paar Punkte, die Hogwarts Legacy wirklich richtig gut macht.

Großartiges Kampfsystem

Vor allem das fantastische Kampfsystem sticht heraus. Es macht unglaublich viel Spaß, den Gegnern Angriffszauber auf den Hals zu hetzen, ihre Schutzschilde zu durchbrechen, ihren Angriffen auszuweichen oder noch besser mit Magie zu kontern und in diesem Flow möglichst keinen Schaden zu nehmen. Hier ist mit zunehmender Spielzeit so vieles möglich. Unter anderem können wir Gegner einfrieren, sie in Brand stecken oder in einen Levitationszustand versetzen und sie dann mit Karacho auf den Boden katapultieren. Herausragend fällt in diesem Bereich die Steuerung auf der PlayStation 5 aus. Mit dem DualSense-Controller führen wir Zaubersprüche mit der hinteren rechten Schultertaste aus, die einen kleinen Widerstand gibt und nicht ganz gedrückt werden muss. Vor allem der Basiszauber, der Standardangriff sozusagen, verleiht uns das Gefühl, tatsächlich einen Zauberstab zu schwingen. Vor allem dann, wenn wir das Spiel mit der offiziellen Homepage vernetzen, auf der wir uns in einem leider nur englischsprachigen Fragenkatalog unseren eigenen Zauberstab zusammensetzen und genau diesen Zauberstab auch im Spiel kaufen können, ist die Immersion einfach enorm. Nur bei der Vibrationsfunktion des Controllers hätten wir uns ein wenig mehr Feingefühl gewünscht, denn bis auf das Kritzeln nach einer Flohpulverreise bietet diese kaum Mehrwert.

Atmosphärischer Soundtrack

Was Steuerung und Erkundungsdrang angeht, so ist das Spiel vor allem für langjährige Fans der Videospielreihe ein Versöhnungsangebot, die mit dem Lizenzschrott von Electronic Arts in Form der letzten beiden Serienteile des Harry-Potter-Franchises nichts mehr mit der Welt des Zaubererlehrlings zu tun haben wollten. Ein neuer Publisher und ein neues Entwicklerstudio machen in diesem Falle Welten aus. Auch grafisch weiß das Spiel zu überzeugen, denn auch wenn Hogwarts an das Schloss aus den Filmen angelehnt ist, hat Entwicklerstudio Avalanche Software es auf seine eigene Art und Weise interpretiert – und zwar mit großem Respekt. Die Texturen sehen knackscharf aus und bis auf ein leichtes Dauerruckeln, das sich früher oder später einschleichen kann, läuft der Titel sehr flüssig. Ebenfalls gefällt uns, dass überall Schüler herumwuseln und Geister durchs Schloss spuken. Da sehen wir gerne darüber hinweg, dass es keine Hauspunkte als Belohung gibt und keine Bestrafung folgt, wenn wir nachts auf den Korridoren herumstreifen oder uns auf ein Butterbier vom Schulgelände stehlen. Zu guter Letzt muss der Soundtrack gelobt werden, denn trotz eigenständiger Melodien enthalten die Stücke hier und da Anspielungen auf die Musik von John Williams, der immerhin für den Soundtrack der ersten drei Harry-Potter-Filme verantwortlich ist – und wenn uns dann am Ende des Schuljahrs eine Träne über die Wange fließt, muss Hogwarts Legacy ja irgendetwas richtig gemacht haben.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Hogwarts Legacy ist vermutlich eines der Spiele, die mir auch nach dem Jahr 2023 noch lange in Gedächtnis bleiben werden. Entwicklerstudio Avalanche Software ist es gelungen, eine eigenständige Geschichte mit wenigen oder zumindest kaum spürbaren Bezügen zu den Filmen zu etablieren. Deutlich mehr Details im Spiel sind den Romanen entnommen, die ohnehin einen viel größeren Interpretationsspielraum ermöglichen. Wer die Bücher genauestens kennt und mit diesem Wissen einmal probiert, als männlicher Charakter in den Schlafsaal der Mädchen im Gryffindor-Turm zu gelangen, wird definitiv schmunzeln müssen. Auch allgemein können die Haupt- und Nebenfiguren, so naiv und überfreundlich sie meistens sind, dennoch ein heimisches Gefühl erzeugen. Hinzu kommt ein wunderbar gestaltetes Schloss, das musikalisch im Wandel der Jahreszeiten sehr gut unterlegt wird. Ebenso gefällt mir der Erkundungsaspekt im Schloss und auch das Kampfsystem weiß zu überzeugen. Dann kommt jedoch der große Knackpunkt: Im Kern ist Hogwarts Legacy zwar richtig gut, aber das Spiel schleppt sehr viel unnötigen Ballast mit sich. Abseits des Schlosses, des Dorfes Hogsmeade und des Verbotenen Waldes ist die Spielwelt langweilig inszeniert. Es gibt viel zu viel abwechslungsarmen Rätselkram, der schon nach wenigen Spielstunden keine sinnvollen Belohnungen mehr bietet. Am Ende wäre vermutlich weniger deutlich mehr gewesen. Wenn sich die Entwickler dies für einen potenziellen Nachfolger im Hinterkopf behalten, so kann aus einer guten Idee auch eine noch sehr viel bessere Umsetzung in Videospielform werden.

Jonas’ Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Hogwarts Legacy ist die bisher schönste und auch größte Darstellung des Harry-Potter-Universums in Videospielform. Das Spiel richtet sich mit seinen detailgetreuen Nachbildungen und zahllosen Easter Eggs klar an die Liebhaber der Filme und auch der Bücher. Drumherum haben die Entwickler von Avalanche Software eine sehr vertraute Open-World-Erfahrung gebaut. Hogwarts öffnet sich Stück für Stück für eine motivierende Erkundung, was aufgrund der hohen Detaildichte und den kreativen magischen Ideen im Schloss wirklich Spaß macht. Die Belohnungen sind allerdings eher mau, denn hier warten generische Sammelobjekte und zufallsgenerierte Ausrüstungsgegenstände auf den Spieler. Auch die Handlung und Figuren sind die längste Zeit austauschbar, besonders im Vergleich zur Vorlage. Hier bieten sogar manche Nebenmissionen mehr – auch in Sachen Belohnungen. Die Höhepunkte des Spiels sind eindeutig in Hogwarts zu finden, im weitläufigen Wald- und Wiesenumland findet sich auch eine Menge, allerdings nur Open-World-Stangenware, die spielerisch so spannend ist wie es die generischen Symbole auf der vollgeklatschen Karte schon vermuten lassen. Spinnenverstecke, Banditenlager und Schatzgewölbe dienen höchstens zur Beschäftigungstherapie. Deutlich mehr Spaß macht das freie Fliegen auf dem Besen, das fast überall möglich ist. Auch das Kampfsystem funktioniert in der Regel gut, insofern das Anvisieren und die Belegung der Zauberslots keinen Strich durch die Rechnung machen. Hogwarts Legacy zeigt, was auf Basis der Harry-Potter-Vorlage alles möglich ist. Eine moderne Umsetzung der Vorlage samt Figuren und Handlung könnte Hogwarts Legacy aber leicht übertreffen.

Review: Black Clover (Vol. 10)

Nachdem im Mai 2022 von Black Clover die neunte Volume vom hiesigen Herausgeber Kazé Anime veröffentlicht wurde, erschien einen Monat später die mittlerweile zehnte Ausgabe, die das Ende der zweiten Staffel markiert, die den Zuschauer aber mit offenem Ende zurücklässt.

In der letzten Ausgabe von Black Clover wurde die Auswahlprüfung zu den Royal Knights thematisiert, in der sich Yuno Grinberryall mitsamt seines Teams durchsetzen konnte. Die Prüfungen sind zwar beendet, doch der Kampf gegen die Mitglieder des Kalten Auges der weißen Nacht geht weiter. Auch in der Hauptstadt entbrennen die Kämpfe, in denen sich sogar Anführer Licht zu erkennen gibt. Wenig später liegt Julius Novachrono, der König der Magier, im Sterben. Warum er so einen Hass auf die Menschen hat, erfährt der Zuschauer in einem größeren Rückblick. Kurzum geht es diesmal um die Beziehungen zwischen Elfen und Menschen. Der Racheakt von Licht zieht alle wichtigen Charaktere mit ins Geschehen, so auch Yunos Bruder und eigentlicher Protagonist der Serie Asta. Der Schwerpunkt der zehnten Serienbox von Black Clover wird diesmal auf die Auseinandersetzungen gelegt. Soll heißen, dass die eigentliche Handlung nur wenig vorangetrieben werden kann und zunächst einmal die Konflikte gelöst werden müssen. Gegen Ende der zweiten Staffel, die die zehnte Volume markiert, kommt auch das Dorf Hage, in dem die Geschichte im Seriendebüt begann, noch einmal zum Tragen. Black Clover gelingt ein spannender wie gelungener Abschluss der Season, der jedoch recht offen bleibt und damit in gewisser Weise auf die dritte Staffel hinleitet.

Effektreiche Inszenierung

Unter technischen Gesichtspunkten knüpfen die Episoden der zehnten Serienbox von Black Clover an die Qualität der vorherigen Folgen an. So erstrahlen sämtliche Szenen auf Blu-ray Disc im bildschirmfüllenden 16:9-Format und in der Auflösung von 1080p. Die Anime-Serie begeistert mit effektreichen Zaubersprüchen, die häufig den ganzen Bildschirm füllen. Noch dazu fallen diese recht unterschiedlich aus, was in visuellen Spielereien gipfelt. So werden in einem Moment Charaktere von glühenden Schutzauren umgeben, während andere Figuren schon im nächsten Augenblick Kristalle und Metall durch die Luft schleudern. Auch Explosionen sind Teil der Gestaltung von Black Clover. Die Animationstechnik wirkt zwar ausbaufähig, doch reicht sie vollkommen aus, um die Helden in den Kampf mit ihren Antagonisten zu schicken. Über alle Zweifel erhaben sind die Petit-Clover-Bonus-Clips am Ende, die äußerst humorvoll im Chibi-Look herausstechen und wie aus einem Guss wirken. Deutlich überzeugender als die Gestaltungstechnik ist die musikalische Note. Komponistin Seki Minako unterlegt so gut wie alle Szenen hervorragend mit den typischen Klängen der Serie, die die Atmosphäre in Black Clover untermauern. Auch die japanischen und deutschen Synchronsprecher sorgen ein weiteres Mal dafür, dass die action- und humorvolle Stimmung stets gehalten wird.

Bonusmaterial ohne Überraschungen

Beim digitalen Bonusmaterial bietet der Abschluss der zweiten Staffel von Black Clover leider nicht sonderlich viel. So gibt es neben einem Clean Opening bedauerlicherweise nur einen kurzen, dafür aber sehr lustigen Bonus-Clip. Traditionsgemäß gibt es bei der Veröffentlichung der Reihe aber deutlich besseres physisches Bonusmaterial zu bestaunen. So liegen der Serienbox abermals zwei Booklets bei. Beim ersten Booklet handelt es sich, wie könnte es auch anders sein, um ein kleines Artbook. Auf ganzen 24 Seiten erhält der Käufer Einblick in mehrere Konzeptzeichnungen, bei denen die Bewegungen der verschiedenen Charaktere regelrecht nachempfunden werden können. Interessanter und gehaltvoller fällt das zweite Booklet aus, das nach denselben Gestaltungsregeln wie die Booklets der vorherigen Ausgaben aufgebaut ist. Auf den ersten Seiten beginnt das Booklet mit einer Zusammenfassung der Ausgangslage. Es folgt ein Diagramm, auf dem die Charakterkonstellationen für den Leser konkretisiert werden. Das darauffolgende Profil zu Julius Novachrono verrät wichtige Details zum König der Magier. Anschließend werden verschiedene Zaubersprüche ausführlich erklärt. Den Abschluss des Booklets bilden eine Galerie, ein Interview mit Takahashi Kōsei und ein kurzer und bündiger Episodenguide. Nicht weltbewegend, aber definitiv eine nette Dreingabe!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Black Clover erzählt eine spannende Geschichte, die am Ende der zweiten Staffel respektive in den Episoden der zehnten Box in zahlreichen Kämpfen gipfelt. Diese machen einen Großteil der zehn enthaltenen Folgen aus und sind effektreich inszeniert. Leider rückt dadurch die Story ein wenig in den Hintergrund, zeigt aber gerade in den wenigen Momenten, in denen sie durchscheint, dass sie sehr stark zur Entfaltung der Charaktere und ihren Fähigkeiten beiträgt. Zwar ist immer noch ein wenig Luft nach oben, was die technische Ausarbeitung angeht, Fans werden sich nach zehn Serienboxen aber gar nicht mehr daran stören. Schade ist jedoch, dass das Bonusmaterial nur traditionsgemäß ausfällt. So wirken Artbook und Booklet zwar hochwertig gedruckt, aber gerade im digitalen Bereich wäre für den Abschluss der zweiten Staffel wirklich mehr möglich oder sogar nötig gewesen. Der eigentlichen Anime-Serie, die auch in der zweiten Season richtig fesselt, tut dies aber keinen Abbruch. Black Clover gehört zu den spannendsten Anime-Serien der letzten Jahre. Die dritte Staffel darf an diese Qualität gerne anknüpfen!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Black Clover (Vol. 10)!

Review: Octopath Traveler II

Mit dem Erscheinen von Octopath Traveler löste Publisher Square Enix eine Renaissance der 16-Bit-Rollenspiele aus. Im frischen HD-2D-Gewand folgten weitere Spiele mit dem gleichen grafischen Grundgerüst. Kein Wunder, dass auch Octopath Traveler II diesen Weg einschlägt.

Wer den ersten Serienteil aus dem Jahr 2018 gespielt hat, wird sich sofort in Octopath Traveler II zurechtfinden. So wählen wir zu Beginn des Spiels einen aus insgesamt acht Charakteren aus und folgen zunächst dessen Handlungsstrang. Bei den Spielfiguren handelt es sich um illustre Charaktere, die sich inhaltlich voneinander unterscheiden. Zur Auswahl steht zum Beispiel der Krieger Hikari Khu, der sich inmitten eines Erbfolgestreits wiederfindet. Die Tänzerin Agnea Bristerni möchte hingegen in die Fußstapfen ihrer berühmten Mutter treten. Partitio Yellowil ist wiederum ein aufstrebender Händler, der die Armut in der Spielwelt Solistia bekämpfen will. Der Magier Osvald V. Vanstein sitzt hingegen unschuldig hinter Gittern und schwört Rache an seinem Peiniger. Beim Handlungsstrang von Temenos Mistral entwickelt sich hingegen eine Geschichte um den Mord eines Pontifex. Die Diebin Throné Anguis will sich hingegen von den Machenschaften ihrer Bande lösen und stößt dabei auf Hindernisse. Bei Ochette handelt es sich hingegen um ein Wildlingsmädchen, das ein drohendes Unheil von ihrem Dorf abwenden muss. Zu guter Letzt wäre da die Apothekerin Castti Florenz, die unter Amnesie leidet. Alle acht Geschichten sind wunderbar erzählt. Allerdings bleibt das Problem des Vorgängers bestehen: Sie ergeben nicht wirklich ein großes Ganzes.

Schwache zwischenmenschliche Beziehungen

Bei Octopath Traveler II handelt es sich um ein Spiel, das keine weltumspannende Geschichte erzählt, sondern sich auf die Handlungsstränge der acht Spielfiguren konzentriert. Wäre dies noch geradewegs akzeptabel, da die Geschichten großartig geschrieben sind, enttäuscht einmal mehr die Interaktionsintensität untereinander. Diese ist weder beim ersten noch beim zweiten Teil als vollfertiges Feature des Rollenspiels zu betrachten. Es gibt zwar sehr seltene Momente, an denen sich die Handlungsstränge überschneiden, und auch Gespräche während der Wanderung, die geringfügig an die Skits aus Tales of Symphonia und Co erinnern, sind möglich, aber das ist für ein Spiel dieses Ausmaßes viel zu wenig. Dieses Defizit ist gerade deshalb unverständlich, da es schon beim ersten Serienteil kritisiert wurde. Noch größeres Kopfschütteln wird bei uns hervorgerufen, wenn wir an Trials of Mana denken. Da hat das schon in den 1990er-Jahren auf dem Super Nintendo funktioniert und im Remake aus dem Jahr 2019 sogar noch einmal besser. Entwicklerstudio Acquire verlässt sich zu sehr auf den Nostalgiebonus, dass das Spiel aufgrund seines immer noch frischen Retro-Looks wohl genug Käufer anspricht. Bei ein paar Monaten mehr Entwicklungszeit hätte mit einer Dialogvielfalt etwas Großartiges geschaffen werden können. So wirkt dieser Aspekt aber schlicht unfertig.

Vielfältige Wege-Aktionen bei Tag und bei Nacht

Definitiv nicht unfertig wirkt das allgemeine Gameplay von Octopath Traveler II, denn dieses lädt in vielerlei Hinsicht zum Experimentieren ein. Allen voran müssen hier die toll geschriebenen Charaktere gelobt werden, denn genau so wie sie sich in den Story-Sequenzen geben, so spielen sie sich. Beispielsweise können wir mit Throné Taschendiebstähle ausführen und mit Temenos Nicht-Spieler-Charaktere ausquetschen, um versteckte Gegenstände und geheime Informationen zu erlangen. Hikari kann hingegen Menschen zum Duell fordern, um durch den Kampf neue Fähigkeiten zu erlernen. Jede Spielfigur beherrscht zwei dieser sogenannten Wege-Aktionen, die von der Tageszeit abhängig sind. Zeit vergeht entweder automatisch, wenn wir durch die Welt reisen oder auf Knopfdruck. Jederzeit können wir die Tageszeit dynamisch und noch dazu ohne Ladezeiten wechseln. Während wir mit Osvald tagsüber Menschen unter die Lupe nehmen, um mehr über sie zu erfahren, können wir sie nachts ausrauben. Partitio kann je nach Tageszeit mit Nicht-Spieler-Charakteren handeln oder sie anheuern, um sie in den Kämpfen als Unterstützung herbeizurufen. Noch dazu haben diese Begleiter einen Einfluss auf den Handel mit anderen Figuren. So verzahnen sich die Wege-Aktionen stark mit dem restlichen Gameplay, was uns außerordentlich gut gefällt und uns richtig austoben lässt.

Bekannt gute Ansätze mit denselben Schwächen

Obwohl die Wege-Aktionen Octopath Traveler II wie schon den ersten Teil zu einer riesigen Spielwiese machen, sind bedauerlicherweise dieselben Logikfehler zu beanstanden. In jeder Stadt können wir bei einer Wege-Aktion bis zu fünf Mal scheitern. Fällt unserem Opfer zum Beispiel der Diebstahl auf, so reagiert er danach dennoch freundlich auf uns. Erst wenn wir fünf Mal gescheitert sind, können wir keine Wege-Aktion mehr einsetzen und müssen unseren guten Ruf gegen Bares in der hiesigen Kneipe, in der wir auch die Charaktere unserer maximal vierköpfigen Gruppe auswechseln können, wiederherstellen. Wenn sich das japanische Rollenspiel schon europäischen Werken annähern will, so sollte ein wenig mehr auf Logik und Co geachtet werden. Die Gothic-Reihe ist hierfür ein Paradebeispiel. Dies ist aber wirklich nur der Tropfen auf dem heißen Stein, denn ansonsten macht das Erbeuten von Items, Informationen und Fähigkeiten jede Menge Spaß. Daneben lädt die Spielwelt sehr stark zum Erkunden ein. Überall gibt es kleinere Abzweigungen, die uns zu mal mehr und mal weniger wertvollen Schätzen führen. Es macht Spaß, jeden Winkel der Welt zu erforschen, da wir alle paar Minuten dafür belohnt werden. Warum aber gerade das Dungeondesign so linear ausfällt und nicht einmal das Allernötigste bietet, ist uns wiederum ein ganz fieser Dorn im Auge.

Taktisches Kampfsystem mit Tiefgang

Beim Kampfsystem gibt es nur wenig zu beanstanden. Wie der Vorgänger ist auch Octopath Traveler II ein rundenbasiertes Rollenspiel mit Kampfbildschirm. Laufen wir also durch die Gegend, beginnt in absolut fairen und niemals nervigen Abständen ein Zufallskampf. Gegner sind also in den Gebieten mit Ausnahmen von größeren Zwischen- und Bossgegnern nicht zu sehen. Je nachdem wie agil unsere Charaktere sind, desto früher sind sie in der jeweiligen Runde am Zug. Sobald einer unserer vier Recken an der Reihe ist, können wir in aller Seelenruhe unsere Entscheidungen treffen. Großartige Änderungen seit dem ersten Teil sind hierbei aber nicht zu finden. Das ist aber auch nicht schlimm, da schon Octopath Traveler mit einem funktionierenden Kampfsystem aufgewartet hat. Um einem Gegner ordentlich Schaden zufügen zu können, müssen wir erst einmal seine Schwächen herausfinden. Ist ein Gegner zum Beispiel empfindlich für Schwertangriffe und Feuermagie, so setzen wir verstärkt diese ein, um die Verteidigung des Gegners zu durchdringen. Anschließend ist dieser für eine Runde außer Gefecht gesetzt. Jede Runde wird uns übrigens auch eine Bonusaktion gutgeschrieben, sofern wir in der vorherigen Runde nicht Gebrauch davon gemacht haben. So können wir unsere Feinde gleich mehrfach angreifen, was durchaus für sehr viele taktische Spielzüge sorgt.

