Review: Izetta, die letzte Hexe (Vol. 1)

Zwischen Oktober und Dezember 2016 flimmerte die zwölfteilige Anime-Serie Izetta, die letzte Hexe auf dem Bezahlfernsehsender Anime Theater X über die Fernsehbildschirme Japans. Fast genau vier Jahre später hat sich Kazé Anime dazu entschlossen, die Serie von Fujimori Masaya hierzulande – aufgeteilt auf zwei Episodenpakete – zu veröffentlichen.

Alternative Geschichte ist ein Szenario, das schon viele Romane, Filme und Serien inspiriert hat. Während das prägnanteste Beispiel wohl The Man in the High Castle respektive Das Orakel vom Berge sein dürfte, tauchen auch mehr und mehr Anime auf, die sich der Thematik annehmen. Beispielsweise beschäftigt sich die Anime-Serie Saga of Tanya the Evil mit einer fiktiven Version des Ersten Weltkriegs. Izetta, die letzte Hexe konzentriert sich stattdessen auf die noch sehr viel düstere Zeit des Zweiten Weltkriegs, verpasst ihr jedoch einige fiktive und gar fantasiereiche Merkmale. Zu Beginn der Handlung befindet sich Protagonistin Ortfiné „Finé“ Fredericka von Eylstadt zusammen mit ihren Begleitern Hermann und Tobias auf einer Reise durch den neutralen Staat Westria. Dort wird sie allerdings vom Feind aufgespürt. Die Germanen versuchen alles in ihrer Macht stehende, um die Tochter des Großherzogs in ihre Hände zu bekommen. Um einen Einmarsch des Feindes zu verhindern, will sie sich in einem Opernhaus mit Lord Redford, dem Außenminister von Britannia kurzschließen, um Beistand von den Alliierten zu erhalten. Allerdings muss dieser ihr die Hilfe verwehren, denn während der Unterredung ist es den Germanen gelungen, ins Großherzogtum Eylstadt einzumarschieren. Wenige Sekunden später wird Finé von den Germanen verhaftet und in ein Flugzeug gezerrt.

Parallelen zur Realität

Unerwartet erhält die Adlige Hilfe von einer Freundin aus Kindheitstagen, der titelgebenden Hexe Izetta. Diese wurde ebenfalls vom Kaiserreich Germania gefangen genommen und in einer Kapsel aufbewahrt, die sich während des Flugs allerdings öffnet. Mehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten, denn die Freundschaft der beiden ist einer der zentralen Punkte der Handlung. Über die Hintergründe wird der Zuschauer peu à peu mittels Rückblenden in die Kindheit der beiden Figuren aufgeklärt. Es entwickelt sich darüber hinaus eine spannende Story, die sich um Flucht, Vergangenheitsbewältigung, Zusammenhalt, Freundschaft und dem Kampf gegen die Germanen dreht. Hinzu kommt, dass die Geschichte auch starke politische Züge annimmt,  in der die einzelnen Charaktere verwickelt sind und bestimmte Funktionen im Machtgefüge einnehmen. Ohne zu spoilern sei gesagt, dass sowohl Finé als auch Izetta zwei tragende Rollen in diesem Krieg einnehmen. Ähnlich wie das Videospiel Valkyria Chronicles 4 zieht Izetta, die letzte Hexe außerdem viele Parallelen zur Realität. Das beginnt bereits bei historischen Daten, denn das Kaiserreich Germania hat ähnlich wie das Deutsche Reich am 1. September 1939 seinen Nachbarstaat überfallen und daran anknüpfend in den folgenden Monaten noch weitere Blitzkriege gegen die umliegenden Länder geführt und auch gewonnen.

Erschreckendes Abbild des Krieges

Alle fiktiven Staaten, die in Izetta, die letzte Hexe erwähnt werden, können realen Vorbildern zugeordnet werden. Zum Beispiel entspricht Eylstadt dem Fürstentum Liechtenstein, Livonia ist wiederum nur eine andere Bezeichnung für Polen. Britannia und Germania dürfen wohl selbsterklärend sein. Weitere Einflüsse haben Gepflogenheiten wie der Gruß der Germanen, der dem der Nationalsozialisten ähnlich ist. An der Skyline von Neu-Berlin, der Hauptstadt von Germania, ist zudem ein Gebäude zu sehen, das der nie realisierten Großen Halle von Albert Speer ähnelt. Wer sich mit der Abfolge der Ereignisse auskennt und zwischen Fiktion und Wirklichkeit bei diesem Thema unterscheiden kann, wird noch besser in die Geschichte von Izetta, die letzte Hexe eintauchen. Stilistisch zeichnet die Serie ein nachvollziehbares Bild vom Grauen des Krieges. Panzereinsatz, durch die Luft schnellende Gewehrschüsse und der daraus resultierender Rauch schreckt ab. Hinzu kommt, dass viele Farben sehr blass sind und in manchen Szenen sogar bewusst ein Sepiafilter zum Einsatz kommt. Die detailreichen und erwachsen gezeichneten Charaktermodelle stechen bei all dem besonders heraus, da sie sehr flüssig animiert sind und besonders in actionreichen Szenen eine wahre Bereicherung für die regelrecht paralysierende Optik im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p sind.

