Review: Dragon Ball Z Kai (Box 4, Episode 55-69)

Während die ersten beiden Serienboxen von Dragon Ball Z Kai wunderbar gezeigt haben, wie man eine langgestreckte Handlung sehr gut komprimieren kann, fühlten sich die Episoden der dritten Serienbox dennoch etwas zu leer an. Die vierte Serienbox will es wieder richten.

Ein ganzes Jahr ist vergangen, seit Son Gokū auf dem Planeten Namekku seinen bisher stärksten Gegner Furīza erledigt hat. Seitdem herrscht Frieden auf der Erde. So dachten wir jedenfalls, denn der Außerirdische hat sowohl Son Gokūs letzten Angriff, als auch die von ihm ausgelöste Explosion des Planeten überlebt. Der noch viel mächtigere Korudo Daiō sammelt die Überreste seines Sohnes Furīza auf und lässt ihn zusammenflicken. Gemeinsam machen sich Vater und Sohn auf, um die Erde zu überfallen und schließlich Son Gokū, der sich nach seiner Auszeit wieder auf dem Weg in seine Heimat bewegt, zu töten. Da sich Furīza, sein Vater Korudo Daiō und ihre Schergen bis zu Son Gokūs Ankunft auf dem Planeten noch drei Stunden gedulden müssen, planen sie, die gesamte Erdbevölkerung zu töten. Just in diesem Moment taucht ein unbekannter Schwertkämpfer auf, der seine Kampfkraft erst unterdrückt und sich dann plötzlich in einen Super-Saiyajin verwandelt, um die Feinde mit Leichtigkeit zu besiegen. Als Son Gokū endlich auf der Erde ankommt, stellt sich ihm der Schwertkämpfer als Torankusu, der Sohn von Bejīta und Buruma, vor. Dieser kommt zwanzig Jahre aus einer dystopischen Zukunft, in der die Erde von zwei gefährlichen Cyborgs fast völlig zerstört wurde und jeder fähige Kämpfer entweder im Kampf gefallen oder an Krankheit gestorben ist.

Cyborgs und Zeitreisen

Hauptsächlich drehen sich die fünfzehn Episoden der vierten Serienbox um die Cyborgs, die die Erde angreifen. Den Helden bleiben insgesamt drei Jahre, bis die Cyborgs auftauchen und um zu trainieren. Schließlich finden sich alle Kämpfer in der Nähe der Stadt, in der die Feinde erstmals auftreten, ein. Allerdings passiert zur von Torankusu angegebenen Uhrzeit nichts – ein wenig später tauchen die Cyborgs wie prognostiziert auf. C19 und C20, wie sich die beiden selbst bezeichnen, verfügen über Absorptionsfähigkeiten, mit denen sie die Energie jedes Feindes einsaugen können, um sich selbst zu stärken. Als Torankusu aus der Zukunft zurückkehrt, um seine Freunde zu unterstützen, wundert er sich jedoch über das Aussehen der beiden Cyborgs, die in seiner Zeit ganz anders aussehen. Warum das so ist, wollen wir für Nichtkenner der Vorlage gar nicht so genau ausführen. Es sei aber gesagt, dass das Eingreifen in die Zeit – wie in jeder Science-Fiction-Geschichte – unbeabsichtigte Folgen hat und so kommt es in den Episoden der vierten Serienbox zu nicht einkalkulierten Geschehnissen. Es bleibt dank vieler Überraschungen und zahlreichen Konstellationen im Kampf gegen die Cyborgs, die von Dokutā Gero, einem früheren Wissenschaftler der von Son Gokū in der dritten Serienbox von Dragon Ball quasi im Alleingang zerschlagenen Red-Ribbon-Armee, erschaffen wurden.

Ausgeklammerter Handlungsbogen

Wer die Dragon-Ball-Z-Vorlage kennt, der wird wissen, dass zwischen dem ersten Sieg über Furīza und Torankusus Auftauchen noch ein Feind namens Gārikku Junia vorkommt. Hierbei handelt es sich in der Vorlage um eine Filler-Geschichte, die inhaltlich noch dazu eine Fortsetzung des ersten Dragon-Ball-Z-Kinofilms ist. Wer diesen also zuvor nicht gesehen hat, saß auf einmal verdutzt vor dem Fernseher – besonders deutsche Zuschauer waren davon betroffen, da der etwaige Film hierzulande erst 2004, und somit nach der (fast) gänzlichen Ausstrahlung der Anime-Serie in Deutschland, veröffentlicht wurde. Da Dragon Ball Z Kai ohne Filler-Episoden auskommen soll, haben sich die Verantwortlichen dazu entschieden, auf den Handlungsstrang komplett zu verzichten. Das fühlt sich einerseits gut an, da so die Rückkehr von Furīza wesentlich greifbarer ist. Andererseits war der Handlungsstrang um Gārikku Junia ein Teil der Story, sodass sich manch Fan auch darüber gefreut hätte, wenn der erste Kinofilm in den Kanon aufgenommen würde. Vermutlich ist das Ausklammern der Geschichte aber die elegantere Lösung, mit der sich sicherlich jeder anfreunden kann. Nach der ernüchternden dritten Serienbox kann die komplette vierte Serienbox durchweg überzeugen. Nur am Bonusmaterial hat sich nichts geändert. Dieses besteht aus einem Episodenguide und Postkarten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nachdem mich die Episoden der dritten Serienbox von Dragon Ball Z Kai aufgrund des in meinen Augen immer noch ein wenig in die Länge gezogenen Kampfes gegen Furīza eher weniger zugesagt haben, konnten mich die fünfzehn Folgen der vierten Serienbox wieder deutlich mehr ansprechen. Die Geschichte ist mit Zeitreisen, verschiedenen Erzählebenen, zahlreichen Überraschungen und unerwarteten Wendungen, unterschiedlichen Charakteren und damit abwechslungsreichen Kampfkonstellationen jederzeit spannend und unterhaltsam. Zwischen den Episoden 55 und 69 demonstriert die ausgearbeitete Handlung dermaßen gut, welche Qualitäten sie zu Hochzeiten der ursprünglichen Dragon-Ball-Serie hatte. So darf das gerne weitergehen und ich bin schon sehr gespannt, wie die Rettung der Erde in der fünften Serienbox ein weiteres Mal vollzogen wird. Jeder Fan von Dragon Ball Z Kai sollte hier also unbedingt zuschlagen!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dragon Ball Z Kai (Box 4, Episoden 55-69)!

Review: Black Butler (Vol. 1)

Black Butler gehört zu den Anime-Serien, die in den letzten Jahren und damit kurz nach ihren Releases sehr an Popularität gewannen. In der ersten Volume werden die wichtigsten Charaktere und das Universum vorgestellt; die Einführung in die Story gelingt dem Anime sehr gut.

Black Butler beziehungsweise Kuroshitsuji, wie der japanische Originaltitel der Anime-Serie heißt, erzählt sowohl die Geschichte des titelgebenden Dieners Sebastian Michaelis, als auch den Werdegang des zwölfjährigen Ciel Phantomhive. Letzterer hat ein verheerendes Feuer, bei dem sein Zuhause abgebrannt ist und seine Eltern getötet worden sind, scheinbar unversehrt überlebt. Allerdings stand dem alleinigen Erben und Besitzer einer großen Firma, die Spielzeuge in Europa herstellt, plötzlich Diener Sebastian zur Seite. Die genauen Hintergründe, warum Sebastian auf einmal im Dienste von Ciel steht, bleiben in den ersten dreizehn Episoden, die in der ersten Volume enthalten sind, weitgehend im Hintergrund. Fakt ist jedoch, dass Sebastian kein gewöhnlicher Diener, sondern ein gewiefter Teufel ist, mit dem Ciel einen Pakt geschlossen hat. Trotzdem muss Sebastian seinem neuen Herrn gehorchen – und das macht er mit großer Freude. Angesiedelt ist der Serienauftakt im Jahr 1888. Ciel steht im Auftrag von Königin Victoria, die ihn dazu ermutigt, die englische Unterwelt in Schach zu halten. Da Ciel so den Titel „Wachhund der Königin“ erhalten hat, ist er für die kriminellen Subjekte Londons ein Dorn im Auge. Das hält ihn und Sebastian allerdings nicht zurück, für Recht und Ordnung zu sorgen. Einer ihrer ersten Ziele ist sogar die Entlarvung von Jack the Ripper.

London Bridge is falling down

In vielerlei Hinsicht orientiert sich die Anime-Serie an historischen Fakten. Beispielsweise ist in ein paar Einstellungen deutlich zu erkennen, dass sich die Tower Bridge noch im Bau befindet. Außerdem werden verschiedene Opfer des Rippers namentlich erwähnt und auch die Tatsache, dass bei mindestens zwei Opfern die Gebärmutter entnommen wurde, ist in Black Butler in die Handlung eingewebt. Da sich die Story zu sehr auf diese spezielle Form der Verstümmelung konzentriert, ist deutlich zu erkennen, dass sich die Anime-Serie auch ein paar künstlerische Freiheiten lässt. So wird der an der Untersuchung der Ripper-Morde beteiligte Inspektor Frederick George Abberline, der im Herbst 1888 bereits 45 Jahre alt ist, deutlich jünger porträtiert. Des Weiteren wird in einer Episode ein so genannter Wintermarkt auf der zugefrorenen Themse abgehalten, der sich stark an den realen Frostjahrmärkten orientiert – ein solches Ereignis fand 1888 allerdings nicht statt, was nicht nur am milderen Klima, sondern vor allem am Neubau der London Bridge 1832 lag, wodurch das Wasser nicht mehr so effektiv gestaut werden konnte und damit der letzte Frostjahrmarkt auf das Jahr 1814 datiert werden kann. Inhaltlich können sämtliche Episoden trotz oder gerade wegen dieser künstlerischen Freiheiten mit ein paar Wendungen und Überraschungen durchgehend unterhalten.

Teuflisch gut inszeniert

Unter optischen Gesichtspunkten weiß die Anime-Serie ebenfalls zu überzeugen. Sämtliche Charaktere und Umgebungen wirken trotz des eher etwas düsteren – und nur in seltenen Fällen übertrieben bunten – Zeichenstils kontrastreich. Während sich das Produktionsteam neben der Manga-Vorlage auch an historischer Kleidung orientiert hat, fallen viele Details in puncto Innenarchitektur wie die Glöckchen an der Wand, um Diener zu alarmieren, auf. Interessierte an der Epoche des viktorianischen Englands werden mit Black Butler dank der sauberen Darstellung im bildschirmfüllenden 16:9-Format und in der Auflösung von 1080p der Blu-ray-Fassung ihre wahre Freude haben. Hinzu kommt eine passende Musikuntermalung im Tonformat DTS-HD 2.0, die jederzeit mit düsteren Klängen das Geschehen wunderbar unterlegt. Obwohl uns sowohl der japanische Originalton, als auch die deutsche Synchronisation gefällt, hat unserer Meinung nach die deutsche Sprachfassung leicht die Nase vorn. Auf digitales Bonusmaterial sollte man sich jedoch nicht einstellen. Stattdessen liegen der ersten Volume nicht nur eines, sondern gleich zwei Booklets bei. Diese beinhalten neben Episodenguides zu allen dreizehn Folgen dieser Ausgabe auch zahlreiche Informationen zu den Charakteren und interessante Interviews mit dem Produktionsteam, was jeden Fan zufriedenstellen sollte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Wenn man so wie ich die Manga-Vorlage nicht gelesen hat, wird man es sicherlich ein wenig schwer haben, in das Universum von der ersten Minute an einzutauchen. Nach zwei bis drei Episoden – und der Erwähnung von Jack the Ripper – habe ich mich jedoch schnell mit Black Butler anfreunden können. Die Anime-Serie orientiert sich in vielen Punkten an historischen Tatsachen und nimmt sich genau die richtige Portion Freiheiten, um ihre eigene Geschichte in den geschichtlichen Kontext zu pressen. Schade finde ich nur, dass ausgerechnet die Quintessenz dieser Erzählung auf der Strecke bleibt. Mir ist zwar durchaus bewusst, dass Ciel und Sebastian einen Pakt geschlossen haben, doch sind mir die Inhalte ihres Vertrages ebenso wie das Ziel der Handlung unklar. Dennoch macht mich jede einzelne Information, die beiläufig eingeworfen wird, wissbegierig. Entsprechend freue ich mich schon sehr auf die nächste Ausgabe und kann an dieser Stelle die erste Volume Fans von historischen Abenteuern mit Comedy-Elementen empfehlen!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Black Butler (Vol. 1)!

Prime Time: X – Collector’s Edition (Unboxing)

Ende Oktober 2017 erschien die Anime-Serie erneut auf DVD und erstmals auch komplett in einer Gesamtausgabe auf Blu-ray Disc. Unser Chefredakteur hat sich die Anime-Serie angeschaut und stellt euch heute die Komplettbox beziehungsweise Collector’s Edition im Rahmen eines Unboxing-Videos vor. Wir wünschen euch viel Spaß beim Anschauen!

Review: X (Collector’s Edition)

Von 1992 bis 2002 zeichneten die Mangaka der Autorinnengruppe Clamp an der Manga-Serie X. In den Jahren 2001 und 2002 folgte schließlich die Anime-Serie, die hierzulande nur ein paar Jahre später auf dem Musikfernsehsender Viva ausgestrahlt und jetzt zum ersten Mal auf Blu-ray Disc veröffentlicht wurde.

Wie die Manga-Vorlage thematisiert auch die 24-teilige Anime-Serie X den Kampf um das Ende der Welt, der zwischen den so genannten Himmelsdrachen und ihren Gegenspielern, den Erddrachen, ausgetragen wird. Im Mittelpunkt dieser Auseinandersetzung steht der fünfzehnjährige Shirō Kamui, der nach sechs Jahren von Okinawa nach Tōkyō zurückkehrt. Er erfährt, dass er die wichtigste Rolle im Kampf zwischen Himmels- und Erddrachen einnimmt. Kamui muss sich entscheiden, ob er sich den Erddrachen, die die Erde aufgrund der Zerstörungswut der Menschen erneuern und somit die Zivilisation zerstören wollen, oder sich den Himmelsdrachen, die auf die Vernunft der Menschen vertrauen und den Planeten in seiner Form erhalten möchten, anschließt. Zu Beginn der Anime-Serie ist innerlich zerrissen. Aufgrund dessen distanziert er sich bewusst von den Freunden seiner Kindheit, den Geschwistern Monō Fūma und Monō Kotori. Er ist sich bewusst, dass eine Entscheidung Konsequenzen für die gesamte Menschheit nach sich ziehen wird. Dennoch wählt Kamui in der Mitte der Handlung eine der beiden Seiten, um seine beiden engsten Freunde zu beschützen – allerdings sorgt genau diese Entscheidung dafür, dass nicht nur seine neuen Verbündeten, sondern auch seine beiden Freunde aus Kindheitstagen, durch das Einläuten des letzten Kampfes in große Gefahr gebracht werden.

Figurenmosaik

X ist eine Serie, die sich weniger auf die Handlung, sondern verstärkt auf die Charaktere konzentriert, die die Story mit ihren persönlichen Geschichten vorantreiben. Dementsprechend ist auch der zwischenmenschliche Aspekt nicht zu unterschätzen. Aufgrund der hohen Anzahl an Charakteren, die auf Seiten der Himmels- und Erddrachen kämpfen und jeweils ihre eigenen Hintergründe haben, ist die Darstellerriege komplex und nicht einfach zu durchschauen. Hinzu kommt, dass vor allem in der ersten Serienhälfte nicht immer klar ist, wer nun auf welcher Seite kämpft und sich die Figuren untereinander teilweise kennen, ohne zu wissen, dass ihr Gegenüber für ein anderes Ziel hinarbeitet. Das macht die Story spannend und ein Vergleich mit der Fernsehserie Game of Thrones ist nicht falsch, da die Zuschauer ab Kamuis Entscheidung darum bangen müssen, dass ihre Lieblingshelden nicht verletzt oder gar unwiderruflich getötet werden. Das einzige, was mitunter den einen oder anderen Zuschauer ärgern könnte, ist die Ausweitung einer überschaubaren Handlung auf 24 Episoden. Hier wären ein paar Folgen weniger vielleicht besser gewesen. Trotzdem kann jede Folge mit mystischen Elementen durchweg unterhalten. Diese mystischen Elemente spiegeln sich im Nutzen des Onmyōdō, der sich auf zeitliche Abfolgen und Vorhersagen konzentriert, wieder. Magie und das Erschaffen von Bannkreisen sind weitere Teile dieser Mystik, die gelegentlich zum Einsatz kommen.

Musikwechsel

Viele Kämpfe in X dauern maximal ein bis zwei Minuten und nur selten werden mehrere Angriffe hintereinander ausgeführt. Das ist auf der einen Seite zwar glaubhaft, doch auf der anderen Seite verliert die Serie so an Dynamik. Dargestellt wird die Action aufgrund des Serienalters bei einer Auflösung von 1080p im Bildformat 4:3; links und rechts sind schwarze Balken durchweg zu erkennen. Die Bildqualität wurde für die Blu-ray-Veröffentlichung ein wenig hochgeschraubt und außerdem liegen die deutsche als auch die japanische Tonspur im hochwertigen Tonformat DTS-HD 5.1 vor. Beide Synchronfassungen können mit tollen Sprechern punkten und wer lieber den japanischen Originalton genießen will, darf sich über (abschaltbare) deutsche Untertitel freuen. Unterschiede bei der prägnanten musikalischen Untermalung gibt es nur beim Opening und Ending. In der deutschen Fassung hat man sich für den Song Mother Earth von der niederländischen Symphonic-Metal-Band Within Temptation entschieden, der sich stark auf den Inhalt der Serie stützt. In puncto Bonusmaterial liegt auf der ersten Disc die 25-minütige Original Video Animation vor, die halb die Vorgeschichte darstellt und halb einen Ausblick auf den weiteren Handlungsverlauf der Serie gibt. Obwohl sich die Spoiler in Grenzen halten, ist der Einblick mit Vorsicht zu genießen. Physisches Material liegt nur in Form eines Aufklebers vor, ein umfassendes Booklet hätte die Veröffentlichung aber ebenso wie der fehlende Film zur halbwegs abgeschlossenen Serie komplettiert.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Anfang der 2000er Jahre habe ich die meisten Anime-Serien noch über die Ausstrahlung im Fernsehen verfolgt. Eines Tages wurde ich auf X aufmerksam – und obwohl ich die Serie nur sporadisch verfolgen konnte, wusste ich, dass sie mir gefällt. Anderthalb Dekaden lang habe ich darauf gewartet, die Serie von Anfang bis Ende zu sehen. Die rosarote Brille, die ich mir hinzugedichtet habe, musste ich nach wenigen Episoden allerdings ablegen. Der Zauber, der die Serie für mich so faszinierend gemacht hat, ist schnell verflogen. Das heißt aber noch lange nicht, dass es sich bei X um eine schlechte Serie handelt – ganz im Gegenteil! X gehört zu den Serien, die eine erwachsene und komplexe Handlung erzählen. Das liegt vor allem an den zahlreichen Charakteren, die allesamt ihre eigene Hintergrundgeschichte und Persönlichkeit haben. Einerseits ist es gut, dass die Serie diesen Charakteren 24 beziehungsweise 25 Episoden Zeit lässt, um sich zu entfalten. Andererseits ist genau dieser große Spielraum für die überschaure Handlung meiner Meinung nach zu viel. Man hätte im Grunde alles auf eine etwas überschaubarere Folgenanzahl reduzieren können. Dennoch hatte ich von Anfang bis Ende meinen Spaß mit X, da nur wenige andere Serien es schaffen, mit so vielen Charakteren zu einem zufriedenstellenden Ende geführt zu werden. Gerne möchte ich mehr von X sehen, denn obwohl das Ende halbwegs abgeschlossen ist, gilt zumindest die Manga-Vorlage in Japan seit 2002 noch als pausiert. Hoffen wir mal, dass die Zeichnerinnen von Clamp die Serie früher oder später fortsetzen – und vielleicht haben wir dann sogar das Glück auf eine Fortsetzung der Anime-Serie. Zu wünschen ist es dem Franchise auf jeden Fall!

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von X (Collector’s Edition)!

© CLAMP/KADOKAWA SHOTEN/TV (X) PROJECT (Abbildungen)

Review: Castlevania: Dracula X

castlevania-dracula-x-1Noch bevor sich die Castlevania-Reihe am Metroid-Franchise orientierte und um Rollenspiel-Anleihen erweitert wurde, handelte es sich bei den Titeln der Serie um pure Action-Spiele. Mit Castlevania: Dracula X, in Europa auch als Castlevania: Vampire’s Kiss bekannt, erleben wir einen der letzten Serienteile, der sich noch stark am Ursprung des Franchises orientiert.

castlevania-dracula-x-2In Castlevania: Dracula X aus dem Jahr 1995 schlüpfen wir in die Rolle von Richter Belmont, einem Nachkommen des legendären Vampirjägers Simon Belmont. Dracula, der Fürst der Finsternis ist auferstanden, hat Anhänger um sich geschart und die Freundin des Helden entführt. Um sie aus den Klauen des Vampirs zu entreißen, schnappen wir uns unsere Peitsche und pilgern zum Schloss des Fürsten. Eine umfangreiche Geschichte mit Wendungen und Wirrungen hat es damals wie heute nicht gebraucht, um die Motivation von Richter zu erklären. Ein wenig schade ist das zwar schon, aber so können wir uns wenigstens aufs serientypische Gameplay konzentrieren, das mit einfachen Mitteln überzeugen kann. Wir durchqueren brennende Städte, schleichen durch klaustrophobische Schlosskorridore, erkunden modrige Höhlen und kämpfen auf den Dachzinnen von Draculas Schloss. In den Weg der durchweg zweidimensionalen Spielwelt stellen sich uns Gegner wie fliegende Totenschädel, verfluchte Rüstungen oder Gargoyles, die wir mit unserer Peitsche oder anderen Gimmicks besiegen dürfen. Attackieren wir Kerzenleuchter, finden wir nämlich gerne mal neben Nahrung zum Heilen der Wunden auch Dolche, Wurfäxte, Taschenuhren, Bumerange oder Weihwasser, um den Feinden den Garaus zu machen. Diese Nebenwaffen sollten wir, genau wir die Herzen, die zum Verwenden der Items nötig sind, unbedingt einsammeln, da spätere Gegner wesentlich trickreicher agieren und wir so notfalls auch das eine oder andere Ass im Ärmel haben.

