Mit der Schließung des Entwicklerstudios AlphaDream im Jahr 2019 fand die Mario-&-Luigi-Reihe ein jähes Ende. Seither mussten Fans bangen, ob die Serie zurückkehren würde. Mario & Luigi: Brothership erlöste im November 2024 die Fans – allerdings mehr schlecht als recht.
Bevor ihr die Mistgabeln herausholt, solltet ihr bedenken, dass ein Urteil immer sehr subjektiv ist. Mario & Luigi: Brothership scheint eines der wenigen Spiele zu sein, die stark polarisieren können. Manchen gefällt die Fortsetzung der Serie und sind Nintendo dankbar, mit Acquire ein durchaus fähiges Entwicklerstudio gefunden zu haben. Anderen wiederum fallen derart viele Designschnitzer auf, die den Spielspaß durchweg trüben. Wir müssen uns zu letzterer Kategorie zählen, die schon bei Story, Spielwelt und Charakterdesign die Krise bekommen, doch der Reihe nach: Ein weiteres Mal schlüpfen wir in die Haut der beiden titelgebenden Klempner Mario und Luigi, die seit den 1980er-Jahren zum festen Nintendo-Ensemble gehören. Diesmal landen sie in der ulkigen Welt Konektania, die von Figuren mit Steckdosengesichtern bewohnt wird. Konektania hat jedoch zwei große Probleme. Einerseits ist die einstige große Landmasse in mehrere Inseln zerbrochen, die zu allem Unglück durch die Meeresströmungen voneinander getrennt bleiben. Andererseits sieht sich das Land einer aufkeimenden Bedrohung durch den fiesen Steckdov ausgesetzt, der alles und jeden voneinander isolieren will. In Mario & Luigi: Brothership müssen wir also erneut unseren Mut zusammen nehmen, die kunterbunte Welt bereisen, Konektania verbinden und Steckdov das Handwerk legen.
Austauschbare Nebenfiguren
Grundsätzlich klingt dies nach dem Auftakt zu einem märchenhaft und humorvoll erzählten Abenteuer. Allerdings kommt die Handlung nur sehr langsam in Fahrt. Die illustren Figuren, die wir auf unserer Reise kennenlernen, mögen zwar einzigartig sein, doch können wir ihnen kaum etwas abgewinnen. Lediglich die beiden wichtigsten Akteure, Connetta und Wattz, fallen uns durchweg positiv auf. Während sich Connetta fürsorglich um den großen Baum Konektarbor kümmert, über den wir im Verlauf des circa fünfzigstündigen Rollenspiels peu à peu die Inseln anbinden, hilft uns das fliegende Schweinchen Wattz mit Ratschlägen weiter. Die anderen Figuren sind eher Mittel zum Zweck, denn durch die nicht direkt zusammenhängende Spielwelt erleben wir auf den einzelnen Inseln nur kleinere ein- bis zweistündige Abenteuer. Entsprechend sehen wir einen Großteil der Nebenfiguren in Mario & Luigi: Brothership nur selten wieder – und oft nur dann, wenn wir uns auch auf die mau erzählten Nebenquests einlassen. Apropos Nebenaufgaben: Manche dieser Quests haben ähnlich wie in Ys IX: Monstrum Nox ein Ablaufdatum. Sobald wir also einen bestimmten Punkt in der Story erreicht haben, können wir manche Nebenquests nicht mehr abschließen. Das Spiel bleibt jedoch fair und weist uns mit Einführungstexten mehr als nur einmal auf diesen Umstand hin.
Repetitive Mini-Abenteuer
Um eine Insel in Mario & Luigi: Brothership anzusteuern, wechseln wir auf eine Übersichtskarte und fahren mit der Kapitarbora, halb Schiff und halb Insel, über die Meeresströmungen zum Zielort. Ein wenig erinnert dies an The Legend of Zelda: Spirit Tracks, ist aber nicht ansatzweise so spaßig wie in besagtem Action-Adventure. Ist eine Insel in der Nähe, schauen wir uns mit dem Fernrohr um und katapultieren uns mit der Kanone auf das neu entdeckte Eiland. Die verhältnismäßig kurzen beziehungsweise selten ausufernden Ausflüge verlaufen allerdings häufig nach demselben Schema. Wir lösen eines oder mehrere Probleme und erhalten so Zugriff auf neue Orte. Unterwegs bekämpfen wir zahlreiche Gegner in genauso zahlreichen wie rundenbasierten Kämpfen, werden mit erlangten Erfahrungspunkten schrittweise stärker, plündern Fragezeichenblöcke, um Münzen und Items zu erhalten, decken uns bei den Händlern mit neuer Ausrüstung ein und bewältigen hier und da Minispiele. Am Ende klettern wir hoch zum Leuchtturm, den wir dann mit der Kapitarbora beziehungsweise dem Konektarbor verbinden. Etwas erinnert dieses Konzept an die älteren Ableger der Assassin’s-Creed-Reihe, ist aber zum Glück nicht ganz so repetitiv. Trotzdem kann das Konzept von Mario & Luigi: Brothership auf Dauer ermüden, da uns schlicht und einfach die Abwechslung fehlt.
