Review: Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 5)

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 5 (Re-Cut) (1)Zum ersten Mal werden hierzulande die bisher leider verschmähten Hellsing-Ultimate-Filme veröffentlicht. Inzwischen sind einige Jahre vergangen und es ist nicht nur für uns interessant zu sehen, ob die Umsetzungen dieselben Produktionswerte einhalten können.

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 5 (Re-Cut) (2)Wer die vorherigen Filme noch nicht gesehen hat, wird im fünften Teil sicherlich schon in den ersten Minuten ein fragliches Gesicht aufsetzen. Der verrückte Major will als Anführer einer blutrünstigen Nazi-Vampir-Armee die Welt – und vor allem London – brennen sehen. Vom Buckingham Palace bis zur Tower Bridge wird in diesem Film vorrangig die Zerstörung der britischen Hauptstadt zelebriert. Alucard, wohl das einzige Mitglied Hellsings, welches es mit dem Trupp des Majors aufnehmen könnte, wird dank des Scharmützels im vierten Serienteil immer noch auf offener See festgehalten. Wer im Bilde über die Beziehung von tiefen Gewässern und Vampiren ist, der kann sich auch ohne Vorwissen ausmalen, dass die Figuren in London die nächste Zeit wohl ohne Alucards Übermacht auskommen müssen. Dennoch dürfen die Nationalsozialisten weder Anführerin Integra noch Jungvampirin Seras unterschätzen, denn Hellsing hat auch noch den einen oder anderen Trumpf in der Hinterhand. So darf Integras Butler Walter beweisen, dass er trotz seines fortgeschrittenen Alters mit Leichtigkeit die klischeehaften Standards eines Hausdieners überwinden kann. Sein Fingerspitzengefühl erlaubt es ihm sogar, seine Gegner mit rasiermesserscharfen Drähten in die Mangel zu nehmen und dabei auch noch eine exzellente Figur abzugeben.

Die zweite Liga

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 5 (Re-Cut) (3)Glücklicherweise werden die meisten kampferprobten Figuren in Hellsing früher oder später auch ihren Beitrag zur Handlung leisten und bei Walter wird das sicherlich nicht anderes sein. Ebenso steht es um die sehr eitlen Katholiken, die dank der Abwesenheit Alucards und der einhergehenden Schwächung der Hellsing-Organisation auch ihren umfangreichen Auftritt regelrecht genießen dürfen. Im protestantischen London haben sie eigentlich nichts zu suchen, auch wenn sich dieses in ein Schlachtfeld der Superlativen verwandelt hat. Momentan ist der Feind eines Feindes so etwas wie ein Freund und damit sagen sie vorerst zu jeden Kampf mit den Untoten grundsätzlich Ja und Amen. Ob dahinter jedoch noch mehr steckt, bleibt bisweilen fraglich. Angeführt von Oberpriester Anderson und den ebenso kampferprobten Heinkel und Yumiko demonstriert die 13. Einheit des Vatikans Iscariot im nunmehr fünften Film erstmals klar, dass sie wie geschaffen für den Kampf gegen die Untoten sind. Während in den Filmen zuvor immer zentralisierte Ereignisse und meist nur einige wenige Feinde auf unsere Helden warteten, geht Hellsing Ultimate ab jetzt in eine andere Richtung. London wird zum Dreh- und Angelpunkt jeglicher Aktivitäten sämtlicher Parteien und zum Schauplatz derer gewalthaltigen Aufeinandertreffen.

Ein Werk – viele Künstler

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 5 (Re-Cut) (4)Die Produktion des fünften Films übernahm nicht mehr Satelight sondern Studio Madhouse, die sich mit vielseitigen Produktionen und Umsetzungen wie Black Lagoon, Summer Wars oder Nana seid jeher zu der Oberklasse der japanischen Animationsstudios zählen dürfen. Qualitativ gibt es für das Auge keinerlei Abstriche zu verzeichnen – im Gegenteil. Der Stil von Hellsing Ultimate wurde mit großem Wiedererkennungswert auch von Studio Madhouse übernommen und konsequent weitergeführt. An den verbesserten Animationen ist nun auch schon klar erkennbar, dass seit dem ersten Film aus dem Jahr 2006 nicht wenig Zeit verstrichen ist. Alle Zuschauer, die den Anime auf deutsch genießen, wird es sicherlich freuen, dass alle alten Sprecher für die wichtigen Rollen wieder mit an Bord sind. Ungewohnt wird für viele Fans die musikalische Untermalung auffallen, die neben dem hervorragenden ursprünglichen Soundtrack mit dem einen oder anderen poppigen Song überraschen will. Auf den ersten Moment erscheinen sie fehlplatziert, im Kontext unterstreichen sie allerdings die abstrusen Kampfhandlungen. Die Laufzeit von 45 Minuten unterbietet die bisherigen Längen, reiht sich insgesamt dennoch passend in die Riege der Hellsing-Filme ein – in der Kürze liegt bekanntlich die Würze.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Noch immer hat Hellsing Ultimate nichts von seinem Charme verloren. Mit Hinblick auf die Dimensionen, die der Anime inzwischen angenommen hat, könnte man fast meinen, dass die Intensität der Filme nicht mehr getoppt werden kann. Da wir uns aber momentan gerade einmal bei der Hälfte befinden, sollte ich den Mund vielleicht nicht zu weit öffnen. Sehr cool finde ich auch, dass die Lokalisierung in Sachen Sprecher und Qualität makellos erscheint. Obwohl zwischen den Veröffentlichungen einige Jahre liegen, ist im direkten Vergleich zum vierten Film kein Unterschied festzustellen. Am Rande ist auch positiv anzumerken, dass die Fehlbesetzung des letzten Films nun korrigiert wurde, sodass eine weibliche Figur auch tatsächlich mit einer weiblichen Stimme neu besetzt wurde.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 5)!

© 2006 Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / WILD GEESE (Abbildungen)

Review: Pokémon: Omega Rubin & Alpha Saphir

Pokémon Omega Rubin Alpha Sapphire (1)Zum dritten Mal dürfen Pokémon-Fans in Nostalgie schwelgen, denn zum dritten Mal schickt Nintendo zwei Serien-Episoden zur Frischzellenkur. Die neuen Remakes der Game-Boy-Advance-Spiele Pokémon Rubin & Saphir geben auch allen Grund zum Retro-Feeling.

Pokémon Omega Rubin Alpha Sapphire (2)Das alljährliche Erscheinen der Pokémon-Episoden hat Nintendo inzwischen stillschweigend etabliert. Den Spielern selbst macht es nichts aus, denn eine Sättigung ist nicht zu erkennen – im Gegenteil: Die Vorbestellungen der neuen Remakes übertrafen tatsächlich diejenigen des letzten Abenteuers. Anscheinend freuen sich die Spieler auf etwas, was sie schon ganz genau kennen, besonders. Dementsprechend wäre Nintendo auch schön blöd, nicht alles beim Alten zu belassen, bei einem Remake erst recht. Noch immer starten wir unser neues Abenteuer in Wurzelheim und lernen Schritt für Schritt die Welt der Pokémon und ihre Bewohner kennen. An der Tagesordnung steht aber schon bald das klassische Trainer-Dasein, welches nur vom nie endenden Konflikt zwischen Team Aqua und Team Magma überschattet wird. Ob wir diesem Rollenspiel dabei lieber unseren Schwerpunkt auf eine steile Karriere als Ordenjäger oder als Pokémon-Sammler hinlegen, bleibt uns überlassen. Am besten ist wohl wie immer die Mischung aus beidem. Entwickler Game Freak wusste genau, welche Orte und Ereignisse der Hoenn-Region für die Spieler damals die Highlights darstellten. Vom Ausstieg aus dem Möbelwagen in Wurzelheim bis zu der ersten Begegnung mit Troy – all diese unvergesslichen Momente sind uns erhalten geblieben und wurden dabei wunderbar auf Hochglanz poliert.

Die Lust am Abenteuer

Pokémon Omega Rubin Alpha Sapphire (3)Erneut hat es Game Freaks geschafft, die umfangreichen Online-Funktionen alle unter sehr einheitliche Bildschirmanzeigen zusammenzufassen. Die meiste Zeit werden auf dem unteren Bildschirm aber wohl die neuen Features des Poké-Multi-Navis genutzt werden. Dieses Gerät spürt auf den Routen ganz besondere Pokémon auf. Damit steigt die Chance auf einzigartige Attacken und Werte. Zusätzlich kann durch die Schleichmöglichkeit – die Sensitivität des Schiebepads gewinnt nun erstmals an Bedeutung – gewöhnlichen Zufallskämpfen aus dem Weg gegangen werden. Dies wünschten wir uns schon zu lange, noch besser sind vielleicht aber die anderen Features dieses Geräts. Dazu dient es noch als zuverlässiger Kampffahnder für Rückkämpfe mit Trainern und als Timer für unsere gepflanzten Beeren. Mit Symbolen wird uns auf dem Touchscreen mitgeteilt, was wir in anderen Generationen nie erfahren hätten, ohne zunächst zeitaufwendig unzählige Male von der Versteckten Maschine Fliegen Gebrauch zu machen. Diese optimale Einbindung des unteren Bildschirms in den Pokémon-Spielen war schon sehr lange überfällig! Genauso steht es um bestimmte Features. So gehören die Pokémon-Wettbewerbe der dritten Generation seit jeher zu den beliebten Nebenaufgaben. Selbstverständlich wurden auch dieses generalüberholt und ins Remake-Gewand gezwängt.

Pokémon im Rampenlicht

Pokémon Omega Rubin Alpha Sapphire (4)In verschiedenen Kategorien stellen Trainer hier ihre Pokémon zur Schau. Attacken sind auch hier essentiell, nicht aber zum Kämpfen. Sie müssen möglichst ansprechend auf das Publikum wirken. Jeder Move ist unterschiedlich effektiv und bringt spezielle Boni mit sich – ohne eine Strategie läuft auch im Showbusiness nichts. Es lohnt sich also auch einmal Pokémon und vor allem Attacken ins Blickfeld zu nehmen, die wir als angehender Pokémon-Champion sonst so schnell nicht ins Auge gefasst hätten. Nach den Shows lassen wir es dann etwas gemächlicher in unseren Super-Geheimbasen zugehen. Frei nach unserer Kreativität gestalten wir in den versteckten Ecken rund um Hoenn diese privaten Rückzugsorte. Allzu privat bleibt dieser bei einer aktiven Internetverbindung aber nicht: Fügen wir Freunde in unser Team hinzu, suchen sie in ihren Basen auf oder fordern sie zu Kämpfen heraus – wem die Geheimbasen schon damals zugesagt haben, der wird jetzt noch einmal mindestens genauso viel Spaß damit haben. Visuell dürfen viele Spieler auch direkt wieder in Nostalgie schwelgen, auch wenn die Technik natürlich auf aktuellem Niveau angekommen ist. Grafisch waren Pokémon X & Y nur eine Testphase – die Remakes hieven die Pokémon-Spiele auf ein visuelles sowie erzählerisch etwas höheres Niveau. Luft nach oben ist bei der Hardware dennoch vorhanden.

Verschenktes Potential

Pokémon Omega Rubin Alpha Sapphire (5)Kurze Zwischensequenzen gab es zwar schon zuvor, doch die neuen Editionen verleihen dem immersiven Gefühl für die Pokémon-Welt noch einmal eine neue Dimension. Die Kamera bewegt sich nun noch unabhängiger vom Geschehen, um per Zoom sowohl die weitläufigen Routen einzufangen, als auch in verwinkelten Städten wie schon in Illumina City eine Third-Person-Perspektive zu suggerieren. Was den Tiefeneffekt betrifft, halten sich die Korrekturen leider bedeckt. Zu bestaunen ist dieser nur in Kämpfen, einigen Zwischensequenzen und an besonderen Orten. Leichte Ruckler im aktivierten 3D-Modus sind leider immer noch an der Tagesordnung, ohne 3D fahren wir auch in dieser Edition am besten. Dafür wurden die Hintergründe in den Kämpfen merklich aufgehübscht. Das gilt auch für einige Schauplätze Hoenns, die umfangreiche Bauarbeiten über sich ergehen lassen mussten. Das eine oder andere völlig neue Areal ist auch hinzugekommen, welche sich direkt auf der Liste der besten Gebiete ganz nach oben katapultierten. Leider ist auch dieses Abenteuer wieder zu leicht ausgefallen. Obwohl der relativ lineare Spielverlauf gegeben ist, hält das Level der Trainer kaum mit unserer wachsenden Stärke mit. Die Arenen, die sonst immer regionale Höhepunkte darstellten, verblassen leider zur unkomplizierten Routine. Das hätte nicht sein müssen.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit: Die vielen kleinen Verbesserungen verpassen auch solch einem großen Abenteuer eine neue und markante Note, für die es sich auch heute noch einmal zuzuschlagen lohnt. Für mich waren in diesem Pokémon-Ableger wohl sogar die kleinsten Verbesserungen die schönsten Neuerungen. Die vielen sinnvollen Touchscreen-Features gaben mir stets das Gefühl, als Trainer jederzeit alles unter Kontrolle zu haben. Game Freak lässt Fans der dritten Generation mit der Überarbeitung von Hoenn keine Möglichkeit für Kritik offen, zu schön wurde die alte Spielwelt neu aufgezogen. Leider agieren dessen Bewohner, die Trainer, im Kampf nicht immer besonders geschickt. Hätten sie nur etwas stärkere Pokémon, wäre das Potential für einige richtig anspruchsvolle und spannende Kämpfe vorhanden gewesen, so ist diese Edition so einfach wie ihre Vorgänger. Zumindest hatte ich so die Gelegenheit auch einmal etwas unbeachtete – da schwächere – Pokémon zu verwenden. Nach dem Triumph über die Top Vier gerät dieses Problem aber schnell in den Hintergrund. Offline sowie online bringen neue Pokémon und Trainer auch für noch so erfahrene Spieler inspirierende Herausforderungen mit sich. Damit besitzt das Remake insgesamt ein wesentlich höheres Potential, mich langfristig zu unterhalten, als zum Beispiel noch Pokémon X & Y.

Review: Liar Game (Band 13)

Liar Game (Band 13)Der Band mit der verhängnisvollen Nummer Dreizehn weist hoffentlich nicht auf ein schlechtes Omen hin, denn aktuell sieht es im Gefecht der Sitzgelegenheiten alles andere als rosig für Teamkameraden Nao und Akiyama aus. Inzwischen haben sich neben den schon ausgeschiedenen Statisten noch drei Teams herauskristallisiert, die sich eine Chance auf den Sieg ausmahlen dürfen. Untereinander wird sich natürlich kaum über den Weg getraut, zum Überstehen der Ausscheidungsrunden sind zumindest zeitlich befristete Bündnisse aber bitter nötig. Ohne diese können die regelmäßigen Abstimmungen über das Entfernen der Stühle nicht gewonnen werden und die Teams verlieren wortwörtlich immer mehr Grund und Boden. Zum Verhindern sind Doppel- und Dreifachstrategien schon das Mindeste, womit sich die intelligenten Drahtzieher hinter den Teams Akiyama und Yokoya auseinander setzen müssen. Dagegen ist Nao stets die einzige, die aufopferungsvoll und solidarisch umherstreift und daran glaubt, den Sieg in der Zusammenarbeit aller zu finden. Bei ihr regiert Herz gegen Verstand, das wird in diesem Band besonders klar. Welche Seite allerdings gewinnt, stellt sich erst heraus, sobald sich mindestens zwei Parteien einsichtig zeigen und dieselben Ansichten teilen.

Das Zünglein an der Waage

So schlauer die Menschen allerdings werden, umso schwieriger scheint es für sie, diesen eigentlich simplen Zusammenhang zu verstehen. Das ewige Hin und Her, in dem letztlich keine Gruppe die Führung für sich entscheiden kann, geht also weiter. Das ist im Grunde schon ein passender Ausdruck für den aktuellen Verlauf der Manga-Reihe. Die Rahmenhandlung bewegt sich nicht wirklich vom Fleck, sondern dreht sich weiterhin um die eigene Achse, ebenso wie sich die Teilnehmer der stuhlbasierten Reise nach Jerusalem auch nur in einem immerwährendem Kreis bewegen. Zwar endet nach diesem Band der aktuelle Handlungsstrang, was die Vorfreude auf Kommendes steigert. Ermüdungserscheinungen sind nach dreizehn Bänden natürlich dennoch nicht zu vermeiden. Liar Game hat sich wohl mit seinem episodischen Charakter abgefunden, womit eine übergreifende Geschichte wohl nur am Ende oder eben zwischen den einzelnen Kapiteln erzählt wird. Der Fokus liegt in den ausgetüftelten Einzelgeschichten, die den Leser kurzfristig in den Bann ziehen sollen. Zum Abkühlen wartet auf den letzten Seiten noch Kaitani Shinobu höchstpersönlich auf die Leser, um humoristisch über seine Anfänge als Künstler in der umkämpften Manga-Industrie zu berichten.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Um die gehirnakrobatischen Gedankenspiele vollständig nachvollziehen zu können, braucht es wohl wirklich ein Genie wie Akiyama. Das gewöhnliche Volk – wozu sich wohl oder übel nahezu jeder Leser zählen muss – lässt sich dann lieber von den regelmäßigen Erklärungen der Pläne ermuntern. Die anderen Figuren wollen ja schließlich auch erfahren, was um sie herum eigentlich gerade passiert. Auch wenn die meisten Leser sicherlich nicht immer ganz durchsteigen werden, ist das kontinuierliche Mitfiebern mindestens genauso unterhaltsam. Erst recht, wenn einschlägige Wendungen fast schon seitenweise auftreten, lassen wir uns jedes mal gerne aufs neue Überraschen, das gilt auch für die Zukunft.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Liar Game (Band 13)!

Review: Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 4)

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 4 (Re-Cut) (1)Im letzten Film punktete zwar primär noch der Humor beim Zuschauer, doch damit ist nun Schluss. Die bisher schweigsamen Antagonisten treten endlich in den Vordergrund – eine altbekannte Gruppierung, die bösartiger kaum sein könnte.

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 4 (Re-Cut) (2)Hirano Kōta zeigte mit Hellsing das klassische Vampirtum aus japanischer Sicht auf. Würde Bram Stoker diesen Manga lesen, würde dieser sich sicherlich im Grab umdrehen. Immerhin dichtete der Autor in seinem Original-Manga um den Vampir Dracula einen vielseitigen Epos, der auch nicht vor irgendwelchen Religionen, abstruser Gewalt oder gar dem deutschen Nationalsozialismus halt macht. Als hätte der königlich-protestantische Hellsing-Ritterorden mit den Katholiken nicht schon genug zu tun, steht hinter den letztlichen Massakern der vorherigen Teile auch noch ein größenwahnsinniger Major. Die versprengten Truppen des Dritten Reichs des nationalsozialistischen Regimes scheinen sich unter der Flagge dieses Majors zusammengefunden zu haben. Was in Europa vor einem halben Jahrhundert nicht gelang, versucht er nun mit einer gesamten Vampir-Armee erneut – das erste Ziel ist der historische Erzfeind England mit Hauptstadt London, dem Sitz von Hellsing. In diesem Film ist es interessant zu sehen, wie die unterschiedlichen Parteien gemeinsam auf diese neuen fürchterlichen Entwicklungen reagieren. Bevor sie es mit dieser Macht von außen aufnehmen, sollten sie zunächst aber einmal daheim für Ruhe und Ordnung sorgen.

Das verdrehte Klischee

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 4 (Re-Cut) (3)Untote Nazi-Zombies sind bei weitem nicht das Innovativste, wenn es um Feindbilder in Filmen oder Videospielen geht. Neben der blinden Mord- und Zerstörungswut haben sie mit ihren verquirlten Idealen nicht sehr viele Qualitäten zu bieten. Da diese sehr einfach gestrickt sind, stechen daher die befehlshabenden Stellvertreter dahinter besonders hervor. Ausgeprägte Charaktermodelle gibt es sowohl auf Seiten von Hellsing, der Katholischen Kirche, aber auch der Nationalsozialisten. Neben dem Major wäre da zum Beispiel der katzenartige Schrödinger oder die Jägerin Rip van Winkel – die Namen sind hier tatsächlich Programm. Da können wir Alucard schnell verzeihen, wenn er sich durch die restlichen Gegnermassen schnetzelt, als gäbe es keinen Morgen mehr. Damit hält er sich im vierten Film sowieso doch etwas zurück. Anstatt gegen gewöhnliche Ghule oder Vampire anzutreten, gehen mit der Bedrohung der Nazis auch diese neuen stärkeren Feinde einher. Die Konfrontation mit diesen stellen für ihn dann weitaus anspruchsvollere Herausforderungen dar, die allesamt teuflisch in Szene gesetzt werden. Auch wenn Alucards Übermacht meist unmissverständlich klar ist, sind vor allem die Nationalsozialisten jederzeit hoch motiviert und zu allen Gräueltaten bereit, was jeden Kampf recht spannend wirken lässt.