Fantastischer Soundtrack

Letzteres ist klar von Bravely Default inspiriert, lässt aber glücklicherweise Spielraum für Fehlentscheidungen. Die Kämpfe verlaufen je nach Gruppe recht schnell. Lediglich bei den Bosskämpfen müssen wir auch schon mal etwas vorsichtiger agieren. Solche Kämpfe können sich dann auch je nach Level unserer Helden auch ein wenig in die Länge ziehen. Der einzige Wertmutstropfen hierbei ist, dass Charaktere, die sich nicht in der aktuellen Gruppe befinden, auch keine Erfahrungspunkte erhalten. Das führt regelmäßig zum wiederholten Aufleveln und dürfte selbst unter Fans des Genres nicht jeden Spielertypen ansprechen. Wesentlich ansprechender sind Grafik und Musik von Octopath Traveler II. Während die Spielwelt stark an 16-Bit-Rollenspiele angelehnt ist, aber tatsächlich aus 3D-Modellen besteht, handelt es sich bei den dargestellten Figuren um typische 2D-Sprites. Hinzukommen hübsche Spezialeffekte, die die Atmosphäre verdichten. Nicht unschuldig daran ist auch der Soundtrack von Komponist Nishiki Yasunori, der mit jeder verdammten Note den richtigen Ton trifft. Viel zu selten bieten japanische Rollenspiele diese Wucht, die hier jederzeit zu hören ist. Wer mit den wenigen, aber nicht von der Hand zu weisenden Defiziten des Spiels leben kann, bekommt mit Octopath Traveler II ein solides Rollenspiel, das auf einer Ebene mit dem Vorgänger steht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC- und der Nintendo-Switch-Fassung): Octopath Traveler II macht mir als Fan des Genres sehr viel Spaß. Auch nach vielen Stunden habe ich immer noch Lust, die Spielwelt zu erkunden, mich in etliche weitere Zufallskämpfe zu stürzen und die Geschichten der acht Charaktere zu erleben. Fantastisch geschriebene Handlungsbögen, großartig vertonte Dialoge und auch das technische Grundgerüst machen dieses japanische Rollenspiel wahrlich zu einem Freudenfest. Leider verpufft ein guter Teil der Atmosphäre durch die kaum vorhandenen zwischenmenschlichen Beziehungen der acht Charaktere, denn diese agieren so gut wie gar nicht miteinander. Dies mag womöglich an einer fehlenden übergeordneten Handlung liegen, aber auch so ist das nicht zu verstehen. Hier haben sogar Spiele aus den 1990er-Jahren die Nase vorn. Vor allem nach der Kritik, die diesbezüglich beim Vorgänger gefallen ist, und auch aufgrund der sonst sehr hohen Qualität des zweiten Teils, ist dies für mich unbegreiflich. Gerade wegen dieser verpassten Chance bleibt Octopath Traveler II leider nur auf einer Ebene mit dem ersten Teil. Da dieser aber schon ein gutes Spiel war, ist das nicht so schlimm. Octopath Traveler II hätte eben nur noch viel besser sein können.

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Octopath Traveler II!

Prime Time: Josie, der Tiger und die Fische (Unboxing)

Unseren persönlichen Eindruck vom Anime-Film Josie, der Tiger und die Fische haben wir euch bereits ausgiebig in einer Rezension mitgeteilt. Damit ihr auch einen Eindruck von der phyischen Publikation erhaltet, folgt heute unser Unboxing-Video zum Film. Wir wünschen euch viel Spaß und gute Unterhaltung!

Review: ACA Neogeo Metal Slug 3

Brachiale Daueraction, eine absurde Story, illustre Gegner, das Verschlingen dutzender Continues und die größte Rettungsaktion des Jahres 2000 – was Metal-Slug-Fans bereits 1996 und 1998 in den Vorgängern erlebten, gipfelt im dritten Serienteil in einem neuen Höhepunkt.

Die Handlung von ACA Neogeo Metal Slug 3 spielt zeitlich ein paar Jahre nach den ersten beiden Serienteilen. General Morden strebt nach der Weltherrschaft und um dieses Ziel zu erreichen, verschwört er sich mit einer Alien-Rasse gegen die Weltregierung. Major Marco Rossi, Captain Tarma Roving, Sergeant Eri Kasamoto und Sergeant Fiolina Germi nehmen den Kampf gegen Morden auf, um die Welt vor dem drohenden Unheil zu bewahren. Wir durchstreifen einen Dschungel, tauchen in eine Kanalisation ab, durchkämmen die Wüste und kämpfen schlussendlich sogar im Weltraum. Obwohl die Story des Titels sehr unscheinbar als Genre-Standard beginnt, entwickelt sie sich im letzten der insgesamt fünf Levels zur wohl größten Rettungsaktion des Jahres 2000. Inszenatorisch sucht der Titel bei zweidimensionalen Shoot ’em ups, die aus der Seitenperspektive gespielt werden, ohnehin seinesgleichen. Ein Großaufgebot an Mordens Soldaten, eine Horde Zombies, überdimensional große Pflanzen, die ein Mitglied unseres vierköpfigen Teams mit einem Bissen runterschluckt, Rieseninsekten, Mumien und schließlich Aliens werden uns in Massen vor die Flinte gesetzt. Das sorgt dafür, dass unser Finger ständig am Abzug beziehungsweise auf dem Feuerknopf liegt und nicht nur die Gegner, sondern auch das Bild mit dutzenden Projektilen gleichzeitig vollgepumpt wird.

Massenvernichtung

Wem Mega Man und Konsorten schon zu schwierig sind, wird auch mit dem dritten Teil der Metal-Slug-Reihe keine Freude haben. Metal Slug 3 zeigt wunderbar, wie schwierig man ein Spiel gestalten kann, ohne dass man ständig dabei flucht, wie unfair die Stelle gestaltet ist. Das liegt aber auch daran, dass in der Heimkonsolenversion des Titels wie bei den anderen Spielen der ACA-Neogeo-Reihe jederzeit Credits kostenfrei auf Knopfdruck hinzugefügt werden können. Für einen Credit erhalten wir zwar drei Leben, doch hält unsere Spielfigur nur einen einzigen Treffer aus. Aufgrund der irrwitzigen Faszination, die der Titel auf uns versprüht, wären wir um die Jahrtausendwende in der japanischen Spielhalle sicherlich arm geworden. Können wir in Metal Slug 3 nur mit der Standardwaffe angreifen, da wir mal wieder unsere Granaten und die ganze Munition von Maschinengewehr, Laser-Pistole, Raketen- oder Flammenwerfer verschossen haben, fühlen sich viele Gegner übermächtig an. Also wagen wir uns mit unserem Nahkampfmesser ins Gefecht und töten unsere Feinde oft mit einem Messerstich auf der Stelle. Erst im späteren Spielverlauf wird auch diese Taktik erschwert, da die Gegner mehr und mehr einstecken können. Abhilfe schaffen hier Vehikel wie Panzer oder Flugzeuge, die jedoch nur auf festen Stellen im Spiel genutzt werden können.

Glanzstunde des Chaos

Metal Slug 3 wäre kein richtiger Teil der Reihe, wenn wir auch hier mit Limitierungen zu kämpfen hätten. Die Fahrzeuge halten zwar deutlich mehr als nur einen Treffer aus, doch wird beispielsweise unser Unterseeboot zerstört, steht es uns für den Rest des Spielabschnitts nicht mehr zur Verfügung – und es ist wahrhaftig kein Spaß, mit einem Mini-Gewehr gegnerische Unterseeboote abzuschießen, während man uns mit Torpedos zu Brei verarbeiten möchte. Dennoch geben wir gerne einen Credit nach dem anderen aus, um Morden und die Aliens aufzuhalten. Das liegt auch an der guten Steuerung, die fast tadellos funktioniert. Wer alle Angriffe der Gegner gleichzeitig berechnen kann, hat auch das Talent zum Ausweichen und kann die Attacken mit Dauerfeuer erwidern. Optisch bietet der Titel mit 16-Bit-Grafiken eine gute Auswahl unterschiedlicher Settings und Tötungsanimationen, die uns richtig leiden lassen. Werden wir beispielsweise von einem Zombie angespuckt, mutieren wir selbst zum Untoten und können vor dem endgültigen Ableben noch einmal kurz über die Erde wandeln. Hinzu kommt ein rockiger Soundtrack, der die Action auch im kooperativen Zwei-Spieler-Modus wunderbar unterlegt. Metal Slug 3 kann nämlich genau dann, wenn beide Spieler (bewaffnet mit je einem Joy-Con) gleichzeitig agieren, mit noch viel mehr Chaos glänzen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der eShop-Fassung): ACA Neogeo Metal Slug 3 ist ein irrwitziges Action-Spektakel, das man nicht nur in puncto Story nicht ganz ernst nehmen sollte. Das Gameplay ist dermaßen überdreht, sodass man aufgrund des Großaufgebots an Gegnern und der damit einhergehenden Ballerorgie einfach nur seinen kurzweiligen Spaß hat, was besonders kooperativ mit einem Mitspieler vor dem Fernseher funktioniert. Wer ein Spiel für einen unterhaltsamen Nachmittag zu zweit sucht, wird hier definitiv fündig. Alleine macht der Titel mit seiner Highscore-Jagd aber nur bedingt Spaß, denn das Gameplay ist unterm Strich einfach zu repetitiv, als dass ich mich gerne versuche, auf der Online-Rangliste zu positionieren. Möchte man also langfristig Spaß mit einem Titel haben, sollte man eher zu Alternativen wie Mega Man X und Co greifen.

Review: Alice in Borderland (Doppelband 2)

Alice in Borderland knüpft im zweiten Doppelband, der hierzulande im Februar 2023 erschien, an die Ereignisse der Geschehnisse im Debüt der Manga-Reihe an. Aufgeteilt ist der Doppelband, wie könnte es auch anders sein, in zwei Hälften. In der ersten Hälfte legt der Manga den Fokus auf die bisherigen Protagonisten, allen voran Arisu Ryōhei. Dieser war im letzten Spiel auf Leben und Tod erfolgreich und konnte sein Visum im titelgebenden Borderland zusammen mit seinem guten Kumpel Karube Daikichi um ein paar Tage verlängern. Anders sieht es bei ihrem gemeinsamen Freund Segawa Chōta aus. Dieser hat sich verletzt und muss sich von den Strapazen erholen. Gesellschaft leistet ihm dabei Shibuki Saori, einer Frau, die ihren Überlebenswillen verloren hat und sich Verständnis vom angeschlagenen Chōta verspricht. Die beiden kommen sich emotional näher. Damit nicht nur Chōta, sondern auch der Leser sich ein besseres Bild von Saori machen kann, erfährt dieser in einer etwas größeren Rückblende weitere Einzelheiten über die Teilnehmerin an den Spielen des Borderlands. Auf kurz oder lang müssen sie sich aber des Überlebens willen wieder auf das nächste Spiel einlassen. Ihr Weg führt sie in einen botanischen Garten, der sich unterhalb einer riesigen Kuppel befindet. Hier erwartet die Teilnehmer das bisher widerwärtigste Spiel von Alice in Borderland.

Frischer Handlungsort mit neuen Charakteren

Es handelt sich hierbei um ein „Versteckspiel“, bei dem ein Wolf Jagd auf drei Schafe machen muss. Wie genau die Regeln aussehen und welche abartige Belohnung wartet, soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden. In der zweiten Hälfte verschlägt es die Charaktere des Mangas an einen neuen Handlungsort, an dem die Figuren neue Einzelheiten über das Borderland und ihre Ausreise erfahren können. Weitere Charaktere wie der liebevoll als Hutmacher bezeichnete Danma Takeru, die ehemalige Bekleidungsgeschäftangestellte Kuina Hikari und der durchtriebene Chishiya Shuntarō stellen die sozialen wie politischen Hierarchien vor. Das heißt auch, dass sich der Fokus von den gefährlichen Spielen verlagert. Stattdessen werden die zwischenmenschlichen Beziehungen hervorgehoben. Eine Entwicklung, die schon auf den ersten Seiten des vorliegenden Mangas zu erkennen ist und definitiv eine Bereicherung für die Erzählstruktur sind. Besonderen Wert legt die Handlung im zweiten Teil des zweiten Doppelbandes auf Yuzuha Usagi, die den Verlust ihres Vaters zu betrauern hat und dennoch um ihr Überleben im Borderland kämpfen muss. Durch die Einführung weiterer Figuren bleiben Story und Spiele dynamisch. Kenner der Fernsehserie erleben nur wenig Neues, aber wer nur den Manga kennt, wird von Alice in Borderland auch diesmal mitgerissen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Während der erste Doppelband von Alice in Borderland eine sehr gute Einführung in die Manga-Reihe darstellt und einen Überblick über die Grundregeln der Spiele vermittelt, baut die zweite Ausgabe auf diesem Grundkonzept auf. Soll heißen, dass es zwar nach wie vor makabere Spiele auf Leben und Tod gibt, diese aber bis auf ein großes Spiel in den Hintergrund rücken. Vielmehr werden die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Charakteren beleuchtet, die stellenweise sehr tiefgründig ausfallen. Auch dass Hintergründe über in diesem Band eingeführten Persönlichkeiten an Ort und Stelle über Dialoge erzählt oder sogar bildlich mit Rückblenden dargestellt werden, ist ein wichtiger Punkt der Erzählstruktur von Alice in Borderland. Darüber hinaus zeigt der zweite Doppelband von Alice in Borderland in mehrerlei Hinsicht kompromisslos, welche Auswirkungen Niederlagen in einem Spiel haben können. Der zweite Band ist eine gelungene Fortsetzung mit Tiefgang und Mehrwert, an dem kein Fan der Reihe herum kommt.

Vielen Dank an Hayabusa für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Alice in Borderland (Doppelband 2)!

Abbildungen: IMAWA NO KUNI NO ALICE © 2011 Haro ASO/ SHOGAKUKAN

Review: Mana Spark

Rogue-like-Elemente gehören heute gefühlt fast in jedes zweite Spiel, das auf den digitalen Marktplätzen landet. Auch im Action-Adventure-Twin-Stick-Shooter-Verschnitt Mana Spark von den Kishimoto Studios kommen Spieler nicht um zufallsgenerierte Inhalte herum.

In der Welt von Mana Spark wird die Menschheit jede Nacht von Dämonen heimgesucht und an den Rand der Vernichtung getrieben. Um das drohende Schicksal abzuwenden, haben sich ein paar wenige Verbündete zusammengetan und kämpfen gemeinsam gegen die Wesen der Finsternis. Anhand dieser kurzen und knappen Beschreibung von Handlung beziehungsweise Hintergründen lässt sich gut erkennen, dass die Geschichte an kaum einer Stelle tiefgründiger wird. Hauptsächlich geht es darum, immer tiefer in die Spielwelt einzudringen, neue Personen für das als Ausgangspunkt dienende Lager zu rekrutieren und vor allem gefangene Kämpfer zu befreien. Obwohl die Story des Spiels suggeriert, dass die Helden tatsächlich Seite an Seite kämpfen, sind wir in Mana Spark jedoch die ganze Zeit über alleine unterwegs. Angefangen in einem Wald voller gefräßiger Wölfe, kämpfen wir uns danach auch noch durch andere dunkle Gebiete wie einen Kerker, in dem zum Leben erwachte Skelette uns ans Leder wollen. Im Großen und Ganzen sind die Gebiete aber recht abwechslungsarm, was vor allem an den labyrinthartigen Level-Aufbau von The Legend of Zelda: Link’s Awakening oder The Binding of Isaac erinnert. Damit sich in einem Raum, der stets auf der Minimap sichtbar ist, der Weg zum nächsten Stockwerk öffnet, müssen in verschiedenen Räumen spezielle Hebel betätigt werden.

Vollgepackt mit tollen Sachen

Hierbei handelt es sich um den wohl größten Kritikpunkt des Spiels, denn immer wenn wir mit unserem Helden sterben, landen wir wieder im Lager und müssen von dort aus sämtliche Ebenen des Dungeons von vorne erschließen. Das ist überaus nervig, denn obwohl die eigentliche Spielgeschwindigkeit auf ein relativ hohes Tempo setzt und ein Stockwerk je nach Gegneranzahl flott erschlossen werden kann, ist die Suche nach dem Hebel einfach nur repetitiv und auf Dauer sehr mühselig. Für das Besiegen von Gegnern erhalten wir hin und wieder Goldmünzen oder Runen. Mit Goldmünzen können wir uns im Dungeon in regelmäßigen Abständen temporäre Ausrüstungsgegenstände oder Sekundärwaffen zulegen. Neue Ausrüstung kann beispielsweise den Schaden, den wir austeilen und unsere Lebensenergie erhöhen oder die Projektilgeschwindigkeit unserer Feinde verringern. Sekundärwaffen sind Bomben, Fangnetze, Bärenfallen oder Selbstschussanlagen, die in brenzligen Situationen unverzichtbar sind. Runen sind hingen die semi-permanente Währung von Mana Spark, die an bestimmten Stellen im Dungeon automatisch gespeichert werden. Alle Runen, die wir außerhalb dieser Position verlieren, sind unwiderruflich verloren. Im Lager können wir uns damit neue Sekundärwaffen schmieden lassen, sie in Monsterwissen investieren oder uns hilfreiche Wegzehrung zulegen.

Halbgare Switch-Portierung

Obwohl sich durch die zufälligen Objekte, Sekundärwaffen und die Nahrungsvariationen jede Menge Möglichkeiten im Spielfluss ergeben, entscheiden sie viel zu häufig über Sieg und Niederlage. Mit Selbstschussanlagen und vergifteten Pfeilen ist der erste Bossgegner ein Witz, während andere Objekte ihn hingegen zu einem nur sehr schwer aus dem Weg zu räumenden Hindernis machen, zumal er uns mit zwei Treffern pulverisieren kann. Weitere Abwechslung gibt es mit den geretteten Helden: Zu Beginn kämpfen wir als Bogen- oder Armbrustschütze hauptsächlich aus der Ferne, später kommt mit dem Schwertkämpfer auch eine Spielfigur hinzu, mit der wir uns in den brenzligen Nahkampf schmeißen dürfen. Über den rechten Analog-Stick wird die Angriffsrichtung festgelegt, was aber vor allem im Handheld-Modus eine unglaublich fummelige Angelegenheit ist. Unter technischen Gesichtspunkten ist Mana Spark auch anderweitig ein zwiespältiges Spiel. Zum einen weiß der Retro-Pixel-Look zu gefallen und auch dass Pfeile sichtbar an Gegnern oder der Umwelt dauerhaft stecken bleiben, ist ein nicht zu unterschätzendes atmosphärisches Detail. Zum anderen treiben einen die Ladezeiten zur Weißglut, denn was auf dem PC nur ein bis zwei Sekunden dauert, nimmt bei der Switch-Version konträr zum schnellen Gameplay ärgerliche 15 bis 16 Sekunden in Anspruch. Trotz stimmiger Musikuntermalung ist das alle zwei bis drei Minuten einfach nur nervenaufreibend.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Switch-Fassung): Es ist wirklich ärgerlich, dass es auch im Jahr 2018 immer noch halbgare Portierungen auf die Nintendos Switch geschafft haben. Mana Spark bildet da keine Ausnahme, denn trotz schöner Retro-Pixel-Optik dauern die Ladezeiten einfach zu lang und stören durchweg. Die Steuerung ist ebenfalls eine hakelige Angelegenheit, fühlt sich aber zumindest im TV-Modus mit angeschlossenem Pro Controller halbwegs angenehm an. Wer sich von diesen Kritikpunkten nicht stören lässt, kann mit Mana Spark ironischerweise dennoch seinen Spaß haben. Das eigentliche Gameplay läuft sehr flott und die Varianz der Heldenzusammensetzung ist durchaus facettenreich, wenn in einzelnen Fällen auch sehr unausgeglichen. Fans von Rogue-like-Spielen dürfen sicher einen Blick riskieren, sollten nach Möglichkeit aber Abstand von der halbherzig portierten Switch-Version nehmen.