Diabolische Herausforderungen

castlevania-dracula-x-3Während wir Dolche in gerade Richtung werfen, fliegen geworfene Äxte im Bogen auf die Gegner und Bumerange können auch beim Rückschwung Feinde treffen. Weihwasser versengt den Boden unter den Gegnern und mit der Taschenuhr können wir entweder kurzzeitig die Zeit verlangsamen oder uns vor Feinden schützen. Mit jeder Nebenwaffe können wir nämlich auch einen Spezialangriff ausführen, der bei den heftigen Bossgegnern hilfreich sein könnte. Bis die Riesenfledermaus, der Totenbeschwörer oder der Werwolf besiegt sind, werden vor allem Neulinge viele wertvolle Versuche einbüßen. Ähnlich wie in Capcoms Mega-Man-Reihe, können die Bossgegner nämlich nur mit Geduld, guten Reflexen und Einprägen ihrer Angriffsmuster besiegt werden. Während Anfänger hier wohl kapitulieren, freuen sich alle anderen über Herausforderungen. Herausfordernd ist allerdings auch die Steuerung des Titels. Diese orientiert sich nämlich stark an vorherigen. Das heißt, dass Richter sich recht langsam bewegt und wir im Sprung nicht mehr die Richtung ändern können. Trotzdem fühlt sich Castlevania: Dracula X in dieser Disziplin nicht mehr ganz so unfair an, wie in den 8-Bit-Ausflügen. Allerdings haben sich die Entwickler bei Konami keine Gedanken um die Kollisionsabfrage gemacht. Besonders wenn wir von mehreren Gegnern umzingelt und dabei von einem Feind getroffen werden, kommt es öfters als uns lieb ist vor, dass wir direkt vom nächsten Gegner angegriffen werden und unnötig Schaden nehmen. Hier hätten wir selbst 1995 mehr erwartet. Zum Glück sind solche Stellen rar gesät und Rücksetzpunkte fair gesetzt.

Unvergesslicher Klassiker

castlevania-dracula-x-4Wer bereits Castlevania: Rondo of Blood auf der Virtual Console der Wii beziehungsweise im Original auf dem TurboGrafx-16 gespielt hat, wird in Castlevania: Dracula X vermutlich die eine oder andere Ähnlichkeit im Spielablauf entdecken. Das ist auch kein Wunder, denn im Grunde behandeln beide Titel dieselben Spielinhalte. Dennoch kann man die Spiele getrennt voneinander betrachten, da die Level-Architektur sehr stark überarbeitet wurde und meist nur noch der fabulöse Soundtrack ans Vorbild aus dem Jahr 1993 erinnert. Beide Spiele haben dennoch ihre Daseinsberechtigung, denn während die Super-Nintendo-Version optisch etwas hübscher ausfällt, kann die TurboGrafx-16-Variante mit seinem kultverdächtigen und sogar in der japanischen Version auf Deutsch eingesprochenen Einleitungstext bis heute begeistern. Um Dracula zu Staub verfallen zu lassen, werden Profis nicht länger als nur eine Spielstunde benötigen. Die übersichtlichen Levels sind zwar kurz, doch mit so vielen Gefahren gespickt, dass fortgeschrittene Spieler hingegen einige Anläufe benötigen. Da es auch ein paar geheime Wege im Spiel gibt, die den Ausgang der Geschichte verändern, lohnt sich jedoch auch das wiederholte Durchspielen. Dafür sorgt alleine der fantastische Soundtrack, der zusammen mit den 16-Bit-Optiken alle Nostalgiker begeistern kann. Castlevania: Dracula X ist ein Klassiker, den man als Fan der Serie unbedingt einmal gespielt haben sollte, denn besonders die Stellen im Spiel, die von Sadisten für Masochisten entwickelt wurden, zeigen hervorragend, wo die Serie eigentlich ihren Ursprung hat und für welche Werte sie in Zukunft wieder stehen könnte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Virtual-Console-Fassung): Bis Ende letzten Jahres habe ich – zu meiner Schande – gar nicht gewusst, dass es auch eine Super-Nintendo-Version von Castlevania: Rondo of Blood gibt. Umso mehr habe ich mich als Serienfan natürlich auf einen erneuten Ausflug in Draculas Schloss gefreut und wurde nicht enttäuscht. Es macht mir unglaublich viel Spaß, die abwechslungsreichen Gebiete zu durchstreifen und in alter Action-Manier Draculas Anhänger zu Kleinholz zu verarbeiten. Zusammen mit dem Ohrwurmsoundtrack und dem teils deftigen Schwierigkeitsgrad gelingt es dem Titel, mich lange an meinen New 3DS XL oder an die Wii U zu fesseln. Schade finde ich nur, dass die Kollisionsabfrage beim Feindkontakt ebenso wenig wie ein Passwort-System für ein Spiel aus dem Jahr 1995 spricht. Das ändert aber nichts daran, dass der unvergessliche Klassiker besonders für Serienfans eine absolute Kaufempfehlung darstellt.

Review: The Place promised in our early Days

Im Jahr 2004 wurde der The Place promised in our early Days von Regisseur Shinkai Makoto in Japan unter dem Originaltitel Kumo no Mukō, Yakusoku no Basho veröffentlicht. 2010 folgte die Veröffentlichung in Deutschland. Sieben Jahre später wird er nochmals vermarktet.

The Place promised in our early Days spielt in einer alternativen Realität in Japan. Seit Jahrzehnten ist das Land in eine Nord- und in eine Südhälfte geteilt. Während die nördlichste Hauptinsel Japans, Hokkaidō, von der so genannten Union angeführt wird, wird der Rest des Landes von den Vereinigten Staaten von Amerika unterstützt. Über die politischen Verhältnisse schweigt der Anime-Film zwar weitgehend, doch lässt sich die Union zumindest als nationalistisch identifizieren, da sie Hokkaidō in den ursprünglichen Namen Ezo umbenannt hat. Aufgrund gegensätzlicher Ansichten ist die Lage angespannt; Dialoge und Nachrichten, die gelegentlich nebenher aus Radiolautsprechern dröhnen, intensivieren die schwermütige Stimmung. Inhaltlich erzählt der Film in dieser düsteren Zeit die Geschichte der drei Freunde Fujisawa Hiroki, Sawatari Sayuri und Shirakawa Takuya. Gezeigt wird ihr Leben über mehrere Jahre hinweg, wobei der Verlauf der Zeit durch die Konstruktion eines eigenen Flugzeugs deutlich wird. Der Bau des Fliegers beginnt in ihrer Jugend und begleitet die Hauptfiguren, mit einer langen Unterbrechung, durch den gesamten Film. Durch verschiedene Umstände distanzieren sich die Charaktere zeitweise unfreiwillig voneinander, wodurch die Handlung gespalten und nur durch gemeinsame Elemente, wie durch die Figur Okabe oder ein riesiger und noch von Tōkyō aus sichtbarer Turm an der Küste Hokkaidōs, zusammengehalten wird.

Distanzen als Mittelpunkt

Wie schon in Voices of a Distant Star sind Distanzen das zentrale Handlungsthema des Films. Damit sind zum einen die tatsächlichen Entfernungen gemeint, schließlich lebt Hiroki in der Mitte der Geschichte in Japans Hauptstadt Tōkyō und Takuya verbleibt in der Präfektur Aomori, den am meist genutzten Handlungsort des Films. Zum anderen ist damit auch die Distanz zwischen ihnen und Sayuri gemeint, die plötzlich ohne jede Spur verschwindet und sich an einem Ort befindet, an dem ihre beiden Freunde sie nicht ohne Weiteres erreichen können. Surreale Elemente unterstützen den Aufbau der Story in verschiedenen Szenen und werden schließlich im Finale des circa 91-minütigen Films aufgelöst. Obwohl die Distanzen als zentrales Thema funktionieren, kann sich die Filmhandlung nicht gänzlich darauf stützen. Auch der Science-Fiction-Anteil, der sich um parallele Dimensionen dreht, kann das Szenario nur am Rande bereichern. Die sehr langsam erzählte und charakterbezogene Handlung verlässt sich stark auf die Dialoge, die manchmal sogar poetische Züge annehmen. Shinkai Makoto kopiert abermals seinen eigenen Erzählstil und schlägt damit den Bogen zu einem seiner späteren Werke, 5 Centimeters per Second. Auch in diesem Film ist das Ende der Handlung offen und lässt damit dem Zuschauer die Möglichkeit, sich selbst vorzustellen, wie das Leben der Hauptfiguren – und dieses Mal auch die Zukunft zweier Nationen – weiterverlaufen wird.

Melancholisch-schöne Grundstimmung

Unter optischen Gesichtspunkten gehört The Place promised in our early Days trotz seines Alters zu den eindrucksvollsten Titeln. Landschaften, Objekte, Architektur und Proportionen der Charaktere sind realitätsnah gestaltet, mit viel Farbe überzeichnet und wirken durch das Zusammenspiel aus Licht und Schatten jederzeit glaubhaft. Neben dem scharfen Bild in der Auflösung von 1080p und im bildschirmfüllenden 16:9-Format kann auch der Soundtrack im Tonformat DTS-HD Master Audio 5.1 punkten. Die halb fröhlichen und halb melancholischen Musikstücke von Komponist Shirakawa Atsushi, die sich meist aus Geigen- und Klavierklängen zusammensetzen, sind schnell verinnerlicht und veranlassen den Zuschauer spätestens beim zweiten Hören, die nächste Note zu vervollständigen. Sowohl die deutsche, als auch die japanische Synchronisation sind gelungen. Für beide Versionen hat man sich passende Synchronsprecher ausgesucht, welche die traurig-schöne Grundstimmung mit ruhiger Betonung harmonisch ausdrücken. Lediglich die teilweise falsche Aussprache von japanischen Begriffen wie Hokkaidō ist in der deutschen Fassung gelegentlich störend. Möchte man sich die japanische Sprachfassung ansehen beziehungsweise anhören, sind deutsche Untertitel Pflicht, da sie sich nicht deaktivieren lassen. Digitales Bonusmaterial liegt auf der Blu-ray Disc nicht vor, als physische Dreingabe winkt jedoch ein hochwertiges Booklet mit 48 Seiten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fassung (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Shinkai Makoto gehört in meinen Augen zu den fähigsten Regisseuren Japans; zumindest in puncto tiefgründiger Themen erreicht er mit jedem seiner Filme niveauvolle Zuschauer anzusprechen. Freundschaft, Distanzen und Ungewissheit sind Aspekte, die er in The Place promised in our early Days aufgreift. Allerdings gelingt es ihm auch dieses Mal nicht, einen Handlungsbogen zu schließen. Das absichtlich offen gelassene Ende nutzt er dazu, dass der Zuschauer auch nach dem Ende des Films über dessen Ausgang nachdenkt und wie das Leben der Figuren weiterverlaufen könnte. Sein Stil mag sicherlich nicht den durchschnittlichen Anime-Zuschauer ansprechen, doch die aufwendige Gestaltung wird sicherlich nicht nur bei einem kleinen Kreis Anklang finden. Shinkai-Makoto-Fans haben längst vor dem Lesen dieses Reviews ihre Kopie des Films gekauft und alle, die es noch werden wollen, sollten aufgrund der erwachsenen Erzählung, der interessanten Thematik und der ästhetischen Gestaltung unbedingt zugreifen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Place promised in our early Days!

Review: Antihero

PC-Spiele, die sich um Diebe drehen, sind eher selten. Prominentestes Beispiel wäre wohl die Thief-Reihe aus dem Hause Square Enix. Antihero von Publisher Versus Evil schlägt jedoch einen ganz anderen Weg ein und verpackt das Setting kurzerhand in ein virtuelles Brettspiel.

In Antihero schlüpfen wir in die Rolle eines der titelgebenden Antihelden, die sich in der viktorianischen Unterwelt einen Namen machen möchten. Während der auf elf Kapitel aufgeteilten Kampagne schlüpfen wir alternierend in die Rolle von Lightfinger oder Emma. In jedem Level ist es unsere Aufgabe, unseren Konkurrenten zu übertrumpfen. Um siegreich aus dem Diebeszweitkampf hervorzugehen, müssen wir eine bestimmte Anzahl von Siegespunkten sammeln. Diese erhalten wir beispielsweise, wenn wir den Klerus erpressen, eine Zielperson exekutieren oder Bestechungsgelder ausgeben. Manchmal ist es auch notwendig, Wachtürme mit Schlägern zu besetzen, um unbeobachtet in den Palast eindringen zu können, den feindlichen Unterschlupf mit Burschen zu infiltrieren oder sich unbemerkt unter die Gäste der aristokratischen Gesellschaft zu schummeln, um wertvolle Gegenstände von der Party zu stehlen. Die Siegesbedingungen sind zwar durchaus abwechslungsreich, doch die Wege dorthin verlaufen – sobald man sich erst einmal eine funktionierende Taktik überlegt hat – in der Regel ähnlich. Um Aktionen in Antihero durchführen zu können, sind zwei Ressourcen vonnöten: Münzen und Öllampen. Während wir Geld benötigen, um Einheiten zu rekrutieren, sind Öllampen wichtig, um in einem Fähigkeitsbaum neue Talente und Möglichkeiten freizuschalten.

Arbeit einer Meisterdiebs

Zu Beginn einer Partie sollten wir deshalb möglichst schnell Fabriken, Kirchen und Banken erobern und mit Burschen besetzen, damit diese den Lagerbestand, die Kollekte oder den Tresor für uns Runde für Runde leeren. Besetzen wir Waisenhäuser oder Clubs, können wir Burschen oder Schläger vergünstigt anheuern. Schläger sind alleine jedoch relativ hilflos, weshalb sie sich nur dazu eignen, die Straßen der schachbrettartig angeordneten Spielwelt für unsere Feinde zu blockieren. Erst im Zusammenschluss mit einer Gang können die Schläger richtig austeilen beziehungsweise der Gang als Einheit einen weiteren Lebenspunkt spendieren. Jedes Mal wenn eine Gang einen Gegner eliminiert hat, verbessert sie sich wahlweise in ihrer Fähigkeit mehr Schaden zuzufügen, mehr Münzen nach einem Kampf einzukassieren oder mehr Burschen aus einem feindlich besetzten Gebäude zu vertreiben. Unsere Hauptspielfigur verbessert sich jedoch ausnahmslos nur über den Fähigkeitsbaum. So können wir irgendwann bis zu fünf Aktionen statt den üblichen zwei mit unserem Meisterdieb ausführen, bis zu drei Schadenspunkte bei einem Angriff erzielen oder bei einem Einbruch in den Häusern mehr Münzen und Öllampen einkassieren. Obwohl das Spielprinzip sehr simpel ausfällt und sich der Spielverlauf selbst in der Kampagne schnell wiederholt, macht es sehr viel Spaß.

Langzeitspaß dank Mehrspielermodus

Neben der Einzelspielerkampagne bietet Antihero auch einen Zweispielermodus. Wir können online gegen unbekannte Spieler antreten oder unser Glück gegen einen unserer Freunde versuchen. Treten wir gegen Unbekannte an, stehen uns zwei verschiedene Spielmöglichkeiten zur Verfügung. Entweder wir bestreiten in einem rasch gefundenen Duo ein Live Match, sprich wir spielen unverzüglich rundenweise das Duell, oder wir entscheiden uns für ein Casual Match. Dann erledigen wir zunächst unseren Zug und dann wird automatisch eine E-Mail an den Gegner versendet und umgekehrt. Wer hier an die eine oder andere Schachpartie-Brieffreundschaft aus dem letzten Jahrhundert denkt, darf nun genüsslich schweigen. Ein gern gesehenes Relikt aus der Vergangenheit ist der Hot-Seat-Modus. Hier teilen wir – sogar mit eigens personalisierten Regeln – mit einem Freund den Bildschirm und dürfen wie schon in der Heroes-of-Might-and-Magic-Reihe abwechselnd einen Zug vollziehen – mit der Tatsache, dass der andere Spieler jeden unserer Schritte (und wir natürlich seine) verfolgen können. Zusammen mit dem charmanten Grafikstil, der nur bei genauerem Hinsehen seine nicht sehr hochauflösenden Grafiken offenbart, und der atmosphärischen, aber auf Dauer schnell wiederholenden Musik, erfüllt Antihero auch auf der technischen Seite all unsere Bedürfnisse.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Antihero ist eines der Spiele, die mich aufgrund veröffentlichter Screenshots neugierig machen. Kaum habe ich das Spiel auf meinem PC installiert, bin ich kaum mehr davon wegzubekommen. Die Kampagne ist mit circa fünf bis sechs Stunden zwar recht kurz geraten und bietet auch nicht sehr viel Abwechslung, doch eignet sie sich hervorragend dazu, die Spielregeln zu verinnerlichen und seine Diebstahltaktik Schritt für Schritt zu verbessern. Dadurch, dass alle Gebäude auf der Karte zufällig verteilt werden und auch neutrale Schläger und Zielpersonen wahllos erscheinen, fühlt sich jede Partie immerhin frisch an. Neben der Einzelspielerkampagne kann vor allem der Mehrspielermodus mit antiquierten und zeitgenössischen Spielmodi überzeugen. Da kann ich mir aussuchen, ob ich mich live mit einem anderen Spieler messen will, darauf warte, dass sein Zug gemacht wird und ich per E-Mail informiert werde oder mich mit einem Freund per Hot-Seat-Modus vor einen Bildschirm setze. Antihero ist im Kern ein wirklich schönes Taktik-Strategiespiel, von dem ich in Zukunft sehr gerne einen Nachfolger mit noch mehr Möglichkeiten wünsche.

Vielen Dank an Versus Evil für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Antihero!

Review: Attack on Titan (Vol. 4)

Attack on Titan ist in der dritten Volume Erens Ziel, das Geheimnis des Kellers seines Elternhauses zu lüften, ein gutes Stück nähergekommen. Diesem Unterfangen machte allerdings ein neuer Feind einen Strich durch die Rechnung – nun muss dieser zunächst bekämpft werden.

Am Ende der dritten Volume ist es dem Aufklärungstrupp überraschend gelungen, den plötzlich aufgetauchten und so genannten weiblichen Titanen zu fangen. Obwohl Hauptgefreiter Levi Ackermann und Kommandant Erwin Smith überzeugt sind, dass sie die Situation unter Kontrolle haben, eskaliert diese nur wenige Augenblicke später. In völliger Selbstüberschätzung erklärt Levi dem weiblichen Titanen, dass er sich bewusst ist, dass ein ihn kontrollierendes menschliches Wesen in ihm steckt und er diesem Menschen alle Gliedmaßen abtrennen will. Daraufhin stößt der weibliche Titan einen dermaßen lauten Schrei aus, dass sämtliche Titanen der Umgebung angelockt werden und dafür sorgen, dass der weibliche Titan peu á peu aufgefressen wird, der Mensch in ihm entkommen und in seiner natürlichen Form weiter Jagd auf Eren Jäger machen kann. Dieser ist auf Geheiß von Levi weiterhin unterwegs mit anderen Mitgliedern des Aufklärungstrupps, um aus dem Wald zu verschwinden und das Ziel, zur Mauer Maria vorzudringen, zu verfolgen. Dadurch, dass die Flucht ihres Gegenspielers ihr Unterfangen torpediert, werden Eren und die anderen in einen Kampf verwickelt, der darin gipfelt, dass er sich entscheiden muss, ob er seinen Kollegen blind vertraut und auf ihren Wunsch hin nicht eingreift oder er sich in einen Titanen verwandelt, um sie zu unterstützen.

Spannung bis zur letzten Minute

In der vierten Volume erhalten Entscheidungen eine ganz neue Bedeutung. Schon in den Folgen der dritten Ausgabe hat Levi geäußert, dass es keine richtigen oder falschen Entscheidungen bezüglich Erens Verwandlungsfähigkeit gibt. Durch Bekanntwerden der wahren Bedrohung betrifft es allerdings auf einen Schlag den ganzen Aufklärungstrupp, wie sich Eren und einzelne Individuen bei verschiedenen Wahlmöglichkeiten in der Ereigniskette entscheiden. Neben dem Wald mit den riesigen Bäumen und der Ebene zwischen diesem und dem abgeschirmten Bereich hinter der Mauer Rose gibt es in der abschließenden Volume der ersten Staffel einen weiteren Handlungsort. Dieser umfasst den Bezirk Stohess, sodass schlussendlich auch die Militärpolizei durchleuchtet werden kann. Das Finale zu beschreiben würde an dieser Stelle aber nur mit Spoilern möglich sein, weshalb wir nur so viel verraten, dass die Identität von Erens Gegenspieler aufgedeckt werden kann und die Handlung zumindest halbwegs zu einem gelungenen Abschluss geführt werden kann. In puncto Spannung gelingt es Wit Studio, dem Animationsstudio der Anime-Serie, wunderbar, das Geschehen aus der Manga-Vorlage in animierte Bilder zu übertragen und bis zur letzten Minute zu begeistern. Obwohl das offene Ende Lust auf mehr macht, kann man sich nach dem Ansehen zurücklehnen.