Ohrensausen

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 4 (Re-Cut) (4)Eine besondere Rolle nimmt in diesem Film Leutnant Rip van Winkel ein, eine begabte Scharfschützin, die es nur zu gern mit Alucard aufnimmt. Um die altdeutsche Stimmung zu untermauern, wurde der Soundtrack mit ein paar außergewöhnlichen Tracks aufgemischt. So stimmt Rip überraschenderweise gerne einmal Auszüge aus der Oper Der Freischütz von Carl Maria von Weber an. Solche absurden Szenen festigen zusammen mit der Zelebrierung der brutalen Action die sonderbare Atmosphäre, die den Zuschauern die japanische Herkunft des Werks unmissverständlich vor Augen führen. Ein Patzer in der Lokalisierung ist da dennoch zu bemängeln: Ein weiblicher Anhänger des Majors, der sich in diesem Film bisher nur mit einer kurzen Sprechrolle begnügte, wurde mit einer männlichen Stimme besetzt. Vom Äußerlichen ist das ohne zusätzlichem Wissen auch kaum zu erahnen und wirklich relevant ist der Unterschied momentan auch nicht, in den nächsten Filmen (die in Deutschland bis dato noch nicht erschienen waren) wird es allerdings spannend, wie damit umgegangen wird. Damit die Zuschauer die teilweise doch krassen beziehungsweise kritischen Inhalte keinesfalls falsch verstehen können, ist der Film auch der erste der Reihe, der unmissverständlich ab achtzehn Jahren freigegeben wurde.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die vierte Volume von Hellsing Ultimate macht ohne Abstriche genau dort weiter, wo die dritte Ausgabe aufgehört wurde. Die noch so schrecklichen Themen kann ich aber auch hier nicht wieder vollständig ernst nehmen, wie zum Beispiel, wenn der Nazi-Trupp – angeführt vom dicklichen Major – in Uniform durch das abstruse Setting des Hellsing-Universums stolpert. Abgerundet von der ikonischen Motivationsrede des Majors (die natürlich unmissverständlich an das Regime eines gewissen Diktators angelehnt ist), kann ich auch verkraften, dass der Action-Anteil zu Gunsten der erstmaligen weitreichenden Erzählungen etwas flach gehalten wurde. Damit den Figuren endlich klare Ziele und Motivationen vor Augen schweben, ist diese Ruhe vor dem Sturm sicherlich nötig.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 4)!

© Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / Hellsing K.G. (Abbildungen)

Special: Microsoft auf der E3 2015

E3 2015 Microsoft (1)Wie jedes Jahr veranstaltete auch Microsoft auf der diesjährigen Electronic Entertainment Expo eine umfangreiche Pressekonferenz in Los Angeles. Besonders Besitzer der Xbox One warteten gespannt auf neue Spiele, die für ihre Heimkonsole künftig erscheinen werden.

E3 2015 Microsoft (2)Nach einer Trailer-Vorschau mit Blick auf die bald kommenden Titel trat Bonnie Ross von Studio 343 Industries auf die Bühne, um mit Halo 5: Guardians die diesjährige Konferenz direkt mit einer traditionsreichen Videospielreihe von Microsoft einzuleiten. Trailer und Gameplay vermittelten schon einmal eine gute Stimmung, Fans werden sich neben dem Multiplayer-Modus vor allem auf die duale Einzelspielerkampagne freuen, die den Spieler in den Körper vom Master Chief, aber auch von einem weiteren Charakter schlüpfen lässt. Das Ego-Shooter-Spektakel soll sogar schon diesen Oktober starten. Danach wurde mit Recore ein völlig neues Spiel auf der Microsoft-Bühne präsentiert. Für diesen neuen Titel von Inafune Keiji, dem Erfinder von Mega Man, zeigte sich Phil Spencer persönlich – wohl aber auch wegen der folgenden, ganz besonderen Ankündigung. Etwas, wozu die PlayStation 4 nicht in der Lage ist, will Microsoft möglich machen: Schon Ende dieses Jahres soll die Xbox One zu Xbox-360-Spielen abwärtskompatibel werden. Sogar Mehrspielermodi der Xbox-360-Versionen soll mit den One-Geräten ermöglicht werden. Inwieweit das alles reibungsfrei funktioniert und ob auch tatsächlich alle Spiele auf den neuen Geräten zum Laufen gebracht werden können, hält Microsoft für die nahe Zukunft offen. Wir sind jedenfalls sehr gespannt!

Neustes vom Neuen

E3 2015 Microsoft (3)Eine weitere Überraschung stellte der neue Controller der Xbox One dar. Der sogenannte Xbox Elite Wireless Controller punktet mit einer Menge Anpassungsmöglichkeiten für jeden Spieler. Austauschbare Aufsätze und sensiblere Eingabeelemente sollen das Spielerlebnis auf der Microsoft-Konsole in noch ungeahnte Dimensionen hieven. Dimensionslos wird allerdings auch der Preis für dieses Gerät, denn momentan liegt dieser bei 150 US-Dollar. Danach gab Microsoft die Bühne für Bethesda frei, die noch einmal Einblicke in ihr neues großes Projekt Fallout 4 gewähren. Neben dem Material, was schon auf Bethesdas eigener Konferenz gezeigt wurde, ließ es sich das Unternehmen auch nicht nehmen, neue Szenen auf der großen Bühne zu zeigen. Die wohl wichtigste Nachricht war allerdings, dass Mods, die am PC erstellt wurden, nun auch auf der Microsoft-Konsole gespielt werden können. Nachdem Mods und von Spielern generierte Inhalte sowieso einen immer größeren Standpunkt in der Videospielindustrie einnehmen, ist das ein intelligenter Schritt von Microsoft. Anschließend ließ der nächste große Publisher auch nicht lange auf sich warten. Electronic Arts zeigte Plants vs. Zombies: Garden Warfare 2, welches noch bunter, noch verrückter und damit noch spaßiger aussieht als der beliebte Vorgänger.

Altbekanntes und Altbewährtes

E3 2015 Microsoft (4)Zur folgenden Vorstellung von Forza Motorsport 6 ließ es sich der Veranstalter nicht nehmen, einen schnieken Sportwagen auf die Bühne zu zaubern, sodass Fans des Motorsports schon vor dem eigentlichem Gameplay-Trailer das Herz aufging. Auch der sechste Teil der Serie wird schon in diesem Herbst erscheinen, was das umfangreiche Herbst-Line-up von Microsoft noch erweitert. Die Ankündigung von Dark Souls III geschah de facto schon vor ein paar Tagen, bei Microsoft wurde allerdings der erste Trailer gezeigt. Ohne dem vorherigen Leak wäre das zwar eine sehr interessante Ankündigung geworden, doch so hielten sich aber sogar die Reaktionen der Zuschauer in Grenzen. Noch länger bekannt dagegen ist Tom Clancy’s The Division, dessen Erscheinung schon sehr lange im Dunkeln liegt. Das dystopische New York von übermorgen bekam leider auch kein neues Gameplay spendiert; das hob sich Ubisoft für seine eigene Vorstellung auf. Der französische Vertreter leitete anschließend auf Tom Clancy’s Rainbow Six: Siege über, das ebenfalls im diesem Herbst erscheinen wird. Der Indie-Support blieb auch dieses Jahr wieder einmal nicht auf der Strecke liegen: Mit einem Trailer-Fest wurden eine Menge neuer Indie-Kreationen angekündigt. Wie zu erwarten stand dabei die Vielfalt im Vordergrund, sodass mit Sicherheit für jeden etwas dabei sein wird.

Rare auf dem Prüfstand

E3 2015 Microsoft (5)Das nächste große Spiel stellte Brian Horton vor, um den Zuschauern das neue exklusive Abenteuer von Lara Croft mit einem Gameplay-Trailer näher zubringen. Der Nachfolger des Reboots baut ebenso auf der gediegenen Mischung aus Action- und Rätselsequenzen auf – erneut begleitet von einer beeindruckenden Grafik. In welchem Verhältnis diese beiden Komponenten dann in Rise of the Tomb Raider auftreten, wird der Release am 10. November dieses Jahres zeigen. Ein kleines Highlight folgte sogleich, als Vertreter des ikonischen Entwicklerstudios Rare stolz die ganze dreißig Spiele umfassende Rare Replay Collection, die viele alte Klassiker des Kult-Entwicklers zusammenfasst, vorstellte. Das neue Spiel von Rare konnte aber auch schon gezeigt werden: Ein neues Piratenabenteuer im Comic-Look namens Sea of Thieves lässt Fans bangend in die Zukunft blicken, inwiefern sie von den inzwischen angeschlagenen Entwicklern noch begeistert werden können. Zu guter Letzt läutete die Gears of War: Ultimate Edition die Neuankündigung von Gears 4 ein, was die Anhänger von klassischen Third-Person-Shootern glücklich stimmen dürfte. Der Name versucht es zu kaschieren, die Verbindungen zur Gears-of-War-Reihe sind natürlich beabsichtigt, wie einzigartig das Spiel dann tatsächlich wird, bleibt abzuwarten.

Geschrieben von Jonas Maier

Erics Meinung: Die Messeauftritt von Microsoft waren in den letzten Jahren katastrophal. In meinen Augen hätte die diesjährige Pressekonferenz zeigen können, dass man sich tatsächlich Gedanken um die Zukunft der eigenen Konsole macht. Die Veranstaltung hat mich allerdings absolut nicht gefesselt. Die meisten Ankündigungen waren vorhersehbar. Die Halo-Reihe ist für mich nicht spannend genug und mit Forza Motorsport 6 kommt gerade mal ein Spiel dazu, welches auf meine Kaufliste wandern müsste, sofern ich eine Xbox One besitzen würde. Die Ankündigung von Rare eines neuen Spiels abseits von Kinect-Spielereien war zwar seit mehr als fünf Jahren überfällig, doch haut mich das Spiel ebenfalls nicht aus den Latschen. Dafür merke ich schon jetzt, dass der Titel von seiner Online-Anbindung lebt. Zudem gefällt mir der Stil nicht, doch das ist sicher nur eine Geschmackssache. Interessanter ist da schon die von Rare geplante Veröffentlichung von gleich dreißig Klassikern in einer Collection und wenn ältere Spiele schon der Grund sein sollte, warum ich mir die Xbox One kaufen sollte, dann ist das für Microsoft fast schon ein Armutszeugnis. Gut finde ich aber, dass man es endlich auch möglich machen möchte, Xbox-360-Spiele auf der Konsole zum Laufen zu bringen. Aber ich sehe diesem Service keine rosige Zukunft entgegen, denn ich glaube, dass es der Konzern bei weitem nicht schafft, Dritthersteller mit ins Boot zu holen. Besonders kleinere Titel werden auf der Xbox One wohl nicht laufen. Gerne lasse ich mich eines besseren überzeugen, doch unterm Strich hatte die Pressekonferenz keinen Platz für ordentliche Ideen gelassen.

Jonas Meinung: Im Vorfeld war Microsofts Pressekonferenz eigentlich die, von der ich noch am wenigsten erwartet hatte. Das liegt mitunter daran, dass ich keine Xbox One besitze; dennoch hat mich Microsofts Auftritt positiv überrascht. Zwar haben mich die Spiele selbst kaum angesprochen, aber die strikte Präsentation mit einem klaren Fokus auf die Spiele dürften zusammen mit der einen oder anderen Hardware-Überraschung Xbox-Fans tatsächlich gefallen haben. Spiele wie Recore sahen natürlich sehr interessant aus, doch leider wurden für meinen Geschmack auf der grünen Bühne nur zu viele hübsche Render-Trailer gezeigt. Auf der anderen Seite ist die Abwärtskompatibilität zu Xbox-360-Spielen genauso simpel wie genial – davon kann sich besonders Sony momentan eine große Scheibe abschneiden! Auch der neue Controller sieht interessant aus und wird nun wohl jeden Xbox-One-Besitzer, der bis jetzt ein Problem mit seinem Controller hatte, fröhlich stimmen. Jetzt müssen diese Ankündigungen auch nur noch genau so wie versprochen in die Tat umgesetzt werden, dann sieht der Herbst für Microsoft durchaus rosig aus. Man darf gespannt sein, ob die neuen Spiele auch neuen Schwung in die Verkäufe der Konsole bringen. Verdient hätte sie es auf jeden Fall.

Review: Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 3)

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 3 (Re-Cut) (1)Die Anime-Reihe Hellsing Ultimate setzt neue Maßstäbe – der dritte Film überrascht mit neuen Gesichtern, neuen Entwicklungen der Handlung und nicht zuletzt mit neuen Dimensionen der Gewaltdarstellung.

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 3 (Re-Cut) (2)Nach der starken Dezimierung des Hellsing-Personals dank der Gräueltaten im vorherigen Film, fasst Anführerin Integra den Schluss, auf Söldnertruppen zurückzugreifen. Um die erforderliche Kampftruppe wieder auf Vordermann zu bringen, ist Captain Bernadotte mit seinen Leuten genau der richtige Mann, um gegen die vielseitigen Ungeheuer dieser Welt vorzugehen. Auch als Neuzugang ist er sich für den einen oder anderen flotten Spruch nicht zu schade. Seine Gelassenheit macht der Coolness von Obervampir Alucard gleich alle Ehre. Allzugleich darf er mit ihm und Seras nach Südamerika aufbrechen. Der Kontinent wird nun Schauplatz der neusten Kampfhandlungen zwischen Monster und dem monsterjagenden Monster Alucard, der als Vampir auch so weit weg von London den Befehlen Integras bedingungslos Folge leistet. Momentan müsste er das aber gar nicht, denn nichts ist ihm lieber, als die ungebremste Gewaltausübung – egal ob gegen Menschen oder Ungeheuer. Diesmal spielt seine eigene Motivation aber auch eine Rolle: Eine böse Macht formiert sich im Hintergrund, deren einzige erkenntliche Motivation scheint der kriegstreiberischen Akt selbst zu sein. Mit Alucard hat diese Bewegung anscheinend einen starken Gegner als ideales Ziel auserkoren. Dieser lässt sich selbstverständlich nur sehr ungern provozieren.

Religiöse Bloßstellungen

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 3 (Re-Cut) (3)Für das protestantische Hellsing dagegen altbekannt ist der Zwiespalt mit der Katholischen Kirche. Diese altertümliche religiöse Fehde geht im Hellsing-Universum noch Hand in Hand mit dem Exorzismus von übernatürlichen Wesen. Dafür verwenden die engstirnigen Katholiken natürlich nicht nur gewöhnliche Waffen. Im Sinne des Vatikans und ihres Glaubens schrecken sie vor nichts zurück, denn im Angesicht der neuartigen Bedrohung muss Hellsing vielleicht sogar in den Katholiken einen wichtigen Verbündeten sehen. Mit den Protestanten und deren Oberhaupt in Form der englischen Königin, sowie den Katholiken mit dem Papst als oberster Würdenträger, gestaltet sich das Machtgefüge in der Welt von Hellsing Ultimate von Film zu Film immer komplexer. Daneben tritt nun etwas in den Vordergrund, was die vorherigen Teile schon angedeutet haben: Der Humor in den Filmen scheint zwar entgegengesetzt zu den ernsten Thematiken, hat sich aber nun schon fest in den Hellsing-Filme verewigt. Der Slapstick-Comedy-Anteil wirkt umso überraschender auf den Zuschauer, je sinnfreier und fehlplazierter sie erscheint. Ob mit wechselnden Stilen oder neuen Charakterzügen – der Absurdität wird für den Preis eines Witzes kein Einhalt geboten und der Konsument mit voller humoristischen Bandbreite getroffen.

Wahnwitziger Humor

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 3 (Re-Cut) (4)Generell nehmen es viele Figuren mit Leichtigkeit, dass ihre Welt Hals über Kopf ins Chaos gestürzt wird. Anscheinend haben diese sich an den Gegensatz zu ihrer brutalen Realität schon längst gewöhnt, auch wenn er im Grunde natürlich total fehlplatziert ist. Den scharfen Kontrast sind sich die Verantwortlichen von Studio Satelight wohl bewusst, hoffentlich auch, dass diese dubiose Art des schwarzen Humors nicht bei jedem zünden muss. Die religiösen Anleihen, die Hirano Kōta auch schon in seinem Manga erlaubte, werden sicherlich auch nicht jeden unberührt lassen. Die Mehrheit sieht darin aber hoffentlich nicht mehr, als das Potential hervorragender Witze und Motivationen für vielleicht fragwürdige Handlungen. Der Humor sollte also als Warnsignal dienen, sodass alle Inhalte vielleicht doch nur mit einem Augenzwinkern betrachtet werden sollten. Der Film ist mit einer Laufzeit von nur 45 Minuten ebenso lang wie seine Vorgänger. Für einen abendfüllenden Film mag das zwar deutlich zu kurz klingen, nachdem Hellsing Ultimate aber fast schon eine Bild-für-Bild-Umsetzung des Mangas ist, gibt es schließlich keinen Grund, das Original zu verfremden und die Kurzweiligkeit aufs Spiel zu setzen.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Obwohl die dritte Ausgabe nicht minder brutaler oder verstörender ist, als die Vorgänger, unterhält mich in diesem Film der Humor besonders. Wer aber mit schwarzem Humor und ein wenig spaßiger Sinnlosigkeit nichts am Hut hat, kann dennoch auf der anderen Seite immer noch von den ausgeprägten Anleihen zu Action und Gewalt unterhalten werden. Zuschauer, die dem Humor nichts abhaben können und dazu noch religiös (und katholisch) sind, werden hier wohl den Kopf über die Hände zusammenschlagen. Insgesamt finde ich die religiösen Auseinandersetzungen aus japanischer Sicht zu jeder Zeit herrlich in Szene gesetzt, auch wenn protestantische und katholische Charakteristika selbstverständlich überzeichnet dargestellt werden. Hellsing Ultimate schreckt auf jeden Fall vor wenig zurück! Wer damit nicht zurecht kommt, sollte sich für die Zukunft vor der Anschaffung der kommenden Filme wappnen.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 3)!

© Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / Hellsing K.G. (Abbildungen)

Review: Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 2)

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 2 (Re-Cut) (1)Nachdem der erste Film primär die einleitenden Funktionen übernommen hat, kann Hellsing Ultimate sich im zweiten schon direkt auf das Hauptaugenmerk der Reihe konzentrieren – auf die gnadenlose Action!

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 2 (Re-Cut) (2)Für die Anti-Monster-Organisation Hellsing geht das vielleicht sogar ein wenig zu schnell. Die Kämpfe gegen die Vampire und Untoten ziehen sich diesmal bis in ihr eigenes Hauptquartier. Das beweist wohl, dass diese Geschöpfe doch koordiniert handeln. Die Drahtzieher dahinter bleiben vorerst verborgen; deren Entlarvung hat noch Zeit. Zunächst muss Oberhaupt Integra erst einmal dafür sorgen, dass dem Angriff und den einhergehenden Verlusten ein Ende bereitet wird. Vampir Alucard hilft dabei nur zu gern, seine gemütliche Gruft zu verteidigen. Handlungsort und Handlungsraum sind diesmal klar definiert. Also besteht genug Zeit, jede Figur im Eifer des Gefechts etwas näher zu beleuchten. So unterschiedlich Alucard, Seras, Integra oder ihr treuer Butler Walter schon vom Äußeren sind, desto einzigartig ist auch ihre jeweilige Art und Weise, sich ihre Gegner vorzuknöpfen. Eines bleibt dabei aber immer gleich: Die Menge an fließendem Blut und coolen Sprüchen hält sich selten in Grenzen. Die brutal ernste Thematik wird durch ihre coole und lockere Bildsprache aber etwas entkräftet, sodass der eine oder andere Zuschauer manche Gewaltdarstellungen vielleicht doch leichter erträgt, als bei einer kühlen und realitätstreuen Präsentation.

Blutrausch

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 2 (Re-Cut) (4)Das Blut selbst als Lebenssaft nimmt in Hellsing Ultimate eine genauso wichtige Rolle ein, wie in anderen Horrorgeschichten dieser Art. Egal ob es vergossen oder getrunken wird, wenn die Farbe Rot ins Spiel kommt, sollte eigentlich jedem bewusst sein, dass sich die Grenzen zwischen Leben und Tod verwischen. Fragt sich natürlich nur, von welcher Seite ausgehend. Auch die Filme spielen mit dieser ursprünglichen Vampirthematik und verarbeiten diese im modernen sowie japanischen und abgedrehten Setting. Seras zum Beispiel muss sich immer noch an ihr Vampirdasein gewöhnen und hat auch noch nicht den ikonischen Schritt gewagt, selbst Blut zu trinken. Dieser Schritt würde sie als vampirisches Wesen vervollständigen und von ihrem Verantwortlichen Alucard lösen. Dabei befürchtet sie aber auch ihre letzten Reste an Menschlichkeit zu verlieren. Diese bekannten Elemente griff Manga-Autor Hirano Kōta schon in seiner Vorlage auf und verwendete sie zur Charakterisierung seiner Figuren. Genug eigenes Profil besitzen die Helden von Hellsing dennoch auf jeden Fall. Darum kommen sie gar nicht erst herum, sobald sie sich den absurden Inhalten stellen müssen. Der einzige, der dagegen immun erscheint, ist der immer-coole Alucard, den wohl nichts mehr aus den Socken ziehen kann.