 

Review: One Piece: Box 30 (Episoden 878–902)

Am 18. August 2022 erschien hierzulande die große Jubiläumsbox der Anime-Serie One Piece. Satte dreißig Ausgaben lang dürfen Fans die Strohhutpiraten auf ihrer Reise begleiten. Da verwundert es aber stark, dass gerade die Folgen der dreißigsten Serienbox etwas enttäuschen.

Filler-Episoden gehören bei Anime-Serien, die seit etlichen Jahren laufen und zudem auch auf einer Manga-Vorlage basieren, einfach dazu. Bei der 1999 gestarteten Anime-Serie One Piece können diese Folgen aber ganz schön zermürben. Das heißt, bevor es in der dreißigsten Ausgabe so richtig losgeht, müssen die Zuschauer erst einmal so einige Rückblickfolgen in Kauf nehmen. Fans erinnern sich hierbei wohl oder über in die Geschehnisse der neunten Serienbox zurückversetzt, denn auch dort wurde bereits ein Handlungsstrang in die Länge gezogen. Das ist im dreißigsten Episodenpaket zwar nicht ganz so heftig, da Ereignisse thematisiert werden, die einige hundert Folgen zurückliegen, aber dennoch ist ein fader Beigeschmack keineswegs von der Hand zu weisen. Zu Beginn des neuen Erzählstrangs steht die bereits mehrfach angedeutete Reverie im Mittelpunkt der Geschichte. Hier treffen sich fünfzig Nationen, die quer über den Globus verteilt sind, in der heiligen Stadt Mary Joa zu einer Weltkonferenz. Mit von der Partie sind zum Beispiel das Königreich Alabasta, die Fischmenscheninsel oder die Regierung des Inselarchipels von Dress Rosa. Vertreter sind Charaktere, die Monkey D. Ruffy und seine Freunde bereits getroffen haben. Sie tauschen notgedrungen Erinnerungen aus und nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise voller Nostalgie. Gelegenheitszuschauern wird so zwar ihr Wissen aufgefrischt, aber Hardcore-Fans der ersten Stunde könnten sich daran echt stören.

Neue Einzelheiten, aber zu viele Rückblenden

Nebenher erhalten die Zuschauer Einblicke in die Geschichte der Revolutionsarmee, die sich heimlich nach Mary Joa begibt und es tatsächlich schafft, sich einzuschleusen. Die Erzählung wird hierbei vor allem aus der Sicht von Sabo erzählt, der die Herrschaft der Weltaristokraten stoppen will. Interessant sind definitiv auch die vielen Einzelheiten über die Welt, in der One Piece spielt, die aus Sicht der Gegenspieler immer mal wieder eingeworfen werden. Es ist in den wenigen Momenten, die nicht aus Flashbacks bestehen, wirklich erfrischend, tiefer in das Universum einzutauchen. Dass das sicherlich auch abgekürzt hätte werden können, steht wohl außer Frage, aber dann würde sich Tōei Animation mit der Beliebtheit des Franchises ja nicht so sehr die Taschen vollstopfen können. Nach etwa der Hälfte der enthaltenen 24 Episoden wird die Handlung deutlich stärker aus der Sicht von Strohhut Ruffy, Navigatorin Nami, Musiker Brook, Smutje Sanji Schiffsarzt Chopper und ihrer Begleiterin Carrot geschildert. Nach den Geschehnissen auf Whole Cake Island ist die Bande auf dem Weg nach Wa no Kuni – um sich dort mit ihren Freunden zusammenzuschließen, die in der Gesellschaft des absolut japanisch angehauchten Inselreichs untergetaucht sind. Gemeinsam wollen sie einen der vier Kaiser stürzen und die Ordnung in Wa no Kuni wiederherstellen. Kaidō der hundert Bestien wartet aber nur darauf, dass die Strohhutpiraten zuschlagen und bringt seine Leute in Stellung.

Japanische Einflüsse aus der Kunst

One Piece bedient sich in der dreißigsten Serienbox einem bekannten Stilmittel, denn wie so häufig werden die Strohhüte bei ihrer Ankunft in Wa no Kuni voneinander getrennt. Deshalb dürften die Zuschauer auch in den nächsten Episodenpaketen, die sich mit diesem Handlungsstrang beschäftigen, auf viele unterschiedliche Zeit- und Erzählebenen treffen. Der Einstand in Wa no Kuni läuft noch sehr gemächlich ab, was mitunter auch daran liegt, dass die Geschichte der Episoden aus dem Jahr 2019 schon kurz nach der Ankunft durch Bonusfolgen unterbrochen werden, die eine alternative Story der Strohhüte behandeln und daher eigentlich schon übersprungen werden können. Sonderlich spannend sind diese Folgen obendrein auch nicht. Was den ersten Folgen dieser Staffel an Inhalten fehlt, machen sie aber mit einem leicht veränderten Zeichenstil wieder wett. Schon vor dem Eintreffen in Wa no Kuni erinnern die Wellen des Meeres stark an Ukiyo-e, einem japanischen Zeichenstil, der häufig, aber nicht nur mit dem japanischen Farbholzschnitt in Verbindung gebracht wird. Auch diverse Charaktere und die Konturen von Lorenor Zorro erinnern daran. Es ist schön zu sehen, wie sich hier stilistisch ausgetobt wird, ohne gleich einen Bruch zu erzwingen. Kunsthistoriker dürften an dieser und wohl auch den weiteren Serienboxen der Wa-no-Kuni-Erzählung ihre wahre Freude beim Analysieren und Vergleichen haben. Storytechnisch muss diese aber besser werden!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Episoden 878 bis 902 der Serie): Auch wenn Anime und Manga für sich genommen schon eine Kunstform bilden, so ist es doch faszinierend, wie teils Jahrhunderte alte Stile ihre Rückkehr feiern. Die Anime-Serie One Piece nutzt unter anderem Merkmale des Ukiyo-e so dezent an der Darstellung einzelner Details, dass sie den Zuschauern zwar sofort ins Auge springen, diese die Einzelheiten aber als Teil des Gesamtbildes ohne mit der Wimper zu zucken akzeptieren. Aus einer kunsthistorischen Perspektive sind die Folgen der dreißigsten Serienbox durchaus ein spannendes Diskussionsthema. Storytechnisch können die Episoden aber leider nicht ganz überzeugen. Das liegt eigentlich nur daran, dass One Piece einmal mehr viel zu viele Rückblenden am Stück präsentiert und Bonusfolgen einbaut, die überhaupt nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben. Zusammengenommen bieten unterm Strich nur die Hälfte der Episoden wirklich neue Inhalte. Das ist vom Animationsstudio zwar gut gemeint, da teilweise wirklich weit zurückliegende Ereignisse dargestellt werden, doch gerade Fans, die einfach nur wissen wollen, wie es weitergeht, dürften sich daran stören. Damit fällt die 30. Serienbox leider etwas schwach aus, aber da sich One Piece erfahrungsgemäß schnell von solchen Strapazen erholt, bin ich zuversichtlich, dass es sehr schnell wieder aufwärts geht.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von One Piece: Box 30 (Episoden 878–902)!

Review: The King’s Bird

Independent-Videospiele versuchen sich häufig über einen besonderen Grafikstil zu identifizieren, um sie unvergesslich oder vielleicht sogar unsterblich zu machen. The King’s Bird aus dem Jahr 2018 sieht zwar gut aus und klingt noch besser, scheitert aber an der Spielbarkeit.

In The King’s Bird übernehmen wir die Kontrolle über eine nicht näher definierte Spielfigur, die in einer Stadt, welche in einer Art magischen Käfig steckt, gefangen ist. Versuche, den Käfig nach Osten oder Westen zu verlassen, scheitern kläglich. Ein womöglich feindseliger Charakter, das Spiel bleibt durchweg sehr kryptisch, kann die magische Barriere des Käfigs durchdringen und schickt uns fort. Neugierig wie wir sind, folgen wir dem Fremden in einen Turm und erhalten dort die Fähigkeit, durch die Lüfte zu gleiten. Freiheit ist das zentrale Thema der Handlung und genaugenommen auch des Gameplays, denn in zweidimensionalen Levels laufen, hüpfen und sausen wir wie die Vögel durch die Luft. Eine Inspirationsspritze erhielt The King’s Bird ganz klar von Super Meat Boy von 2010, denn weite Teile der Level-Architektur sind mit Dornen durchzogen, die wir nicht berühren dürfen. Sobald das Gestrüpp auch nur ansatzweise den Körper unserer Spielfigur tangiert, werden wir zum letzten Checkpoint zurückgeworfen. Selbiges gilt für eine unfreiwillige Wasserbombe in einen Teich oder den Sturz in einen Abgrund. Glücklicherweise liegen die meisten Kontrollpunkte in der Regel nur ein paar Sekunden zurück, sodass sich der Frust in The King’s Bird diesbezüglich auf ein Minimum reduziert. Es gibt jedoch andere Elemente, die uns hier und da wurmen.

Durchschnittliche Portierung

Eines dieser Ärgernisse ist die Steuerung. Vor allem in den ersten ein bis zwei Spielstunden fühlt sich diese nicht sonderlich rund an. Sobald jedoch einmal verinnerlicht ist, dass für das Laufen an Wänden die rechte und für das Gleiten in der Luft die linke Schultertaste gedrückt und gegebenenfalls mit dem Aktionsknopf kombiniert werden muss, fühlt sich das fast schon parkourartige Gameplay auf einmal sehr viel angenehmer an. Warum das Spiel jedoch häufig erkennt, dass beim Hochlaufen der Wand bei einem nach oben geneigten Analog-Stick dieser angeblich nach unten gedrückt sei, ist uns ein Rätsel. Insbesondere nach mehreren Sprungeinlagen, bei denen auch noch Vögel als Sammelobjekte aufgelesen werden möchten, sorgt das für reichlich Frust. Ebenso unschön sind die permanenten Einbrüche in der Bildwiederholungsrate: Niemals läuft The King’s Bird, selbst im stationären Betrieb der Nintendo Switch, wirklich flüssig. Dies wirkt sich teilweise negativ aufs Gameplay aus, denn knifflige Passagen, bei denen jeder Millimeter sitzen muss, werden so zu einer kleinen Tortur. Das Spiel kann in unseren Augen noch so schön sein und der Soundtrack das Geschehen noch so toll unterlegen, spielerisch ist The King’s Bird aufgrund dieser Defizite leider nur durchschnittlich. Wer die Möglichkeit hat und sich fürs Spiel interessiert, sollte zur etwas besseren PC-Version greifen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Switch-Fassung): The King’s Bird mag auf den ersten Blick ein zumindest optisch schönes Spiel sein. Das ist es auch, denn der Grafikstil, der mich an Titel wie Der Schattenläufer erinnert, ist sehr beeindruckend. Hinzu kommt, dass das Abenteuer mit einem fantastischen Soundtrack unterlegt ist und sogar die Emotionen der Spielfiguren auf diese Weise ausgedrückt werden können. Auch thematisch trifft das Spiel mit seinem Gameplay voll ins Schwarze: Selten wird in einem Videospiel das Freiheitsgefühl so treffend eingefangen. Diese Lorbeeren gehen jedoch mit nicht von der Hand zu weisenden Defiziten in Form von Steuerungsaussetzern und unterschiedlich starken, aber permanenten, Einbrüchen in der Bildwiederholungsrate einher. Unter beiden Kritikpunkten leidet das Gameplay mehr oder weniger stark und sorgt damit für einige repetitive Frustmomente. So gerne ich The King’s Bird aufgrund Optik, Akustik und Thematik auch haben möchte, spielerisch bleibt der Titel nur durchschnittlich. Einzig und allein hartgesottene Genre-Fans werden hier glücklich.

 

Prime Time: Black Clover (Vol. 9, Unboxing)

Vor ein paar Wochen haben wir euch die neunte Serienbox der Anime-Serie Black Clover im Rahmen einer Rezension vorgestellt. Mit diesem Unboxing-Video möchten wir euch auch über die haptischen und optischen Merkmale der neunten Ausgabe informieren. Viel Spaß mit unserem Unboxing-Video!

Review: Wonder Boy Anniversary Collection

Zwischen 1986 und 1994 machte die Wonder-Boy-Reihe eine wilde Fahrt durch und erlebte sowohl Höhen als auch Tiefen – und das auch noch in verschiedenen Genres. Anfang 2023 wurden die sechs Serienteile inklusive verschiedener Versionen erneut zugänglich gemacht.

Ältere Semester werden sich noch gut an die Wonder-Boy-Reihe erinnern, die in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren zwar nur kurz aufblühte, doch dafür eine umso schnellere Entwicklung durchmachte. Die Wonder Boy Anniversary Collection, die Ende Januar 2023 unter anderem für die Switch veröffentlicht wurde, steht maßgeblich für diese Pionierjahre in der Geschichte der Videospiele. Enthalten sind in dieser Kollektion alle sechs wichtigen Titel des Franchises. Wonder Boy, Wonder Boy in Monster Land, Wonder Boy III: Monster Lair, Monster World II, Monster World III und Monster World IV können aus dem Hauptmenü der Sammlung gewählt werden. Darüber hinaus enthält die Jubiläumsausgabe nicht nur alle Titel der Reihe, sondern darüber hinaus noch verschiedene Fassungen von ein und demselben Spiel. Wer also mit der Arcade-Variante von Wonder Boy aufgewachsen ist und niemals den Controller einer Konsolenversion in der Hand hielt, kann genauso in Erinnerungen schwelgen wie umgekehrt. Zwar versäumt die umfangreiche Wonder Boy Anniversary Collection tatsächlich alle Fassungen der jeweiligen Spiele an den Fan zu bringen, doch ist das in unseren Augen nicht ganz so schlimm wie es klingt. Die Sammlung gibt trotz allem einen angemessenen Serienüberblick. Die allergrößten Puristen dürften sich womöglich trotzdem daran stören.

Vielfältiges Erscheinungsbild

Wer an das Wonder-Boy-Franchise denkt, hat sehr oft das Bild des Action-Adventures im Kopf, das vor allem Wonder Boy III: The Dragon’s Trap geprägt hat. Womöglich fragt ihr euch jetzt, warum dieser Titel in der oberen Aufzählung nicht genannt wurde. Das wurde er, aber als Monster World II. Tatsächlich bedient sich die Sammlung im Menü überwiegend den Originaltiteln und noch dazu in der abgekürzten Form, sodass dies bei dem einen oder anderen Spieler, der die europäischen oder amerikanischen Bezeichnungen im Kopf hat, für zusätzliche Verwirrung sorgen kann. Durch die Einblendung der Titelbildschirme bei der Wahl der unterschiedlichen Spiele und Versionen findet aber jeder Fan schnell die von ihm oder ihr bevorzugte Fassung. Kennt ihr euch nicht mit der Videospielreihe aus, hilft aber auch das nicht viel, denn wie eingangs erwähnt, bedient die Serie unterschiedliche Genres. Somit enthält das Paket nicht nur Action-Adventures, sondern auch Jump ’n’ Runs und Shoot ’em ups. Auf der einen Seite könnte das abschrecken, da Monster World III ein einflussreiches Spiel in der Historie darstellt, aber gerade diese Vielfältigkeit sorgt für abwechslungsreiches Gameplay. Vor allem jene Spieler, die gerne unterschiedliche Genres spielen, werden mit der Wonder Boy Anniversary Collection mehr als nur zufrieden sein und die Spiele verschlingen.

Arcade-Action und Action-Adventures

Mit Wonder Boy von 1986 erwartet euch ein klassisches Jump ’n’ Run im Arcade-Stil. Um im Level voranzukommen, müssen wir laufen, über Felsen und Feuerstellen springen, mit Steinäxten Gegner aus dem Weg räumen und dabei Früchte einsammeln, die die uns zur Verfügung stehende Zeit verlängern. So schnell das Spielprinzip verinnerlicht ist, so flott fällt auch das Gameplay aus. Beim Nachfolger Wonder Boy in Monster Land aus dem Jahr 1987 sind nur noch bedingt Merkmale des Arcade-Debüts zu erkennen. Hierzu zählt zum Beispiel die uns zur Verfügung stehende Zeit, die uns erbarmungslos davonläuft. Trotz allem legt der zweite Serienteil die Grundlagen für jene Elemente, die wir auch Jahrzehnte später mit der Reihe in Verbindung bringen. So attackieren wir Gegner mit einem Schwert, sammeln Goldmünzen und können diese gegen nützliche Upgrades wie einen Schild bei Händlern investieren, um damit gegen Pfeile gefeit zu sein. Wonder Boy III: Monster Lair schmiss dieses Konzept im Jahr 1988 aber wieder über den Haufen. Bei dieser Episode handelt es sich um ein Shoot ’em up. Auf der einen Seite hüpfen wir über Abgründe und schießen Geschosse auf Gegner, auf der anderen Seite scrollt der Bildschirm automatisch weiter. In regelmäßigen Abständen erwarten uns daneben Flugsequenzen, in denen wir uns riesigen Bossgegnern stellen.

Schlussstrich einer sechsjährigen Entwicklung

Monster World II von 1989 springt wieder ins Action-Adventure-Gefilde und entfernt sich vom Arcade-Gameplay, das sich durch die vorherigen Teile zieht. Mit frischen Ideen wie Verwandlungsmöglichkeiten bohrten die Entwickler das Konzept gehörig auf. So können wir gewisse Areale der Spielwelt nur in einer bestimmten Form erreichen. Grafisch opulenter fällt Monster World III von 1991 auf. Vor allem sorgt die überaus große Spielwelt durch die technischen Möglichkeiten des Sega Mega Drive für eine noch stärkere Immersion. Monster World IV bildete 1994 nach dreijähriger Pause den Schlusspunkt der Reihe. Anstatt jedoch eine große zusammenhängende Welt zu bieten, entführt uns das Spiel nach und nach in größere abgesteckte Gebiete. Abgesehen von diesem Aspekt spielt sich der Titel aber wieder wie die vorherigen Action-Adventures der Reihe. Manche dieser Titel oder Inhalte kommen euch mitunter bekannt vor. So existieren mit Wonder Boy: The Dragon’s Trap und Wonder Boy: Asha in Monster World auch Remakes für die Switch und weitere Plattformen. So hat das Verwandeln in tierische Gestalten zudem Einzug in den spirituellen Nachfolger Monster Boy and the cursed Kingdom von 2018 gefunden. Letzteres Abenteuer wäre ohne den Großteil der in der Wonder Boy Anniversary Collection enthaltenen Spiele nicht möglich gewesen.

Komfort für eine neue Generation

Dass die sechs enthaltenen Spiele mit ihren unterschiedlichen Versionen einen nicht gerade kleinen Einfluss auf das Action-Adventure-Genre ausgeübt haben, auch wenn die meiste Arbeit auf Spiele wie The Legend of Zelda oder Metroid zurückzuführen ist, dürfte spätestens jetzt jedem von euch bewusst sein. Aufgrund ihres Alters lassen sich die Werke von Entwicklerstudio Westone Bit Entertainment heutzutage zwar noch gut, aber besonders für jüngere Spieler wohl nicht zugänglich genug spielen. Dass haben sich auch die Verantwortlichen für die Neuveröffentlichung gedacht und den Spielen Komfortfunktionen verpasst. So können wir das Geschehen auf Knopfdruck jederzeit vor- und zurückspulen. Außerdem dürfen wir jetzt für jede einzelne Version eines Spiels jederzeit bis zu sechs Spielstände anlegen. Noch dazu stehen uns Optionen zur Verfügung, die ins Gameplay greifen. So können wir zum Beispiel wählen, bei wie vielen Punkten wir ein Bonusleben erhalten oder mit wie vielen Versuchen wir das Spiel beginnen. Unterschiedliche Filter und Hintergründe sind ebenso mit an Bord wie zahlreiche Artworks als angenehme Beilage. Wer die Spiele nachholen möchte, erhält mit der Wonder Boy Anniversary Collection die dafür beste Gelegenheit. Auch wenn in der Zwischenzeit die Remakes die Originale überflügelten, macht die Kollektion noch immer Spaß.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Mit der Ende Januar 2023 veröffentlichten Wonder Boy Anniversary Collection ist es kinderleicht möglich, das ganze Franchise inklusive unterschiedlicher Versionen der einzelnen Spiele nachzuholen. Damit bedient die Sammlung sowohl Arcade-Fans als auch jene Spieler, die mit den Titeln vor dem heimischen Fernseher aufgewachsen sind. Zwar enthält die Sammlung nicht jede einzelne Fassung der enthaltenen Werke von Westone Bit Entertainment, aber sie geben einen sehr guten Überblick über die Marke. Die Sammlung bietet mit Jump ’n’ Runs, Shoot ’em ups und Action-Adventures zudem eine gelungene wie abwechslungsreiche Mischung. Sie zeigen die temporeiche Entwicklung, die die Serie durchgemacht hat. Bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten Versionen der Spiele wirklich gut spielbar. Aufgrund veralteter Mechaniken, die insbesondere jüngeren Spielern ein Dorn im Auge sein könnten, verfügt die Kollektion über mehrere Komfortfunktionen, bei denen sich vor allem die Rückspulfunktion positiv bemerkbar macht. Für Fans von Retro-Spielen, die die Wonder-Boy-Reihe nachholen wollen, gibt es derzeit keine bessere Möglichkeit, als bei dieser umfangreichen Sammlung zuzugreifen!