Gelungener Staffel-Abschluss

Unserer Erfahrung nach gelingt es nur sehr wenigen Anime-Serien, bei einem offenen Ende zum einen die Spannung bis zur letzten Minute aufrechtzuerhalten und zum anderen, zugleich ausreichend Antworten zu liefern und neue Fragen aufzuwerfen. Wir sind definitiv sehr gespannt darauf, wie es mit der Serienhandlung weitergeht. Ebenfalls genüsslich bis zum Ende haben wir jedes einzelne Bild verschlungen, da man bis zuletzt an den wunderbaren Animationen, dem markanten Zeichenstil und der schönen Optik festgehalten hat. Ähnliches gilt auch für den Soundtrack der Serie, der wirklich fantastisch jede einzelne Szene unterlegt. Es war uns nicht möglich, hier das Haar in der Suppe zu finden – selbst die Lüftung der Identität des vermeintlichen Bösewichts ist gleichermaßen offensichtlich, als auch geschickt umgesetzt, dass man es zwar hätte kommen sehen müssen, man aber in keinem einzelnen Moment daran gedacht hat. In puncto Bonusmaterial fährt man dasselbe Hauptprogramm wie in den drei Volumes zuvor ab – mit dem Unterschied, dass ein Special vom Youtube-Kanal Ninotaku auf der Blu-ray Disc vorliegt. Hier erhalten wir leichte Einblicke in die Synchronisation mit den deutschen Sprechern. Fans der deutschen Fassung wird das freuen, doch wer den japanischen Originalton bevorzugt, hätte sich lieber Specials mit den japanischen Sprechern gewünscht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nachdem ich nun die letzten Episoden der ersten Staffel von Attack on Titan gesehen habe, will ich mehr – viel mehr! Die Anime-Serie gehört für mich definitiv zum Besten, was ich seit langer Zeit gesehen habe. Das Universum ist facettenreich gestaltet, bietet mit vielseitigen Charakteren jede Menge Spielraum für zwischenmenschliche Beziehungen und überrascht im Handlungsverlauf mit zahlreichen Wendungen und cleveren Ideen. Hinzu kommt ein markanter Zeichenstil mit einem ebenso fantastischen Soundtrack, der das Ansehen jeder einzelnen Szene zum Genuss macht. Kaum hat man eine Episode zu Ende gesehen, will man sich auch schon aus Reflex die nächste Folge ansehen – und das immer und immer wieder. Nur selten habe ich bei einer Anime-Serie den Wunsch, sie regelrecht zu verschlingen. Entsprechend lässt sich an diesem Punkt abschließend sagen, dass ich jedem einzelnen Anime-Fan Attack on Titan nahelegen kann. Die Serie ist einfach nur großartig und gehört absolut zu den besten Anime aller Zeiten!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan (Vol. 4)!

Prime Time: Fairy Tail – Box 1 (Unboxing)

Publisher Kazé Anime hat Fairy Tail nun endlich auch in Deutschland veröffentlicht. Unser Chefredakteur hat sich die erste Volume der Serie angeschaut und seine Erkenntnisse in einem Review festgehalten. Passend dazu möchten wir euch heute auch das Unboxing-Video präsentieren – in diesem geht Eric auf die haptischen, optischen und physischen Vorzüge der ersten Serienbox ein. Wir wünschen euch viel Vergnügen!

Review: Fairy Tail (Box 1, Episoden 1-24)

Nachdem bekannt wurde, dass sich Kazé Anime die Lizenz von Fairy Tail für den deutschsprachigen Raum geschnappt hat, haben sich Fans auf die Veröffentlichung der Serie gefreut. Die erste von hoffentlich vielen weiteren Volumes begeistert uns zumindest fast durchgehend.

Im Königreich Fiore ist Magie etwas Alltägliches, denn im ganzen Land gibt es verschiedene Gilden, in denen Magier ausgebildet werden. Natsu Dragneel, ein Magier der titelgebenden Gilde Fairy Tail, verschlägt es zu Beginn der Anime-Serie zusammen mit seiner fliegenden blauen Katze Happy in die Stadt Hargeon, in der Zauberei nicht an der Tagesordnung steht. Entsprechend selten und besonders sind die wenigen Magier, die sich ins verschlafene Städtchen verirren. Zur selben Zeit begibt sich auch die Stellarmagierin Lucy Heartfilia nach Hargeon, da sie auf der Suche nach dem Feuermagier Salamander ist. Auf dem hiesigen Marktplatz macht sie dessen Bekanntschaft: Er bietet ihr an, sich ihm und somit der Gilde Fairy Tail anzuschließen. Da allerdings Natsu der wahre Feuermagier Salamander ist, darf dieser es natürlich nicht gestatten, dass sein Name und der Ruf der Magiergilde in den Schmutz gezogen werden. Zu viele Worte wollen wir über die Geschehnisse in der ersten Episode allerdings nicht verlieren – über kurz oder lang schweißen Natsu, Happy und Lucy jedoch zu einem unschlagbaren Team zusammen, das in der Serienhandlung ein Abenteuer nach dem anderen erlebt. Durch die kleineren Abenteuer in der ersten Serienbox bleibt so sehr viel Spielraum für Charakterentwicklung und Hintergründe, aber kaum Platz für eine stringente Geschichte.

Illustre Runde

Obwohl die ersten 24 Episoden, die jeweils eine ungefähre Laufzeit von 25 Minuten haben, mehrere Handlungsstränge aufgreifen, sind diese kleineren Abenteuer dennoch recht unterhaltsam. Zudem kann man die kurzen Geschichten der Serie schnell verzeihen, da die illustren Figuren mit ihren komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen erst einmal aufgenommen werden müssen. Das geht sogar soweit, dass wie bei One Piece mehrmals auf die Kindheit der verschiedenen Charaktere eingegangen und in epischer Breite erzählt wird. Natsu wird in der Regel als stets motivierter und für das Gute einsetzender Feuermagier, der sowohl Flammen zum Frühstück verspeist, als auch Glut spucken kann, vorgestellt. Allerdings lassen manche seiner Aussagen an seiner Intelligenz zweifeln – im krassen Gegensatz dazu steht Lucy, die mit ehrlichen Ratschlägen ihre neuen Freunde unterstützt. Der alltägliche Wahnsinn der Gilde Fairy Tail macht allerdings auch vor ihr keinen Halt und so lässt sie sich gerne auch mal zu Natsus verrückten Ideen überreden. Mit der Zeit vergrößert sich die Truppe um zwei weitere Figuren. Da wäre zum einen der Eismagier Gray Fullbuster, der sich mit seinem Rivalen Natsu regelmäßig streiten muss und zudem den Drang hat, sich zu entkleiden. Zum anderen gibt es noch die hübsche Magiern Erza Scarlet, vor der jedes Mitglied der Gilde aus Angst zittert.

Übertriebener Humor

Anhand dieser Charaktere lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Fairy Tail in so gut wie jeder Szene versucht, witzig zu sein. Dies gelingt der Anime-Serie auch weitgehend. Während durch die geschickte Betonung der Synchronsprecher in der japanischen Fassung absolut kein Auge trocken bleibt, kann die Serie allerdings auch in der deutschen Version punkten. Julius Jellinek und besonders seinen Kolleginnen Lina Rabea Mohr und Charlotte Uhlig gelingt es, ihren Charakteren reichlich japanischen Charme einzuhauchen. Nur manchmal hatten wir das Gefühl, dass man auf den einen oder anderen Gag hätte verzichten können – weniger ist bekanntlich oft mehr. Wer jedoch Serien wie One Piece oder Dragon Ball Z Kai mag, wird mit dem Humor von Fairy Tail schnell konform gehen. One Piece ist in diesem Zusammenhang ein gutes Stichwort, denn Mashima Hiro, dem Zeichner der Manga-Vorlage, wird aufgrund des Zeichenstils von Fairy Tail oft nachgesagt, er sei einmal Oda Eiichirōs Assistent gewesen. Dies ist zwar nicht der Fall, doch die Ähnlichkeiten zu Odas Zeichenstils sind nicht von der Hand zu weisen. Aufgrund des unterschiedlichen Settings, auf der einen Seite Piraten, auf der anderen Seite Magier, hat Fairy Tail jedoch reichlich Alleinstellungsmerkmale vorzuweisen, denen man als Fan von Anime-Serien mit mystischen Inhalten eine Chance geben sollte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Sehr habe ich mich darüber gefreut, dass die Anime-Umsetzung von Fairy Tail endlich auch in Deutschland veröffentlicht wurde. Aufgrund von Zeitmangel habe ich es nämlich nie geschafft, mir die von Freunden oft gelobte Manga-Vorlage anzuschauen. Die ersten 24 Episoden haben mir von Fairy Tail ein gutes Bild gegeben, was ich von der Anime-Serie erwarten darf. Das sind in erster Linie überschaubare sowie spannende Geschichten und übertriebene Witze, die meistens hervorragend miteinander harmonieren. Schade finde ich in diesem Zusammenhang nur, dass die ersten Folgen in meinen Augen sich zu sehr mit den Charakteren beschäftigen und so quasi nur ein Abenteuer nach dem anderen abgehandelt wird. Da es sich jedoch hierbei nur um die ersten Episoden einer sehr langen Geschichte handelt, drücke ich gerne noch ein Auge zu – schließlich müssen nicht nur die Figuren, sondern auch das Universum Stück für Stück erläutert werden. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich dies noch ändern kann und entsprechend schon sehr gespannt darauf, wie sich Fairy Tail in den nächsten Folgen entwickeln wird!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fairy Tail (Box 1, Episoden 1-24)!

Prime Time: Fire Emblem Warriors – Limited Edition (Unboxing)

Am 20. Oktober 2017 erschien in Europa das Spiel Fire Emblem Warriors für die Nintendo Switch. Unser Chefredakteur Eric hat sich die Limited Edition vorbestellt und verrät euch, ob der Verkaufspreis von circa 75 Euro für diese Ausgabe gerechtfertigt ist. Wir wünschen euch viel Spaß beim Konsumieren!

Prime Time: Dragon Ball Z Kai (TV-Serie, Box 3) (Unboxing)

Vor einigen Tagen haben wir im Rahmen eines Reviews die dritte Volume von Dragon Ball Z Kai vorgestellt. Heute möchten wir euch in Form eines Unboxing-Videos die phystischen Vorteile der dritten Serienbox präsentieren. Wir wünschen euch viel Spaß beim Anschauen unseres Videos!

Prime Time: Elex – Collector’s Edition (Unboxing)

Am 17. Oktober 2017 erschien das Spiel Elex in Deutschland. Unser Chefredakteur, großer Fan des Entwicklerstudios Piranha Bytes, hat sich die teure Collector’s Edition gekauft und stellt sie euch heute in unserem Unboxing-Video vor. Ob diese Edition ihren hohen Verkaufspreis rechtfertigt, verrät euch Eric im Video. Wir wünschen euch gute Unterhaltung!

Review: Chrono Crusade

Chrono Crusade hat die Fans nach Ausstrahlung des Animes im Jahr 2003 gespalten. Die einen bezeichnen die Serie durchaus als unterhaltsames Popcornkino und die anderen raten eher dazu, sich viel lieber die Manga-Vorlage anzuschauen. Wir schließen uns letzterer Gruppe an.

Mit den echten Magdalenerinnen hat der Magalena-Orden in Chrono Cross zwar nichts zu tun, doch hindert das die Anime-Serie nicht daran, diese als Vorlage zu nutzen, um die Geschichte ins Rollen zu bringen. Die Nonnen schützen die Menschheit vor Dämonen, wobei die Serie zeitlich in den 1920er Jahren angesiedelt ist und überwiegend in den Vereinigten Staaten von Amerika, genauer gesagt im Bundesstaat New York, spielt. Später ist unter anderem auch ein Ausflug nach Kalifornien beziehungsweise San Francisco Teil der Handlung. Im Mittelpunkt dieser steht die Ordenskriegerin Rosette Christopher, die zusammen mit dem Teufel Chrono auf Dämonenjagd geht. Das ungleiche Paar sorgt trotz vorzeigbarer Erfolge für reichlich Chaos, sodass Rosette nicht selten Schelte von der Obrigkeit erhält. Dieser Handlungsverlauf wiederholt sich mehrmals, bis der Anime ungefähr ab der Serienhälfte ein wenig eigenständiger wird und den Fokus auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und das Konkurrenzdenken zwischen der Juwelenhexe Satella Harvenheit und Rosette legt, sowie die Suche nach deren Bruder vertieft. Eingewoben ist die Serie in einen größeren und sogar religiösen Kontext, in der es um die Wiedergeburten der sieben Apostel geht, die Wunder bewirken können. Wie genau das zusammenhängt, müsst ihr durch das Anschauen jedoch selbst herausfinden.

Ein Fall von Gegensätzen

Um das Universum, in dem die Serie angesiedelt ist, glaubhafter beziehungsweise nachvollziehbarer zu machen, hat man kurze Bonus-Episoden auf die Discs gepackt, die Einzelheiten der 1920er Jahre und des christlichen Glaubens charmant erklären. Unter technischen Gesichtspunkten kann Chrono Crusade aber nicht ganz glänzen. Das hat vor allem mit dem Stil der Anime-Serie zu tun. So gut wie jeder der zahlreichen Hintergründe, der im 4:3-Bildformat (1,33:1) in der Auflösung von 1080p erstrahlt, ist in dunkle beziehungsweise triste Farben gehüllt. Das passt sehr gut zum dargestellten Zeitabschnitt der Geschichte und dies alleine wäre an sich zwar noch kein Problem, doch auch die Nebenfiguren werden ähnlich melancholisch gezeigt. Im krassen Gegensatz dazu werden die Hauptfiguren meist mit hellen Farben dargestellt, sodass diese häufig aus der Gesamtmasse unschön herausstechen. Einzig und allein in nächtlichen Szenen verblasst auch der Glanz der Protagonisten, sodass Chrono Crusade nur dann ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Hier hätten wir von Animationsstudio Gonzo definitiv mehr erwartet. Dafür kann uns der Soundtrack von Itō Masumi, der nicht selten auf gut abgestimmte Klavierklänge zurückgreift, überzeugen. So bleiben uns die Szenen, die wichtig für die zwischenmenschlichen Beziehungen der Charaktere sind, besonders in Erinnerung.

Problematische Synchronisation

Beide Tonspuren liegen im Format DTS-HD Master Audio 5.1 vor, sodass die Musik klar und deutlich aus den Lautsprechern unseres Wiedergabegeräts ertönt. In puncto Synchronisation möchten wir allerdings unbedingt zum Originalton raten. In dieser ist beispielsweise die leider bereits verstorbene Kawakami Tomoko in der Rolle von Rosette zu hören. Videospieler kennen sie möglicherweise als Stimme von Aika aus dem Rollenspiel Skies of Arcadia. Ishida Akira, der in Fate/Zero Uryū Ryūnosuke gesprochen hat, ist ebenfalls mit von der Partie und spricht Chrono. Die deutsche Synchronfassung ist zwar in Ordnung, doch sind einige Stimmen wie die von Marie-Luise Schramm trotz passender Betonungen auf Dauer anstrengend. Immerhin können viele Nebenfiguren mit bekannten Sprechern punkten. Karl Schulz, den die meisten als markante Stimme von Muten Rōshi aus Dragon Ball Z oder Jet Black aus Cowboy Bebop kennen, ist als Wissenschaftler Edward Hamilton zu hören. Tilo Schmitz, der wohl am ehesten als deutsche Stimme von Teal’c aus Stargate bekannt ist, spricht in Chrono Crusade Ricardo Hendric. Die Popularität der Sprecher täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass die japanische Sprachausgabe dynamischer wirkt. Hinzuschaltbare deutsche Untertitel helfen allen Zuschauern, die des Japanischen nicht mächtig sind, beim Verstehen des Gesprochenen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Leider muss ich gestehen, dass ich mit der Anime-Serie Chrono Crusade von Anfang an nicht wirklich warm geworden bin. Die Geschichte dreht sich in meinen Augen immer nur darum, dass Rosette Christopher und Chrono zum Einsatzort der Polizei geschickt werden, um einen Dämon nach dem anderen zurück in die Hölle zu schicken. Erst nach einigen Episoden kann sich die Anime-Serie von diesem Konzept lösen und fühlt sich dann auch für mich ein wenig frischer an. Immerhin ist das Szenario originell, der Humor für das Genre angenehm und die Action durchaus ansehnlich. Meiner Meinung nach hätte aber die gesamte Handlung eher in einzigen Film gepasst, als dass man sie auf 24 Episoden mit 600 Minuten Laufzeit ausweiten müsste. Zwar habe ich die Manga-Vorlage von Moriyama Daisuke nicht gelesen, doch scheint diese laut einigen Fans die bessere Wahl zu sein. Daher möchte ich die Anime-Serie auch nur Fans der Vorlage empfehlen, die mit den Defiziten sicherlich leben können. Wer sich von diesen ohnehin nicht abschrecken lassen will und dennoch neugierig auf die Anime-Serie ist, darf ebenso einen Blick riskieren. Alle andere schauen sich lieber Alternativen wie Blue Exorcist an.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Chrono Crusade!

© 2003 Gospel (Abbildungen)

Review: Attack on Titan (Vol. 3)

Während die erste Volume von Attack on Titan dazu genutzt wurde, um das recht facettenreiche Universum zu beleuchten, war die zweite Ausgabe nur eine konsequente Fortsetzung der Geschehnisse. Der dritten Volume gelingt es, der Handlung ganz neuen Schwung zu verleihen.

Nachdem Eren Jäger von einem Titanen lebendig verspeist wurde, hat man ihn logischerweise für tot gehalten. Allerdings verstarb Eren nicht – er hat durch das Ereignis eine neue Fähigkeit erhalten, mit der er sich selbst in einen Titanen verwandeln kann. Auf der einen Seite stellt er so für die Menschheit eine Waffe im Kampf gegen die Kolosse dar und auf der anderen Seite wird er von seinen Mitmenschen als Bedrohung eingestuft. Schließlich ist er nach der Verwandlung ein Titan, der noch dazu nicht im Stande ist, seine Kräfte zu kontrollieren. Nach langem Hin und Her in der zweiten Volume der Anime-Serie, in der man mit Erens Hilfe ein großes Loch in einer Mauer geschlossen hat, um die Titanen aufzuhalten, hat man ihn schließlich gefangen genommen und in ein Verlies geworfen. Dort wartete er unwissentlich auf das Tribunal, wo über sein Schicksal entschieden werden soll. Während der Gerichtsverhandlung soll nicht nur über Leben und Tod geurteilt, sondern auch geklärt werden, in welche Division der angehende Rekrut eingeteilt werden soll. Da Eren sich schon immer für den Aufklärungstrupp interessierte, wird er in diese Abteilung versetzt und dem Hauptgefreiten Levi Ackermann unterstellt. Dieser hat die Aufsicht über ihn und erhält von der Obrigkeit den Auftrag, das große Gebiet zwischen der Mauer Rose und der Mauer Maria zurückzuerobern.

Gesammelte Kräfte

In der dritten Volume werden viele neue Charaktere vorgestellt, welche die Serienhandlung durchaus bereichern. Levi wird nach außen als gefühllose Persönlichkeit charakterisiert, doch in den wichtigsten Szenen wird deutlich, dass er sich sehr wohl für seine Mitmenschen interessiert und sie in seiner militärischen Position unterstützt und beschützt. Eine weitere wichtige Figur wäre Abteilungsleiterin Hanji Zoe, die die Titanen wissenschaftlich untersucht und Experimente an zwei lebendig gefangenen Exemplaren durchführt. Nachdem derlei wissenschaftliche Erkenntnisse in der zweiten Volume aufgrund der großen Schlacht im Bezirk Trost ausbleiben mussten, freuen wir uns darüber, dass wir in den vorliegenden sechs Episoden neue Einblicke in das Universum von Attack on Titan erhalten. Das Leben der anderen Rekruten wird ebenfalls beleuchtet. Einige von ihnen, darunter auch viele von Erens Freunden, treten ebenfalls dem Aufklärungstrupp bei. Gemeinsam rücken sie mit ihrem Kommandanten Levi aus, um Eren sicher zur Mauer Rose zu bringen. Unterwegs machen die verschiedenen Einheiten der großflächigen Formation allerdings Bekanntschaft mit einem neuen Titanen, der nicht seinen Hunger stillen will, sondern auf der Suche nach Eren ist. Entsprechend spannend und ebenso dynamisch bleibt die zweite Hälfte der dritten und somit vorletzten Volume.

Hervorragendes Gesamtbild

Attack on Titan erfährt mit den enthaltenen Episoden in puncto Spannung und Erzählstruktur neuen Aufwind. Nicht besser hätte man hingegen die technische Gestaltung der Anime-Serie machen können. Diese gehört unter optischen und akustischen Gesichtspunkten nach wie vor genreübergreifend zum Besten, was die Anime-Landschaft zu bieten hat. Hübsche Charaktere, flüssige Animationen und nicht lächerlich wirkende dreidimensionale Effekte sind das Ergebnis, das uns im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p vorgesetzt wird. Der Soundtrack unterlegt sämtliche Situationen je nachdem entweder mit ruhigen oder mit bedrohlichen Klängen. Glaubhafte Soundeffekte und eine sowohl deutsche, als auch gute japanische Synchronisation vervollständigen das Gesamtbild. Im Originalton sind beispielsweise Ono Daisuke in der Rolle von Erwin Smith und Kaji Yūki als Stimme von Eren zu hören. In der deutschen Synchronisation übernehmen Peter Flechtner und Max Felder diese Aufgaben. Großartige Änderungen beim Bonusmaterial wurden bei der dritten Volume nicht vorgenommen. Im digitalen Bonusbereich liegen nun allerdings Clear Opening und Clear Ending neben den abermals enthaltenen und nach wie vor sehr lustigen Mini-Episoden bei. Ein netter Bonus, wobei Interviews, Making-ofs und Co jedoch sehr viel interessanter gewesen wären.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Als ich die Episoden der zweiten Volume von Attack on Titan gesehen habe, war ich nach dem wirklich großartigen Serienauftakt doch ein wenig überrascht, dass die Qualität der Serie bereits in der zweiten Ausgabe ein wenig nachgelassen hat. Daher freue ich mich umso mehr, dass dies wohl der Erzählweise, die sich voll und ganz auf die Schlacht im Bezirk Trost konzentriert hat, geschuldet ist. In der dritten Ausgabe gibt es für mich endlich wieder einen Grund zur Freude, denn die Handlung hat deutlich an Fahrt aufgenommen und trotz der dynamischen Erzählstruktur gelingt es der Serie mit eingeworfenen Informationen, jederzeit spannend, interessant und schlichtweg unterhaltsam zu sein. Mit neuen Hintergründen, sowie weiteren Freunden und Feinden im Geflecht der zwischenmenschlichen Beziehungen, gehört die dritte Volume von Attack on Titan nach der wunderbaren Exposition zu den Highlights der Serie. Wer das erste und zweite Episodenpaket verschlungen hat, der wird nicht um den Kauf der dritten Ausgabe herumkommen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan (Vol. 3)!

