Review: Alice in Borderland (Doppelband 3)

Nach den Geschehnissen im zweiten Doppelband der Manga-Reihe Alice in Borderland ist nichts mehr so, wie es vorher war. Bei einem Spiel auf Leben und Tod verlor der titelgebende Protagonist Arisu Ryōhei seine besten Freunde. Trotz allem geling es ihm durch die ebenfalls im Borderland festsitzende Usagi Yuzuha neuen Lebensmut zu schöpfen. Gemeinsam haben sie das Beach gefunden, bei dem es sich um ein Hotel handelt, in dem die Besucher des Borderlands gemeinsam leben. Eigentlich nehmen sie zusammen an Spielen teil, um die Spielkarten zu sammeln, die die Ausreise aus dem mysteriösen Land erlauben sollen. Gegen Ende des zweiten Doppelbandes haben sich die Ereignisse überschlagen. So hat Aguni Morizono, ein Kämpfer mit brutalen Mitteln, die Macht im Beach an sich gerissen. Ryōhei wurde gefesselt und die Augen verbunden – er soll nach Ablauf des letzten Tages seines Visums einfach sterben. Yuzuha wird hingegen von Morizonos Schlägertrupp sexuell genötigt und steht kurz davor, körperlich vergewaltigt zu werden. Chishiya Shuntarō, der die beiden mit seinen Tricks in diese ausweglose Lage gebracht hat, profitiert davon. Ihm gelingt es, die Spielkarten aus dem Tresor der Königssuite zu entwenden. Als er das Beach jedoch verlassen will, bemerkt er plötzlich, dass das Hotel zwischenzeitlich zum Schauplatz des nächsten Spiels geworden ist.

Neue Perspektiven

Auch in diesem Spiel kommt es zu Mord und Totschlag, denn in der Lobby vom Beach wird eine Teilnehmerin tot aufgefunden. Das neue Spiel hört auf den Namen „Hexenjagd“. Damit kann sich der Leser sofort ein Bild davon machen, auf welches Ziel das neue Spiel hinausläuft. So ist die Aufgabe der Teilnehmer, die Mörderin respektive den Mörder der jungen Frau aufzuspüren und auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen. Auf dieser Grundlage beginnen die verbliebenen Teilnehmer damit, sich gegenseitig des Mordes zu bezichtigen. Die Kampf-Faktion um Morizono nimmt dies zum Anlass, wahllos auf die Teilnehmer mit Schuss- und Nahkampfwaffen loszugehen. Dadurch, dass Ryōhei in diesem Band weitgehend außer Gefecht gesetzt ist, verlagert sich das Geschehen hin zu Yuzuha. Diese versucht mit vernünftigen Mitteln einen Ausweg aus dem Spiel zu finden. Hierbei sammelt sie neue Verbündete um sich, zu denen unter anderem Tatta Kōdai gehört, der durch Morizono und Co seinen besten Freund verliert und damit ein ähnliches Schicksal wie Ryōhei teilt. Der dritte Doppelband geht zudem auf die Vergangenheit von weiteren Figuren wie Kuina Hikari oder Niragi Suguru ein, wodurch diese noch etwas dreidimensionaler wirken. Als Intermezzo kommen zwei Bonuskapitel über den Charakter Dōdō Hayato hinzu, der in der Fernsehserie gestrichen wurde, wodurch der dritte Doppelband des Mangas von Asō Haro diesbezüglich einen klaren Mehrwert bietet.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der 1. Auflage): Alice in Borderland erzählt auch im dritten Doppelband eine mitreißende Geschichte. Die Story erfindet sich zwar nicht gänzlich neu, nutzt aber die Grundlagen der sozialen Gefüge, die insbesondere der zweite Doppelband erarbeitet hat, um die Charaktere vor noch größere Probleme zu stellen. Zwar wirkt die Handlung gerade durch die beiden Bonuskapitel am Ende des Bandes unvollendet und unbefriedigend, doch klingt das schlimmer, als es in Wahrheit ist, denn die Geschichte ist nun mal größer angelegt. Entsprechend viel Raum bleibt auch für die Vergangenheitsbewältigung verschiedener Figuren, die sonst vielleicht zu wenig Beachtung zuteil bekommen könnten. Darüber hinaus eignet sich die Hexenjagd hervorragend dazu, um die zwischenmenschlichen Facetten zu ergründen. Bei der Hexenjagd handelt es sich im Übrigen nicht um das einzige Spiel in diesem Doppelband, denn auch in den Bonuskapiteln kommt es zu einem Spiel, das überaus perfide Züge annimmt. Alice in Borderland ist im dritten Band erneut eine gelungene Fortsetzung, an der es nur sehr wenig auszusetzen gibt. Obendrein macht all dies Lust auf mehr!

Vielen Dank an Hayabusa für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Alice in Borderland (Doppelband 3)!

Abbildungen: IMAWA NO KUNI NO ALICE © 2011 Haro ASO/ SHOGAKUKAN

Review: Pocket League Story

Bereits im Jahr 2011 hat Kairosoft Pocket League Story auf Mobile-Geräten veröffentlicht. Wie viele andere und ähnlich strukturierte Spiele des Unternehmens, folgte im Mai 2019 schließlich die Switch-Fassung, in der wir kunterbunte Pixel-Fußballer trainieren dürfen.

Zu Beginn von Pocket League Story übernehmen wir die Administration eines noch wenig bekannten Fußballklubs. Unsere erste Amtshandlung besteht darin, dem Team einen Namen zu geben und die Trikotfarbe festzulegen. Anschließend treten die Spieler auf den Platz und beginnen mit dem Training. Zur gleichen Zeit müssen wir unseren Aufgaben als Manager des Klubs nachkommen, sprich weitere Spieler anwerben, die Einrichtung des Grundstücks erweitern und Matches mit anderen Mannschaften organisieren. All dies geht natürlich ins Geld, weshalb es wichtig ist, die finanziellen Mittel langfristig mit Verträgen von Sponsoren aufzustocken. Sowohl der Vertragsabschluss mit Sponsoren oder neuen Spielern ist nicht von Anfang an unter Dach und Fach. Je besser der Spieler ist oder je mehr der Sponsor einbringen soll, desto schwieriger ist die nicht völlig kalkulierbare Verhandlung. Es kann also gut sein, dass wir einem begehrten Spieler das Zwei- bis Dreifache zahlen müssen, damit er Teil unseres Teams wird. Sponsorenverträge zehren zum Glück nur an unserem Forschungspunktekonto, doch auch die wollen mit Level-Aufstiegen unserer Mannschaftsmitglieder oder durch die Aktivitäten diverser Einrichtungen wie Geschenkartikelläden eingeholt werden. Obwohl der Fußball-Manager auf den ersten Blick nicht so wirkt, steckt recht viel Management im Spiel.

Auf dem Weg zur Weltspitze

Insgesamt bleiben uns acht Jahre, um unseren Fußballklub blitzartig auf der ganzen Welt bekannt zu machen. Ziel des Spiels das Aufstellen eines möglichst guten Highscores. Nach acht In-Game-Jahren steht die Gesamtwertung fest, dennoch lässt sich Pocket League Soccer danach beliebig lange weiterspielen. Das ist ein Konzept, das auch bei anderen Kairosoft-Titeln wie Cafeteria Nipponica funktioniert und uns stets bemühen lässt. Bis unser Klub an der Weltspitze angelangt ist, haben wir einen langen Weg vor uns, auf dem viele Matches gewonnen werden wollen. Haben wir unser Team zu einem Spiel angemeldet, bleiben ihnen ein paar Wochen, dann geht es mit dem Mannschaftsbus ins Stadion. Hier legen wir dann eine Formation fest, wie sich die einzelnen Spieler auf dem Rasen aufstellen sollen. Auch die Spielweise, also ob die Fußballer eher offensiv oder defensiv antreten sollen, lässt sich hier einstellen. Diese Einstellungen lassen sich während des Spiels selbst nur in der Halbzeit revidieren respektive anpassen. Sind unsere Spieler erst einmal auf den Platz getreten, können wir ihnen nur noch zurufen, ob sie eher dribbeln oder längere Pässe spielen sollen. Obwohl das Match wie der Rest des Spiels sich lediglich in Pixel-Grafik präsentiert, ist es dennoch äußerst spannend, den kleinen Figürchen beim Tore schießen zuzuschauen und regelrecht mitzufiebern.

Fußballmanager im Retro-Gewand

Für jedes bestrittene Match erhalten wir verschiedene Forschungspunkte, die wir jeweils für drei Spieler gleichzeitig in unterschiedliche Trainingseinheiten investieren dürfen, um ihre Attribute zu erhöhen. Leider ist der überaus wichtige Trainingsaspekt des Spiels genau das Element, das am meisten Zeit in Anspruch nimmt und zugleich am langweiligsten ist. Da es so dermaßen interaktionslos umgesetzt wurde, bleibt uns hier nichts weiter übrig, als den Fußballern dabei zu zuschauen, wie sich ihre Statuswerte verbessern. Wer das Training vernachlässigt und nicht die Vor- und Nachteile der einzelnen Formationen in den Matches versteht, auf die wohlgemerkt kaum bis gar nicht hingewiesen wird, kann in Pocket League Story mit durchaus vielen Unentschieden in den Spielen verzweifeln. Obwohl wir jedes Jahr einen neuen beziehungsweise besseren Coach einstellen dürfen, bleibt auch hier die meiste Arbeit an uns hängen. Somit ist auch die Umsetzung von Pocket League Story nicht perfekt, es motiviert aber vor allem jene Spieler, die ein wenig Ahnung von der Materie haben und nach einer angenehmen Alternative zu Football Manager und Co suchen. Die an 16-Bit-Spiele erinnernde Optik weiß dabei mit dem Fußballplatzwuselfaktor zu begeistern, lediglich bei der nett gemeinten Musikuntermalung hätten wir uns ein wenig mehr Abwechslung gewünscht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Kairosoft schafft es mit Pocket League Story einmal mehr, ein relativ komplexes Spiel so simpel zu gestalten und in ein zuckersüßes Retro-Gewand zu stecken, das ich gar nicht genug bekomme, obwohl ich mich mit der Fußballthematik nur sehr, sehr wenig identifizieren kann! Es macht einfach Spaß, neue Spieler von meinem Verein zu überzeugen, Sponsorenverträge auf Knopfdruck auszuhandeln und meinen elf Jungs auf dem Rasen dabei zu zusehen, wie sie mit der gegnerischen Mannschaft um jedes einzelne Tor rangeln. Schade ist nur, dass der Titel vom Spieler erwartet, sich ein wenig mehr mit Fußball auszukennen. Es wird nur sehr wenig erklärt, wann es beispielsweise besser wäre, offensiv als defensiv zu spielen, und bei welchem Gegner es mehr Sinn ergibt, auf Dribbeln statt auf lange Pässe zu setzen. Wer dieses Hintergrundwissen mitbringt, wird aber gleich noch mehr Spaß mit Pocket League Story haben können.

 

Prime Time: One Piece (TV-Box 30 + Film 13) Unboxing

In den letzten Monaten haben wir euch zum einen die Jubiläumsausgabe der Anime-Serie in Form einer Rezension vorgestellt. Zum anderen haben wir auch den dreizehnten Film von One Piece in einem Review besprochen. Heute folgt das obligatorische Unboxing-Video, in dem wir euch sowohl die haptischen als auch die optischen Merkmale der Serienbox als auch die handelsübliche Verkaufsfassung des Films präsenteiren. Abschließend wünschen wir euch viel Vergnügen mit unserem Unboxing-Video!

Review: Mega Man: Battle Network – Legacy Collection (Vol. 1)

Capcom ist bekannt dafür, ältere Videospiele aus dem eigenen Repertoire in Sammlungen erneut zu veröffentlichen. Nachdem schon einige Titel der Mega-Man-Serie an der Reihe waren, wird das Vorhaben mit der Mega Man: Battle Network – Legacy Collection fortgeführt.

Aufgeteilt ist die Mega Man: Battle Network – Legacy Collection auf zwei Volumes. Diese können einerseits getrennt oder im Bundle im eShop erworben werden. Letzteres ist deutlich günstiger und zumindest für Fans oder Kenner der Reihe definitiv empfohlen. In der ersten Ausgabe sind die ersten drei Spiele der sechsteiligen Reihe enthalten, sprich Mega Man: Battle Network und Mega Man: Battle Network 2, die beide erstmals 2001 in Japan veröffentlicht worden sind, und Mega Man: Battle Network 3 – Blue sowie Mega Man: Battle Network 3 – White aus dem Jahr 2002. Ähnlich wie bei der Pokémon-Reihe hat sich Capcom beim dritten Teil gedacht, das Spiel in zwei Fassungen aufzuteilen. Die Unterschiede fallen aber sehr marginal aus. Es ist vollkommen egal, mit welchem der beiden Versionen ihr ins Spiel einsteigt, denn die Story bleibt identisch. Apropos Story: In der Mega-Man-Battle-Network-Reihe schlüpfen wir durchweg in die Rolle des Fünfklässlers Hikari Netto, aus dem in der englischen Fassung des Spiels Hikari Lan gemacht wurde. Die Spielwelt, die im 21. Jahrhundert angesiedelt ist, ist inzwischen vollkommen vernetzt. Wir könnten sogar sagen, dass Capcom Vorreiter in der Definition des Smart Houses war. Jedenfalls wird die virtuelle Infrastruktur mehr und mehr mit Viren zersetzt. Mit Lan gehen wir gegen eine große Verschwörung vor.

Virtuelle Weiten

Um dies zu erreichen, verbinden wir uns an verschiedenen Stellen der Spielwelt mit dem Netzwerk und schlüpfen in diesen Momenten in den titelgebenden Mega Man. Diese Geschichte wirkt schon fast wie aus einem Anime entnommen und spricht am ehesten Fans von leichter Unterhaltung an. Dadurch, dass wir aber in jedem der sechs Spiele Lan verkörpern, können wir uns nach jedem Spiel besser mit ihm identifizieren – und auch das Gameplay flutscht von Spiel zu Spiel mehr. Im Gegensatz zu den üblichen Abenteuern des titelgebenden blauen Bombers handelt es sich bei der Mega-Man-Battle-Network-Reihe jedoch nicht um reine Action-Titel. Stattdessen handelt es sich bei der Reihe, zumindest größtenteils, um eine Rollenspielserie. Sobald wir im virtuellen Raum unterwegs sind, erwarten uns zahlreiche Zufallskämpfe, die auf einem separaten Kampfbildschirm ablaufen. Die Kämpfe finden jedoch nicht rundenbasiert statt, sondern fallen sehr actionreich aus. In jedem Kampf bewegen sich die Akteure auf insgesamt achtzehn Feldern, von denen wir zu Beginn jedoch nur die Hälfte betreten können. So wechseln wir die Positionen ständig, um Projektilen in Echtzeit auszuweichen, uns richtig zu positionieren und Schüsse abzugeben. In regelmäßigen Abständen können wir auch Spezialfähigkeiten einsetzen, die dann richtig viel Schaden anrichten. Toll!

Herausstechendes Kampfsystem

Für so gut wie jeden erfolgreich beendeten Kampf erhalten wir Geld oder Chips. Die Chips stellen weitestgehend die Spezialfähigkeiten von Mega Man dar. Wir rüsten beziehungsweise wechseln sie im Vorfeld aus, um in den Kämpfen auf sie Zugriff zu erlangen. Da wir maximal dreißig dieser Chips gleichzeitig nutzen können, müssen wir uns gut überlegen, wie wir in den Kämpfen agieren wollen. Eine Bombe können wir zum Beispiel drei Felder nach vorne befördern, was besonders bei Gegnern in den hinteren Reihen nützlich ist. Mit einem Schwert können wir hingegen im Nahkampf attackieren, was allerdings erforderlich macht, dass sich der Gegner in der vordersten Reihe des gegnerischen Kampffeldes befindet oder wir unsere Bewegungsreichweite zunächst erhöhen müssen. Da wir pro aufgeladener Leiste nur eine bestimmte Anzahl an Chips verwenden oder sogar miteinander kombinieren können, ist auch hier taktisches Überlegen angesagt. Das Kampfsystem der drei Mega-Man-Battle-Network-Spiele macht sehr viel Spaß und kann über lange Zeit begeistern. Es ist nur schade, dass im Verlauf der Reihe, vor allem zu Beginn, nur wenige Veränderungen im Kampfsystem Einzug halten. Das heißt, dass wir bei jedem weiteren Spiel nur mehr vom Gleichen sehen. Eigentlich erleben wir lediglich im Rahmen der Story regelmäßig Neues oder besser gesagt Anderes.

Chip, Chip, Chip und Geld

Mit erbeutetem Geld können wir uns natürlich auch Chips kaufen, worunter auch Upgrades für Mega Man gehören. Beispielsweise können wir mit Power-ups die Stärke seiner Standardwaffe erhöhen. Wenn wir statt einem direkt zwei Schadenspunkte anrichten, halbiert das schon mal gut die Zeit, die für einen Kampf gebraucht wird. Wenn wir taktisch gut agieren, fallen die Spiele auch nicht sonderlich schwierig aus. Zwar setzen die Gegner auf unterschiedliche Angriffsmuster, doch die sind schnell durchschaut. Manche Feinde markieren das Zielfeld ihres Angriffs, andere Gegner bewegen sich erst hin und her, bevor sie attackieren. Angriffe sind die ganze Zeit sichtbar, weswegen wir ihnen in den meisten Fällen auch rechtzeitig ausweichen können. Lediglich Bossgegner setzen hier und da auf richtige Spezialmanöver, für die ein wenig mehr Geschick vonnöten ist. Zum Glück können wir in jedem Spiel jederzeit speichern, weshalb Frust größtenteils vermieden werden kann. Automatisch angelegte Spielstände gibt es nicht. Ein Game Over bedeutet also tatsächlich das Laden eines manuell angelegten Spielstandes. Da es kurioserweise wie in früheren Mega-Man-Kollektionen keinerlei Rückspulfunktionen gibt, gehört regelmäßiges Speichern vor allem in den schlauchartigen Dungeons, die an Shin Megami Tensei oder Etrian Odyssey erinnern, zum Pflichtprogramm.

Informationsvielfalt und Nonsens

Wem das Spiel dennoch zu schwierig sein sollte, kann jederzeit im Menü den so genannten Buster MAX Mode aktivieren und bei Bedarf wieder deaktivieren. Ist der Modus aktiv, macht jeder Schuss den maximalen Schaden, wodurch die Kämpfe aber zur Lachnummer verkommen. Wir empfehlen daher klar, sich auf das Kampfsystem von Mega Man: Battle Network einzulassen. Es bietet genügend Tiefgang und Spielraum zum Experimentieren, der im Rahmen des aktivierten Modus vollkommen abhanden geht. Da es ich bei den Spielen dieser Kollektion, wie bereits angedeutet, um Rollenspiele handelt, müsst ihr euch auf zahlreiche Textfenster einlassen. In den meisten Fällen sind die Dialoge mit wichtigen Informationen vollgestopft, die entweder für das Gameplay von Belang sind, oder die Story vorantreiben. Es gibt aber auch, da es sich beim Großteil der Protagonisten um Gründschüler handelt, auch genügend Nonsens. Dieser hilft aber zumindest, ein besseres Verständnis von den Charakteren zu erlangen. Wichtig zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass die drei respektive vier Spiele nur auf Englisch, Japanisch, Chinesisch oder vereinfachtem Chinesisch spielbar sind. Eine deutsche Lokalisation hat sich Capcom im Nachhinein bedauerlicherweise gespart. Mit mittelmäßigem bis akzeptablem Schulenglisch lässt sich der Handlung unserer Meinung nach aber gut folgen.

Umfangreiches Rollenspielpaket

Grafisch können die Spiele der Mega-Man-Battle-Network-Reihe zumindest im Kontext des Veröffentlichungszeitraums der frühen 2000er-Jahre punkten. Die Charaktermodelle und die Umgebungen dürften vor allem bei Nostalgikern Anklang finden. Wer wenig auf Pixel steht, kann jedoch auch einen Filter aktivieren, der einen Großteil der Bildpunkte glättet. In unseren Augen wirkt die Spielwelt dann aber etwas schwammig, was aber womöglich Geschmackssache sein dürfte. Darüber hinaus können wir das Bild auch in vier verschiedenen Größen anpassen. Der Retro-Soundtrack reißt zwar keine Bäume aus und wird auf Dauer auch etwas dröge, passt aber trotz allem zum Geschehen. Wer das Spiel also einfach mal zwischendurch einwirft, wird die Eintönigkeit wohl erst später oder vielleicht nie bemerken. Die insgesamt 87 Stücke des Soundtracks lassen sich im Übrigen über das Hauptmenü in einer Jukebox jederzeit anhören. Fans dürften sich aber wohl am meisten über die Kunstgalerie freuen, die mit über fünfhundert Artworks und Konzeptzeichnungen gefüllt ist. Wer ganz viel Zeit in die drei beziehungsweise vier Spiele stecken möchte, kann zu guter Letzt auch noch 56 Achievements sammeln. Für das Freischalten einer Trophäe ist beispielsweise der erstmalige Einsatz eines Downloadchips notwendig. So oder so bietet die Mega Man: Battle Network – Legacy Collection (Vol. 1) einen großen Umfang, der trotz kleiner Defizite lange an den Bildschirm fesselt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC- und Nintendo-Switch-Fassung): Da ich erst in der zweiten Hälfte des Lebenszyklus des Game Boy Advance einen Handheld ergattern konnte und ich die Spiele auf der Virtual Console der Wii U schlicht verpasst habe, bin ich sehr froh darüber, dass Capcom an eine Mega Man: Battle Network – Legacy Collection gedacht hat. Die drei Spiele der ersten Volume erzählen zwar nur eine zweckmäßige Handlung, können aber durchaus mit ihrem Gameplay überzeugen. Mir gefällt vor allem das Kampfsystem, das in dieser Form einzigartig ist und noch dazu jede Menge Spielraum zum Taktieren lässt. Allerdings ist es schade, dass sich die Reihe gerade in diesem Aspekt nicht wirklich weiterentwickelt und vor allem bei den ersten Spielen, die immerhin innerhalb von fast zwei Jahren in Japan auf den Markt kamen, gibt es diesbezüglich wenig Neues zu entdecken. Trotzdem mag ich die Spielwelt und die Charaktere, weshalb ich die Sammlung Rollenspielfans unbedingt ans Herz legen möchte. Gerade jenen, denen die Mega-Man-Spiele zu hart sind, können mit der Mega Man: Battle Network – Legacy Collection (Vol. 1) in das Universum einsteigen, das ihnen sonst aufgrund ihrer Skills verwehrt bleibt.

Review: Das Schloss des Cagliostro

1979 lief der abendfüllende Film Das Schloss des Cagliostro in den japanischen Kinos an. In Deutschland waren japanische Anime zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht so bekannt, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass der Film hierzulande erst Mitte der 1980er-Jahre erschien.

Ältere Semester werden sich womöglich noch an den Gang ins Kino erinnern und vielleicht gar nicht mitbekommen haben, dass der Film hierzulande ursprünglich nur in einer geschnitten Fassung das Innere der Lichtspielhäuser erblickte. Es dauerte tatsächlich bis ins Jahr 2006, in dem der damals noch als Anime Virtual operierende Publisher Kazé Anime den Film vollständig ohne Schnitte auf DVD veröffentlicht hat, der zuvor unter anderem auch unter den obskuren Titeln Die Jäger des Cagliostro, Hardyman räumt auf und Hardyman schafft alle: Freiheit für Prinzessin Yasmin gehandelt wurde. 2011 wurde der fast einhundert Minuten lange Film, der im Übrigen die erste Kino-Regiearbeit von Miyazaki Hayao darstellt, zu guter Letzt auf Blu-ray Disc herausgebracht. Inhaltlich beschäftigt sich der Film mit der fiktiven Figur Arsène Lupin III., der an den gleichnamigen Gentleman-Gauner angelehnt ist, bei dem es sich um eine Romanfigur des französischen Schriftstellers Maurice Marie Émile Leblanc handelt. Zusammen mit seinem Komplizen Jigen Daisuke befindet sich der titelgebende Protagonist nach einem millionenschweren Raub auf der Flucht. Bei diesem Unterfangen lernt Lupin Prinzessin von Clarissa von Cagliostro kennen, die wiederum von dem mit ihr verwandten Graf Cagliostro verfolgt und im titelgebenden Gemäuer kurz darauf eingesperrt wird.