Die Stimme eines Monsters

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 2 (Re-Cut) (3)Im Deutschen wird Alucard dabei von Torsten Münchow vertont, der mit einer ruhigen und weisen Stimme – die dennoch ihre emotionalen Höhepunkte erreicht – den süffisanten Vampir perfekt trifft. Schon in der in die Jahre gekommenen Fernsehserie verlieh er Alucard seine Stimme und der größte Teil der restlichen Besetzung ist auch hier wieder zu hören. Die Japaner liefern natürlich eine mindestens ebenso gute Synchronisation ab, sodass sich ein Wechsel zur originalen Tonspur zum Spaß durchaus lohnen kann. Höchstens bei Figuren, die nicht allzu viel Zeit auf dem Bildschirm bekommen – und damit auch nicht allzu viel sagen – merken wir, dass sich hier wohl auch aus der zweiten Schublade der Synchronsprecher bedient wurde. Der Score mit Ohrwurmgarantie lässt diese Bedenken zum Glück schnell wieder verfliegen. Die sogenannten Extras, die sich neben dem knapp 45 Minuten langen Film auf der Blu-ray Disc befinden, bleiben mit Trailer-Material genauso belanglos wie sonst, sind aber wie auch in anderen Fällen nicht wirklich relevant und dienen höchstens als Vergleichswert. Momentan dürfen wir uns sowieso hauptsächlich darüber freuen, wenn wir auch weiterhin regelmäßig mit noch ausstehenden Anime-Klassikern versorgt werden; die äußere Aufmachung ist da regelrecht zweitrangig.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die besten Elemente des ersten Films – nämlich die glorreichen Actionszenen – werden Grundlage für die Fortsetzung und füllen ihn diesmal sogar größtenteils aus. Dabei gefiel mir besonderes der zentrierte Handlungsrahmen in Form des Hellsing-Hauptquartiers, womit sich auch alle wichtigen Figuren auf einem Fleck befanden und es gezwungenermaßen zur gegenseitigen Interaktion kam. So vielseitig wie sie sind, war es nicht überraschend, dass dabei auch die eine oder andere witzige Szene heraussprang. Daneben streut der Film schon hier und da gekonnt kleinere Infohappen ein, die gespannte Zuschauer für die Zukunft auf folgende Handlungsstränge heiß machen.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 2)!

© Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / Hellsing K.G. (Abbildungen)

Review: Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 1)

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 1 (Re-Cut) (1)Obwohl Hellsing Ultimate insgesamt zehn Filme umfasst, sind in Deutschland zunächst nur die ersten vier erschienen. Glücklicherweise entschied sich Nipponart dazu, die Reihe noch einmal neu in einer überarbeiteten und zudem ungeschnittenen Version ins Land zu bringen.

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 1 (Re-Cut) (2)Das dürfte besonders die Vampirfans fröhlich stimmen, die in den letzten Jahren wohl nicht besonders viel zu lachen hatten. Während vor allem die westlichen Verarbeitungen der ehemaligen Klassikern der Horrorgeschichten immer mehr von ihren einstigen gruseligen Thematiken abwichen, zeigt Hellsing Ultimate welchen Stellenwert Vampire tatsächlich haben. Lose auf dem Manga von Hirano Kōta basierend, erschien schon Anfang der Jahrtausendwende eine dreizehnteilige Fernsehserie, die aber sowohl die Fans als auch die Verantwortlichen nicht wirklich überzeugen konnte. Hellsing Ultimate nimmt sich dagegen die nötige Zeit in Filmlänge, um den Manga-Epos über Vampire, Ghule und noch wesentlich schlimmere Geschöpfe in kinoreifer Qualität gebührend umzusetzen. Die titelgebende Organisation Hellsing hat es sich zur Aufgabe gemacht, jegliche Ungeheuer auf dem britischen Festland den Garaus zu machen und damit die ansässigen Protestanten zu schützen. Angeführt von Integra Hellsing verteidigt sich diese Organisation aber nicht nur durch reine Waffengewalt – der Vampir Alucard befindet sich auch in ihren Reihen. Dieses brutale wie gnadenlose Wesen gehört zweifelsohne zu den besten seiner Klasse, sodass sich Integra glücklich schätzen kann, dass er ihr und der gesamten Organisation loyal ergeben ist.

Blutbefleckter Anime

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 1 (Re-Cut) (3)In einer Welt, in der die Menschen Vampire noch fürchten, werden Alucards einzigartigen Fähigkeiten dabei gerne in Anspruch genommen. Selbst gewöhnliche Vampire sind nicht nur extrem flink, sehr robust und gefährlich, sondern auch in der Lage, Menschen zu infizieren und so Ghule (im Grunde etwas bessere Zombies) zu erschaffen und zu kontrollieren. Solche Gegner sollten für Alucard eigentlich kein Problem darstellen, sodass auch die frisch gebackene Draculina Seras Victoria beweisen darf, dass Alucard sie nicht umsonst als ein neues Mitglied der Hellsing-Familie rekrutiert hat. Mit Meister Alucard hat sie aber wohl den besten Lehrer an ihrer Seite, den man sich nur wüschen kann. Der ersten Film wurde von Satelight produziert und punktet mit detaillierten Charaktermodellen, Lichtstimmungen und sogar ansehnlichen computergenerierten Sequenzen. Die originale Version stammt noch von 2006, im Re-Cut wurden eine Menge Detailverbesserungen mit kräftigeren Farben und intensiveren Lichteffekten hinzugefügt. Manche kleinere Szenen wurden auch ganz umgestaltet. Im Vordergrund steht natürlich der markante Stil mit vom Wahn verzehrten Fratzen und der ungenierten Darstellung von Gewalt. Da lässt die Freigabe ab nur sechzehn Jahren manchen Zuschauer vielleicht sogar zurecht stutzen. Kunstvoll dennoch attraktiv.

Gewaltige Inszenierung

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 1 (Re-Cut) (4)Die erste Volume befasst sich zunächst mit der Etablierung der wichtigsten Charaktere. Meist reicht dafür schon eine kurze Szene – die Inszenierung, die Charakterköpfe und das Gesagte formt für den Zuschauer in kürzester Zeit ein Gesamtbild einer Figur, an die er sich noch länger erinnern wird. Somit musst der ungefähr eine Stunde lange Film nicht viel Zeit verschwenden, um mit den besten Elementen, den grandiosen Actionszenen, loszulegen. Erbarmungslos, schnell geschnitten und einfach nur cool wie sie sind, macht es immer wieder Spaß zuzuschauen, wie Alucard und Seras übermächtig demonstrieren, wer das Sagen hat. Das ganze wird vom spitzenmäßigen Soundtrack untermalt. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit zur originalen japanischen Tonspur mit deutschen Untertiteln zu wechseln, wobei dieser Anime seine Stimmung auch auf Deutsch gut einfangen kann. Als Extras halten jedoch lediglich einige Trailer der Filmreihe her, die zudem noch in bunten Formaten und Sprachen ausgegeben werden. Dafür enthält das Mediabook einer jeden Volume neben der Blu-ray Disc noch einige Seiten zu Figuren, Begriffen der Serie und ein kurzes Interview mit Kuroda Yōsuke, dem Drehbuchautor, welches Informationen über die Entstehung von Hellsing Ultimate preisgibt. Das Bonusmaterial schließt den ersten Film im Re-Cut interessant ab.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mit der Hellsing-Ultimate-Filmreihe wird das Vampirtum endlich wieder einmal in ein sehr positives – somit also brutales und schreckliches – Licht gestellt. Besonders für Leute, die im Bereich der animierten Kunst noch nicht so bewandert sind, können hier richtig gut unterhalten werden. Die Animationen sind klasse, die Erzählstruktur stößt einen nicht direkt vor den Kopf und am wichtigsten: Die gnadenlose, aber dennoch genial inszenierte Darstellung von Gewalt wird natürlich und ohne jegliche Sprachbarriere kommuniziert. Wie ernst man diese doch übertriebenen Darstellungen der Gewalt nehmen will, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auch wenn der Auftakt in erster Linie viel Vorarbeit für Kommendes leistet, darf man auf jeden Fall auf die folgenden Ausgaben gespannt sein.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 1)!

© Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / Hellsing K.G. (Abbildungen)

Review: Liar Game (Band 12)

Liar Game (Band 12)Die Reise nach Jerusalem ist normalerweise ein spaßiges Unterhaltungsspiel, bei dem sowohl Fitness als auch Reaktionsfähigkeit geprüft wird. In dieser Runde des Liar Games werden diese Komponenten auch auf die Probe gestellt, nur geht es erneut um eine Menge Geld und das Konzept wird durch Intrigen, Machtspielereien und ähnlichen Elementen erweitert. Obwohl es in diesem Spiel für gewöhnlich nur einen Sieger geben kann, haben sich doch einige Gruppen herauskristallisiert, um im Bunde die Chance auf den Gewinn zu erhöhen. Mit steigender Anzahl an Mitgliedern wächst natürlich auch das Potential, sich unversehen einen Maulwurf einzufangen. Die jeweiligen Anführer haben es wahrlich nicht leicht, ihre Leute unter Kontrolle zu behalten. Immerhin sind so gut wie alle Teilnehmer extrem verschlagen und würden auch nur für einen geringen Gewinn die gesamte Gruppe hintergehen. Das haben sie alle schon in den vorherigen Runde bewiesen. Momentan gilt es allerdings Akiyama – der selbstverständlich die Position eines Anführers innehält – zu vertrauen. Nach seinen Anweisungen hält sich sein gesamtes Team aus allen Spiel-Angelegenheiten heraus. Ob das Spiel auch durch so eine Boykottirrung entschieden werden kann, versucht Shinobu Kaitani auf über 220 Seiten zu beantworten.

Sitzkrieg

Immer noch sehr wichtig sind auch die Statisten, also die inzwischen ausgeschiedenen Spieler. Ihre Anwesenheit zählt in dieser Runde besonders, da sie mobil und vielseitig einsetzbar sind. Aber nur wenige zeigen sich auf Grund ihrer loyalen Verbindungen zu anderen Spielern kooperativ. Hier werden die kleinen Medaillen sinnvoll, die alle Spieler besitzen. Sie repräsentieren das gesamtes Vermögen eines Spielers. Wer am Ende gewinnt, kann sich im Austausch gegen diese Medaillen auszahlen lassen. Davon profitieren auch die Statisten, die für jedes einzelne Stück dieses kostbaren Zahlungsmittels leicht zu haben sind. Vielleicht ist es sogar möglich, dass sich die Statisten untereinander verbünden. Akiyama und sein Gefolge müssen also auf jeden Fall auf der Hut bleiben. Besonders nachdem die Anzahl der Stühle unter die Anzahl der Spieler gesunken ist und nun zwangsläufig jede Runde mindestens eine Person ausscheiden wird. Die Situation wird von Band zu Band brenzliger, was auch an den Figuren abzulesen ist. Der Fortschritt der Charaktere selbst bleibt wie so oft auf der Strecke liegen, was aber auch nicht allzu verwunderlich ist. Für die ausgefuchsten Katz-und-Maus-Spiele ist schließlich nicht unbegrenzt viel Platz geboten, sodass dieser hauptsächlich der konstant packenden Spannung aufgeopfert wird.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): In der Fortführung des Kampfes um die Vorherrschaft der Stühle bleibt der Manga neben der innovativen Thematik dieses Scharmützels seinen Erwartungen und Ansprüchen der letzten Bände treu. Die Figuren bei Planung und Ausführung unterschiedlicher Strategien zu verfolgen, hat immer noch nicht an Reiz verloren. Gerne formuliert Shinobu Kaitani die teilweise doch komplexen Gedankengänge der Figuren erst ausführlich aus, damit auch der Leser zumindest für diesen Moment einmal durchsteigt. Auf der nächsten Seite lässt er genau diesen dann wieder ins Fettnäpfchen laufen – er stellt die Geschehnisse also wieder auf den Kopf. Auf den letzten Seiten versteckt dieser zusätzlich ein weiteres Kapitel seiner humoristischen Selbstdarstellung in Form einer Mini-Serie, die sich über all seine Werke erstreckt. Diese gibt Einblicke über die Arbeitsumwelt eines angehenden Manga-ka. Auch wenn natürlich nicht direkt ernst zunehmen, stellen die letzten Seiten dennoch einen interessanten und vor allem lustigen Gegenpart zum sonst so ereignisreichen Ende dieses Bandes dar.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Liar Game (Band 12)!

Review: Battlefield Hardline

Battlefield Hardline (1)Das Ego-Shooter-Genre neu zu erfinden, ist wohl kaum möglich, allerdings waren im Vorfeld wenige Battlefield-Fans vom frischen Ansatz von Battlefield: Hardline begeistert. Dennoch macht der Titel in einigen Punkten vieles neu, ohne dabei das Battlefield-Feeling aufzugeben.

Battlefield Hardline (2)In Battlefield: Hardline stellen wir uns nicht gegen die üblichen terroristischen Bedrohungen aus dem Nahen Ost oder ferner Nationen Asiens, sondern versuchen den Drogenkartellen mitten in Amerika das Leben schwer zu machen. Visceral Games bewies schon mit der Dead-Space-Reihe, dass sie bereits einige Erfahrungen in Sachen Präsentation und Erzählung von spannenden Geschichten in Videospielen sammeln konnten. Zwar war in den letzten Teilen der Battlefield-Reihe der Singleplayer-Modus nie mehr als eine spielerische Aufwärmphase für das Herzstück – dem Multiplayer-Modus – dennoch würde es natürlich jeden glücklich stimmen, in der Kampagne auch abseits der Action etwas geboten zu bekommen. Davon gibt es natürlich immer noch reichlich. Auch wenn unser Charakter Nicholas Mendoza nicht auf Seiten des Militärs kämpft, gibt es im Alltag eines Drogenfahnders aus Miami mehr als genug Schießereien. In der Rolle von Nicholas versuchen wir zusammen mit unseren neuen Partnerin Khai Minh Dao den Drogenkrieg zu beenden, dessen Ausmaße keiner einzuschätzen wagt. Die gesamte Geschichte präsentiert sich episodisch, was unweigerlich an das Format der heutigen Fernsehserien erinnert. Vorbilder in Form von US-amerikanischen Krimi-Serien eifert Battlefield: Hardline dabei mit klassischen Rückblenden und Vorschauen sehr gut nach.

Mit Handschellen und Kabelband

Battlefield Hardline (3)Nicholas und seine Kollegen sind in erster Linie nicht als Killer-Kommando unterwegs, was sich auch in einigen neuen Gameplay-Elementen widerspiegelt. Battlefield: Hardline gibt uns des Öfteren die Möglichkeit, Konfrontationen mit den Verbrechern zu umgehen, indem wir vom Stealth-Feature Gebrauch machen. Neben Ablenkungen hilft hier auch der Scanner, der Positionen der Gegner markiert und Informationen über sie preisgibt. Nick wäre jedoch kein waschechter Polizist, könnte er Verdächtige nicht auch festnehmen. Durch das Zücken seiner Dienstmarke fährt bis zu drei Ganoven auf einmal der Schreck in die Glieder, sodass sie sich einer nach dem anderen bedingungslos entwaffnen und ruhigstellen lassen. Hin und wieder erschien uns dieses Element fehlplatziert, wenn wir völlig aus dem Kontext gerissen einmal Gegner niederschießen und eine Ecke weiter wieder behutsam festnehmen. Insgesamt ist diese neue Mechanik dennoch spaßig. Besonders dann, wenn wir für das Fassen bestimmter Verbrecher Extrapunkte bekommen. Auch freischaltbare Waffen gibt es nun im Singleplayer-Modus, sodass wir unser ursprüngliches Polizei-Equipment mit allen gefundenen Waffen aufbessern können. Anders als anfangs gedacht, fühlt sich dieses Element nicht aufgesetzt an und sorgt dafür, dass wir uns tatsächlich mit den verfügbaren Waffen auseinandersetzen.

Räuber und Gendarm

Battlefield Hardline (4)Die Schusswechsel werden hin und wider durch kurze Fahrpassagen aufgelockert. Diese spielen und steuern sich leider zwar sehr oberflächlich, bringen aber zumindest die horrende Technik des Spiels zum Vorschein. Auch im Multiplayer-Modus sind die Fahrzeuge sehr präsent und wichtig, wenn auch nicht mehr so sehr wie früher. Battlefield: Hardline trumpft in der Serie seit langem wieder einmal mit einigen richtig kreativen und verspielten Spielmodi, die nun auch primär auf den Infanteriekampf ausgerichtet wurden. Das heißt natürlich nicht, dass diese nun weniger aufregend ausfallen. Zum großen Bedauern vieler gibt es zwar keinen klassischen Rush-Modus mehr, in dem Angreifer früher Bombenkisten der Verteidiger zerstören mussten – der neue Spielmodus Überfall tritt dafür genau in dessen Fußstapfen und entwickelt dieses Spielsystem konsequent weiter. Nun müssen die Angreifer, also hier die Räuber, Geldpakete aus dem Gebiet der Polizisten erbeuten und diese möglichst schnell zum Rückzugspunkt eskortieren. Die Settings der Maps passen dabei wie die Faust aufs Auge, sodass wir einmal eine pompöse Bank in Stadtmitte stürmen oder ein geheimes Drogenlabor hochnehmen. Die Level-Architektur spielt der Gangster-Atmosphäre mit verschließbaren Tresortüren und anderen kleinen taktischen interaktiven Elementen zudem voll in die Karten.

Der Schlüssel steckt im Zündschloss

Battlefield Hardline (5)Zu Beginn benötigen Einsteiger sicherlich eine gewisse Einübungsphase, bis sie die Aufgaben und die wichtigen Orte auf der Map verstanden haben. Haben sich Neulinge in der Battlefield-Reihe jedoch erst einmal ans Spiel gewöhnt, macht dieser Modus aber auch alleine ohne in einem Team sehr viel Spaß. Der zweite Höhepunkt des Multiplayer-Modus ist der Hot-Wire-Modus, in dem zwei Teams in großflächigen Zonen um eine limitierte Anzahl an Fahrzeugen konkurrieren. Je schneller und länger ohne Unterbrechung die Vehikel in Bewegung sind, desto mehr Punkte gibt es. Auch dieser Modus ist in Battlefield: Hardline neu und setzt mehr auf ein arcade-lastiges Spielgefühl und weniger auf den Realismusfaktor der Vorgänger. Insgesamt wurde der Anteil der Fahrzeuge beträchtlich zurückgeschraubt. Kriegsmaschinerien wie Kettenpanzer und Jets gehören der Vergangenheit an, dennoch gibt es noch leichte Helikopter und mit Maschinengewehren bestückte Kombis. Der restliche Fuhrpark kommt ohne Waffen aus und dient primär der Beförderung. Der Schwerpunkt liegt ähnlich wie im Battlefield 3: Close Quarters hauptsächlich auf dem Kampf Mann gegen Mann. Für Ego-Shooter-Veteranen gibt es noch den einen oder anderen kompetitiven Spielmodus wie die klassische Geiselbefreiung und außerdem Klassiker wie Team Deathmatch und Eroberung.

Klassenkampf

Battlefield Hardline (6)Unseren virtuellen Charakter weisen wir dabei einer von vier Klassen zu, welche wir aus den Vorgängern kennen – das System ist nämlich fast das gleiche geblieben. Im Kampf können wir also zwischen Operator, Mechaniker, Enforcer und Profi – dem Aufklärer – wechseln, die jeweils über ihre kategorischen Fähigkeiten verfügen. Freigeschaltet werden neue Waffen und Gadgets mit einer Ingame-Währung, sodass auch Einsteiger nicht erst stundenlang spielen müssen, bis sie ihre Wunschwaffe mit in den Kampf nehmen dürfen. Dies gehört definitiv zu einer der sinnvollsten Neuerungen von Battlefield: Hardline. Die technischen Aspekte bleiben dafür immerhin auf demselben hohen Niveau wie zuvor, denn die Frostbite Engine 3 steckt auch in dieser Episode der langjährigen Serie. Auch auf der Konsole können die bunten, scharfen und detaillierten Umgebungen mit ihrer butterweichen Performance überzeugen. Wie immer glänzen vor allem die Lichteffekte am hellsten. Aber auch die Charaktermodelle können sich sehen lassen und das ganze au der PlayStation 4 sogar mit relativ kurzen Ladezeiten. Das größere Problem stellten schon immer die Bugs und Ungereimtheiten mit der Verbindung dar. Battlefield: Hardline startete aber mit verhältnismäßig wenigen Problemen und auch das Balancing im Mehrspielermodus weißt bisher keine nennenswerten Lücken auf.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): In den ersten Spielstunden des Singleplayer-Modus war ich von mir selbst überrascht, wie sehr mir der recht frische Ansatz gefiel – auch wenn ich meistens zur lautstärksten Waffe griff, anstatt wie ein pflichtbewusster Polizist zu handeln. Zusätzlich war auch die Story alles andere als unfähig, mich die handvoll Stunden bei der Stange zu halten. Dies kann natürlich auch an den vielen Klischees und bekannten Polizistendilemmas aus unzähligen Krimi-Serien und Action-Thriller liegen, an denen sich Battlefield: Hardline ungeniert bedient. Im Multiplayer-Modus konnte ich dafür das Fehlen von Jets und Panzern verkraften, dafür hielten mich besonders die vielseitigen Spielmodi zu sehr bei Laune. Insgesamt sind die neun Maps sehr abwechslungsreich und versprühen auch in unterschiedlichen Spielmodi alle ihren eigenen Charakter. Das gesamte Setting primär auf Infanterie auszulegen ist eine interessante Herangehensweise an einen Battlefield-Ableger, der in Zukunft mit Sicherheit fortgeführt wird – Potential hat es auf jeden Fall.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Battlefield: Hardline!

Review: The Chronicle of the Clueless Age

The Chronicle of the Clueless AgeFür viele Menschen zählte die Jugend zu den interessantesten sowie bewegendsten Abschnitten ihres Lebens. Erinnerungen aus dieses Zeiten scheinen selten zu verblassen, die Prozesse im Gehirn Heranreifender sind auch alles andere als einfach zu verstehen.