Preview: Need for Speed: Payback

2015 konnte Electronic Arts mit dem letzten Ableger der Need-for-Speed-Reihe eines der schönsten Rennspiele aller Zeiten auf den Bildschirm zaubern. Nach dem viertelstündigen Anspielen von Need for Speed: Packback sind wir uns sicher, dass dies erneut gelingen wird.

In der Anspielversion auf der Gamescom 2017 hatten wir die Auswahlmöglichkeit zwischen zwei verschiedenen Spielmodi. Wir konnten sowohl in die Einzelspielerkampagne einsteigen, als auch in einem separaten Rennen mitmischen. Zunächst haben wir uns für die Mission aus der Kampagne entschieden, in der wir in einem schicken Sportwagen einem Lastwagen hinterher fahren müssen, damit unsere Komplizin diesen kapern und mit einem anderen schönen Flitzer entkommen kann. Unterwegs machen wir Bekanntschaft mit diversen Verfolgern, die wir insofern abschütteln, indem wir sie rammen. Jede Kollision wird hier filmreif inszeniert. Das sieht zwar schön aus, reißt uns aber stets aus dem Fahrgefühl heraus. Hintergründig wird in Need for Speed: Payback abermals eine Geschichte erzählt. Diesmal spart sich Electronic Arts die mit Schauspielern gedrehten Zwischensequenzen aus Need for Speed. Das hat den Vorteil, dass die ganze Story nun nahtlos in Spielgrafik erzählt werden kann. Wer die Cutscenes aus dem Vorgänger jedoch mochte, wird diese Entscheidung vielleicht nicht begrüßen. Das einzelne Rennen hat uns ebenfalls gefallen, da die künstliche Intelligenz der Computergegner sich aktuell auf einem sehr humanen Niveau bewegt und niemals zu schwer oder zu leicht zu besiegen ist. Glücklicherweise verzichtet man hier auf die Kollisionen in Zeitlupe.

Geschmeidige Steuerung und nervige Kollisionen

Die Steuerung des Spiels funktioniert – anders als beim Konkurrenten The Crew 2 – wirklich sehr gut. Jeder unserer Befehle wird schnell und vor allem direkt auf unser Fahrzeug übertragen. Drifts fühlen sich geschmeidig an und hohe Geschwindigkeiten gehen sofort ins Mark über. Das einzige, was hier stört, ist der Übergang von einer der filmreifen Kollisionen. Da diese fast schon wie eine Zwangsneurose der Entwickler wirken, braucht es danach immer wieder ein paar Sekunden, bis wir wirklich wieder mitten im Geschehen stecken. Das hätte man wesentlich besser lösen können – beispielsweise indem man auf den Unsinn abseits der wichtigsten Punkte innerhalb einer Story-Mission verzichtet hätte. In restlichen technischen Belangen kann Need for Speed: Payback aber deutlich punkten. Die Umgebungsgrafiken, die sich in der Anspielversion auf einen Wüstenabschnitt beschränken, sehen fantastisch aus und verschwimmen angenehm bei einer hohen Fahrgeschwindigkeit. Dazu gesellt sich ein passender Soundtrack, der die Rennen in pures Adrenalin tränkt – zumindest die in der Demo verwendeten Musikstücke haben dieses Gefühl bei uns hervorgerufen. Ob der restliche Soundtrack ebenso überzeugt, werden wir zum Release des Spiels am 10. November 2017 erfahren. Wir sind aber zuversichtlich, dass uns das Spiel für lange Zeit an den Bildschirm fesseln wird.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Seit Jahren freue ich mich immer wieder aufs Neue, wenn ein weiterer Teil der Need-for-Speed-Reihe erscheint. Mit der letzten Folge habe ich unglaublich viele Stunden verbracht, sodass ich den Titel stets bis Tief in die Nacht spielen musste. Das Anspielen von Need for Speed: Payback hat mir auf der Gamescom sehr viel Spaß gemacht. Optisch gehört der Titel zu den schönsten Spielen seiner Zunft und auch die Steuerung funktioniert – und das ist für ein Rennspiel ein sehr wichtiges Kriterium. Dass die Story keinen Blumentopf gewinnen wird, dürfte jedem klar sein – so gut wie in keinem Rennspiel wurde eine bedeutsame Handlung erzählt und auch Payback dürfte das Rad nicht neu erfinden. Viel mehr frage ich mich jedoch, wie groß die Spielwelt ausfällt, ob es verschiedene Rennszenarien gibt und ob ich die gut gemeinten Kollisionszwischensequenzen auch abschalten kann. Diese haben mich zumindest in der Story-Mission unglaublich genervt, da sie mich stets aus dem rasanten Fahrvergnügen geworfen haben. Trotzdem ist dies für mich aktuell nur ein kalter Tropfen auf den heißen Stein, denn das Renngefühl ist bereits jetzt beeindruckend.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Einladung zur Gamescom-Präsentation von Need for Speed: Payback!

Review: Heat Guy J

Obwohl Heat Guy J bereits im Jahr 2002 über die japanischen Fernsehbildschirme flimmerte und die Anime-Serie hierzulande schon vor ein paar Jahren veröffentlicht wurde, folgt mit der Gesamtausgabe eine Neuveröffentlichung des hochqualitativen Werks von Studio Satelight.

Heat Guy J erzählt die Geschichte des Polizisten Daisuke Aurōra und seines titelgebenden Partners Jei, kurz J. Bei J handelt es sich um den einzigen Androiden, dem es erlaubt ist, in der Stadt Judo zu leben. Zusammen mit ihrer Kollegin Kyōko Milchan bilden sie die Spezialeinheit der riesigen Stadt, die Züge von New York City und Tōkyō aufweist und mit verwinkelten Seitengassen auch ein wenig italienisches Flair versprüht. Tatsächlich handelt es sich bei Judo jedoch um eine Stadt, in der viele Ethnien Platz haben, sodass die verschiedenen Figuren sowohl japanische, als auch englische, deutsche und italienische Namen tragen. Dennoch ist die Welt, die aus sieben Megastädten und einem nur wenig beleuchteten Umland besteht, rein fiktiv. Hauptsächlich erzählt die Anime-Serie mehrere kleine Fälle, die Daisuke und J zu bearbeiten haben. Durch das beiläufige Einwerfen von vielen kleinen Informationshäppchen und durch das regelmäßige Einführen von weiteren Charakteren ergibt sich mit der Zeit ein roter Faden, der auf das Lösen des Mordfalls von Daisukes Vater hinzielt. Nebenher wird die Geschichte von Clair Leonelli erzählt, der nach dem Tod seines Vaters zum neuen Oberhaupt der Mafia gewählt wird. Die Anime-Serie steckt so voller liebevoller Details und Ideen, die sich mit jeder weiteren Folge zu einem stimmungsvollen Mosaik zusammensetzen.

Blick aufs US-amerikanische Kino

Unter optischen Gesichtspunkten kann man der Anime-Serie anmerken, dass sich das Produktionsteam an US-amerikanischen Science-Fiction-Werken orientiert hat. So glüht in einer Szene beispielsweise das Auge eines Androiden rot auf, was direkt an den Terminator aus dem gleichnamigen Film von Regisseur James Cameron erinnert. Fahrstühle und das Büro von Shun Aurōra ähneln, wenn auch nicht in ihrer Farbgebung, dem Film Blade Runner. Selbst das Androidengesetz, das besagt, dass Androiden keinen Fuß in die Stadt Judo setzen dürfen, scheint vom Replikantengesetz aus Ridley Scotts Film inspiriert worden zu sein. Durch die mafiösen Strukturen, die in Judo herrschen, ist es auch nicht verwunderlich, dass sich das Produktionsteam ebenfalls am Stil von Gangsterfilmen bedient hat. Das Geschäftszimmer von Clair Leonelli kommt, ähnlich wie Don Corleones Büro aus Der Pate, ebenfalls nicht ohne erinnerungswürdige Jalousien aus, die die gesamten Szenen im Raum verdunkeln. Dennoch wird die Serie deshalb nicht gänzlich in dunkle Farben getränkt; viele Szenen spielen tagsüber in Judo und zeigen die Stadt trotz spürbarer Gegensätze als fröhlichen Ort. Da der Anime aus dem Jahr 2002 stammt und selbst in Japan bis heute keine Blu-ray-Veröffentlichung stattfand, ist die Bildqualität leider erst ab einem gesunden Abstand zum Fernseher als gut einzustufen.

Prominente Synchronsprecher

Um das mittelprächtige Bild im 16:9-Bildverhältnis auszugleichen, kann Heat Guy J mit einer angenehmen Tonqualität im Format Dolby Digital 2.0 punkten. Dies gilt sowohl für die deutsche, als auch für die japanische Tonspur. Beide Synchronisationen kommen nicht ohne prominente Sprecher aus. Im japanischen Original wird Daisuke Aurōra beispielsweise von Matsukaze Masaya gesprochen, den Videospieler beispielsweise als Stimme von Hazuki Ryō aus Shenmue kennen. Für Android J zeigt sich hingegen Sugō Takayuki verantwortlich, der zuvor schon in vielen Anime-Serien und Videospielen Charakteren seine Stimme lieh. Bei der deutschen Synchronisation sind sogar einige Sprecher zu vernehmen, deren Stimmen selten in Anime zu hören sind. Hans-Georg Panczak, den die meisten sicherlich als Synchronsprecher von Luke Skywalker aus dem Star-Wars-Franchise kennen, spricht Boma. Mit dem bereits verstorbenen Norbert Gastell und Christoph Jablonka sind hingegen beide deutsche Stimmen von Homer Simpson aus Die Simpsons zu hören. Des Weiteren stammt die Stimme von Hauptdarsteller Daisuke von Dirk Meyer, der in One Piece den Charakter Lysop spricht. Beide Versionen gefallen uns zwar sehr gut, doch bei der deutschen Fassung ist anzumerken, dass der Ton der 25. Episode leicht zeitverzögert aus den Lautsprechern trällert – da es sich hierbei um die Neuveröffentlichung handelt, ist die fehlende Nachbearbeitung etwas ärgerlich.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Heat Guy J ist wirklich ein fantastischer Anime, den vermutlich viel zu wenige Anime-Liebhaber kennen, aber unbedingt noch kennenlernen sollten! Obwohl sich in den Jahren nach dem Fernsehserienboom viele an abgeschlossenen Episoden stören dürften, fällt das meiner Meinung nach bei Heat Guy J nicht ins Gewicht. Es werden genau richtig viele Episoden abgeschlossen und wichtige Folgen mit einem Cliffhanger versehen. Viel wichtiger ist jedoch, dass in so gut wie jeder Episode Informationen eingeschmissen werden, die entweder die Geschichte von Daisuke Aurōra vorantreiben oder das Universum mit Leben füllen. Heat Guy J packt ein gesundes Maß an Inhalte in nur 26 Folgen beziehungsweise 650 Minuten Laufzeit – und dennoch habe ich Lust, noch mehr Abenteuer in dieser fantastischen Welt zu erleben. Aktuell habe ich sogar den Wunsch, nachdem ich die Serie in nur zwei Tagen komplett gesehen habe, sie noch einmal anzuschauen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass ich die Serie jedem, der ein wenig mit dem Science-Fiction-Genre á la Blade Runner oder Psycho-Pass anfangen kann, ans Herz legen möchte. Heat Guy J hat es einfach verdient, von einem viel größeren Publikum genossen zu werden!

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Heat Guy J!

© 2002 SATELIGHT/HEATGUY-J PROJRCT (Abbildungen)

Review: Serial Experiments Lain

In Japan lief Serial Experiments Lain bereits 1998 auf dem Fernsehsender TV Tōkyō. Da der Anime-Boom in Deutschland noch ein wenig auf sich warten ließ, mussten wir auf die DVD-Veröffentlichung bis ins Jahr 2004 warten. 2017 erschien endlich auch die Blu-ray-Fassung.

Die Geschichte von Serial Experiments Lain dreht sich um die dreizehnjährige Iwakura Rein, deren Name für die Veröffentlichung zur titelgebenden Lain stilisiert wird. Sie lebt zusammen mit ihren Eltern und ihrer Schwester im Herzen von Tōkyō und besucht wie ein gewöhnliches Mädchen die Mittelschule. Obwohl sich Lain scheinbar am liebsten in der realen Welt aufhält, entwickelt sie im Verlauf der Geschichte ein größeres Interesse an der „The Wire“ genannten digitalen Welt. Bei The Wire handelt es sich um eine Mischung aus Internet und Virtual Reality, in der soziale Kontakte ähnlich möglich sind wie in der echten Welt. Aufgrund ihres steigenden Interesses am Netzwerk isoliert sie sich auf den ersten Blick weiter von der richtigen Welt – mit jeder weiteren Episode, die man sich von Serial Experiments Lain anschaut, wird jedoch klar, dass die Grenzen der digitalen und realen Welt für Lain verschwimmen und ineinander übergreifen. Die Story der dreizehnteiligen Anime-Serie ist komplex und schwer zu erklären, da Regisseur Abe Yoshitoshi viele Handlungsstränge bewusst offen lässt, sodass man als Zuschauer an vielen Stellen seine eigenen Schlüsse ziehen muss. Das Konzept geht unserer Meinung nach auf. Problematisch dürfte höchstens für den Publisher sein, dass die aus heutiger Sicht kultverdächtige Anime-Serie so nur auf ein überschaubares Publikum zielt.

Paralysierende Symbiose

Aufgrund dessen, dass der Anime im Jahr 1998 erstmals über die japanischen Fernsehbildschirme flimmerte, ist es verständlich, dass das Bildformat trotz der Auflösung von 1080p nur im Verhältnis 4:3 (1:1,33) vorliegt. Die schwarzen Balken links und rechts auf dem Bildschirm stören aber keineswegs, denn aufgrund der Thematik, die technische Errungenschaften und somit den Standard der späten 1990er Jahre in den Mittelpunkt stellt, ergibt sich zusammen mit der düsteren Akustik ein sehr atmosphärisches Gesamtbild. Meistens werden Räumlichkeiten mit dunklen Farben ausgeschmückt, die nur durch elektronisches Licht aufgehellt werden. Dennoch ist so die Kälte und die dunkle Grundstimmung, die aufgrund der weitgehend isolierten oder introvertierten Charaktere manchmal fast schon an einen Horrorfilm erinnert, jederzeit zu spüren. Während sich der Soundtrack gelegentlich auf Klavierklänge stützt, aber überwiegend aus elektronischer Musik besteht, tragen gar Soundeffekte maßgeblich zur Stimmung bei. Das Vorhandensein von elektrischem Strom ist im vernetzten Tōkyō übertrieben laut zu hören, was zu Reglosigkeit führt. Bild und Akustik paralysieren einfach mit jeder Folge zunehmend, sodass man sich von der ersten Minute an alleine aufgrund der technischen Gestaltung nicht mehr rühren kann. Nur selten haben wir eine ähnlich gute Symbiose erlebt.

Gelungene Synchronfassungen

Während die deutsche Tonspur im Format DTS-HD Master Audio 5.1 vorliegt, kann der japanische Originalton mit unkomprimiertem Ton im Format PCM 2.0 glänzen. Verständlich und bedrückend ist der Soundtrack bei beiden Tonspuren gleichermaßen. Ebenfalls auf derselben Höhe ist die Auswahl der Synchronsprecher. In der japanischen Originalfassung spricht Shimizu Kaori Hauptfigur Lain. Shimizu dürften manche Zuschauer unter anderem aus den Anime-Serien Inu Yasha oder School Rumble, andere wiederum aus ihrer Gesangskarriere kennen.  Ebenfalls aus dem Bereich der Musik und als Stimme von Saber in Fate/Zero bekannt ist Kawasumi Ayako, die in Serial Experiments Lain Iwakura Mika spricht. In der deutschen Fassung wird Mika hingegen von Diana Borgwardt gesprochen, die am ehesten als deutsche Stimme von C18 aus Dragon Ball Z bekannt sein dürfte. Lain selbst wird von Manja Doering gesprochen, die Alyson Flannigan in der American-Pie-Filmreihe ihre Stimme lieh. Beide Synchronfassungen sind zufriedenstellend; im Detail hat der japanische Originalton aufgrund besserer Betonungen die Nase leicht vorn. Wer des Japanischen nicht mächtig sein sollte, kann deutsche Untertitel hinzuschalten. Digitales Bonusmaterial liegt jedoch leider nicht vor; dafür aber eine physische Entschädigung in Form eines kleinen Posters und Stickers.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Serial Experiments Lain ist eine Anime-Serie, die aufgrund ihrer komplexen Handlung und ihres Cyberpunk-Szenarios nicht für den durchschnittlichen Anime-Zuschauer gedacht ist. Die Geschichte um Lain, die zwischen den beiden Welten wandelt, die sich für sie mit der Zeit sogar verbinden, ist intelligent, erwachsen und spannend erzählt. Man klaubt jedes einzelne Informationshäppchen auf und versteht nach dem Ansehen ohnehin nur das, was man sich selbst zusammengereimt hat. Mir gefallen solche Anime-Serien – und Serial Experiments Lain hat den Vorteil, dass man aufgrund des Entstehungszeitpunkts, dem Jahr 1998, auch eine ältere dystopische Zukunftsvorstellung vor sich hat, die zudem noch auf der technischen Seite mit paralysierender Optik und Akustik überzeugen kann. Wer sich auf solch eine Anime-Serie einlassen kann, wird mit Serial Experiments Lain absolut zufriedengestellt werden und kaum bessere Alternativen finden. Alle anderen sollten sich auch trotz der nicht gerade zugänglichen Thematik vielleicht über ihren Schatten springen, denn Serial Experiments Lain hat definitiv die Chance verdient, von einem größeren Publikum genossen zu werden, als nur von einem kleinen und überschaubaren Publikum!

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Serial Experiments Lain!

© 1998 Triangle Staff/Pioneer LDC (Abbildungen)

Review: Dragon Ball Z Kai (Box 3, Episoden 36-54)

Nach dem Auftreten der Saiyajin in der ersten Serienbox und sowohl der Reise nach Namekku, als auch die ersten Schritte auf Pikkoros Heimatplaneten in der zweiten Serienbox, steht in der dritten Ausgabe der erste große Kampf der Dragon-Ball-Z-Kai-Handlung an.

Wie für das Franchise typisch knüpfen die Episoden dieser Serienbox von Dragon Ball Z Kai an die vorhergehenden Ereignisse an. Während Son Gokū im Kampf besiegt wurde und seine Verletzungen in einem speziellen Behältnis in Furīzas Raumschiff auskuriert hat es sich Bejīta nach den Kämpfen ebenfalls gemütlich gemacht. Allerdings bemerkt er nicht, dass Son Gohan, Kuririn und Dende unbemerkt die sieben Dragon Balls vom Planeten Namekku an einen sicheren Ort gebracht haben, um dort den Drachen Porunga zu rufen. Anders wie Drache Shenron, der auf der Erde erscheint, wenn man die dortigen Dragon Balls sammelt, erfüllt Porunga gleich drei Wünsche. Da mehrere Charaktere in den letzten beiden Serienboxen bereits gestorben sind und der Kampf gegen Bösewicht Furīza in greifbare Nähe rückt, möchte das Trio, dass all ihre Freunde aus dem Jenseits ins Diesseits zurückkehren. So einfach wie sie sich das vorstellen, funktioniert ihr Vorhaben aber nicht. Porunga kann bei jedem Wunsch nur einen einzigen Charakter wieder ins Leben zurückrufen. Sie entscheiden sich für Pikkoro und wünschen sich, dass er von Porunga nach Namekku teleportiert wird. Dies gelingt dem Drachen zwar, doch taucht Pikkoro irgendwo auf dem Planeten auf und muss die Helden zunächst aufspüren – dann stirbt jedoch der Oberälteste, wodurch die Macht der Drachenkugeln erlischt.

Komprimierter Kampf mit Lücken

In den Episoden 36 bis 54 steht fast durchgehend der Kampf gegen Furīza im Mittelpunkt. Während sich Pikkoro zu Son Gohan, Kuririn und Dende aufmacht, beginnt für die drei kleinen Helden ein Kampf auf Zeit. Zum Glück bemerkt Bejīta, dass Furīza sich dem Ort des Geschehens genähert hat und mischt sich in den Kampf ein. Während in den Folgen der letzten beiden Serienboxen hauptsächlich die Story im Vordergrund stand und in einem gesunden Verhältnis mit den Kämpfen vermischt wurde, ändert sich dieses Konzept in den vorliegenden Episoden weitgehend. Hier werden Story-Schnipsel beiläufig eingeworfen und in erster Linie kämpfen die Freunde mitsamt ihrem neuen Verbündeten Bejīta gegen den bösartigen Furīza. Das ist jedoch gar nicht so schlimm, wie man es sich als Kenner der Vorlage Dragon Ball Z vorstellen mag. Während dort der Kampf gegen den Tyrannen noch in der 105. Folge wütet, ist der Spuk in Episode 54 von Dragon Ball Z Kai längst vorbei. Die Komprimierung des Kampfes aufs Nötigste funktioniert weitgehend sehr gut. So gehören lästige Filler-Episoden der Vergangenheit an und die Erzählung wirkt wesentlich kompakter. Hin und wieder hatten wir jedoch das Gefühl, dass ein wichtiges Bindeglied zwischen der einen oder anderen Kampfszene fehlt. Da wären erweiterte oder gar neue Szenen angebracht gewesen.