Spannendes Abenteuer mit tollen Charakteren

Graf Cagliostro will Clarissa ehelichen, damit die beiden Erblinien der Cagliostro wieder zusammengeführt werden, um ein mächtiges Reich entstehen zu lassen, über das er herrschen kann. Als Gentleman-Dieb kann Lupin das nicht zulassen. Des Weiteren handelt es sich bei dem erbeuteten Geld um Falschgeld, das aus dem Eigentum des Grafen stammt. So können Lupin und Daisuke im besten Falle zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Noch dazu tauchen mit Mine Fujiko und Goemon Ishikawa XIII zwei Bekannte von Lupin auf, die ihm bei seinem Unterfangen unterstützen. Auch der bei Interpol arbeitende Zenigata Kōichi ist mit von der Partie, wird er doch von Graf Cagliostro dazu benutzt, um Lupin beim Eindringen ins Schloss zu hindern. All dies wird unterlegt mit packender Musik von Komponist Ōno Yūji, durch die das Geschehen von der ersten bis zur letzten Minute spannend bleibt. Wer den Film in den 1980er-Jahren im Kino oder auf VHS gesehen hat, muss sich im Deutschen auf eine neue, aber professionelle Synchronisation einstellen. Sprecher wie Peter Flechtner als Lupin, Tilo Schmitz als Daisuke und Jörg Hengstler als Graf Cagliostro funktionieren richtig gut in dieser Kombination. Während die deutsche Fassung wahlweise in DTS-HD Master Audio 2.0 oder 5.1 vorliegt, steht der japanische Originalton in DTS-HD Master Audio 5.1 oder Mono zur Verfügung. Dolby Digital 2.0 und DTS-Master Audio 5.1 sind es im Französischen.

Detailreiches Abenteuer 

Unter optischen Gesichtspunkten kann Das Schloss des Cagliostro wirklich auf ganzer Linie punkten. An jeder einzelnen Stelle ist zu erkennen, wie viel Liebe und Mühe Miyazaki und sein Team in den Film gesteckt haben. Die handgezeichneten Hintergründe, die detaillierten Umgebungen und die fein gezeichneten Charaktere mitsamt Schattierungen, Animationen und Effekten wirken wie aus einem Guss. Vor allem das titelgebende und in gewisser Weise italienisch beeinflusste Schloss mitsamt seinen architektonischen Merkmalen wie Säulen, Fresken, Kapitellen und Gemälden wirkt einladend und abschreckend zugleich. Es lockt sowohl den Zuschauer als auch die Protagonisten sprichwörtlich in die Falle. Darüber hinaus sind je nachdem mal adrett und mal vermummt gekleidete Charaktermodelle zu sehen, die bei den Figuren sofort erkennbar machen, welche Rolle sie verkörpern. Wie in kaum einem anderen Film gelingt es dem Klassiker, die wichtigsten Informationen auf einen Blick an den Rezipienten zu vermitteln. Kein einziger Blick auf das bildschirmfüllende 16:9-Format in der Auflösung von 1080p ist vergeudet. Heutige Produktionen können sich von diesem Film inspirieren lassen. Auch wenn der Film ohne Boni auskommt, ist Das Schloss des Cagliostro auch Jahrzehnte nach der Uraufführung auf Blu-ray Disc ein absolut sehenswertes Abenteuer.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Das Schloss des Cagliostro ist ein sehr schönes Abenteuer, das jeden Fan des titelgebenden Gentleman-Diebes ansprechen dürfte. So gilt der Film aus dem Jahr 1979 nicht umsonst seit jeher als Klassiker, denn die mitreißende Story, die illustren Charaktere, der charmante Humor und die gut dosierte, aber stets packende Action stehen für sich und ergeben in dieser Kombination einen herausragenden Film. Dazu kommen adrett gekleidete und reichlich animierte Charaktermodelle, die hervorragend ins titelgebende und nicht zuletzt detailliert gestaltete Schloss passen. Es mag ein Zeichen der Zeit sein, doch im Vergleich zu Jahrzehnte später entstandenen Werken kann der Film Das Schloss des Cagliostro mit seiner regen Handarbeit dermaßen beeindrucken, dass er auch heute noch ein fantastisches Werk abgibt. Alleine schon unter dem Gesichtspunkt, dass es sich hierbei um Miyazaki Hayaos erste Regiearbeit bei einem Kinofilm handelt, sollte das Werk von jedem Anime-Fan zumindest einmal im Leben in dieser würdigen Fassung gesehen werden.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Das Schloss des Cagliostro!

Review: Kirby’s Return to Dream Land Deluxe

Kirby ist von Nintendos Switch nicht mehr wegzudenken. Mit Kirby’s Return to Dream Land Deluxe erschien im März 2023 das dritte große Jump-’n’-Run-Abenteuer mit dem Edelknödel in der Hauptrolle. Die erweitere Portierung von Kirby’s Adventure Wii begeistert auch heute.

Im kunterbunten Dream Land geht es mal wieder drunter und drüber. Kirby bekommt seinen Mund nicht voll genug und stibitzt König Dedede kurzerhand ein schmackhaftes Stück Erdbeertorte. Der Monarch lässt dies natürlich nicht einfach auf sich sitzen und nimmt zugleich die Verfolgung auf. Im Schlepptau folgt ihm sein getreuer Waddle Dee. Unterwegs ist es Meta-Knight, der sich der munteren Truppe anschließt, als plötzlich wie aus dem Nichts ein Raumschiff auf Planet Pop notlanden muss. Neugierig wie die vier Charaktere nun einmal sind, untersuchen sie das unbekannte Flugobjekt genauer und treffen dabei den Außerirdischen Magolor. Nachdem dieser aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht ist, wird er auch schon von der nächsten Wendung fast umgehauen. Funktionswichtige Bauteile seines Raumschiffes wurden über Planet Pop verstreut, zudem sind auch alle einhundertzwanzig Zauber-Zahnräder abhanden gekommen. Magolor bittet Kirby und seine Freunde darum, die Bauteile zusammen zutragen, damit er wieder in den Weltraum entschwinden kann. Das Unterfangen erweist sich aber als schwieriger als gedacht, denn die wertvollen Objekte haben sich die bekannten Bösewichter des Kirby-Universums klammheimlich eingesteckt und werden diese wohl nicht und vor allem nicht ohne Kampf in Kirby’s Return to Dream Land wieder herausgeben.

Abwechslungsreicher Planet Pop Star

Für Kirby beginnt abermals ein Abenteuer, doch dieses Mal muss er es nicht alleine bestehen. Wir reden hier aber nicht von den tierischen Begleitern, die unter anderem aus Kirby’s Dream Land 2 bekannt sind, sondern von den eingangs erwähnten Charakteren. König Dedede, der hierzulande auch als König Nickerchen bekannt war, Waddle Dee und Meta-Knight schließen sich Kirby bei der Suche an. Die Reise führt uns in die entlegensten Ecken des sternförmigen Planeten, wo sehr abwechslungsreiche Welten auf uns warten, die allesamt nach leckeren Schlemmereien benannt sind. Hier erwarten uns saftige Graslandschaften, felsige Gebirgsketten, Blätterwälder, sonnige Strände, verschneite Landstriche, dunkle und mit Lava überfüllte Höhlen oder gefahrenvolle Fabriken, die einem Donkey Kong Country entsprungen sein könnten. Dieser Abwechslungsreichtum wird nicht nur in den verschiedenen Spielabschnitten geboten, denn der kugelrunde Held setzt vor allem auf seine seit Kirby’s Adventure genutzte und altbekannte Fähigkeit des Einsaugens – und diese macht jede Menge Spaß! Wir dürfen nach Lust und Laune so gut wie jeden erdenklichen Feind, der uns plötzlich vor den Mund läuft, aufsaugen und uns deren fantastischen Spezialfähigkeiten bedienen. Schlucken wir einen Schwerkämpfer runter, dürfen wir ebenfalls mit einem Schwert wie wild herumwirbeln.

Mächtiges Repertoire an Spezialfähigkeiten

Damit hört das Repertoire an Spezialfähigkeiten natürlich noch nicht auf. Wir haben ebenfalls die Möglichkeit, mit einem Zauberstab eingemauerte Bombenblöcke zum Explodieren zu bringen oder mit einem scharfen Bumerang Seile zu durchschneiden. Außerdem dürfen wir Feuer spucken, Gegner einfrieren oder in bester Indiana-Jones-Manier mit einer Peitsche auch entfernte Items packen. Zudem treffen wir gelegentlich auch auf mächtigere Wesen, die uns ebenso mächtige Spezialfähigkeiten verleihen, allerdings nur temporär. Unser Schwert wächst da schon mal auf eine überdimensionale Größe an und vernichtet nicht nur mehrere Gegner auf einen Streich, sondern kann auch gleich vorgeschriebene Stücke der eigentlichen Level-Architektur ausradieren. Mit einem riesigen Hammer können wir ähnliches verrichten und mit einem auf dem Bildschirmabschnitt frei kontrollierbaren Zauberball aktivieren wir spezielle Schalter, um geheime Wege freizulegen. In der Form eines riesigen Schneeballs können wir dann ach schon mal ganze Gegnerhorden überrollen und setzen uns dann auch auf die Spitze eines brodelnden Vulkans – nicht etwa, um uns selbst zum Schmelzen zu bringen, sondern um eines der immer wiederkehrenden geheimen Zugänge zu einer anderen Dimension zu öffnen.

Das Tor in eine fremde Dimension

Es erwartet uns hier eine Wand, die von einem Bildschirmrand zum nächsten gleitet. Dieser immer näherkommenden Wand müssen wir entkommen, um nicht zerquetscht zu werden und die verschiedenen Hindernisse des Levels aus dem Weg zu räumen. Oft liegen auch große Blöcke herum, die wir nur aus der Welt schaffen können, wenn wir sie verstärkt aufsaugen. Während wir auf der Wii die quer gehaltene Wii Remote schütteln, reicht auf der Switch ein einfacher Knopfdruck. Abschließend können wir diese Objekte ausspucken, die uns daraufhin den Weg bis zu einem festen Stück der Level-Architektur bahnen. Am Ende lassen sich jeweils zwei Zauber-Zahnräder finden, die wir nach dem Kampf gegen den ständig gleichen, aber durchaus unterschiedlich reagierenden Zwischengegnertyp erhalten, sofern wir siegreich aus der Auseinandersetzung herausgehen. Sollten wir verlieren, müssen wir den geheimen Spielabschnitt wieder von vorne angehen. Die restlichen Zauber-Zahnräder sind übrigens mal mehr und mal weniger gut in den eigentlichen Levels versteckt. Wenige Zahnräder können wir beim ersten Spielen des Levels übrigens nicht immer bekommen, da für diese gute Reflexe gefragt sind, weil wir für jene Objekte meistens auch nur eine Gelegenheit bekommen. Das zieht das Spiel an wenigen Stellen zwar unnötig in die Länge, doch das erneute Betreten der Level von Kirby’s Return to Dream Land Deluxe unterhält genauso wie der erste Besuch.

Freizeitbeschäftigung auf dem Raumschiff

Je mehr Zahnräder wir im Spiel sammeln, desto mehr Optionen erlangen wir im Raumschiff. Das heißt, wir erhalten unter anderem Zugriff auf Minispiele. Entweder wir treffen eine Zielscheibe mit Wurfsternen in einem japanisch anmutenden Szenario oder wir ballern wie verrückt mit einer Laserpistole auf Roboter, die berühmten Kirby-Persönlichkeiten nachempfunden sind, beispielsweise dem Koch Kawasaki. Neu in der Deluxe-Version ist ein kleiner Park, in dem wir auch gänzlich neue Minispiele bestreiten dürfen. In den Trainingsräumen dürfen wir nach Lust und Laune die verschiedenen Spezialfähigkeiten ausprobieren und gegen eine Trainingspuppe einsetzen. Sinnvoller sind schon die Challenges, in welchen wir jeweils eine ausgesuchte Spezialfähigkeit ausführen und einen vorgeschriebenen Parcours in einer knapp bemessenen Zeitspanne ablaufen müssen. Dabei müssen wir möglichst jeden Gegner besiegen und viele Münzen sammeln, die uns Punkte auf unser Konto schreiben, doch Obacht! Für jede Feindesberührung und sonstige Verletzten verlieren wir wertvolle Punkte. Hier zählen also nur gute Ergebnisse, was besonders Vielspieler freuen und vor allem fordern dürfte. Wer in jeder Disziplin eine Goldmedaille einstecken möchte, muss sich in Geduld üben und öfters ein und denselben Parcours immer wieder angehen, da einige Stellen recht knackig ausfallen.

Mehrspieleroptionen

Der Titel richtet sich in erster Linie aber natürlich nicht an Vielspieler. Vielmehr möchte das sehr einsteigerfreundliche Spiel mit seinem Mehrspielermodus auf sich aufmerksam machen. Zu fast jedem Zeitpunkt dürfen bis zu drei zusätzliche Spieler mit in das Geschehen ein- oder aussteigen. Für jeden Spieleinstieg wird ein Leben abgezogen, bei jedem Spielausstieg wird ein Leben hinzuaddiert. 1-ups sollten wir im Spiel sowieso mehr als genug finden. Im Gegensatz zur Wii-Fassung werden Leben auf der Switch gespeichert. Bei jedem Neustart des Spiels können wir also mit der exorbitanten Anzahl an Versuchen starten. Unsere Mitspieler haben jedenfalls die Möglichkeit, in die Rolle von König Dedede, Meta-Knight, Waddle Dee oder gar in einen andersfarbigen Kirby zu schlüpfen. Jeder Charakter kann in der Deluxe-Fassung übrigens eine Maske tragen. Fans finden hier sicherlich sehr schnell ihren persönlichen Favoriten! Wir müssen allerdings dazu sagen, dass der Vierspielermodus nicht so amüsant wie die Rangelei in New Super Mario Bros. U ausfällt. Trotzdem ist die Mehrspieleroption eine willkommene Abwechslung, die besonders bei Anfängern auf Gegenliebe stoßen wird. Optisch besticht Kirby mit hübschen Grafiken, die dabei an ältere Teile der Reihe erinnern, etwa an den Super-Nintendo-Klassiker Kirby’s Fun Pak oder auch den Nintendo-64-Ableger.

Leichte, aber durchweg angenehme Kost

Der Soundtrack ist zwar immer schön zu hören, gehört aber im Vergleich nicht zum Besten, was die Serie zu bieten hat. Während bei Kirby und das extra magische Garn Optik und Sound miteinander kombiniert sind, sich sogar gegenseitig ergänen, trällern die Melodien im jüngsten Teil zwar wunderbar vor sich hin und überzeugen uns auch mit neuen Tracks, doch es fehlen hier und da bekannte Melodien der klassischen Teile, an die sich Kirby’s Return to Dream Land offensichtlich anlehnen möchte. Hier hätten Komponisten und Entwickler deutlich mehr herausholen können. Genauso wenig verstehen wir, warum auch der Deluxe-Variante von vornherein keine Schwierigkeitsgrade spendiert wurden. Nintendo sollte es gut genug wissen, dass es mehrere Spielergruppen gibt, die unterschiedlich gefordert werden möchten. Im gesamten Testzeitraum haben wir übrigens kein einziges Mal den Game-Over-Bildschirm gesehen. Erst nach dem einmaligen Durchspielen erhalten wir Zugriff auf einen fordernden Spielmodus, der sich aber in sonstigen Belangen kaum vom ursprünglichen Spiel unterscheidet. Gelungen ist übrigens der Epilog, der nach dem Abspann freigeschaltet wird. In diesem spielen wir Magolor, der seine Kräfte verloren hat. Kirby-Fans, die das Wii-Original noch nicht gespielt haben, sollten zuschlagen. Für Kenner gibt es aber nur wenige Gründe, erneut zum Spiel zu greifen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Mit Kirby’s Adventure Wii respektive Kirby’s Return to Dream Land habe ich bereits 2011 das Kirby-Spiel bekommen, was ich mir schon seit Nintendo-64-Zeiten gewünscht habe. Neben vielen anderen Serienteilen ist auch Kirby’s Return to Dream Land einen Blick wert, weist aber dieselben kleinen Probleme auf wie das Wii-Original. Kirby-Titel sind nämlich nicht gerade für ihre knackigen Schwierigkeitsgrade bekannt, doch nach all den Jahren würde ich mir wirklich mal wünschen, dass sich die Entwickler mal etwas trauen oder zumindest einen einstellbaren Schwierigkeitsgrad in das Spiel integrieren. Es kann doch einfach nicht sein, dass ich erst nach dem ersten Durchspielen Zugriff auf so etwas erlange. Obwohl mich dies zwar stark ärgert, ärgert es mich noch mehr, dass man auf bekannte Melodien der Klassiker an vielen Stellen verzichtet hat. Zwar hört man schon mal beliebte Tracks, doch diese reduzieren sich auf ein Minimum. Trotzdem hat mir die musikalische Untermalung besonders in den letzten Levels sehr gut gefallen, was das ganze wieder wettmacht. Wer bunte Abenteuer mit sympathischen Spielcharakteren mag und nichts gegen einen zu leichten Schwierigkeitsgrad einzusetzen hat, wird von Kirby’s Return to Dream Land begeistert sein. Kenner des Originals freuen sich über einen etwa zwei Stunden langen Epilog und neue Minispiele, die aber kaum einen erneuten Kauf rechtfertigen dürften.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Kirby’s Return to Dream Land Deluxe!

Review: Detektiv Conan (Box 1, Episoden 1-34) [Blu-ray]

Obwohl sich die Anime-Serie bis zum März 2017 auf eine Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum gedulden musste, erschien sie zunächst nur als DVD-Fassung. Im Juli 2022 war es dann endlich. Seither kann Detektiv Conan die ersten Fälle auch auf Blu-ray Disc lösen.

In der Anime-Serie Detektiv Conan dreht sich alles um den titelgebenden Detektiv Edogawa Conan. Allerdings sei an dieser Stelle angemerkt, dass es sich hierbei nicht um die wirkliche Identität des Grundschülers handelt. In Wahrheit verbirgt sich hinter diesem Pseudonym der siebzehnjährige Kudō Shin’ichi, der im Serienauftakt während einer Verabredung mit seiner Freundin Mōri Ran nicht nur einen Mordfall in einem Vergnügenspark lösen muss, sondern selbst noch das Opfer zweier in Schwarz gekleideter Männer wird. Um Shin’ichi unbemerkt auszuschalten, schlagen sie ihn zunächst bewusstlos und injizieren ihm ein Gift. Glücklicherweise erliegt Shin’ichi zwar nicht dem Tode, doch wird er einige Jahre verjüngt beziehungsweise geschrumpft und muss fortan als Grundschüler sein Dasein fristen. In dieser verzwickten Situation kann ihm nur sein Nachbar Agasa Hiroshi, ein intelligenter und zugleich tollpatschiger Wissenschaftler, helfen. Damit Shin’ichi wieder seine bekannte Körpergröße annehmen kann, muss er die beiden Täter finden und eine Ampulle des Gifts besorgen, damit Professor Agasa ein Gegengift entwickeln kann. Was nach einer sehr spannenden Handlung für einen abendfüllenden Film, einer Filmreihe oder zumindest einer überschaubaren Anime-Serie klingt, ist ein seit 1994 beliebtes, erfolgreiches und bis heute fortgesetztes Franchise.

Zwei für alle Fälle

Um an Informationen über die schwarzen Männer zu gelangen, mogelt sich Shin’ichi beziehungsweise Conan in den Haushalt von Ran und ihrem Vater Mōri Kogorō. Dieser ist Privatdetektiv und kommt somit stets in den Kontakt mit dubiosen Gestalten, die dem Protagonisten bei seiner Suche helfen können. Im ersten Episodenpaket, das auch in der Blu-ray-Fassung die Folgen 1 bis 34 umfasst, ist aber keine Spur von einem roten Faden. Der Reihe nach werden in den Episoden, bei denen die hierzulande als Zweiteiler gehandelten Fälle wie in der japanischen Originalfassung nicht immer auf zwei Folgen aufgeteilt werden, einzelne und auch sehr abwechslungsreiche Fälle aufgeworfen, die Kogorō und Conan aufklären müssen. Da einem Kind kaum Beachtung bei Mord und Todschlag geschenkt wird und Kogorō so gut wie immer einen Anstoß braucht, um den Tathergang zu rekonstruieren, ist die Lösung eines Falls oft eine kleine Herausforderung für die beiden Detektive. Ein Glück, dass Professor Agasa für Conan eine ähnliche Hilfe wie Quartiermeister Q für James Bond ist und ihn mit nützlichen Gadgets ausstattet. So kann Conan Kogorō mit seinem Chronometer kurzzeitig narkotisieren und seine Stimme mit einem Stimmentransponser in Form eines Querbinders imitieren. Im Verlauf der ersten 34 Episoden kommen noch ein paar weitere nützliche und technische Spielereien wie ein solarbetriebenes Skateboard oder extra-elastische Hosenträger hinzu. Klasse!

Mit Liebe zum Detail

Da alle enthaltenen Folgen von 1996 stammen, ist es einerseits logisch, dass die Episoden im 4:3-Bildformat vorliegen und andererseits unterhaltsam, in die Atmosphäre der 1990er-Jahre einzutauchen. Röhrenfernseher, klobige Mobiltelefone und Computer oder Handhelds, die von Nintendos Game Boy inspiriert sind, unterstützen das Gesamtbild. Positiv fällt auch die Gestaltung der Hintergründe und Charaktermodelle auf. Selbst an den Nebenfiguren abseits von uniformierten Polizisten ist klar zu erkennen, wie viel Liebe TMS Entertainment in die Ausarbeitung von möglichst unterschiedlichen Gesichtern mitsamt facettenreicher Mimiken investiert hat. Die HD-Fassung ist zudem gar kein Vergleich zur angestaubten DVD-Variante. Darüber hinaus bieten nur die Blu-rays die japanische Tonspur und die originalen Intro-Songs. In wenigen Momenten, in denen es keine deutsche Synchronisation gibt, wird auf das japanische Original zurückgegriffen. Hinzu kommt, dass jede Episode mit maximal 25 Minuten zu Buche schlägt und somit auch einfach zwischendurch angeworfen werden kann und zum Miträtseln anregt. Trotz weniger recht konstruierter Fälle macht es als Zuschauer jede Menge Spaß, gemeinsam mit Conan und Co herauszufinden, wer der Täter ist: So bleibt die Blu-ray-Fassung nicht nur aufgrund ihrer technischen Überlegenheit eine ganz klare Kaufempfehlung!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Episoden 1-34 der Serie): In der ersten Serienbox von Detektiv Conan lernt der Zuschauer auf sehr einfache Art und Weise die Ausgangslage der auch im Jahr 2023 noch nicht abgeschlossenen Anime-Serie kennen. Es darf aber keinesfalls erwartet werden, dass sich in der Serie rasch so etwas wie ein roter Faden entwickelt und Conan peu á peu den Männern in Schwarz auf die Schliche kommt. Nach wenigen Episoden wird jedem klar, dass das Gegenteil der Fall ist: Schon in der ersten Serienbox gibt es kaum Hinweise darauf, wer sich hinter den mysteriösen Bösewichtern verbirgt und wie Conan seinen alten Körper wiedererlangen kann. Stattdessen wird dem Zuschauer ein Fall nach dem anderen serviert, die jedoch allesamt sehr unterschiedlich und abwechslungsreich ausfallen. Keine Tat und kein Motiv gleichen dem anderen, sodass es durchweg Spaß macht, Conan, Kogorō und den anderen bei der Ermittlung zu zuschauen und selbst mitzurätseln, wer denn eigentlich der Täter ist. Fans von gut geschriebenen Kriminalgeschichten, die auch vor und nach dem ernsten Fall auch nicht auf Humor verzichten wollen, kommen um Detektiv Conan definitiv nicht herum und werden sich nach jeder Episode schnell den nächsten Fall herbeiwünschen!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Detektiv Conan (Box 1, Episoden 1-34)!

Review: Project Zero: Die Maske der Mondfinsternis

Bereits 2008 erschien der Survival-Horror-Titel Zero: Tsukihami no Kamen in Japan für die Wii. Project Zero: Die Maske der Mondfinsternis, wie der Titel bei uns heißt, blieb außerhalb Japans lange Zeit unveröffentlicht. Dieser Umstand änderte sich aber am 9. März 2023.

Fast fünfzehn Jahre hat es gedauert, bis nicht-japanische Spieler offiziell in den Genuss des japanischen Survival-Horror-Spiels Project Zero: Die Maske der Mondfinsternis gekommen sind. Auch wenn die Veröffentlichung in Europa zum Bedauern der Fans rein digital ausfällt, kann der vierte Serienteil, der lange Zeit exklusiv auf einer Nintendo-Plattform verfügbar war, endlich nachgeholt werden. Wie die restlichen Ausgaben der Reihe beschäftigt sich auch der vierte Teil mit einer Geistergeschichte, die zum Gruseln anregt – in mehrerlei Hinsicht. Auf der fiktiven Insel Rōgetsu findet alle zehn Jahre ein besonderer Tanz statt, der sich um die titelgebende Maske der Mondfinsternis dreht. In einem Jahr geht das ominöse Ereignis aber gehörig schief, sodass alle Bewohner der Insel entweder sterben, verschwinden oder noch rechtzeitig die Insel verlassen. Verwickelt in diesen Vorfall sind auch die drei Protagonisten des Spiels, in deren Rollen wir alternierend schlüpfen. Während der dreizehn Kapitel spielen wir zum einen die beiden Schülerinnen Asō Misaki und Tsukimori Madoka und zum anderen den Detektiv Kirishima Chōshirō. Alle drei Beteiligten haben ihre Erinnerungen von vor zehn Jahren verloren und versuchen diese mit einer Rückkehr auf die Insel wiederherzustellen. Langsam lüftet sich der Nebel und bringt dabei zahlreiche Geheimnisse zum Vorschein.