Der Einzelband begleitet eine Anzahl von Teenagern durch einzelne Kurzgeschichten, die sich in ihren Fantasiewelten verlieren. Die jugendliche Naivität wird zum Katalysator, um Traumvorstellungen in die echte Welt einfließen zu lassen. Der Zeichner Usamaru Furuya und der multimediale Künstler Hirotaka Adachi alias Otsuichi, der sich auch für Can you hear me verantwortlich zeichnet, arbeiteten im Duo an dieser wankelmütigen Achterbahnfahrt auf den Gleisen des Erwachsenwerdens. Otsuichis Mitarbeit und dessen Faible für Horrorgeschichten ist auch hier unverkennbar an den Zeichnungen und natürlich Inhalten abzulesen. Abstruse Abwechslung ist dabei garantiert: Vom erfolglosen Schüler, der den Sinn hinter dem zwanghaften schulischen Lernen sucht, bis zur figurbewussten Schülerin, die wortwörtlich einen Krieg gegen eine außerirdische Süßwareninvasion anführt wird einiges geboten. Die Geschichten sind zwar allesamt in sich abgegrenzt, das Finale zum Schluss findet dennoch mit einem Aufeinandertreffen aller Charaktere statt. Sozialkritische Töne machen die beiden Künstler dabei nicht nur unterschwellig zu verstehen, besonders wenn die Figuren mit dem Schul- und Gesellschaftssystem Japans konfrontiert werden.

Konfuse Kindheit

Diese Inhalte kennen wir schon aus einigen Manga und Anime, trotzdem ist Vordergründig immer noch der Werdegang der Charaktere. Genauso bunt wie wild die Fantasien werden können, verlaufen auch die Kurzgeschichten. Von neun Episoden auf knapp 250 Seiten dargestellt, fiel keine zu lang aus. Falls eine einmal nicht gefallen sollte, ist sie meistens schon wieder vorbei, bevor Langeweile eintritt. Nicht wenige Thematiken beschäftigen sich eher mit den Schattenseiten und Problemen jener Zeit, auch wenn das für die Figuren selbst nicht immer klar ist. Ob in Japan oder hier in Europa, die Komplikationen in der Jugend bleiben oft dieselben. Der externe Beobachter in Form des Zuschauers erkennt aber die nicht selten depressiven Töne, sodass unsere Empfehlung an eine etwas ältere Zielgruppe sicherlich nicht von ungefähr kommt. Die äußere Gestaltung des Mangas selbst spielt in einer ebenfalls hohen Liga und bietet vom ansehnlichen Einband bis zur Schriftgestaltung und der Fülle an Anmerkungen einiges mehr, als gewöhnliche Vertreter dieser Literatur. Dazu ist der goldene Einschuber, der die Einzigartigkeit des Werkes auch nach außen hin sichtbar macht, ein echter Blickfänger, dem kein Preis gewachsen ist.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Schon seit längerem hatte ich The Chronicle of the Clueless Age auf dem Schirm. Die Empfehlungen kamen dabei aus den unterschiedlichsten Ecken, was natürlich von Anfang an für den Manga sprach. Dennoch sollte man sich im Vorfeld im Klaren sein, auf was man sich hier einlässt. Den teilweise erschreckenden Darstellungen ernster Themen ist mit Sicherheit nicht jedermann gewachsen, aber auch die alles andere als kohärente Erzählweise könnte den einen oder anderen Leser abschrecken. Wer aber abseits von handlungsgetriebenen Geschichten auch einmal etwas tatsächlich einzigartiges finden will, ist mit dieser Chronik schon mal auf dem richtigen Weg. Das interessante Storytelling sorgt zusammen mit vielen visuellen Details für einen Wiederlesewert, den ich bisher bei vielen Manga vermisst habe. Großartig sind auch die letzten Seiten, die völlig ohne Zeichnungen auskommen. Im Dialog liefern Otsuichi und Furuya Informationen über die Stationen der Konzeption und Entstehung des Werkes. Zum Schluss reflektieren sie noch einmal ihre Geschichten für den Leser, wobei sie gerne auch einmal abschweifen, um interessante Hintergrundinformationen zu liefern: Ein super Bonus!

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Chronicle of the Clueless Age!

Review: Liar Game (Band 11)

Liar Game (Band 11)Wurde doch im letzten Band angekündigt, dass die Leser nun einige Änderungen im Setting und in der Handlung erwarten dürfen, setzt der elfte dies direkt von Beginn an in die Tat um. Auch in Schwarzweiß bietet der Wechsel des Schauplatzes – die nächste Runde des Liar Games wird nun auf einer sonnigen Insel mit Urlaubscharakter abgehalten – für den Manga nicht nur Freiheiten im Bezug auf die Kulissen. Das Spiel gestaltet sich komplexer denn je und dafür steht auch mehr Geld auf dem Spiel. Jedoch basiert wieder einmal alles auf einem recht einfachen Spiel: Die Liar-Game-Verwaltung nahm sich die Reise nach Jerusalem, ein Spiel, bei dem sowohl Ausdauer als auch Geschick eine wichtige Rolle spielt, zur Grundlage der nächsten Hatz um die Millionen. Tatsächlich befinden sich an recht gut versteckten Orten auf der Insel Stühle, die es für die Teilnehmer in bestimmten Zeiten aufzusuchen und zu besetzen gilt. Wer keinen Platz bekommt fliegt raus, um die Sache zu beschleunigen, werden natürlich nach jeder Runde Stühle entfernt. Was sich immer noch einfach anhört, wird zu einer rasanten Jagd, denn die Stühle sind extrem gut versteckt und dürfen dennoch bewegt werden. Kein Stuhl kann dabei direkt zwei mal hintereinander benutzt werden und wie immer gilt: Die Teilnehmer manipulieren sich selbstverständlich gegenseitig.

Ruhelos

So entscheiden sie zum Beispiel, welche Stühle entfernt werden dürfen. Ein kontrolliertes Verdrängen von bestimmten Gegnern ist somit möglich. Aber selbst falls jemand ausscheidet, darf er immer noch als ein sogenannter Statist aktiv werden und unterstützend oder störend einwirken. Geld ist für sie auch noch drin. Schnell stellt sich heraus, dass es wesentlich einfacher ist, anderen Spielern ihre Stühle mit möglichst intelligenten oder zwielichtigen Methoden abzuluchsen, als erst langfristig auf der offenen Insel nach ihnen zu suchen. Teams sind noch wichtiger als sonst, die Kontrolle der eigenen Mitglieder ist hier aber mindestens ebenso wichtig wie den Überblick über den Gegner zu bewahren. Das wird im Endeffekt auch die größte Meisterleistung Akiyamas in diesem Band werden, auf dessen Seite sich natürlich sofort die alten Bekannten wie Nao und Fukunaga einreihen. So spinnt Shinobu Kaitani den Kampf um Mitglieder einer Gruppe und um die Stühle auf knapp über 200 Seiten zu einem interessanten Geflecht aus Lug und Trug. Etablierte Charaktere glänzen auch hier wieder mit ihren gewohnten Merkmalen, was gerne auch mal zur Belustigung der Leser eingesetzt wird. Zum Beispiel ist Nao natürlich wieder einmal zu barmherzig beziehungsweise dumm und vergibt ihren einzigen Stuhl an den nächstbesten Dahergelaufenen.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas’ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Die Änderungen wirken tatsächlich erfrischend, aber ich merke schon, dass das Kapitel auf der Insel wohl langfristig angelegt ist. Ein solider Grundstein dafür wurde zumindest schon einmal verlegt. Denn auch wenn die sonst so einfältige Reise nach Jerusalem einmal mehr spezielle Regeln und Besonderheiten mit sich bringt, sodass Shinobu Kaitani wieder genug Gelegenheiten hat, um sich geniale Twists auszudenken, erschien mir diese neue Idee noch wesentlich durchschaubarer, logischer konstruiert und nicht so verkopft wie noch vor einigen Bänden. Zum Beispiel werden nicht mit unzähligen Zahlen um sich geworfen, sodass das Verständnis für die Grundprämisse für die nächste Zeit auf jeden Fall gewahrt ist.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Liar Game (Band 11)!

Review: Lords of the Fallen

Lords of the Fallen (1)Wenn wir über Lords of the Fallen sprechen, dann muss sich der Titel vor allem Vergleiche mit der Dark-Souls-Reihe gefallen lassen. Umso interessanter ist es jedoch, herauszufinden, welche Alleinstellungsmerkmale das Abenteuer von Deep Silver einzigartig machen.

Lords of the Fallen (2)Das Entwicklerteam Deck13 Interactive steckt uns in Lords of the Fallen in die Haut des Harkyn, der mit seiner verbrecherischen Vergangenheit nicht gerade das Paradebeispiel eines klassischen Videospielhelden darstellt. Der Ex-Sträfling beginnt sein Abenteuer in einem alten abgeschiedenen Kloster – nicht etwa, um Buße zu tun – sondern, um die bestialischen Roghar aufzuhalten, die aus einem unerfindlichen Grund in die menschliche Welt einfallen. Dieses Kloster samt Umgebung wird Grundlage des deutschen Action-Rollenspiels, dessen Entwickler zuvor eher für Adventures wie Venetica und Ankh bekannt waren. Da stellt sich direkt die Frage, ob dieser Genrewechsel in unbekannte Gefilde auch Schwankungen in der Qualität mitbringt. Das können wir aber gleich einmal verneinen. Vielleicht liegt es an der direkten und unmissverständlichen Orientierung an Spielen wie Demon’s Souls oder Dark Souls II. Wer das Gameplays kennt und schätzt, wird sich hier automatisch heimisch fühlen. Gekämpft wird klassisch mit Schild, Schwert und Magie; die Komplexität ergibt sich aber durch den kniffligen Schwierigkeitsgrad und die fast schon simulationsartige Handhabung der Waffen. Ganz kommt es von seiner Härte nicht an die Souls-Abenteuer heran, das Spiel gibt dennoch einen sehr harten Ton an und ist definitiv schwerer, als die meisten Spiele heutzutage.

Spielgefühl der Extraklasse

Lords of the Fallen (3)Die Entwickler führen uns über den schmalen Grad zwischen Übermacht und hoffnungsloser Unterlegenheit. Letztere wird meist durch einen neuen Bosskampf eingeleitet, der uns nicht nur spielerisch abverlangt, sondern auch audiovisuell hervorsticht. Viele Steuerungselemente können wir intuitiv anwenden, ohne sie eigentlich erlernt zu haben. Dazu zählen zum Beispiel die Finisher-Moves. Das Haushalten mit den begrenzten Energie- und Ausdauerbalken spielt aber auch hier eine tragende Rolle. Nicht nur spielerisch erinnert Lords of the Fallen an seine spirituellen Vorgänger, denn das verwinkelte Leveldesign kommt uns bekannt vor und generell lädt die Struktur zum Erkunden ein. Eines der größten Wiedererkennungsmerkmale stellt aber wohl das Erfahrungspunktesystem dar: Stirbt Harkyn, hinterlässt er an seinem Todesort seine gesamte gesparte Erfahrung, sodass er nur noch einen Versuch hat, um diese zurück an einen Speicherstein tragen zu können. Dort kann er sie in feste Statuswerte und Zauberpunkte investieren. Geht er – und damit der Spieler – allerdings das Risiko ein, einmal länger ohne einen Checkpoint unterwegs zu sein, steigt automatisch ein Multiplikator, mit dem die erhaltene Erfahrung pro erledigter Gegner berechnet wird. Dieser steigt bis zur nächsten Rast. Wer wagt gewinnt, wer sich überschätzt, verliert auf einen Schlag alles!

Unberechenbare Magie

Lords of the Fallen (4)Dieses System hört sich zunächst krass an, doch im Grunde wird der Spieler aber niemals seinen Spielfortschritt wegen eines leichtsinnigen Fehlers gefährden. Wirklich neu dagegen ist der Magiehandschuh – ein futuristischer Apparat mit unterschiedlichen Feuermodi. Dieser beansprucht die Aufgaben der Fernangriffe für sich, sodass wahlweise magische Geschosse, Granaten beziehungsweise Druckwellen aus dem seltsamen Apparat entsannt werden. Dabei belaufen sich die Kosten auf unser Mana-Konto, welches sich nach einiger Zeit regeneriert. Der Einsatz selbst erfordert dagegen schon mehr Geschick, denn dafür steckt Harkyn – wie beim zweihändigen Halten einer Waffen – erst mal sein Schild weg. Dadurch ist auch die magische Komponente der Kampfmechanik keinesfalls zu stark ausgefallen, etwas anders sieht es da schon bei den drei unterschiedlichen Magie-Klassen aus. Jede Klasse beinhaltet drei aufrüstbare Zaubersprüche, die den magischen Werdegang von Harkyn widerspiegeln. Die Talente gestalten sich sehr einzigartig. So werden Gegner verlangsamt, mit Klonen abgelenkt oder Harkyn selbst geheilt. Einige Sprüche erweisen sich dabei als wesentlich nützlicher als andere, sodass sich bestimmte Techniken im regelmäßigen Gebrauch befinden. Erst bestimmte Bosse erfordern wirklich das Umdenken und Wechseln auf spezifische Moves.

Rau wie Eisen, kalt wie Stahl

Lords of the Fallen (5)Das Spiel kommt bestens ohne Karte aus, da auch die Spielwelt nicht mehr bietet, als mit bloßen Füßen zu erreichen wäre. Hin und wieder sorgt die verschachtelte Levelstruktur des Klosters für Orientierungsprobleme. Die gesamte Welt ist aber verknüpft, sodass gründliches Erkunden und Suchen uns irgendwann automatisch auf die richtige Fährte lenkt. Die Story selbst ist dabei zwar nicht gerade die interessanteste, aber wenigstens langweilt sie uns nicht. In den vereinzelten Dialogen mit den Nichtspielercharakteren von Lords of the Fallen sind mehrere Antwortmöglichkeiten keine Seltenheit; ihre Präsenz verschafft uns sogar optionale Dialogoptionen und die eine oder andere Nebenquest, die meist auf einzusammelnde Objekte hinausläuft. Gegner sehen sich zwar alle sehr ähnlich, aufgrund ihrer Angriffsmuster muss für jeden Feind eine eigene Strategie entwickelt werden. Wie in From-Softwares-Werken gilt auch hier: Übung macht den Meister und so sollte es auch sein. Anschließend gibt es nichts befriedigenderes, als mit einem zweihändig gehaltenen, flammenden Breitschwert durch die kalte Luft ebenso wie durch feindlichen Stahl zu schmettern. Krasse Soundeffekte und Animationen der Spitzenklasse vertiefen diese wuchtigen Effekte und verpassen Lords of the Fallen einen vielleicht schon fast ungewollt beängstigend rauen Ton.

Bugs, des Spielers Todfeind

Lords of the Fallen (6)Die Menüs und Eingabefelder sind genretypisch sehr klassisch gehalten. Ähnlich steht es um den leichten Comiclook, der das Spiel auf den ersten Blick etwas generisch aussehen lässt. Dieses Gefühl verfliegt aber, alsbald wir selbst etwas länger Hand an den Controller legen und die Welt mit eigenen Augen erkunden. Ein schön hoher Detailgrad mit sehr vielen Licht- und Partikeleffekten bestätigt auch noch einmal, dass dieses Spiel wohl niemals auf den Last-Gen-Konsolen gelaufen wäre. Selbst auf der PlayStation 4 verliert das Abenteuer im Kampf gegen besonders große – sprich gefährliche – Gegner einige Bilder pro Sekunde; hier hätte man unbedingt mehr Zeit in die Entwicklung stecken müssen, denn bei einem Spiel, in dem auch Timing eine sehr wichtige Rolle spielt, ist das leider alles andere als schön. Wesentlich nerviger sind nur noch die Bugs, die uns während des rund fünfzehnstündigen Abenteuers in vielfältiger Ausführung auflauerten: Ein gewöhnlicher Spielabsturz ist noch relativ unkreativ – lustiger wird es, wenn Harkyn plötzlich in einer Treppe feststeckt oder seine Waffen durch den Gegner schnellen, als wären sie Luft, Harkyn aber nach wie vor aus Fleisch und Blut existiert. Solche Bugs wurden zwar glücklicherweise nicht zur Regelmäßigkeit, aber trotzdem stören sie in einem Spiel, in dem jeder Fehler direkte Konsequenzen nach sich zieht.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Auf Lords of the Fallen hab ich mich dieses Jahr ganz besonders gefreut. Meine Affinität zu den Souls-Spielen ist ungebrochen, genauso wie das Verlangen nach Spielen, die damit vergleichbar sind. Das neue Action-Rollenspiel von Deck13 Interactive ist in dieser Hinsicht genau das – die wichtigsten Komponenten wurden nämlich eins zu eins kopiert und funktionieren genauso gut. Ein wirklicher Klon ist es dennoch nicht, denn dafür wurde das gesamte Spiel an anderen Stellen komplett anders aufgezogen: Wesentlich linearer sind die Levels und alle Figuren und erzählerischen Komponenten erinnern daran, dass ich es hier mit einem knallhart westlichen Spiel zu tun habe. Und auch der Härtegrad erreicht den von seinen Vorbildern nur ansatzweise. Insgesamt spielte ich aber dennoch meinen persönlichen Überraschungshit des Jahres. Da will ich nur hoffen, dass noch mehr Spieler auf diesen Titel aufmerksam werden, denn von solchen Spielen gibt es immer noch viel zu wenig – egal wie sehr sie sich ähneln!

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Lords of the Fallen!

Review: Liar Game (Band 10)

Liar Game (Band 10)Mit dem zehnten Band kommt die Zielgerade dieser Manga-Serie zwar schon fast in greifbare Nähe, zunächst sollte allerdings noch die aktuell laufende Fehde gegen Yokoya gelegt werden. Schließlich haben es Nao und Akiyama im Liar Game schon zu weit geschafft, als dass sie es sich jetzt noch nehmen lassen könnten, hinter die finsteren Machenschaften der Liar-Game-Verwaltung zu kommen. Jene Verwaltung hat sich dafür im vorherigen Band etwas ganz besonders einfallen lassen: Eine simulierte Epidemie sollte die Teilnehmer schon vor der vierten Runde direkt etwas dezimieren. Aber keine Angst, die Verlierer sterben hier nicht etwa einen fürchterlichen Tod, sondern sind bis zu ihrem Lebensende nur hoch verschuldet – für viele Menschen ist dies aber noch immer das schlimmere Übel. Zwar nehmen nicht alle Charaktere wirklich freiwillig am Liar Game teil; einen Hang zum finanziellen Wohlstand teilen sie dennoch allemal. Das wird besonders deutlich, als Shinobu Kaitani auch einer Figur außerhalb der Stammbesetzung die eine oder andere interessante Seite einräumt. Weniger, um sie interessanter wirken zu lassen, sondern eher, damit seine Taten und Motivationen für die Leser nicht mehr irrational und dagegen etwas verständlicher transportiert werden. Wirklich aufgesetzt kam uns diese Passage zum Glück nicht vor.

Schockierend Ehrlich

Obwohl Nao selbst eigentlich keinerlei fiese Tricks auf Lager hat, schafft sie es dennoch regelmäßig ihre Gegenüber aus der Fassung zu bringen. Durch ihre unübertreffliche Ehrlichkeit stößt sie selbst unter den Gegnern oft auf blankes Entsetzen – niemand würde sich so aufopfernd um die Errettung aller aus dem Liar Game kümmern. Da trifft sie mit ihrer Art nur auf taube Ohren, was sie verständlicherweise immer wieder aufs Neue frustriert. Dennoch erfüllt sie ihren Zweck neben dem kalt kalkulierenden Akiyama. Bei der Suche nach der unfehlbaren Methode, auch diese Runde zu kontrollieren, gewinnen glücklicherweise auch ihre Vorzüge an elementarer Wichtigkeit. Und diese Methode fällt dann auch wieder gewohnt genial aus, sodass sich schon einmal alle interessierten Leser auf nicht nur eine Überraschung gefasst machen dürfen. Dagegen ist die zweckmäßige visuelle Umsetzung der Liar-Game-Reihe schon lange kein Geheimnis mehr – ebenso wenig wie die daraus resultierende Konzentrierung auf eine spannende Story und auf die fesselnde Erzählweise im konstanten Maßstab Band für Band. In den letzten der insgesamt 208 Seiten gibt es noch einen kleinen Ausblick auf die folgende Entwicklung des Liar Games, die einige Änderungen mit sich bringen wird. Fans dürfen gespannt sein!

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas’ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Ein weiteres Kapitel des Liar Games geht zu Ende, dieses mal aber wirklich. Hatte ich in der letzten Zeit noch das nicht unbegründete Gefühl, dass Shinobu Kaitani das eine oder andere Kapitel zwangsweise strecken musste, zeigt vor allem das Ende plakativ, dass damit nun Schluss ist und alte Höhen erneut erreicht werden wollen. Das heißt natürlich nicht, dass der Jubiläumsband Nummer Zehn langweilig ist – die üblichen Geniestreiche sind natürlich auch hier wieder vorprogrammiert. Was das Setting und die immer gleiche Spielstruktur angehen, so wurden die Gemüter der Leser aber in letzter Zeit doch arg strapaziert. Umso erfreulicher ist, dass ich mich nun wieder auf etwas Neues freuen kann!

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Liar Game (Band 10)!

Review: Hyrule Warriors

Hyrule Warriors (1)Der Wii U bedarf es nach noch nicht einmal zwei Jahren großartige und auch vielfältige Titel, um nicht dem selben Schicksal wie dem des Nintendo Gamecubes zu erliegen. Mit vielen neuen Partnerprojekten macht Nintendo schon einiges richtig – so auch mit Hyrule Warriors.