Review: Yōkai Watch (Band 17)

So wirklich kommt die Manga-Reihe Yōkai Watch nicht aus ihrem Tief heraus. Es ist schon der dritte Band in Folge, der nicht so wirklich zu überzeugen weiß. Das ist durchaus schade, da die Marke unglaublich viel Potenzial bietet. Im siebzehnten Band fährt der Manga in insgesamt elf Kapiteln auf insgesamt 194 Seiten das inzwischen gewohnte Programm ab. Das heißt im Klartext, dass Protagonist Nathan, sein Yōkai-Butler Whisper und der drollige Jibanyan Bekanntschaft mit unterschiedlichen Yōkai machen, die abermals jede Menge Schabernack treiben. Das Schließen von Freundschaften mit den Yōkai hat jedoch bereits in den letzten Ausgaben stark abgenommen. Obwohl der Leser nach Abschluss des Bandes bereits das 178. Kapitel betrachtet hat, ist Nathans Freundeskreis unter den Yōkai noch nicht einmal im dreistelligen Bereich. Beinharte Fans der Videospielvorlage, die schon hunderte Exemplare mehr kennen, dürfte das zu wenig vorkommen. Tatsache ist, dass eine eher überschaubare Anzahl sehr wohl dabei helfen könnte, die Geschichte bodenständiger zu gestalten. Allerdings nutzt Konishi Noriyuki, Autor und Zeichner des Mangas, diese Möglichkeiten nicht aus. Viel zu oft wirken Yōkai zufällig platziert, weil sie gerade gut in die Story passen. Das macht zwar einen guten Teil des Humors aus, doch leidet die Handlung inzwischen erheblich darunter.

Level-5s schlechter Umgang mit der Marke

Yōkai Watch ist dadurch immer noch kein schlechter Manga. Es macht sehr viel Spaß, in die abstrusen Situationen abzutauchen und einige Gags zünden sogar deutlich besser als die Jokes der letzten Bände. Beispielsweise passt plötzlich Nathans Haustürschlüssel in ein Schloss einer Tür, die er vorher noch gar nicht gesehen hat. Jibanyan und Whisper fallen hierbei fast vom Glauben ab. An anderer Stelle wird durch einen Angriff die Erdkugel in zwei Hälften gespaltet – und dann tauchen plötzlich auch noch Superhelden-Yōkai auf, die entfernt an Batman und Deadpool erinnern. All das macht den Manga, besonders für jüngere Leser, die empfänglich für diese Art von abgedrehtem Humor sein könnten, definitiv lesenswert. Am Ende bleibt jedoch die Frage, welches Ziel der Manga eigentlich erreichen will. Mehr und mehr kommt der Eindruck auf, als sei der Manga nur ein Begleitheft. So taucht mit Martin plötzlich ein Charakter auf, der im Videospiel Yōkai Watch 4 aus dem Jahr 2019 seinen ersten Auftritt hat. Zum Veröffentlichungszeitpunkt des Mangas am 4. November 2021 war das Spiel aber noch gar nicht außerhalb Japans erhältlich und ist es auch über ein Jahr später noch nicht. Darüber hinaus gibt es Randnotizen, die teilweise sogar Spoiler auf andere Werke des Franchises haben. Es ist eine Schande, wie Level-5 außerhalb Japans mit der Marke umgeht. Dafür kann der Manga zwar nichts, aber er leidet leider unter diesen Entscheidungen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Auch wenn der siebzehnte Band eine leichte Steigerung seit der letzten Ausgabe darstellt, ist die Yōkai-Watch-Reihe noch weit davon entfernt, an anfängliche Erfolge anzuknüpfen. Inzwischen läuft mit der Marke so viel schief, worunter der Manga erheblich leidet. Das ist in erster Linie Lizenzgeber Level-5 geschuldet, aber selbst ein Leser, der sich nicht für die Videospiele oder den Anime begeistert, sollte den Manga als ein selbstständig funktionierendes Werk wahrnehmen können. Das ist leider nicht oder eher gesagt nicht mehr der Fall. Zum wiederholten Male setzt der Manga entweder Wissen aus den Videospielen voraus oder erwähnt diese Fakten in Randnotizen, die eindeutig als Spoiler fungieren und auf Werke hinweisen, die außerhalb Japans oder zumindest noch nicht in Europa veröffentlicht wurden. Dem Manga kann dies nur halbwegs angekreidet werden. Es ist Level-5s Umgang mit der Marke, die Fans seit Jahren sauer aufstoßen. Es mag sein, dass Yōkai Watch außerhalb Japans nicht der große Erfolg beschert ist, aber wenn Teile der Marke so dem Ruf schaden, sollte sich der Lizenzgeber mit dem Autor der Vorlage zusammensetzen und über einen Richtungswechsel nachdenken. So gelungen der Humor in vielen Fällen ist, so sehr könnte die Story einen Aufschwung verdienen – und mit ihrer ursprünglichen Symbiose könnten die Leser der Yōkai-Watch-Reihe davon auch in Zukunft profitieren!

Vielen Dank an Kazé Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Yōkai Watch (Band 17)!

Review: Neon Genesis Evangelion [Perfect Edition] (Band 2)

Nach einer Reihe von Katastrophen hat sich die Weltbevölkerung zwischen den Jahren 2000 und 2015 halbiert. Außerdem muss sich die Menschheit mit den sogenannten Engeln herumschlagen, die in regelmäßigen Intervallen angreifen. Woher diese Engel kommen, weiß in der Welt von Neon Genesis Evangelion niemand so richtig. Fakt ist, dass die übermächtigen Angreifer unter allen Umständen aufgehalten werden müssen, um das Überleben der Menschen auf der Erde zu sichern. Als Austragungsort dieser Kämpfe hält Japan her. Im ersten Band der als Perfect Edition neu aufgelegten Reihe erfährt der Leser die Hintergründe über Story, Setting, Szenario und Charaktere. Auf dieser Grundlage baut der zweite Band auf. Genau wie bei der ersten Ausgabe ist auch der zweite Band in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil des Mangas beschäftigt sich stark mit der Figur Ayanami Rei, bei der es sich um eine Pilotin einer der mecha-artigen Allzweckkampfmaschinen, den titelgebenden Evangelions oder kurz EVAs, handelt. Im Mittelpunkt der Erzählung steht zum einen die zwischenmenschliche Beziehung zu Ikari Shinji, dem zweiten EVA-Piloten. Zum anderen ist aber auch das Verhältnis von Rei zu Shinjis Vater Gendō nicht unerheblich. Dies belastet das auch so kaum vorhandene Vater-Sohn-Verhältnis umso mehr. All das spielt sich um den Kampf gegen den nächsten Engel ab.

Neue tiefgründige Charaktere

Neon Genesis Evangelion zeigt auch im zweiten Band der Perfect Edition, wie komplex und umfangreich das auf einer Idee von Regisseur Anno Hideaki basierende Werk von Zeichner Sadamoto Yoshiyuki ist. Obwohl sich der Manga stark mit dem Konflikt zwischen Menschen und Engeln auseinandersetzt, stehen die vielschichtigen Charaktere im Vordergrund. Gerade die zweite Hälfte des zweiten Bandes steht hierfür exemplarisch. Mit Sōryū Asuka Langley und Kaji Ryōji werden hier zwei Charaktere eingeführt, die sich organisch in das Charakterensemble einfügen. Asuka hebt ihre Stellung in der Gesellschaft auf Basis ihrer Herkunft hervor. Kaji, der in der Regel bei seinem Nachnamen genannt wird, ist hingegen für die Institution NERV tätig, worüber er auch Katsuragi Misato und Akagi Ritsuko kennt, zu denen er ein romantisches oder gar sexuelles Verhältnis (wieder)aufbauen will. Nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell gelingt es Sadamoto einmal mehr, die Bilder für sich sprechen zu lassen. So sticht jedes einzelne Panel mit zahlreichen Details hervor. Das führt dazu, dass die Aufmerksamkeitsspanne des Lesers gefordert wird. Dieser verweilt länger als bei vielen anderen Manga bei den Zeichnungen, was abermals für die hohe Qualität der Reihe steht. Wer bereits seine Freude mit dem ersten Band hatte, darf auch beim zweiten hervorragenden Band zugreifen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Neon Genesis Evangelion setzt die Story im zweiten Band unmittelbar fort. Wer also den ersten Band gerade erst gelesen hat, muss keinen Bruch in der Erzählstruktur erwarten. In dieser Disziplin brilliert der zweite Band ohnehin in jedem Kapitel. Der Leser wird in einen Lesefluss geworfen, den bis vielleicht auf die sehr hohe Seitenzahl so schnell nichts stoppen kann. Auf 346 Seiten bekommt der Leser vor allem tiefgründige Charaktere vorgesetzt, die in komplexen Sachverhalten ihren Weg gehen. Eingewickelt ist all das in grandiose Mecha-Action und einigen aufgeworfenen Mysterien, die in den nächsten Bänden sicherlich noch in der einen oder anderen Form thematisiert werden. Das von Anno Hideaki erdachte und von Sadamoto Yoshiyuki in Manga-Form umgesetzte Universum ist interessant und entwickelt mehr und mehr eine Tiefe, deren Grund im zweiten Band aber noch nicht absehbar ist. Es bleibt also spannend, wie sich die Geschichte in den nächsten fünf Bänden entwickeln wird. Wer den ersten Band bereits gelesen hat und noch Lust nach mehr verspürt, kommt um die zweite Ausgabe der Perfect Edition nicht herum!

Vielen Dank an Carlsen Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Neon Genesis Evangelion [Perfect Edition] (Band 2)!

Abbildungen: AIZOUBAN NEON GENESIS EVANGELION © Yoshiyuki Sadamoto 1994, KADOKAWA CORPORATION

Review: Vinland Saga (Vol. 2)

Im April 2022 erschien die erste Ausgabe der Anime-Serie Vinland Saga beim Herausgeber Kazé Anime in hiesigen Gefilden. Auf die Fortsetzung mussten Fans nicht lange warten, da bereits im Mai 2022 das zweite Episodenpaket mit noch mehr Wikinger-Action folgte.

Schon in der ersten Volume gibt es einen essentiellen Zeitsprung, der für die Erzählung der Geschichte notwendig ist. So begleitet der Zuschauer den Protagonisten Thorfinn vor allem durch seine Jugend. Beginnend im Alter von sechs Jahren lernt er erst den unschuldigen Thorfinn kennen, wie er sich auf das Schiff seines Vaters schmuggelt, der in den Krieg zieht. Nach dem Tod des Vaters wird Thorfinn von dessen Mörder Askeladd großgezogen. Im Alter von zwölf Jahren wird er bereits als Brandschatzer von Askeladd und seinen Männern benutzt. Inzwischen ist die Anime-Serie im Jahr 1012 angelangt und Thorfinn ist mittlerweile 16 Jahre alt und damit nahezu zum Mann gereift. Abgezogen aus England versuchen Askeladd und seine Truppe in Frankreich neue Schätze zu plündern. So beginnt die zweite Ausgabe von Vinland Saga mit dem Erstürmen einer Festung am Fluss Loire. Thorfinn ist inzwischen ein todesmutiger Kämpfer, der einen Gegner nach dem anderen ins Jenseits befördert. So ist er inzwischen genau zu dem Menschen geworden, was sein Vater am liebsten gänzlich vermieden hätte. Seinen Rachegedanken hat Thorfinn in all dieser Zeit aber nie verloren. Ein Ziel der Handlung von Vinland Saga bleibt nach wie vor das Fordern eines Zweikampfes mit Askeladd, um Thors zu rächen. Ob dies Thorfinn den Frieden bringt, darf bezweifelt werden.

Schonungslose Darstellung des Kriegs

Wie so ein Zweikampf zwischen Thorfinn und Askeladd aussieht, kann der Zuschauer in der zweiten Folge der zweiten Volume sehen. Ebenfalls zu sehen ist, dass der Krieg ungeschönt dargestellt wird. Wenn Körperteile abgetrennt werden und ordentlich Blut vergossen wird, ist jederzeit die Aussage zu spüren, dass Krieg nur Leid kennt. Auch wenn hier und da natürlich von Ruhm und Ehre die Rede ist, findet de facto keine Romantisierung statt. Trotzdem hat die Anime-Serie von Studio Wit den Auftrag, den Zuschauer zu unterhalten. Dies gelingt ihr sowohl mit der schonungslosen Darstellung der Kämpfe, die definitiv keine Grenzen kennt, als auch mit den gut geschriebenen Dialogen. Jeder Charakter strebt in gewisser Weise nach Höherem und hat seine eigenen Ziele, vor allem aber muss es mehr und mehr davon sein. Handlungsbogen für Handlungsbogen arbeitet Vinland Saga verschiedene Schlachten ab, bei denen es mehr und mehr zu erobern und zu plündern gibt. Der nächste Zeitsprung führt die Wikinger im Jahr 1013 wieder zurück nach England. Allerdings stoppt die Invasion vor den Toren Londons, denn der Wikinger Thorkell ist offenbar übergelaufen und begrüßt Floki und die anderen Akteure bei der Überfahrt auf der Themse. Thorkell denkt nicht an Kapitulation und in die Hände von König Sven zurückzukehren. Der Krieg geht weiter und bringt Leid.

Vermischung von Geschichte und Kreativität

Wikinger und die nordische Mythologie sind aus der Populärkultur nicht mehr wegzudenken. Fernsehserien wie Vikings oder Spiele wie God of War aus dem Jahr 2018 zeigen gut, wie historische Fakten, mythologische Vorstellungen und kreative Ideen der Schöpfer Hand in Hand gehen. Basierend auf dem Manga von Zeichner Yukimura Makoto ist das Phänomen auch bei Vinland Saga zu erkennen. Historiker dürften sich an den vielen Freiheiten stören, doch wer mit einem Augenzwinkern an so manche Schlachten und Ideen herangeht, wird seine wahre Freude mit der Anime-Serie haben. Im bildschirmfüllenden 16:9-Format und in der Full-HD-Auflösung kann die Serie visuell glänzen. Die hochauflösenden Umgebungen und die detaillierten Charaktermodelle ergeben mit den flüssigen Animationen ein grandioses Gesamtbild. Hinzu kommen tolle und diesmal geradezu heroisch wirkende Musikstücke, die im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 aus den Lautsprechern trällern. Bei der Vertonung gibt es ebenso nichts zu bemängeln. Vor allem die deutsche Synchronisation überzeugt mit Sprechern wie Torsten Michaelis und Nico Sablik auf ganzer Linie. Im Originalton gibt es dafür die lebende Legende Uchida Naoya und den Sprecher Uemura Yūto zu hören. Als Bonus erhält der Käufer neben einem 24-seitigen Booklet noch ein Poster und Sticker dazu.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die erste Ausgabe von Vinland Saga legt eine gesunde wie gelungene Grundlage, die Lust auf mehr macht. Diese Lust kann die zweite Volume der Anime-Serie auf der einen Seite wunderbar stillen. Das Setting wird im Anime-Sektor einfach viel zu selten genutzt. Auf der anderen Seite macht jedoch auch das zweite Episodenpaket noch sehr viel mehr Lust auf mehr. Es macht einfach richtig Laune, dem Werdegang von Thorfinn zu folgen – und das obwohl die Serie alle Gegebenheiten gar nicht romantisiert, sondern ungeschönt darstellt. Auf einen Krieg folgt nur Leid und diese Aussage trifft Vinland Saga immer wieder. So feiern die Wikinger zwischen all den Leichen ihrer Feinde ihre Siege, betrinken sich und planen schon den nächsten Schlachtzug, was abartig und widerlich ist. Durch die unterschiedlichen Charaktere, die all ihre eigenen Ziele verfolgen, kann die Handlung so noch eine ganze Weile vorangetrieben werden. Vinland Saga gelingt es richtig gut, sich zu entfalten. So darf es in der dritten Volume gerne weitergehen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Vinland Saga (Vol. 2)!

Review: Wo Long: Fallen Dynasty

Während Nioh und Nioh 2 in Japan und Stranger of Paradise: Final Fantasy Origin in einer Fantasy-Welt angesiedelt sind, schickt Team Ninja seit dem 3. März 2023 die Spieler auf die Dämonenjagd nach China. Leider dürfte dieser Ausflug nicht jeden Spielertypen ansprechen.

Angesiedelt ist Wo Long: Fallen Dynasty im dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Durch den chinesisch angehauchten Titel des Soulslike-Spiels dürfte klar sein, dass sich die Story in China, genauer gesagt zur Zeit der drei Reiche, abspielt. Eine historische Persönlichkeit wie in Nioh spielen wir allerdings nicht. Hier orientiert sich das Spiel eher an Nioh 2. Soll heißen, dass wir unseren eigenen Charakter anhand von zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten wie Augenfarbe, Stirnhöhe, Frisur oder Körpergröße zusammenschustern. Einerseits ist dieser Umstand eine recht nette Idee, da wir im besten Falle dutzende Stunden mit unserem Helden verbringen. Andererseits mutiert unsere Figur auf diese Art und Weise trotz der auftretenden historischen Persönlichkeiten, die uns immer wieder ins Geschehen einbeziehen, zu einer seelenlosen Hülle. Allerdings bedient sich das Spiel wie bereits Nioh nur vage an der Geschichte des thematisierten Landes. Im Spiel dreht sich alles um Elixiere, die die schlummernden Drachen aus ihrem Schlaf erwecken sollen. Hinzu kommen weitere Fabelwesen der chinesischen Mythologie, die den Titel zumindest dahingehend zu einem inszenatorischen Genuss machen. Allgemein reißt die Story aber keine Bäume aus, was natürlich sehr schade ist. Dies soll aber das Gameplay bekräftigen, auf das Team Ninja dieses Mal verstärkt einzugehen versuchte.

Bekannte Grundlagen mit Temposchub

Sobald wir die Einleitung abgeschlossen haben, können wir über eine Weltkarte das nächste Ziel auswählen. Haben wir uns für eine Mission entschieden, werden wir auch schon in das Areal geworfen. Dort kämpfen wir uns nach und nach bis zum Bossgegner am Ende des Levels vor. Um hierbei erfolgreich zu sein, müssen wir die Spielmechaniken von Beginn an beherrschen. So können wir uns in Wo Long: Fallen Dynasty an Gegner heranschleichen oder aus der Luft attackieren. Letzteres liegt vor allem darin begründet, dass wir mit unserer Spielfigur auch Hüpfer ausführen können. Auch die Spielarchitektur, die an einigen Stellen vertikaler ausfällt, profitiert davon. Es macht wirklich Spaß, jeden Winkel der Spielwelt zu erkunden und durch das Aufspüren von Standartenhaltern, die auch als Rücksetz- und Erholungspunkte dienen, unsere Moral zu stärken, die uns Vorteile im Kampf bringt. In den Kämpfen müssen wir nämlich unseren Willen durch geschickte Treffer erhöhen. Fällt unser Willen durch feindliche Treffer, kann uns dies im wahrsten Sinne des Wortes zum Verschnaufen und damit zur Bewegungslosigkeit führen. Auch wenn sich die Grundlagen sehr am fantastischen Nioh orientieren, womit Kenner des Spiels zumindest bei den normalen Gegnern keinerlei Probleme haben dürften, ist das Spieltempo aber vor allem in den Bosskämpfen viel zu hoch.

Stark schwankender Schwierigkeitsgrad

In dieser Disziplin erinnert das Spiel unter anderem an Sekiro: Shadows Die Twice. Wie im Werk von From Software kommt es auch in Wo Long: Fallen Dynasty darauf an, im richtigen Moment zu parieren, um im richtigen Moment zuzuschlagen – und genau hier kommt unserer Meinung nach der Spielspaßkiller in den Raum. Aufgrund der hohen Spielgeschwindigkeit können gerade Spieler, die kein Gespür für Timing haben, verzweifeln. Ständiges Ausweichen ist auf Dauer nicht möglich, denn häufig haben gerade Bossgegner eine hohe Angriffsreichweite. Wer also direkt beim ersten Bossgegner, der ungefähr nach zehn bis fünfzehn Minuten ins Rampenlicht tritt, nach dem zwanzigsten Versuch den Controller wutentbrannt gegen die Wand schmeißen will, der wird keine Freude am Spiel haben. Da es sich bei Wo Long: Fallen Dynasty zwar um ein Action-Rollenspiel und um kein Action-Adventure wie bei Sekiro handelt, können wir unsere Spielfigur mit Erfahrungspunkten zwar aufstufen und Werte verbessern, doch da Level-ups immer mehr Erfahrungspunkte verschlingen, ist diese Art des Spielens gerade anfangs aufgrund der Langwierigkeit nicht zu empfehlen. Da stellt sich einem die Frage, warum der Schwierigkeitsgrad zwischen normalen Feinden und Bossgegnern direkt zu Beginn so extrem schwanken muss. Für uns ist das ein klarer Designschnitzer!