Dreifache Geistergeschichte

Durchweg sind wir in Project Zero: Die Maske der Mondfinsternis auf uns alleine gestellt, um verfallene und mysteriöse Orte wie eine Klinik, ein Sanatorium oder einen Höhlenkomplex zu erkunden. Da die jeweils anderen Akteure sich immer an einer anderen Stelle der sich peu à peu öffnenden Spielwelt befinden, deren Bereiche storybedingt zum Teil abgesperrt bleiben, laufen wir ihnen eigentlich auch so gut wie nie über den Weg. Unterdessen machen uns an allen Ecken und Enden so genannte Rachegeister das Leben schwer. Diese greifen uns so lange an, bis wir sie besiegt haben. Damit wir uns gegen die Geister wehren können, stehen Misaki und Madoka jeweils eine, aber stets geheimnisvolle Camera Obscura zur Verfügung. Die Kamera fokussieren wir auf unsere Angreifer und knipsen dann munter Fotografien von den Gespenstern. Je nachdem welchen Film wir eingelegt haben, richten die Fotos auch in unterschiedlicher Intensität Schaden an. Diesen können wir erhöhen, indem wir spezielle Objektive nutzen oder die Camera Obscura aufrüsten, indem wir die überall in der Spielwelt verteilten blauen Kristalle verwenden. Objektive lassen sich mit roten Kristallen auf dieselbe Art und Weise verbessern. Unter diesen Aspekten können wir Geister mit der Zeit wesentlich effektiver zurückschleudern, verlangsamen oder auf alle Ewigkeit gleich ganz besiegen.

Eingeschränkte Bewegungsfreiheit

Spielen wir mit Chōshirō, nutzen wir hingegen die ähnlich aufgebaute Geistertaschenlampe, mit der wir unsere Gegner mit der Kraft des Mondlichts grillen und im Sinne des Gameplays sogar abfotografieren können. In der ersten Spielhälfte können diese Kämpfe ganz schön in Krämpfe ausarten. Dies liegt vor allem daran, dass die Räumlichkeiten der Spielwelt sehr eng ausfallen und in der Regel kaum Bewegungsspielraum lassen. Hinzu kommt die träge Steuerung der Spielfiguren. Insbesondere wenn wir mit Misaki oder Madoka spielen, fällt die Bewegungskontrolle äußerst negativ ins Gewicht, denn hier wechselt die Kameraperspektive aus der dritten in die erste Person. Das ergibt in Form der Camera Obscura zwar Sinn, dürfte aber vermutlich Einsteiger und Anfänger zur Weißglut treiben. Wir können euch aber sehr wohl versichern, dass die Steuerung nach einigen Stunden in Fleisch und Blut übergeht und dem Spielspaß dann nicht mehr ganz so sehr im Wege steht. Wer durch die zunächst nicht ganz fair erscheinenden Kämpfe zu oft stirbt, kann zudem regelmäßig Fortschritte von einer Viertelstunde oder mehr einbüßen, da nur an den dafür vorgesehenen Laternen gespeichert werden kann. Durch die langsame Lauf- und noch langsamere Schrittgeschwindigkeit aller Protagonisten kann das je nach Spielstelle und Aufgabe ordentlich an den eigenen Nerven zerren.

Vermeidbar gewesene Frustmomente

In Anbetracht dessen, dass es sich bei Project Zero: Die Maske der Mondfinsternis auf der Nintendo Switch und Co aber um ein Remaster eines 2008 zum ersten Mal veröffentlichten Wii-Spiels handelt, wäre von dieser Veröffentlichung deutlich mehr zu erwarten. Gerade eine leichte Erhöhung der Bewegungsgeschwindigkeit hätte hier Wunder bewirkt. Übrigens ist es nicht so, dass das Survival-Horror-Spiel über keine automatische Speicherfunktion verfügt. Das Spiel speichert aber nur dann automatisch, wenn wir an einer Laterne vorbei hasten, damit wir uns den Speichervorgang übers Menü sparen können. Vor dem Betreten von Räumen, in denen die nächsten Rachegeister auf uns warten, wäre das automatische Speichern in unseren Augen jedoch wesentlich sinnvoller gewesen, um Frustmomenten entgegen zu wirken. Zu Beginn sind Heilgegenstände und stärkere Filme noch rar gesät. In der zweiten Spielhälfte, wenn wir auch schon genügend ungefährliche Wandergeister abgelichtet haben, können wir uns an den Laternen aber ausreichend mit Kräutermedizin und Filmen eindecken, die definitiv bis zum Finale und für weitere Spieldurchläufe ausreichen. Bei diesen können wir dann zum Beispiel auch Upgrades der Camera Obscura übernehmen, wodurch das Spiel definitiv leichter und den Frust des ersten Spieldurchgangs möglicherweise ein wenig vergessen lassen wird.

Durchschnittliches Remaster

Aufgelockert werden die repetitiven Kämpfe und das Absuchen nach Gegenständen mit kleineren Rätseln. Mal müssen wir einen Code eingeben, um eine Tür zu öffnen und mal müssen wir ein fehlendes Plättchen eines Schieberätsels aufspüren, um gleich darauf das Puzzle zu lösen. Auch Klavierspielen in Form eines Minispiels ist im Paket inbegriffen. Auch wenn die Rätsel ähnlich wie in Resident Evil nicht immer logisch in die Spielwelt eingebaut sind, stören sie doch nie. Ein Dorn im Auge ist jedoch die eher durchschnittliche Technik des Spiels, zumindest in der Switch-Fassung. Zwar läuft das Spiel weitgehend flüssig, doch an manchen Stellen gerät die Bildwiederholrate ins Stottern, was gerade bei den Kämpfen ein wenig anstrengend sein kann. Ärgerlicher sind die Ladezeiten beim Betreten eines neuen Raums oder beim Übergang in eine Zwischensequenz. Hier bleiben die Protagonisten an Ort und Stelle ein bis zwei Sekunden stehen und das Bild friert ein, wodurch die Atmosphäre leidet. Das ist bei einem Remaster auf einer entsprechend potenten Konsole unverständlich. Wer über all die kleinen Defizite hinwegsehen kann, kommt mit Project Zero: Die Maske der Mondfinsternis in den Genuss eines immerhin soliden und circa zehn bis fünfzehn Stunden langen Survival-Horrors mit einer interessanten Story, die aber vor allem über sammelbare Dokumente erzählt wird. Aufgrund des Alters ist das dem Spiel von 2008 aber noch am ehesten zu verzeihen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Project Zero: Die Maske der Mondfinsternis ist in meinen Augen ein sehr atmosphärisches Spiel mit einem ganz leichten Gruselfaktor. Die Geschichte des Spiels kann aber nicht ganz mithalten, da vieles altbacken über zahlreiche Dokumente erzählt wird, die ich weitgehend auch finden, aufklauben und lesen muss, um das Wichtigste zu erfassen. Darüber kann ich aber aufgrund des Alters des Spiels hinwegsehen. Mich stören ganz andere Dinge, die über die eigentliche Spielmechanik hinausgehen. So lassen sich die Protagonisten für meinen Geschmack nur sehr schwerfällig bewegen. Auch dass das Spiel nur an Speicherstationen den Fortschritt sichert, ist einfach zu wenig und zumindest teilweise sinnbefreit. Das ständige und nicht zuletzt minutenlange Zurücklatschen nach dem Tod der Spielfigur ist ebenso nervig wie das wiederholte Laden von neuen Räumen oder Zwischensequenzen. Wäre das Spiel im Kern nicht so atmosphärisch, so hätte ich sicher nach zwei bis drei Stunden die Flinte ins Korn geworfen. Trotz der Defizite ist das Spiel für Genre-Fans einen Blick wert. Diese sollten dann aber eher auf einer anderen Plattform als der Switch zugreifen, um den kurzen, aber repetitiven Ladezeiten zu entgehen.

Special: Bauernhöfe in Videospielen

Auf einem Bauernhof gibt es keine Sonntage! Dies ist ein vielfach zitierter Satz, der einem in Videospielen wie Harvest Moon nur so um die Ohren gehauen wird. Es sind Spiele, in denen wir eigentlich fast nur arbeiten. Da stellt sich die Frage, was dran ist an der Faszination des digitalen Bauernhofs.

Würden Menschen nach ihrer ganz persönlichen Meinung zu Bauernhöfen befragt werden, so dürften bei der schieren Auswahl an unterschiedlichen Blickwinkeln zwei Extreme in all den Antworten auftauchen. Die einen würden einen romantisieren Ort der Idylle auf dem Land in einem Bauernhof erkennen; die anderen wiederum einen Moloch des absoluten Gestanks. Dorfkinder werden Letzteres sicherlich verneinen, so wie auch der Autor dieses Texts. Trotzdem dürften Menschen aus der Stadt Bauernhöfe in gewisser Weise faszinieren. Nicht unbedingt wegen der Idylle, aber der Arbeit mit Tieren oder dem ständigen Kampf ums Überleben in der sich ewig drehenden Mühle des Kapitalismus. Da es aber in der Realität abseits vom Urlaub auf dem Bauernhof kaum möglich ist, einen Bauernhof in Ruhe zu erkunden, zu verstehen oder gar auf einem solchen zu arbeiten, existieren Videospiele, die sich dieser Thematik annehmen. Hierbei fällt schnell auf, dass es in Videospielen eben nicht den einen Bauernhof gibt, sondern eine überaus große Varianz. Dies fängt schon bei der Begrifflichkeit an sich an, die sich vor allem auf Englisch bemerkbar macht. So können Höfe alleine schon in Farmen und Ranchs unterteilt werden. Während auf einer Farm der Feldanbau im Fokus steht, wird auf einer Ranch vornehmlich Viehzucht betrieben, wie zum Beispiel der Website der Harrigan Land Company zu entnehmen ist. In Videospielen ist das Bild noch vielfältiger!

Erste Gehversuche

Damit ist nicht der grundsätzliche Aufbau gemeint, wie ein Bauernhof, eine Farm oder eine Ranch in der Realität funktioniert. Tatsächlich würde es viel zu lange dauern, die zahlreichen Bauernhoftypen mit ihren nuancierten Abweichungen aufzulisten, denn selbst solche Orte wie Plantagen können als Höfe gewertet werden, funktionieren aber noch einmal ein wenig anders. Bauernhöfe in Videospielen bilden zudem nicht die Realität ab beziehungsweise versuchen selten diesen Anspruch zu erheben. Entwickler nutzen die realen Vorbilder als Schablone und dichten ihre Gameplay-Mechaniken drumherum. Schon in den frühen 1980er-Jahren wurden Farmen in den Fokus von Videospielen gerückt. Das Atari-2600-Spiel Wabbit aus dem Jahr 1982 ist ein solcher Titel. In diesem Werk von Entwicklerstudio Apollo schlüpft der Spieler in die Haut der ersten weiblichen Videospielheldin, die auch auf dem Bildschirm dargestellt wird. Mit Bäuerin Billie Sue müssen wir ein Karottenfeld verteidigen, indem wir faule Eier auf die hungrigen Hasen pfeffern, die die Möhrchen stehlen wollen. Ziel des Spiels ist es, das Feld so lange wie möglich vor den Mümmelmännern zu beschützen. Ein simples Konzept, das in einer Zeit, in der Videospiele noch halbwegs in den Kinderschuhen steckten, funktionierte. Auch wenn es sich bei Wabbit um einen Shooter handelt, gibt es eine wichtige Parallele zu Simulationen: Am Ende geht es darum, dass die Feldarbeit möglichst ertragreich ausfällt.

Moralisch gelockerte Botschaften

Worm Whomper, das im Jahr 1983 auf dem Intellivision erschien, vermittelt bereits auf dem Cover eine ganz andere Botschaft wie Wabbit. Es parodiert ähnlich wie das Opening der Fernsehserie Desperate Housewives das berühmte Gemälde American Gothic des US-amerikanischen Malers Grant DeVolson Wood. Das Gemälde zeigt im Original einen Mann mit einer Heugabel, der mitunter als ein Farmer identifiziert werden kann. Neben ihm steht eine Frau, bei der es sich entweder um seine Ehefrau oder womöglich seine Tochter handelt. Die puritanische beziehungsweise moralisch überlegen wirkende Darstellung der Bauern wies der Künstler zu Lebzeiten stets zurück. Bei Worm Whomper wird die strenge Lebensweise gelockert, denn bereits auf dem Cover sorgt die Fotomontage für einen veränderten Blick des Farmers, der überraschend den Denkzettel seines Lebens erhalten hat. Laut der Story des Spiels wollte Felton Pinkerton, so der Name des Farmers, viel lieber Zeit mit seiner Ehefrau auf dem Jahrmarkt verbringen. Die Arbeit auf dem Hof hat er vernachlässigt respektive seine Feldfrüchte nicht mit Pestiziden eingesprüht – jetzt muss er sich, sturzbetrunken von Apfelwein, bewaffnet mit einer Spritzpistole gegen riesige Insekten behaupten. Die Botschaft, die das Spiel vermittelt, ist nicht etwa, dass der Einsatz von Pestiziden gut für die Landwirtschaft sei, sondern dass das Tagwerk eines jeden Bauern definitiv nicht vernachlässigt werden darf.

Einbindung in den Kapitalismus

Mit der Wirtschaftssimulation Sim Farm von Entwicklerstudio Maxis wurden Bauernhöfe in Videospielen im Jahr 1993 auch in die kapitalistische Sphäre erhoben. Der Spieler erhält zu Beginn des Spiels ein großzügiges Startkapital und muss sich anschließend beweisen, indem er richtig wirtschaftet. Wer geschickt seine Felder bepflanzt und im richtigen Moment in die Viehzucht einsteigt, die zumindest zu Beginn nicht sehr viel Gewinn abwirft, verwandelt das Bauernhaus früher oder später in eine prächtige Villa mit Pool. Ebenfalls Einfluss auf den Ertrag hat das Anlegen von Be- und Entwässerungssystemen, wobei dies von den Boden- und Witterungsverhältnissen abhängig ist. Sim Farm gibt dem Bauern, also dem Spieler, auch noch eine größere Aufgabe: Neben der Farm wächst von Zeit zu Zeit auch die naheliegende Stadt. Der Spieler kann entscheiden, wie sich der Umschlagplatz für seine Verkäufe schlussendlich entwickelt. Zwar hat nur der Flughafen tatsächlich eine Bedeutung, da von diesem aus Flugzeuge gestartet werden können, die die Felder mit Pestiziden bestreuen, doch ist dies ein erstes Indiz darauf, dass ein Bauernhof für ein Spiel alleine womöglich nicht ausreicht. Mit Sim Farm gab es also schon in den frühen 1990er-Jahren ein Videospiel, das den Bauernhof in ein größeres Gesamtkonzept einbindet. Auf dieser Basis bauen auch andere Spiele auf. Das wohl prominenteste Beispiel dürfte das anfangs erwähnte Harvest Moon aus dem Jahr 1996 sein.

Frisches Konzept

In der Bauernhofsimulation für das Super Nintendo übernimmt der Spieler die Rolle eines Farmers und darf mit diesem in bester Rollenspielmanier einen heruntergewirtschafteten Hof wieder auf Vordermann bringen. Für dieses Unterfangen hat er zweieinhalb Spieljahre Zeit. So erlebt er seinen Hof im Wandel der Jahreszeiten, baut zu unterschiedlichen Saisons Tomaten, Steckrüben, Mais und Kartoffeln an. Noch dazu muss er selbst Gras anpflanzen und mähen, damit seine Kühe und Hühner auch im Winter genügend zu futtern haben. Harvest Moon ist ein Spiel, das sehr kleinteilig ausfällt. Die gesamte Farm muss Tag für Tag in mühsamer Einzelarbeit bewirtschaftet werden, was vor allem mit zunehmender Spielzeit immer anstrengender wird. Das Spiel nutzt die Farm zwar als Haupteinnahmequelle, doch kann der Spieler abseits vom digitalen Arbeitsalltag auch Freundschaften knüpfen und die große Liebe in der Stadt finden. Auch Nachwuchs ist nicht ausgeschlossen, sofern die Beziehung fruchtet. Noch dazu bietet die Spielwelt verschiedene Mysterien, versteckte Aufgaben und jährliche Feste. Ein Treffen mit Felton Pinkerton und seiner Frau gibt es hier zwar nicht, doch war dieses frische Konzept derart erfolgreich, das binnen kurzer Zeit Nachfolger und Ableger für den Game Boy, das Nintendo 64, die PlayStation und so gut wie alle anderen Konsolen folgten. Durch einen Bruch mit dem Publisher ist die Reihe heutzutage als Story of Seasons bekannt.

Renaissance der Klassiker

Mit der Zeit verlor die Harvest-Moon-Reihe immer mehr an Glanz, weshalb der Entwickler Eric Barone sich dazu auserkoren sah, nahezu im Alleingang über vier Jahre die Bauernhofsimulation Stardew Valley zu programmieren. Diese orientiert sich optisch stark am ersten Harvest-Moon-Spiel, doch hat Barone viele Qualitäten späterer Teile in überarbeiteter, gerade zu perfektionierter Form in seinem Werk eingebaut. Eigentlich bedürfe es gar keiner anderen Simulation mehr, um ins Landleben hineinzuschnuppern. Trotzdem gibt es für alle Pixel-Verweigerer immer noch Alternativen der Story-of-Seasons-Marke. So existieren es auf der Switch neben der Neuentwicklung Pioneers of Olive Town mit Friends of Mineral Town und A Wonderful Life gleich drei Serienteile. Ulkigerweise handelt es sich bei A Wonderful Life um ein Remake der gleichnamigen Episode der Harvest-Moon-Reihe, die auf dem GameCube erschien – und Friends of Mineral Town ist wiederum ein Remake vom Game-Boy-Advance-Klassiker Harvest Moon: Friends of Mineral Town, der wiederum auf Harvest Moon: Back to Nature auf der PlayStation basiert. Es scheint also ganz so, dass die Hochzeit des Bauernhofs Mitte der 1990er-Jahre begann, aber schon nach zehn Jahren in den frühen 2000er-Jahren abebbte. Da ist es kein Wunder, dass sich Stardew Valley wie ein Retro-Spiel anfühlt und offenbar eine Zielgruppe anspricht, die mit den ersten Harvest-Moon-Spielen aufwuchs.

Simulation mit großer Zielgruppe

Auch wenn trotz der anhaltenden Renaissance des Franchises heutzutage gar nicht so häufig mehr über die Reihe gesprochen wird, wie es sie vielleicht verdient hätte, brachte sie im Lauf der Jahre auch ein Spin-off hervor. Gemeint ist damit die Rune-Factory-Serie, in welcher der Spieler nicht nur Landwirtschaft betreibt, sondern zudem gegen Monster kämpfen muss. In den Spielen für die Wii, den DS, die PlayStation 3, den 3DS und die Switch ist zu erkennen, dass der Bauernhof alleine wohl nicht mehr ausreicht und soziale Dramen und Action drumherum zum Aufpeppen des Erlebnis gar nicht mal so verkehrt sind. Ebenso nicht totzuschweigen ist der Landwirtschafts-Simulator, der seit 2008 zunächst für den PC und später auch für diverse Konsolen fast schon im Jahrestakt veröffentlicht wurde – und immer noch wird. Anfangs von Hardcore-Spielern belächelt, dürften diese heute wohl staunen, dass sich ein Serienteil millionenfach verkauft. Im Gegensatz zu Harvest Moon, Story of Seasons und Stardew Valley stehen dem Spieler im Landwirtschafts-Simulator auch Maschinen wie Mähdrescher zur Verfügung. Wer also seit Sim Farm davon geträumt hat, auch mal Platz in einem Mähdrescher zu nehmen, kann diesen Traum in der Reihe von Entwicklerstudio Giants Software wahr werden lassen. Großartigen „Firlefanz“ wie bei der Konkurrenz gibt es beim Landwirtschafts-Simulator nicht, hier steht der Bauernhof wirklich im Mittelpunkt. Etwas für Puristen.

Vielfältigkeit zahlt sich aus

Dass Giants Software die eigene Reihe am Herzen liegt, ist mit einem Blick auf die Updates für jeden schnell ersichtlich. Mit jedem neuen Teil kamen auch neue Features wie verschiedene Tiere hinzu, die sich im Wirtschaftsteil der Simulation bemerkbar machen. Dieser Umstand zeigt, dass das Konzept der Bauernhöfe noch lange nicht ausgelutscht ist und sich immer noch in zahlreichen Varianten entwickelt. Tatsächlich ist wie in kaum einem anderen Genre die Diversität ein großer Pluspunkt für die Bauernhöfe in Videospielen. Sie dienen als Schlachtfeld wie in Wabbit oder Worm Whomper und tauchen sogar als Schauplätze in den Kriegen von Battlefield, Call of Duty und Konsorten auf. Auch können Bauernhöfe als Unternehmen wie in Sim Farm gesehen werden, das möglichst viel Profit abwerfen muss, damit der Laden nicht dichtgemacht wird. Kapitalismus und positive Finanzen bedeuten für einen Bauernhof viel, aber nicht alles. Vor allem die Bauernhöfe in Stardew Valley, Harvest Moon und Story of Seasons lassen Raum für soziale Interaktion und zeigen romantisierte Abbilder der Landidylle, die mehr vom Alltag ablenken wollen, als ihn zu simulieren. Bauernhöfe, Farmen, Ranchs und Plantagen sind vielfältig und vor allem in Videospielen niemals gleich. Aber eines, das kann geruchsanfälligen Stadtbewohnern, die zu wenig Landluft abbekommen, aber mit Gewissheit gesagt werden: In Videospielen sind sie auf jeden Fall geruchsneutral.

Geschrieben von Eric Ebelt

Review: Dr. Stone: Stone Wars (Vol. 2)

Nachdem hiesige Fans ein ganzes Jahr auf die Fortführung von Dr. Stone warten mussten, war die Wartezeit zwischen der zweigeteilten zweiten Staffel der Anime-Serie viel kürzer. Ein Monat lag zwischen beiden Volumes. So ging es im September 2022 in die zweite Runde.

Am grundlegenden Konzept hat sich in der Dr. Stone: Stone Wars genannten zweiten Staffel nichts geändert. Durch ein mysteriöses Licht wurden alle Menschen auf dem Planeten Erde in Stein verwandelt. Mehrere Jahrhunderte später erwacht der hochintelligente Ishigami Senku aus seinem Steingefängnis und beginnt damit, die Menschen zurückzuverwandeln. Im Laufe der Zeit entsteht um ihn herum das Wissenschaftskönigreich. Sein Ziel ist die Rückkehr zur Zivilisation mit Hilfe verschiedener Errungenschaften der Wissenschaft. Sein Gegenspieler Shishiō Tsukasa vertritt hingegen die Ansicht, dass gerade die Wissenschaft die Menschheit in den Ruin getrieben hat. Er will verhindern, dass jemals wieder Technologie die Zivilisation bestimmen wird. Daraufhin gründet er das Königreich der Macht. Beide Nationen beginnen damit, um die Vorherrschaft zu konkurrieren. Tsukasa plant einen Angriff, sobald der Winter vorüber ist. Senku und seine Verbündeten aus dem Dorf Ishigami bereiten sich vor. So wird als Ausgangslage in der ersten Episode der zweiten Ausgabe von Dr. Stone: Stone Wars der Panzer fertiggestellt, an dem Senku gearbeitet hat. Allerdings ist dies für Tsukasa nicht die einzige Überraschung, denn in der Zwischenzeit ist es Senku gelungen, Feinde zu Freunden zu machen und mit einem auditiven Trick zum Überlaufen zu bewegen. Die Action beginnt!