Hyrule Warriors (2)Neben ein paar Titeln von Platinum Games wie The Wonderful 101, denen leider keine guten Verkaufszahlen beschert waren, sowie weiteren unverhofften Partnerschaften, greift Nintendo nun auch nach den Fans der Dynasty-Warriors-Reihe. Entwickler Koei Tecmo darf sich dabei an einer der größten und beliebtesten Videospielserien von Nintendo bedienen. Ganz Hyrule samt Bewohner ist die Grundlage für den Action-Hit der besonderen Art. Der Anfang ist aber noch recht klassisch gehalten: Wie es in Hyrule eben der Fall ist, schwebt das Königreich auch dieses Mal von der einen in die andere Sekunde urplötzlich in Gefahr. Glücklicherweise hat Link als Rekrut schon einiges auf dem Kasten und kann unter der Kontrolle des Spielers nicht nur Schloss Hyrule verteidigen, sondern auch Zeldas Aufmerksamkeit für sich gewinnen. Das beruht auf Gegenseitigkeit, denn nach dem kategorischen Verschwinden der Prinzessin setzt der Held zusammen mit ihrer Leibgarde Impa alles daran, sie aus den Fängen der bösen Mächte zu befreien. Dieses Abenteuer führt unsere Kämpfer durch das gesamte Königreich, vorbei an unzähligen vertrauten Orten aus den unterschiedlichsten The-Legend-of-Zelda-Episoden aus mehreren Zeitlinien, die bunt gemischt sind. Unterwegs schließt sich uns eine ikonische Figur nach der andern an; völlig neue Charaktere wurden aber auch eingebaut.

Alte und neue Gesichter

Hyrule Warriors (3)Da wären natürlich alte Feinden wie Erzfeind Ganondorf oder der fiese Ghirahim aus The Legend of Zelda: Skyward Sword, aber auch Charaktere, die wir so wohl niemals in Hyrule treffen würden. Die süße Lana zum Beispiel – eine hochkarätige Vertreterin eines japanischen Anime-Teenagers! Lana ist sehr geschickt im Umgang mit Magie und unterstützt damit die eingespielte Hyrule-Crew ungemein. Alte Bekannte stehen dabei trotzdem im Vordergrund. Hier reicht es vollkommen aus, nur einen oder zwei Teile der The-Legend-of-Zelda-Spiele gespielt zu haben, um sich direkt heimisch fühlen zu können. Im Gegensatz zur Hauptserie nimmt es Hyrule Warriors mit einem gepflegten Tutorial auch nicht ganz so ernst. Viel lieber soll der Spieler die einzelnen Techniken und Angriffe direkt beim Feindkontakt selbstständig erlernen. Mit zwei Buttons werden die primären Combos gestartet, deren Verkettung dazu mit Items, Spezial- und Magie-Angriffen besonders effektiv ist – wenn auch nicht besonders notwendig. Button Mashing beweist sich anfangs als genauso wirksam wie abgestimmte Angriffe. Erst später – besonders bei den Bossgegnern – fühlen wir uns gefordert und endlich genötigt, die Gegner etwas durchdachter anzugehen. Diese ziehen nämlich schon mit einem Schlag eine beachtliche Anzahl an Herzen ab. Die Herzanzeige also immer im Blick behalten!

Bunte Waffenvielfalt

Hyrule Warriors (4)Die Abwechslung auf dem Schlachtfeld wird dabei sogar mit nur wenigen Waffen gewahrt. Links Feuerstab zum Beispiel dient im Nahkampf als Flammenwerfer und Ramme, kann auf größere Entfernungen aber immer noch Feinde verkohlen. Im heillosen Spektakel eines Scharmützels geht unsere Figur in der kämpfenden Masse schnell unter. Den Überblick schafft man sich am besten mit wuchtigen Spezialattacken. Die schicken die Standardgegner nicht nur flutenweise ins Grab, sondern stechen mit spektakulären Bewegungen im Kampf und tollen Animationen besonders hervor. Hier reichen schon wenige Tasten, um auf dem Bildschirm auch als Anfänger ein Action-Inferno zu entfachen. Dabei wird das Gameplay von Dynasty Warriors ausgezeichnet imitiert, was hier aber nur für die wenigsten wirklich gute Nachrichten sein könnten. Die recht einfältigen Action-Orgien dieser Spiele sind schließlich kein Geheimnis. Den Japanern gefällt es, uns im Westen sind dagegen da die handelsüblichen The-Legend-of-Zelda-Ableger lieber. Das kann am homogenen Spieldesign liegen – die Waffen und Gegnerhorden werden zwar immer größer, die Abwechslung hält sich dabei aber in Grenzen. Leichte taktische Elemente besitzt das Spiel dennoch, sodass wir hin und wieder gut überlegen müssen, welche Festung wir halten oder welche Front wir erweitern wollen.

Geschrieben von Jonas Maier

Erics Fazit: Es soll ja Leute geben, die Hyrule Warriors tatsächlich für ein vollwertiges The-Legend-of-Zelda-Spiel halten! Dabei hat der Titel im Grunde absolut nichts mit dem Action-Adventure gemein und richtet sich eher an die Fans der Dynasty-Warriors-Reihe. Wirklich anspruchsvoll ist Hyrule Warriors nämlich zu keiner Zeit, doch das heißt nicht, dass Hyrule Warriors ein schlechtes Spiel ist. Schließlich habe ich mindestens zwanzig Stunden in der virtuellen Welt versenkt und bereue davon eigentlich keine einzige Minute. Ich hatte während der gesamten Zeit durchaus meinen Spaß mit dem Spiel. Größter Kritikpunkt ist für mich der fehlende Online-Modus. Da hat Nintendo eine Konsole die sich nicht gut verkauft und dann sträubt man sich immer noch dagegen, überlebenswichtige Modi einzubauen, welche Spieler langfristig an den Titel binden. Ich hätte jedenfalls unheimlich gerne mit meinem Kollegen Jonas und anderen Besitzern des Spiels online Schlachten geschlagen. Jetzt muss ich darauf warten, dass sich ein Offline-Freund erbarmt, Hyrule Warriors mit mir zu spielen. Der wird sich dann auch noch erst eingewöhnen müssen, da der Titel nicht über eine Sprachausgabe verfügt und wichtige Missionsziele nur per Text eingeblendet werden. Da Hyrule Warriors inhaltlich aber über viele freischaltbare Inhalte verfügt und in Zukunft Download-Inhalte (natürlich kostenpflichtig) nachgereicht werden, werde ich zumindest noch ein wenig alleine Spaß mit dem Spiel haben, in dem ich unterm Strich aber sehr viel mehr Spaß haben könnte.

Jonas‘ Fazit: The-Legend-of-Zelda-Fans wird Hyrule Warriors wohl nur bedingt zusagen; zumindest nicht ohne die elementare Affinität zu Dynasty Warriors mitzubringen. Als Ersatz bis zum nächsten richtigen The-Legend-of-Zelda-Titel ist aber jeder vollends beschäftigt. Leider sträubt sich Nintendo wieder einmal gegen eine Online-Einbindung des Multiplayer-Parts – zumindest können abseits der Hauptstory bestimmte Herausforderungen offline zusammen mit einem Freund absolviert werden. Dieser verwendet zur Übersicht dann das Wii U GamePad. Ich hatte jedenfalls meinen Spaß mit Hyrule Warriors und alle anderen, denen der Titel gefällt, haben nun auch ein Spiel für ihre Wii U, das sie bedingungslos einige Monate lang spielen können. Nach dem Story-Modus kommt noch der üppige Abenteuermodus mit zahllosen Missionen auf die Spieler zu. Und danach gib es immer noch erschreckend viele Verbesserungen für Waffen und Charaktere – der Sammelwut wird also keine Einhalt geboten!

Review: Fantasy Life

Fantasy Life (1)Den Arbeitsmarkt aus Fantasy Life hätten wir auch gerne hier in Deutschland – unbegrenzte Jobs und jederzeitige Berufswechsel sind dort keine Hirngespinste, sondern virtuelle Realität! Dabei scheint Reveria erst mal eines von vielen klassischen Rollenspielkönigreichen zu sein.

Fantasy Life (2)Schon im Charakter-Editor dürfen wir uns zwischen zwölf Berufen, die hier als Leben betitelt werden, entscheiden. Mit einem davon dürfen wir direkt in Fantasy Life starten. Sich hier für ein eher untypisches Berufsfeld zu entscheiden, bringt sogar im Gegensatz zur echten Welt kaum negative Konsequenzen mit sich. Kaum jemand würde heutzutage noch freiwillig ein Leben als Schürfer, Holzfäller oder Angler wählen. Wem es bei solchen Beruf schon in den Fingern kratzt, kann sich hier dafür entscheiden. Glücklicherweise können die handwerklich veranlagten Berufungen alle sehr bald gewechselt und eigenständig ausprobiert werden, sodass der Erkundung der kunterbunten Fantasy-Welt Reveria gar nichts mehr im Wege steht – jeder Spieler geht dabei seinen eigenen Weg: Was der Schürfer mit Leichtigkeit in der Mine fördert, kauft der Alchemist lieber im Laden. Er versteht sich dafür hervorragend in der Herstellung von überlebenswichtigen Heiltränken, die ihm wiederum Abenteuer wie Soldaten und Paladine regelrecht aus den Händen reißen. Falls unter euch echte Geizkragen stecken, könnt ihr sogar alle Berufe selbst meistern, um als Alleinversorger in die Geschichtsbücher von Reveria einzugehen. Der Wechsel zwischen den Leben zieht zudem keinen Verlust der elementaren erworbenen Fähigkeiten mit sich. Zeitsparend und vor allem sehr angenehm!

Lebenslust

Fantasy Life (3)Arbeit macht hier richtig Spaß. Beim Holzhacken oder Fischen werden wir aber nicht selten von feindlichen und angriffslustigen Gegnern wie Getier gestört. Auch nicht schlecht, denn deren Hinterlassenschaften können wir nach dem Kampf einfach auf dem Markt verhökern. Das eigene Leben steht dabei aber immer im Vordergrund. Deswegen sind die Gebiete auch hauptsächlich mit zahllosen Sammelobjekten ausgeschmückt, als rollenspielklassisch mit kategorischen Bossgegnern. Irgendwo unter dieser spielstarken Oberfläche verläuft auch eine Geschichte, die uns durch das gesamte Königreich treibt. Mit jedem Story-Kapitel öffnen sich neue Gebiete, womit die Beschäftigung mit der Hauptquest ratsam ist. Sie selbst ist zwar nicht die interessanteste, die wir im Genre jemals erlebt haben, doch wirkt sie aber niemals störend und sorgt für etwas Abwechslung – erst recht durch die schönen Schauplatzwechsel. Diese neuen Gebiete bringen natürlich wieder neue Gegenstände, Gegner und Personen samt Quests mit sich, die uns alle in unseren Berufen voran bringen. Daraus entsteht eine teuflische Motivationsspirale, die mühelos ein paar dutzend Stunden anhalten kann, ohne langweilig zu werden. Dafür ist das ganze Konzept einfach zu stimmig! Unzählige kleine Erfolgen und Belohnungen, die sich sofort in irgendeiner Weise positiv äußern, sind sehr, sehr verlockend.

Schamlos schönes Spiel

Fantasy Life (4)Wenige Entwickler verstehen sich in der Kombination aus Erzählen und Präsentieren so gut wie Level-5. Es macht einfach Spaß, die unterschiedlichen Figuren bei ihrem wuseligen Fantasy-Life-Leben zu begleiten. Kleine Anekdoten folgen Schlag auf Schlag – es ist total offensichtlich, dass hier dieselben Autoren sitzen, die auch schon grandiose Abenteuer wie Teile der Professor-Layton- oder Inazuma-Eleven-Reihe geschrieben haben. Viel Text sollten wir als Spieler also nicht abgeneigt sein. Das ganze funktioniert natürlich auch nur aufgrund der überragenden deutschen Lokalisierung, in die merklich Herzblut geflossen ist. Dasselbe gilt fast eins-zu-eins für die grafische Präsentation. Abwechslungsreiche Gebiete und quietschbunte Innenausstattungen reizen das Auge immer wieder aufs Neue. Trotz der enormen Größe lädt Fantasy Life auch gerne für die eine oder andere Runde zwischendurch ein. Gemeisterte Fertigkeiten, Gegenstände und aktuelle Aufgaben sind jederzeit zur Überprüfung zugänglich und werden übersichtlich präsentiert. Wer unter der immensen Größe dieses Titels nicht zusammenbricht, nimmt sich dann Zeit für die Einrichtung seiner Wohnung oder dem Pflegen seines Haustiers. Zu tun gibt es immer genug, doch das tolle am Leben ist doch, dass wir nur das machen, was uns im Leben auch wirklich am besten gefällt!

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas Fazit: Noch nie war Arbeiten so schön! Die charmante Spielwelt lockt mit einem abgestimmten Spielkonzept, das seinesgleichen sucht. Hier kann sich jeder auf seine individuelle Art und Weise verwirklichen und wenn man etwas Abwechslung sucht, wechselt man einfach schnurstracks den Beruf. Abgerundet wird das ganze von einer liebenswerten Präsentation und einem stringenten Erfolgs- und Belohnungssystem, bei dem einfach nur noch pure Freude vermittelt wird. Zum Glück bleiben erlernte Fähigkeiten über die verschiedenen Leben erhalten, sodass man sowohl ständig neue Dinge ausprobieren kann und vieles unterwegs einfach mitnimmt, aber dennoch den Fokus auf einer bestimmten Berufsgruppe ruhen lässt. Für mich ist Fantasy Life eindeutig der Überraschungshit des Jahres 2014. Für einen Unterhaltungswert wie ihn Fantasy Life ihn bietet, gebe ich gern mein herkömmliches Leben auf.

Review: Alien: Isolation

Alien Isolation (1)Resident Evil und Alien haben etwas gemeinsam. Während Resident Evil für Videospiele das Nonplusultra im Bereich der Horrorunterhaltung stand, war Alien das für die Filmwelt. Beide Serien besuchten sich auf dem jeweils anderen Medium und das ging oftmals nicht gut aus.

Alien: Isolation (6)Alien: Isolation gehört zum Glück, wie wir schon während des Durchspielens mit Freude feststellen, nicht dazu. Nach dem mehr als nur umstrittenen Aliens: Colonial Marines haben wir sehr gebangt und zum Glück entschied sich Publisher Sega für eine 180-Grad-Wende. Das bezieht sich nicht nur auf den Entwickler – nun durfte sich Creative Assembly an einem Alien-Spiel versuchen – sondern sogar auf das Genre selbst. Jetzt stecken wir nicht mehr in der Haut eines schwerbewaffneten Marinesoldaten, sondern spielen Amanda Ripley, die Tochter der verheißungsvollen Filmheldin Ellen Ripley. Selbige gilt schon seit fünfzehn Jahre, also seit den tragischen Ereignissen auf der Nostromo im ersten Alien-Film, als vermisst. Doch Hoffnung macht sich in Amanda stark, als angeblich der Flugschreiber jenes Schiffes gefunden und auf die Sevastopol-Raumstation gebracht wurde. Mit einigen wenigen Mitstreitern macht sie sich auf, um der Vergangenheit ihrer Mutter auf die Spur zu kommen. Nichtsahnend, dass auch schon diese Station von einem Alien heimgesucht wird. Aus der Ego-Ansicht erkunden wir die finsteren Überreste der Sevastopol. Die ersten Spielabschnitte kommen dabei sogar fast ohne nennenswerten Aktionen unsererseits aus, das Erforschen und natürlich auch das Überleben der Heldin ist durch bloßes Herumirren und Verstecken geprägt.

Unendliche Weiten und unendlich viele Tode

Alien Isolation (5)Wie schon im Film bleibt das Monster bis zur ersten Konfrontation im Verborgenen, was aber nicht heißen soll, dass die Raumstation keine Gefahren birgt. Verstreute Überlebende stellen sich als mindestens genauso gefährlich heraus wie manipulierte und so uns feindlich gesinnte Androiden. Von der verlassenen Station selbst wollen wir gar nicht erst anfangen, da diese in puncto Atmosphäre ebenso gefährlich wirkt. Survival wird hier groß geschrieben und am Leben bleiben vorrangig die Klügsten. Im Kampf kommen wir zwar gegen den einen oder andere Gegner an, das kostet aber teure Lebensenergie und endet meistens in einer Niederlage. Das Vermeiden von Konfrontationen lässt sich entweder durch geschicktes Schleichen in die Wege leiten, oder wir nutzen Umgebungselemente geschickt. Durch Hacken von Türen und das gezielte Initiieren von Lärmquellen lassen sich Kampfhandlungen aber meist vermeiden. Der Spaß geht dabei absolut nicht flöten! Die haarknappen Schleichaktionen und die damit verbundene kontinuierliche Angst vor dem virtuellen Tod sind schließlich alles andere als langweilig. Besonders wenn Gevatter Tod nach nur ein oder höchstens zwei Treffern mit der Begegnung einer feindlichen Waffe eintritt! Amanda ist immerhin auch nur ein Mensch und das wird in Alien: Isolation schnell sehr deutlich und treibt die Anzahl der Tode in die Höhe.

Ein Alien – viele Ängste

Alien Isolation (4)Sobald aber das titelgebende Alien auf der Bildfläche erscheint, ändert sich einiges. Diese weiterentwickelte Lebensform verfolgt uns durch die gesamte Sevastopol, ist extrem flink und beschert uns mit nur einem einzigen Treffer einen fiesen und unschönen Tod. Spieler, denen schon der gute alte Nemesis in Resident Evil 3 zu viel Stress bereitet hat, werden hier wohl schnell überfordert sein. Wer nicht konstant ein Auge auf den Bewegungsmelder wirft, der darf sich auch nicht wundern, wenn dieser hinter der nächsten Tür  direkt in den Rachen des grünen Monsters blickt. Herkömmliche Waffen machen es nur noch wütender. Die Levels sind zwar alle in linearer Reihenfolge angeordnet, doch innerhalb dieser Struktur gibt es offene Raumkomplexe, in denen wir uns mit dem Alien ein Katz-und-Maus-Spiel liefern dürfen. Zwar müssen wir meist nur von A nach B vorankommen, doch das Alien schneidet uns sehr gern den Weg dorthin ab und zwingt uns zur Flucht oder zum Verstecken. Ab da an müssen wir um unser Leben bangen, denn nicht immer hatten wir wirklich das Gefühl, Schuld am Auffliegen unserer Tarnung zu sein. Die künstliche Intelligenz ist nämlich alles andere als dumm und höchst aggressiv. Dazu sind viele Begegnungen mit dem Alien zufallsbedingt; die Kreatur zwingt uns somit regelrecht immer langsam und unweigerlich behutsam vorzugehen.

Trial and Error – Tod und Irrtum

Alien Isolation (3)Dabei sind unserer Meinung nach nicht alle Tode unsererseits gerechtfertigt. Kaum hat sich das Alien in einem Lüftungsschacht verkrochen, lauert es uns nur wenige Sekunden später im nächsten Raum wieder auf. Da hilft eigentlich nichts mehr; höchstens noch die Flucht in ein enges Versteck. Leere Spinds haben dafür die ideale Größe – darin bemerken uns Gegner für gewöhnlich nicht. Im schlimmsten Fall müssen wir sogar bis zur Atemnot die Luft anhalten. Die beste Methode, so wenig Frust wie möglich zu erleiden, ist definitiv das regelmäßige Speichern. Dies geschieht in Alien: Isolation an üppig verteilten Telefonkonsolen, die immer wieder erneut Dreh- und Angelpunkt unserer zahlreichen Neuversuche werden. Ein wenig Unterstützung geben uns dabei unterschiedliche Überlebenswerkzeuge, denn die Not macht erfinderisch: Aus allerlei Krimskrams, den wir mit Amanda unterwegs aufsammeln können, bauen wir Medikits, funktionale Bomben und andere Objekte, die unserer Heldin dabei helfen, möglichst lange unentdeckt am Leben zu bleiben. Haben wir dann einmal ein Kapitel hinter uns gelassen, fühlen wir uns aber besonderes erleichtert. Die Freude hält aber nicht allzu lang an, denn Backtracking führt uns nicht nur regelmäßig an bestimmten Knotenpunkten vorbei, sonder lässt uns ältere Gebiete auch gern noch einmal von vorne durchlaufen.