Durchschnittskost für Soulslike-Fans

Auch dass es abermals keine frei wählbaren Schwierigkeitsgrade gibt, dürfte einmal mehr potenzielle Käufer vergraulen. Wer aber Soulslike-Spiele mag und entsprechend masochistisch veranlagt ist, wird auch an Wo Long: Fallen Dynasty Freude haben können. Das Spiel bietet mit unterschiedlichen Waffen und Zaubersprüchen genug Abwechslung. Auch dass typische Merkmale wie der Verlust von Erfahrungspunkten beim Ableben der Spielfigur vorhanden sind, wird die entsprechende Zielgruppe freuen. Gerade diese muss aber auch mit der hakeligen Steuerung beim Parieren und der ungenauen Sprungmechanik leben. Außerdem werden viele Elemente nur bedingt mit einem schnell und unruhig automatisch ablaufenden Text kaum oder gar nicht erklärt. Gerade für neue Spieler ist das unglaublich wichtig; hier schreckt der Titel definitiv ab. Auf der akustischen und visuellen Ebene kann das Spiel jedoch überzeugen. Die Musik untermalt das Setting inklusive der Geräuschkulisse sehr bedrückend und atmosphärisch. Zudem läuft der Titel auf der PlayStation 5 reibungslos. Unterm Strich ist das unserer Meinung nach aber nicht ausreichend, um eine uneingeschränkte Kaufempfehlung auszusprechen. Nach Nioh 2 und Stranger of Paradise: Final Fantasy Origin ist dies Wo Long: Fallen Dynasty das nächste Durchschnittsspiel von Team Ninja, das es nicht gebraucht hätte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Mit den Spielen von Entwicklerstudio Team Ninja ist es so eine Sache. Manchmal kommt wirklich ein großartiges Spiel auf den Markt. Dann gibt es aber wiederum Spiele, die halbgar das Licht der Welt erblicken. So ist es in meinen Augen auch bei Wo Long: Fallen Dynasty. Zwar sind Setting und Szenario interessant inszeniert und auch das Auftauchen historischer Persönlichkeiten ist eine wunderbare Idee, um sich in der Welt des Spiels zu verlieren. Einen charakterlosen Helden zu verkörpern, ist für mich aber ein Dorn im Auge. Gut, die Geschmäcker gehen hier vermutlich weit auseinander. Deutlich enger dürften die Defizite bei Steuerung, Spielgeschwindigkeit und Schwierigkeitsgrad auf Verständnis stoßen. So fällt die Steuerung dank nerviger Parier- und Sprungmechaniken sehr hakelig aus, was mir den Spielspaß schon von Beginn an nimmt. Auch dass das Tempo bei den Bosskämpfen auf einmal so hoch sein muss und dass der Schwierigkeitsgrad in diesem Moment um eintausend Prozent steigt, während kleinere Gegner so gut wie gar keine Probleme bereiten, ist für mich nicht verständlich. Wo Long: Fallen Dynasty ist ein Spiel, dass mich mehr frustriert als es mitreißt. Soulslike-Fans, die dringend neues Futter benötigen, können die Defizite abwägen und womöglich einen Blick riskieren. Wer wirklich ins Genre einsteigen will, sollte sich lieber Nioh oder noch besser das grandiose Remake von Demon’s Souls anschauen. Diese beiden Spiele zeigen, wie ein gutes Werk des Genres auszusehen hat.

Vielen Dank an Koei Tecmo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Wo Long: Fallen Dynasty!

Review: Jujutsu Kaisen (Vol. 2)

Nachdem der hiesige Publisher Crunchyroll die erste Volume von Jujutsu Kaisen im August 2022 veröffentlicht hat, folgte die zweite Ausgabe der Anime-Serie einen Monat später. Das zweite Episodenpaket führt die Geschichte um die titelgebende Zauberei nahtlos fort.

Durch einen Zufall ist Protagonist Itadori Yūji mit einem Fluch in Verbindung gekommen. So hat er einen der zwanzig Finger des Dämons Sukuna gefunden und ihm seinem Klub an der Oberschule geschenkt. Dieser beschäftigt sich mit Okkultem und bricht das Siegel, das die Macht des Dämons bis dahin zurückgehalten hat. Mit Hilfe des Magiers Fushiguro Megumi schreitet er zur Tat. Gemeinsam kämpfen sie gegen Sukuna, der jedoch zu mächtig zu sein scheint. In der Stunde der Not isst Yūji einfach den Finger und erlangt dadurch unglaubliche Macht, muss seitdem aber auch den Dämon Sukuna in seinem Körper beheimaten, der hier und da ausbrechen will und sich in das Geschehen einmischt. Der Magier Gojō Satoru hat aus diesem Grund die Aufgabe, Yūji auf seine bevorstehende Hinrichtung vorzubereiten. Er hat die Wahl, sofort zu sterben oder auf den Tag zu warten, an dem Yūji alle zwanzig Finger des Dämons verspeist hat, um Sukuna ein für alle Male zu vernichten. Selbstverständlich entschließt er sich für letztere Möglichkeit, womit die Story von Jujutsu Kaisen in den ersten Episoden ins Rollen kommt. Yūji wird an der städtischen Jujutsu-Akademie am Rande von Tōkyō zum Magier ausgebildet. An dieser Prämisse hat sich auch in der zweiten Ausgabe der Serie von Animationsstudio Mappa nichts geändert, wodurch der Einstieg leicht fällt.

Ein Monat voller Training

In den letzten Folgen des ersten Episodenpakets erleidet Hauptfigur Yūji aber vorzeitig den Tod. Durch einen Deal mit Sukuna kann er jedoch ins Reich der Lebenden zurückkehren, sich an das Gespräch mit Sukuna danach aber nicht mehr erinnern. Obwohl seine beiden Kommilitonen Megumi und Kugisaki Nobara ihn für tot halten, wird er fortan von Satoru im Geheimen ausgebildet. Dieses Training könnte für den einen oder anderen Zuschauer ein wahrer Traum sein, denn einen Monat lang soll Yūji nichts weiter tun als Filme schauen, dabei einen Fluch unter Kontrolle bringen und gegen Satoru kämpfen. Trotz allem erhält Yūji an einem Tag die Aufgabe, bei einem neuen Fall zu helfen. In einem Kino wurden Leichen entdeckt, deren Köpfe deformiert wurden. Dahinter steckt natürlich ein Fluch, den Yūji auf die Schliche kommen muss. Die Suche führt ihn zu Yoshino Junpei, einem Oberschüler im gleichen Alter, der die Gräueltat im Kinosaal mit eigenen Augen ansehen musste. Dennoch konzentriert sich die Geschichte in der zweiten Volume von Jujutsu Kaisen nicht nur auf Yūjis Werdegang. Ebenfalls erhält der Zuschauer Eindrücke von den Geschehnissen, die sich um Megumi und Nobara drehen. Diese treffen sich mit den talentierten Studenten der städtischen Jujutsu-Akademie in Kyōto, die sie im Rahmen des Austauschprogramms herausfordern.

Konsequente Fortführung der Grundlagen

Nach wie vor setzt die Anime-Serie des koreanischen Regisseurs Pak Sŏnghu auf das in den ersten Episoden etablierten Konzepts. Auch wenn viele Bestandteile von Jujutsu Kaisen so oder so ähnlich schon in anderen Werken zu sehen sind, gelingt es der Geschichte in der zweiten Volume, sich bestens zu entfalten. Vor allem die Nebenfigur Junpei bringt frischen Wind ins Handlungskorsett. Auch dass einige Regeln über Flüche und Fluchgeister erklärt werden, verdichtet die Atmosphäre. So bleibt es für den Zuschauer niemals langweilig, was jedoch auch am angenehmen Erzähltempo liegt. Ereignisse werden weder zu langsam noch zu schnell, sondern in einer angemessenen Geschwindigkeit an den Zuschauer vermittelt. Hinzu kommen philosophische Fragen, über die sich der Zuschauer Gedanken machen kann. Der Humor der Anime-Serie ist zwar nach wie vor vorhanden, wird dem Zuschauer aufgrund der sich zuspitzenden Lage aber nicht mehr in jeder Episode gnadenlos ins Gesicht geschleudert. Einen weiteren Pluspunkt gibt es für das abartige Monsterdesign, das in den vorliegenden sechs Episoden einen neuen Höhepunkt erreicht. Alles in allem lässt sich damit sagen, dass Jujutsu Kaisen in der zweiten Volume eine konsequente wie gute Fortführung der Grundlagen ist. Wer die ersten Episoden mochte, wird auch die Folgen der zweiten Ausgabe verschlingen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Jujutsu Kaisen ist womöglich keine allzu originelle Anime-Serie. Dies dürfte der größte Kritikpunkt an der ersten Volume sein, mit dem die zweite Ausgabe gewissermaßen aufräumt. Plötzlich wirkt die Serie sehr viel eigenständiger und entwickelt sich in ihren eigenen Bahnen sogar recht vielschichtig. Der Zuschauer erfährt anhand diverser Erklärungen mehr Informationen über die Welt, lernt neue Charaktere kennen und darf sich am abartigen Monsterdesign erfreuen, das in den Episoden der zweiten Volume einen neuen Höhepunkt erreicht. Jujutsu Kaisen führt das Konzept der Grundlagen konsequent weiter und überflügelt diese genaugenommen sogar. Wer sich schon über das Seriendebüt freute, wird auch mit den Episoden der zweiten Ausgabe seinen wahren Spaß haben. Es bleibt zu hoffen, dass die zweite Serienhälfte ähnlich gut ausfällt.

Vielen Dank an Crunchyroll für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Jujutsu Kaisen (Vol. 2)!

Review: Persona 3 Portable

Mit dem 2006 veröffentlichten Persona 3 beschritt Entwicklerstudio Atlus mit dem Franchise neue Wege, die die Reihe bis heute prägen. Im Januar 2023 gelang dem Spiel mit der Umsetzung des 2009 für die PlayStation Portable erschienenen Persona 3 Portable der Sprung auf die Switch.

Als bekannt wurde, dass neben Persona 5 Royal und Persona 4 Golden auch der dritte Teil der Reihe neu aufgelegt werden würde, war das zunächst eine freudige Nachricht. So gehört die Serie doch inzwischen zu den beliebtesten Reihen des japanischen Rollenspielgenres. In Fankreisen ist aber gerade die PlayStation-Portable-Variante nicht sonderlich beliebt, obwohl auch diese durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. Dies macht sich schon in der Wahl der Spielfigur bemerkbar, denn anstatt nur in die Haut des Oberschülers Yūki Makoto zu schlüpfen, dürfen wir in Persona 3 Portable optional auch die Kontrolle über die Oberschülerin Shiomi Kotone übernehmen. Durch die Wahl des Geschlechts ändert sich die Handlung aber nicht großartig. Lediglich Dialoge und zwischenmenschliche Beziehungen werden von der Wahl des jeweils anderen Geschlechts beeinflusst. Tatsächlich empfiehlt uns das Spiel anfangs, mit dem männlichen Protagonisten zu beginnen, sofern wir weder das originale Persona 3 noch die erweiterte Fassung Persona 3 FES für die PlayStation 2 gespielt haben, und erst den zweiten Spieldurchgang mit seinem weiblichen Gegenstück zu wagen. Die Handlung bleibt aber wie gesagt dieselbe, was positiv anzumerken ist. Sie bietet einige interessante Höhepunkte, auch wenn es leider so einige Stunden dauert, bis die Geschichte in Gang kommt.

Die dunkelste Stunde

Zu Beginn des auf dutzende Stunden ausgelegten Rollenspiels kommen wir in der fiktiven Stadt Iwatodai an, die vom ominösen Konzern Kirijō gegründet und erbaut wurde. Kurz nach unserer Unterkunft um Mitternacht müssen wir erleben, wie sich die Menschen auf den Straßen in waschechte Särge verwandeln. Hierbei handelt es sich um das ominöse Phänomen, das als Dark Hour bezeichnet wird. In dieser mysteriösen Stunde, die um Punkt Mitternacht beginnt und damit genau zwischen zwei Tagen liegt, versuchen Schatten, die Gegner in Persona 3 Portable, die Menschen aus ihren Särgen zu locken. Gelingt den Schatten dies, verzehren sie sich an der Psyche ihrer wehrlosen Opfer. Erwachen diese Menschen nach der Dark Hour, so leiden sie unter dem sogenannten Apathiesyndrom. Unser Protagonist respektive unsere Protagonistin gehört neben einer Reihe von Mitschülern zu der Gruppe Menschen, die sich des Nachts nicht in Särge verwandeln. Wir werden Teil einer Operation, um den Grund für die Dark Hour herauszufinden. Während wir tagsüber die Schulbank drücken, an Klubaktivitäten teilnehmen, Zeit mit zu Freunden gewordenen Mitschülern verbringen, neue Menschen kennenlernen, für die Zwischenprüfungen pauken oder in Cafés arbeiten, können wir nachts auf die Jagd nach Schatten gehen und den riesigen Dungeon des Spiels, den Tartarus, erkunden.

Abstriche über Abstriche

All das klingt ziemlich gut, aber im Gegensatz zu den beiden Nachfolgern Persona 4 Golden und Persona 5 Royal müssen wir bei Persona 3 Portable nicht nur altersbedingt ein paar Abstriche machen. Der auffallende Unterschied ist, dass wir die Welt nur im Tartarus und ähnlichen Abschnitten aus der dritten Person erkunden dürfen. In allen anderen Szenen betrachten wir das Geschehen aus einer leicht versetzen Vogelperspektive und bewegen einen Cursor zu den Objekten oder Personen, mit denen wir interagieren wollen. Das ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber nach kurzer Zeit ziemlich gut und intuitiv. Trotzdem dürfte das nicht jeden Spielertypen schmecken, zumal Persona 3 und Persona 3 FES eine nahezu komplett aus der dritten Person zu erkundende Spielwelt bieten. Damit nicht genug, fehlen in Persona 3 Portable auch die Anime-Sequenzen völlig. Wäre das verschmerzbar, so müssen wir auch an anderer Stelle Rückschläge in puncto Atmosphäre hinnehmen. Wenn wir uns mit Freunden im Restaurant eine Portion Rāmen gönnen, so sehen wir einfach nur einen Hintergrund, es ertönen Hintergrundgeräusche und der Dialog läuft wie in einer Visual Novel ab. Ein Mittendrin-Gefühl wie im Original kommt so nicht auf. Es ist bedauerlich, dass die Entwickler für die Neuauflage in dieser Hinsicht keine Überarbeitung vorgenommen haben.

Hohes und flüssiges Spieltempo

Jetzt fragt ihr euch sicherlich, warum das Gameplay dennoch gut funktioniert. Wir wollen es nicht als besser als in den vorherigen Versionen beschreiben. Es ist durch das wesentlich höhere Spieltempo einfach anders und passt gerade deshalb gut zum portablen Aspekt der Switch beziehungsweise der PlayStation Portable. Binnen weniger Minuten haben wir das Ziel über die Schnellauswahl gefunden und durch die eher kurz gehaltenen Dialoge können wir kurz darauf auch schon zur nächsten Tätigkeit hasten. Je nachdem welche Aufgaben wir in Iwatodai bewältigen, verbessern sich nicht nur die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Auswirkungen auf die Persona-Fusion haben, sondern auch Werte wie Mut, Charisma und Wissen. Je höher diese Werte ausfallen, desto eher erhalten wir Zugriff auf andere Orte, an denen wir wiederum neue Charaktere kennenlernen können. Wie in anderen Spielen der Reihe hält sich der soziale Anteil mit den Ausflügen in den Dungeon durchaus die Waage. Den Entwicklern ist es gelungen, beide Spielelemente hervorragend auszutarieren. Dies führt dazu, dass wir von einem Event zum nächsten hechten, Geld mit Arbeit verdienen, viel Zeit mit Freunden verbringen, uns mehr und mehr für die Welt interessieren, den Tartarus erkunden und unsere Persona fusionieren – und da ist dieses Wort wieder, das eine Erklärung verdient.

Packendes Kampfsystem

Bei den titelgebenden Persona handelt es sich um Monster, die wir möglicherweise nach einem Kampf erhalten. Diese können parallel zu unserem Helden aufgestuft werden. So erhalten sie nach und nach neue Spezialfähigkeiten, die in den rundenbasierten Kämpfen eingesetzt werden können. So sind manche Attacken effektiver gegen die Schatten als andere. Treffen wir Schwachpunkte, werden die Schatten kurzzeitig außer Gefecht gesetzt. Gelingt uns dies mit allen am Kampf teilnehmenden Schatten, können wir mit unserer gesamten Gruppe auch einen Großangriff als Bonus starten. Es macht unglaublich viel Spaß, die verschiedenen Schwachpunkte der Gegner herauszufinden. Unterstützung erhalten wir dabei von unserer Mitschülerin und Schülerratspräsidentin Kirijō Mitsuru, die die Gegner extern analysiert und ihre Stärken und Schwächen aufweist. Da wir im Tartarus gegen immer stärkere Schatten antreten müssen, müssen wir auch unsere gesammelten Persona zu immer mächtigeren Wesen fusionieren. So kommen wir früher oder später in den Genuss von Flächenzaubern oder Unterstützungsmagie, die noch mehr Taktik ins Spiel bringen. Sonderlich schwierig ist Persona 3 Portable aber nicht einmal ansatzweise, denn selbst wenn uns die Treffer- oder Skillpunkte so langsam ausgehen, können wir diese gegen Geld am Eingang vollständig auffrischen – und zum Eingang des Tartarus gibt es auf den Ebenen großzügig verteilte Teleporter.

Zufallbasiertes Dungeondesign

Dementsprechend sind wir in Persona 3 Portable so gut wie nie auf Items angewiesen und können selbst dann, wenn der nächste Vollmond naht und das nächste Story-Event ansteht, unsere Helden im Tartarus an ein und demselben Abend sehr gut trainieren. Das ist fair, nimmt aber auch in gewisser Weise den Druck, den wir zumindest teilweise in anderen Episoden der Reihe verspüren. Gravierender ist jedoch das austauschbare Dungeondesign, denn wie in Persona 4 Golden setzen sich die Etagen des turmartigen Tartarus komplett zufallsbasiert zusammen. Gänge und orthogonal ausgerichtete Räume geben sich hier die Klinke in die Hand. Wer das nicht mag, dürfte nicht so viel Freude am Spiel haben. Im Gegensatz zum vierten Teil sind aber auch die reduzierten Details bei der Atmosphäre ein Grund mehr, die dritte Episode in der Portable-Variante zu verschmähen. Grafisch kann der einstige PlayStation-2-Titel in seiner für die PlayStation Portable angepassten Variante auf der Switch aber zumindest bei Retro-Fans punkten. Selbiges gilt jedoch nicht für den Soundtrack, denn auch wenn der eine oder andere Track gut klingt, gehen viele andere Stücke auf die Nerven und passen häufig so gar nicht zum Geschehen. Unterm Strich bleibt Persona 3 Portable ein passables Rollenspiel, das eher die größten Persona-Fans anspricht. Alle anderen greifen zum genialen Persona 5 Royal!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Persona 3 Portable ist in meinen Augen kein so katastrophales Spiel, wie es hier und dort dargestellt wird. Allerdings ist der Titel weit davon entfernt, an die Klasse der Nachfolger heranzukommen. Dies liegt womöglich auch an den abgespeckten Inhalten, denn trotz eines zweiten spielbaren Charakters fällt Persona 3 in der Portable-Ausgabe in puncto Atmosphäre ab. Es gibt keine Anime-Sequenzen und die Orte außerhalb des als Tartarus bezeichneten Dungeons können nicht frei erkundet werden. Das ist gerade deshalb so schade, da die vorherigen PlayStation-2-Versionen diese Inhalte alle beinhalten. Trotzdem macht mir Persona 3 Portable, wenn auch nur bedingt, Spaß. Es ist wie im vierten und fünften Serienteil toll, zwischenmenschliche Beziehungen zu knüpfen, mehr über das Geheimnis der Spielwelt zu erfahren und rundenbasierte Kämpfe mit den Schatten auszutragen. Auch wenn das Dungeondesign aufgrund seines zufallsbasierten Aufbaus langweilig bis zum Mond und zurück ausfällt, kann der Titel vor allem aufgrund seines fairen Speichersystems und der Möglichkeit, die Helden jederzeit am Eingang zu heilen, bei mir punkten. Auch auf Basis des sehr hohen Spieltempos gefällt mir der Titel trotzdem recht gut, da ich ihn so auch einfach mal zwischendurch spielen und noch dazu einige Erfolge verbuchen kann. Wer mit der Persona-Reihe aber bisher noch gar keinen Kontakt hatte, sollte ohnehin mit dem nahezu perfekten Persona 5 Royal einsteigen oder zumindest zum besseren vierten Teil greifen. Persona 3 Portable ist am Ende halt eher ein Spiel für Fans und weniger für Spieler, die in das Universum erstmals eintauchen wollen.