Designentscheidungen der Vorlage

Zusammenhängend wirken Furīzas – wohlgemerkt mehrfache – Einschätzungen, seine Feinde innerhalb von fünf Minuten zu erledigen, wie in der Vorlage auch in Dragon Ball Z Kai sehr lächerlich. Besonders seine letzte Bewertung der Lage, die zudem keinen Gegner betrifft und daher wesentlich zielsicherer sein sollte, hält einige Episoden später noch an. Ebenso fraglich ist die Einbindung von Ginyū in Froschgestalt. Ihm gelingt es für ein bis zwei Episoden seine Gestalt mit Bulma zu tauschen. Hier greift Son Gohan dermaßen schnell ein ohne die Situation gänzlich einzuschätzen, was dann in der Praxis nur wenig nachvollziehbar ist. Davon abgesehen kann der lange Kampf gegen Furīza mit einigen spannenden Höhepunkten überzeugen, da schließlich auch die eine oder andere Kampftechnik zum Einsatz kommt, die wir seit längerer Zeit oder noch sogar noch gar nicht in Dragon Ball Z Kai gesehen haben. Am optischen Gesamtbild hat sich in der dritten Serienbox nicht viel verändert. Nach wie vor können wir alle Folgen im bildschirmfüllenden 16:9-Format bei einer Auflösung von 1080p erleben. Da die Erstausstrahlung der Vorlage in den frühen 1990er Jahren stattfand, kann man dem Bild sein Alter jederzeit anmerken. Dennoch wird der Charme mit markanten Melodien jederzeit gut unterlegt. Bonusmaterial liegt physisch in Form eines Episodenguide und drei Postkarten mit Artworks darauf bei. Digitales Bonusmaterial gibt es erneut nicht zu erforschen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Aufgrund verschiedener Tätigkeiten hatte ich in den letzten Monaten leider kaum Zeit, die Blu-ray-Veröffentlichung von Dragon Ball Z Kai weiter zu verfolgen. Die ersten beiden Serienboxen haben mich sehr zufriedengestellt und auch die dritte Serienbox finde ich gelungen. Allerdings muss ich sagen, dass ich noch nie der größte Fan von ausufernden Kämpfen – und somit auch nie der größte Fan der Vorlage Dragon Ball Z – war. Diese Abneigung merke ich in der dritten Serienbox deutlich, da sich die Handlung fast durchweg auf den Kampf gegen Furīza konzentriert. Auch wenn dieser in den vorliegenden Episoden aufs Wesentliche komprimiert wurde, stören mich hier vor allem Anfeindungen seitens des Bösewichts, der die Helden mehrmals in fünf Minuten besiegen will. Das hat in der Vorlage nicht funktioniert und wurde auch nicht in Dragon Ball Z Kai vernünftig umgesetzt. Wer die Kämpfe aus Dragon Ball Z jedoch mochte, wird auch mit der Neuauflage weitgehend seinen Spaß haben. Für mich bleibt es jedoch die bisher schwächste Serienbox, freue ich mich jedoch bereits jetzt auf weitere Episoden mit Son Gokū und Co!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dragon Ball Z Kai (Box 3, Episoden 36-54)!

Prime Time: Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System

Im November 2016 haben wir euch das Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System vorgestellt. Dieses wurde am 29. September 2017 mit einem Nachfolger beerbt, das ganze 21 Super-Nintendo-Spiele beinhaltet. Welche das sind und welchen Ersteindruck das Gerät am Tag der Veröffentlichung gemacht hat, erfahrt ihr von unserem Chefredakteur im Unboxing-Video. Wir wünschen euch viel Vergnügen!

Review: Attack on Titan (Vol. 2)

Lange Zeit mussten deutsche Fans von Attack on Titan auf die Anime-Umsetzung warten. Während der Manga bereits 2013 hierzulande erstmals veröffentlicht wurde, brachte Publisher Kazé Anime sowohl die erste, als auch die zweite Volume erst Ende 2016 auf den Markt.

In der ersten Volume von Attack on Titan wurden die Grundlagen für die Serienhandlung gelegt. Soll heißen, dass die wichtigsten Charaktere eingeführt worden sind und die Ausgangslage, die Bedrohung durch die Titanen, deutlich wurde. Die Handlung knüpft in der zweiten Volume nahtlos an die Geschehnisse der letzten Episode der ersten Ausgabe an, in denen sich die Ereignisse geradezu überschlagen haben. Wir haben erlebt, wie Hauptcharakter Eren Jäger bei der Rettung seines Freundes Armin Alert von einem Titanen verspeist und offensichtlich getötet wurde. Ebenso tauchte plötzlich aus dem Nichts ein spezieller Titan, der als Abnormer bezeichnet wird, auf. Der mysteriöse Titan stellt sich allerdings nicht gegen die Menschen, sondern zum Verwundern dieser gegen seine gefährlichen Artgenossen. So und nicht anders kann Mikasa Ackermann dem Angriff eines Titanen entkommen und sich mit einem anderen Trupp innerhalb des umkämpften Bezirks Trost zusammenschließen. Dieser hat das Problem, dass er von den Versorgungseinheiten nicht mehr unterstützt werden kann, da das Vorratslager von Titanen umzingelt wird. Armin entwickelt einen Plan, um zum Vorratslager vorzurücken und die wütenden Titanen auszuschalten. Er hat die Idee, den Abnormen zum Lager zu locken, um aus der Gefahrenzone quasi mit Geleitschutz zu entkommen.

In den Wirren des Krieges

Wäre dies noch nicht genug, werden die sechs Folgen der zweiten Volume aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Zum einen wird das Geschehen aus der Sicht von mehreren Rekruten dargestellt, die den Ernst der Lage trotz nicht gänzlich abgeschlossener Ausbildung meistern müssen. Zum anderen taucht plötzlich Eren unverletzt auf der Bildfläche auf, sodass das Erlebte der letzten Stunden aus einer völlig neuen Perspektive geschildert wird. In der zweiten Volume von Attack on Titan bleibt allerdings auch Platz für zwei weitere wichtige Charaktere. Auf der einen Seite steht Kommandant und Verantwortlicher für Bezirk Trost Dot Pixis, der sich für Armin und Mikasa einsetzt, die der Überzeugung sind, dass der Abnorme als große Hilfe bei der Zurückgewinnung der verlorenen Gebiete und als Waffe gegen die anderen Titanen eingesetzt werden kann. Auf der anderen Seite wird mit Levi Ackermann einer der ranghöchsten Kommandanten des Aufklärungstrupps vorgestellt, der während des Titanenangriffs außerhalb des Bezirks unterwegs war und sichtlich von den Ereignissen in Trost übermannt wird. Ein wichtiger Punkt, der in der zweiten Volume thematisiert wird, ist die Vergangenheitsbewältigung. Das gilt sowohl für die verbliebene Menschheit, die sich den Verbrechen im Jahr 846 bewusst wird, als auch Erens verschwommene Erinnerungen, die er lüften will.

Abnutzungserscheinungen

Obwohl die erste Volume uns durchaus überzeugen konnte und auch die Episoden der zweiten Ausgabe zufriedenstellend ausfallen, zeigen sich überraschend ein paar Abnutzungserscheinungen. Das liegt vor allem am Handlungsort, der sich vollkommen auf den Bezirk Trost beschränkt – und es ist fast durchweg nur der Kampf gegen die Titanen, den wir zu Gesicht bekommen. Auflockerung geschieht höchstens durch die Einführung der neuen Charaktere, die aber zumindest in der vorliegenden Ausgabe eine Randnotiz bleiben. Wir haben jedoch die Hoffnung, dass die Handlung in der dritten Volume an Fahrt und neue Tiefe gewinnt. In den restlichen Belangen, sprich der technischen Ausgestaltung der Anime-Serie, kann Attack on Titan wieder einmal begeistern. Sowohl die Animationen, als auch der Einsatz von dreidimensionalen Umgebungen und Effekten sehen in der bildschirmfüllenden Full-HD-Auflösung fantastisch aus. Der Soundtrack unterlegt sowohl die ruhigen, als auch die bedrohlichen Momente sehr gut – teilweise wird sogar mit Songs gearbeitet, um den jeweiligen Szenen eine ganz neue Dynamik zu verleihen. In puncto Bonusmaterial bietet die Anime-Serie einen ähnlichen Umfang wie die erste Volume. Beispielsweise liegt dieser Ausgabe abermals ein Aufnäher mit einem alternativen Motiv bei – so kann man sich in der Öffentlichkeit wunderbar als Fan brüsten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Als ich die ersten sieben Episoden von Attack on Titan gesehen habe, war ich von dieser Anime-Serie wirklich begeistert. Das bin ich auch nach dem Anschauen weiterer sechs Episoden, die auf der Disc der zweiten Volume vorhanden sind. Allerdings machen sich hier bereits ein paar Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Das Szenario stagniert und die paar Informationen, die beiläufig immer mal wieder eingeworfen werden, sind für mich zu wenig, um eine Serie zu tragen. Hier hoffe ich sehr, dass die Handlung wieder ein wenig an Fahrt gewinnt. Dennoch gehört das Universum nach wie vor zu den besten Ideen, die man in einem Anime nur umsetzen kann, zumal man mit bewegten Bildern die Bedrohung durch die monströsen Titanen meiner Meinung nach noch besser als in einem Manga darstellen kann. Wer die erste Volume von Attack on Titan bereits mochte, darf trotz der sehr leichten Qualitätseinbußen bei der zweiten Ausgabe wieder zugreifen!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan (Vol. 2)!

Special: Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System

Kaum startete der Vorverkauf vom Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System, war er wenige Minuten später schon vorbei. Aus vergangenen Fehlern hat Nintendo offensichtlich nicht gelernt, denn beim Miniatur-NES hat sich im Jahr 2016 ein sehr ähnliches Bild abgezeichnet.

Am 26. Juni 2017 und damit nur kurze Zeit nach der Electronic Entertainment Expo kündigte Nintendo – nachdem die Gerüchte über Monate brodelten – endlich das Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System an. Dabei handelt es sich ähnlich wie beim Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System um eine Miniaturvariante einer bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Nintendo-Konsole. Nach dem einschlagenden Erfolg des NES Mini ist es wenig überrascht, dass auch das Super Nintendo im Miniaturformat nach wenigen Minuten restlos ausverkauft war und die Preise im Internet für das begehrte Objekt in die Höhe sprießen. An diesem Punkt muss man sich auf der einen Seite fragen, warum wie aus dem Nichts wieder ein großes Interesse am Super Nintendo besteht und auf der anderen Seite, wieso Nintendo nicht aus dem Fehler des Vorjahres gelernt hat und keine größere Charge in Auftrag gegeben hat. In den Weiten des Internets machte schnell eine Verschwörungstheorie die Runde. So bezichtigten einige enttäuschte Fans, die keine Konsole mehr ergattern konnten, Nintendo der künstlichen Knappheit. Soll heißen, dass Nintendo das Angebot bewusst geringer als die tatsächlich vorhandene Nachfrage hält. Nach dem Debakel von 2016 ist das Misstrauen zwar nachzuvollziehen, doch zumindest für den nordamerikanischen Raum hat Chief Operating Officer von Nintendo of America, Reginald Fils-Aime, diese Vorwürfe entkräftet.

Zugang zur Nostalgie

Seiner Aussage zufolge soll es für die Miniaturfassung des Super Nintendos noch 2017 mindestens eine weitere Auslieferungswelle geben. 2018 soll sogar das Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System aufgrund der hohen Nachfrage seinen Weg zurück in die Kaufhausregale finden. Das knappe Angebot rechtfertigt jedoch noch lange nicht die plötzlich so hohe Beliebt einer Konsole, die ursprünglich im Jahr 1990 erschienen ist. Selbstverständlich wird niemanden entgangen sein, dass unter anderem durch das Auftreten von Independent-Spielen in den 2000er Jahren die Rückbesinnung an alte Werte und somit ein Interesse an Retro-Spielen losgetreten worden ist. Es wäre jedoch vollkommen falsch, den Grund einzig und allein in der Nostalgie zu suchen. Während das auf ältere Spieler, die in den 1980er Jahren geboren und somit in den 1990er Jahren womöglich mit der 16-Bit-Konsole aufgewachsen sind, durchaus zutreffen mag, haben jüngere Nintendo-Fans die Spiele dieser Epoche vermutlich eher durch die Virtual Console von Wii, Wii U und New 3DS kennengelernt. Abgesehen davon wurde die Virtual Console in den letzten Jahren kaum mehr von Nintendo unterstützt. Da die Produktion von Wii und Wii U eingestellt wurde, bleibt unter allen aktuellen Konsolen nur der New 3DS mit dem exklusiven Virtual-Console-Feature in Bezug die 16-Bit-Ära übrig. Für die Switch sind zwar auch Super-Nintendo-Spiele geplant, doch konkretisiert hat Nintendo diese Pläne kaum.

Gesunde Videospielsammlung

Wer nicht die Möglichkeit hat, auf seine Originalkonsole oder auf den Online-Katalog des eShops beziehungsweise des Wii-Shop-Kanals zugreifen zu können und auf einen Schlag – und zudem verhältnismäßig günstig – in den Genuss von einer gesunden Mischung bestehend aus Super-Nintendo-Klassikern kommen möchte, kommt um das Miniatur-Super-Nintendo nicht herum. Waren auf der Vorgängerkonsole noch dreißig Spiele installiert, müssen sich Super-Nintendo-Fans hingegen mit zwanzig beziehungsweise einundzwanzig Spielen begnügen. Zu den Top-Titeln gehören unter anderem Donkey Kong Country, F-Zero, Kirby’s Fun Pak, Starwing, Super Mario Kart, Super Mario World, Super Mario World 2: Yoshi’s Island, Super Metroid und The Legend of Zelda: A Link to the Past. Neben den genannten Titeln haben sich aber auch ein paar Rollenspiele in die Sammlung gemischt. So dürfen wir unter anderem in EarthBound, Final Fantasy VI und Super Mario RPG: Legend of the Seven Stars rundenbasierte Kämpfe bestreiten und in Secret of Mana auch in Echtzeit auf die Monster eindreschen. Neben den drei von Square Enix entwickelten Rollenspielen haben auch Capcom und Konami Spiele wie Mega Man X, Street Fighter II: Turbo – Hyper Fighting, Super Castlevania IV, Super Ghouls’n Ghosts und Super Probotector: Alien Rebels beigesteuert.

Hit-Dichte und exklusiver Titel

Nach dieser Aufzählung, bei der wir uns für die Titel der deutschen beziehungsweise japanischen Fassung entschieden haben, sind noch nicht einmal alle Spiele genannt, die auf der kleinen Konsole vorinstalliert sind. Dennoch reicht diese Auswahl bereits aus, um die hohe Hit-Dichte festzustellen. Ein genauerer Blick auf die Übersicht zeigt, dass Nintendo of Europe allerdings zu faul war, um die deutschen Lokalisationen auf der Konsole unterzubringen. Es sind durchgehend nur die US-Fassungen enthalten. Diese laufen zwar mit ein paar Bildern mehr pro Sekunde und wirken dadurch sehr viel flüssiger, doch wer des Englischen nicht mächtig ist, wird bei Secret of Mana oder The Legend of Zelda: A Link to the Past eventuell ein paar Wegfindungsprobleme bekommen. Während zu den Rollenspielen EarthBound, Final Fantasy VI und Super Mario RPG ohnehin keine offizielle deutsche Übersetzung vorliegt und man dies dem Publisher nicht vorwerfen darf, wird es bei den anderen Spielen hingegen keine oder höchstens nur leichte Probleme geben, da der dortige Texteinsatz minimal und somit die fehlende deutsche Übersetzung nicht sonderlich schmerzlich ausfällt. Bei den Spielen hat sich Nintendo allerdings einen besonderen Leckerbissen ausgedacht. Wer den ersten Level von Starwing beendet, schaltet auf der Konsole den 21. Titel frei, der weltweit zum ersten Mal offiziell spielbar ist: Star Fox 2. Sollte der Titel exklusiv auf dem Miniatur-Super-Nintendo vorhanden sein, dürfte er ein unschlagbarer Kaufgrund für Fans des Weltraumfuchses sein.

Neidische Blicke nach Fernost

Trotz der wirklich sehr guten Auswahl an Spielen auf der Konsole ist die eine oder andere Entscheidung seitens Nintendo für manchen Fan sicherlich nicht ganz nachvollziehbar. Donkey Kong Country ist unter technischen Gesichtspunkten zwar unumstritten ein Meilenstein in der Geschichte der Videospielgrafik, doch der inhaltlich wesentlich bessere zweite Teil fehlt in der Sammlung. Rollenspieler dürften unter anderem Chrono Trigger, Lufia II: Rise of the Sinistrals, Secret of Evermore oder Terranigma vermissen. Ebenfalls wichtige Spiele wie Harvest Moon, Pilotwings, SimCity oder Tetris & Dr. Mario, die noch ein wenig mehr Abwechslung gebracht hätten, suchen wir vergebens. Während Europäer – bis auf Konsolen- und Controller-Design – keinen Unterschied zur Konsole und zur nordamerikanischen Videospielauswahl entdecken, dürfen diese jedoch ein wenig neidisch auf die japanische Ausgabe schielen. Die Super-Famicom-Miniatur fällt mit den exklusiven Titeln Fire Emblem: Monshō no Nazo, The Legend of the Mystical Ninja, Tetris Attack und Super Soccer noch ein wenig abwechslungsreicher aus. Mit Street Fighter II: Turbo – Hyper Fighting hat die europäische Version aber die Nase vorn, denn Super Street Fighter II: The New Challengers ist in den Augen mancher Prügelspielfans die etwas weniger gelungene Version des Beat ’em ups. Warum abermals ein Fußballspiel in der europäischen Variante allerdings fehlt, dürfte im fußballverliebten Europa erneut ein ewiges Rätsel bleiben.

Problematischer Lieferumfang

Im Lieferumfang der Konsole sind zwar ein HDMI-Kabel und ein USB-Stromkabel enthalten, doch fehlt abermals der AC-Adapter, der von Nintendo einzeln vertrieben wird. Wer also über keinen Fernseher mit einem USB-Anschluss, der noch dazu ausreichend Strom liefern sollte, nicht verfügt, wird wie schon bei der Miniaturausgabe des NES noch einmal extra zur Kasse gebeten. Das ist vor allem vor dem Hintergrund, dass Nintendo im selben Erscheinungsjahr den New Nintendo 2DS mit Netzteil ausgeliefert hat, nicht nur ärgerlich, sondern auch unverständlich. Dennoch funktioniert die Installation an jedem Flachbildfernseher mit den nötigen Peripherien problemlos. Besitzer eines älteren Röhrenfernsehers werden die Konsole hingegen nicht ohne Weiteres an ihr Gerät anschließen können. Immerhin hat Nintendo aus einem weiteren Fehler gelernt und der Konsole gleich einen zweiten Controller beigelegt. Bei der Vorgängerkonsole war es nämlich nach der ersten Vorbestellaktion ebenfalls schwierig, eine zweite Steuerungseinheit in die Finger zu bekommen. Wer darauf gehofft hat, dass die Kabellänge der Super-Nintendo-Controller ein wenig länger ausfallen, wird halbwegs enttäuscht. So sind die Kabel zwar ein wenig länger, doch immer noch zu kurz. Wer Monitorbräune verhindern möchte, muss abermals auf Verlängerungskabel von Drittherstellern zurückgreifen. Wir empfehlen die Classic Extension von Capcy, die auch beim NES Mini mühelos funktioniert.

(K)eine Liebe zum Detail

Haben wir das Gerät erst einmal zum Laufen gebracht, landen wir direkt im recht übersichtlichen Menü, das wir noch dazu in verschiedenen Sprachen anzeigen lassen dürfen. Im Menü sind sämtliche enthaltenen Spiele ähnlich wie bei der Vorgängerkonsole mit dem US-amerikanischen Cover horizontal aufgelistet. Diese Liste dürfen wir nach verschiedenen Kriterien ordnen, beispielsweise alphabetisch, nach Publisher, Release-Datum oder Spieleranzahl. Bei der überschaubaren Anzahl an Titeln oder Publisher dürfte diese Funktion für viele Nutzer aber obsolet sein. Digitale Anleitungen zu den Titeln sind wie beim Nintendo Classic Mini: NES jedoch nicht vorhanden. Über einen QR-Code beziehungsweise einen angezeigten Link kommen wir allerdings auf eine Unterseite von Nintendos Homepage, auf der wir alle wichtigen Informationen zu den einzelnen Spielen abrufen können. Das ist umständlich und alles andere als liebevoll gelöst. Speicherplatzmangel dürfte es auf der Konsole nicht geben. Abseits des Videospielkatalogs stehen diverse Einstellungsmöglichkeiten für die Darstellung auf der Mattscheibe zur Verfügung. So können wir die Klassiker im originalen Seitenverhältnis oder im 4:3-Format spielen und wahlweise die Kathodenstrahlröhre auf unserem Flachbildfernseher simulieren. Hinzu kommen verschiedene Rahmen, um den Rest der Bildschirmfläche zu füllen. Im Optionsmenü dürfen wir zum einen die Konsole auf den Werkszustand zurücksetzen und zum anderen bestimmte Funktionen aktivieren beziehungsweise deaktivieren.