Filmisches Abenteuer

Alien Isolation (2)Die Entwickler hatten sichtlich ihren Spaß daran, viele ikonische Szenen und Hommagen an die Kinofilme in ihrem Spiel einzubauen. Auch die Zwischensequenzen besitzen ein hohes filmisches Potential. Es ist unverkennbar, dass die Entwickler hier genau wussten, welches Franchise sie als Grundlage für ihr Spiel haben. Die Animationsmodelle der Charaktere mögen vielleicht auf den ersten Blick etwas stumpf wirken, bieten nach einiger Gewöhnung aber genug Profil und Wiedererkennungswert. Die Geschichte um den Alien-Mythos wurde in den Siebziger Jahren erschaffen, die Technik der Raumstation entsprang somit auch jener Zeit. Aus heutiger Sicht ist es schon im Film lustig zu sehen, wie mit flackernden Röhrenmonitoren, knatternden Konsolen und teils arg mechanischen Vorrichtungen die Weiten des Weltalls erforscht werden konnte. Auf der Sevastopol sieht es nicht anders aus. Die Einrichtungen könnten eins-zu-eins vom Alien-Set stammen und sind deswegen auch sehr detailliert. Ein besonderes Lob muss hier auch der Lichtgestaltung zugesprochen werden. Kleine Blinklichter tragen zum klammen Schattenspiel genauso bei wie gleißende Neonröhren. Das schlägt leider auch auf die Framerate der Version für die älteren Konsolen, sprich Xbox 360 und PlayStation 3, die vor allem im letzten Teil des Spiels gerne mehr als einmal in die Knie geht.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Alien: Isolation ist für mich seit Langem wieder ein Spiel, in dem sich Survival wieder wie echtes Survival anfühlt. Das spielerische Potenzial der Alien-Reihe wurde nun endlich ausgeschöpft, auch wenn das ganze ein wenig auf den Frustpegel schlägt. Das übermenschliche Alien toleriert keine Fehler und wenn es euch einmal bemerkt, gibt es euch so schnell auch nicht wieder auf. Die Kontrolle, ob wir nun entdeckt werden oder nicht, hätten die Entwickler aber etwas mehr dem Spieler in die Hände legen können. Daneben finde ich Sevastopol als Schauplatz höchst interessant und die Station birgt trotz seines einheitlichen Settings auch den einen oder anderen visuellen Höhepunkt. Das erinnerte mich während des Tests neben vielen anderen Kleinigkeiten nicht zuletzt an Dead Space, was hier bedenkenlos als Lob eingestuft werden kann. Leider stört mich das wohl genretypische Backtracking ein wenig. Insgesamt hat Creative Assembly mit Isolation aber gezeigt, dass gute Alien-Spiele in Zukunft keine Wunschträume mehr sein müssen.

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Alien: Isolation!

Review: Liar Game (Band 9)

U_8194_1A_EMA_LIAR_GAME_09.IND8Das Liar Game schein kein Ende zu nehmen, aber zumindest hat Akiyama einen würdigen Rivalen gefunden und damit den Liar-Game-Manga in eine neue Richtung geführt. Neben vielen alten Gegnern und Vertrauten ist auch der verhasste Yokoya mit von der Partie – war er in der Vergangenheit doch der einzige, der es mit Genie Akiyama aufnehmen konnte. Nun sollte es einfacher sein, während der Runde eine Allianz gegen ihn zu bilden, aber die Macht des Geldes ist auch dieses Mal nicht zu unterschätzen und wie für das Liar Game üblich, wird dann sowieso alles wieder ganz anders laufen, als erwartet. Zum Beispiel ist das nächste Spiel nur die Qualifikation für die tatsächliche vierte Runde und dazu noch konfuser denn je. Diesmal wird der Ausbruch einer Pandemie simuliert, sodass die zwölf Teilnehmer in Gesunde und Infizierte aufgeteilt werden. Ihren Status können sie jederzeit auf einer speziellen Armbanduhr einsehen, sodass er den anderen Mitspielern gegenüber geheim bleibt. Mit diesem Gerät können sie aber auch in Kontakt miteinander treten, sodass – wie erwartet – der digitale Virus ausgebreitet werden kann. Treten allerdings zwei gesunde Spieler in Kontakt, kann Impfstoff hergestellt werden, mit dem sogar die Infizierten geheilt werden können. Gewinnen werden am Schluss diejenigen mit dem meisten Impfstoff.

Soziales Experiment

Da somit der Status der Gesunden einen direkten Vorteil mit sich bringt, ist natürlich kein Infizierter bereit, sich über seinen Status zu äußern – eine direkte Ausgrenzung und somit Ausscheidung aus dem Spiel wäre die Konsequenz. Auf die Gefahr hin selbst infiziert zu werden, ist es für alle Beteiligten schwer, anderen über den Weg zu trauen. So kommt es wie es kommen musste und das Spiel fährt sich in einem toten Punkt fest. Das lustige ist aber wieder einmal, dass im Grunde genug Imfpstoff da ist, um alle aus dem Liar Game zu erretten, dafür müssten nur alle ihren Status ehrlich offenbaren und in der richtigen Reihenfolge Kontakt aufnehmen. Dieses Wunschdenken verfolgt natürlich nur die treudoofe Nao, die sicherlich die einzige Person auf der Welt wäre, allen Leuten blind zu vertrauen. Ein Lügner würde diese Strategie auch direkt zum Kippen bringen und mit Yokoya an Bord kann eigentlich jeglicher Sozialakt direkt über die Planken geschickt werden. So bilden sich schnell zwei Gruppen um die Intelligenzbestien Yokoya und Akiyama, die als wichtige Stützpfeiler für den gesamten Band gelten. In den 224 Seiten kommen die Geschehnisse leider nicht allzu stringent voran, was das Lückenfüller-Profil dieses Bandes noch einmal bestärkt.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Dieses Konzept, dass sich im Grunde niemand Sorgen zu machen braucht, wenn nur alle an einem Strang ziehen, kommt in diesem Teil besonders zur Geltung. Das lässt sich wohl auch abseits des Liar Games auf viele weitere Situationen anwenden, aber leider gibt es genug Maulwürfe, Ratten und weitere Synonyme tierischer Art, die einem einen Strich durch die Rechnung machen. Auch wenn zutiefst tragisch, konnte mich dieser Auszug der menschlichen Einfältigkeit immer wieder fesseln. Der erneut nicht vollständig zu Ende geführte Handlungsstrang sorgt für die entsprechende Erwartungshaltung gegenüber dem nächsten Band. Diese wurde ja bis jetzt zumindest immer wieder erfüllt, wirklich abbauen tut der Manga nämlich nicht.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Liar Game (Band 9)!

Review: Soul Eater (Vol. 4)

Soul Eater (Vol. 4) (1)Viele Fans werden Soul Eater wohl schon längst gesehen haben, aber nun bietet sich erstmalig die Gelegenheit, die gesamte Anime-Serie in Form der DVD-Veröffentlichung des letzten Volumes vollständig und gebündelt zu erleben.

Soul Eater (Vol. 4) (2)In der Shibusen geht es heiß her. Die Hauptaufgabe dieser außergewöhnlichen Schule in Nevada liegt natürlich immer noch in der Bekämpfung des Bösen und der Abwehr von Monstern. Nun verdichten sich aber die Anzeichen, dass auch innerhalb dieser Organisation der eine oder andere finstere Plan geschmiedet wird. Als hätten Soul und Maka zusammen mit den anderen Schülern nicht schon genug zu tun, um den Kishin – ein gottähnliches Wesen, welches unaufhörlich den Wahnsinn in der Welt verbreitet – aufzuhalten, müssen sie sich nun auch noch mit Intrigen innerhalb der Schule herumschlagen. Zu allem Überfluss verschwindet auch noch Doktor Franken Stein, das geistige Genie der Shibusen. Vom Wahnsinn ließ er sich übermannen, dem nur wenige Menschen mit besonders starken Seelen widerstehen können. Der Wahn selbst wird auch zum Motto der Antagonisten, denn für sie bietet er auch seine Vorteile. Im Einklang mit dem Wahnsinn verspürt man keinerlei Angst, Furcht und generell keine negativen Emotionen. Alles scheint mühelos verstanden zu werden. Diese Meinung wird auch vom Kishin Ashura vertreten; die negativen Auswirkungen dieser Manipulation der Massen will er natürlich nicht wahrhaben. Lieber nimmt er siegessicher den Kampf mit der Shibusen auf – siegessicher sind hier aber beide Parteien.

Starke Feindbilder

Soul Eater (Vol. 4) (3)Um den finalen Entwicklungen der Story nicht im Wege zu stehen, fährt der Comedy-Anteil zum Schluss hin etwas zurück, ist aber stets präsent. Alle Figuren besitzen ihre Eigenheiten, verbergen unter ihrer Slapstick-Oberfläche aber auch ungeahnte Tiefen, was besonders im Finale ersichtlich wird. Sie alle bedienen sich am ungezügelten Humor der kompromisslosen Japaner, der in westlichen Kreisen wohl weitaus mehr als nur den Stempel des schwarzen Humor verpasst bekommen würde. Selbst vor den unterhaltsamen Feindbildern wird nicht halt gemacht – sie verlieren zwar deswegen etwas von ihrer angsteinflößenden Seite, die machen sie aber durch ihre Taten dann mehr als wieder wett. Das verdanken wir nicht zuletzt dem Animationsstudio Bones, welches schon mit Darker than Black oder Fullmetal Alchemist gezeigt hat, wie die modernen Standards der Anime-Unterhaltung wortwörtlich auszusehen haben. In Soul Eater besonders, entfalten die zeitlosen Animationen ihrer markanten Wiedererkennungswert. Dazu zählen natürlich auch die hämischen Gestirne, die das ganze Geschehen von oben herab müde belächeln – eben so wie wir Zuschauer. Die ideal ausgewogene Kombination aus alledem macht Soul Eater zu einem beispiellosen Abenteuer-Anime, für den es schwer wird, jemandem nicht zugefallen.

Synchronisation mit Vorbildcharakter

Soul Eater (Vol. 4) (4)Die deutsche Synchronisation lässt vergleichbare aktuelle Anime-Lokalisationen mühelos hinter sich zurück. Aber egal ob auf Deutsch oder Japanisch mit Untertiteln: Die Witze bleiben erhalten und die unglaublich sympathischen Figuren verlieren niemals an Charisma. Dafür sind wohl auch die Sprecher verantwortlich. Auf deutscher Seite waren unter anderem Martin May und Fabian Harloff beteiligt, die beide zum Beispiel schon in Naruto mit von der Partie waren und so schon die einen oder anderen Erfahrungen im Anime-Segment sammeln konnten. Daneben stecken die Sprecher nun schon knapp fünfzig Folgen in der Haut der Charaktere, was – wie zu hören – lange genug ist, um vollends in ihren Rollen aufzugehen. Zur Ergänzung unterstreicht das ganze noch einmal der passende Soundtrack. Meist agiert er nur als atmosphärische Untermalung, bestimmte Tracks stechen dafür umso mehr hervor und sind dann besonders einprägsam. Das Opening und Ending kennen wir zwar noch aus der dritten Volume, aber leider bleibt uns der Einblick in die japanischen Songtexte immer noch verwehrt, da die Lieder nur mit den ostasiatischen Schriftzeichen untertitelt wurden. Zum Schluss gibt es natürlich noch das inzwischen fest etablierte Wendecover, um dem prägnanten FSK-Aufdruck zu entgehen. Das lässt uns auch ein wenig die fehlenden Bonusinhalte verschmerzen.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Das Finale des Anime-Epos war zufriedenstellend, aber genretypisch eben relativ vorhersehbar und ein wenig eingefahren. Aufregung unter Fans gab es aber dennoch, denn die Leser des Mangas – also des Originalwerks – sind von den inhaltlichen Abweichungen der Verfilmung schon etwas erbost. Für alleinige Kenner der Fernsehserie dürfte das aber nicht ins Gewicht fallen, die bis zur letzten Folge solide Umsetzung dank des Studio Bones macht auch wieder einiges wett. Besonders klasse finde ich das Charakterdesign. Mein absoluter Favorit bleibt natürlich Doktor Stein, der mit seiner Mischung aus Genialität und Wahnsinn einfach nur cool ist. Wie es immer so ist mit Sachen, die einem gefallen, schmelzen auch hier die Folgen in beträchtlicher Zeit nur so dahin. Zurück bleiben aber die Erinnerungen an eine einzigartige Serie, der es gelang, mich durchweg mit Humor zu belustigen oder eben mit seiner Handlung bei der Stange zu halten.

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Soul Eater (Vol. 4)!

Preview: Battlefield: Hardline

Battlefield Hardline Preview (1)Fast hätte es Electronic Arts geschafft, ein jährliches Erscheinen der beliebten Battlefield-Reihe in die Tat umzusetzen. Nun lässt der neuste Ableger namens Battlefield: Hardline aber erst mal bis 2015 auf sich warten. Unverhofft sind darüber aber die meisten Fans sogar froh.

Battlefield Hardline Preview (3)Mit einem stringenten Release-Rhythmus wie es Activision mit der Konkurrenzreihe Call of Duty pflegt, hat Electronic Arts noch nicht genug Erfahrung. Und als die Firma nach dem recht unfertigen und von unzähligen Problemen behafteten Battlefield 4 erst einmal von der Spielerschaft einen auf den Deckel bekommen hat, darf sich Entwickler Visceral Games wohl noch etwas mehr Zeit nehmen, dem Spiel den letzten Feinschliff zu verpassen. Dass sich eine ehemalig erfolgreiche Marke schnell an die Wand fährt, zeigten schon die letzten Ableger der Medal-of-Honor-Reihe – das will der große Publisher, der sich in der jüngsten Vergangenheit nicht besonders of mit Ruhm bekleckert, natürlich nicht noch einmal riskieren. Dabei scheint am Battlefield: Hardline doch gar nicht so viel neu zu sein und natürlich bleibt sich der Ego-Shooter seinen Grundlagen erst einmal treu. Neu wirkt allerdings das Setting, denn nun stehen sich nicht mehr ganze Nationen militärisch gegenüber. Dagegen gilt es dem Verbrechen im eigenen Lande entgegenzuwirken – oder eben selbst Verbrechen zu verüben. Neben dem Singleplayer-Modus, welcher laut den Entwicklern endlich einmal klischeebefreit, nicht mehr linear und dafür sogar mehr taktische Tiefe bieten soll, liegt das Hauptaugenmerk des Spiels natürlich immer noch – wie bei den Vorgängern – auf dem Multiplayer-Part.

Räuber und Gendarm

Battlefield Hardline Preview (2)In neuen Spielmodi wie dem Heist- oder auch dem Hotwire-Modus geht es um Banküberfälle, Geiselnahmen sowie Verfolgungsjagden – gewöhnliche Partien wie Rush oder Deathmatch können natürlich trotzdem noch ausgetragen werden. Visceral Games nannte schon im Vorfeld eine Menge Dinge, die im Vergleich zu Battlefield 4 verbessert werden sollen. Zum Beispiel wird die Mechaniker-Klasse von Grund auf überholt und die Multiplayer-Schlachten sollen mit wesentlich weniger Sicht raubenden Effekte und Explosionen auskommen, um den grundlegenden Ego-Shooter-Mechaniken wieder etwas mehr die Hand zu reichen – und das ist unserer Meinung nach auch nötig! Im Hinblick auf verärgerte Fans wird natürlich auch die fehlerbehaftete Reanimationsmechanik in Angriff genommen, denn auf der gleichermaßen beeindruckenden wie hakeligen Frostbite Engine 3 basiert das Battlefield: Hardline ebenfalls. Deswegen hoffen wir auch, dass man das selbstbenannte Netcode-Problem in den Griff bekommen wird, denn Battlefield 4 hat mit den dadurch entstehenden Lags und einigen Verbindungsproblemen sogar heute noch – ein knappes Jahr nach Release – immer noch teils massive Probleme. Hoffen wir schlussendlich, dass die Entwickler aus gemachten Fehlern lernen und wir Battlefield: Hardline im nächsten Jahr fehlerfrei genießen dürfen!

Geschrieben von Jonas Maier

Erics Prognose (basieren auf der Gamescom-Präsentation): Die Präsentation von Battlefield: Hardline auf der Gamescom 2014 war für mich die langweiligste Präsentation der gesamten Messe. Die Entwicklung der Serie hat mich in den letzten Jahren immer mehr kalt gelassen. Battlefield 1942 hat mich damals zwar nicht interessiert, ist aus heutiger Sicht meiner Meinung nach aber wesentlich interessanter, als die letzten Ableger, die sich fast ausschließlich nur noch um Terroristen gedreht haben. Jetzt will Electronic Arts mit Battlefield: Hardline ein neues Setting etablieren, was meiner Meinung nach aber reichlich absurd wirkt. Terroristen, die mit Raketenwerfern die Stadt in Schutt und Asche legen und Kräne, die umkippen und in Wolkenkratzer krachen. Das ist meiner Meinung nach unnötig und sorgt dafür, dass das eigentlich recht interessante Setting lächerlich wirkt. Der Story-Abschnitt, den man mir auf der Gamescom gezeigt hat, ist ebenso sehr langatmig inszeniert. Auch wenn es verschiedene Taktiken gibt, endet dennoch alles wieder in einer wohl für die Serie unumgänglichen Schießerei. Da erwarte ich nach jahrelangen Experimenten von der Serie endlich frischen Wind oder einen Rückzug zu den Wurzeln.

Jonas‘ Prognose (basierend auf veröffentlichten Trailern): Natürlich ist der Sprung vom vierten Teil zu Hardline im Bezug auf große Neuerungen wirklich nicht mehr als ein kleiner Katzensprung, aber dennoch kann ich es als vollständiges neues Spiel akzeptieren – und nun erst recht mit der verlängerten Entwicklungszeit. Das Setting wirkt in meinen Augen für Battlefield erfrischend – genauso steht es um die Spielmodi und Gadgets, die sich um das potentialreiche Heist-Szenario ranken. Ich persönlich finde es auch interessant, dass Dice – schweren Herzens – das Battlefield-Projekt größtenteils in die Hände eines anderen Entwicklers legt, sodass vielleicht sogar unbewusst frische Einflüsse in das Spiel mit einfließen. Über allem prangt natürlich immer noch Electronic Arts, womit wir uns natürlich schon jetzt auf wohl recht zahllose und kostenpflichtige Zusatzinhalte, genauso wie unnötige Mikrotransaktionen einstellen dürfen. Diese ändern natürlich trotzdem nichts am einzigartigen Gesamterlebnis von Battlefield: Hardline, welches einem immer wieder aufs Neue packen wird.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Einladung zur Gamescom-Präsentation!

Preview: Pokémon: Omega Rubin & Alpha Saphir

Pokémon Omega Rubin & Alpha Saphir (1)Pokémon ist auf Nintendos Handhelds genauso etabliert wie das Amen in der Kirche. Das gilt inzwischen sogar schon für die Remakes, nach denen findige Nintendo-Kenner sich schon die Uhr stellen können. Immerhin geht die Nostalgie-Reise nun schon in die dritte Runde.

Pokémon Omega Rubin-Alpha Saphir Preview (2)Das Phänomen namens Pokémon ist eigentlich recht simpel aufzufassen und jeder kennt es. Es zu beschreiben ist dennoch nicht so einfach, denn dafür besteht es aus zu vielen ineinander verflochtenen Einzelkomponenten. Viel ändern kann und will Nintendo an den Spielen deswegen ja auch nicht, was das letzte Jahrzehnt wohl eindeutig bestätigt hat. Falls es dennoch irgendwo da draußen eine verirrte Seele gibt, die tatsächlich noch nie Kontakt mit Pokémon gehabt hat, kann diese ab Herbst Buße tun, indem sie beim Start der Neuauflagen der dritten Pokémon-Generation direkt mit dabei ist. Eine gewisse Affinität zu Rollenspielen sollte man schon mitbringen; oft reicht es aber aus, die drolligen Monster süß und schnuckelig genug zu finden. Nintendo nimmt sich diesmal vor, besonders solche Inhalte, die die dritte Generation besonders gemacht haben, auf den neusten Stand zu bringen. Fans kommen da natürlich sofort die Geheimbasen in den Sinn. Wir Spieler können uns in privaten Gemächern ganz nach unserem Geschmack einrichten, Freunde einladen und sogar Kämpfe austragen. Diese Abwechslung der besonderen Art war schon auf dem Game Boy Advance ein beliebter Zeitvertreib neben dem Pokémon-Alltag, sodass wir den Ausbau dieses Features sehr begrüßen – immerhin gibt der Online-Modus den Geheimbasen einen ganz neuen Sinn!

Hoenn sucht den Superstar

Pokémon Omega Rubin & Alpha Saphir (3)Aber damit nicht genug, denn die beiden GameBoy-Advance-Episoden Rubin und Saphir sind selbstredend noch für mindestens eine weitere Nebenbeschäftigung bekannt. Die Rückkehr der Wettbewerbe, die viele generationsübergreifend zu eine der spaßigsten Attraktionen des Pokémon-Franchises erklärt haben, lässt unsere Taschenmonster auf der großen Bühne gegeneinander konkurrieren. Zur Ausnahme nicht in Form von Kämpfen – unsere Pokémon müssen sich in unterschiedlichen Kategorien beweisen und ihre Outfits, ihre Grazie sowie ihre Attacken vor einer Jury, ähnlich wie im deutschen Abendprogramm beim Sender mit den drei bösen Buchstaben, zur Schau stellen. Besonders sind auch die editionsspezifischen Inhalte. Neben exklusiven Pokémon und Events machen in der dritten Generation die Antagonisten den Unterschied, denn Team Aqua und Team Magma gehören neben Team Rocket zu den wohl erinnerungswürdigsten Bösewichten der Pokémon-Reihe und verpassen den Spielen einzigartige Story-Elemente. Um diesen Halunken Einhalt zu gebieten, schließt sich natürlich uns auch unser sonstiger Rivale an. Hier konzentriert sich Game Freak auch wieder auf das Wesentliche, denn unser Protagonist wird nur von einer Person begleitet und nicht wie zuletzt, von einem ganzen Rudel Mitläufer. Uns soll diese Entscheidung nur recht sein!