Verschenktes Potenzial beim Bonusmaterial

Akustisch wird Izetta, die letzte Hexe mit der passenden Musik unterlegt. Während in ruhigen Szenen dezente Töne angeschlagen werden, kommt es in den hitzigen und spannenden Momenten im Tonformat Dolby Digital 2.0 unter anderem zum Einsatz von Gesang, der vor allem die dynamischen Kriegsereignisse regelrecht anheizt. Bei den Synchronsprechern gibt es Talente wie Hayami Saori oder Akaneya Himika zu hören, die Finé und Izetta ihre Stimmen leihen. In der deutschen Fassung werden die beiden von Lea Kalbhenn und Eleni Möller gesprochen. Digitales Bonusmaterial sucht der Zuschauer auf der Blu-ray Disc nahezu vergeblich. Es gibt hier lediglich ein Clean Opening und ein Clean Ending, das sich der Zuschauer anschauen kann. Interviews mit dem Regisseur und den verantwortlichen Köpfen des Projekts gibt es nicht, was ein wenig schade ist. Hier hätten die Verantwortlichen bei Animationsstudio Ajiadō Animation Works durchaus Stellung beziehen können, warum sie sich für das Setting entschieden hat und welche Parallelen sie zur Realität gezogen haben, auf die der Zuschauer vielleicht nicht sofort aufmerksam wird. Dafür entschädigt laut den Herstellerangaben auf der Website ein 56-seitiges Booklet, das für diesen Test aber nicht zur Verfügung stand. Es ist jedoch von der gewohnten Qualität des Publishers auszugehen. Abgesehen von den dürren Boni überzeugt Izetta, die letzte Hexe aber auf ganzer Linie, denn Story, Charaktere und Artstyle ergeben ein stimmiges und erinnerungswürdiges Gesamtbild.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Izetta, die letzte Hexe gehört definitiv zu den Anime-Serien, denen einfach zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Dabei fasziniert das Werk von Regisseur Fujimori Masaya mit einer düsteren Story inklusive einiger Wendungen und Überraschungen so gut, dass es sich nicht vor anderen Werken wie Saga of Tanya the Evil verstecken muss. Hinzu kommen detailreiche und vor allem erwachsene Charaktere, die sich in einer vom Krieg zerrissenen Welt behaupten müssen. Dabei vermischt die Serie die Realität mit der Fiktion so gekonnt, dass das Ergebnis nicht nur nachvollziehbar, sondern vor allem glaubhaft ist. Wer sich mit den letzten Jahren des Deutschen Reichs auskennt, wird hier viele Ansatzpunkte finden, die Animationsstudio Ajiadō Animation Works verarbeitet und mit einem gesunden Fantasy-Anteil aufgemöbelt hat. Auch optisch und akustisch mischt die Serie in der oberen Liga mit. Lediglich das Bonusmaterial der ersten Volume fällt etwas zu karg aus. Bleibt zu hoffen, dass die zweite Ausgabe der Serie zum einen das besser macht und zum anderen die Geschichte stringent zu Ende führt, da Izetta, die letzte Hexe bereits nach zwölf Episoden beendet und seither auch nicht fortgeführt wurde.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Izetta, die letzte Hexe (Vol. 1)!

Review: Elliot Quest

Action-Adventures wie The Legend of Zelda oder Metroid haben bereits in den 1980er Jahren das Genre definiert. Auch heute noch gibt es viele Nachahmer, die das Spielkonzept mal mehr und mal weniger gut einfangen. Elliot Quest gehört definitiv zu den besten Titeln seiner Zunft.