Vorspulen in der Zurückspulfunktion

Dazu gehört beispielsweise die Zurückspulfunktion. Fallen wir bei Super Mario World in einen Abgrund und verspielen unser letztes Leben oder werden in Secret of Mana von einem Bossgegner pulverisiert, ist diese Funktion zwar durchaus nützlich, doch umständlich zu nutzen. So müssen wir uns aus unserem gemütlichen Sessel erheben, den Reset-Knopf an der Konsole betätigen und dann über das Gamepad die Funktion aktivieren und in größeren Intervallen an die besagte Stelle unserer Spielsession vorspulen (anstatt vom aktuellen Augenblick zurückzuspulen). Ebenfalls enthalten ist die Funktion, in der wir mitten im Spiel abspeichern können, wenn wir plötzlich ein längeres Telefongespräch tätigen müssen, einen Termin haben oder der nächste klassische Savepoint mehr als fünf Minuten Spielzeit entfernt ist. Unterm Strich bietet das Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System zwar einen ähnlich angenehmen Umfang wie die Vorgängerkonsole, doch Verbesserungen innerhalb einer logischen Entwicklung bei Konsolen beschränken sich auf ein Minimum. Einen Modulschacht für Originalmodule gibt es zum Beispiel nicht und auch an einer eShop-Anbindung hat Publisher Nintendo nicht gedacht. Wer kein Retro-Einsteigermodell benötigt und mehr als die 21 vorinstallierten Titel spielen möchte, kommt um die Anschaffung einer gebrauchten Originalkonsole oder Alternativen von Drittherstellern nicht herum. Als Sammlerstück hat sich das Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System ein Platz in der Vitrine aber redlich verdient.

Geschrieben von Eric Ebelt

Review: Sonic Mania

Manchmal wissen die Fans eines Franchises einfach am besten, was sie gerne spielen wollen. So erging es auch Christian Whitehead, der sich an die Entwicklung von Sonic Mania machte und sie Sega-Produzenten Īzuka Takashi vorstellte, der sich gleich in den Prototyp verliebte.

In den letzten zehn Jahren haben sich Fans ständig darüber beschwert, dass die Qualität der Sonic-Videospiele stetig abnimmt. Vor allem die dreidimensionalen Abenteuer des blauen Igels stoßen dem einen oder anderen Fan bitter auf. Spätestens seit 2016 ist sich Sega dieser Kritik bewusst und versprach Besserung. Sonic Mania ist einer der ersten Titel, den sich die Fans des Franchises genau so wünschen. Um ein dreidimensionales Abenteuer handelt es sich bei Sonic Mania allerdings nicht, denn das fertige Spiel ist durchweg ein klassischer Serienteil geworden, der sich stark an den Sega-Mega-Drive-Ablegern orientiert. Das heißt allerdings auch, dass eine durchstrukturierte Geschichte nicht zu spüren ist. Dennoch lässt sich sagen, dass Dr. Eggman keine Ruhe geben will und nach wie vor seine durchtriebenen Pläne verfolgt. So entführt der wahnsinnige Wissenschaftler abermals Tiere, die wir in der Rolle von Sonic, Tails oder Knuckles befreien müssen. Dabei stellen sich uns verschiedene Roboter aus Eggmans Kreativwerkstatt in den Weg, die wir der Reihe nach besiegen müssen, um der Spur des Wissenschaftlers zu folgen. Einen Blumentopf kann die Handlung von Sonic Mania definitiv nicht gewinnen. Das ist aber auch gar nicht schlimm, da wie schon in den Anfängen der Serie in den frühen 1990er Jahren das Gameplay im Vordergrund steht – und hier kann der Titel auf ganzer Linie punkten.

Klassischer Serienteil

Wie schon in den Serienanfängen rasen wir in den zweidimensionalen Levels aus der Seitenperspektive von links nach rechts, von rechts nach links, von oben nach unten und von unten nach oben – kurzum querfeldein. Waren die früheren Abenteuer des blauen Igels bereits in umfangreichen Spielabschnitten angesiedelt, überwältigt uns Sonic Mania mit einer schier unglaublichen Anzahl an verwinkelten Passagen, zahlreichen Geheimverstecken mit Bonus-Items und sogar die eine oder andere Überraschung hat es ins Spiel geschafft. Eine dieser Überraschungen wäre die Stelle, in der wir uns mit Eggman ein Duell á la Dr. Robotnik’s Mean Bean Machine liefern. Im Kern bleibt Sonic Mania allerdings ein waschechtes Jump ’n’ Run, in dem besonderer Wert auf Geschwindigkeit gelegt wird. So düsen wir mit dem blauen Igel beziehungsweise mit Tails oder Knuckles durch die Landschaft und in Loopings, springen über Abgründe und attackieren aus dem Sprung Feinde. Entscheiden wir uns statt für den titelgebenden Helden lieber für den zweischwänzigen Fuchs Tails oder den roten Ameisenigel Knuckles, kommen wir sogar in den Genuss anderer Fähigkeiten, um die Levels zu meistern. Tails kann zum Beispiel durch die Luft fliegen und Knuckles kann sich an Wänden festhalten, um höhere Ebenen zu erklimmen: So fühlt sich der Titel mit jedem Charakter recht frisch an!

Ein Ring, sie zu knechten

Abwechslungsreich fallen auch die zwölf Zonen des Spiels aus. Wir flitzen unter anderem über Grünflächen und durch Fabrikanlagen, Filmstudios oder eine Wüstenlandschaft. Es macht sehr viel Spaß, die verschiedenen Levels zu erkunden, da in jedem Spielabschnitt unterschiedliche Elemente zu dessen Gestaltung eingesetzt wurden. In den Filmstudios können wir beispielsweise in einigen Momenten nur Sonics Silhouette erkennen und können nur an den markanten Formen der Objekte erahnen, was sich hinter dem Scheinwerferlicht verbirgt. In Fabrikanlagen zieht peu á peu schwarzer Rauch auf, der die Sicht vernebelt. Hier müssen wir Hebel betätigen, damit der Qualm wieder abziehen kann. Unterwegs sammeln wir Ringe ein; für jeweils einhundert Ringe erhalten wir einen zusätzlichen Versuch. Diese sind in Sonic Mania – wie schon ihre Farbe vermuten lässt – goldwert. Das liegt daran, dass wir bei einer Kollision mit einem Gegner oder einem anderen Hindernis sämtliche Ringe verlieren und nur ein paar von ihnen wieder aufheben können. Eine kleine Herausforderung beim sehr hohen Spieltempo! Dennoch ist Sonic Mania kein schwieriges Spiel geworden. Wer schon einmal einen der älteren Serienteile gespielt hat, steigt schnell ins Geschehen ein. Neulinge müssen hingegen eine kleine Einstiegshürde nehmen, da Erklärungen zu Objekten, Bonus-Items und Co ausbleiben.

Ein Spiel von Fans für Fans

Wer die Umgebungen gründlich absucht, wird früher oder später oder auch nur zufällig über die Bonus-Stages stolpern. Hier verschiebt sich auf der einen Seite die Ansicht zur Verfolgsperspektive und auf der anderen Seite müssen wir neben Ringen auch Kugeln einsammeln, um einen der begehrten Chaos Emeralds ergattern zu können. In puncto Steuerung finden sich dieselben Fehler, die schon in früheren Teilen der Reihe vorhanden waren. Wollen wir mit Sonic Geschwindigkeit aus dem Stand aufnehmen, müssen wir uns auf der Stelle drehen. Das geht zwar auf Knopfdruck, doch ist es nicht möglich, die Richtung zumindest beim Start zu ändern. Rasen wir in einen Looping und laufen danach hingegen der physikalischen Gesetze an der Decke entlang, müssen wir die Richtungstaste manchmal, aber nicht immer, im richtigen Moment ändern. Hier hätte dem Titel eine Generalüberholung gut getan! Dafür begeistert die optische Gestaltung des Spiels, die klar an der 16-Bit-Ära angelehnt ist und sogar diverse Filter bietet, um ein Gefühl der Spiele aus den 1990er Jahren zu vermitteln. Hinzu kommt ein Soundtrack von Tee Lopes, einem langjährigen Sonic-Fan und bekannt durch diverse Interpretationen von Videospielmusik, der beliebte Tracks aus früheren Ablegern und neue Stücke komponiert hat. Sonic Mania ist und bleibt so wahrhaftig ein tolles Spiel von Fans für Fans!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): In den 1990er Jahren bin ich eher mit Super Mario und weniger mit Sonic the Hedgehog aufgewachsen. Die klassischen Serienableger des blauen Igels habe ich dann Ende der 2000er Jahre auf der Wii beziehungsweise auf der Virtual Console nachgeholt. Sonic Mania hat mich in sämtlichen Punkten an meine Erfahrungen mit der Reihe zurückerinnert, denn das Spiel will nichts anderes, als sich an den klassischen Abenteuer zu orientieren und Erinnerungen wachzurütteln. Leveldesign, Grafiken, Soundtrack, Gameplay und Steuerung – alles erinnert mich an die Sega-Mega-Drive-Spiele. Wer das hohe Spieltempo nicht scheut oder einfach mal wieder ein liebevolles Jump ’n’ Run der alten Schule zocken möchte, muss bei Sonic Mania unbedingt zuschlagen.

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Sonic Mania!

Review: Uncharted: The Lost Legacy

Mit Uncharted 4: A Thief’s End sollte die Geschichte um Schatzjäger Nathan Drake enden. Dass Entwicklerstudio Naughty Dog allerdings noch nicht so ganz mit dem Franchise brechen will, beweist die Stand-Alone-Erweiterung Uncharted: The Lost Legacy für die PlayStation 4.

Nathan Drake ist aus dem Geschäft – zumindest vorläufig, wir glauben noch nicht so sehr an seine frühzeitige Rente – ausgestiegen. Entsprechend musste für die Erweiterung ein Ersatz gefunden werden. So schlüpfen wir in The Lost Legacy in die Rolle von Chloe Frazer, die Fans der Reihe schon aus dem zweiten und dritten Serienteil kennen. Unterstützt wird sie von der ehemaligen Shoreline-Anführerin und Gegenspielerin aus dem vierten Teil Nadine Ross. Zusammen suchen sie in Westindien beziehungsweise den Westghats nach dem Stoßzahn von Gaṇeśa – und wie das bei jeder Suche nach einem mythischen Artefakt so ist, muss es auch wieder einen Rivalen geben, der die Helden daran hindern will und so ist Nadines Bekannter Asav ebenso an Gaṇeśas Stoßzahn interessiert. Welchen Anreiz er dabei hat, wird erst in der letzten Spielstunde deutlich. Aus Spoiler-Gründen gehen wir an dieser Stelle nicht weiter darauf ein. Es sei jedoch gesagt, dass der Bösewicht eher blass bleibt und eher mit Worten denn mit Taten bedrohlich erscheint. Glaubhaft dargestellt werden hingegen die Hauptakteure Chloe und Nadine, die beide ihre eigenen und nachvollziehbaren Hintergründe spendiert bekamen. Trotzdem kann Nadine mit ihrem Verhalten gerne mal an unseren Nerven zerren. Wie gut, dass in Spielmitte ein weiterer Seriencharakter hinzu kommt und die Situation auflockert.

Bekannte Spielerfahrung

The Lost Legacy unterscheidet sich in puncto Gameplay hingegen kaum von seinen Vorgängern. Insbesondere den vierten Teil hat man sich zum Vorbild genommen, um die Spielerfahrung auf der PlayStation 4 wie begonnen fortzuführen. Soll heißen, dass wir in einer exotischen Spielwelt per pedes in Schlauchlevels und via Vehikel in weiträumigen Gebieten unterwegs sind, Rätsel in verschollenen Tempelanlagen lösen, durch Gebiete schleichen und uns mit den Söldnern von Asav anlegen. Letzteres geschieht entweder im Nahkampf, bei Schusswechseln oder während Verfolgungsjagden. Abwechslung wird in The Lost Legacy auf der einen Seite durchaus großgeschrieben – auf der anderen Seite sollte jeder, der einen früheren Serienteil gespielt hat, nicht mit Überraschungen rechnen. Es werden ausnahmslos dieselben Stilmittel genutzt, um die Geschichte voranzutreiben. So gibt es nach wie vor den bekannten Stein, der im Felsmassiv beim Klettern abbricht und manche Wege lassen sich nur bestreiten, wenn beide Spielfiguren zusammenarbeiten. Während das bei den Rätselmechaniken noch hervorragend funktioniert, fragen wir uns allen Ernstes, warum die Entwickler die künstliche Intelligenz der Charaktere nicht endlich in den Griff bekommen. Besonders wenn unsere beiden Verbündeten gleichzeitig agieren, ist ihr Hin- und Herlaufen stets verwirrend. Ärgerlich!

Ergänzendes Vermächtnis

Unter optischen Gesichtspunkten gehört The Lost Legacy hingegen zu den schönsten PlayStation-4-Spielen. Besonders in jenen Momenten, wenn wir uns den Weg durch den grünlichen Dschungel bahnen und plötzlich die Sicht auf einen alten Tempel freigelegt wird, ist das ein sehr atmosphärischer Augenblick. Da ist es auch kein Wunder, dass wir bei solchen Szenen innehalten und mit Chloes Smartphone ein Foto schießen. Das Knipsen von Fotos und das Sammeln von Schätzen sind in The Lost Legacy die zwei großen Sammelaufgaben, die zum Erkunden der teils freiläufigen und teils arg eingeschränkten Spielfeld einladen. Aufgrund der hübschen Grafik und der atmosphärischen Musikuntermalung mitsamt glaubhaften Soundeffekten macht dies aber stets Spaß und stört den eigentlichen Spielverlauf nicht, zumal sämtliche Sammelaufgaben optional sind. Wer den Titel nach gefühlt zehn kurzen Stunden durchgespielt hat, der darf sich auch noch in den Online-Mehrspielermodus stürzen. Wahlweise steht auch der Überleben-Modus zur Verfügung, in der wir in bekannten Gebieten aus der Uncharted-Reihe alleine oder im Team mit Freunden eine Gegnerwelle nach der anderen abwehren. Unterm Strich ist The Lost Legacy eine nette Ergänzung zum vierten Teil geworden, der sich aber genau wie dieser zu sehr auf den Lorbeeren der Reihe ausruht und kaum Neues wagt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: In meinen Augen sollte jeder die Uncharted-Reihe einmal gespielt haben, wobei ich bis heute klar an der Meinung festhalte, dass die ersten beiden Serienteile und vor allem die zweite Episode zum Besten gehören, was die Reihe in all den Jahren hervorgebracht hat. Danach ging es mit dem Franchise bergab, sofern man wie ich erwartet, dass den Entwicklern neue Gameplay-Mechaniken einfallen sollten, um die Spiele frisch zu halten. So nutzt sich die Reihe seit dem dritten Abenteuer auf der PlayStation 3 nach und nach ab, bietet im Grunde nur mehr vom Gleichen und verlegt den Fokus stattdessen auf die Story. Letzteres gelingt The Lost Legacy nur im Ansatz, denn der Bösewicht bleibt weitgehend blass, die Mythologie um Gaṇeśas Stoßzahn wird beiläufig eingeworfen und mit Nadine Ross hat man mir gezeigt, dass man mich als Spieler mit unglaublich nervigen Figuren nerven möchte. Auch in puncto Gameplay bietet The Lost Legacy nicht mehr und nicht weniger, als mir Uncharted 4: A Thief’s End auf der PlayStation 4 präsentiert hat. So ist The Lost Legacy für Hardcore-Fans immer noch ein fantastischer Action-Titel, doch als sechstes Spiel des Franchises hätte ich mir trotz des Spaßes, den ich beim Erkunden der Spielwelt hatte, sehr viel mehr erwartet.

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Uncharted: The Lost Legacy!

Review: The Prisoner: Island of Fire

Zwar wird Jackie Chan auf dem deutschen Cover von The Prisoner: Island of Fire als Hauptdarsteller beworben, doch übernimmt der Schauspieler im Film von Zhū Yánpíng aus dem Jahr 1990 nur eine Nebenrolle, die nicht zu seinem familienfreundlichen Image der Zeit passt.

Im Mittelpunkt der Handlung des Films steht Wáng Wéi, ein Polizist, der gerade nach Hause zurückkehrt, um mit einem Kollegen, seiner Verlobten und künftigem Schwiegervater Zeit zu verbringen. Als seine Verlobte mit ihm das Haus verlässt, um ihn zum Hotel zu bringen, wird ihr Vater plötzlich von einer unbekannten Person aufgesucht und ermordet. Zwar kann Wáng den Mörder mit einem Schuss an der Hand verwunden, doch gelingt diesem die Flucht zu seinem Wagen, der beim Anlassen des Motors merkwürdigerweise explodiert. Über einen abgetrennten Finger gelingt Wáng im Polizeirevier die Identifikation des Mörders, der jedoch vor einem halben Jahr zum Tode verurteilt wurde. Um der mysteriösen Sache auf den Grund zu gehen, nutzt Wáng die Belästigung einer Frau in einer Kneipe aus, um sich nach einer Schlägerei unter falscher Identität ins Gefängnis einzuschleusen. Die Informationssuche im Gefängnis erweist sich jedoch als schwierig, sodass sich Wáng zwangsweise mit den anderen Insassen anfreunden muss. Primär dreht sich der Film um die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Charakteren. In der Haftanstalt müssen sie nicht nur die Regeln der korrupten Wärter befolgen; es gilt zudem das Gesetz des Stärkeren. Der Gefangene Dà Chuí hat beispielsweise aus Notwehr einen Bandenboss getötet und soll ebenfalls ermordet werden.

Ungewöhnlicher Genre-Mix

Über lange Zeit verliert sich The Prisoner: Island of Fire in einem Strudel von verschiedenen Ereignissen, die nicht so recht in die Haupthandlung hineinpassen wollen. Offene Fragen werden tatsächlich erst gegen Ende des Films gelöst – dann aber mit einer intelligenten Wendung, die kaum vorhersehbar ist. Überraschend ist auch, dass der Film kaum auf Martial-Arts-Einlagen setzt und sogar recht blutig ist. Im Finale wird gar reichlich Gebrauch von Schusswaffen aus nächster Nähe gemacht, was gar nicht zum familienfreundlichen Image von Jackie Chan passt. Dieser spielt im Film tatsächlich nur aus Dankbarkeit gegenüber Regisseur Zhū Yánpíng mit, der ihn vor Luó Wéis dubiosen Verbindungen zu Triaden (keine Seltenheit unter den Regisseuren des Hongkong-Kinos) zu schützen. Ebenfalls tritt Sammo Hung im Film auf, der einerseits eine tragische Rolle einnimmt, da er ständig ausbricht beziehungsweise es versucht, um seinen Sohn zu besuchen und andererseits sehr zum Humor des Films beiträgt. So bleibt der Film weitgehend ein bunter Genre-Mix, der nicht jedem zusagen wird, aber definitiv nicht das Geringste an der Spannung des Films ändert, auch wenn auf Deutsch nur die gekürzte Fassung vorliegt. Erst im Juli 2017 wurde der Film ungeschnitten freigegeben, wodurch es Koch Media möglich war, die originale Taiwan-Fassung als Bonus beizulegen.

Ungekürzte Fassung als Beilage

Allerdings handelt es sich bei der Bonus Disc sowohl bei der Blu-ray-, als auch bei der DVD-Ausgabe um eine DVD. Soll heißen, dass die Taiwan-Fassung nur in durchschnittlicher Bildqualität und nur im 4:3-Letterbox-Bildformat vorliegt. Zudem erfolgte bei dieser Fassung keine Nachsynchronisation. Aufs Bild gepresste Untertitel auf Englisch und Chinesisch stören das Gesamtbild zwar nicht sonderlich, die hinzuschaltbaren deutschen Untertitel inmitten des Bildes hingegen schon. Wer darüber hinwegsehen kann, der erhält mit dem ungekürzten Film eine circa dreißig Minuten längere Fassung mit vielen weiteren Szenen, die sehr zur düsteren und klaustrophobischen Gefängnisatmosphäre beitragen. Zudem kommen Filmfreunde nur so in den Genuss des originalen Endes des Films. Bei der deutschen Fassung handelt es sich also um eine Version, die vom Regisseur so nicht gedacht war. Die Soundqualität ist bei der Originalfassung mittelmäßig, besonders beim Einsatz der Titelmelodie und lauter Musik wirkt der Ton kratzig. Bei der Blu-ray-Fassung verwendet man statt des Dolby-Digital-2.0-Tonformats das Format DTS-HD Master Audio 2.0, wodurch der Ton – insbesondere die deutsche Synchronisation – klarer wirkt. Zudem ist das Bildformat im 16:9-Format (1,85:1) angenehmer auf großen Breitbildbildschirmen wahrzunehmen. Egal welche Version man sich letzten Endes jedoch anschaut – unterhaltsam ist er durchweg bis zur letzten Sekunde.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray- und der DVD-Fassung): Filme, die dem Hongkong-Kino der 1980er und 1990er Jahre entspringen, schaue ich mir immer wieder gerne an. Übertriebene Spezialeffekte sind hier nämlich Mangelware, sodass ein Film wesentlich natürlicher wirkt. So auch The Prisoner: Island of Fire. Sowohl die gekürzte deutsche Fassung, als auch die taiwanesische Langfassung haben mir sehr gut gefallen. Die Geschichte wird spannend, in der deutschen Version manchmal mit etwas zu viel Humor, erzählt und die Charaktere sind sehr vielseitig gestaltet. Vielen dürfte der kuriose Genre-Mix aus Komödie, Tragödie, Action-Film und Thriller vielleicht nicht gefallen, doch ich konnte mich recht schnell damit anfreunden und fühlte mich durchweg gut unterhalten. Zudem muss man den Mut bei den Köpfen hinter dem Projekt anerkennen, da sie mit dem Titelsong Zuìhòu yī qiāng (Der letzte Schuss) von Lǎo Cuī direkte Kritik auf das Tiān’ānmén-Massaker von 1989 reagierten. So ist der Film abseits des interessanten Inhalts auch unter kulturellen Aspekten ein wichtiges Werk.

Vielen Dank an Koch Media für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Prisoner: Island of Fire!