Entscheidungskampf mit allen Mitteln

Wer Dr. Stone nicht kennt, der könnte jetzt womöglich denken, dass die Schlacht blutig und mit hohen Verlusten auf beiden Seiten entschieden wird. Dem ist allerdings nicht so. Obwohl Tsukasa als Antagonist wehrlose Steinstatuen vernichtet, bei denen es sich überwiegend um ältere Menschen handelt, versucht Senku unter allen Umständen, Tote zu verhindern. Die Anime-Serie trifft sogar humanistische Aussagen. So werden zerstörte Figuren auch schon mal geklebt, damit sie später intakt sind und bestenfalls wieder zurückverwandelt werden können. Obwohl der Entscheidungskampf in der zweiten Folge mit dem Angriff des Panzers beginnt, schießt dieser nur mit effektreicher Munition. Um ihre Gegner umzuhauen, arbeiten die Angreifer sogar mit ohrenbetäubendem Schall. Zwei Ideologien treffen in Dr. Stone: Stone Wars aufeinander, die mit unterschiedlichen Mitteln aufrechterhalten werden wollen. Selbst dann, wenn die Lage für Senku und seine Freunde aussichtslos erscheint, halten sie an ihren Vorstellungen unverfälscht fest. Der Kampf entwickelt sich immer mehr zu einem Wagnis, einem regelrechten Glücksspiel. Entsprechend sind auch Freundschaft, Loyalität und nicht zuletzt Zusammenhalt wesentliche Prinzipien, die in der Handlung immer wieder aufgegriffen werden. Dadurch bleibt es in jeder einzelnen Szene der Anime-Serie spannend.

Gelungene Geschichte mit noch mehr Potenzial

Nicht nur die Handlung von Dr. Stone: Stone Wars ist spannend inszeniert, auch die Figuren sind gut geschrieben und vor allem facettenreich. Der Zuschauer muss beim Anschauen der Folgen wie die Charaktere selbst vierdimensional denken, da stets mit einer Überraschung oder einer neuen Erfindung wie Dynamit gerechnet werden muss, die das Blatt dreht und wendet. So kann selten vorhergesagt werden, wie sich die Story weiterentwickelt. Obwohl die zweite Staffel nur aus elf Episoden besteht und in der zweiten Volume nur fünf enthalten sind, gelingt es der Season womöglich gerade wegen dieser Kürze eine wunderbare Story zu erzählen, die darüber hinaus Potenzial für viele weitere Geschichten hat. Auch die sehr schön gestalteten Umgebungsgrafiken im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p machen zusammen mit den hübschen wie detaillierten Charaktermodellen eine Menge her. Hinzu kommt eine wunderbare Musik in DTS-HD Master Audio 2.0, die die Serie mit heroisch wirkenden Stücken als auch adrenalingeladenen Tracks untermalt. In puncto Bonusmaterial bietet die zweite Volume keine digitalen Zusätze. In physischer Form liegen der zweiten Ausgabe jedoch ein 16-seitiges Booklet und eine Artcard bei. Für Sammler sicherlich ein angenehmer Bonus, aber für das Staffelfinale wäre mehr möglich gewesen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nicht vielen Anime-Serien gelingt es, die Qualität sowohl in der ersten als auch in den folgenden Staffeln zu halten. Zumindest für die zweite Staffel von Dr. Stone lässt sich sagen, dass TMS Entertainment dies auf ganzer Linie gelungen ist. So ist die Geschichte in jeder einzelnen Szene spannend, überraschend und vor allem wendungsreich inszeniert. Auch die Charaktere zeigen sehr gut, wie facettenreich und tiefgründig sie sind. Hinzu kommen diverse Erfindungen und Errungenschaften sowie actionreiche Kämpfe und übertriebener Humor. Alles Elemente, welche die Anime-Serie so unterhaltsam machen. Auch der positive Grundton, der selbst in den düsteren Momenten getroffen wird, macht die Serie sehenswert. Dr. Stone: Stone Wars ist eine konsequente zweite Staffel, die die erste Staffel womöglich sogar übertrifft. Wer die erste Season mag, wird die zweite Episodenreihe wirklich lieben. Dr. Stone: Stone Wars ist schlicht großartig!

Vielen Dank an Crunchyroll für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dr. Stone: Stone Wars (Vol. 2)!

Review: Neon Genesis Evangelion [Perfect Edition] (Band 3)

An der grundsätzlichen Prämisse hat sich in Neon Genesis Evangelion auch im dritten Band der Perfect Edition, der Ende März 2023 erschien, nichts geändert. Soll heißen, dass die Story sich nach wie vor um den Kampf der Menschheit gegen die übermächtigen Engel dreht. Dass die Gefechte zwischen beiden Seiten zum Erliegen kommen, ist aussichtslos. Dem Leser des Mangas ist jederzeit bewusst, dass nur eine der beiden Seiten diese Auseinandersetzung für sich entscheiden kann. Im dritten Band der Manga-Reihe rücken die Kämpfe, obwohl sie sehr wichtig für die Handlung sind, in den Hintergrund. Auch der dritte Band der Perfect Edition ist wie die ersten beiden Ausgaben in zwei Hälften gegliedert. Beide Hälften drehen sich noch stärker als die vorherigen Bände um die Charakterentwicklung. In der ersten Hälfte steht Ikari Shinji, der Hauptprotagonist, im Mittelpunkt der Erzählung. Von seinem Vater Gendō wird er benachteiligt und ignoriert. Selbst am Todestag von Yui, Shinjis Mutter, lehnt Gendō trotz der notwendigen Zusammenarbeit mit seinem Sohn bei NERV jeden väterlichen Umgang mit ihm ab. Anders sieht es bei Ayanami Rei aus, die wie Shinji als Pilotin bei NERV tätig ist. Zu dieser ist er durchaus in der Lage, zumindest oberflächlich Gefühle zu zeigen. Daneben sind das Thema Wahrheit und der Umgang mit Geheimnissen ein zentraler Bestandteil der Handlung.

Melancholische Zukunftsaussichten

Alle paar Seiten gelingt es dem Manga, neue und wichtige Fragen aufzuwerfen, indem Relikte wie ein gigantischer Speer oder übernatürliche oder unnatürliche Wesen in die Storyline eingewoben werden. Antworten darauf gibt es zumindest an dieser Stelle keine und müssen vom Leser entsprechend selbst erdacht werden. Die zweite Hälfte des Mangas baut auf den Mysterien weiter auf, versucht aber zugleich, die Geschichte anderweitig und deutlich bodenständiger voranzutreiben. Beispielsweise geht es darum, dass ein vierter Pilot, das Fourth Children, gefunden und eingesetzt werden muss. Zu viel soll nicht verraten werden, doch wird der vierte Kandidat plötzlich von Selbstzweifeln geplant. Das furiose Finale gipfelt in einem melancholischen Cliffhanger, dem sich der nächste Band annehmen muss. Durch diese eher traurige Grundstimmung kommt auch das Thema Liebe zur Geltung. Zum einen müssen die in den Rang eines Majors ernannte Katsuragi Misato und ihr Exfreund Kaji Ryōji die Vergangenheit aufarbeiten. Zum anderen liegt es auch an Sōryū Asuka Langley herauszufinden, was Liebe bedeutet. Auch Schülersprecherin Horaki Hikari und Suzuhara Tōji bleiben nicht verschont, während Shinji als Bindeglied zwischen den Figuren herhält. Neon Genesis Evangelion stellt hier sehr gut die Weichen für die Zukunft, in der es vielleicht nicht für jeden eine Zukunft gibt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Neon Genesis Evangelion führt die Handlung im dritten Band rigoros fort und setzt dabei die Kenntnisse aus den ersten beiden Bänden voraus. Dies liegt insbesondere an der unaufhaltsamen Charakterentwicklung, die im dritten Band der Perfect Edition noch sehr viel intensiver ausfällt. Zwar erlebt der Leser auch im dritten Band weitere Angriffe der Engel hautnah mit, doch der Fokus liegt definitiv auf den dreidimensionalen Charakteren. Diese agieren zwar wie erwartet, sind jedoch vielschichtig gestrickt und lassen den Leser an ihren Gedanken teilhaben. Vor allem Romanzen, verflossene Liebschaften und unerwiderte Gefühle nehmen hierbei einen wichtigen Stellenwert ein. Ein nicht unwesentlicher Aspekt von Neon Genesis Evangelion ist das Einführen von mythischen wie übernatürlichen Elementen, die mehr Fragen als Antworten bieten. Dies sorgt jedoch für jede Menge Spannung und steigert die Vorfreude auf den vierten Band. So liefert das von Anno Hideaki erfundene und von Sadamoto Yoshiyuki umgesetzte Werk zusammen mit den grandiosen Zeichnungen Nährstoff für etwas ganz Großes. Der dritte Band ist damit eine ebenbürtige Fortführung, um die kein Leser der ersten beiden Bände herum kommt!

Vielen Dank an Carlsen Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Neon Genesis Evangelion [Perfect Edition] (Band 3)!

Abbildungen: AIZOUBAN NEON GENESIS EVANGELION © Yoshiyuki Sadamoto 1994, KADOKAWA CORPORATION

Review: One Piece: Stampede

Zum zwanzigjährigen Jubiläum der Anime-Serie hat Animationsstudio Tōei Animation den inzwischen dreizehnten Kinofilm zu One Piece im Jahr 2019 in japanischen Lichtspielhäusern veröffentlicht. Bei Kazé Anime erschien der Film mit leichter Verspätung erst im Juni 2020.

Häufig, aber nicht immer ist es der Fall, dass ein Film aus dem One-Piece-Franchise zwischen zwei Episoden in der Serie problemlos untergebracht werden könnte. Auch wenn die meisten Kinofilme der Marke offiziell nicht zum Kanon gehören, ist dies in der Regel aber eine gute Möglichkeit, nahtlos ein weiteres Abenteuer mit den Strohhutpiraten rund um Protagonist Monkey D. Ruffy zu erleben. Beim dreizehnten Film, One Piece: Stampede, ist dies aber gar nicht möglich. Der Zuschauer erfährt relativ zu Beginn des Films, dass Ruffys Kopfgeld auf 1,5 Milliarden Berry angestiegen ist. Entsprechend muss der Film nach der Flucht von Whole Cake Island spielen. Allerdings befinden sich auf der Thousand Sunny gleich alle Strohhüte an Bord, obwohl einige von ihnen bereits auf Wa no Kuni im Verborgenen operieren. Wer die Folgen der 30. Serienbox von One Piece bereits gesehen hat, dem dürften wohl oder übel auch die beiden Bonus-Episoden aufgefallen sein, in denen die ganze Crew von einem Kopfgeldjäger verfolgt werden. One Piece: Stampede lässt sich sehr gut als Fortsetzung zu diesen Folgen verstehen – ein Film in einem Paralleluniversum sozusagen. So tragen die Charaktere beispielsweise andere Outfits. Versuche, den Film nach den Geschehnissen auf Wa no Kuni einzuordnen, würden aufgrund Details, die Spoiler wären, wohl ebenfalls nicht möglich sein.

Zum Greifen nahe: Das One Piece

Zu Beginn des Films erfährt der Zuschauer, wie Marshall D. Teach, besser bekannt als Blackbeard, eine Gruppe von Piraten aus dem Gefängnis befreit. Dort entdeckt er auch Douglas Bullet, der einstmals zu Gold Rogers’ Piratenbande gehört hat. Es folgt ein zweijähriger Zeitsprung. Die Strohhüte sind sorgenfrei wie eh und je auf der Grandline unterwegs. Inhaltlich beschäftigt sich der Film mit der in Bälde stattfindenden Piraten-Expo, die in besagten Bonus-Episoden kurz angerissen wird. Hier treffen sich alle Piraten, die Rang und Namen haben. So sollen auf der von Buena Festa, dem selbsternannten „Meister der Feste“, durchgeführten Ausstellung unterschiedliche Wettkämpfe ausgefochten werden. Schon kurz nach Beginn werden die Strohhüte in den wohl wichtigsten Wettkampf ihrer Karriere geschmissen, denn welchem Piraten es gelingt, eine in die Luft emporschießende Wassersäule zu erklimmen und auf einer schwebenden Insel sich durch die anderen Teilnehmer durchzusetzen, gewinnt einen unglaublichen Preis. Hierbei soll es sich wahrhaftig um das titelgebende One Piece handeln, das überraschenderweise in eine kleine Truhe passt. Was es genau mit der Kiste auf sich hat, sollte der Zuschauer aber lieber selbst herausfinden. Nach zwanzig Jahren aber so mit den Erwartungen der Fans zu spielen, ist definitiv ein mutiger wie gewagter Schritt in der Story.

Altbekannte Stilmittel der Anime-Serie

Dass sich der Traum der Piraten-Expo mit zunehmender Laufzeit zu einem Alptraum entwickelt, ist wohl kaum überraschend. Hier schlägt der Film den Bogen zur Eröffnungssequenz und führt Bullet als Antagonisten ein, der mit allen Wassern gewaschen zu sein scheint. Bei der Stärke, die sowohl Ruffy als auch sein Feind vorweisen, ist es aber schon verwunderlich, dass der Kampf in einem Bruchteil des 102-minütigen Films entschieden wird – und das obwohl Bullet im wahrsten Sinne des Wortes schwere Geschütze ausfährt. Neben der brachialen Action spielt One Piece: Stampede mit den typischen Erzählmitteln des Franchises. So gibt es ein paar lustige Sprüche aufs Ohr, aber auch viele freundschaftliche Szenen zwischen Ruffy, Lysop, Zorro, Nami, Frankie und Co, die ans Fanherz gehen. In visueller Hinsicht bietet der Film den gewohnten Zeichenstil der Serie, der in Filmform aber stärkere Konturen aufweist, die hervorragend zum Gezeigten passen. Akustisch wird der Film mit bekannten Melodien und an einer Stelle sogar mit der allerersten Titelmelodie des Animes unterlegt. Sowohl bei den deutschen als auch bei den japanischen Synchronsprechern gibt es nichts zu beanstanden. Dafür fällt das Bonusmaterial sehr dürftig aus, denn im digitalen Bereich findet sich nichts. Physisch liegt der Verkaufsfassung immerhin ein gefaltetes Poster im horizontalen Format bei.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): One Piece: Stampede kann abwertend wohl als kleines Klassentreffen deklariert werden. So drängt der Film im Grunde einfach nur eine Vielzahl aus der Serie bekannten Piraten und Marine-Funktionäre auf einen kleinen Raum – und diese müssen dann irgendwie miteinander auskommen. Douglas Bullet erscheint als Gegenspieler womöglich als einer der gefährlichsten Antagonisten bisher, wird dafür aber umso schneller von Monkey D. Ruffy bekämpft. Definitiv hat der Film seine Höhepunkte. Vor allem das One Piece in so greifbare Nähe zu rücken, ist durchaus mutig. Genau in dieser Disziplin kann der Film auch glänzen. Es könnte als Geben und Nehmen betrachtet werden. Daher ist es auch schwierig, den Film als Teil der ganzen Erzählung zu sehen. So oder so gehört er nicht zum Kanon, aber durch den überladenen Inhalt ist er tatsächlich einer der schwächeren Teile der Filmreihe. Beinharte Fans von One Piece lassen sich davon nicht abschrecken.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von One Piece: Stampede!

Review: Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon

Nachdem Nintendo, Sega und Platinum Games Ende 2022 auf der Switch die dritte Episode der Bayonetta-Serie veröffentlicht haben, folgte im März 2023 mit Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon das erste Spin-off – dieses entpuppt sich von der ersten Minute an als deutlich besseres Videospiel.

Im Oktober 2022 spaltete Bayonetta 3 die Gemüter der Fans der Serie. Die eine Hälfte freute sich über den dritten Teil der Reihe, die anderen waren von der minderen Qualität des Spiels enttäuscht. Bayonetta Origins wird die Fangemeinde ebenfalls in zwei Lager teilen, was aber nicht an der Qualität, sondern am Genre-Wechsel liegt. Anstatt die titelgebende Hexe in eine fulminante Actionsequenz nach der anderen zu schicken, erleben wir dieses Mal mit ihr ein Abenteuer im Stile von The Legend of Zelda. Darüber hinaus erzählt Bayonetta Origins eine Geschichte aus Cerezas Jugend. Als Kind einer Umbra-Hexe und eines Lumen-Weisens, eine gesellschaftlich kritisch beäugte Verbindung, wird Cereza ins Exil geschickt. Von der Hexe Morgana, die am Rande des von Feen bevölkerten Waldes Avalon lebt, wird sie in den Zauberkünsten unterrichtet. Eines Tages träumt sie etwas Merkwürdiges: Um ihre inhaftierte Mutter aus dem Gefängnis zu befreien, benötigt sie eine Macht, die sie nur in Avalon erlernen kann. Cereza ist es jedoch verboten, den Wald zu betreten, da sie zu unerfahren ist. Zudem ist der Weg in den labyrinthartigen Wald für jeden Besucher, der keine Fee ist, eine Reise ohne Wiederkehr. Wie könnte es auch anders sein, begibt sich Cereza trotz jeder Warnung nach Avalon. Wir begleiten sie in den Wald hinein und müssen mit ihr auch einen Ausweg finden.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Aus der leicht versetzten Vogelperspektive spielen wir Cereza, irren mit ihr im Wald umher, lösen dabei leichte Rätsel und kämpfen mit den bösartigen Feen des Königreichs Avalon. In Bayonetta Origins sind wir aber in den meisten Fällen nicht alleine unterwegs und erhalten Unterstützung von Cerezas beschworenen Dämon Cheshire, dessen übernatürliche Form in Cerezas Katzenplüschtier steckt. Im Gegensatz zu anderen Spielen wird der katzenartige Cheshire aber nicht von einer künstlichen Intelligenz gesteuert. Tatsächlich sind wir es, die sowohl Cereza als auch Cheshire spielen – gleichzeitig versteht sich! So kontrollieren wir Cereza mit dem linken, während wir Cheshire mit dem rechten Analog-Stick bewegen. Zunächst ist das Twin-Stick-Abenteuer gewöhnungsbedürftig und auch nach Stunden bemerken wir, dass in den manchmal hektischen und teils unübersichtlichen Kämpfen gerade die Steuerung nicht hundertprozentig funktioniert. Den Vierbeiner können wir stets auf Knopfdruck ins Plüschtier zurückrufen, sodass zumindest die Erkundungspassagen weniger stressfrei verlaufen, da wir so in diesen Momenten nur Cereza spielen. Die Aufteilung der Steuerung auf zwei Spielfiguren wirkt zunächst wie eine große Schwäche. In Wahrheit ist diese Schwäche von Bayonetta Origins aber zugleich die größte Stärke, die den Titel von anderen Spielen abhebt. Einen Zwei-Spieler-Modus gibt es unverständlicherweise nicht.

Rätselkost für jedermann

Überall in der Spielwelt warten kleinere Knobeleien auf uns. Beispielsweise müssen wir Cereza vor Gewächsen tanzen lassen, damit aus ihnen etwas größere und stabile Büsche wachsen. An anderer Stelle benötigen wir die pure Körperkraft von Cheshire, der zu groß gewachsene Wurzeln einreißen kann. Das Aufteilen und Zusammenführen von Cereza und Cheshire ist ein weiterer Aspekt, der für die Rätsel in Bayonetta Origins von entscheidender Bedeutung ist. So können wir mit Cheshire im Knuddelmodus die Stoffkatze nach vorne strecken, eine Pflanze damit umschlingen und Cheshire quasi als Gummiband zweckentfremden, um so über Abgründe zu gelangen. Später müssen wir auch den Wasserstand eines Sees senken, Feuer löschen, Steinblöcke zerstören oder schwebende Plattformen nutzen, um an sonst unerreichbare Stellen zu gelangen. Wirkliche Kopfnüsse sind bei den Rätseln aber leider nie dabei. So gelangen wir im Endeffekt jedoch auf Anhöhen, auf denen wir häufig Truhen finden, in denen sich Tränke, Avalonkonfekt oder Onyxrosen befinden. Mit Avalonkonfekt und Onyxrosen können wir, manchmal auch mit den wesentlich selteneren Mondperlen und Teufelsfrüchten, im nächsten Unterschlupf neue Fähigkeiten für Cereza und Cheshire erlernen, die großen Einfluss auf die Intensität der Kämpfe haben. Das Gameplay greift hier sehr gut ineinander.

Abwechslungsreiche Kämpfe

Vor allem die Kämpfe können, sobald wir die Steuerung ein wenig beherrschen, durchaus viel Spaß machen. Im Verlauf des Abenteuers sammeln wir vier Elementarkerne, durch die Cheshire die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft in seine Angriffe einfließen lässt. Mit Cereza können wir hingegen Dornenranken aus dem Boden sprießen lassen, welche die Gegner am Boden temporär festhalten. Hinzu kommen unterschiedliche Gegnertypen, die noch mehr Abwechslung ins Spiel bringen. Unter anderem setzen wir uns mit Nahkämpfern, Schützen, Beschwörern, Zauberern und Schildträgern auseinander. Später kommen auch verschiedene Elementarschilde bei den Feinden hinzu, die es zunächst zu durchdringen gilt. In regelmäßigen Abständen müssen wir uns in Bosskämpfen zudem mit größeren Gegnern messen. So schwierig wie die Spiele der Hauptreihe ist Bayonetta Origins aber bei Weitem nicht. Dadurch, dass das Spieltempo nicht allzu hoch ausfällt und wir durch die Kamera in der Regel alles im Blick haben, können wir den meisten Attacken ausweichen oder sogar abwehren. Geht dennoch einmal die Energie zur Neige, werfen wir einfach einen Heiltrank ein oder nutzen andere Tränke, um positive Unterstützungseffekte zu erzielen. Notwendig ist das aber so gut wie nie und erst gegen Ende des Spiels sind Tränke möglicherweise erst richtig hilfreich.

Verträumte Spielwelt

Letzteres hängt definitiv vom Spielertyp ab. Ihr dürft uns aber glauben, dass sogar Anfänger kaum Probleme haben dürften. Auch Spieler, die sich von der Bayonetta-Reihe wegen des höheren Schwierigkeitsgrades abgeschreckt fühlten, sind angesprochen. An dieser Stelle kommen wir nicht umher, die wunderschöne Optik hervorzuheben. Anstatt einem realistischen Look zu folgen, erstrahlt Bayonetta Origins mit bunten, aber meist gedämpften Farben. Diese erinnern uns an japanische Farbholzschnitte, ohne aber diese zu imitieren. Auch Licht- und Schatteneffekte lassen Avalon glaubhaft erscheinen, sofern das über eine Fantasy-Welt gesagt werden kann. Hinzu kommt, dass das Spiel auf der Switch flüssig läuft. Außerdem gibt es kaum Ladezeiten, denn die Gebietswechsel kommen zumeist ohne Ladepausen aus. Nur beim Wechsel zu den Tír na nÓg genannten Mini-Dungeons, in denen wir Aufgaben im Stile von The Legend of Zelda: Breath of the Wild, aber meist Kämpfe absolvieren, und etwaige Story-Sequenzen, die größtenteils in Bilderbuchoptik dargestellt werden, und bei der ab der Hälfte des Spiels verfügbaren Schnellreise kommt es zu kurzen Ladezeiten. Dafür entschädigt ein toller Soundtrack, der ins Ohr geht und den Wald akustisch untermalt. All das zusammen genommen macht Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon zu einem sehr guten Spiel, das Fans von Action-Adventures nicht verpassen sollten!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Nachdem mich Bayonetta 3 enttäuscht zurückgelassen hat, war ich so kurz nach Release bei einem ebenfalls hastig angekündigten Spin-off unsicher, ob das gut gehen kann. Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon zeigt aber sehr gut, dass im wachsenden Bayonetta-Universum Platz für Spin-offs bleibt. Das Experiment ist nahezu auf ganzer Linie geglückt. Abgesehen vom leichten Genre-Wechsel, ist Bayonetta Origins nüchtern betrachtet sogar das deutlich bessere Videospiel. Der Titel erzählt eine interessante Geschichte, die gerade zum Ende hin gut in die Storyline der Serie eingesetzt wird. Auch der Erkundungsdrang, die Spielwelt bis in den letzten Winkel zu durchstöbern, ist die ganze Zeit gegeben. Sogar die Kämpfe machen umso mehr Spaß, je mehr ich mich mit den Combo-Möglichkeiten auseinandersetze. Noch dazu sieht das Spiel mit dem markanten Stil wunderbar aus und ist auch genauso schön akustisch untermalt. Über die leichten Defizite in der Steuerung, die sicher nicht für jeden Spieler gleich gut zugänglich ist, und die meist wenig anspruchsvollen Rätsel sehe ich gerne hinweg. Wer Action-Adventures im Stile von The Legend of Zelda und Metroid mag, wird sich in Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon regelrecht, je nach Vollständigkeitsanspruch bei Collectibles, für circa fünfzehn bis dreißig Spielstunden verlieren können.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplar von Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon!

Prime Time: Black Fox (Unboxing)

Vor einiger Zeit haben wir euch den Film Black Fox im Rahmen eines Reviews vorgestellt. Damit wir auch wisst, was euch beim Kauf des Anime-Films erwartet, folgt heute das Unboxing-Video unseres Chefredakteurs zur Rezension. Wir wünschen euch viel Spaß und gute Unterhaltung!