Review: Black Clover (Vol. 9)

Nachdem im April 2022 die achte Volume der Anime-Serie erschien, dauerte es bis zur Veröffentlichung der neunten Ausgabe nur einen Monat. Im Mai 2022 veröffentlichte Kazé Anime das mittlerweile neunte Episodenpaket, das die packende Geschichte nahtlos fortsetzt.

In Black Clover hat inzwischen die Aufnahmeprüfung zu den Royal Knights begonnen. Keiner der Teilnehmer hat die Gewissheit, ob er oder sie in die neue Eliteeinheit aufgenommen wird. Noch dazu hegt der König der Magier den Verdacht, dass die magischen Ordensritter von einem Mitglied des Kalten Auges der Weißen Nacht unterwandert werden. Damit stehen die ausufernden Kämpfe der Aufnahmeprüfung unter einem schlechten Stern. Obwohl die Kämpfe zum Teil auf Leben und Tod ausgetragen werden, greift der König der Magier daher auch nicht ein. Wer bei den Royal Knights aufgenommen wird, soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden. Der Zuschauer wird in den vorliegenden neun Episoden, die jeweils circa 24 Minuten lang sind, aber definitiv eine Antwort auf diese Frage erhalten. Noch dazu kommen Fans von gut inszenierter Action voll auf ihre Kosten, denn Black Clover ist erneut vollgestopft mit magischen Zaubersprüchen, die für ein Effektfeuerwerk sorgen. Farbe, Gel, Steine und Kristalle werden genutzt, um sich gegeneinander zu bekämpfen. Teilweise sieht das im bildschirmfüllenden 16:9-Format echt gut aus. Manchmal ist den Animationen aber ihr fehlender Feinschliff anzumerken. Fans dürften dies jedoch mit einem Augenzwinkern hinnehmen, stehen doch vor allem die Charaktere, die Story und der Humor im Vordergrund.

Komplette Bonusfolge an Bord

Unter akustischen Gesichtspunkten erstrahlt die Anime-Serie im Format DTS-HD Master Audio 2.0 und verwöhnt damit die Ohren des Zuschauers. Die Musik von Seki Minako kommt voll und ganz zur Geltung. Auch die Sprecher, sowohl im japanischen Originalton als auch in der deutschen Synchronisation, passen erneut hervorragend zu den Charakteren. Beim digitalen Bonusmaterial gibt es eine ganze Bonusfolge und darüber hinaus insgesamt drei Clean Endings zu sehen, die insgesamt 29 Minuten Laufzeit umfassen. Bei der Episode handelt es sich um ein Dankfest für alle magischen Ordensritter. Allerdings wurde die Folge nicht wie der Rest der Serie ins Deutsche übersetzt und liegt nur auf Japanisch vor. Ähnlich wie bei den Petit-Clover-Bonus-Clips fällt diese Episode wesentlich humorvoller aus als die Serie. Die japanischen Betonungen der einzelnen Sätze passen wirklich hervorragend zu den dargestellten Szenen, sodass kaum ein Auge trocken bleiben dürfte. Über eine deutsche Vertonung hätten sich Fans aber bestimmt trotzdem gefreut. Unterm Strich fällt das digitale Bonusmaterial deutlich üppiger als bei den drei vorherigen Ausgaben aus. Nichtsdestotrotz ersetzt diese Art der Boni keine Interviews oder Einblicke in die Produktion der Anime-Serie. Fans von Black Clover könnten in dieser Hinsicht also möglicherweise ein wenig enttäuscht sein.

Physische Dreingaben als Bonusmaterial

Dafür entschädigen zumindest die physischen Dreingaben in Form der beiden Booklets. Wie schon bei den letzten Volumes liegen auch dem neunten Episodenpaket einerseits ein 24-seitiges Artbook und andererseits ein 16-seitiges Booklet bei. Das Artbook beinhaltet Skizzen und Artworks, basierend auf dem Opening und den einzelnen Folgen. Das Booklet beinhaltet hingegen die weitgehend geschriebenen Informationen zu Black Clover. Erneut beginnt das Büchlein mit einer kurzen Zusammenfassung der Ausgangslage. Daraufhin folgt ein Organigramm, aus welchem der Zuschauer respektive Leser die Verbindungen zwischen den Charakteren entnehmen kann. Danach wird der Fokus auf die Figur Yuno gelegt. Der Leser erfährt hier mehr über seine Spezialfähigkeiten. Außerdem verrät sein japanischer Synchronsprecher, Shimazaki Nobunaga, seine Einstellung zu Yuno in einem kurzen Kommentar. Wieder mit von der Partie ist auch eine Einführung in die Magie, in der die wichtigsten Zaubersprüche der vorliegenden Episoden erklärt werden. Außerdem gibt es noch eine kleine Galerie mit Skizzen und ein Interview mit Sunagawa Takaya, der Einblicke in die Animationsqualität der Serie gibt. Den Abschluss bildet erneut ein Episodenguide, der aber zu kurz ausfällt, um alle wichtigen Fakten zusammenzufassen. Fans dürfte das egal sein, da sie die neun respektive zehn enthaltenen Folgen sicher am Stück konsumieren.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Black Clover führt die Handlung in der neunten Volume nahtlos fort. Soll heißen, dass die Aufnahmeprüfung zu den Royal Knights noch im vollen Gange ist. Dementsprechend passiert in den vorliegenden neun Episoden auch nicht so viel, was für mich auch ein wenig ermüdend ist. Trotzdem gibt es ein paar coole Kämpfe zu bestaunen und auch der Humor lockert das Geschehen auf. Technisch gesehen gibt es ein paar wunderbare Elemente, doch fehlt es manchen Animationen etwas mehr an Feinschliff als es bei Black Clover eigentlich üblich ist. Das Bonusmaterial steht daneben relativ in der Tradition zu den vorherigen Ausgaben. Soll heißen, dass nach wie vor Clean Endings und dieses Mal auch eine vollwertige Bonusfolge das Höchste der Gefühle im digitalen Bereich sind. Hier wünsche ich mir für die Zukunft einen tiefgründigen Einblick in die Produktion und Gestaltung der Anime-Serie. Dieses erhalte ich zwar ständig in den beiliegenden Booklets, aber eben nur in gedruckter, wenn auch hochwertiger Form. Es darf jedoch bezweifelt werden, dass sich hieran groß etwas ändern wird. Fans der Serie wird es vermutlich auch nicht stören. Trotz allem bleibt die eigentliche Serie ihrer Qualität treu und das dürfte für den Zuschauer immer noch am wichtigsten sein.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Black Clover (Vol. 9)!

Review: Cafeteria Nipponica

Für Mobile-Plattformen veröffentlichte Publisher und Entwicklerstudio Kairosoft Cafeteria Nipponica bereits im Jahr 2012. Im April 2019 reichte das japanische Unternehmen mit Sitz in Tōkyō die Wirtschaftssimulation im Miniaturformat auf Nintendos Hybridkonsole nach.

In Cafeteria Nipponica schlüpfen wir in die Rolle eines Managers, der eine japanische Cafeteria leitet. Mit einem mehr oder weniger großzügigen Startkapital, das wahlweise in US-Dollar oder in japanischen Yen angegeben wird, starten wir mit einem kleinen Lokal und sollen es in den nächsten fünfzehn Jahren aufpolieren. Bei diesem Unterfangen steht ein einzelner Tag im Spiel stellvertretend für einen ganzen Monat. Tag für Tag respektive Monat für Monat wird unser gastronomisches Unternehmen von unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung besucht. Unter anderem machen wir Bekanntschaft mit tüchtigen Geschäftsmännern oder weiblichen Studentinnen, die ihren Hunger zwischen zehn Uhr morgens und neun Uhr abends stillen wollen. Sobald wir mindestens einen Koch und eine Bedienung eingestellt haben, kann der Rubel auch schon rollen. Geld, das wir mit Speisen wie Curry, Reis, Salat oder Udon einnehmen, versauert nicht auf der Bank und wird stattdessen gleich in die eine oder andere Idee gesteckt. Während wir uns anfangs auf weitere Sitzmöglichkeiten konzentrieren, um noch mehr Gäste bedienen zu dürfen, kommen nach wenigen Monaten spezielle Aktionen wie Studentenrabatte oder Punktekarten hinzu, um den Umsatz anzukurbeln. Ebenso will die Speisekarte erweitert werden, indem neue Rezepte probiert und verschiedene Ingredienzien gesammelt werden.

Theoretisch alle Hände voll zu tun

Während tagsüber das Geschäft nicht selten zum Bersten voll ist, darf unser Koch nachts den Kochlöffel schwingen und in der Küche experimentieren. Um an neue Zutaten zu gelangen, stehen uns zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Auf der einen Seite dürfen wir zu festgelegten Zeiten im Jahr mit unserem Betrieb einen Ausflug in die Natur machen, wo unsere Angestellten nicht nur neue Ingredienzien sammeln, sondern gelegentlich auch Schätze aufspüren. Im Gegensatz zu diesem kostengünstigen Vergnügen dürfen wir auf der anderen Seite auch bewusst vom Händler verschiedene Zutaten erwerben, die bei der Entwicklung von kulinarischen Spezialitäten hilfreich sind. Selten wird ein Gericht in einer Nacht perfektioniert, oft müssen wir nächtelang auf das fertige Ergebnis warten. So und nicht anders wird Aussehen, Geschmack und Preis der einzelnen Gerichte bestimmt. Sind unsere Gerichte besonders schmackhaft, verzehren unsere Kunden auch gleich sehr viel mehr davon. Das kommt wiederum nicht nur unserer Kasse zugute, denn unsere Angestellten erhalten für ihre Arbeit Erfahrungspunkte, wodurch sie im Level steigen, einen besseren Job innerhalb des Firmenstruktur erhalten und Attribute wie die Service-Geschwindigkeit oder die Kochfähigkeiten steigen. Mit all diesen Elementen entwickelt sich zumindest kurzzeitig eine klitzekleine Suchtspirale.

Mit Leerlauf behaftetes Gameplay

Schwarz auf weiß klingt das Spielprinzip alles andere als öde und zumindest in der ersten Spielstunde macht es auch noch sehr viel Spaß, sich in das Konzept einzuarbeiten. Sobald jedoch erst einmal die zweite Filiale eröffnet ist, fällt der repetitive Spielfluss unangenehm auf. Es dauert in den meisten Fällen einfach viel zu lange, bis die Finanzmittel wieder aufgefüllt sind. Hinzu kommen laufende Kosten für das Gehalt der Angestellten und der Miete der Räumlichkeiten aller Lokale. Da bleibt zum einen nicht sehr viel Spielraum und zum anderen automatisiert sich das Spiel somit zu weiten Teilen selbst. Nicht selten ertappen wir uns dabei, wie wir neben dem Spielen mit einem Auge auf unser Smartphone schielen und nur darauf warten, dass der Kassenjingle der Cafeteria erklingt. Derlei Probleme waren schon bei der Erstveröffentlichung im Jahr 2012 bekannt, hier hat es Kairosoft versäumt, die Wirtschaftssimulation an den richtigen Stellen auszubessern. Auch der sich viel zu schnell wiederholende Soundtrack, der lediglich aus zwei bis drei Tracks besteht, macht das eintönige Gameplay nicht wirklich besser. Gelungen ist hingegen der putzige Retro-Grafikstil im 16-Bit-Gewand, der voller liebevoller Details steckt. Leider bleibt uns der süße Wuselfaktor aber nur deshalb im Gedächtnis, da das Gameplay an viel zu vielen Stellen mit reichlich Leerlauf behaftet ist.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Cafeteria Nipponica ist auf den ersten Blick tatsächlich eine niedliche Wirtschaftssimulation, die hier und da reichlich Tiefgang verspricht. Sonderlich komplex ist das Spiel aber nicht, was an viel zu vielen Automatismen liegt. Kaum habe ich Geld in eine neue Geschäftsidee investiert, muss ich zwangsweise abwarten, bis genügend Leute mein Lokal besucht haben, damit ich die Inneneinrichtung verbessern oder gar eine neue spezielle Aktion ausführen darf. So sollte es im Grunde auch sein, der in diesem Zusammenhang unangenehm auffallende Leerlauf hätte jedoch mit deutlich mehr Optimierungsmöglichkeiten vermieden werden können. Es macht einfach keinen Spaß, wenn ich eine gefühlte Viertelstunde warten muss, bis ich eine größere Investition tätigen kann. Auch manche Bildschirmanzeigen sind alles andere als durchschaubar. So weiß ich nicht, warum mein Gewinn vier Monate lang kontinuierlich um zwanzig Prozent pro Monat steigt, auf einmal jedoch von September auf Oktober um die Hälfte einbricht. Cafeteria Nipponica hat so viel Potenzial, das Kairosoft aber auch bei der Wiederveröffentlichung nicht nutzt. Schade!

 

Prime Time: Tales of Symphonia Remastered – Chosen Edition (Unboxing)

Am 17. Februar 2023 veröffentlichte Bandai Namco ein weiteres Mal Tales of Symphonia in einer überarbeiteten Fassung. Unser Chefredakteur hat sich die Chosen Edition gekauft und stellt euch diese im Unboxing-Video vor. Warum ihr vom Kauf dieser Edition, vor allem für die Switch, absehen solltet, erfahrt ihr von unserem aufgebrachten Chefredakteur im Video. Viel Vergnügen, sofern dies zu wünschen möglich ist.

Review: Alice in Borderland (Doppelband 1)

Wer die japanische Manga-Szene in den frühen 2010er-Jahren verfolgt hat, wird möglicherweise über die Reihe Alice in Borderland von Manga-Zeichner Asō Haro gestolpert sein. Alle anderen dürften spätestens seit der gleichnamigen Fernsehserie, die im Jahr 2020 ihr Debüt auf Netflix feierte, vom Franchise gehört haben. Unter dem Label Hayabusa veröffentlichte der hiesige Verlag Carlsen Manga im Januar 2023 den ersten Band von Asōs Werk in einer deutschen Doppelausgabe. Inhaltlich beschäftigt sich die Manga-Reihe mit dem Oberschüler Arisu Ryōhei, der mit seinem Leben nichts anzufangen weiß. Er kann dem Druck der Gesellschaft, der auch in seiner Familie deutlich zu spüren ist, nicht standhalten. So hat er keinerlei Zukunftspläne und versucht der Realität zu entkommen. Mit dieser eskapistischen Einstellung steht er in Alice in Borderland nicht alleine da. Auch sein Freund Segawa Chōta muss seinen Platz in der Gesellschaft noch finden. Zudem belastet es ihn, dass er noch keine Partnerin gefunden hat. Er empfindet sich selbst sogar als minderwertig und nutzlos. Ihr gemeinsamer Freund Karube Daikichi arbeitet hingegen in einer Kneipe. Des Weiteren spart er sein Einkommen für eine Schafsfarm in Australien. Einen Schulabschluss hat er jedoch nicht gemacht und der Besuch einer Universität bleibt ihm daher verwehrt. Ihre Situation ist fast aussichtslos – und genau dies wird den drei Figuren in Alice in Borderland nach und nach zum Verhängnis.

Spiele auf Leben und Tod

Als das Trio die Nacht durchzecht und um vier Uhr morgens auf dem Heimweg ist, wird es Zeuge eines Feuerwerks. Wenig später sieht Japans Hauptstadt Tōkyō, die in Alice in Borderland als Handlungsort herhält, verändert aus. Die Natur erobert die Welt zurück, von Menschen fehlt jede Spur und Nahrungsmittel in den Supermärkten scheinen allesamt verdorben zu sein. Lediglich bei einem Schrein scheint es genießbares Essen zu geben, das für sie hergerichtet wurde. Kaum haben sie das Schreingelände betreten, hindern Laserstrahlen sie daran, es wieder zu verlassen. Um zu überleben, müssen sie unter Zeitdruck an einem Spiel teilnehmen und verschiedene Aufgaben lösen. Es ist ein Spiel auf Leben und Tod – und nur jene, die regelmäßig an Spielen teilnehmen, können ihr Visum im titelgebenden Borderland verlängern. Mit der Zeit treffen die Freunde im Borderland auf weitere Teilnehmer, die ihnen mal hilfreich und mal abweisend gegenüberstehen. So erfährt der Leser zusammen mit den Protagonisten peu à peu mehr über diese ominöse Welt, die immer mehr Fragen aufwirft. Kenner der Fernsehserie stoßen beim Leser auf ein paar Parallelen, die sich aber vor allem in der ersten Hälfte des ersten Bandes in Grenzen halten. Auch die unterschiedlichen Entstehungszeitpunkte spielen hier eine tragende, wenn auch nicht entscheidende Rolle. So oder so gehört Alice in Borderland zu den Werken, die Fans von kreativen wie kranken Ideen verschlingen werden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Wer in den letzten Jahren nicht gerade unter einem Stein gelebt hat, wird Alice in Borderland spätestens durch die Netflix-Ausstrahlung kennengelernt haben. Beflügelt durch den Erfolg der japanischen Fernsehserie ist es gar nicht verwunderlich, dass sich früher oder später ein Verlag der Manga-Vorlage annehmen musste. Der erste Band funktioniert als wunderbare Einleitung, denn er nimmt sich in seiner Erzählstruktur zu Beginn und immer wieder zwischendurch die Zeit, die Charaktere ausgiebig vorzustellen. Selbst Nebenfiguren, die im Borderland zwangsweise in den Spielen das Zeitliche segnen können, haben ihre eigenen Biografien. Direkt im ersten Doppelband müssen die Protagonisten an besagten Spielen teilnehmen, um ihr Überleben zu sichern. Die Ideen dabei sind kreativ und krank zugleich, unterhalten aber gerade wegen der thematisch behandelten Ausweglosigkeit und dem damit einhergehenden Eskapismus enorm. Manga-Leser, die sich gerne in dystopisch abgedrehten Welten bewegen, kommen um Alice in Borderland von Asō Haro nicht herum.

Vielen Dank an Hayabusa für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Alice in Borderland (Doppelband 1)!

Abbildungen: IMAWA NO KUNI NO ALICE © 2011 Haro ASO/ SHOGAKUKAN

Review: Sing “Yesterday” for me (Vol. 1)

Zwischen den Monaten April und Juni 2020 wurde die Anime-Serie Sing “Yesterday” for me im japanischen Fernsehen ausgestrahlt. Hierzulande veröffentlichte der hiesige Herausgeber Kazé Anime die zwölfteilige Anime-Serie in zwei Ausgaben. Die erste Volume im April 2022.

Sing “Yesterday” for me erzählt die Geschichte von Uozumi Rikuo, einem Alumnus, der im Anschluss an sein Studium keine Arbeit findet beziehungsweise sich nicht wirklich für einen Beruf interessiert und entsprechend keinen sucht. Er hält sich mit Teilzeitjobs über Wasser und kapselt sich von seiner Umgebung weitgehend ab. Als einfacher Angestellter im Konbini muss er dann und wann früh aufstehen. An einem Morgen, als die Kunden ausbleiben, füttert er mit dem restlichen Bentō die Krähen vor dem Laden. Dabei trifft er auf Nonaka Haru, die ihn noch von früher zu kennen scheint, ihm aber zunächst nichts Genaueres erzählt. Haru beginnt damit, Rikuo ständig bei der Arbeit aufzusuchen und ihn auch außerhalb zu treffen. Sie verliebt sich offenbar in Rikuo, der jedoch nichts von ihr wissen will. Kurze Zeit später taucht im Konbini auch noch Rikuos alte Jugendliebe Morinome Shinako auf. Schwerenöter Rikuo hat in seinem Leben bisher versäumt, ihr seine wahren Gefühle zu gestehen. Durch das unerwartete Wiedersehen traut er sich, ihr die Wahrheit zu sagen. All dies geschieht schon in der ersten Episode von Sing “Yesterday” for me, weshalb der Zuschauer in den weiteren fünf Folgen, die in der ersten von zwei Ausgaben enthalten sind, durch die eine oder andere überraschende Wendung noch viel mehr Details über Haru, Rikuo und Shinako erfahren wird.