Review: Die Sims 4

Im Jahr 2000 erschuf Entwicklerlegende Will Wright mit der Lebenssimulation Die Sims einen Meilenstein der Videospielgeschichte. 2014 veröffentlichte Publisher Electronic Arts den vierten Serienteil – und kann uns wie beim ersten Teil tagelang an den Bildschirm locken.

Eine Hintergrundgeschichte gibt es in Die Sims 4 nicht, da wir sie selbst schreiben. Zu Beginn einer Partie erstellen wir uns eine Spielfigur, einen der titelgebenden Sims. Wir legen fest, wie unser Charakter aussehen soll und wie alt er ist, in welchem Verwandtschaftsverhältnis er mit anderen Sims steht und vor allem werkeln wir ein wenig an seiner vielseitigen Persönlichkeit. So können wir erfolgssüchtige Snobs ebenso kreieren wie liebeshungrige Romantiker. Haben wir uns für einen Charakter zusammengeschustert und ihm einen Namen gegeben, ziehen wir auch schon in ein neues Wohnviertel und stehen direkt vor unvollendeten Tatsachen. Das Grundstück, das wir uns ausgesucht haben, ist leer. Also müssen wir erst einmal über das Baumenü Wohnraum schaffen, indem wir uns ein Häuslein bauen. Dafür stehen uns zu Beginn zwanzigtausend Simoleons, die Währung des Spiels, zur Verfügung. Wie schon in den vorherigen Ablegern können wir unsere Wohnung komplett selbst erstellen – soll heißen, dass wir zunächst das Gemäuer hochziehen und anschließend den Innenarchitekten spielen. Hier müssen wir dann schon geschickt planen, wie groß das Haus im Endeffekt wird und wie wir den Raum nutzen wollen. Die zwanzigtausend Simoleons sind, vor allem wenn wir uns gleich zu Beginn für ein großes Grundstück entscheiden, schneller als uns lieb ist ausgegeben.

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Da das Errichten des Hauses inklusive Inneneinrichtung deutlich Zeit in Anspruch nehmen kann, haben die Entwickler bei Maxis sich einen Kniff überlegt. Einerseits dürfen wir aus einem leicht zu verstehenden Schaubild die Objekte auswählen, die wir fürs Bauen benötigen und andererseits können wir auch aus einer vorgefertigten Auswahl an Räumen in verschiedenen Größen für unterschiedlich große Geldbeutel wählen. Anschließend überarbeiten wir auf Wunsch noch die Maße der Räumlichkeiten, verschieben Möbel und ändern die Position der Türen, damit unsere Sims jederzeit in jedes der Zimmer gelangen können. Haben wir uns erst einmal in unserem virtuellen Eigenheim eingerichtet, rückt der nach einer kurzen Eingewöhnungszeit leicht zu bedienende Baumodus in den Hintergrund. Stattdessen wird die soziale Interaktion mit den anderen Bewohnern der Spielwelt in den Mittelpunkt gerückt. Auf offener Straße sprechen wir einfach die Figur an, mit der wir befreundet sein wollen und bauen mit ihr in Form von Gesprächen eine zwischenmenschliche Beziehung auf. Versteht man sich nicht, entwickelt sich halt eine kleine Feindschaft – und versteht man sich prächtig, kann man die frische Freundschaft auch sehr schnell zu einer Romanze oder gar zu einer festen Beziehung ausbauen. Heiraten und Kinderzeugen ist ebenfalls ein Teil der sozialen Interaktion.

Das Streben nach Glück

Je mehr wir mit den Sims interagieren, desto mehr Möglichkeiten stehen uns auch zur Verfügung. Freunde können wir zu Partys einladen, unsere Partnerin beziehungsweise unseren Partner zu einem romantischen Date entführen oder auch mitten in der Nacht aus dem Bett klingeln. Da der Geldbeutel nicht ewig gefüllt bleibt, sollte unser Sim eine Karriere einschlagen, damit wir mit den verdienten Brötchen auch bessere Inneneinrichtung erwerben können. Eine kleine Stereoanlage kann die Bedürfnisse eines Sims in puncto Musik beispielsweise nicht so gut erfüllen wir eine Jukebox. Die Qualität des Kühlschranks wiederum sorgt dafür, ob unser Charakter Magenschmerzen aufgrund minderwertigen Essens bekommt – und wer sich gegen die Anschaffung eines Mülleimers entscheidet, versinkt schon bald im Gestank in den eigenen vier Wänden. Entsprechend ist es sehr wichtig, dass man die Einrichtung auf die Bedürfnisse der Sims anpasst. Früher oder später schreien diese auch nach Kunst, Kultur und Freizeitmöglichkeiten, sodass wir sie ohne Bilder an der Wand, Instrumente zum Musizieren, einem Fernseher zum Gedankenverstreuen oder einem Swimmingpool im Garten einfach nicht mehr richtig glücklich kriegen. Diese Verknüpfungen sind zugleich intelligent als auch clever gelöst und sorgen dafür, dass das Spielprinzip durchweg zeitlos und endlos bleibt.

Detailliertes Puppenhaus

So faszinierend das Leben der Anderen auch sein mag, so gibt es auch ein paar Kritikpunkte. Leider ist Die Sims 4 auch im Jahr 2017 nicht ganz fehlerfrei. Manche Aufgaben, die wir unserem Sim zu weisen, werden von diesem zwar akzeptiert, aber aufgrund paralleler Tätigkeiten der Zielperson oder des eigenen Willens nicht durchgeführt. So müssen wir gelegentlich eine Interaktion mehrmals in Auftrag geben, bis sie ausgeführt wird. Andere Fehler sind hingegen nicht ganz nachvollziehbar. Wenn unser Sim beispielsweise das Geschirr vom Tisch in der Küche spülen soll, so macht er dies nicht im gleichen Raum – stattdessen begibt er sich ins Badezimmer und benutzt das dortige Waschbecken. Das Ergebnis ist zwar dasselbe, die Umsetzung hingegen fragwürdig. Auf der grafischen Seite kann das Spiel mit seinem schönen Comiclook punkten. Die Mimiken und Gestiken der Sims sind humorvoll animiert und die Interaktionen mit zahlreichen Details geschmückt. Zusammen mit dem entspannten Soundtrack und der ulkigen Sprachausgabe, die auf einer rein fiktiven Sprache basiert, macht es in Die Sims 4 auch dank der intuitiven Steuerung per Maus durchweg Spaß, sich durch die Baumenüs zu klicken und das Leben unserer Sims zu verfolgen. Sowohl Fans der Reihe, als auch jene, die es noch werden wollen, werden mit Die Sims 4 wochenlang gut unterhalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Meine letzte Erfahrung mit dem Franchise liegt viele Jahre zurück, denn bis auf den vierten Teil habe ich tatsächlich nur das Seriendebüt gespielt. Optisch liegen zwischen beiden Spielen natürlich Welten, doch da meine Erinnerungen ohnehin verschwommen sind, brauchte ich ein wenig Einarbeitungszeit, um mich in Die Sims 4 zurechtzufinden. Nachdem ich mich aber an die verschiedenen Gameplay-Mechaniken und die Menü-Struktur gewöhnt hatte, habe ich mich in der Lebenssimulation sehr schnell zurechtgefunden. So halte ich es für den richtigen Schritt, sowohl auf vorgefertigte Räume zurückgreifen, als auch völlig frei mein Haus einrichten zu können. Je nachdem wie viel Zeit ich mit dem Spiel verbringe, werde ich später um Umbau- und Erweiterungsarbeiten ohnehin nicht herum kommen, was ebenso zum Spielspaß beiträgt. Dennoch kann ich mich mit den vorgefertigten Wohnungsbereichen schon sehr viel schneller mit den sozialen Aspekten des Spiels beschäftigen, auf die der Titel verstärkt setzt. Es macht richtig viel Spaß, Freundschaften zu schließen, sich eine Freundin zu angeln, sie zu betrügen, die Mütter anderer Menschen mit Lamas zu vergleichen oder eine Party für die quirligen Sims zu schmeißen. Egal ob es nun positive oder negative Beschäftigungen sind, alles wird nicht nur nachvollziehbar, sondern charmant und humorvoll in Szene gesetzt. Wer eine gut funktionierende Lebenssimulation sucht, kommt um Die Sims 4 definitiv nicht herum. Der Titel bietet wochenlangen Spielspaß und beschert einem besondere Momente, die man mehr nicht vergessen wird.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Die Sims 4!

Review: Attack on Titan (Vol. 1)

Die meisten Anime-Serien erreichen erst nach mehreren Jahren Kultstatus. Attack on Titan ist hingegen ein gutes Beispiel dafür, dass manche Werke vom ersten Moment an so beliebt sind und man kaum genug Episoden konsumieren kann, um den eigenen Hunter danach zu stillen.

In der Anime-Serie Attack on Titan aus dem Jahr 2013, die wiederum auf dem seit 2009 veröffentlichten Manga basiert, dreht sich alles um Eren Jäger. Dieser lebt im Jahr 845 zusammen mit seinen Eltern und deren Ziehtochter Mikasa Ackermann im Bezirk Shinganshina. Umringt von einer fünfzig Meter hohen Mauer wiegt sich die verbliebene Menschheit seit mehr als einhundert Jahren vor den Titanen der Außenwelt in Sicherheit. Entsprechend zeigt die so genannte Mauergarnison kein Interesse daran, sich im Kampf zu schulen und ertränkt sich auf Kosten der Bevölkerung in Alkohol. Aufgrund dessen träumt Eren davon, eines Tages dem Aufklärungstrupp beizutreten, um seine Liebsten vor den Titanen zu schützen und die Welt zu einem sicheren Ort zu machen. Obwohl seine Mutter gegen seine Entscheidung ist, wird er ausgerechnet durch sie angespornt. Plötzlich bebt die Erde und ein neuer Titan, der aufgrund seiner Größe über die Mauern blicken kann und von den Menschen fortan als „kolossaler Titan“ bezeichnet wird, tritt ins Rampenlicht. Die Mauer wird von ihm eingerissen, sodass die kleineren Titanen nicht mehr an dieser kratzen müssen und in den Bezirk Shinganshina eindringen können. Wie es der Zufall beziehungsweise der Wille der Handlung so will, wird Erens Mutter bei diesem Vorfall getötet – und Rache wird zu Erens Leitmotiv.

Erzählung auf mehreren Zeitebenen

Die ersten sieben Episoden von Attack on Titan werden auf vier unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Nach dem verheerenden Titanenangriff springt die Handlung erst ins Jahr 847 und ein wenig später ins Jahr 850. Eren und Mikasa entschließen sich dazu, dem Militär beizutreten, um die Menschheit vor dem neuen und noch gefährlicheren Feind zu schützen. Hauptsächlich konzentriert sich die Anime-Serie zu Beginn auf die Ausbildung und die Entwicklungen der zwischenmenschlichen Beziehungen der Charaktere. Dieser Schritt ist äußerst wichtig, da das Ende ihrer Ausbildung mit dem Angriff auf die nächste Mauer und somit dem mittleren Bezirk von ehemals drei Bereichen markiert wird. Auf der einen Seite wird bei diesen Kämpfen wunderbar gezeigt, wie die titelgebenden Angriffe auf die Titanen mittels der 3D-Manöver funktionieren und andererseits auch, wie furchtbar und entmutigend die übermenschlichen Feinde sind. Alle paar Minuten muss man sich als Zuschauer von Haupt- und Nebenfiguren verabschieden, da sie von den menschenfressenden Wesen mit einem oder zwei Bissen heruntergeschluckt werden. Die letzte Zeitebene springt vor die Ereignisse der eigentlichen Story und zeigt in einer Vorgeschichte, wie die aus dem weit entfernten Asien stammende Mikasa bei Erens Familie aufgenommen wird. Das ist spannend und inszenatorisch clever gelöst!

Gelungener Serienauftakt

Unter optischen Gesichtspunkten gehört Attack on Titan aufgrund seines einbrennenden Stils zu den schönsten Anime-Serien unserer Zeit. Die Charaktere werden aufgrund ihrer militärischen und somit ähnlichen Uniformen mit abwechslungsreichen Frisuren und die Titanen trotz ihres teils kindlichen und teils makaberen Aussehens unverwechselbar dargestellt. Besonders in den Kämpfen können die flüssigen Animationen auch aufgrund der oft dreidimensionalen Umgebungen punkten. Hinzu kommt ein fabulöser Soundtrack, der einerseits die desillusionierte Vorstellung von Frieden zerstreut und andererseits die Auseinandersetzungen mit den Titanen adrenalingeladen unterlegt. In puncto Synchronisation können uns sowohl die deutschen, als auch die japanischen Synchronsprecher zufriedenstellen. Ebenfalls angenehm ist auch das Bonusmaterial ausgefallen. Neben dem stabilen Pappschuber der limitierten Erstauflage liegt ein – zugegeben knapp bemessenes – physisches Booklet bei, in dem ein Episodenguide mitsamt einer Auflistung der wichtigsten Szenen, mehreren Charaktervorstellungen und erheiternden Comicstrips enthalten ist. Ähnlich lustige Geschichten gibt es auch in sieben Mini-Episoden im Chibi-Look, die auf der Blu-ray Disc enthalten sind und den ernsten Alltag in der Welt von Attack on Titan auf lustige Art und Weise auf die Schippe nehmen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Bereits nach dem Anschauen der ersten Volume beziehungsweise der ersten sieben Episoden kann ich sagen, dass Manga-Zeichner Isayama Hajime mit seinem Werk Attack on Titan ein grandioses und vor allem unverbrauchtes Universum erschaffen hat. Dieses funktioniert selbst als Anime-Adaption hervorragend, denn auf der einen Seite wird die Geschichte verständlich erklärt und peu á peu mit Hintergründen gefüllt und auf der anderen Seite sind die Charaktere vielseitig und vor allem nicht ersetzbar. Der Tod ist ein zentrales und wiederkehrendes Stilmittel in Attack on Titan, vor dem offensichtlich nicht einmal Hauptcharaktere inmitten der Staffel gefeit sind. So bleibt es mit jeder Episode spannend, sodass ich kaum nach dem Beenden einer Folge unbedingt die nächste sehen möchte. Attack on Titan ist ein geniales Werk, das man gesehen haben muss!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan (Vol. 1)!

Review: Mario + Rabbids: Kingdom Battle

Nintendo hütet die hauseigenen Marken wie Drache Smaug im Kinderbuchklassiker Der kleine Hobbit seinen Schatz. Dementsprechend werden diese nur sehr selten an externe Entwicklerstudios außerhalb der Unternehmensstruktur geliehen. Ubisoft hatte das Glück und hat den Zuschlag für ein kunterbuntes Crossover bekommen.

Mario + Rabbids: Kingdom Battle beginnt seelenruhig in der Tüftelwerkstatt eines nicht näher beleuchteten Mädchen, das jedoch großer Fan des Super-Mario-Franchises sein muss – zumindest pfeift die Erfinderin des als Superfusionierer bekannten Geräts fröhlich die Titelmelodie von Super Mario Bros. und auch einige das Regal zierende Figuren zeugen von ihrem Interesse an der Marke. Als sie ihre Arbeit allerdings jäh unterbrechen muss, verpasst sie das wohl irrwitzigste Erlebnis, das in ihrem Keller wohl jemals stattgefunden hat. Ubisofts quirlige Rabbids tauchen mit ihrer Zeitwaschmaschine im Zimmer auf und treiben jede Menge Schabernack, der in einer Katastrophe endet. Die Zeitwaschmaschine springt an und sowohl der Superfusionierer, als auch ein paar andere Dinge werden mit in den „Waschgang“ gepackt und tauchen wenig später im Pilz-Königreich wieder auf. Trotz ständiger Prinzessinnenentführungen und anderen ulkigen Besuchern dürfte das Auftreten der herumschreienden Hasen auch für die Bewohner des von Schicksalsschlägen gezeichneten Landes eine Besonderheit sein. Da die Rabbids sprichwörtlich aus allen Wolken fallen, können sie die einzelnen Regionen des Staates flächendeckend mühelos einnehmen und weil sie zu allem Übel auch noch mit Blaster-Pistolen bewaffnet sind, wollen sie die annektierten Gebiete natürlich auch nicht hergeben.

Wahnsinn und Schwachsinn

Es sind jedoch nicht alle Rabbids dem bösen Wahnsinn verfallen. Dadurch, dass die eingangs erwähnten Figuren aus dem Regal mit in die Zeitwaschmaschine gepackt wurden, haben sich ein paar Rabbids mit diesen Figuren fusioniert. Klempner Mario macht zu Beginn des Abenteuers also Bekanntschaft mit Rabbid-Peach und Rabbid-Luigi. Zusammen mit dem eigentlich rein digitalen Hilfswerkzeug Beep-0, der im Grunde die zentrale Spielfigur darstellt, als Pointer-Funktion in den Kämpfen missbraucht wird und zugleich als Erzähler herhält, macht sich das Heldengespann auf dem Weg durch die vier Welten des Königreichs, um das Unheil rückgängig zu machen. Unterwegs treffen sie auf weitere bekannte Figuren aus dem Super-Mario-Universum wie zum Beispiel Peach, Luigi, Toad oder Yoshi. Marios Kontrahenten sind ebenfalls mit von der Partie. Unter anderem bekämpfen wir im Verlauf des Spiels einen Rabbid, der Donkey Kong frappierend ähnlich sieht. Bowser Junior lässt sich seinen Auftritt ebenfalls nicht nehmen und nutzt die Gunst der Stunde, um das Chaos im Pilz-Königreich auf eine neue Stufe zu hieven. Der Humor, der von sämtlichen Charakteren getragen wird und überwiegend auf gut gemeintem Slapstick basiert, spricht in erster Linie ein junges Zielpublikum an. Wer über die Witze in Samstagvormittagcartoons nicht (mehr) lachen kann, wird an vielen Stellen im Spiel sicherlich keine Miene verziehen. Eine verschenkte Chance, Ubisoft!

Knackige Gefechte

Im Kern handelt es sich bei Mario + Rabbids: Kingdom Battle allerdings um keine Abarbeitung von den besten Gags beider Unternehmen, sondern um ein rundenbasiertes Taktikspiel. So scheuchen wir in der Regel drei Spielfiguren über einen begrenzen Bereich, gehen hinter Objekten in Deckung und schalten unterwegs unsere Gegner mit allerlei Angriffsmanövern aus. Unsere Feinde können wir zum Beispiel mit dem Raserei-Befehl umlaufen oder auf einen unserer Kumpanen springen, damit wir so Gegner per Stampfattacke erledigen können. Haben wir uns bewegt und uns womöglich im Vorbeigehen ein Geplänkel mit den Feinden geliefert, können wir aber immer noch einen Schuss abfeuern oder eine Spezialfähigkeit aktivieren. Gehen wir beispielsweise davon aus, dass der Gegner ebenfalls eine Spezialattacke ausführen will, können wir uns so prophylaktisch vor etwaigem Schaden schützen. Haben wir solch eine Fähigkeit allerdings aktiviert, können wir sie für ein paar Runden nicht mehr ausführen. Es gehört also ständig dazu, die Fähigkeiten im richtigen Moment einzusetzen. Haben wir all unsere Charaktere übers Spielfeld bewegt, ist der Gegner am Zug. Dieser positioniert seine Figuren in der Regel sehr clever, sodass der simpelste unserer Fehler heftig bestraft werden kann. Je mehr man sich mit den Regeln des Spiels jedoch beschäftigt, desto eher gelingen einem die Gefechte. Ungeduldige Naturen dürfen ein Match im Einfach-Modus neu starten.

Gold und Macht

Je nachdem wie gut wir ein Gefecht abgeschlossen haben, erhalten wir eine Belohnung in Form von Goldmünzen. Diese geben wir in der Kampfzentrale für neue Waffen aus, die wir jedoch beim Erkunden der Spielwelt erst einmal freischalten müssen. Jede neue Schusswaffe richtet größeren Schaden bei den Gegnern an oder verfügt über spezielle Eigenschaften. So können wir mit einem Schuss auch Honig verschießen, um Gegner an Ort und Stelle festzukleben, ihnen mit Flammen einzuheizen oder dafür sorgen, dass die Feinde durch die Gegend geschleudert werden, um eventuell gar vom Spielfeld gepustet zu werden. Ebenfalls erhalten wir am Ende von einer Gefechtreihe Power-Kugeln für jeden Charakter, die wir in den ihnen zugeteilten Fähigkeitsbäumen ausgeben können, damit sie neue Talente erlernen. Rabbid Peach kann beispielsweise als Heilerin agieren oder lernen, bis zu vier Gegner auf einmal mit Raserei anzugreifen. Ebenfalls Sekundärwaffen lassen sich so freischalten. Mario kann dann zu einem Hammer greifen und an Ort und Stelle gehörigen Flächenschaden austeilen. Das Tolle an Mario + Rabbids: Kingdom Battle ist jedoch, dass man sich so – mit der Einschränkung, dass Mario und ein Rabbid im Team sein müssen – sein ganz persönliches Dream-Team zusammenstellen kann. Über Rabbid-Luigis Vampirfähigkeiten freut sich im Team indirekt jeder!