Review: Magic Scroll Tactics

Rundenbasierte Strategie-Rollenspiele aus Japan sind spätestens seit den 3DS-Ablegern der Fire-Emblem-Reihe schon lange kein Nischengenre mehr. Magic Scroll Tactics bricht aus dem Einheitsbrei der Konkurrenzspiele allerdings mit ein paar intelligenten Kniffen aus.

In Magic Scrolls Tactics schlüpfen wir in die Haut der Beschwörerin Nash, die mitsamt ihrer beschworenen Begleiter eine mysteriöse Insel erkundet. Auf dem Eiland wurden einst dunkle Mächte versiegelt, die nach neuer Freiheit trachten. Das darf Nash natürlich nicht zulassen, weshalb sie alles daran setzt, durchtriebenen Piraten, hungrigen Zombies und bösen Zauberern einen Strich durch die Rechnung zu machen. So tiefgründig wie die großen Vorbilder Fire Emblem oder Shining Force wird Magic Scrolls Tactics zwar an keiner Stelle, doch die Handlung motiviert, ein Gefecht nach dem anderen in Angriff zu nehmen. Auf einer Weltkarte schalten wir nach einem erfolgreichen Kampf das nächste Schlachtfeld frei und ziehen so von Ort zu Ort. Zwischendurch gibt es einerseits immer mal wieder kleinere Schlachtfelder, die wir zum Verbessern von Nash und ihren Beschwörungen absolvieren, und andererseits kurze Zwischensequenzen in Spielgrafik. In diesen wird die Story in Form von charmanten, aber zumeist kleineren Gesprächen vorangetrieben. Dennoch sollten die Dialoge, die allesamt ohne Sprachausgabe auskommen, aufmerksam gelesen werden, da sie mit ihrer Kürze abrupt abbrechen können und der aktuelle Stand der Dinge somit nicht immer ganz in Erinnerung bleibt. Dies ist aber verschmerzbar, da die Abenteuerreise stets in die nächste Schlacht führt.

Schlachten aus der Seitenansicht

Obwohl sich auch Magic Scrolls Tactics in puncto Gameplay an Mercenaries Saga Chronicles oder Final Fantasy Tactics orientiert, unterscheidet sich vor allem die Darstellungsweise in den Kämpfen. Während die Schlachten in den genannten Vorbildern aus der isometrischen Darstellung oder der leicht versetzten Vogelperspektive gezeigt werden, verlagert das Spiel von Entwicklerstudio Ōtori Denshi das Geschehen in die zweidimensionale Seitenansicht. Im ersten Moment klingt das vielleicht etwas ungewöhnlich, das Gameplay funktioniert dennoch erstaunlich gut. Jede Spielfigur kann eine bestimmte Anzahl an Feldern weit gehen und kann dann beispielsweise mit dem Schwert im Nahkampf um sich schlagen, aus der Ferne mit einem Bogen bewaffnet die Feinde ins Visier nehmen oder mit mächtigen Zaubersprüchen Flächenschaden anrichten. Damit die taktische Tiefe gewahrt bleibt, ist das Schlachtfeld auch nach oben hin in quadratische Felder aufgeteilt: Nur so können fliegende Einheiten geschickt positioniert oder Anhöhen im richtigen Moment erklommen werden. Da die Zugreihenfolge der Figuren für Freund und Feind nach dem Geschwindigkeitswert festgelegt ist, haben sich die Entwickler eine tolle Idee für belegte Felder ausgedacht. Die nächste Figur kann ebenso auf das Feld ziehen und verschiebt die nachfolgenden Charaktere kurzerhand nach hinten.

Motivierende und demotivierende Elemente

Spieltechnisch kann der Titel mit einem hohen Tempo punkten, was daran liegt, dass die Erfahrungspunkte für besiegte Gegner gleichermaßen auf die Gruppe verteilt werden. Für jedes Level-up erhält ein Charakter zudem einen Fähigkeitspunkt, mit dem weitere Boni wie verbesserte Lebensenergie, eine erweiterte Magieleiste oder neue Zaubersprüche freigeschaltet werden. Es motiviert durchweg, sämtliche Monster zu töten und Schatztruhen zu plündern. Eingesacktes Gold tauschen wir im Laden gegen Heilkräuter, Waffen, Rüstungen und Krimskrams ein. Diese Aufwärtsspirale sorgt dafür, dass wir die Switch nicht so schnell aus der Hand legen wollen. Tatsächlich gibt es nur wenig, was einem die Freude am Taktieren nimmt. Beispielsweise können sich manche Spielfiguren nur viel zu langsam bewegen und kommen im Kampf kaum bis gar nicht zum Zug. Waffen wie Speere, die gleich zwei Gegner gleichzeitig treffen können, lassen sich tatsächlich nur waagerecht und nicht vertikal oder diagonal einsetzen. Der größte Kritikpunkt dürfte jedoch der unstete Schwierigkeitsgrad sein. Manche Schlachten sind viel zu leicht, in anderen wird unsere ganze Gruppe in drei bis vier Zügen ausradiert. Wer derlei Rückschläge in Kauf nehmen kann und sich mit der Spielmechanik anfreundet, wird einige Stunden lang gut von Magic Scroll Tactics unterhalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Final Fantasy Tactics, Fire Emblem, Mercenaries Saga oder Shining Force sind allesamt tolle Strategie-Rollenspielreihen, die sich in vielen Punkten jedoch sehr ähnlich spielen. Magic Scroll Tactics orientiert sich deutlich am Gameplay der Vorbilder, hebt sich aber mit eigenen Ideen von diesen ab. Das Gameplay in die zweidimensionale Seitenansicht zu verfrachten ist eine einfache wie geniale Idee, die dem Genre neue Impulse gibt. Schade ist nur, dass hier und da manche Entscheidungen nicht überdacht wurden. So bewegen sich diverse Figuren viel zu langsam, sodass meistens nur die starken Einheiten an die Front geschickt werden, die das Schlachtfeld aufräumen. Abseits dessen funktioniert die Spielmechanik überwiegend gut, nur starke Schwankungen im Schwierigkeitsgrad sorgen dafür, dass die Lust am Taktieren hin und wieder vergeht. Wer Lust darauf hat, das Genre im wahrsten Sinne des Wortes mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, sollte sich Magic Scrolls Tactics genauer anschauen.

 

Review: Rent-a-Girlfriend (Vol. 3)

Im Monatstakt erschien die Anime-Serie Rent-a-Girlfriend bei Kazé Anime. So erschien im September 2022 die dritte und letzte Volume der ersten Staffel. Diese baut das Konzept der Serie weiter aus und treibt das turbulente Geschehen mit einem offenen Ende auf die Spitze.

Inhaltlich baut Rent-a-Girlfriend auf den Geschehnissen der ersten beiden Volumes auf. Da der Student Kinoshita Kazuya von seiner Freundin Nanami Mami verlassen wurde, sucht er Trost in den Weiten des Internets. Dort entdeckt er die Möglichkeit, eine Freundin zu mieten. Auf diesem Weg lernt er Mizuhara Chizuru kennen, die für Geld seine Freundin spielt. Durch eine unglückliche Verkettung der Umstände lernen auch seine Familie und seine Freunde die notleidende Chizuru als seine feste Partnerin kennen. Insbesondere Kazuyas Großmutter ist von Chizuru derart überzeugt, dass sie regelrecht einen Narren an ihr frisst. Als auch noch Chizurus Großmutter erfährt, dass ihre Enkelin einen Partner hat, gibt es für die beiden kein Zurück mehr: Sie müssen die Scharade unbedingt aufrechterhalten, damit ihre Familien nicht von ihnen enttäuscht sind. Nach und nach werden mehr Personen in das Drama, das eigentlich keines sein müsste, hineingezogen. Peu à peu verkompliziert sich die Geschichte um die beiden Turteltauben, was für den Zuschauer jedoch äußerst unterhaltsam ist. So sehr der Zuschauer mit Kazuya und auch Chizuru mitfühlt, so humorvoll sind die ganzen Situationen, in denen sich die Akteure wiederfinden. Rent-a-Girlfriend konzentriert sich in der dritten Volume aber nicht nur auf Kazuya und Chizuru, sondern holt auch weitere Personen mit ins Boot.

Konflikte und Komplikationen

Eine dieser Personen ist Sarashina Ruka, die offenbar mit Kazuyas Freund Kuribayashi Shun zusammen war, sich inzwischen aber wie Chizuru als eine Mietfreundin entpuppt hat. Obwohl Kazuya seit Weihnachten echte Gefühle für Chizuru entwickelt hat und diese nur zu gerne erfüllt sehen möchte, sieht er sich inzwischen mit den Gefühlen konfrontiert, die ihm Ruka entgegenbringt. Sie versucht die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten zu torpedieren. Beispielsweise beginnt die dritte Volume von Rent-a-Girlfriend mit dem Neujahrsfest, an dem Kazuya, seine Eltern, seine Großmutter und Chizuru gemeinsam zum Schrein pilgern, um das neue Jahr zu begrüßen. Unverfroren schließt sich Ruka der Gruppe an. Kazuya und Chizuru laufen Gefahr, dass ihre Geschichte endgültig auffliegt. So steht das Finden von Wegen und Mitteln, wie sie ihr Geheimnis bewahren können, im Mittelpunkt der Erzählung. Ruka scheint Kazuya aber nicht in Ruhe lassen zu können und nimmt deshalb sogar den gleichen Teilzeitjob an wie das Objekt ihrer Begierde. Es könnte nicht schon kompliziert genug für Kazuya sein, da bittet ihn Chizuru auch noch eine neue Mietfreundin auszuprobieren. Bei dieser handelt es sich um Sakurasawa Sumi, die jedoch unglaublich schüchtern ist, so gut wie kein Wort spricht und zudem nicht so wirklich weiß, wie sie als Mietfreundin eigentlich agieren sollte.

Vorläufiges Ende der Geschichte

Rent-a-Girlfriend gelingt es am Ende der ersten Staffel allerdings nicht, einen Abschluss für die Storyline zu finden. Stattdessen wird der Zuschauer mit Hoffnung auf weitere Episoden vertröstet. Schlimm ist das aber nicht, da die Handlung weiterhin Potenzial hat, Kazuya und Chizuru weiter und weiter in die Abwärtsspirale zu stoßen, wodurch das Konstrukt nur noch brüchiger und damit unterhaltsamer wird. Beispielsweise trifft Mami zufällig auf Kazuya und Sumi bei ihrem Date, was Kazuya in die Ecke drängt und die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Die Anime-Serie aus dem Jahr 2020 lädt regelrecht zum Mitfiebern ein. Dies dürfte auch an den sehr guten Synchronsprechern liegen. Im japanischen Originalton wird Chizuru von Amamiya Sora und Kazuya von Horie Shun gesprochen. Mit Bravour übernehmen Lasse Dreyer und Luisa Wietzorek ihre Rollen in der deutschen Fassung. Das Tonformat Dolby Digital 2.0 lässt genügend Raum für den Klang, ist nach heutigem Stand aber veraltet. Veraltet ist die DVD-Fassung allgemein, aber fällt das beim Bild im 16:9-Format nicht allzu stark auf. Digitales Bonusmaterial liegt auf der DVD nicht vor. Als physische Dreingabe gibt es immerhin noch eine Artcard. Auch wenn das Ende der Staffel nicht jeden zufriedenstellen dürfte, macht Rent-a-Girlfriend einiges richtig und Fans des Genres dürfte das schon genügen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Rent-a-Girlfriend gelingt es innerhalb von  nur zwölf Episoden eine spannende und niemals langweilige Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen für die Akteure zu erzählen. So traurig die Ausgangslage auch sein mag, so unterhaltsam entwickelt sich die Story über drei Volumes hinweg. Das liegt zum einen an den Turbulenzen der Handlung und zum anderen an den durchaus interessanten Charakteren, die mit ihren Persönlichkeiten, ihren Eigenschaften und nicht zuletzt ihrer unüberlegten Taten zum Lachen bringen. Es ist jedoch schade, dass das Ende der Staffel, das so schön hätte sein können, von einer Sekunde auf die andere abgeschwächt wird. So bleibt aber die Hoffnung auf die zweite und dritte Staffel, die diesbezüglich Klarheit schaffen kann. Wer mit dem offenen Ende zurechtkommt und etwas für romantische Komödien, aufgesetzt wirkende Dramen und auch das Coming-of-Age-Genre übrig hat, darf auch bei der dritten Volume von Rent-a-Girlfriend gerne einen Blick riskieren. 

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Rent-a-Girlfriend (Vol. 3)!

Review: Hogwarts Legacy

Im Jahr 2020 bereits angekündigt und ursprünglich für das Jahr 2021 geplant, erschien das von Fans heiß erwartete Hogwarts Legacy erst im Februar 2023. Wir begrüßen diesen Schritt, zeichnet sich im fertigen Produkt eine sehr hohe, wenn auch nicht unantastbare Qualität ab.

Einmal an Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, zu lernen, Freundschaften zu knüpfen und Abenteuer zu erleben: Durch die sieben Harry-Potter-Romane und ihre Verfilmungen hat sich das wohl jeder schon einmal vorgestellt. Zu behaupten, dass dies in Hogwarts Legacy zum ersten Mal möglich sei, ist aber schlichtweg falsch. Bereits zu Beginn der 2000er-Jahre machten dies bereits die Harry-Potter-Spiele möglich, bei denen vor allem der erste und der zweite Serienteil in den GameCube-Fassungen zu erwähnen sind. Hogwarts Legacy gelingt es durch die technische Entwicklung von zwei Jahrzehnten aber ein noch sehr viel atmosphärischeres Erlebnis auf den Bildschirm zu zaubern. Außerdem haben sich die Entwickler dazu entschieden, nicht auf den Spuren von Harry Potter zu wandeln, sondern das Geschehen ins späte 19. Jahrhundert zur Zeit der Koboldaufstände zu verlagern. Da Technologie ohnehin nur eine untergeordnete Rolle in der Welt der Zauberei spielt, fällt dies aber kaum bis gar nicht auf. Hinzu kommt, dass wir auch keine historische Persönlichkeit aus dem Harry-Potter-Universum mimen, sondern uns zu Beginn des Spiels in einem umfangreichen Editor unseren Nachwuchszauberer respektive unsere Nachwuchshexe oder einen diversen Charakter erstellen können. Die Spielfigur erhält die Schuleinladung ganze vier Jahre zu spät.

Magische Spielwelt mit Grenzen

Warum das so ist, wird im Spiel zwar angerissen, aber nicht tiefgründig genug erläutert. Das ist aber auch nicht schlimm, denn nachdem wir zusammen mit Professor Eleazar Fig einen kleinen Umweg durch eine zerfallene Ruine und die Bank Gringotts gemacht, einen Drachenangriff überstanden und in Hogwarts den sprechenden Hut aufgesetzt bekommen haben, der uns prompt in einem der vier Schulhäuser untergebracht hat, dreht sich ohnehin sehr viel mehr Zeit der Story um Ranrok, dem Anführer der Koboldrebellion, die es aufzuhalten gilt. In dieser Disziplin ist Hogwarts Legacy gut und vor allem verzahnt geschrieben, denn viele der wichtigsten Hauptstorystränge greifen ineinander. So gehört die Suche nach Artefakten und Relikten genauso dazu, wie Geheimnisse in und um Hogwarts herum. Allerdings macht das Spiel zu wenig aus der Spielwelt und der Epoche. Dass Kobolde unterdrückt werden, wird einfach so hingenommen und zu wenig hinterfragt. Natürlich muss einem das Spiel jetzt nicht zwangsweise einen Moralkompass vorhalten, aber ein wenig mehr Dreidimensionalität wäre hier und da nicht verkehrt gewesen. Auch dass nahezu alle Schüler von Hogwarts unglaublich freundlich uns gegenüber sind und sich recht naiv verhalten, lässt die Illusion von der Zauberei nach ein paar Spielstunden bröckeln. Daran ist aber auch ein wenig das Gameplay schuld.

Vertrautheitsgefühl

Dies soll bitte nicht falsch verstanden werden. Vor allem zu Beginn ist Hogwarts Legacy ein Spiel, das einem als Fan der Buch- und Filmvorlagen regelrecht mit seiner Atmosphäre zerquetschen will. Wir nehmen am Unterricht teil, auch wenn sich dies meist nur auf sehr kurze Dialoge oder gar Videosequenzen beschränkt, und lernen von unseren Lehrern die allerwichtigsten Zaubersprüche. Mit diesen öffnet sich nach und nach die Spielwelt. Es macht Spaß, das Schloss zu erkunden und mit neuen Fähigkeiten plötzlich bisher verschlossene Areale erreichen zu können. Genau diese The-Legend-of-Zelda-Vibes haben auch Harry Potter und der Stein der Weisen und Harry Potter und die Kammer des Schreckens auf dem GameCube so herausragend gemacht – wohlgemerkt in einer Zeit, in der Lizenzspiele vorschnell als der letzte Rotz abgetan wurden. Solange wir uns nur in Hogwarts aufhalten, vielleicht auch noch das Zaubererdorf Hogsmeade erkunden oder uns in den Verbotenen Wald wagen, gelingt es dem Spiel mit seiner Präsentation zu überzeugen. Sofern ihr die Vorlagen in Form von Buch und Film kennt, kommen euch viele Orte sofort bekannt vor. Allerdings bietet das Spiel auch eine offene Spielwelt – und genau in dieser Disziplin muss sich der Titel mit den großartigen offenen Welten von Red Dead Redemption II und Immortals: Fenyx Rising messen lassen.

Enttäuschende offene Spielwelt

Machen wir uns nichts vor: Die wenigsten Spiele können mit ihrer Open World richtig begeistern. Allerdings versagt Hogwarts Legacy hier auf ganzer Linie, ohne es vielleicht zu wollen. So gibt es überall Prüfungen des Merlins zu bestehen, bei denen sich die unterschiedlichen Aufgaben an einer Hand abzählen lassen können. Auch Schatzgewölbe, in denen wir neue Ausrüstungsgegenstände finden können, sind häufig mit einem Rätsel gekoppelt. Von diesen Aufgaben gibt es einerseits zu viele und andererseits bieten sie unterm Strich viel zu wenig Abwechslung. Auch die verschiedenen Kobold- und Wildererlager bieten kurzweilige Action und Truhen, die es zu plündern gilt. Allerdings kommt hinzu, dass die Ausrüstung, die wir in den Kisten finden können, rein zufällig ist. Mit zunehmender Spielzeit finden wir einfach nur noch Schrott, der unser arg begrenztes Inventar füllt und nur verkauft werden kann. Es wirkt einfach so, als ob die Entwickler das Spiel für Gelegenheitsspieler entwickelt haben, die eben nicht jede Höhle und jede Truhe plündern wollen. Wer aber ständig auf der Suche nach Möglichkeiten ist, um seinen Charakter zu verbessern, wird hier vor den Kopf geschlagen. Zufällige Story-Begegnungen wie in Red Dead Redemption II oder eine Rätselattraktion nach der anderen wie in Immortals: Fenyx Rising bietet Hogwarts Legacy leider nicht.

Künstliche Obergrenze

Auch das Erfahrungspunktesystem des Action-Rollenspiels wird vermutlich nicht jedem Spielertypen gefallen. So gibt es für besiegte Spinnen, Wilderer, Kobolde und Untote nur so lange Erfahrungspunkte, bis die jeweiligen Herausforderungen abgeschlossen sind. Das reicht zwar bis zum Ende des Spiels locker aus und tatsächlich ist die Maximalstufe auch frühestens mit dem Endkampf erreicht, aber wer gerne aufstuft und wirklich alle Talente lernen will, dürfte enttäuscht werden. So störend wie die künstliche Obergrenze von Kingdoms of Amalur: Reckoning fällt dies zwar nicht aus, aber auch hier werden wir schon früh dazu gezwungen, zu selektieren, was wir wirklich brauchen. Zum Glück lassen sich Talentpunkte auch aufsparen, sodass wir erst einmal in Ruhe überlegen können. So müssen wir uns der Frage stellen, ob wir zum Beispiel mehr Nutzen aus gebrauten Tränken ziehen, von Gegnern nicht ganz so leicht entdeckt werden oder Zaubersprüchen Flucheffekte beimischen wollen. Auch wenn nicht alles erlernbar ist, bietet das Spiel in diesem Punkt ausnahmsweise viel Abwechslung. So begleiten wir unsere Spielfigur mit ihrer persönlichen Entwicklung bis zum Abspann, der je nach Spielertyp wohl zwischen 30 und 70 Spielstunden über die Mattscheibe flimmern dürfte. Auf dem Weg dorthin gibt es auch ein paar Punkte, die Hogwarts Legacy wirklich richtig gut macht.

Großartiges Kampfsystem

Vor allem das fantastische Kampfsystem sticht heraus. Es macht unglaublich viel Spaß, den Gegnern Angriffszauber auf den Hals zu hetzen, ihre Schutzschilde zu durchbrechen, ihren Angriffen auszuweichen oder noch besser mit Magie zu kontern und in diesem Flow möglichst keinen Schaden zu nehmen. Hier ist mit zunehmender Spielzeit so vieles möglich. Unter anderem können wir Gegner einfrieren, sie in Brand stecken oder in einen Levitationszustand versetzen und sie dann mit Karacho auf den Boden katapultieren. Herausragend fällt in diesem Bereich die Steuerung auf der PlayStation 5 aus. Mit dem DualSense-Controller führen wir Zaubersprüche mit der hinteren rechten Schultertaste aus, die einen kleinen Widerstand gibt und nicht ganz gedrückt werden muss. Vor allem der Basiszauber, der Standardangriff sozusagen, verleiht uns das Gefühl, tatsächlich einen Zauberstab zu schwingen. Vor allem dann, wenn wir das Spiel mit der offiziellen Homepage vernetzen, auf der wir uns in einem leider nur englischsprachigen Fragenkatalog unseren eigenen Zauberstab zusammensetzen und genau diesen Zauberstab auch im Spiel kaufen können, ist die Immersion einfach enorm. Nur bei der Vibrationsfunktion des Controllers hätten wir uns ein wenig mehr Feingefühl gewünscht, denn bis auf das Kritzeln nach einer Flohpulverreise bietet diese kaum Mehrwert.

Atmosphärischer Soundtrack

Was Steuerung und Erkundungsdrang angeht, so ist das Spiel vor allem für langjährige Fans der Videospielreihe ein Versöhnungsangebot, die mit dem Lizenzschrott von Electronic Arts in Form der letzten beiden Serienteile des Harry-Potter-Franchises nichts mehr mit der Welt des Zaubererlehrlings zu tun haben wollten. Ein neuer Publisher und ein neues Entwicklerstudio machen in diesem Falle Welten aus. Auch grafisch weiß das Spiel zu überzeugen, denn auch wenn Hogwarts an das Schloss aus den Filmen angelehnt ist, hat Entwicklerstudio Avalanche Software es auf seine eigene Art und Weise interpretiert – und zwar mit großem Respekt. Die Texturen sehen knackscharf aus und bis auf ein leichtes Dauerruckeln, das sich früher oder später einschleichen kann, läuft der Titel sehr flüssig. Ebenfalls gefällt uns, dass überall Schüler herumwuseln und Geister durchs Schloss spuken. Da sehen wir gerne darüber hinweg, dass es keine Hauspunkte als Belohung gibt und keine Bestrafung folgt, wenn wir nachts auf den Korridoren herumstreifen oder uns auf ein Butterbier vom Schulgelände stehlen. Zu guter Letzt muss der Soundtrack gelobt werden, denn trotz eigenständiger Melodien enthalten die Stücke hier und da Anspielungen auf die Musik von John Williams, der immerhin für den Soundtrack der ersten drei Harry-Potter-Filme verantwortlich ist – und wenn uns dann am Ende des Schuljahrs eine Träne über die Wange fließt, muss Hogwarts Legacy ja irgendetwas richtig gemacht haben.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Hogwarts Legacy ist vermutlich eines der Spiele, die mir auch nach dem Jahr 2023 noch lange in Gedächtnis bleiben werden. Entwicklerstudio Avalanche Software ist es gelungen, eine eigenständige Geschichte mit wenigen oder zumindest kaum spürbaren Bezügen zu den Filmen zu etablieren. Deutlich mehr Details im Spiel sind den Romanen entnommen, die ohnehin einen viel größeren Interpretationsspielraum ermöglichen. Wer die Bücher genauestens kennt und mit diesem Wissen einmal probiert, als männlicher Charakter in den Schlafsaal der Mädchen im Gryffindor-Turm zu gelangen, wird definitiv schmunzeln müssen. Auch allgemein können die Haupt- und Nebenfiguren, so naiv und überfreundlich sie meistens sind, dennoch ein heimisches Gefühl erzeugen. Hinzu kommt ein wunderbar gestaltetes Schloss, das musikalisch im Wandel der Jahreszeiten sehr gut unterlegt wird. Ebenso gefällt mir der Erkundungsaspekt im Schloss und auch das Kampfsystem weiß zu überzeugen. Dann kommt jedoch der große Knackpunkt: Im Kern ist Hogwarts Legacy zwar richtig gut, aber das Spiel schleppt sehr viel unnötigen Ballast mit sich. Abseits des Schlosses, des Dorfes Hogsmeade und des Verbotenen Waldes ist die Spielwelt langweilig inszeniert. Es gibt viel zu viel abwechslungsarmen Rätselkram, der schon nach wenigen Spielstunden keine sinnvollen Belohnungen mehr bietet. Am Ende wäre vermutlich weniger deutlich mehr gewesen. Wenn sich die Entwickler dies für einen potenziellen Nachfolger im Hinterkopf behalten, so kann aus einer guten Idee auch eine noch sehr viel bessere Umsetzung in Videospielform werden.