Proto-Evolution

Pokémon Omega Rubin-Alpha Saphir Preview (4)Grafisch orientieren sich die Remakes selbstverständlich an der sechsten Pokémon Generation. Vom damals groß angepriesen Feature – dem 3D-Effekt – der in der Realität dann doch nicht immer so gut funktionierte, erwarten wir von Game Freak nun zumindest, dass sie ihn einigermaßen stabil und ohne Ruckler zum Laufen bekommen. Denn eine vollständige Darstellung der Kämpfe und Oberwelt in der dritten Dimension wird es immer noch nicht geben – das gestand Nintendo schon im Vorfeld. Neue Mega-Entwicklungen gibt es dagegen mehr als gedacht. Der Trend verläuft weiterhin in diese Richtung der Spezialentwicklungen, sodass sogar unscheinbare Pokémon wie Zobiris, Ohrdoch oder Lahmus ordentlich gestärkt werden. Dem legendären Kyogre und Groudon spendierte Game Freak sogar etwas völlig Neues: Aufgrund der Protomorphose gibt es nun Proto-Entwicklungen, die den Monstern weitere unvorstellbare Kräfte verleihen. Was es mit diesen urzeitlichen Entwicklungen auf sich hat, lösen wir dann natürlich erst zusammen mit unserer Spielfigur ab den 28. November 2014. In Europa erscheint das Abenteuer leider mit einer Woche Verspätung. Grund dafür dürften wohl unter anderem die Komplikationen beim letzen Pokémon-Release sein, bei dem viele Läden ihre Spiele schon eine geraume Zeit im Voraus in die Regale stellten.

Geschrieben von Jonas Maier

Erics Prognose (basierend auf veröffentlichten Trailern): Mit der dritten Generation bin ich damals leider kaum in Kontakt gekommen. Grund dafür war, dass ich damals noch keinen GameBoy Advance besessen habe und erst recht spät in den Genuss von Pokémon: Smaragd-Edition gekommen bin. Gespielt habe ich den Titel jedoch kaum und irgendwann erschienen dann ja auch schon die ersten DS-Episoden der Reihe. Der Nintendo DS ist jetzt jedoch ein gutes Stichwort, denn die für mich immer noch besten Teile der zweiten Generation haben auf Nintendos DS eine gelungene Generalüberholung spendiert bekommen. Bei Pokémon: Omega Rubin und Alpha Saphir erwarte ich nicht weniger. Da ich die letzten Ableger für DS und 3DS jedoch nicht gespielt habe, werde ich ab nächstem November sicherlich noch mehr im Spiel entdecken können, als beinharte Pokémon-Fans. Ich freue mich wahnsinnig aufs Spiel!

Jonas‘ Prognose (basierend auf veröffentlichten Trailern): Die dritte Pokémon-Generation war für die Reihe selbst sicherlich nicht unbedingt ein Meilenstein, für mich war es aber das erste große Pokémon-Abenteuer, in das ich mich vollends versinken hab lassen. Zwar bin ich der Meinung, dass die Ursprungsversionen Rubin und Saphir noch nicht allzu lange her waren und generell auch noch überhaupt nicht veraltet aussehen, aber trotzdem kann ich es kaum erwarten, endlich wieder durch das nasse Hoenn zu stapfen – oder zu tauchen. Dabei freue ich mich schon auf die unzähligen Nebenbeschäftigungen abseits der Hauptstory, aber auch auf das eine oder andere neue Gebiet bin ich gespannt. Irgendwo müssen sich ja die inzwischen über siebenhundert Monster verstecken. Genug Freizeit sollte sich also jeder einräumen, bevor er sich in dieses neue alte Abenteuer stürzt!

Review: DreadOut

DreadOut (1)Mit der unaufhaltbaren Verbreitung der Indie-Spielen hat auch das Genre des Survival-Horrors wieder einen spürbaren Auftrieb erfahren. Schließlich braucht es nicht immer die imposanteste Technik eines Blockbuster-Titels, um einem Spieler das Fürchten zu lehren.

DreadOut (2)Wir verfolgen Linda Meilinda bei einem Ausflug mit ihrer indonesischen Schulklasse ins Ungewisse. Ins Ungewisse insofern, dass wir uns schon nach wenigen Minuten Spielzeit in einer nebelverhangenen Geisterstadt wieder finden. Im verlassenen Schulgebäude sammelt sich die Gruppe erst einmal, aber wie es im Horror-Genre so üblich ist, sind wir schon sehr bald auf uns allein gestellt. Noch dazu bricht gerade die Nacht herein. Was Linda nur dabei bleibt, ist ihr geliebtes Smartphone. War es in Projekt Zero noch die Camera Obscura, halten heutzutage modernere Methoden zur Geisterbekämpfung her. Das schicke Mobiltelefon fungiert nicht nur als tragbare Lichtquelle, sondern bannt auch die Schreckgestalten des Spiels auf den digitalen Speicher des Geräts. Viele Geister gibt es zum Glück zwar nicht, aber diejenigen, die sich Linda in den Weg stellen, sorgen schon für genug Schweißtrieb. Dazu erfordern verschieden Geister unterschiedliche Taktiken, sodass Linda besonders bei einer Neubegegnung nicht selten erst das eine oder andere Leben lassen muss, bis sie dem Gegner Herr werden kann. Nach einem Tod starten wir übrigens nicht beim letzten Kontrollpunkt oder müssen das Spiel neu laden, denn Linda erwacht zunächst in einer Zwischenwelt.

Pixel-Panorama

DreadOut (3)Der Ausgang, symbolisiert durch grelles Licht, liegt direkt vor ihr beziehungsweise uns – nur erweitert sich die Strecke dahin pro Ableben um einen bestimmten Betrag. Dort angekommen, starten wir unmittelbar am Ort unseres Missgeschicks und können wieder loslegen, ohne Passagen wiederholen zu müssen – bestraft wird der Spieler somit nur durch die Geduldsprobe. Dieser Begriff beschreibt auch die Rätselstruktur des Spiels ungemein passend. Zwar sind die Rätsel intelligent gestaltet, doch müssen wir das Gemäuer schon sehr genau unter die Lupe nehmen. Das liegt daran, dass Linda Gegenstände nicht selten erst dann bemerkt, wenn sie direkt vor ihnen steht. Ihre Digitalkamera steht auch hier im Mittelpunkt, denn hin und wieder weisen Aufnahmen, geschossen aus einem bestimmten Winkel, auf versteckte Orte und Lösungen unserer Rätsel hin. Hierbei orientiert sich DreadOut wohl nicht nur spielerisch an PlayStation-2-Klassikern, sonder will diesen auch grafisch nacheifern. In jeder Hinsicht muss schon bei der Konzipierung des Spiels klar gewesen sein, dass Entwickler Digital Happiness hiermit niemanden zufrieden stellen wird. Nachdem der anfängliche Schock für die Augen überwunden war, mussten wir aber einsehen, dass die visuelle Gestaltung in sich doch stimmig ist. Es kommt tatsächlich das Gefühl auf, dass wir optische einen Retro-Titel spielen.

Per Achterbahn durchs Geisterhaus

DreadOut (4)Dazu spielen Horrorspiele wie diese glücklicherweise primär im Dunklen und im flackernden Lichtkegel können wir der verlassenen graubraunen Schule grafisch doch etwas abgewinnen. Zur Entschädigung jagen uns die Entwickler mit ihrem beklemmenden Sound-Design den einen oder anderen Schauer über den Rücken. Wieder einmal wird bewiesen, inwiefern uns mit passend platzierten Klängen mehr Angst eingejagt werden kann, als mit einer flüchtigen Schreckgestalt. Die ausgewogene Mischung zwischen subtiler Spannung und direkter Konfrontation mit dem Horror zieht sich durch die gesamten vier bis fünf Stunden Spielzeit, sodass auch das oberflächliche und simple Gameplay nie in Verlegenheit gerät, sich abzunützen. Leider ist die Spielstruktur, wie bei den meisten Spielen dieser Art, auf Backtracking ausgelegt, sodass die kurze Spielzeit noch einmal besonders negativ ins Gewicht fällt. Digital Happiness verfolgt mit DreadOut aber den Plan, das Spiel in mindestens einer weiteren Episoden fortzuführen, wovon auch das offene Ende zeugt. Lust darauf haben wir allemal, denn auch wenn das Grundkonzept wohl direkt aus dem Lehrbuch der Gruselspiele stammt, zeigen die indonesischen Entwickler glasklar, dass sie bei dieser Kickstarter-Kampagne ein Ziel vor Augen haben, dass sie hoffentlich erreichen werden.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Klassische Horror-Erlebnisse wie die Silent-Hill- oder Project-Zero-Reihe sie vermitteln, gehörten schon immer zu meinen Favoriten. Da war es nur natürlich, dass mich auch DreadOut reizte; den äußeren Umständen des Spiels war ich mir vorab natürlich bewusst. Die indonesische Orientierung fand ich erst einmal interessant, mein Fokus lag aber immer noch auf der Gruselstimmung und die haben die Entwickler hervorragend hinbekommen. Da ist es für mich auch verkraftbar, dass dieses Szenario – abgelegene Häuser mit finsteren Vergangenheiten – einmal mehr ausgetreten wurde. DreadOut reiht sich aber mühelos unter die erinnerungswürdigen Vertreter seiner Art ein. Auf das folgende Abenteuer mit Linda bin ich deswegen auf alle Fälle gespannt!

Vielen Dank an Digital Happiness für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von DreadOut!

Review: Liar Game (Band 8)

Liar Game (Band 8)Die Revival-Runde nähert sich ihrer finalen Phase. Nun dreht sich alles um das Kartenspiel Poker, einer würdigen Disziplin für eine verzwickte Angelegenheit, wie es das Liar Game ist. Immerhin muss bei diesem Glücksspiel die Taktik des Bluffens mit dem rechnerischen Geschick kombiniert werden. Wir können uns also nur zu gut vorstellen, wie durchtrieben und gewitzt es erst wird, wenn Shinobu Kaitani den Protagonisten Akiyama ins Rennen lässt. Um die Sache noch aufregender zu gestalten, schraubte auch hier die Verwaltung wieder am Regelwerk. Schade, denn ansonsten hätten wir lieben gerne Tipps entgegengenommen, die uns im echten Glücksspiel einen unwiderruflichen Vorteil bringen würden. Denn auch hier wird das Supergenie wieder so weit gehen, bis er jede Möglichkeit, die ihm das Spiel bietet, erschöpft hat. Da die Erzählperspektive von Kaitani nicht festgelegt wurde und somit ständig zwischen Akiyamas Team und dessen Gegenspielern wechselt, weiß der Leser zu jeder Zeit, was in deren Köpfen vor sich geht und wie sie Gedanken und Ideen umsetzen.

Intelligenz schützt vor Fehlern nicht

Das macht das Vorgehen der Charaktere stets nachvollziehbar und lässt uns – demjenigen mit den meisten Informationen – dann und wann bestimmte Reaktionen und Konfrontationen entgegenfiebern. Am meisten gegenüber Akiyama, der wie gewohnt mit seinen kühlen Überlegungen punkten kann. Leider muss jedes Team-Mitglied seinen Beitrag leisten, wobei es vor allem Nao besonders schwer trifft. Schließlich wurde sie bisher ihrer fürsorglichen und bedachten – leider eben auch nicht gerade intelligenten – Rolle gerecht. Sie besitzt sogar so viel Skrupel (oder Dummheit), dass sie den Sieg ihres Teams aufs Spiel setzt, um auch ihre Gegner aus den Liar-Game-Runden retten zu können. Sie hat ihr Herz am rechten Fleck, doch bleibt es zweifelhaft, ob das in diesem Sinne ihr fehlendes Hirnschmalz ausgleicht. Jeder Täuschungsversuch oder Bluff misslingt ihr, jeder kann in ihr Lesen wie in einem aufgeschlagenen Buch. Natürlich bietet diese Tatsache auch Spielraum für Doppelstrategien, die sich dann auf den gut 220 Seiten entfalten können.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Einen weiteren kleinen Höhepunkt gibt es am Ende von Kaitanis Einschub im Form der Revival-Runde. Wie eine neu aufgewärmte Verarbeitung aus Bänden zuvor fühlt sich dieser Manga aber zum Glück nicht an, dafür werden die kühlen Köpfe vor allem am Schluss mit dem einen oder anderen heißen Twist konfrontiert. Leider kommt die übergreifende Handlung pro Band nur zentimeterweise voran und genauso steht es um die Wechselwirkungen zwischen den Charakteren. Auch die Liar-Game-Verwaltung könnte sich ein wenig beeilen, um ihre endgültigen bösen Machenschaften in die Bahnen zu leiten. Nicht nur ungeduldige Leser fordern hier mehr, denn Luft nach oben ist allemal vorhanden. Dies ist natürlich Kritik auf einem sehr hohen Niveau, denn selbst mit einem streng episodischen Charakter begeistert und erstaunt dieser Manga-Epos auf ganzer Linie!

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Liar Game (Band 8)!

Review: Liar Game (Band 7)

Liar Game (Band 7)Nao und Akiyama haben zwar die letzte Runde um Lug und Trug verloren, aber nur, um ihren Verbündeten solidarisch beizustehen. Es gewinnen zwar immer nur diejenigen, deren taktische Herangehensweise am dreistesten ist, aber genau solche Leute brauchen besonders dann mehr denn je Mitstreiter, auf die sie sich wirklich bedingungslos verlassen können. Da kommt doch die Revival-Runde für Verlierer – eine erneute Möglichkeit sich im Liar Game zu rehabilitieren und dicke Kohle zu machen – genau richtig, schließlich sind hier die Fronten klar aufgestellt. Dieser Band wird sozusagen zu einem neuen Kapitel des Liar Games gezählt. Unsere beiden Helden sind zusammen mit der durchtriebenen Fukunaga in einem Team und können sich vollständig auf die Runde konzentrieren – ohne dass ihnen jemand in den Rücken fallen könnte. Die Liar-Game-Verwaltung beweist einmal mehr Kreativität und hat sich auch diese Runde wieder etwas Lustiges einfallen lassen, um ihre Teilnehmer bei Laune zu halten – unter anderem steht dabei das selbstmörderische Gesellschaftsspiel Russisches Roulette im Mittelpunkt.

It’s no rocket science

Mord gehört allerdings nicht zur feinen Art der Organisatoren, um den finanziellen Tod wird aber weiterhin gespielt. Nach den bizarr komplizierten Spielmechaniken aus den letzten drei Bänden tut es endlich wieder einmal gut, eine überschaubare Runde mit begrenzten Rahmenbedingungen und Figuren miterleben zu dürfen. Natürlich wäre es kein Werk von Shinobu Kaitani, wenn er unsere grauen Zellen ausnahmsweise einmal nicht strapazieren würde, die Differenz ist aber eindeutig bemerkbar und sorgt für ein Gefühl der Frische. Die elementaren Bestandteile von Liar Game blieben selbstverständlich erhalten und der Leser darf sich wieder zusammen mit den Charakteren die Köpfe zerbrechen, bis der richtige Lösungsansatz für diverse Probleme gefunden wird. Dies ist meist schwerer, als dann auf die Lösung selbst zu kommen. Der Manga bestätigt wieder, dass nun mal solche Spielsysteme den natürlichen Gegebenheiten, also den analytischen Wissenschaften, zugrunde liegen. Egal ob aus der Mechanik, Logik oder Statistik, deren Gesetze bleiben unangreifbar, egal ob es den Charakteren gefällt oder nicht. Genau das macht sich Akiyama wider zunutze.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Der Mystery-Krimi legt auch in seinem ersten Band des neuen Kapitels die Messlatte in Sachen Spannung und Unterhaltung sehr hoch und behält dabei noch die mehr oder weniger oberflächlichen moralischen Weisheiten bei. Erneut ist es lustig zu sehen, wie der Leser sich vom Autor vorführen lässt und jedes Mal aufs Neue überrascht wird, wenn Akiyama mit seinen Erklärungen loslegt. Die Hintergründe sind nämlich oft einfacher als anfangs gedacht und dennoch so gut wie nie bei den Haaren herbeigezogen. Kaitani gehen die Ideen anscheinend nie aus und einen Qualitätsunterschied zu vorhergegangenen Geschichten ist nicht zu bemerken. Liar Game ist dabei ein Paradebeispiel, wovon auch noch andere Schreiberlinge einiges lernen können.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Liar Game (Band 7)!

Review: Can you hear me?

Can you hear meHeutzutage gehört es fast schon zur Normalität jedes Grundschülers, mindestens ein Smartphone zu besitzen. Obwohl diese Geräte kaum den Ersatz für echte soziale Kontakte bieten können, ist man unter Jugendlichen nicht selten weniger angesehen, falls man selbst noch keines dieser technologischen Wunderwerke besitzt. Davon kann Ryou Aihara ein Lied singen. Nichts wünscht sich die Schülerin mehr, als auch Besitzerin ihres eigenen Handys zu werden. Neidisch blickt sie zu ihren Mitschülern auf, die wohl allesamt – ohne sie – miteinander vernetzt sind. Im Kopf mahlt sie sich schon ihr idealisiertes Mobilgerät aus. Das treibt Ryou soweit, bis sie schon meint, eines in ihren Vorstellungen bewusst bedienen zu können. Die erstmalige Einbildung macht sich aber selbstständig und jagt ihr einen gehörigen Schrecken ein, als ihr Kopftelefon das Klingeln anfängt und eine Verbindung zum Jungen Shinya aufbaut. Er scheint gelassen, schließlich benutze er diese Kommunikationsmöglichkeit regelmäßig.

Telefon-Beziehung

Natürlich kann es Ryou erst mal nicht glauben und schreibt die Ereignisse als Hirngespinste ab. Mit der Zeit kommt sie auf diese Weise aber auch mit anderen Personen in Kontakt, was sogar unabhängig von der Zeit in die nahe Zukunft funktioniert. Im Endeffekt war sie dann doch sogar froh, schließlich hatte sie nun genau das Gleiche wie die anderen, nur in besserer Form. Zwischen Shinya und Ryou baut sich mit der Zeit eine – verständliche – spezielle Beziehung auf und schließlich war es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sich einmal treffen würden. Unerwarteterweise entblößt der Manga ab da seine finsteren Seiten und die Geschehnisse werden von unheilvollen Ereignissen überschattet. Das war im Grunde nur eine Frage der Zeit, immerhin stammt der Manga aus der Feder von Hirotaka Adachi – besser bekannt unter seinem Künstlernamen Otsuichi. Can you hear me? ist eine umfangreichere Neuauflage seiner Kurzgeschichte Calling You und ein Beispiel für seinen Hang zu leicht übernatürliche Horror-Storys.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der dritten Auflage): Can you hear me? beginnt als ein durchschnittlicher Auszug des japanischen Schullebens, verirrt sich dann aber doch in Genres weitab von Slice of Live und Romantik. Nicht wirklich hätte ich erwartet, in welche Richtung dieser Manga sich entwickeln könnte. Daneben befasst er sich auch mit den Problemen heutiger internetgeprägter Schüler, die so eins zu eins auf unserer Realität übertragen werden könnten. Sehr gelungen fand ich auch den Epilog, in dem sich Otsuichi mit ein paar Zeilen zu Wort meldet und einige interessante Dinge über sich und seinen Manga verrät. Ich bin mir jetzt schon sicher, dass dies nicht das letzte Werk gewesen ist, welches ich von ihm genossen habe. Dazu sind seine Geschichten doch zu interessant.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Can you hear me?!

Special: Microsoft auf der E3 2014

E3 2014 Microsoft (1)Mit der Xbox One hat Microsoft ihren Spielern wirklich keinen Gefallen getan. Das haben inzwischen auch beide Parteien eingesehen. Für Microsoft wird es also höchste Zeit, sich bei ihren Fans zu rehabilitieren – da kommt die Electronic Entertainment Expo doch gerade recht.

E3 2014 Microsoft (2)Vor der Electronic Entertainment Expo 2014 wurden so viele Spiele und Ankündigungen im Vorfeld (wissentlich oder unwissentlich) geleaked, dass sich nicht wenige Spieler fragten, ob Microsoft auf der Bühne überhaupt noch mit echten Überraschungen auftrumpfen kann. Phil Spencer, der generelle Chef von Microsoft Xbox, scheint aber optimistisch und bedankt sich nach einer einleitenden Begrüßung noch einmal bei der gesamten Xbox-Community für das bisherige Feedback zu ihrer neuen Konsole. Im Anschluss werden auch schon direkt die Trailer zu kommenden Spielen gezeigt. Fast schon traditionell tritt der neue Call-of-Duty-Teil Call of Duty: Advanced Warfare ins Rampenlicht. Neben abstürzenden Helikoptern, Quick Time Events und einer großen Portion Patriotismus werden aber auch interessante Features gezeigt: Das Gameplay nimmt dank Jetpacks deutlich an Geschwindigkeit auf und der Einsatz von modernster Technologie soll konstant für Abwechslung sorgen. Dazu sieht der Serienteil noch einmal besser und zudem noch einmal futuristischer aus. Auch das nächste Spiel dürfte für die meisten keine richtige Überraschung mehr sein. Dan Greenawalt von den Turn 10 Studios stellt zunächst einen herunterladbaren Zusatzinhalt für Forza Motorsport 5 vor, der uns auf den Nürburgring führt und ab sofort kostenfrei auf der Xbox One herunterladbar ist.

Alle Jahre wieder

E3 2014 Microsoft (3)Auch wenn Forza Horizon 2 bereits im Vorfeld bekannt wurde, ließ die Ankündigung auf der Pressekonferenz nicht lange auf sich warten. Bereits in diesem September wird Microsoft versuchen, die Rennfahrer auf die Xbox One zu locken; auch wenn der Titel ebenso für die Xbox 360 erscheinen wird. Danach heißt es Bühne frei für die Franzosen. Ein Vertreter von Ubisoft stellt Assassin’s Creed: Unity in einer Gameplay-Demo vor. Angesiedelt während der Französischen Revolution wird es nun sogar möglich sein, kooperativ zu spielen. Dabei wird geholfen, die unterdrückenden Monarchen nun noch brutaler und unbarmherziger zu stürzen. Brutal geht es weiter mit Sunset Overdrive, das sich aber bei weitem nicht so ernst nimmt. Knallbunt geht es den Mutanten an den Kragen und ähnlich wie in der Dead-Rising-Reihe stehen dem Spieler dabei vielfältige Möglichkeiten offen, ihre Gegner zu bezwingen. Das ganze Spektakel wird auch schon diesen Oktober vonstattengehen. Gleich darauf gibt es Neuigkeiten zu Fable Legends, was nun wohl wesentlich actionorientierter ausfallen wird. Auch dem Multiplayer-Modus wird nun eine größere Rolle zugesprochen. Wir sind schon sehr gespannt, wie sich Fable Legends 2015 schlagen wird. Aufbereitet wird zudem Projekt Spark, denn der kreative Landschaftsbaukasten wird mit üppigen Kampfhandlungen erweitert.