Gradlinig durchs Pilz-Königreich

Außerhalb der Gefechte dürfen wir die Spielwelt, die – wie für das Super-Mario-Franchise gewohnt – aus saftiggrünen Wiesen, staubtrockenen Wüsten, schneebedeckten Bergen, schaurigen Friedhöfen und gefährlichen Feuerlandschaften besteht, frei erkunden. Einerseits finden wir diese Möglichkeit durchaus angenehm, da wir auch Rätsel lösen müssen, um an weitere Waffen, Power-Kugeln oder sammelbaren Schnickschnack zu gelangen. Andererseits ist die gesamte Spielwelt sehr linear aufgebaut, sodass wir quasi nur Schlauchlevels mit der einen oder anderen Abzweigung erkunden. Hinzu kommt, dass die Rätsel in fast allen Fällen viel zu leicht ausfallen. Selten müssen mehr als ein bis zwei Schalter betätigt werden, sodass Rätselfreunde erst zum Ende des Spiels ein wenig gefordert werden. Ärgerlich ist in diesem Zusammenhang, dass wir erst nach jeder Welt neue Abenteuerfähigkeiten spendiert bekommen. Soll heißen, dass wir alle Welten im schlimmsten Fall mehrmals abgrasen müssen, um alle Geheimnisse zu entdecken, da wir erst nach dem Abschluss einer Region auf einmal und ohne sinnvolle Erklärung Blöcke verschieben oder zerhämmern, Statuen von einem Podest aufs andere transportieren oder Vulkangestein aus dem Weg räumen können. Auch wenn wir hier mehr erwartet hätten, ist das optionale Backtracking dank Belohnungen dennoch motivierend.

Bewegungseinschränkungen

Die Bedienung des Spiels ist unserer Meinung nach ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist es anfangs gewöhnungsbedürftig, dass man außerhalb der Gefechte den unscheinbaren Beep-0 steuert und nicht Mario, wie man es erwarten würde. Auf der anderen Seite fragen wir uns, warum man sich nicht einheitlich auf eine Kameraperspektive geeinigt hat. Nur in sehr wenigen Gebieten dürfen wir die Kamera frei justieren. Ansonsten bleibt die Perspektive starr und sorgt dann in jenen Momenten, in denen sie sich automatisch dreht, gerne dafür, dass wir an Ecken oder Kanten kurz hängen bleiben. Die Kämpfe finden hingegen in einer isometrischen Ansicht statt, in denen sich die Kamera nur in Neunzig-Grad-Schritten drehen lässt. Wäre dies noch verschmerzbar, fällt das Fehlen von Komfortfunktionen wie das gleichzeitige Markieren von mehreren Gegnern schmerzlich auf. Abseits dessen können wir uns aber sehr wohl mit der Technik des Spiels arrangieren. Sowohl auf dem Fernsehbildschirm, als auch im Handheld-Modus läuft das knallbunte Spielgeschehen stets flüssig. Hinzu kommt ein fantastischer Soundtrack von Grant Kirkhope, der beispielsweise auch für die Musik von Banjo-Kazooie verantwortlich war. So ist Mario + Rabbids trotz seiner kleinen Defizite optisch und akustisch ein Genuss. Schade, dass die Kampagne nach circa fünfzehn bis zwanzig Stunden beendet ist. Wer alle Boni finden will, darf die doppelte Zeit investieren.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Mario + Rabbids: Kingdom Battle war eines der ersten Spiele, die auf der Electronic Entertainment Expo im Juni 2017 vorgestellt wurden. Weniger als drei Monate später stand der Titel bereits im Laden und leider merkt man an ein paar Stellen, dass der Titel zu übereilt auf den Markt geworfen wurde. Kamera-Probleme, fehlende Komfortfunktionen, lineare Spielwelten, ein mauer Humor und sogar reproduzierbare Spielabstürze beim Endboss  – all das hätte in der Qualitätssicherung auffallen müssen! Dass man sich für die Veröffentlichung und nicht für eine Verschiebung aufs vierte Quartal entschieden hat, liegt wohl daran, dass der Titel im Kern einfach funktioniert und auch sehr viel Spaß machen kann. Immer wenn ich auf dem Schlachtfeld einen Fehler mache, spüre ich ein paar Sekunden oder Minuten später die Konsequenzen und genau dann verlangt mein Ehrgefühl, dass ich die feindlichen Rabbids ins virtuelle Nirwana puste – oder die Schlacht neu starte und mit Ehrgeiz und Elan andere Entscheidungen treffe. Wer rundenbasierte Taktik-Strategiespiele mag und sich auch mit dem Super-Mario- und Rabbids-Universum anfreunden kann, kommt um den Titel für seine Switch definitiv nicht herum. Bleibt zu hoffen, dass Ubisoft das eine oder andere Update nachreicht, um kleinere Fehler zu korrigieren oder den Titel um ein paar Komfortfunktionen zu ergänzen, denn auch ein gutes Rezept kann noch verfeinert werden!

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mario + Rabbids: Kingdom Battle!

Review: Ys VIII: Lacrimosa of Dana

Während die langjährige Ys-Reihe Mitte der 2000er Jahre eine neue Blütezeit erlebte, wurde es in den letzten Jahren still um das Franchise. Mit Ys VIII: Lacrimosa of Dana ist dem Spiel 2016 in Japan der erneute Durchbruch gelungen, den wir jetzt auch in Europa erleben dürfen.

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön: So heißt es zumindest in einem deutschen Volkslied von Isa Vermehren aus dem Jahr 1934 und auch zu Beginn von Ys VIII sieht alles danach aus, dass die Schifffahrt der Lombardia friedlich verläuft. Der Kapitän hält sogar noch ein Bankett ab und dann geschieht auch schon die Katastrophe. Ein Seeungeheuer lässt das Schiff kentern und wenig später wacht unser Held Adol Christin auf der Isle of Seiren, der Insel der Sirenen, wieder auf. Schon immer wollte unser Abenteurer diese mysteriöse Insel, von der nie jemand zurückgekehrt ist, erkunden – da er jedoch selbst vom Kapitän der Lombardia davor gewarnt wurde, hat er diesen Traum bisher auch noch nicht in die Tat umgesetzt. Beim Erkunden der Insel treffen wir auf die ein wenig hochnäsige Laxia von Roswell, ebenso eine Überlebende des Unglücks. Wenig später komplettiert der ulkige Sahad Nautilus das Trio. Vom Kapitän, der ebenfalls auf der Insel gestrandet ist, erfahren wir, dass es wohl noch mehr Schiffsbrüchige auf dem Eiland gibt. Unsere Aufgaben in Ys VIII sind es, einerseits die Insel zu erkunden und zu kartographieren und andererseits dabei die Überlebenden aufzusammeln, damit diese das Dorf der Schiffbrüchigen mit nützlichen Funktionen erweitern. Die Geschichte wird dank dieser facettenreichen Charaktere durchaus spannend und interessant erzählt.

Actionorientiertes Kampfsystem

Je mehr Überlebende wir auf der geheimnisvollen Insel aufspüren, desto mehr Regionen stehen uns offen. Die meisten davon müssen wir aufgrund des linearen Erzählstrangs zwar ohnehin erkunden, doch gibt es auch beiläufig ein paar optionale Areale. Zahlreiche Gegnertypen, die nicht selten rezenten oder ausgestorbenen Lebensformen nachempfunden sind, wollen uns beim Vorankommen jedoch hindern. Während der Erkundungstour greifen wir nahtlos, soll heißen ohne Kampfbildschirm, zu den Waffen und greifen mit einem Helden unserer dreiköpfigen Gruppe die Gegner an. Adol schwingt beispielsweise sein Schwert, Laxia hingegen attackiert die Feinde mit ihrem Degen und Sahad wirbelt einen riesigen Anker umher. Im späteren Spielverlauf kommen noch drei weitere Charaktere hinzu, die wir in der Regel jederzeit mit dem aktuellen Team komplett oder einzeln austauschen können. Zum Angriff steht jedem Recken ein Standardangriff zur Verfügung. Variationen gibt es in Form der Spezialfähigkeiten, die allerdings die Spezialenergieleiste, die sich noch dazu alle Helden teilen, leeren. Das Teilen dieser Leiste klingt in der Theorie schlimmer, als es sich in der Praxis anfühlt, da diese Entscheidung nur uns betrifft. Die anderen beiden Figuren werden vom Computer gesteuert und können nach Herzenslust dem Kampf frönen. Geschickte Angriffe füllen die Leiste wieder auf.

Monstervielfalt

Des Weiteren macht es Sinn, nicht immer nur mit ein- und demselben Charakter zu kämpfen. Jede feindliche Lebensform ist anfällig gegen ein besonderes Angriffsmuster. Während riesige Insekten besonders anfällig gegen Laxias Degen sind, reagieren schleimige Monster auf Adols Schwert und gut gepanzerte Kreaturen lassen sich von Sahads Hammer zerschmettern. Tiefgründigkeit erhält das Kampfsystem durch Ausweich- und Abwehrfunktionen. Entwischen wir dem Gegner oder verteidigen seinen Angriff im richtigen Moment, erleiden wir keinerlei Schaden und haben anschließend ein paar Sekunden Zeit, die Defensive des Gegners zu malträtieren. Ist diese gänzlich gebrochen, sollten wir unbedingt den Gauge-Angriff eines Helden ausführen – wir können uns ein paar Minuten vom Knöpfchenhämmern befreien und zusehen, wie die Energieleiste des Gegners sinkt. Besonders bei den großen Bossgegnern, die sich in der Monsterhierarchie nicht ohne Grund ihren Platz erkämpft haben, ist das ein erfreulicher Anblick. Besiegte Gegner hinterlassen wie in typischen Rollenspielen Erfahrungspunkte, mit denen unsere Charaktere peu á peu automatisch aufstufen und Werte wie Stärke und Verteidigung erhöhen. Goldmünzen gibt es in Ys VIII allerdings nicht. Stattdessen sammeln wir Materialien wie Felle oder Knochen, um sie im Dorf zu neuer Ausrüstung zu verarbeiten.

Abenteuerstimmung

Es ist jedoch nicht nur die Fauna, die Materialien übrig lässt. Wer die Flora der Spielwelt im Blick hat, sammelt fleißig Gewächse. Gepflückte Pflanzen und Schleim von Gegnern eignen sich in ihrer Kombination im Übrigen hervorragend, um unsere leeren Flaschen mit Tränken zu füllen. Natürlich können wir Fleisch von Säugetieren, Reptilien, Amphibien oder Fischen auch braten, Gemüse anbauen oder Früchte von Bäumen ernten, um immer ausreichend Nahrung in unserem schier nimmervollen Beutel zu haben. Erzadern sollten wir hingegen zu keiner Zeit übersehen, denn Erze eignen sich hervorragend dazu, unsere Waffen bei der Schmiedin zu verbessern. Um auch überall in der Spielwelt an die benötigten Materialien zu gelangen, ist eine Abenteuerausrüstung obligatorisch. Fast sämtliche Objekte der Ausrüstung finden wir im Spieldurchgang im Vorbeilaufen. Mit den Kletterhandschuhen können wir an hängendem Gestrüpp hinaufklettern, mit speziellen Schuhen versinken wir nicht mehr im Sumpf und mit einer weiteren Vorrichtung können wir auch Unterwasser atmen, um beispielsweise ein versunkenes Geisterschiff oder geflutete Höhlen zu erkunden. Hier erinnert Ys VIII ein wenig an Terranigma und es gibt wohl für kaum ein Action-Rollenspiel ein größeres Kompliment, als mit diesem wohl für alle Zeit unsterblichen Super-Nintendo-Klassiker verglichen zu werden.

Anspielungen auf die Populärkultur

Epische Ausmaße nimmt auch die Handlung an. Obwohl die Story mit simplem Schiffbruch beginnt, entwickelt sie sich mit jeder Stunde zu einer der spannendsten Geschichten, die wir in Rollenspielen bisher erlebt haben. Wir entdecken mysteriöse Piratenverstecke, dann gibt es in den eigenen Reihen einen mordslustigen Verräter zu entlarven und später lesen wir noch ein Mädchen inmitten der prähistorischen Fauna und Flora auf. Wer jetzt an die Fernsehserie Die Verlorene Welt denkt, liegt bei dieser Ähnlichkeit vielleicht gar nicht mal so falsch. Das Werk basierend auf dem Roman von Sir Arthur Conan Doyle ist allerdings nicht die einzige Fernsehserie, die womöglich als Pate für das Inselszenario herhalten musste. Die Überlebenden der Lombardia entdecken in den Tiefen des Dschungels zudem Überreste einer untergegangenen Zivilisation. Hier erinnert Ys VIII, auch aufgrund des Zusammenlebens der Charaktere und einem weiteren untergeordneten Erzählstrang, stark an die Fernsehserie Lost. Zudem sind erwachsene Themen stets an der Tagesordnung. Neben zwischenmenschlichen Beziehungen werden unter anderem auch Darwinismus, Evolutionstheorie oder Kreationismus angesprochen. Wer alle Informationen aufsammeln will, sollte jedoch Englisch- oder Japanischkenntnisse mitbringen – eine Übersetzung ins Deutsche ist bei Ys VIII leider nicht erfolgt.

PlayStation-Vita-Herkunft

Dafür ist der Titel an vielen Stellen sehr gut auf Japanisch vertont. In puncto Steuerung kann der Titel fast durchweg überzeugen. Einzig und allein die Aktivierung des Gauge-Angriffs kann besonders im späteren Spielverlauf versehentlich aktiviert werden, da hierfür der Ausweichknopf und der Knopf für die Spezialfähigkeiten gleichzeitig gedrückt werden muss. Das hätte man sicher anders lösen können. Unter grafischen Gesichtspunkten greift Ys VIII oft auf eine sehr bunte Farbpalette zurück. Besonders bei den Hauptcharakteren ist dies zu merken, da sich diese im Anime-Stil sehr von den Umgebungen abgrenzen. Die Texturen der Landschaften wirken auf den ersten Blick scharf, doch je näher wir uns der jeweiligen Umgebung nähern, desto deutlicher wird der Texturenmatsch. Das heißt aber nicht, dass es sich hierbei um ein hässliches Spiel handelt – im Gegenteil: Der gesamte Look greift wunderbar ineinander! Allerdings wirken die Animationen der Helden oft etwas zu steif, sodass unterm Strich die PlayStation-Vita-Herkunft mehr als deutlich ist. Dafür läuft Ys VIII bis auf sehr seltene Ausnahmen mit einer butterweichen Bildwiederholungsrate. Musikalisch begeistert der Titel mit angenehmen Kompositionen und einigen Ohrwürmern. Diesen ist man selbst nach sechzig Spielstunden nicht überdrüssig, denn solange kann man brauchen, um das Spiel abschließen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Eigentlich wollte ich Ys VIII: Lacrimosa of Dana gar nicht so lange spielen, da ich meine freie Zeit lieber mit anderen Dingen füllen wollte. Das Spiel hat diesen Plan spätestens nach dem zweiten Spielstart allerdings zunichte gemacht. Kaum habe ich das erste Kapitel des Spiels abgeschlossen, wollte ich unbedingt wissen, wie die sehr spannende und vor allem wendungsreiche Geschichte weitergeht. Hinzu kommt ein fast durchweg gelungenes und vor allem schnelles Kampfsystem, sodass ich gar nicht mehr aufhören konnte, mich durch die Gegnerhorden zu schnetzeln, Materialien zu sammeln und mit neuer Ausrüstung weiter in den Urwald der Insel vorzudringen. Während ich die musikalische Untermalung durchaus für gelungen halte, finde ich es sehr schade, dass man der PlayStation-4-Fassung nicht mehr technische Aufmerksamkeit gewidmet hat. Zwar ist der Titel alles andere als hässlich, doch vor allem weil die Regionen in Instanzen aufgebaut sind, wäre es durchaus angebracht gewesen, den Titel noch ein wenig mehr für Sonys Konsolenflagschiff zu optimieren. Wer darüber hinwegsehen kann, wird in Ys VIII: Lacrimosa of Dana eines der besten und unterhaltsamsten Action-Rollenspiele des Jahres 2016 entdecken!

Vielen Dank an NIS America für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ys VIII: Lacrimosa of Dana!

Preview: The Crew 2

Der erste Teil von The Crew öffnete im Dezember 2014 für Rennspielfans die gesamten Vereinigten Staaten von Amerika als Schauplatz – zumindest im Maßstab mit einigen markanten Stellen des Landes. Ähnlich umfangreich wird wohl auch The Crew 2 ausfallen.

Wieder einmal sind wir in Nordamerika, genauer gesagt im Bundesstaat New York, unterwegs. Wir starten auf einem Hügel und werden kurz darauf in die offene Spielwelt entlassen. Überall dürfen wir in dieser Version des Spiels aber noch nicht hinfahren, stattdessen sollen wir uns mit dem Fahrgefühl vertraut machen und New York City vom Boden, auf Wasseroberflächen oder aus der Luft nach Belieben erkunden. Ihr habt richtig gelesen, ähnlich wie im Rennspielklassiker Diddy Kong Racing gibt es in The Crew 2 drei verschiedene Vehikelarten, mit denen wir die Spielwelt erkunden können. Der Clou des Spiels ist es, dass wir unser Fahrzeug auf Knopfdruck vom Auto in ein Flugzeug oder in ein Boot verwandeln können. Dies geschieht allerdings ohne Verwandlungsanimation und wirkt dementsprechend albern. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt aber ein gut funktionierendes Gameplay-Element vorgesetzt, das das Erkunden der Spielwelt deutlich einfacher gestalten sollte. Per Flugzeug kommen wir natürlich wesentlich schneller zu einem der auf der Karte verteilten Events, als mit dem Auto, mit dem wir zwar auch durch die Walachei brettern können, für die optimale Geschwindigkeit aber eher das Straßennetz nutzen sollten. Haben wir ein Event erreicht, dürfen wir uns mit anderen Spielern, die sich online in unserer Spielsession aufhalten, messen.

Große Stärken und große Schwächen

In diesem Punkt ist The Crew erfreulich abwechslungsreich. Mal müssen wir zahlreiche Drifts in den Straßen von New York City hinlegen, dann müssen wir auf einer Rennpiste mindestens Dritter werden oder wir düsen ähnlich wie in Excitebike 64 mit Motorrädern über einen speziellen Parcours. Genau das ist, neben der großen Spielwelt selbstverständlich, auch die große Stärke des Spiels. Gar nicht gefallen hat uns in Zusammenhang mit den Events allerdings die Fahrphysik. Diese fiel zumindest in unserer Anspielsession bei Publisher Ubisoft noch viel zu sensibel aus. Wir konnten kaum vernünftig in Kurven und Abzweigungen einschlagen oder nach Sprüngen mit zweirädrigen Bodenfahrzeugen landen. Hier hoffen wir sehr, dass die Steuerungseinstellungen trotz des arcadigen Spielprinzips noch Spielraum für Individualisierungsmöglichkeiten lassen. Sollten die Entwickler derartiges nicht vorgesehen haben, sollten sie schleunigst bei der Konkurrenz Electronic Arts Need for Speed: Payback anspielen – dort wurde in puncto Steuerung alles richtig gemacht. Während der Konkurrenztitel Kollisionen mit anderen Fahrzeugen pompös inszeniert, fallen diese im direkten Vergleich in The Crew 2 deutlich abgeschwächt aus. Selbst wenn wir mit hohem Tempo ein anderes Fahrzeug rammen, wirkt das Schadensmodell alles andere als glaubwürdig. Hier sehen wir noch Nachholbedarf.

Optimierungsspielraum

Unter technischen Gesichtspunkten kann uns der Titel noch nicht ganz zufriedenstellen. Auf der einen Seite läuft das Spiel zwar sehr flüssig und auch die Texturen in der näheren Umgebung wirken hochauflösend. Auf der anderen Seite wirkt das Spiel aber eher wie ein Titel, der der PlayStation-2-Ära entspringt. Bei natürlichen Umgebungen wie Bergen oder Wäldern fällt dies noch nicht ganz so stark auf, doch sobald aus einem Wolkenkratzer plötzlich Fenster wachsen, obwohl wir uns diesem nur ein paar Meter genähert haben, ist das alles andere als schön. Hier müssen die Entwickler also noch deutlich nachlegen. Zum Soundtrack können wir zum aktuellen Zeitpunkt leider noch nichts sagen, da wir das Spiel auf der Gamescom 2017 nur ohne Ton spielen konnten, um den Anweisungen der Entwickler folgen zu können. Wir gehen aber davon aus, dass die Musikstücke zum Rennvergnügen passend gewählt werden. Wem der Soundtrack oder die Handlung des Spiels, über die man uns nichts erzählt hat, besonders wichtig sind, sollte auf jeden Fall auf die ersten Testberichte um den 16. März 2018 warten, denn an diesem Tag soll The Crew 2 für die drei Plattformen PC, PlayStation 4 und Xbox One erscheinen. Nintendo-Fans müssen allerdings leer ausgehen: Eine Switch-Fassung ist nicht geplant und aufgrund der Hardware-Anforderungen ohnehin unwahrscheinlich.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Prognose (basierend auf der PC-Fassung): The Crew fand ich 2014 recht interessant und vielversprechend. Außerhalb des Beta-Tests habe ich es aber nicht mehr angerührt, da die Ambitionen der Entwickler in meinen Augen zu hoch gegriffen waren. Die gesamten Vereinigten Staaten von Amerika zu erkunden, kann zwar bis zu einem gewissen Punkt deutlich Spaß machen, doch das ewige Fahren über Landstraßen und Highways hat mich eher abgeschreckt als angelockt. Zudem haben mich die oft gleichen Aufgaben damals vom Kauf abgehalten. Durch die sehr viel abwechslungsreicheren Events von The Crew 2 kann aber genau diese Tatsache für mich wieder interessant genug sein, um dem Titel im Auge zu behalten. Allerdings müssen die Entwickler mir noch in vielen ungeklärten Punkten zeigen, dass sie das große Potenzial, das in The Crew 2 schlummert, nutzen wollen. Ich rede hier nicht von einer spannenden Story – die erwarte ich bei dieser gigantischen und offenen Spielwelt nicht einmal! Ich rede aber von einem glaubwürdigen Schadensmodell, einer atmosphärischen Grafik und vor allem von einer nachvollziehbaren Fahrphysik, die im bisherigen Zustand für mehr Frust, als für Spaß sorgt. Bekommen die Entwickler diese Problemchen aber noch in den Griff, dann kann sich The Crew 2 zu einem der besten Rennspiele mausern. Der Release-Termin, der 16. März 2018, wirkt auf mich momentan aber noch etwas utopisch.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Einladung zur Gamescom-Präsentation von The Crew 2!