Langsame, aber vielschichtige Story

Basierend auf der Manga-Reihe von Zeichnerin Tōme Kei, die zwischen den Jahren 1997 und 2005 in insgesamt elf Ausgaben veröffentlicht wurde, erzählt die Anime-Serie eine eher melancholische Geschichte. Unterstützt wird dies durch Szenen, die in der Dämmerung, am Abend oder inmitten von Regenschauern spielen. Während Protagonist Rikuo die Stimmung nach unten drückt, gibt es in der Dunkelheit auch Sonnenschein. Vor allem die extrovertierte Haru bringt ordentlich Schwung in die Story. Auch Rikuos Kollege Kinoshita sorgt hier und da für den einen oder anderen Lacher. Durch Hayakawa Rō, einen Freund aus Kindheitstagen von Shinako, wird hingegen nicht nur der Humor aufgewertet, sondern auch die Geschichte an sich ausgebaut. Sing “Yesterday” for me erzählt die Handlung dabei allerdings sehr, sehr langsam und behutsam. Soll heißen, dass auch die Dialoge in einem sehr langsamen Tempo vorangetrieben werden. Wer erwartet, dass in einer Anime-Serie alles Schlag auf Schlag geschieht, wird hier nicht sonderlich glücklich werden. Das heißt aber nicht, dass in der Serie nichts passiert. Das Tempo ist eben ein anderes und sonderlich schlimm ist das auch nicht. Sie regt nicht nur zum Mitfiebern, sondern auch zum Nachdenken über das eigene Leben an. Dies gelingt wahrhaftig nicht jedem Werk aus dem Slice-of-Life- oder Romance-Genre.

Erwachsene erste Serienhälfte

In visueller Hinsicht überzeugt Sing “Yesterday” for me mit einem erwachsenen Zeichenstil. Viele Umgebungen wirken so, als seien sie abfotografiert und überzeichnet. So erstrahlt das urbane Setting im bildschirmfüllenden 16:9-Format realitätsnah und untermalt damit die Aussage des Films, die auf das wahre Leben abzielt. Nur einzelne Elemente und nicht zuletzt die Charaktermodelle werden in der Auflösung von 1080p optisch hervorgehoben. So betont der Anime die Handlungen der Figuren, die die Charakterkonstellationen und ihren Platz in der Gesellschaft ins Wanken bringen. Hinzu kommt ein Soundtrack im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0, der aber ruhig bleibt und nur in wenigen Momenten durchbricht, was gewissermaßen zur Story passt. Die Synchronisation ist sowohl im Japanischen als auch im Deutschen gelungen. Allerdings ist die deutsche Tonspur im Vorteil, da die Lautstärken aller Ebenen besser aufeinander abgestimmt sind. Digitales Bonusmaterial liegt auf der Blu-ray Disc der ersten Volume von Sing “Yesterday” for me überhaupt nicht vor. Der Käufer darf sich aber an einem Poster erfreuen, das der ersten Volume beiliegt. Zu Rezensionszwecken stand das Poster nicht zur Verfügung, doch ist hier von einem Faltposter auszugehen, mit dem sich der Fan seine eigenen vier Wände verschönern kann, was ein angenehmer Nebeneffekt ist.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Obwohl es der Titel der Anime-Serie vermuten lassen könnte, hat das Werk von Animationsstudio Dōga Kōbō in erster Linie nichts mit dem gleichnamigen Song der Band The Beatles zu tun. Inhaltlich geht es in gewisser Weise aber dennoch um die Vergangenheit, jedoch mit einem Blick auf die gegenwärtige Situation und nicht zuletzt die Zukunft. Es ist eine ruhig erzählte Geschichte über Liebe, Freundschaft und nicht zuletzt das Leben, vorangetrieben durch erwachsene Figuren, die ihren Platz im Leben und in der Gesellschaft finden wollen. Der Grundton ist dabei sehr melancholisch. Heitere Momente sind die Ausnahme, brechen aber immer wieder durch. Wer sich auf die Anime-Serie Sing “Yesterday” for me einlassen will, muss mit einer sehr langsamen, aber bedachten Erzählweise konform gehen, die einen auch über das eigene Leben reflektieren lässt. Unter diesem Aspekt kann die Serie überzeugen. Sie zeigt aber zugleich sehr gut, dass sie sich nicht für jeden einzelnen Genre-Fan gleich gut eignet.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Sing “Yesterday” for me (Vol. 1)!

Review: Vengeful Guardian Moonrider

Anfang Januar 2023 erschien mit Vengeful Guardian Moonrider ein Action-Platformer von Entwicklerstudio JoyMasher. Das Spiel, das unter anderem für den PC erhältlich ist, setzt dabei auf eine gehörige Portion Retro, was sich in so gut wie allen Aspekten widerspiegelt.

Totalitäre Systeme führen nie zu etwas Gutem. Das hat die Geschichte der Menschheit oft genug gezeigt. Genau in solch einer Welt spielt jedoch Vengeful Guardian Moonrider. Die Machthaber haben eine schlagkräftige Armee von Supersoldaten aufgestellt, zu denen auch der titelgebende und an einen Samurai erinnernde Wächter Moonrider gehört. Dieser denkt jedoch gar nicht erst daran, dem Staat zu dienen. Stattdessen will er für die Freiheit einstehen. Er beginnt damit, die anderen Übermenschen zu bekämpfen. Einfacher könnte die Handlung des Spiels nicht sein und das muss sie auch nicht. Vengeful Guardian Moonrider ist definitiv ein Spiel, das sich nicht nur in seiner Ästhetik, sondern auch in puncto Storytelling und Gameplay an Videospiele orientiert, die in den 1980er- und 1990er-Jahren erschienen sind. Würden wir es nicht besser wissen, würden wir das Spiel tatsächlich für einen Titel halten, der bis auf Auflösung und Spieltempo für das Sega Mega Drive hätte veröffentlicht werden können. Wert auf eine komplexe Story legt der Titel dementsprechend wenig bis gar nicht. Es gibt zwar kurze Dialoge, wenn wir mit dem Moonrider die Konfrontation mit einem Bossgegner suchen, und kurze Monologe, wenn wir einen Level abschließen, aber das war es auch schon. Nötig wäre das aber ohnehin nicht, denn Vengeful Guardian Moonrider definiert sich vor allem über sein schnelles Gameplay.

Mit Chips ausgerüstet in den Kampf

Kaum sind wir unserem Hightech-Gefängnis entkommen, machen wir auch schon Jagd auf unsere Peiniger. Hierzu steht uns eine schwertartige Waffe zur Verfügung, wodurch klar ist, dass Vengeful Guardian Moonrider ein Action-Titel ist, in dem Nahkampf groß geschrieben wird. Es gibt auch Möglichkeiten, in den Fernkampf zu gehen, aber sind diese Attacken eher die Ausnahme und den Spezialangriffen oder Sonderaufgaben vorbehalten. Wenn wir nicht gerade den mal menschlichen und mal roboterartigen Schergen entgegentreten, laufen und hüpfen wir durch die Spielwelt. Hier und da können wir versteckte Chips finden und unseren Helden damit ausstatten. Maximal zwei solcher Chips können wir gleichzeitig ausrüsten, um damit beispielsweise regelmäßig Lebensenergie oder Ausdauer wiederherzustellen, einen Doppelsprung auszuführen oder andere Vorteile zu erhalten. Fast alle Levels sind jedoch so überschaubar, dass das Erkunden zur Nebensache verkommt und nicht so richtig motiviert. Die Action steht in Vengeful Guardian Moonrider klar im Vordergrund – und dies ist an vielen Stellen zu merken. Unter anderem befinden sich Hindernisse, Fallen und nicht zuletzt die Gegner mit ihrer Japan-Ästhetik genau an den richtigen Stellen, sodass wir fast schon tanzartig feindlichen Projektilen ausweichen und den Angriff im genau richtigen Moment erwidern. Nicht nur in dieser Disziplin macht das Spiel fast alles richtig.

Jede Niederlage führt zum Sieg

Vor allem die größeren Zwischengegner und die Bossgegner am Ende eines jeden Levels können mit verschiedenen Angriffsmustern begeistern. Wir weichen großflächigen Attacken aus und schlagen genauso akrobatisch zurück. Manchmal wird in den Bosskämpfen aber auch die Umgebung zum Feind, wodurch das Gameplay stets frisch bleibt und mit kleineren Abweichungen überrascht. Beim ersten Kontakt mit einem Bossgegner ist dieser nur selten zu besiegen, denn der Schwierigkeitsgrad ist durchaus fordernd. So heftig wie die früheren Mega-Man-Spiele ist Vengeful Guardian Moonrider zwar keinesfalls, aber das heißt im Umkehrschluss trotzdem bei Weitem nicht, dass wir unseren Feinden sorglos gegenübertreten können. Verlieren wir all unsere Lebensenergie, verlieren wir einen wertvollen Versuch und müssen am letzten Kontrollpunkt wieder ins Geschehen einsteigen. Dieser ständige Drang, nicht alle Leben auszuhauchen, gibt einen ordentlichen Adrenalinstoß. Wir merken schnell, dass wir mit unserem letzten Versuch wesentlich vorsichtiger und geschickter agieren. Auf einmal fluppen die Sprung- und Ausweichpassagen genauso wie das Durchschauen der Manöver der Bossgegner. Wir lernen mit jeder Niederlage schlicht dazu, verbessern unsere Fähigkeiten und können diese nahtlos im nächsten Level einsetzen, um den Action-Platformer zu meistern.

Abwechslungsreiche Abweichungen

Übrigens ist der Aufbau der Levels nicht das einzige, was an Mega Man und Co erinnert. So können wir nach dem ersten Spielabschnitt frei wählen, in welcher Reihenfolge wir die acht darauffolgenden Levels angehen wollen. Darüber hinaus erhalten wir für das Besiegen eines Bossgegners seine Spezialfähigkeit, die wir im laufenden Spiel wechseln können, um damit in den Levels noch besser aufräumen zu können, auch wenn diese Fähigkeiten weitgehend eher belanglos und nicht immer vorteilhaft sind. Im Grunde bleibt das Gameplay bis zum finalen Kampf gleich. Wir durchkämmen Militäreinrichtungen, zerstörte Städte, verwitterte Wälder und Unterwasserhöhlen. Letzteres zeigt, dass der Titel immer wieder mit kleinen Abweichungen im Gameplay überrascht. So ändert sich unter Wasser auch die Physik, sodass wir Moonrider nur schwerfällig durchs kühle Nass bewegen können. Manchmal können wir in Vengeful Guardian Moonrider auch auf fliegenden Vehikeln Platz nehmen. Damit nicht genug, dürfen wir in zwei Levels auch über eine Schnellstraße driften. Aus der zweidimensionalen Seitenansicht wechselt die Kameraperspektive in die Verfolgeransicht. Ständig ziehen Motorradfahrer an uns vorbei, denen wir ausweichen und mit gezielten Schüssen von der Straße katapultieren. Gerade dann, wenn es eintönig werden könnte, gelingt dem Spiel plötzlich die Kehrtwende.

Kurzweiliges Action-Vergnügen

Sonderlich lang ist Vengeful Guardian Moonrider übrigens nicht. Geübte Spiele werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nach anderthalb bis zwei Stunden den Abspann sehen. Wer kein Profi ist, wird aber nicht sehr viel länger am Spiel zu knabbern haben und spätestens nach zweieinhalb Stunden im Finale stehen. Dies liegt aber auch daran, dass wir nach dem ersten Ableben einen Rüstungschip erhalten, der den Schaden der Feinde verringert, wodurch das Abenteuer logischerweise einfacher wird. Wer gerne auf Highscore-Jagd geht, nimmt aber ohnehin Abstand von dieser Maßnahme, da die Abschlussbewertung dadurch erheblich verringert wird. Dennoch begrüßen wir den Chip, da so auch Anfänger eine Chance haben und nicht frustriert nach dem dritten oder vierten Tod an derselben Stelle den Controller an die Wand pfeffern. Positiv fällt in diesem Zusammenhang auch die leicht zu handhabende Steuerung auf. Vengeful Guardian Moonrider lässt sich hervorragend mit einem Controller spielen, der sich am Super-Nintendo-Controller-Layout orientiert. Dies ist aber nicht der einzige Nostalgiebonus, denn wie eingangs angedeutet, erstrahlt der Titel im 16-Bit-Gewand und ist mit ähnlichen Klängen unterlegt. Unterm Strich ist das Spiel wie gemacht für Fans von Retro-Action-Spielen. Gehört ihr zu dieser Gruppe, kommt ihr um den Notalgie-Trip nicht herum.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Vengeful Guardian Moonrider bietet ab der ersten Minute brachiale Action, die sich flüssig umsetzen und meistern lässt. Selten habe ich in einem Spiel das Gefühl, mit jeder Niederlage tatsächlich dazu zu lernen. Nicht so bei diesem Action-Platformer von Entwicklerstudio JoyMasher. Jeder Bildschirmtod spornt mich an, besser und besser zu werden – und genau das passiert in Vengeful Guardian Moonrider so flüssig wie das Gameplay des Spiels ist. Dadurch, dass der Action-Platformer nicht so schwierig ausfällt, können sich auch Anfänger nahezu problemlos am Spiel versuchen. Auch dass die Levels in einer freien Reihenfolge angegangen werden können, ist ein großes Plus für Vengeful Guardian Moonrider. Zusammen mit dem nostalgischen Retro-Feeling in Grafik und Soundtrack ist das Spiel eine wunderbare Zeitreise in die frühen 1990er-Jahre. Lediglich der nicht vorhandene Andrang, die beste Route durchs Spiel zu finden, die Belanglosigkeit der Spezialfähigkeiten und die relativ kurze Einmalspielzeit von etwa zwei Stunden stehen dem Spielspaß entgegen. Für Retro-Fans ist das Spiel aber definitiv einen Blick wert.

Vielen Dank an The Arcade Crew für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Vengeful Guardian Moonrider!

Review: Rent-a-Girlfriend (Vol. 2)

Einen Monat nach dem Seriendebüt von Rent-a-Girlfriend entschied sich Herausgeber Kazé Anime dazu, die zweite Volume zu veröffentlichen. Diese knüpft direkt an die Geschehnisse des ersten Episodenpakets an und intensiviert die komplizierten Beziehungen der Akteure.

Rent-a-Girlfriend setzt nach wie vor auf das gängige Konzept der Anime-Serie. In den ersten Episoden hat sich der Student Kinoshita Kazuya, nachdem er von seiner Freundin Nanami Mami verlassen wurde, eine Freundin auf Mietbasis besorgt. Hierbei handelt es sich um die Studentin Mizuhara Chizuru, die zugleich dieselbe Universität wie Kazuya besucht und auch dessen Nachbarin ist. Unglückliche Verkettungen der Umstände sorgen jedoch immer mehr dafür, dass Kazuyas Umfeld Chizuru als seine wahre Freundin ansieht. Vor allem Kazuyas Großmutter verliebt sich richtig in ihre kleine „Prinzessin“. Auch Kazuyas Freundeskreis ist davon überzeugt, dass Chizuru ein richtiger Glücksgriff für den Schwerenöter ist. Zu guter Letzt entwickelt sich bei Mami eine gewisse Eifersüchtigkeit. Sie merkt, dass es vielleicht doch nicht die richtige Entscheidung war, die Beziehung mit Kazuya zu beenden. Am Ende der ersten Volume sind Kazuya und Chizuru soweit, dass sie ihre Scheinbeziehung unter allen Umständen beenden müssen, bevor es noch komplizierter für alle Beteiligten wird. Ein klärendes Gespräch auf einer Fähre soll die nächsten Schritte einleiten, doch wie es der Zufall will, fällt Chizuru über Bord. In der ersten Szene der fünften Folge springt Kazuya hinterher und rettet sie. Dies sorgt dafür, dass Kazuya offenbar romantische Gefühle für sie entwickelt.

Alte Hindernisse und neue Probleme

Nach wie vor steht die Entwicklung von Kazuya im Fokus der Erzählung. Rent-a-Girlfriend versucht trotz der tragischen wie traurigen Ausgangslage die Story möglichst humorvoll zu erzählen. Diesmal steht beispielsweise der Ausflug in ein Onsen an der Tagesordnung. Zum Todestag seines Großvaters reist Kazuyas Familie dorthin und trifft, natürlich rein zufällig, vor Ort auf Chizurus Großmutter, mit der sich Kazuyas Großmutter inzwischen anfreunden konnte. Chizuru ist natürlich auch nicht weit und so müssen sie außerplanmäßig wieder die Masken aufsetzen, um ihre Liebsten nicht zu enttäuschen. Auch wenn sie weiter am Plan festhalten, dass sie sich ganz offiziell trennen müssen, stellen sie für sich Regeln auf, wie es für sie in Zukunft weitergeht. So soll sich Kazuya vor allem darauf konzentrieren, eine echte Freundin zu finden. Problematisch ist wiederum, dass Kazuyas Kumpel Kuribayashi Shun auftaucht und die beiden um ein Doppeldate zusammen mit seiner Freundin Sarashina Ruka bittet. Ausgerechnet Ruka ist es, die von allen Beteiligten sofort erkennt, dass Chizuru nicht Kazuyas echte Freundin, sondern nur eine Mietfreundin ist. Jetzt müssen die beiden nicht nur dafür sorgen, dass ihr Freundes- und Familienkreis die Wahrheit nicht kennt. Auch auf dem Campus soll nicht zirkulieren, wie Chizuru ihr Geld in Rent-a-Girlfriend verdient.

Zwischen Drama und Plumpheit

Während die Handlung mehr und mehr Fahrt aufnimmt und die Charaktere immer wieder in neue absurde Situationen schmeißt, schwankt die Inszenierung jedoch zwischen Überdramatisierung und Plumpheit. Die dramatische Gestaltung passt auch richtig gut zur Erzählweise, da die Serie stark mit Mimik und Gestik der Charaktere arbeitet. Auf diese Art und Weise gelingt es Rent-a-Girlfriend den Zuschauer bestens zu unterhalten. Die Plumpheit kommt in wenigen, wenn auch nicht zu vernachlässigbaren Szenen insofern durch, dass die Brüste der weiblichen Charaktere bewusst und unbewusst befummelt werden. Ob das für die Erzählung wirklich nötig ist, darf bezweifelt werden. Vor allem Szenen, die nicht von Bedeutung sind, kratzen mehr oder weniger am sonst positiven Gesamtbild. Apropos Bild: Sowohl das gelungene Charakterdesign als auch die Umgebungsgrafiken wirken wie aus einem Guss. Selbst im veralteten DVD-Format kann die Anime-Serie aus dem Jahr 2020 mit tollen Farben und Zeichnungen punkten. Das Tonformat Dolby Digital 2.0 ist ebenfalls ausreichend, um die Dialoge, Soundeffekte und inzwischen zu leichten Ohrwürmern avancierten Melodien auszudrücken. Digitales Bonusmaterial gibt es bei der zweiten Ausgabe nicht. Als physische Dreingabe liegt der Verkaufsversion aber immerhin noch eine Artcard bei, über die sich Fans freuen dürfen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Obwohl das Szenario von Rent-a-Girlfriend in wenigen Episoden hätte ausgelutscht sein können, gelingt es der Anime-Serie auch in der zweiten Volume vortrefflich, die Geschichte mit neuen Ideen und unerwarteten Wendungen fortzuführen. Die Story verleitet den Zuschauer, gebannt am Bildschirm zu kleben und sich zu fragen, was als nächstes passieren wird – und immer dann, wenn die Handlung zu einem Ende kommen könnte, überrascht zum Beispiel das Auftreten neuer Akteure wie Sarashina Ruka. Auch dass sich Kazuyas Innenleben peu à peu zu einem Gefühlschaos entwickelt, spielt den jüngsten Entwicklungen in die Karten. Dies verkompliziert die Situation für alle Beteiligten nur noch mehr, macht das Anschauen aber zugleich wesentlich sehenswerter. Wer die Episoden der ersten Volume mag und nichts gegen diverse plumpe Inszenierungen hat, wird auch die vier aberwitzigen Folgen der zweiten Ausgabe von Rent-a-Girlfriend verschlingen. 

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Rent-a-Girlfriend (Vol. 2)!

Review: Persona 4 Golden

Ursprünglich erschien Shin Megami Tensei: Persona 4 für die PlayStation 2 im Jahr 2008 in Japan. 2012 folgte mit einem reduzierten und erweiterten Titel auf der PlayStation Vita eine weitere Version des Spiels. Persona 4 Golden erschien Anfang 2023 auch auf der Switch.