Ein Herz für Indie-Spiele

E3 2014 Microsoft (4)Nach dem Erfolg vom vierten Serienableger ist es nicht sehr verwunderlich, dass der fünfte Halo-Teil nicht weit sein kann – er wird 2015 endlich erscheinen. Dieses Jahr erscheint aber noch Halo: The Master Chief Collection mit allen vier Spielen der Hauptserie, wobei vor allem die aktualisierte Form des zweiten Teils mit allen klassischen Wurzeln begeistern kann. Auch die Multiplayer-Modi der alten Teile werden verbessert spielbar sein, sodass die Fans davon sicherlich angetan sein werden. Unter dem Programmnamen ID@Xbox will sich Microsoft nun auch verstärkt den Indie-Spielen widmen und beweist dies mit einem recht beeindruckenden Trailer-Zusammenschnitt. Kurz darauf besinnt man sich wieder auf seine amerikanischen Wurzeln und zeigt das actiongeladene Rise of the Tomb Raider, die erneute Rückkehr von Lara Croft. Zu guter Letzt gibt es noch einen Einblick in The Witcher 3: Wild Hunt. Letzteres sieht immer noch genauso gut aus wie im letzten Jahr, hat sich aber um einige Schritte weiterentwickelt, wie eine Gameplay-Demo belegt. Ebenfalls aus dem letzten Jahr lässt sich Tom Clancy’s: The Division wieder blicken – viel Neues gibt es hier allerdings nicht. Zum Schluss zeigt Platinum Games mit Scalebound, dass es selbstverständlich in Zukunft auch Teile der japanischen Action exklusiv auf der Xbox One geben wird!

Geschrieben von Jonas Maier und ergänzt durch Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Microsoft-Pressekonferenz): Im letzten Jahr hat Microsoft die ersten Spiele für die Xbox One vorgestellt, die mittlerweile so gut wie alle erschienen sind. Entsprechend hoch war meine Erwartung an die diesjährige Pressekonferenz auf der Electronic Entertainment Expo. Dass natürlich wieder jede Menge Titel vorgestellt werden, die auch auf der PlayStation 4 oder dem PC ein Zuhause finden werden, war mir zwar im Vornherein klar, doch gerade dadurch verliert die Xbox One an Alleinstellungsmerkmalen. Interessant waren für mich definitiv die Vorstellung von Forza Horizon 2, welches jedoch auch für die Xbox 360 erscheinen wird. Ein Kaufgrund weniger für die Xbox One! Ebenfalls nett ist die Zusammenstellung von vier Ego-Shootern der Halo-Reihe. Diese ist für mich jedoch ebenfalls kein Kaufgrund für Microsofts Konsole, da drei der Spiele auch für die Xbox 360 erhältlich sind. Herausstechend ist jedoch vor allem Sunset Overdrive. Ein irrsinniger Titel, den ich bereits im letzten Jahr unbedingt spielen wollte. Genauso spannend finde ich die Idee von Fable Legends; zu viert durch Albion zu reisen und auf Monsterjagd zu gehen, macht sicherlich eine Menge Spaß. Unterm Strich ist mir das alles jedoch zu wenig. Microsoft muss verstehen, dass sie ihre Konsole jetzt und nicht erst nächstes Jahr verkaufen müssen. Der Vorsprung zur PlayStation 4 ist so nur schwer aufzuholen. Da hilft es auch nicht, dass man auf die Nennung von Kinect verzichtet. Von der ursprünglichen Vision der Xbox One, so verachtend ich sie auch finde, ist nichts mehr geblieben. Microsoft hätte am Ende der Pressekonferenz eine Überraschung liefern müssen, doch diese ist zur Enttäuschung aller wieder einmal ausgeblieben. Zum Kauf der Konsole wird mich Microsoft so nicht bewegen!

Jonas’ Fazit (basierend auf der Microsoft-Pressekonferenz): Schlag auf Schlag ging es bei dieser eineinhalbstündigen Konferenz. Microsoft hat eindeutig bewiesen, dass sie alles versuchen werden, ihre Glaubhaftigkeit gegenüber ihren Spielern wiederherzustellen. Wenig bis kaum wurde um den heißen Brei herumgeredet und die Spiele standen im Mittelpunkt. Keinerlei Kinect, Motion Control oder SmartGlass. Selbst die Bühne war nur noch wenige Quadratmeter breit und die meiste Zeit wurde den Bildschirmen gewidmet. An den Spielen selbst hat sich aber wenig geändert. Die Action lag im Fokus und andere Genres reihten sich kaum darunter. Überraschungen waren dafür auch in der Unterzahl; besonders jene, die exklusiv für die Xbox One bestimmt sind. Zu meinen Highlights zählen auf jeden Fall The Rise of the Tomb Raider und The Division. Daneben hat mich aber auch das neueste Assassin’s Creed positiv gestimmt, womit ich in den vorherigen Jahren noch nicht so viel anfangen konnte. Im Grunde hat Microsoft genau das abgeliefert, was sie machen mussten, nur die Knaller, die noch nicht geleaked wurden, blieben aus.

Review: Coelacanth (Band 2)

Coelacanth (Band 2)Dank der akkuraten polizeilichen Arbeit – also einem Zufall – ist nun die Verbindung zwischen dem Fall vor über zehn Jahren und dem ermordeten Schullehrer von Hisano hergestellt worden. Kurioserweise war sowohl Hisano als auch ein längst vergessener Kindheitsfreund damals wie heute vor Ort beziehungsweise in die Angelegenheit verwickelt. Zentrales Element auch dieses Mangas bleibt also eine Mischung aus komplexen Beziehungsgeflechten und krimiartigen Vorfällen. Zwar springt die erzählende Perspektive gerne von einer Personengruppe zur nächsten, mehr als die jeweiligen Figuren weiß der Leser aber auch nicht. Hisanos Freund Kentaro tritt auch weiter aus seinem Schatten heraus und versucht die eindeutig niedergeschlagene Hisano aufzumuntern – das klappt aber besser bei uns als bei ihr, denn auch wenn der Manga ernste Thematiken anspricht, passt der zeitweise eingeschobene Slapstick-Humor überraschend gut. Die melancholische Seite überwiegt natürlich trotzdem, darüber kann auch der eine oder andere eingestreute Lacher nicht hinwegtäuschen.

Die betörende Vernunft

Nun hat sich Hisano zu entscheiden: Schlägt sie sich auf die Seite der Polizei oder lässt sie sich doch von ihren Gefühlen steuern. Ihr Schaf ist ihr dabei auch keine große Hilfe und findet die gesamte Situation ungemein ulkig. Ähnlich wie der Leser, ist der pelzige Begleiter als Beobachter immer und überall dabei, aber eben als fiktive Figur von der Handlung genauso wenig betroffen wie wir – mit dem Unterschied, dass es wesentlich gehässiger ist, als wir es jemals sein könnten. Für Hisano wird es nun immer schwerer, die reellen Tatsachen von den vom Schaf geprägten Passagen zu unterscheiden. Entscheidungen aufzuschieben, vergrößert auch nur den belastenden Druck. Diese müssen dann wohl auf den finalen Seiten getroffen werden, die der Autor Kayoko Shimotsuki konstruiert und sein Illustrator Miyako Nonaka stimmig in Szene gesetzt hat. Wie sowohl von einem Krimi als auch von guten Liebesgeschichten erwartet, löst sich alles erst ganz zum Schluss auf, diese letzten Seiten sind dann aber auch besonders lesenswert.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Zwei Bände bieten genug an Länge, um eine solch verwobene wie verzwickte Geschichte vor dem Kosumenten auszurollen und dennoch vollends abzuschließen. Nie hatte der Manga Längen und unterhält dazu durchweg mit einer umfassenden Genre-Vielfalt, so dass für jeden Leser etwas dabei sein sollte. Gleichzieitig tritt damit auch jeder in Kontakt mit etwas Neuem, was den eigenen Horizont erweitert und sogar neue Geschmacksrichtungen erschließen könnte. Da können wir auch über die 190 Seiten des Bandes hinwegsehen, der damit etwas knapper bemessen ist, als etwa vergleichbare Manga. Der Eindruck, den der Zweiteiler beim Lesen hinterlässt, ist dennoch einmalig und zeugt von der Einzigartigkeit des Mediums.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Coelacanth (Band 2)!

Review: Soul Eater (Vol. 3)

Soul Eater Vol.3 (1)Ganz besonderes Glück haben wohl die Fans von Soul Eater. Denn selten werden Produktionen, nachdem sie schon seit längerem tot geglaubt und sie von den meisten eigentlich schon abgeschrieben wurden, doch noch fortgesetzt. Bei der deutschen DVD-Fassung von Soul Eater ist dies glücklicherweise der Fall.

Soul Eater Vol.3 (2)Die Gründe dafür lässt Publisher Polyband natürlich im Unklaren – das kann uns aber im Angesicht des nun doch frisch erschienenen dritten Volumens der markanten sowie lustigen Abenteuer-Serie jedoch vollkommen egal sein, denn in Death City blieb noch immer alles beim Alten. Noch immer gehen Soul, Maka sowie all die anderen bekannten Gesichter auf die Shibusen, eine spezielle Schule für Waffenhandwerk. Um dem immer wiederkehrenden bösen Gestalten Einhalt zu gebieten, werden dort die sogenannten Waffenmeister, wie Maka zum Beispiel eine ist, mit ihren besonderen Waffen-Partnern, in diesem Fall Soul, ausgebildet. Das kennen wir soweit noch aus den beiden vorherigen Volumes und heißt nicht nur, dass das für die beiden Partner ein ausgeprägtes Vertrauen zwischen und zueinander bedeutet, sondern auch zwei starke Seelen, die sich am Besten in Form der Seelenresonanz synchronisieren. Unglücklicherweise ist Maka noch von ihren vorherigen Kämpfen angeschlagen und dennoch muss sich das eingespielte Team schon wieder zusammenraffen, um der bisher größten Bedrohung entgegenzutreten. Denn der Moralmanipulator ist für die Shibusen genauso gefährlich, wie für uns sein Name komisch.

Alte Bekannte

Soul Eater Vol.3 (3)Inhaltlich versucht Soul Eater wie immer mit seinem aufdringlichen Setting interessant zu wirken, doch dahinter verbirgt sich aber natürlich ein gewöhnlicher Abenteuer-Shōnen mit einer gehörigen Portion Action. Die Stärken sowie unverkennbaren Erkennungsmerkmale liegen deswegen auch bei den verschrobenen Figuren, deren Gewohnheiten und deren humoristische Leichtigkeit, mit der auch wirklich jedes Thema angegangen wird. Nach getaner Arbeit verbleiben nämlich nur wenige Waffen freiwillig in ihrer tödlichen Form und verwandeln sich lieber in ganz gewöhnliche Menschen – für Soul-Eater-Verhältnisse natürlich. Denn die Beziehungen zwischen Waffen und ihren Meistern sind mindestens so schräg wie die Charaktere selbst. Besteht zum Beispiel zwischen Maka und Soul eine freundschaftliche Beziehung, wird der unsichere Typ Chrona dagegen regelmäßig von seinem Schwert Ragnarök schikaniert. Am besten gefällt uns aber immer noch der manische Death the Kid, mit seinem Symmetrie-Komplex. Nichts mag er lieber als Muster und Formen, seine zwei eigensinnigen und tollpatschigen Pistolen Liz und Patty sind ihm da nicht selten im Weg, was immer für einen Lacher gut ist.

Beseelte Bilder

Soul Eater Vol.3 (4)Die deutschsprachige Synchronisation befindet sich mit anderen Anime-Lokalisationen auf einem vergleichbarem Niveau. Hier und da wurde Eigeninitiative gezeigt, um passende deutsche Begriffe und Wortwitze einzubauen, im Gegenzug gibt es aber vergleichbar viele Lücken, besonders bei Schreien oder Ausrufen, in die dann einfach die japanische Original-Tonspur eingefügt wurde. Das ist generell kein Problem, solange diese Passagen nicht zu sehr herausstechen, was sie bei einem direkt erkennbaren Wechsel der Charakter-Stimme aber leider hin und wieder tun. Für alle Meckerer gibt es aber natürlich auch die vollständige japanische Sprachausgabe zusammen mit unabhängig davon geschalteten Untertiteln. Und endlich gibt es auch ein neues Opening zu bestaunen. Ganze zwölf Folgen für einen vergleichsweise sehr günstigen Preis sind für den deutschen Anime-Markt eine echte Rarität und stellen solche kleine Anmerkungen tief in den Schatten. Obwohl Soul Eater natürlich schon auf dem Online-Videoportal MyVideo kostenlos zu sehen, ist es immer noch ein ganz anderes Gefühl, dann doch die physischen Scheiben eines solchen Klassikers sicher im Regal zu wissen.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Soul Eater gehört zu einer der wenigen Serien, die ich bedingungslos lange am Stück konsumieren kann. Das liegt weniger an der treibenden Handlung, sondern an der besonders bunten Vielfalt an Figuren, Eigenartigkeiten und Thematiken, die mich im Minutentakt immer wieder aufs Neue zu begeistern wissen. Es macht einfach Spaß, sich in diesem unterhaltsamen Universum zurechtzufinden und Stück für Stück ihre Eigenheiten (wovon es wahrhaftig genug gibt) zu ergründen. Auf den beiden DVDs befinden sich zwar keine Extras, da diese sich sowieso meist erzwungen anfühlen anstatt tatsächlich etwas zu vermitteln und ich auch nicht das Gefühl hatte irgendetwas zu vermissen, stört mich das nicht weiter. Dagegen ist ein kategorisches Wendecover, um dem nervigen grünen FSK-Hinweis zu entgehen, auch wieder mit dabei. Beide DVDs sind mit insgesamt zwölf Folgen gut gefüllt, zum Probeschauen, ob euch diese Art von Anime zusagt, könnt ihr natürlich auch auf MyVideo zurückgreifen. Denn Soul Eater ist nicht, wie man vielleicht meinen möchte, nur für das junge Publikum vorbehalten.

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Soul Eater (Vol. 3)!

Review: Shi Ki (Band 7)

Shi Ki (Band 7)Mit den medizinischen Versuchen an seiner eigenen Frau zeigt Ozaki nicht nur erneut wie ernst es ihm ist, gegen die vampirartigen Okiagari vorzugehen, sondern besitzt er nun auch das entsprechende Wissen über sie. Dieser Vorteil verflüchtigt sich jedoch schlagartig, als er nun endlich auf die Idee kommt, Hilfe von außerhalb anzufordern. Denn die Okiagari haben nicht nur die örtlichen Behörden größtenteils übernommen, sondern halten dazu auch alle Verdächtigen in Schach. Es scheint, als spielen sie regelrecht mit denen im Dorf eingepferchten Menschen, die ihnen zweifelsohne unterlegen sind, aber immer noch ihre Nahrung – also Existenzgrundlage – darstellen. Je mehr neue Menschen sie zu ihresgleichen machen, desto unkontrollierbarer wird gleichzeitig auch die eigene Gruppierung. Deswegen wendet sich Natsuno schlussendlich auch an den Doktor, um ein Team zu bilden, in dem sich beide Spezies zusammentun. Mit dessen neuen Erkenntnissen und Natsunos Fähigkeiten wollen sie es nur zu zweit mit der Übermacht aufnehmen.

Aus dem Leben eines Vampirs

Zunächst operieren sie undercover – also am helllichten Tag – schließlich haben die Okiagari trotz ihrer erstaunlichen Fähigkeiten dem Sonnenlicht nichts entgegenzusetzen. In diesem Band wird die Geschichte nun fast schon einseitig aus der Sicht dieser Antagonisten erzählt. Auch sie besitzen schon ausgewachsene Strukturen und eine Hierarchie – was natürlich Konfliktpotential birgt. Daneben erweist sich die Übernahme des abgelegenen Bergdorfs Sotoba doch als schwieriger, als erwartet. Aber zum Glück ahnen bisher nur die wenigsten der verschlafenen Dörfler, was sich wirklich hinter den zahllosen Todesfällen und den damit einhergehenden verschwundenen Leichen verbirgt. Obwohl natürlich in schwarzweiß gezeichnet, bring Ryu Fujisaki mit einer ganzen Palette an Details und einer bemerkenswerten zeichnerischen Vielfalt mehr Leben in seine Bilder, als so mancher Regisseur in seine Farbfilme. An diesen Effekten sehen wir uns schwerlich satt, selbst wenn sie wieder einmal die Gewaltdarstellungen sehr erschreckend darstellen. Kein Wunder, dass auch dieser Band erst an Sechzehnjährige empfohlen wird.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Die Manga-Reihe ist noch genauso attraktiv und schön anzusehen, wie auf den ersten Seiten, aber inhaltlich kommt Shi Ki bis jetzt nur schwerlich voran. Viel lieber kreist Fuyumi Ono immer weiter um die zentralen Handlungspunkte herum, wobei die tatsächlich relevanten Ereignisse auf wesentlich weniger Seiten hätte zusammengefasst werden können. Das ändert sich in diesem Band nur marginal. Lustigerweise wird es zum Schluss hin trotzdem immer spannend und im Endeffekt ärgern wir uns, dass es schon wieder so schnell zu Ende ging. Der nächste Manga darf also gerne schleunigst erscheinen!

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shi Ki (Band 7)!

Review: Coelacanth (Band 1)

Coelacanth (Band 1)Coelacanth, zu deutsch Quastenflosser, bringt den Leser erst einmal zum Nachdenken, inwiefern dieser Mystery-Manga mit dieser Fischsorte zu tun hat. Zunächst steht nämlich der kuriose Mord an Hisanos ehemaligen Mathematiklehrer im Mittelpunkt. Obwohl nicht sonderlich beliebt unter den Schülern, bringt dieser Vorfall den einen oder anderen Mitschüler doch aus der Fassung, nicht aber Hisano. Generell scheint mit ihr nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen. Denn sie wundert sich auch kaum über ihren neusten ständigen Begleiter, ein sprechendes Schaf, welches anscheinend nur sie sehen kann und der Handlung des Mangas genauso treu folgt wie wir. Ominöserweise trifft sie zusätzlich nach nur wenigen Seiten wieder auf eine Person, an die sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr gedacht hat. Aus dieser Menge seltsamer Vorfälle, deren Verflechtung unbestreitbar sind, werden weder wir, noch Hisano oder das Schaf schlau. Fragt sich nur, ob die polizeilichen Ermittler nicht doch einen Zusammenhang herstellen können. Denn da war ja immer noch dieser Mord, der auch unter diesen seltsamen Umständen natürlich nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Das süffisante Schaf

Das Schaf dient als Sidekick, aber welchem tatsächlichen Zweck es dient und welche Seite von Hisano es reflektiert, wird nicht direkt behandelt. Das anscheinend unsichtbare Tier sorgt für eine abwechslungsreiche Erzählstruktur, da es hin und wieder in Diskussionen das Wort ergreift, um Hisano zu tadeln – sie wird also symbolisch selbst zum Schaf – oder sich direkt über sie lustig zu machen. Ironischerweise übernimmt es somit oftmals die Stimme der Vernunft, obwohl Hisano ein recht geerdeter Charakter ist und alles andere als gefühlskalt, was sie aber bald selbst gegenüber eines bestimmten jungen Mannes herausfinden wird. Das Gesamtwerk vom Autor Kayoko Shimotsuki ist auf zwei Bände aufgeteilt, sodass die Story von einem klar strukturierten Aufbau profitiert. Auch wenn sicher nicht alle Leser mit dem ersten Band zufriedengestellt werden, können sie sich sicher sein, in der Fortsetzung auf die Antworten ihrer Fragen zu stoßen. Solide Zeichnungen und eine saubere Lokalisierung erübrigen die letzten Zweifel an einer Empfehlung. Zeit müssen Interessenten ja nicht wirklich haben, dafür aber die ausgewogene Portion an Anspruch und Muse.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Ausgabe): Trotz der ernsten Thematik lässt es sich Kayoko Shimotsuki nicht nehmen, für den einen oder anderen Lacher zu sorgen, die für mich keinesfalls fehlplatziert wirken. Der Manga hebt sich mit dieser Genre-Mischung, der im Verlaufe neben Comedy noch Anteile von Romace und Drama folgen, aus der Masse empor. Besonders wenn der Manga hin und wieder etwas schwermütig, gar melancholisch wird, ist der humoristische Aspekt nicht zu verachten. Ausschlaggebend ist natürlich auch der wollige Charakter, denn ein selbstgefälliges Schaf erleben wir nicht alle Tage in Aktion, erst recht nicht in einem realitätsnahen Umfeld. Dazu kommt noch die würzige Kürze, durch die auch Leute mit weniger Zeit Erfahrungen sammeln, die vielleicht sonst nur in Mangas mit zahlreichen Bänden gemacht werden können.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Coelacanth (Band 1)!