Jonas’ Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Hogwarts Legacy ist die bisher schönste und auch größte Darstellung des Harry-Potter-Universums in Videospielform. Das Spiel richtet sich mit seinen detailgetreuen Nachbildungen und zahllosen Easter Eggs klar an die Liebhaber der Filme und auch der Bücher. Drumherum haben die Entwickler von Avalanche Software eine sehr vertraute Open-World-Erfahrung gebaut. Hogwarts öffnet sich Stück für Stück für eine motivierende Erkundung, was aufgrund der hohen Detaildichte und den kreativen magischen Ideen im Schloss wirklich Spaß macht. Die Belohnungen sind allerdings eher mau, denn hier warten generische Sammelobjekte und zufallsgenerierte Ausrüstungsgegenstände auf den Spieler. Auch die Handlung und Figuren sind die längste Zeit austauschbar, besonders im Vergleich zur Vorlage. Hier bieten sogar manche Nebenmissionen mehr – auch in Sachen Belohnungen. Die Höhepunkte des Spiels sind eindeutig in Hogwarts zu finden, im weitläufigen Wald- und Wiesenumland findet sich auch eine Menge, allerdings nur Open-World-Stangenware, die spielerisch so spannend ist wie es die generischen Symbole auf der vollgeklatschen Karte schon vermuten lassen. Spinnenverstecke, Banditenlager und Schatzgewölbe dienen höchstens zur Beschäftigungstherapie. Deutlich mehr Spaß macht das freie Fliegen auf dem Besen, das fast überall möglich ist. Auch das Kampfsystem funktioniert in der Regel gut, insofern das Anvisieren und die Belegung der Zauberslots keinen Strich durch die Rechnung machen. Hogwarts Legacy zeigt, was auf Basis der Harry-Potter-Vorlage alles möglich ist. Eine moderne Umsetzung der Vorlage samt Figuren und Handlung könnte Hogwarts Legacy aber leicht übertreffen.

Review: Black Clover (Vol. 10)

Nachdem im Mai 2022 von Black Clover die neunte Volume vom hiesigen Herausgeber Kazé Anime veröffentlicht wurde, erschien einen Monat später die mittlerweile zehnte Ausgabe, die das Ende der zweiten Staffel markiert, die den Zuschauer aber mit offenem Ende zurücklässt.

In der letzten Ausgabe von Black Clover wurde die Auswahlprüfung zu den Royal Knights thematisiert, in der sich Yuno Grinberryall mitsamt seines Teams durchsetzen konnte. Die Prüfungen sind zwar beendet, doch der Kampf gegen die Mitglieder des Kalten Auges der weißen Nacht geht weiter. Auch in der Hauptstadt entbrennen die Kämpfe, in denen sich sogar Anführer Licht zu erkennen gibt. Wenig später liegt Julius Novachrono, der König der Magier, im Sterben. Warum er so einen Hass auf die Menschen hat, erfährt der Zuschauer in einem größeren Rückblick. Kurzum geht es diesmal um die Beziehungen zwischen Elfen und Menschen. Der Racheakt von Licht zieht alle wichtigen Charaktere mit ins Geschehen, so auch Yunos Bruder und eigentlicher Protagonist der Serie Asta. Der Schwerpunkt der zehnten Serienbox von Black Clover wird diesmal auf die Auseinandersetzungen gelegt. Soll heißen, dass die eigentliche Handlung nur wenig vorangetrieben werden kann und zunächst einmal die Konflikte gelöst werden müssen. Gegen Ende der zweiten Staffel, die die zehnte Volume markiert, kommt auch das Dorf Hage, in dem die Geschichte im Seriendebüt begann, noch einmal zum Tragen. Black Clover gelingt ein spannender wie gelungener Abschluss der Season, der jedoch recht offen bleibt und damit in gewisser Weise auf die dritte Staffel hinleitet.

Effektreiche Inszenierung

Unter technischen Gesichtspunkten knüpfen die Episoden der zehnten Serienbox von Black Clover an die Qualität der vorherigen Folgen an. So erstrahlen sämtliche Szenen auf Blu-ray Disc im bildschirmfüllenden 16:9-Format und in der Auflösung von 1080p. Die Anime-Serie begeistert mit effektreichen Zaubersprüchen, die häufig den ganzen Bildschirm füllen. Noch dazu fallen diese recht unterschiedlich aus, was in visuellen Spielereien gipfelt. So werden in einem Moment Charaktere von glühenden Schutzauren umgeben, während andere Figuren schon im nächsten Augenblick Kristalle und Metall durch die Luft schleudern. Auch Explosionen sind Teil der Gestaltung von Black Clover. Die Animationstechnik wirkt zwar ausbaufähig, doch reicht sie vollkommen aus, um die Helden in den Kampf mit ihren Antagonisten zu schicken. Über alle Zweifel erhaben sind die Petit-Clover-Bonus-Clips am Ende, die äußerst humorvoll im Chibi-Look herausstechen und wie aus einem Guss wirken. Deutlich überzeugender als die Gestaltungstechnik ist die musikalische Note. Komponistin Seki Minako unterlegt so gut wie alle Szenen hervorragend mit den typischen Klängen der Serie, die die Atmosphäre in Black Clover untermauern. Auch die japanischen und deutschen Synchronsprecher sorgen ein weiteres Mal dafür, dass die action- und humorvolle Stimmung stets gehalten wird.

Bonusmaterial ohne Überraschungen

Beim digitalen Bonusmaterial bietet der Abschluss der zweiten Staffel von Black Clover leider nicht sonderlich viel. So gibt es neben einem Clean Opening bedauerlicherweise nur einen kurzen, dafür aber sehr lustigen Bonus-Clip. Traditionsgemäß gibt es bei der Veröffentlichung der Reihe aber deutlich besseres physisches Bonusmaterial zu bestaunen. So liegen der Serienbox abermals zwei Booklets bei. Beim ersten Booklet handelt es sich, wie könnte es auch anders sein, um ein kleines Artbook. Auf ganzen 24 Seiten erhält der Käufer Einblick in mehrere Konzeptzeichnungen, bei denen die Bewegungen der verschiedenen Charaktere regelrecht nachempfunden werden können. Interessanter und gehaltvoller fällt das zweite Booklet aus, das nach denselben Gestaltungsregeln wie die Booklets der vorherigen Ausgaben aufgebaut ist. Auf den ersten Seiten beginnt das Booklet mit einer Zusammenfassung der Ausgangslage. Es folgt ein Diagramm, auf dem die Charakterkonstellationen für den Leser konkretisiert werden. Das darauffolgende Profil zu Julius Novachrono verrät wichtige Details zum König der Magier. Anschließend werden verschiedene Zaubersprüche ausführlich erklärt. Den Abschluss des Booklets bilden eine Galerie, ein Interview mit Takahashi Kōsei und ein kurzer und bündiger Episodenguide. Nicht weltbewegend, aber definitiv eine nette Dreingabe!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Black Clover erzählt eine spannende Geschichte, die am Ende der zweiten Staffel respektive in den Episoden der zehnten Box in zahlreichen Kämpfen gipfelt. Diese machen einen Großteil der zehn enthaltenen Folgen aus und sind effektreich inszeniert. Leider rückt dadurch die Story ein wenig in den Hintergrund, zeigt aber gerade in den wenigen Momenten, in denen sie durchscheint, dass sie sehr stark zur Entfaltung der Charaktere und ihren Fähigkeiten beiträgt. Zwar ist immer noch ein wenig Luft nach oben, was die technische Ausarbeitung angeht, Fans werden sich nach zehn Serienboxen aber gar nicht mehr daran stören. Schade ist jedoch, dass das Bonusmaterial nur traditionsgemäß ausfällt. So wirken Artbook und Booklet zwar hochwertig gedruckt, aber gerade im digitalen Bereich wäre für den Abschluss der zweiten Staffel wirklich mehr möglich oder sogar nötig gewesen. Der eigentlichen Anime-Serie, die auch in der zweiten Season richtig fesselt, tut dies aber keinen Abbruch. Black Clover gehört zu den spannendsten Anime-Serien der letzten Jahre. Die dritte Staffel darf an diese Qualität gerne anknüpfen!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Black Clover (Vol. 10)!

Review: Octopath Traveler II

Mit dem Erscheinen von Octopath Traveler löste Publisher Square Enix eine Renaissance der 16-Bit-Rollenspiele aus. Im frischen HD-2D-Gewand folgten weitere Spiele mit dem gleichen grafischen Grundgerüst. Kein Wunder, dass auch Octopath Traveler II diesen Weg einschlägt.

Wer den ersten Serienteil aus dem Jahr 2018 gespielt hat, wird sich sofort in Octopath Traveler II zurechtfinden. So wählen wir zu Beginn des Spiels einen aus insgesamt acht Charakteren aus und folgen zunächst dessen Handlungsstrang. Bei den Spielfiguren handelt es sich um illustre Charaktere, die sich inhaltlich voneinander unterscheiden. Zur Auswahl steht zum Beispiel der Krieger Hikari Khu, der sich inmitten eines Erbfolgestreits wiederfindet. Die Tänzerin Agnea Bristerni möchte hingegen in die Fußstapfen ihrer berühmten Mutter treten. Partitio Yellowil ist wiederum ein aufstrebender Händler, der die Armut in der Spielwelt Solistia bekämpfen will. Der Magier Osvald V. Vanstein sitzt hingegen unschuldig hinter Gittern und schwört Rache an seinem Peiniger. Beim Handlungsstrang von Temenos Mistral entwickelt sich hingegen eine Geschichte um den Mord eines Pontifex. Die Diebin Throné Anguis will sich hingegen von den Machenschaften ihrer Bande lösen und stößt dabei auf Hindernisse. Bei Ochette handelt es sich hingegen um ein Wildlingsmädchen, das ein drohendes Unheil von ihrem Dorf abwenden muss. Zu guter Letzt wäre da die Apothekerin Castti Florenz, die unter Amnesie leidet. Alle acht Geschichten sind wunderbar erzählt. Allerdings bleibt das Problem des Vorgängers bestehen: Sie ergeben nicht wirklich ein großes Ganzes.

Schwache zwischenmenschliche Beziehungen

Bei Octopath Traveler II handelt es sich um ein Spiel, das keine weltumspannende Geschichte erzählt, sondern sich auf die Handlungsstränge der acht Spielfiguren konzentriert. Wäre dies noch geradewegs akzeptabel, da die Geschichten großartig geschrieben sind, enttäuscht einmal mehr die Interaktionsintensität untereinander. Diese ist weder beim ersten noch beim zweiten Teil als vollfertiges Feature des Rollenspiels zu betrachten. Es gibt zwar sehr seltene Momente, an denen sich die Handlungsstränge überschneiden, und auch Gespräche während der Wanderung, die geringfügig an die Skits aus Tales of Symphonia und Co erinnern, sind möglich, aber das ist für ein Spiel dieses Ausmaßes viel zu wenig. Dieses Defizit ist gerade deshalb unverständlich, da es schon beim ersten Serienteil kritisiert wurde. Noch größeres Kopfschütteln wird bei uns hervorgerufen, wenn wir an Trials of Mana denken. Da hat das schon in den 1990er-Jahren auf dem Super Nintendo funktioniert und im Remake aus dem Jahr 2019 sogar noch einmal besser. Entwicklerstudio Acquire verlässt sich zu sehr auf den Nostalgiebonus, dass das Spiel aufgrund seines immer noch frischen Retro-Looks wohl genug Käufer anspricht. Bei ein paar Monaten mehr Entwicklungszeit hätte mit einer Dialogvielfalt etwas Großartiges geschaffen werden können. So wirkt dieser Aspekt aber schlicht unfertig.

Vielfältige Wege-Aktionen bei Tag und bei Nacht

Definitiv nicht unfertig wirkt das allgemeine Gameplay von Octopath Traveler II, denn dieses lädt in vielerlei Hinsicht zum Experimentieren ein. Allen voran müssen hier die toll geschriebenen Charaktere gelobt werden, denn genau so wie sie sich in den Story-Sequenzen geben, so spielen sie sich. Beispielsweise können wir mit Throné Taschendiebstähle ausführen und mit Temenos Nicht-Spieler-Charaktere ausquetschen, um versteckte Gegenstände und geheime Informationen zu erlangen. Hikari kann hingegen Menschen zum Duell fordern, um durch den Kampf neue Fähigkeiten zu erlernen. Jede Spielfigur beherrscht zwei dieser sogenannten Wege-Aktionen, die von der Tageszeit abhängig sind. Zeit vergeht entweder automatisch, wenn wir durch die Welt reisen oder auf Knopfdruck. Jederzeit können wir die Tageszeit dynamisch und noch dazu ohne Ladezeiten wechseln. Während wir mit Osvald tagsüber Menschen unter die Lupe nehmen, um mehr über sie zu erfahren, können wir sie nachts ausrauben. Partitio kann je nach Tageszeit mit Nicht-Spieler-Charakteren handeln oder sie anheuern, um sie in den Kämpfen als Unterstützung herbeizurufen. Noch dazu haben diese Begleiter einen Einfluss auf den Handel mit anderen Figuren. So verzahnen sich die Wege-Aktionen stark mit dem restlichen Gameplay, was uns außerordentlich gut gefällt und uns richtig austoben lässt.

Bekannt gute Ansätze mit denselben Schwächen

Obwohl die Wege-Aktionen Octopath Traveler II wie schon den ersten Teil zu einer riesigen Spielwiese machen, sind bedauerlicherweise dieselben Logikfehler zu beanstanden. In jeder Stadt können wir bei einer Wege-Aktion bis zu fünf Mal scheitern. Fällt unserem Opfer zum Beispiel der Diebstahl auf, so reagiert er danach dennoch freundlich auf uns. Erst wenn wir fünf Mal gescheitert sind, können wir keine Wege-Aktion mehr einsetzen und müssen unseren guten Ruf gegen Bares in der hiesigen Kneipe, in der wir auch die Charaktere unserer maximal vierköpfigen Gruppe auswechseln können, wiederherstellen. Wenn sich das japanische Rollenspiel schon europäischen Werken annähern will, so sollte ein wenig mehr auf Logik und Co geachtet werden. Die Gothic-Reihe ist hierfür ein Paradebeispiel. Dies ist aber wirklich nur der Tropfen auf dem heißen Stein, denn ansonsten macht das Erbeuten von Items, Informationen und Fähigkeiten jede Menge Spaß. Daneben lädt die Spielwelt sehr stark zum Erkunden ein. Überall gibt es kleinere Abzweigungen, die uns zu mal mehr und mal weniger wertvollen Schätzen führen. Es macht Spaß, jeden Winkel der Welt zu erforschen, da wir alle paar Minuten dafür belohnt werden. Warum aber gerade das Dungeondesign so linear ausfällt und nicht einmal das Allernötigste bietet, ist uns wiederum ein ganz fieser Dorn im Auge.

Taktisches Kampfsystem mit Tiefgang

Beim Kampfsystem gibt es nur wenig zu beanstanden. Wie der Vorgänger ist auch Octopath Traveler II ein rundenbasiertes Rollenspiel mit Kampfbildschirm. Laufen wir also durch die Gegend, beginnt in absolut fairen und niemals nervigen Abständen ein Zufallskampf. Gegner sind also in den Gebieten mit Ausnahmen von größeren Zwischen- und Bossgegnern nicht zu sehen. Je nachdem wie agil unsere Charaktere sind, desto früher sind sie in der jeweiligen Runde am Zug. Sobald einer unserer vier Recken an der Reihe ist, können wir in aller Seelenruhe unsere Entscheidungen treffen. Großartige Änderungen seit dem ersten Teil sind hierbei aber nicht zu finden. Das ist aber auch nicht schlimm, da schon Octopath Traveler mit einem funktionierenden Kampfsystem aufgewartet hat. Um einem Gegner ordentlich Schaden zufügen zu können, müssen wir erst einmal seine Schwächen herausfinden. Ist ein Gegner zum Beispiel empfindlich für Schwertangriffe und Feuermagie, so setzen wir verstärkt diese ein, um die Verteidigung des Gegners zu durchdringen. Anschließend ist dieser für eine Runde außer Gefecht gesetzt. Jede Runde wird uns übrigens auch eine Bonusaktion gutgeschrieben, sofern wir in der vorherigen Runde nicht Gebrauch davon gemacht haben. So können wir unsere Feinde gleich mehrfach angreifen, was durchaus für sehr viele taktische Spielzüge sorgt.

Fantastischer Soundtrack

Letzteres ist klar von Bravely Default inspiriert, lässt aber glücklicherweise Spielraum für Fehlentscheidungen. Die Kämpfe verlaufen je nach Gruppe recht schnell. Lediglich bei den Bosskämpfen müssen wir auch schon mal etwas vorsichtiger agieren. Solche Kämpfe können sich dann auch je nach Level unserer Helden auch ein wenig in die Länge ziehen. Der einzige Wertmutstropfen hierbei ist, dass Charaktere, die sich nicht in der aktuellen Gruppe befinden, auch keine Erfahrungspunkte erhalten. Das führt regelmäßig zum wiederholten Aufleveln und dürfte selbst unter Fans des Genres nicht jeden Spielertypen ansprechen. Wesentlich ansprechender sind Grafik und Musik von Octopath Traveler II. Während die Spielwelt stark an 16-Bit-Rollenspiele angelehnt ist, aber tatsächlich aus 3D-Modellen besteht, handelt es sich bei den dargestellten Figuren um typische 2D-Sprites. Hinzukommen hübsche Spezialeffekte, die die Atmosphäre verdichten. Nicht unschuldig daran ist auch der Soundtrack von Komponist Nishiki Yasunori, der mit jeder verdammten Note den richtigen Ton trifft. Viel zu selten bieten japanische Rollenspiele diese Wucht, die hier jederzeit zu hören ist. Wer mit den wenigen, aber nicht von der Hand zu weisenden Defiziten des Spiels leben kann, bekommt mit Octopath Traveler II ein solides Rollenspiel, das auf einer Ebene mit dem Vorgänger steht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC- und der Nintendo-Switch-Fassung): Octopath Traveler II macht mir als Fan des Genres sehr viel Spaß. Auch nach vielen Stunden habe ich immer noch Lust, die Spielwelt zu erkunden, mich in etliche weitere Zufallskämpfe zu stürzen und die Geschichten der acht Charaktere zu erleben. Fantastisch geschriebene Handlungsbögen, großartig vertonte Dialoge und auch das technische Grundgerüst machen dieses japanische Rollenspiel wahrlich zu einem Freudenfest. Leider verpufft ein guter Teil der Atmosphäre durch die kaum vorhandenen zwischenmenschlichen Beziehungen der acht Charaktere, denn diese agieren so gut wie gar nicht miteinander. Dies mag womöglich an einer fehlenden übergeordneten Handlung liegen, aber auch so ist das nicht zu verstehen. Hier haben sogar Spiele aus den 1990er-Jahren die Nase vorn. Vor allem nach der Kritik, die diesbezüglich beim Vorgänger gefallen ist, und auch aufgrund der sonst sehr hohen Qualität des zweiten Teils, ist dies für mich unbegreiflich. Gerade wegen dieser verpassten Chance bleibt Octopath Traveler II leider nur auf einer Ebene mit dem ersten Teil. Da dieser aber schon ein gutes Spiel war, ist das nicht so schlimm. Octopath Traveler II hätte eben nur noch viel besser sein können.

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Octopath Traveler II!

Prime Time: Josie, der Tiger und die Fische (Unboxing)

Unseren persönlichen Eindruck vom Anime-Film Josie, der Tiger und die Fische haben wir euch bereits ausgiebig in einer Rezension mitgeteilt. Damit ihr auch einen Eindruck von der phyischen Publikation erhaltet, folgt heute unser Unboxing-Video zum Film. Wir wünschen euch viel Spaß und gute Unterhaltung!

Review: ACA Neogeo Metal Slug 3

Brachiale Daueraction, eine absurde Story, illustre Gegner, das Verschlingen dutzender Continues und die größte Rettungsaktion des Jahres 2000 – was Metal-Slug-Fans bereits 1996 und 1998 in den Vorgängern erlebten, gipfelt im dritten Serienteil in einem neuen Höhepunkt.

Die Handlung von ACA Neogeo Metal Slug 3 spielt zeitlich ein paar Jahre nach den ersten beiden Serienteilen. General Morden strebt nach der Weltherrschaft und um dieses Ziel zu erreichen, verschwört er sich mit einer Alien-Rasse gegen die Weltregierung. Major Marco Rossi, Captain Tarma Roving, Sergeant Eri Kasamoto und Sergeant Fiolina Germi nehmen den Kampf gegen Morden auf, um die Welt vor dem drohenden Unheil zu bewahren. Wir durchstreifen einen Dschungel, tauchen in eine Kanalisation ab, durchkämmen die Wüste und kämpfen schlussendlich sogar im Weltraum. Obwohl die Story des Titels sehr unscheinbar als Genre-Standard beginnt, entwickelt sie sich im letzten der insgesamt fünf Levels zur wohl größten Rettungsaktion des Jahres 2000. Inszenatorisch sucht der Titel bei zweidimensionalen Shoot ’em ups, die aus der Seitenperspektive gespielt werden, ohnehin seinesgleichen. Ein Großaufgebot an Mordens Soldaten, eine Horde Zombies, überdimensional große Pflanzen, die ein Mitglied unseres vierköpfigen Teams mit einem Bissen runterschluckt, Rieseninsekten, Mumien und schließlich Aliens werden uns in Massen vor die Flinte gesetzt. Das sorgt dafür, dass unser Finger ständig am Abzug beziehungsweise auf dem Feuerknopf liegt und nicht nur die Gegner, sondern auch das Bild mit dutzenden Projektilen gleichzeitig vollgepumpt wird.

Massenvernichtung

Wem Mega Man und Konsorten schon zu schwierig sind, wird auch mit dem dritten Teil der Metal-Slug-Reihe keine Freude haben. Metal Slug 3 zeigt wunderbar, wie schwierig man ein Spiel gestalten kann, ohne dass man ständig dabei flucht, wie unfair die Stelle gestaltet ist. Das liegt aber auch daran, dass in der Heimkonsolenversion des Titels wie bei den anderen Spielen der ACA-Neogeo-Reihe jederzeit Credits kostenfrei auf Knopfdruck hinzugefügt werden können. Für einen Credit erhalten wir zwar drei Leben, doch hält unsere Spielfigur nur einen einzigen Treffer aus. Aufgrund der irrwitzigen Faszination, die der Titel auf uns versprüht, wären wir um die Jahrtausendwende in der japanischen Spielhalle sicherlich arm geworden. Können wir in Metal Slug 3 nur mit der Standardwaffe angreifen, da wir mal wieder unsere Granaten und die ganze Munition von Maschinengewehr, Laser-Pistole, Raketen- oder Flammenwerfer verschossen haben, fühlen sich viele Gegner übermächtig an. Also wagen wir uns mit unserem Nahkampfmesser ins Gefecht und töten unsere Feinde oft mit einem Messerstich auf der Stelle. Erst im späteren Spielverlauf wird auch diese Taktik erschwert, da die Gegner mehr und mehr einstecken können. Abhilfe schaffen hier Vehikel wie Panzer oder Flugzeuge, die jedoch nur auf festen Stellen im Spiel genutzt werden können.