Es ist kaum zu glauben, aber neben den auf dem Nintendo 3DS veröffentlichten Spin-offs Persona Q: Shadow of the Labyrinth und Persona Q2: New Cinema Labyrinth dauerte es bis Ende 2022, bis die Hauptteile der Reihe ihre ersten Gehversuche auf Nintendo-Plattformen machte. Neben dem Meisterwerk Persona 5 Royal folgten ein paar Monate später an ein und demselben Tag der dritte und vierte Serienteil. Persona 4: Golden setzt den Oberschüler Narukami Yū, den wir wahlweise auch frei mit Vor- und Nachnamen benennen dürfen, in den Mittelpunkt der Geschichte. Aus der Großstadt kommend, beginnt er sein zweites Jahr der Oberschule im ländlichen Inaba. Während seines einjährigen Aufenthalts in Inaba kommt er bei seinem Onkel Dōjima Ryōtarō und seiner kleinen Cousine Nanako unter. Idyllisch ist es in Inaba, abgesehen von der Kulisse, aber nicht. So treibt ein Serienmörder sein Unwesen in der Kleinstadt. Als dann eine Klassenkameradin von Yū und seinen beiden neuen Freunden Hanamura Yōsuke und Satonaka Chie verschwindet und die Polizei keine Erfolge aufweist, versuchen sie dem Täter selbst auf die Schliche zu kommen. Eingewickelt ist die Handlung zudem in das Mysterium des Midnight Channels. Wer in einer regnerischen Nacht um Punkt Mitternacht in den Fernseher blickt, soll dort angeblich seinen Seelenverwandten erblicken.

Schulalltag und Freizeit

Dass all diese Ereignisse in der einen oder anderen Weise zusammenhängen, dürfte wohl jeder von euch erahnen können. Von Beginn an ist die auf dutzende Stunden ausgelegte Story interessant und fesselnd zugleich. Das heißt aber auch, dass uns Persona 4 Golden sehr viele Dialoge vorsetzt. Für Ungeduldige gibt zwar eine Vorspulfunktion, aber von dieser raten wir tunlichst ab. Sowohl die Story als auch die Charaktere sind großartig geschrieben. Sie fühlen sich wie echte Oberschüler mit eigenen Problemen an, die sie zu lösen haben. Diese Auseinandersetzung mit sich selbst und ihren Mitmenschen wird immer wieder in den Fokus der Erzählung gerückt. Uns gefallen die Dialoge, die mal eine tragische und auch mal eine heitere Note annehmen. Hinzu kommen so einige Nebencharaktere, mit denen wir uns abseits des Schulalltags und vom Midnight Channel verabreden und Zeit verbringen können. Inaba als Handlungsort ist im Gegensatz zum pulsierenden Tōkyō des fünften Serienteils zwar bei Weitem nicht so sehr mit Leben gefüllt, ist aber dennoch eine ganz angenehme Erfahrung. Verbringen wir Zeit mit den Nebencharakteren, vertiefen wir unsere Beziehung zueinander, wodurch wir im Gameplay Vorteile erhalten können. Vor allem die Zeit mit unseren Freunden ist nicht zu unterschätzen, da diese dann noch mehr ins Kampfgeschehen eingreifen.

Gefangen im Fernsehen

Verbringen wir nicht gerade Zeit mit Freunden oder in der Schule, können wir auch arbeiten gehen, am heimischen Schreibtisch für Prüfungen lernen, Bücher lesen, im Restaurant speisen oder noch ganz anderen Tätigkeiten nachgehen, womit wir Werte wie Mut oder Wissen steigern. Dies schaltet in Persona 4 Golden weitere Möglichkeiten oder Gesprächsoptionen frei, die uns noch tiefer in das soziale Leben eintauchen lassen. Um die Story jedoch vorantreiben zu können, müssen wir uns in die ominöse Fernsehwelt begeben und dort diverse Dungeons erkunden, an deren Ende wir im besten Fall die jeweils vermisste Person retten. Leider ist gerade dieser Aspekt etwas ermüdend, denn die Dungeons sind zufallsbasiert aufgebaut. So laufen wir immer wieder durch neu zusammengewürfelte Gänge und Räume. Kurz sind die Ausflüge in die Dungeons auch nicht unbedingt, zumal wir uns in unzähligen Kämpfen mit den Schatten genannten Gegnern messen. Wer den Zufallsfaktor in Videospielen nicht so ganz mag, wird mit Persona 4 vermutlich nicht so richtig glücklich. Trotzdem sollte dies kein Ausschlusskriterium für das sonst echt fantastische Spiel sein. Selbst die Kämpfe machen eine Menge Spaß, da sie uns sogar auf dem normalen Schwierigkeitsgrad von der ersten Minute angenehm fordern. Äußerst selten haben wir das Gefühl, zu stark oder zu schwach zu sein.

Persona: Der Name ist Programm

Bei den zahlreichen Auseinandersetzungen mit den Schatten setzt Persona 4 Golden auf ein rundenbasiertes Kampfsystem. Wir können also in Ruhe unsere Entscheidungen treffen und herausfinden, welche Angriffe gegen unsere Gegner effektiv sind, um Vorteile zu erhalten. Können wir einen Feind umwerfen, dürfen wir direkt ein weiteres Mal angreifen. Liegen alle Gegner am Boden, dürfen wir sogar mit der gesamten Gruppe eine zusätzliche Attacke ausführen. Voreingestellt ist übrigens, dass unsere Verbündeten automatisch angreifen. So können manche Kämpfe schnell entschieden werden. Besonders bei den wirklich nicht zu unterschätzenden Bossgegnern würden wir euch aber klar empfehlen, die Kontrolle zu übernehmen. Unsere Verbündeten setzen Spezialangriffe, die entsprechend an unserer Energie zehren, gerne inflationär ein. Egal wie wir die Kämpfe bestreiten, am Ende regnet es neben Geld in der japanischen Währung Yen auch Erfahrungspunkte, die uns und unsere Persona nach und nach im Level aufsteigen lassen. Bei den Persona handelt es sich im Übrigen um Monster, die wir befehligen, um Spezialangriffe auszuführen. Während unsere Verbündeten jeweils eine Persona besitzen, können wir mehrere Persona kontrollieren. Um noch stärkere Kreaturen zu erschaffen, dürfen wir die Persona bei Figur Igor auch miteinander fusionieren. Echt klasse!

Individualisierungen und Einschränkungen

Wem das Spiel trotzdem zu schwierig oder zu leicht erscheint, kann jederzeit im Menü den Schwierigkeitsgrad verändern – und das sogar im Detail. So können wir beispielsweise einstellen, wie viele Erfahrungspunkte wir von besiegten Gegnern erhalten und ob wir bei einem verlorenen Kampf diesen neu starten oder zu Beginn der Ebene des Dungeons wieder ins Geschehen eintauchen können. Uns gefällt diese Möglichkeit der Individualisierung sehr, denn sie zeigt bestens, wie wir ein Spiel unserem persönlichen Geschmack entsprechend anpassen und den Spielspaß weiter maximieren können. Sowohl Entwicklerstudio Atlus als auch andere Videospielentwickler dürfen sich von diesen Personalisierungsmöglichkeiten gerne inspirieren lassen. Da die Dungeons allerdings recht umfangreich ausfallen, gefällt uns auch die Option, das Spiel jederzeit speichern zu können. Trotz allem ist die von Atlus gefundene Lösung nicht unbedingt die beste Idee. Anstatt einfach überall einen Speicherstand anlegen zu können, dürfen wir abseits von den herkömmlichen Speicherpunkten den Spielstand lediglich schnellspeichern. Ein solcher Spielstand wird jedoch gelöscht, sobald wir diesen einmal laden. Reguläre Speicherpunkte in den Dungeons hätten die Entwickler als Alternative ebenso hinzufügen können. Persona 4 Golden soll aber eben eine Erfahrung bieten, die nah am Ursprungsspiel ist.

Originalgetreue Umsetzung

Letzteres ist auch an den leicht umständlichen Menüs zu sehen, denn um herauszufinden, wie stark die Verbindung zu einem anderen Charakter ist, müssen wir uns durch etliche Textboxen kämpfen. In den Kämpfen müssen wir hingegen extra das Analyse-Menü aufrufen, um erkannte Schwächen des Gegners zu sehen. In vielerlei Hinsicht funktioniert Persona 4 Golden auf der Switch originalgetreu, auch unter technischen Gesichtspunkten. So wirken Umgebungen und Charaktermodelle wie ein PlayStation-2-Spiel. Schlimm ist das aber nicht, denn schließlich handelt es sich hierbei, wie wir festgestellt haben, überwiegend um eine Portierung und um keine Neuinterpretation. Außerdem dürfte der Grafikstil für Retro-Fans etwas nostalgisch sein. Lediglich, dass manche Animationen und Umgebungen beim Schwenken der Kamera verwaschen, ist etwas, was auf einer vergleichbar potenten Konsole wie der Switch nicht passieren darf. Hinzu kommt tolle Musik, die zum Teil auf Gesang setzt und das Geschehen jederzeit mit mal kräftigen, mal ruhigen und mal melancholisch anmutenden Klängen wunderbar unterlegt. Das Spiel trifft in so gut wie allen Szenen den richtigen Ton, sodass wir sowohl bei den actiongeladenen Kämpfen als auch beim Pauken für die nächste Prüfung stets das Gefühl haben, die jeweilige Tätigkeit auch tatsächlich auszuführen. Mit solch kleinen Details brennt sich der Rollenspielklassiker Persona 4 Golden in unsere Herzen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Persona 4 Golden ist ein sehr gutes japanisches Rollenspiel. Die umfangreiche und sich über dutzende Stunden ziehende Handlung fesselt nahtlos an den Bildschirm und überzeugt mit gelungenen Charakteren, bei dem jeder seinen Favorit finden dürfte. Yōsuke ist für mich beispielsweise der Inbegriff eines guten Kumpels, der mich zwar immer wieder mit absurden Ideen in Schwierigkeiten bringt, die ich ihm jedoch jedes Mal durchgehen lasse, weil es mit ihm einfach nie langweilig wird. Darüber hinaus gefällt mir die Mischung aus Schulalltag, dem Pflegen sozialer Kontakte und den regelmäßigen Ausflügen in die wundersame Welt des Midnight Channels, wo die Action in Form von durchdachten und rundenbasierten Kämpfen stattfindet. Lediglich dass manche Menüstrukturen umständlich konstruiert sind und dass das Dungeondesign selbst für ein zufallsbasiertes Aufbausystem viel zu langweilig ausfällt, ist mir ein Dorn im Auge. Dennoch spiele ich Persona 4 Golden immer wieder gerne, denn die dichte Atmosphäre, die tollen Charaktere, der ländliche Handlungsort, das durchdachte Kampfsystem und nicht zuletzt die zu lüftenden Mysterien sorgen dafür, dass mir in diesem Rollenspiel niemals langweilig wird!

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-, PlayStation-2-Fassung und der PlayStation-Vita-Fassung): Persona 4 Golden zählt zu meinen absoluten Lieblingsspielen. Diesen Titel haben sich nur sehr wenige Spiele verdient. Schönerweise zeigt mir auch die Nintendo-Switch-Version noch einmal, warum das so ist. In kaum einem anderen Spiel habe ich ein so gutes Gefühl für eine dichte und stimmungsvolle Spielwelt. Persona 4 Golden erreicht das nicht über riesige Welten oder modernste Technik, sondern über tolle Figuren und Dialoge, ein scharfes Auge für Details und der Erzählung, die den Spagat aus leichtherzigen und ernsten Elementen perfekt meistert. Das Spiel weiß seine lange Spielzeit sehr gut zu nutzen, um den Spieler irgendwann fest in seinen Bann zu ziehen. Oben drauf kommen das spaßige Kampfsystem, vielseitige Nebenbeschäftigungen mit sinnvollen Belohnungen und ein hammermäßiger Soundtrack. Lediglich die Dungeons sind im Vergleich zum Nachfolger recht unspektakulär. Zumindest nerven sie nicht mit lästigen Rätseln oder sinnlosen Unterbrechungen – hier steht klar das Dungeon-Crawling im Mittelpunkt.

Prime Time: Black Clover (Vol. 8, Unboxing)

Nachdem wir euch vor ein paar Wochen die achte Serienbox des Anime Black Clover in einer Rezension vorgestellt haben, möchten wir euch auch dieses Mal ein Unboxing-Video nicht vorenthalten. Unser Chefredakteur geht auf die optischen und haptischen Mermale der Ausgabe ein. Wir wünschen viel Spaß!

Review: Little Briar Rose

Manche Spiele wie Ōkami oder gleich mehrere Ableger der The-Legend-of-Zelda-Reihe können auf den ersten Blick vor allem aufgrund ihrer besonderen Grafikstile identifiziert werden. Das Point-and-Click-Adventure Little Briar Rose gehört zu dieser Videospielkategorie und macht mit seinem einzigartigen Bleiglasfenster-Look auf sich aufmerksam.

Little Briar Rose basiert – wie es der Titel des Spiels vermuten lässt – vage auf dem deutschen Märchen „Dornröschen“ der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, das von der Erzählung „Die schlafende Schöne im Wald“ von Charles Perrault beeinflusst wurde. Der französische Schriftsteller hat seine Inspiration wiederum vermutlich vom Märchen „Sonne, Mond und Talia“ vom Italiener Giambattista Basile genommen. Auch der englische Prosaroman „Perceforest“ hatte einen Einfluss auf die Entstehungsgeschichte des Märchens. Beim Videospiel Little Briar Rose des italienischen Entwicklerstudios Elf Games handelt es sich also weniger um ein deutsch, sondern mehr um ein europäisch geprägtes Werk. In dieser kunterbunten Mischung schlüpfen wir in die Rolle des Prinzen, der einen verwunschenen Wald durchqueren muss. An dessen Ende wartet ein mit Dornen überzogenes Schloss auf uns, in dem wir ganz schlicht die Prinzessin aus ihrem Schlummer mit einem Kuss wecken müssen. Was anfänglich nach einer klischeebeladenen Handlung klingt, entpuppt sich im Verlauf des rund dreistündigen Abenteuers als fantasievolles Sammelsurium kleinerer Geschichten. So müssen wir zum Beispiel zerstrittenen Gnomen dabei helfen, eine Bibliothek zu errichten. Eine Fee wiederum will sich zu einem Ball herausputzen. Wir werden hierbei auserkoren, ihr Outfit zu bestimmen.

Planlos durch den Märchenwald

So amüsant die einzelnen Geschichten von Little Briar Rose auch sein mögen, so unklug sind sie miteinander verzahnt. Immer dann, wenn wir glauben, der Lösung einen Schritt näher gekommen zu sein, stoppen unsere Gesprächspartner die Dialoge meistens abrupt. Wir erhalten in den seltensten Fällen einen Hinweis darauf, welchen Ort wir als nächstes aufsuchen sollten. Auch wenn die Spielwelt mit acht kleinen Schauplätzen überschaubar ausfällt, ist das ständige Abklappern bereits besuchter Areale eine äußerst nervige Angelegenheit. Wer keine Lust darauf hat, alle Gebiete erneut zu besuchen und wieder alle Figuren anzulabern, kann das Spiel auch jederzeit um einen Hinweis bitten. Um einen Tipp zu bekommen, muss jedoch ein kleines Puzzle gelöst werden. Anschließend wird der nächste Zielpunkt hervorgehoben, sofern wir uns am richtigen Ort befinden. Andernfalls ertönt ein akustisches Signal. Dann müssen wir so oft auf den Hinweisknopf drücken, bis wir im richtigen Gebiet angelangt sind. Hier ist Little Briar Rose fair genug und lässt uns das Rätsel nicht wiederholen. Nichtsdestotrotz ist dies leider genau dann der Fall, wenn wir den nächsten Tipp benötigen. Pro Kapitel kommen wir im Übrigen nur in den Genuss eines einzelnen Puzzles. Wer – wie wir – zu oft Gebrauch von der Hinweisstellung machen, wird dem Feature und selbst dem Spiel schnell überdrüssig.

Abenteuer für die Hosentasche

Wer diese Tortur durchhält, kommt in den Genuss kleinerer Schiebepuzzles oder Minispiele. Abseits dessen fällt das Gameplay von Little Briar Rose jedoch marginal aus, da häufig reine Dialoge das nächste Ereignis auslösen. Mehrere Dialogoptionen kommen bis auf ganz wenige Ausnahmen überhaupt nicht vor und auch das Kombinieren von Gegenständen ist nur an vorgegebenen Stellen möglich. Hier verschenkt Entwicklerstudio Elf Games unnötig viel Potenzial. Dass Point-and-Click-Adventures selbst ohne ausgeprägte Gameplay-Mechaniken auskommen und trotzdem überzeugen können, hat The Lion’s Song von Mi’pu’mi Games bereits bewiesen. Besonders wichtig für ein Point-and-Click-Adventure ist eine eingängige Steuerung. Diese gefällt uns in Little Briar Rose allerdings nur zum Teil. Zwar lässt sich unser Prinz sehr leicht mit dem linken Analog-Stick durch den Märchenwald manövrieren und auch alle anderen Angaben werden direkt erkannt, doch ist das vor allem bei Puzzles und Minispielen eine fummelige Angelegenheit. Glücklicherweise unterstützt das Spiel den Touchscreen der Nintendo Switch und lässt sich somit zumindest im Handheld-Modus wesentlich besser spielen. Hier reicht ein Tippen oder Ziehen mit dem Finger auf den Bildschirm aus, um alle Aktionen umzusetzen. Vor allem Switch-Lite-Besitzer sollten sich dem nützlichen Feature bewusst sein.

Englisch will gelernt sein

Um in den Genuss des vollen Spielspaßes zu kommen, sind gute Englisch-, Französisch, Italienisch- oder Spanischkenntnisse erforderlich. Eine deutsche Übersetzung gibt es leider nicht. Oft haben wir uns dabei ertappt, wichtige Begriffe in Wörterbüchern nachzuschlagen. Dies ist vor allem den einzelnen Item-Bezeichnungen geschuldet, zumal ausführliche Beschreibungen fehlen. Sollen wir an einer bestimmten Stelle die Schere einer Krabbe verwenden, denken wir in der englischen Übersetzung an den Begriff „claw“, da dieser Gegenstand mitsamt Bild im Inventar dementsprechend katalogisiert ist. Die Nicht-Spieler-Charaktere im Märchenwald sprechen hingegen vom Begriff „pincer“. Insbesondere bei einem Point-and-Click-Adventure sind konkrete Beschreibungen und Schlüsselbegriffe unabdingbar, was die Entwickler von Elf Games leider an zu vielen Stellen nicht beachtet haben. Falsche Entscheidungen können im schlimmsten Fall zum Tod der Spielfigur führen. Schlimm ist das aber nicht, da wir daraufhin mit einem neuen Prinz starten dürfen, der auf demselben Kenntnisstand wie der vorherige ist. Dies ist im Übrigen auch für das Finale wichtig, was wir aus Spoiler-Gründen aber nicht weiter erwähnen wollen. Bis der Abspann über den Bildschirm flimmert, müssen wir den angenehmen, aber oft repetitiven Soundtrack überleben. Da der Bleiglasfenster-Grafikstil aber so schön ausfällt, beißen wir in Little Briar Rose die Zähne gerne einmal mehr zusammen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Spiele, die mit einem besonderen Grafikstil auf sich aufmerksam machen, haben bei mir direkt einen Stein im Brett. Little Briar Rose hat es deshalb bereits mit dem Trailer geschafft, mich zu verzaubern. Leider ist das fertige Produkt, so märchenhaft es an manchen Stellen auch erzählt sein mag, recht mittelmäßig geworden. So mag ich zwar die einzelnen Geschichten der ulkigen Bewohner, doch finde ich es schade, dass diese Erzählungen kaum miteinander verwoben sind und ich viel zu oft das Hinweis-Puzzle absolviere. Nur so kann ich schließlich verhindern, dass ich nicht wieder die gesamte Spielwelt abgrasen und alle Nicht-Spieler-Charaktere erneut anquatschen muss. Schade ist auch, dass das Spiel keine deutsche Übersetzung spendiert bekommen hat und ich somit unbekannte Begriffe zu oft in Wörterbüchern nachschlagen musste. Vor allem Unterschiede in Item-Bezeichnungen im Menü und in Dialogen stoßen mir hier bitter auf. Kleinere Highlights sind für mich die Minispiele und Schiebepuzzles, die den drögen Alltag auflockern. Wirklich gut spielbar sind diese allerdings nur über den Touchscreen der Switch, weshalb ich Little Briar Rose – so wunderbar das Spiel mit seinem Bleiglasfenster-Look auf dem Bildschirm meines Fernsehers auch aussieht – nur im Handheld-Modus spielen will. Fans von Point-and-Click-Adventures, die mit den nervigen Macken von Little Briar Rose leben können, dürfen zuschlagen. Alle anderen sollten sich nach Alternativen umsehen.