Fehlender Abwechslungsreichtum
Auffallend ist dieses Defizit an den rundenbasierten Kämpfen zu bemerken – und damit meinen wir noch nicht einmal den grundlegenden Action-Anteil der Auseinandersetzungen. Mit Sprüngen und Hammerangriffen geht es den Gegnern an den Kragen. Im richtigen Moment müssen wir, wie wir es auch aus sämtlichen vorherigen Serienteilen kennen, den Aktionsknopf drücken, um den Schaden zu maximieren. Umgekehrt können wir, wenn das Action-Kommando stimmt, so auch feindlichen Attacken ausweichen. Beide Angriffsarten gehen flott von der Hand, richten aber nur bedingt Schaden an. Selbst wenn wir mit den beiden Klempnern ein paar Stufen aufgestiegen sind, merken wir nur minimale Unterschiede. So ziehen sich die Kämpfe von Mario & Luigi: Brothership gerade in der zweiten Spielhälfte. Abhilfe sollen Paar-Angriffe verschaffen. Problematisch ist hierbei, dass wir aufgrund der unfassbar in die Länge gezogenen Handlung nur circa alle fünf bis acht Spielstunden eine neue Fähigkeit erhalten. So führen wir über Stunden hinweg immer wieder nur denselben Paar-Angriff aus, zumal wir bei jeder Fähigkeit für dreißig exzellent abgeschlossene Attacken Boni in Form von seltenen Gegenständen erhalten. Somit sorgt das Spiel bereits mit seinen eher wenig durchdachten Mechaniken dafür, dass das Geschehen abwechslungsarm bleibt.
Technischer Knockout
Auch bei den Minispielen von Mario & Luigi: Brothership, die überwiegend in die Story eingearbeitet sind und abzuschließen sind, solltet ihr frustresistent sein. Macht ihr auch nur einen Fehler, müsst ihr von Vorne beginnen. Zwar werdet ihr nach ein paar verlorenen Versuchen, genauso wie bei vielen Kämpfen, gefragt, ob der Schwierigkeitsgrad temporär gesenkt werden soll, doch hätte uns ein anpassbarer Schwierigkeitsgrad mehr zugesagt. Hinzu kommt, dass die Technik durchwachsen ist. Egal ob ihr im stationären Betrieb oder im Handheld-Modus der Switch spielt: In fast allen Arealen müsst ihr mit leichtem Dauerruckeln Vorlieb nehmen. Dieses wird auf der Kapitarbora zunehmend schlimmer, da sich mit der Zeit immer mehr Akteure auf dem Schiff-Insel-Hybrid niederlassen. Auf den Inseln, wo sich Gegner tummeln, kann das leichte Ruckeln dazu führen, das Präventivangriffe daneben gehen, oder die Feinde den Spieß umdrehen. Wechselt ihr vor einem Kampf ins Menü, um euch zu heilen, könnt ihr beim Zurückwechseln kurzzeitig nicht reagieren – die Gegner aber schon. Die Kämpfe laufen zwar deutlich flüssiger, doch scheint es hier Probleme mit der Latenz zu geben, sodass unsere Eingaben oft nicht rechtzeitig erkannt werden. In Zusammenhang mit ein paar verhältnismäßig unfair agierenden Gegnertypen geben die technischen Defizite Mario & Luigi: Brothership den Rest. Spielt lieber (noch einmal) die alten Serienteile!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Obwohl ich in der Vergangenheit immer wieder meinen Spaß mit der Rollenspielreihe hatte, fällt Mario & Luigi: Brothership von der einstigen Qualität ab. Die Story mag nett erzählt sein und ein paar tiefgehende Momente bieten, doch ist sie schlicht zu lang. Auch die frischen Charaktere können mich bis auf Wattz nicht wirklich begeistern. Erst zum Ende des Spiels, wenn die typischen Super-Mario-Feinde plötzlich mitmischen, kommt Schwung in die Handlung. Vielmehr stört mich aber, dass es ewig dauert, bis das Gameplay zündet. So fallen gerade in den ersten Spielstunden die Kämpfe aufgrund fehlender Spezialangriffe durchweg gleich aus. Da nur alle fünf bis acht Stunden neue Paar-Attacken hinzukommen, öden mich die zahlreichen Auseinandersetzungen zunehmend an. Zudem könnte ich aufgrund der technischen Probleme die Switch an die Wand schmeißen. So vernehme ich ein nerviges Dauerruckeln auf der Oberwelt. Dies sorgt zum Teil dafür, dass viele Präventivangriffe aufgrund der viel zu genauen Kollisionsabfrage daneben gehen. In den Kämpfen selbst läuft alles weitgehend flüssig, aber die Latenzzeit zur korrekten Umsetzung beim Timing der Action-Befehle macht mir oft genug einen Strich durch die Rechnung. Für mich ist Mario & Luigi: Brothership wieder eines dieser Spiele, die mit viel zu vielen unnötigen Inhalten aufgebläht und zudem unsauber programmiert sind. Spielt auf der Switch lieber Super Mario RPG oder Paper Mario: Die Legende vom Äonentor, wenn euch der Sinn nach einem guten Super-Mario-Rollenspiel ist!
Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mario & Luigi: Brothership!








































































































