Glanzstunde des Chaos

Metal Slug 3 wäre kein richtiger Teil der Reihe, wenn wir auch hier mit Limitierungen zu kämpfen hätten. Die Fahrzeuge halten zwar deutlich mehr als nur einen Treffer aus, doch wird beispielsweise unser Unterseeboot zerstört, steht es uns für den Rest des Spielabschnitts nicht mehr zur Verfügung – und es ist wahrhaftig kein Spaß, mit einem Mini-Gewehr gegnerische Unterseeboote abzuschießen, während man uns mit Torpedos zu Brei verarbeiten möchte. Dennoch geben wir gerne einen Credit nach dem anderen aus, um Morden und die Aliens aufzuhalten. Das liegt auch an der guten Steuerung, die fast tadellos funktioniert. Wer alle Angriffe der Gegner gleichzeitig berechnen kann, hat auch das Talent zum Ausweichen und kann die Attacken mit Dauerfeuer erwidern. Optisch bietet der Titel mit 16-Bit-Grafiken eine gute Auswahl unterschiedlicher Settings und Tötungsanimationen, die uns richtig leiden lassen. Werden wir beispielsweise von einem Zombie angespuckt, mutieren wir selbst zum Untoten und können vor dem endgültigen Ableben noch einmal kurz über die Erde wandeln. Hinzu kommt ein rockiger Soundtrack, der die Action auch im kooperativen Zwei-Spieler-Modus wunderbar unterlegt. Metal Slug 3 kann nämlich genau dann, wenn beide Spieler (bewaffnet mit je einem Joy-Con) gleichzeitig agieren, mit noch viel mehr Chaos glänzen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der eShop-Fassung): ACA Neogeo Metal Slug 3 ist ein irrwitziges Action-Spektakel, das man nicht nur in puncto Story nicht ganz ernst nehmen sollte. Das Gameplay ist dermaßen überdreht, sodass man aufgrund des Großaufgebots an Gegnern und der damit einhergehenden Ballerorgie einfach nur seinen kurzweiligen Spaß hat, was besonders kooperativ mit einem Mitspieler vor dem Fernseher funktioniert. Wer ein Spiel für einen unterhaltsamen Nachmittag zu zweit sucht, wird hier definitiv fündig. Alleine macht der Titel mit seiner Highscore-Jagd aber nur bedingt Spaß, denn das Gameplay ist unterm Strich einfach zu repetitiv, als dass ich mich gerne versuche, auf der Online-Rangliste zu positionieren. Möchte man also langfristig Spaß mit einem Titel haben, sollte man eher zu Alternativen wie Mega Man X und Co greifen.

Review: Alice in Borderland (Doppelband 2)

Alice in Borderland knüpft im zweiten Doppelband, der hierzulande im Februar 2023 erschien, an die Ereignisse der Geschehnisse im Debüt der Manga-Reihe an. Aufgeteilt ist der Doppelband, wie könnte es auch anders sein, in zwei Hälften. In der ersten Hälfte legt der Manga den Fokus auf die bisherigen Protagonisten, allen voran Arisu Ryōhei. Dieser war im letzten Spiel auf Leben und Tod erfolgreich und konnte sein Visum im titelgebenden Borderland zusammen mit seinem guten Kumpel Karube Daikichi um ein paar Tage verlängern. Anders sieht es bei ihrem gemeinsamen Freund Segawa Chōta aus. Dieser hat sich verletzt und muss sich von den Strapazen erholen. Gesellschaft leistet ihm dabei Shibuki Saori, einer Frau, die ihren Überlebenswillen verloren hat und sich Verständnis vom angeschlagenen Chōta verspricht. Die beiden kommen sich emotional näher. Damit nicht nur Chōta, sondern auch der Leser sich ein besseres Bild von Saori machen kann, erfährt dieser in einer etwas größeren Rückblende weitere Einzelheiten über die Teilnehmerin an den Spielen des Borderlands. Auf kurz oder lang müssen sie sich aber des Überlebens willen wieder auf das nächste Spiel einlassen. Ihr Weg führt sie in einen botanischen Garten, der sich unterhalb einer riesigen Kuppel befindet. Hier erwartet die Teilnehmer das bisher widerwärtigste Spiel von Alice in Borderland.

Frischer Handlungsort mit neuen Charakteren

Es handelt sich hierbei um ein „Versteckspiel“, bei dem ein Wolf Jagd auf drei Schafe machen muss. Wie genau die Regeln aussehen und welche abartige Belohnung wartet, soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden. In der zweiten Hälfte verschlägt es die Charaktere des Mangas an einen neuen Handlungsort, an dem die Figuren neue Einzelheiten über das Borderland und ihre Ausreise erfahren können. Weitere Charaktere wie der liebevoll als Hutmacher bezeichnete Danma Takeru, die ehemalige Bekleidungsgeschäftangestellte Kuina Hikari und der durchtriebene Chishiya Shuntarō stellen die sozialen wie politischen Hierarchien vor. Das heißt auch, dass sich der Fokus von den gefährlichen Spielen verlagert. Stattdessen werden die zwischenmenschlichen Beziehungen hervorgehoben. Eine Entwicklung, die schon auf den ersten Seiten des vorliegenden Mangas zu erkennen ist und definitiv eine Bereicherung für die Erzählstruktur sind. Besonderen Wert legt die Handlung im zweiten Teil des zweiten Doppelbandes auf Yuzuha Usagi, die den Verlust ihres Vaters zu betrauern hat und dennoch um ihr Überleben im Borderland kämpfen muss. Durch die Einführung weiterer Figuren bleiben Story und Spiele dynamisch. Kenner der Fernsehserie erleben nur wenig Neues, aber wer nur den Manga kennt, wird von Alice in Borderland auch diesmal mitgerissen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Während der erste Doppelband von Alice in Borderland eine sehr gute Einführung in die Manga-Reihe darstellt und einen Überblick über die Grundregeln der Spiele vermittelt, baut die zweite Ausgabe auf diesem Grundkonzept auf. Soll heißen, dass es zwar nach wie vor makabere Spiele auf Leben und Tod gibt, diese aber bis auf ein großes Spiel in den Hintergrund rücken. Vielmehr werden die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Charakteren beleuchtet, die stellenweise sehr tiefgründig ausfallen. Auch dass Hintergründe über in diesem Band eingeführten Persönlichkeiten an Ort und Stelle über Dialoge erzählt oder sogar bildlich mit Rückblenden dargestellt werden, ist ein wichtiger Punkt der Erzählstruktur von Alice in Borderland. Darüber hinaus zeigt der zweite Doppelband von Alice in Borderland in mehrerlei Hinsicht kompromisslos, welche Auswirkungen Niederlagen in einem Spiel haben können. Der zweite Band ist eine gelungene Fortsetzung mit Tiefgang und Mehrwert, an dem kein Fan der Reihe herum kommt.

Vielen Dank an Hayabusa für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Alice in Borderland (Doppelband 2)!

Abbildungen: IMAWA NO KUNI NO ALICE © 2011 Haro ASO/ SHOGAKUKAN

Review: Mana Spark

Rogue-like-Elemente gehören heute gefühlt fast in jedes zweite Spiel, das auf den digitalen Marktplätzen landet. Auch im Action-Adventure-Twin-Stick-Shooter-Verschnitt Mana Spark von den Kishimoto Studios kommen Spieler nicht um zufallsgenerierte Inhalte herum.

In der Welt von Mana Spark wird die Menschheit jede Nacht von Dämonen heimgesucht und an den Rand der Vernichtung getrieben. Um das drohende Schicksal abzuwenden, haben sich ein paar wenige Verbündete zusammengetan und kämpfen gemeinsam gegen die Wesen der Finsternis. Anhand dieser kurzen und knappen Beschreibung von Handlung beziehungsweise Hintergründen lässt sich gut erkennen, dass die Geschichte an kaum einer Stelle tiefgründiger wird. Hauptsächlich geht es darum, immer tiefer in die Spielwelt einzudringen, neue Personen für das als Ausgangspunkt dienende Lager zu rekrutieren und vor allem gefangene Kämpfer zu befreien. Obwohl die Story des Spiels suggeriert, dass die Helden tatsächlich Seite an Seite kämpfen, sind wir in Mana Spark jedoch die ganze Zeit über alleine unterwegs. Angefangen in einem Wald voller gefräßiger Wölfe, kämpfen wir uns danach auch noch durch andere dunkle Gebiete wie einen Kerker, in dem zum Leben erwachte Skelette uns ans Leder wollen. Im Großen und Ganzen sind die Gebiete aber recht abwechslungsarm, was vor allem an den labyrinthartigen Level-Aufbau von The Legend of Zelda: Link’s Awakening oder The Binding of Isaac erinnert. Damit sich in einem Raum, der stets auf der Minimap sichtbar ist, der Weg zum nächsten Stockwerk öffnet, müssen in verschiedenen Räumen spezielle Hebel betätigt werden.

Vollgepackt mit tollen Sachen

Hierbei handelt es sich um den wohl größten Kritikpunkt des Spiels, denn immer wenn wir mit unserem Helden sterben, landen wir wieder im Lager und müssen von dort aus sämtliche Ebenen des Dungeons von vorne erschließen. Das ist überaus nervig, denn obwohl die eigentliche Spielgeschwindigkeit auf ein relativ hohes Tempo setzt und ein Stockwerk je nach Gegneranzahl flott erschlossen werden kann, ist die Suche nach dem Hebel einfach nur repetitiv und auf Dauer sehr mühselig. Für das Besiegen von Gegnern erhalten wir hin und wieder Goldmünzen oder Runen. Mit Goldmünzen können wir uns im Dungeon in regelmäßigen Abständen temporäre Ausrüstungsgegenstände oder Sekundärwaffen zulegen. Neue Ausrüstung kann beispielsweise den Schaden, den wir austeilen und unsere Lebensenergie erhöhen oder die Projektilgeschwindigkeit unserer Feinde verringern. Sekundärwaffen sind Bomben, Fangnetze, Bärenfallen oder Selbstschussanlagen, die in brenzligen Situationen unverzichtbar sind. Runen sind hingen die semi-permanente Währung von Mana Spark, die an bestimmten Stellen im Dungeon automatisch gespeichert werden. Alle Runen, die wir außerhalb dieser Position verlieren, sind unwiderruflich verloren. Im Lager können wir uns damit neue Sekundärwaffen schmieden lassen, sie in Monsterwissen investieren oder uns hilfreiche Wegzehrung zulegen.

Halbgare Switch-Portierung

Obwohl sich durch die zufälligen Objekte, Sekundärwaffen und die Nahrungsvariationen jede Menge Möglichkeiten im Spielfluss ergeben, entscheiden sie viel zu häufig über Sieg und Niederlage. Mit Selbstschussanlagen und vergifteten Pfeilen ist der erste Bossgegner ein Witz, während andere Objekte ihn hingegen zu einem nur sehr schwer aus dem Weg zu räumenden Hindernis machen, zumal er uns mit zwei Treffern pulverisieren kann. Weitere Abwechslung gibt es mit den geretteten Helden: Zu Beginn kämpfen wir als Bogen- oder Armbrustschütze hauptsächlich aus der Ferne, später kommt mit dem Schwertkämpfer auch eine Spielfigur hinzu, mit der wir uns in den brenzligen Nahkampf schmeißen dürfen. Über den rechten Analog-Stick wird die Angriffsrichtung festgelegt, was aber vor allem im Handheld-Modus eine unglaublich fummelige Angelegenheit ist. Unter technischen Gesichtspunkten ist Mana Spark auch anderweitig ein zwiespältiges Spiel. Zum einen weiß der Retro-Pixel-Look zu gefallen und auch dass Pfeile sichtbar an Gegnern oder der Umwelt dauerhaft stecken bleiben, ist ein nicht zu unterschätzendes atmosphärisches Detail. Zum anderen treiben einen die Ladezeiten zur Weißglut, denn was auf dem PC nur ein bis zwei Sekunden dauert, nimmt bei der Switch-Version konträr zum schnellen Gameplay ärgerliche 15 bis 16 Sekunden in Anspruch. Trotz stimmiger Musikuntermalung ist das alle zwei bis drei Minuten einfach nur nervenaufreibend.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Switch-Fassung): Es ist wirklich ärgerlich, dass es auch im Jahr 2018 immer noch halbgare Portierungen auf die Nintendos Switch geschafft haben. Mana Spark bildet da keine Ausnahme, denn trotz schöner Retro-Pixel-Optik dauern die Ladezeiten einfach zu lang und stören durchweg. Die Steuerung ist ebenfalls eine hakelige Angelegenheit, fühlt sich aber zumindest im TV-Modus mit angeschlossenem Pro Controller halbwegs angenehm an. Wer sich von diesen Kritikpunkten nicht stören lässt, kann mit Mana Spark ironischerweise dennoch seinen Spaß haben. Das eigentliche Gameplay läuft sehr flott und die Varianz der Heldenzusammensetzung ist durchaus facettenreich, wenn in einzelnen Fällen auch sehr unausgeglichen. Fans von Rogue-like-Spielen dürfen sicher einen Blick riskieren, sollten nach Möglichkeit aber Abstand von der halbherzig portierten Switch-Version nehmen.

 

Review: One Piece: Box 30 (Episoden 878–902)

Am 18. August 2022 erschien hierzulande die große Jubiläumsbox der Anime-Serie One Piece. Satte dreißig Ausgaben lang dürfen Fans die Strohhutpiraten auf ihrer Reise begleiten. Da verwundert es aber stark, dass gerade die Folgen der dreißigsten Serienbox etwas enttäuschen.

Filler-Episoden gehören bei Anime-Serien, die seit etlichen Jahren laufen und zudem auch auf einer Manga-Vorlage basieren, einfach dazu. Bei der 1999 gestarteten Anime-Serie One Piece können diese Folgen aber ganz schön zermürben. Das heißt, bevor es in der dreißigsten Ausgabe so richtig losgeht, müssen die Zuschauer erst einmal so einige Rückblickfolgen in Kauf nehmen. Fans erinnern sich hierbei wohl oder über in die Geschehnisse der neunten Serienbox zurückversetzt, denn auch dort wurde bereits ein Handlungsstrang in die Länge gezogen. Das ist im dreißigsten Episodenpaket zwar nicht ganz so heftig, da Ereignisse thematisiert werden, die einige hundert Folgen zurückliegen, aber dennoch ist ein fader Beigeschmack keineswegs von der Hand zu weisen. Zu Beginn des neuen Erzählstrangs steht die bereits mehrfach angedeutete Reverie im Mittelpunkt der Geschichte. Hier treffen sich fünfzig Nationen, die quer über den Globus verteilt sind, in der heiligen Stadt Mary Joa zu einer Weltkonferenz. Mit von der Partie sind zum Beispiel das Königreich Alabasta, die Fischmenscheninsel oder die Regierung des Inselarchipels von Dress Rosa. Vertreter sind Charaktere, die Monkey D. Ruffy und seine Freunde bereits getroffen haben. Sie tauschen notgedrungen Erinnerungen aus und nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise voller Nostalgie. Gelegenheitszuschauern wird so zwar ihr Wissen aufgefrischt, aber Hardcore-Fans der ersten Stunde könnten sich daran echt stören.

Neue Einzelheiten, aber zu viele Rückblenden

Nebenher erhalten die Zuschauer Einblicke in die Geschichte der Revolutionsarmee, die sich heimlich nach Mary Joa begibt und es tatsächlich schafft, sich einzuschleusen. Die Erzählung wird hierbei vor allem aus der Sicht von Sabo erzählt, der die Herrschaft der Weltaristokraten stoppen will. Interessant sind definitiv auch die vielen Einzelheiten über die Welt, in der One Piece spielt, die aus Sicht der Gegenspieler immer mal wieder eingeworfen werden. Es ist in den wenigen Momenten, die nicht aus Flashbacks bestehen, wirklich erfrischend, tiefer in das Universum einzutauchen. Dass das sicherlich auch abgekürzt hätte werden können, steht wohl außer Frage, aber dann würde sich Tōei Animation mit der Beliebtheit des Franchises ja nicht so sehr die Taschen vollstopfen können. Nach etwa der Hälfte der enthaltenen 24 Episoden wird die Handlung deutlich stärker aus der Sicht von Strohhut Ruffy, Navigatorin Nami, Musiker Brook, Smutje Sanji Schiffsarzt Chopper und ihrer Begleiterin Carrot geschildert. Nach den Geschehnissen auf Whole Cake Island ist die Bande auf dem Weg nach Wa no Kuni – um sich dort mit ihren Freunden zusammenzuschließen, die in der Gesellschaft des absolut japanisch angehauchten Inselreichs untergetaucht sind. Gemeinsam wollen sie einen der vier Kaiser stürzen und die Ordnung in Wa no Kuni wiederherstellen. Kaidō der hundert Bestien wartet aber nur darauf, dass die Strohhutpiraten zuschlagen und bringt seine Leute in Stellung.

Japanische Einflüsse aus der Kunst

One Piece bedient sich in der dreißigsten Serienbox einem bekannten Stilmittel, denn wie so häufig werden die Strohhüte bei ihrer Ankunft in Wa no Kuni voneinander getrennt. Deshalb dürften die Zuschauer auch in den nächsten Episodenpaketen, die sich mit diesem Handlungsstrang beschäftigen, auf viele unterschiedliche Zeit- und Erzählebenen treffen. Der Einstand in Wa no Kuni läuft noch sehr gemächlich ab, was mitunter auch daran liegt, dass die Geschichte der Episoden aus dem Jahr 2019 schon kurz nach der Ankunft durch Bonusfolgen unterbrochen werden, die eine alternative Story der Strohhüte behandeln und daher eigentlich schon übersprungen werden können. Sonderlich spannend sind diese Folgen obendrein auch nicht. Was den ersten Folgen dieser Staffel an Inhalten fehlt, machen sie aber mit einem leicht veränderten Zeichenstil wieder wett. Schon vor dem Eintreffen in Wa no Kuni erinnern die Wellen des Meeres stark an Ukiyo-e, einem japanischen Zeichenstil, der häufig, aber nicht nur mit dem japanischen Farbholzschnitt in Verbindung gebracht wird. Auch diverse Charaktere und die Konturen von Lorenor Zorro erinnern daran. Es ist schön zu sehen, wie sich hier stilistisch ausgetobt wird, ohne gleich einen Bruch zu erzwingen. Kunsthistoriker dürften an dieser und wohl auch den weiteren Serienboxen der Wa-no-Kuni-Erzählung ihre wahre Freude beim Analysieren und Vergleichen haben. Storytechnisch muss diese aber besser werden!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Episoden 878 bis 902 der Serie): Auch wenn Anime und Manga für sich genommen schon eine Kunstform bilden, so ist es doch faszinierend, wie teils Jahrhunderte alte Stile ihre Rückkehr feiern. Die Anime-Serie One Piece nutzt unter anderem Merkmale des Ukiyo-e so dezent an der Darstellung einzelner Details, dass sie den Zuschauern zwar sofort ins Auge springen, diese die Einzelheiten aber als Teil des Gesamtbildes ohne mit der Wimper zu zucken akzeptieren. Aus einer kunsthistorischen Perspektive sind die Folgen der dreißigsten Serienbox durchaus ein spannendes Diskussionsthema. Storytechnisch können die Episoden aber leider nicht ganz überzeugen. Das liegt eigentlich nur daran, dass One Piece einmal mehr viel zu viele Rückblenden am Stück präsentiert und Bonusfolgen einbaut, die überhaupt nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben. Zusammengenommen bieten unterm Strich nur die Hälfte der Episoden wirklich neue Inhalte. Das ist vom Animationsstudio zwar gut gemeint, da teilweise wirklich weit zurückliegende Ereignisse dargestellt werden, doch gerade Fans, die einfach nur wissen wollen, wie es weitergeht, dürften sich daran stören. Damit fällt die 30. Serienbox leider etwas schwach aus, aber da sich One Piece erfahrungsgemäß schnell von solchen Strapazen erholt, bin ich zuversichtlich, dass es sehr schnell wieder aufwärts geht.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von One Piece: Box 30 (Episoden 878–902)!

Review: The King’s Bird

Independent-Videospiele versuchen sich häufig über einen besonderen Grafikstil zu identifizieren, um sie unvergesslich oder vielleicht sogar unsterblich zu machen. The King’s Bird aus dem Jahr 2018 sieht zwar gut aus und klingt noch besser, scheitert aber an der Spielbarkeit.

In The King’s Bird übernehmen wir die Kontrolle über eine nicht näher definierte Spielfigur, die in einer Stadt, welche in einer Art magischen Käfig steckt, gefangen ist. Versuche, den Käfig nach Osten oder Westen zu verlassen, scheitern kläglich. Ein womöglich feindseliger Charakter, das Spiel bleibt durchweg sehr kryptisch, kann die magische Barriere des Käfigs durchdringen und schickt uns fort. Neugierig wie wir sind, folgen wir dem Fremden in einen Turm und erhalten dort die Fähigkeit, durch die Lüfte zu gleiten. Freiheit ist das zentrale Thema der Handlung und genaugenommen auch des Gameplays, denn in zweidimensionalen Levels laufen, hüpfen und sausen wir wie die Vögel durch die Luft. Eine Inspirationsspritze erhielt The King’s Bird ganz klar von Super Meat Boy von 2010, denn weite Teile der Level-Architektur sind mit Dornen durchzogen, die wir nicht berühren dürfen. Sobald das Gestrüpp auch nur ansatzweise den Körper unserer Spielfigur tangiert, werden wir zum letzten Checkpoint zurückgeworfen. Selbiges gilt für eine unfreiwillige Wasserbombe in einen Teich oder den Sturz in einen Abgrund. Glücklicherweise liegen die meisten Kontrollpunkte in der Regel nur ein paar Sekunden zurück, sodass sich der Frust in The King’s Bird diesbezüglich auf ein Minimum reduziert. Es gibt jedoch andere Elemente, die uns hier und da wurmen.

Durchschnittliche Portierung

Eines dieser Ärgernisse ist die Steuerung. Vor allem in den ersten ein bis zwei Spielstunden fühlt sich diese nicht sonderlich rund an. Sobald jedoch einmal verinnerlicht ist, dass für das Laufen an Wänden die rechte und für das Gleiten in der Luft die linke Schultertaste gedrückt und gegebenenfalls mit dem Aktionsknopf kombiniert werden muss, fühlt sich das fast schon parkourartige Gameplay auf einmal sehr viel angenehmer an. Warum das Spiel jedoch häufig erkennt, dass beim Hochlaufen der Wand bei einem nach oben geneigten Analog-Stick dieser angeblich nach unten gedrückt sei, ist uns ein Rätsel. Insbesondere nach mehreren Sprungeinlagen, bei denen auch noch Vögel als Sammelobjekte aufgelesen werden möchten, sorgt das für reichlich Frust. Ebenso unschön sind die permanenten Einbrüche in der Bildwiederholungsrate: Niemals läuft The King’s Bird, selbst im stationären Betrieb der Nintendo Switch, wirklich flüssig. Dies wirkt sich teilweise negativ aufs Gameplay aus, denn knifflige Passagen, bei denen jeder Millimeter sitzen muss, werden so zu einer kleinen Tortur. Das Spiel kann in unseren Augen noch so schön sein und der Soundtrack das Geschehen noch so toll unterlegen, spielerisch ist The King’s Bird aufgrund dieser Defizite leider nur durchschnittlich. Wer die Möglichkeit hat und sich fürs Spiel interessiert, sollte zur etwas besseren PC-Version greifen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Switch-Fassung): The King’s Bird mag auf den ersten Blick ein zumindest optisch schönes Spiel sein. Das ist es auch, denn der Grafikstil, der mich an Titel wie Der Schattenläufer erinnert, ist sehr beeindruckend. Hinzu kommt, dass das Abenteuer mit einem fantastischen Soundtrack unterlegt ist und sogar die Emotionen der Spielfiguren auf diese Weise ausgedrückt werden können. Auch thematisch trifft das Spiel mit seinem Gameplay voll ins Schwarze: Selten wird in einem Videospiel das Freiheitsgefühl so treffend eingefangen. Diese Lorbeeren gehen jedoch mit nicht von der Hand zu weisenden Defiziten in Form von Steuerungsaussetzern und unterschiedlich starken, aber permanenten, Einbrüchen in der Bildwiederholungsrate einher. Unter beiden Kritikpunkten leidet das Gameplay mehr oder weniger stark und sorgt damit für einige repetitive Frustmomente. So gerne ich The King’s Bird aufgrund Optik, Akustik und Thematik auch haben möchte, spielerisch bleibt der Titel nur durchschnittlich. Einzig und allein hartgesottene Genre-Fans werden hier glücklich.

 

Prime Time: Black Clover (Vol. 9, Unboxing)

Vor ein paar Wochen haben wir euch die neunte Serienbox der Anime-Serie Black Clover im Rahmen einer Rezension vorgestellt. Mit diesem Unboxing-Video möchten wir euch auch über die haptischen und optischen Merkmale der neunten Ausgabe informieren. Viel Spaß mit unserem Unboxing-Video!

Review: Wonder Boy Anniversary Collection

Zwischen 1986 und 1994 machte die Wonder-Boy-Reihe eine wilde Fahrt durch und erlebte sowohl Höhen als auch Tiefen – und das auch noch in verschiedenen Genres. Anfang 2023 wurden die sechs Serienteile inklusive verschiedener Versionen erneut zugänglich gemacht.

Ältere Semester werden sich noch gut an die Wonder-Boy-Reihe erinnern, die in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren zwar nur kurz aufblühte, doch dafür eine umso schnellere Entwicklung durchmachte. Die Wonder Boy Anniversary Collection, die Ende Januar 2023 unter anderem für die Switch veröffentlicht wurde, steht maßgeblich für diese Pionierjahre in der Geschichte der Videospiele. Enthalten sind in dieser Kollektion alle sechs wichtigen Titel des Franchises. Wonder Boy, Wonder Boy in Monster Land, Wonder Boy III: Monster Lair, Monster World II, Monster World III und Monster World IV können aus dem Hauptmenü der Sammlung gewählt werden. Darüber hinaus enthält die Jubiläumsausgabe nicht nur alle Titel der Reihe, sondern darüber hinaus noch verschiedene Fassungen von ein und demselben Spiel. Wer also mit der Arcade-Variante von Wonder Boy aufgewachsen ist und niemals den Controller einer Konsolenversion in der Hand hielt, kann genauso in Erinnerungen schwelgen wie umgekehrt. Zwar versäumt die umfangreiche Wonder Boy Anniversary Collection tatsächlich alle Fassungen der jeweiligen Spiele an den Fan zu bringen, doch ist das in unseren Augen nicht ganz so schlimm wie es klingt. Die Sammlung gibt trotz allem einen angemessenen Serienüberblick. Die allergrößten Puristen dürften sich womöglich trotzdem daran stören.

Vielfältiges Erscheinungsbild

Wer an das Wonder-Boy-Franchise denkt, hat sehr oft das Bild des Action-Adventures im Kopf, das vor allem Wonder Boy III: The Dragon’s Trap geprägt hat. Womöglich fragt ihr euch jetzt, warum dieser Titel in der oberen Aufzählung nicht genannt wurde. Das wurde er, aber als Monster World II. Tatsächlich bedient sich die Sammlung im Menü überwiegend den Originaltiteln und noch dazu in der abgekürzten Form, sodass dies bei dem einen oder anderen Spieler, der die europäischen oder amerikanischen Bezeichnungen im Kopf hat, für zusätzliche Verwirrung sorgen kann. Durch die Einblendung der Titelbildschirme bei der Wahl der unterschiedlichen Spiele und Versionen findet aber jeder Fan schnell die von ihm oder ihr bevorzugte Fassung. Kennt ihr euch nicht mit der Videospielreihe aus, hilft aber auch das nicht viel, denn wie eingangs erwähnt, bedient die Serie unterschiedliche Genres. Somit enthält das Paket nicht nur Action-Adventures, sondern auch Jump ’n’ Runs und Shoot ’em ups. Auf der einen Seite könnte das abschrecken, da Monster World III ein einflussreiches Spiel in der Historie darstellt, aber gerade diese Vielfältigkeit sorgt für abwechslungsreiches Gameplay. Vor allem jene Spieler, die gerne unterschiedliche Genres spielen, werden mit der Wonder Boy Anniversary Collection mehr als nur zufrieden sein und die Spiele verschlingen.

Arcade-Action und Action-Adventures

Mit Wonder Boy von 1986 erwartet euch ein klassisches Jump ’n’ Run im Arcade-Stil. Um im Level voranzukommen, müssen wir laufen, über Felsen und Feuerstellen springen, mit Steinäxten Gegner aus dem Weg räumen und dabei Früchte einsammeln, die die uns zur Verfügung stehende Zeit verlängern. So schnell das Spielprinzip verinnerlicht ist, so flott fällt auch das Gameplay aus. Beim Nachfolger Wonder Boy in Monster Land aus dem Jahr 1987 sind nur noch bedingt Merkmale des Arcade-Debüts zu erkennen. Hierzu zählt zum Beispiel die uns zur Verfügung stehende Zeit, die uns erbarmungslos davonläuft. Trotz allem legt der zweite Serienteil die Grundlagen für jene Elemente, die wir auch Jahrzehnte später mit der Reihe in Verbindung bringen. So attackieren wir Gegner mit einem Schwert, sammeln Goldmünzen und können diese gegen nützliche Upgrades wie einen Schild bei Händlern investieren, um damit gegen Pfeile gefeit zu sein. Wonder Boy III: Monster Lair schmiss dieses Konzept im Jahr 1988 aber wieder über den Haufen. Bei dieser Episode handelt es sich um ein Shoot ’em up. Auf der einen Seite hüpfen wir über Abgründe und schießen Geschosse auf Gegner, auf der anderen Seite scrollt der Bildschirm automatisch weiter. In regelmäßigen Abständen erwarten uns daneben Flugsequenzen, in denen wir uns riesigen Bossgegnern stellen.

Schlussstrich einer sechsjährigen Entwicklung

Monster World II von 1989 springt wieder ins Action-Adventure-Gefilde und entfernt sich vom Arcade-Gameplay, das sich durch die vorherigen Teile zieht. Mit frischen Ideen wie Verwandlungsmöglichkeiten bohrten die Entwickler das Konzept gehörig auf. So können wir gewisse Areale der Spielwelt nur in einer bestimmten Form erreichen. Grafisch opulenter fällt Monster World III von 1991 auf. Vor allem sorgt die überaus große Spielwelt durch die technischen Möglichkeiten des Sega Mega Drive für eine noch stärkere Immersion. Monster World IV bildete 1994 nach dreijähriger Pause den Schlusspunkt der Reihe. Anstatt jedoch eine große zusammenhängende Welt zu bieten, entführt uns das Spiel nach und nach in größere abgesteckte Gebiete. Abgesehen von diesem Aspekt spielt sich der Titel aber wieder wie die vorherigen Action-Adventures der Reihe. Manche dieser Titel oder Inhalte kommen euch mitunter bekannt vor. So existieren mit Wonder Boy: The Dragon’s Trap und Wonder Boy: Asha in Monster World auch Remakes für die Switch und weitere Plattformen. So hat das Verwandeln in tierische Gestalten zudem Einzug in den spirituellen Nachfolger Monster Boy and the cursed Kingdom von 2018 gefunden. Letzteres Abenteuer wäre ohne den Großteil der in der Wonder Boy Anniversary Collection enthaltenen Spiele nicht möglich gewesen.

Komfort für eine neue Generation

Dass die sechs enthaltenen Spiele mit ihren unterschiedlichen Versionen einen nicht gerade kleinen Einfluss auf das Action-Adventure-Genre ausgeübt haben, auch wenn die meiste Arbeit auf Spiele wie The Legend of Zelda oder Metroid zurückzuführen ist, dürfte spätestens jetzt jedem von euch bewusst sein. Aufgrund ihres Alters lassen sich die Werke von Entwicklerstudio Westone Bit Entertainment heutzutage zwar noch gut, aber besonders für jüngere Spieler wohl nicht zugänglich genug spielen. Dass haben sich auch die Verantwortlichen für die Neuveröffentlichung gedacht und den Spielen Komfortfunktionen verpasst. So können wir das Geschehen auf Knopfdruck jederzeit vor- und zurückspulen. Außerdem dürfen wir jetzt für jede einzelne Version eines Spiels jederzeit bis zu sechs Spielstände anlegen. Noch dazu stehen uns Optionen zur Verfügung, die ins Gameplay greifen. So können wir zum Beispiel wählen, bei wie vielen Punkten wir ein Bonusleben erhalten oder mit wie vielen Versuchen wir das Spiel beginnen. Unterschiedliche Filter und Hintergründe sind ebenso mit an Bord wie zahlreiche Artworks als angenehme Beilage. Wer die Spiele nachholen möchte, erhält mit der Wonder Boy Anniversary Collection die dafür beste Gelegenheit. Auch wenn in der Zwischenzeit die Remakes die Originale überflügelten, macht die Kollektion noch immer Spaß.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Mit der Ende Januar 2023 veröffentlichten Wonder Boy Anniversary Collection ist es kinderleicht möglich, das ganze Franchise inklusive unterschiedlicher Versionen der einzelnen Spiele nachzuholen. Damit bedient die Sammlung sowohl Arcade-Fans als auch jene Spieler, die mit den Titeln vor dem heimischen Fernseher aufgewachsen sind. Zwar enthält die Sammlung nicht jede einzelne Fassung der enthaltenen Werke von Westone Bit Entertainment, aber sie geben einen sehr guten Überblick über die Marke. Die Sammlung bietet mit Jump ’n’ Runs, Shoot ’em ups und Action-Adventures zudem eine gelungene wie abwechslungsreiche Mischung. Sie zeigen die temporeiche Entwicklung, die die Serie durchgemacht hat. Bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten Versionen der Spiele wirklich gut spielbar. Aufgrund veralteter Mechaniken, die insbesondere jüngeren Spielern ein Dorn im Auge sein könnten, verfügt die Kollektion über mehrere Komfortfunktionen, bei denen sich vor allem die Rückspulfunktion positiv bemerkbar macht. Für Fans von Retro-Spielen, die die Wonder-Boy-Reihe nachholen wollen, gibt es derzeit keine bessere Möglichkeit, als bei dieser umfangreichen Sammlung zuzugreifen!

Review: Yōkai Watch (Band 17)

So wirklich kommt die Manga-Reihe Yōkai Watch nicht aus ihrem Tief heraus. Es ist schon der dritte Band in Folge, der nicht so wirklich zu überzeugen weiß. Das ist durchaus schade, da die Marke unglaublich viel Potenzial bietet. Im siebzehnten Band fährt der Manga in insgesamt elf Kapiteln auf insgesamt 194 Seiten das inzwischen gewohnte Programm ab. Das heißt im Klartext, dass Protagonist Nathan, sein Yōkai-Butler Whisper und der drollige Jibanyan Bekanntschaft mit unterschiedlichen Yōkai machen, die abermals jede Menge Schabernack treiben. Das Schließen von Freundschaften mit den Yōkai hat jedoch bereits in den letzten Ausgaben stark abgenommen. Obwohl der Leser nach Abschluss des Bandes bereits das 178. Kapitel betrachtet hat, ist Nathans Freundeskreis unter den Yōkai noch nicht einmal im dreistelligen Bereich. Beinharte Fans der Videospielvorlage, die schon hunderte Exemplare mehr kennen, dürfte das zu wenig vorkommen. Tatsache ist, dass eine eher überschaubare Anzahl sehr wohl dabei helfen könnte, die Geschichte bodenständiger zu gestalten. Allerdings nutzt Konishi Noriyuki, Autor und Zeichner des Mangas, diese Möglichkeiten nicht aus. Viel zu oft wirken Yōkai zufällig platziert, weil sie gerade gut in die Story passen. Das macht zwar einen guten Teil des Humors aus, doch leidet die Handlung inzwischen erheblich darunter.

Level-5s schlechter Umgang mit der Marke

Yōkai Watch ist dadurch immer noch kein schlechter Manga. Es macht sehr viel Spaß, in die abstrusen Situationen abzutauchen und einige Gags zünden sogar deutlich besser als die Jokes der letzten Bände. Beispielsweise passt plötzlich Nathans Haustürschlüssel in ein Schloss einer Tür, die er vorher noch gar nicht gesehen hat. Jibanyan und Whisper fallen hierbei fast vom Glauben ab. An anderer Stelle wird durch einen Angriff die Erdkugel in zwei Hälften gespaltet – und dann tauchen plötzlich auch noch Superhelden-Yōkai auf, die entfernt an Batman und Deadpool erinnern. All das macht den Manga, besonders für jüngere Leser, die empfänglich für diese Art von abgedrehtem Humor sein könnten, definitiv lesenswert. Am Ende bleibt jedoch die Frage, welches Ziel der Manga eigentlich erreichen will. Mehr und mehr kommt der Eindruck auf, als sei der Manga nur ein Begleitheft. So taucht mit Martin plötzlich ein Charakter auf, der im Videospiel Yōkai Watch 4 aus dem Jahr 2019 seinen ersten Auftritt hat. Zum Veröffentlichungszeitpunkt des Mangas am 4. November 2021 war das Spiel aber noch gar nicht außerhalb Japans erhältlich und ist es auch über ein Jahr später noch nicht. Darüber hinaus gibt es Randnotizen, die teilweise sogar Spoiler auf andere Werke des Franchises haben. Es ist eine Schande, wie Level-5 außerhalb Japans mit der Marke umgeht. Dafür kann der Manga zwar nichts, aber er leidet leider unter diesen Entscheidungen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Auch wenn der siebzehnte Band eine leichte Steigerung seit der letzten Ausgabe darstellt, ist die Yōkai-Watch-Reihe noch weit davon entfernt, an anfängliche Erfolge anzuknüpfen. Inzwischen läuft mit der Marke so viel schief, worunter der Manga erheblich leidet. Das ist in erster Linie Lizenzgeber Level-5 geschuldet, aber selbst ein Leser, der sich nicht für die Videospiele oder den Anime begeistert, sollte den Manga als ein selbstständig funktionierendes Werk wahrnehmen können. Das ist leider nicht oder eher gesagt nicht mehr der Fall. Zum wiederholten Male setzt der Manga entweder Wissen aus den Videospielen voraus oder erwähnt diese Fakten in Randnotizen, die eindeutig als Spoiler fungieren und auf Werke hinweisen, die außerhalb Japans oder zumindest noch nicht in Europa veröffentlicht wurden. Dem Manga kann dies nur halbwegs angekreidet werden. Es ist Level-5s Umgang mit der Marke, die Fans seit Jahren sauer aufstoßen. Es mag sein, dass Yōkai Watch außerhalb Japans nicht der große Erfolg beschert ist, aber wenn Teile der Marke so dem Ruf schaden, sollte sich der Lizenzgeber mit dem Autor der Vorlage zusammensetzen und über einen Richtungswechsel nachdenken. So gelungen der Humor in vielen Fällen ist, so sehr könnte die Story einen Aufschwung verdienen – und mit ihrer ursprünglichen Symbiose könnten die Leser der Yōkai-Watch-Reihe davon auch in Zukunft profitieren!

Vielen Dank an Kazé Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Yōkai Watch (Band 17)!

Review: Neon Genesis Evangelion [Perfect Edition] (Band 2)

Nach einer Reihe von Katastrophen hat sich die Weltbevölkerung zwischen den Jahren 2000 und 2015 halbiert. Außerdem muss sich die Menschheit mit den sogenannten Engeln herumschlagen, die in regelmäßigen Intervallen angreifen. Woher diese Engel kommen, weiß in der Welt von Neon Genesis Evangelion niemand so richtig. Fakt ist, dass die übermächtigen Angreifer unter allen Umständen aufgehalten werden müssen, um das Überleben der Menschen auf der Erde zu sichern. Als Austragungsort dieser Kämpfe hält Japan her. Im ersten Band der als Perfect Edition neu aufgelegten Reihe erfährt der Leser die Hintergründe über Story, Setting, Szenario und Charaktere. Auf dieser Grundlage baut der zweite Band auf. Genau wie bei der ersten Ausgabe ist auch der zweite Band in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil des Mangas beschäftigt sich stark mit der Figur Ayanami Rei, bei der es sich um eine Pilotin einer der mecha-artigen Allzweckkampfmaschinen, den titelgebenden Evangelions oder kurz EVAs, handelt. Im Mittelpunkt der Erzählung steht zum einen die zwischenmenschliche Beziehung zu Ikari Shinji, dem zweiten EVA-Piloten. Zum anderen ist aber auch das Verhältnis von Rei zu Shinjis Vater Gendō nicht unerheblich. Dies belastet das auch so kaum vorhandene Vater-Sohn-Verhältnis umso mehr. All das spielt sich um den Kampf gegen den nächsten Engel ab.

Neue tiefgründige Charaktere

Neon Genesis Evangelion zeigt auch im zweiten Band der Perfect Edition, wie komplex und umfangreich das auf einer Idee von Regisseur Anno Hideaki basierende Werk von Zeichner Sadamoto Yoshiyuki ist. Obwohl sich der Manga stark mit dem Konflikt zwischen Menschen und Engeln auseinandersetzt, stehen die vielschichtigen Charaktere im Vordergrund. Gerade die zweite Hälfte des zweiten Bandes steht hierfür exemplarisch. Mit Sōryū Asuka Langley und Kaji Ryōji werden hier zwei Charaktere eingeführt, die sich organisch in das Charakterensemble einfügen. Asuka hebt ihre Stellung in der Gesellschaft auf Basis ihrer Herkunft hervor. Kaji, der in der Regel bei seinem Nachnamen genannt wird, ist hingegen für die Institution NERV tätig, worüber er auch Katsuragi Misato und Akagi Ritsuko kennt, zu denen er ein romantisches oder gar sexuelles Verhältnis (wieder)aufbauen will. Nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell gelingt es Sadamoto einmal mehr, die Bilder für sich sprechen zu lassen. So sticht jedes einzelne Panel mit zahlreichen Details hervor. Das führt dazu, dass die Aufmerksamkeitsspanne des Lesers gefordert wird. Dieser verweilt länger als bei vielen anderen Manga bei den Zeichnungen, was abermals für die hohe Qualität der Reihe steht. Wer bereits seine Freude mit dem ersten Band hatte, darf auch beim zweiten hervorragenden Band zugreifen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Neon Genesis Evangelion setzt die Story im zweiten Band unmittelbar fort. Wer also den ersten Band gerade erst gelesen hat, muss keinen Bruch in der Erzählstruktur erwarten. In dieser Disziplin brilliert der zweite Band ohnehin in jedem Kapitel. Der Leser wird in einen Lesefluss geworfen, den bis vielleicht auf die sehr hohe Seitenzahl so schnell nichts stoppen kann. Auf 346 Seiten bekommt der Leser vor allem tiefgründige Charaktere vorgesetzt, die in komplexen Sachverhalten ihren Weg gehen. Eingewickelt ist all das in grandiose Mecha-Action und einigen aufgeworfenen Mysterien, die in den nächsten Bänden sicherlich noch in der einen oder anderen Form thematisiert werden. Das von Anno Hideaki erdachte und von Sadamoto Yoshiyuki in Manga-Form umgesetzte Universum ist interessant und entwickelt mehr und mehr eine Tiefe, deren Grund im zweiten Band aber noch nicht absehbar ist. Es bleibt also spannend, wie sich die Geschichte in den nächsten fünf Bänden entwickeln wird. Wer den ersten Band bereits gelesen hat und noch Lust nach mehr verspürt, kommt um die zweite Ausgabe der Perfect Edition nicht herum!

Vielen Dank an Carlsen Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Neon Genesis Evangelion [Perfect Edition] (Band 2)!

Abbildungen: AIZOUBAN NEON GENESIS EVANGELION © Yoshiyuki Sadamoto 1994, KADOKAWA CORPORATION

Review: Vinland Saga (Vol. 2)

Im April 2022 erschien die erste Ausgabe der Anime-Serie Vinland Saga beim Herausgeber Kazé Anime in hiesigen Gefilden. Auf die Fortsetzung mussten Fans nicht lange warten, da bereits im Mai 2022 das zweite Episodenpaket mit noch mehr Wikinger-Action folgte.

Schon in der ersten Volume gibt es einen essentiellen Zeitsprung, der für die Erzählung der Geschichte notwendig ist. So begleitet der Zuschauer den Protagonisten Thorfinn vor allem durch seine Jugend. Beginnend im Alter von sechs Jahren lernt er erst den unschuldigen Thorfinn kennen, wie er sich auf das Schiff seines Vaters schmuggelt, der in den Krieg zieht. Nach dem Tod des Vaters wird Thorfinn von dessen Mörder Askeladd großgezogen. Im Alter von zwölf Jahren wird er bereits als Brandschatzer von Askeladd und seinen Männern benutzt. Inzwischen ist die Anime-Serie im Jahr 1012 angelangt und Thorfinn ist mittlerweile 16 Jahre alt und damit nahezu zum Mann gereift. Abgezogen aus England versuchen Askeladd und seine Truppe in Frankreich neue Schätze zu plündern. So beginnt die zweite Ausgabe von Vinland Saga mit dem Erstürmen einer Festung am Fluss Loire. Thorfinn ist inzwischen ein todesmutiger Kämpfer, der einen Gegner nach dem anderen ins Jenseits befördert. So ist er inzwischen genau zu dem Menschen geworden, was sein Vater am liebsten gänzlich vermieden hätte. Seinen Rachegedanken hat Thorfinn in all dieser Zeit aber nie verloren. Ein Ziel der Handlung von Vinland Saga bleibt nach wie vor das Fordern eines Zweikampfes mit Askeladd, um Thors zu rächen. Ob dies Thorfinn den Frieden bringt, darf bezweifelt werden.

Schonungslose Darstellung des Kriegs

Wie so ein Zweikampf zwischen Thorfinn und Askeladd aussieht, kann der Zuschauer in der zweiten Folge der zweiten Volume sehen. Ebenfalls zu sehen ist, dass der Krieg ungeschönt dargestellt wird. Wenn Körperteile abgetrennt werden und ordentlich Blut vergossen wird, ist jederzeit die Aussage zu spüren, dass Krieg nur Leid kennt. Auch wenn hier und da natürlich von Ruhm und Ehre die Rede ist, findet de facto keine Romantisierung statt. Trotzdem hat die Anime-Serie von Studio Wit den Auftrag, den Zuschauer zu unterhalten. Dies gelingt ihr sowohl mit der schonungslosen Darstellung der Kämpfe, die definitiv keine Grenzen kennt, als auch mit den gut geschriebenen Dialogen. Jeder Charakter strebt in gewisser Weise nach Höherem und hat seine eigenen Ziele, vor allem aber muss es mehr und mehr davon sein. Handlungsbogen für Handlungsbogen arbeitet Vinland Saga verschiedene Schlachten ab, bei denen es mehr und mehr zu erobern und zu plündern gibt. Der nächste Zeitsprung führt die Wikinger im Jahr 1013 wieder zurück nach England. Allerdings stoppt die Invasion vor den Toren Londons, denn der Wikinger Thorkell ist offenbar übergelaufen und begrüßt Floki und die anderen Akteure bei der Überfahrt auf der Themse. Thorkell denkt nicht an Kapitulation und in die Hände von König Sven zurückzukehren. Der Krieg geht weiter und bringt Leid.

Vermischung von Geschichte und Kreativität

Wikinger und die nordische Mythologie sind aus der Populärkultur nicht mehr wegzudenken. Fernsehserien wie Vikings oder Spiele wie God of War aus dem Jahr 2018 zeigen gut, wie historische Fakten, mythologische Vorstellungen und kreative Ideen der Schöpfer Hand in Hand gehen. Basierend auf dem Manga von Zeichner Yukimura Makoto ist das Phänomen auch bei Vinland Saga zu erkennen. Historiker dürften sich an den vielen Freiheiten stören, doch wer mit einem Augenzwinkern an so manche Schlachten und Ideen herangeht, wird seine wahre Freude mit der Anime-Serie haben. Im bildschirmfüllenden 16:9-Format und in der Full-HD-Auflösung kann die Serie visuell glänzen. Die hochauflösenden Umgebungen und die detaillierten Charaktermodelle ergeben mit den flüssigen Animationen ein grandioses Gesamtbild. Hinzu kommen tolle und diesmal geradezu heroisch wirkende Musikstücke, die im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 aus den Lautsprechern trällern. Bei der Vertonung gibt es ebenso nichts zu bemängeln. Vor allem die deutsche Synchronisation überzeugt mit Sprechern wie Torsten Michaelis und Nico Sablik auf ganzer Linie. Im Originalton gibt es dafür die lebende Legende Uchida Naoya und den Sprecher Uemura Yūto zu hören. Als Bonus erhält der Käufer neben einem 24-seitigen Booklet noch ein Poster und Sticker dazu.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die erste Ausgabe von Vinland Saga legt eine gesunde wie gelungene Grundlage, die Lust auf mehr macht. Diese Lust kann die zweite Volume der Anime-Serie auf der einen Seite wunderbar stillen. Das Setting wird im Anime-Sektor einfach viel zu selten genutzt. Auf der anderen Seite macht jedoch auch das zweite Episodenpaket noch sehr viel mehr Lust auf mehr. Es macht einfach richtig Laune, dem Werdegang von Thorfinn zu folgen – und das obwohl die Serie alle Gegebenheiten gar nicht romantisiert, sondern ungeschönt darstellt. Auf einen Krieg folgt nur Leid und diese Aussage trifft Vinland Saga immer wieder. So feiern die Wikinger zwischen all den Leichen ihrer Feinde ihre Siege, betrinken sich und planen schon den nächsten Schlachtzug, was abartig und widerlich ist. Durch die unterschiedlichen Charaktere, die all ihre eigenen Ziele verfolgen, kann die Handlung so noch eine ganze Weile vorangetrieben werden. Vinland Saga gelingt es richtig gut, sich zu entfalten. So darf es in der dritten Volume gerne weitergehen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Vinland Saga (Vol. 2)!