Ein Fluch kann durchaus lästig sein, wie der titelgebende Held Elliot leidlich am eigenen Leib feststellen muss. Nachdem ihn der böse Dämon Satar verflucht hat, wird unser Protagonist Tag für Tag schwächer und büßt somit nach und nach seine Lebenskraft ein. Unsere Aufgabe ist es, mit Elliot das Inselreich Urele zu bereisen, nach einem Heilmittel zu suchen und am Ende Satar ins ewige Nirwana zu katapultieren. Bis wir dieses Ziel jedoch erst einmal erreicht haben, vergehen gut und gerne um die zehn Spielstunden, die allerdings mit reichlich Abwechslung gespickt sind. Das liegt daran, dass es nicht unbedingt den roten Pfaden durchs Spiel gibt, denn der Titel lässt uns sehr häufig die Wahl, in welche Richtung wir als nächstes unseren Weg einschlagen. Über eine optisch übersichtliche, aber eigentlich doch verwinkelte Weltkarte können wir die Insel aus der Vogelperspektive relativ frei erkunden und sobald wir Wälder, Höhlen, Städte, Bergpässe oder Tempel entdecken, dürfen wir diese auf Knopfdruck rasch betreten. Anschließend wechselt die Ansicht in die zweidimensionale Seitenperspektive, die uns unter anderem an den Genre-Klassiker Zelda II: The Adventure of Link erinnert. In dieser Ansicht erforschen wir aber nicht nur im dichten Fichtendickicht oder in Ruinen die Spielwelt, sondern müssen auch gegen Monster kämpfen und meist einfache Rätsel lösen.

Freie Charakterentwicklung

Ausgerüstet sind wir von Beginn an nur mit Pfeil und Bogen. Zu Spielbeginn müssen wir mit der Schusswaffe nämlich nicht nur den Gegnern, sondern auch der Schwerkraft trotzen. Die Pfeile fallen nämlich physikalisch korrekt zu Boden, sodass wir den Abschusspunkt ebenfalls mit in unsere Berechnung beim Kampf gegen die Feinde aufnehmen sollten. Hinzu kommt, dass die Monstervielfalt durchaus groß ist und so gut wie jeder Feind anders agiert. Skelette setzen sich wieder zusammen, ein Schleim teilt sich nach mehreren Treffern in zwei Blobs auf, Riesenschildkröten ziehen sich in ihren Panzer zurück, Fledermäuse nehmen schnell unsere Verfolgung auf und andere Gegner spucken unaufhaltsam Geschosse auf uns. Die Kämpfe bleiben dadurch spannend und abwechslungsreich und belohnen uns mit Erfahrungspunkten, die schließlich kumuliert unseren Level um eine Stufe anheben. Mit jedem Stufenaufstieg winkt zudem ein Fertigkeitspunkt, den wir auf unsere Attribute wie Stärke oder Geschick verteilen dürfen. So kommen wir in den vielfältigen Genuss von neuen Talenten, die Elliot Quest leichter beziehungsweise angenehmer machen. Beispielsweise können wir schneller Pfeile schießen oder regenerieren automatisch unsere Wunden. Wie die freie Welterkundung dürfen wir unseren Helden beliebig anpassen. Dennoch bleibt der Titel stets herausfordernd.

Spannendes Action-Adventure

Das liegt zum einen daran, dass wir einen gehörigen Teil unserer Erfahrungspunkte verlieren, wenn unsere Lebensenergie auf Null fällt. Es empfiehlt sich also vor allem in den ersten zähen Spielstunden Heiltränke oder Teleportfedern für die Rückkehr zur Stadt mitzuführen. Zum anderen könnte die freie Welterkundung für den einen oder anderen Spieler eher zur Qual als zur Freude werden. Items wie ein Schild, um feindliche Geschosse abzuwehren oder ein Amulett, um Blöcke verschieben zu können, sind nämlich hin und wieder obligatorisch für den Fortschritt. Dennoch hatten wir nie das Gefühl, dass die Laufwege dadurch in die Länge gezogen werden. Nur das Fehlen von Hinweistexten beim (erstmaligen) Finden eines Gegenstandes stößt uns bitter auf. Hier fängt der Titel zu stark den Aufbau seiner Vorbilder aus den 1980er Jahren ein. Technisch macht das Spiel seinen Vorbildern hingegen alle Ehre. Mit dem fantastischen Retro-Grafikstil, der sich stark an der römisch-griechischen Mythologie orientiert, und der dazugehörigen Musik, wird eine dichte Atmosphäre erzeugt – vor allem wenn parallel in der Erzählung erwachsene Themen wie Suizid oder Tod behandelt werden. Toll! Fans von Action-Adventures müssen Elliot Quest aufgrund seiner Spielwelt und der Vielzahl an Hommagen auf bekannte Videospielserien unbedingt spielen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der 3DS-Fassung): Elliot Quest macht nicht nur auf den Heimkonsolen und dem PC, sondern auch auf dem 3DS jede Menge Spaß. Auch wenn der Publisher den Titel erst mit dem Patch einige Wochen nach Release vernünftig spielbar gemacht hat, handelt es sich bei Elliot Quest nach wie vor um ein sehr gutes Action-Adventure. Die freie Erkundung der Spielwelt gefällt mir sehr gut, die Monster sind vielfältig gestaltet, die Kämpfe anspruchsvoll und die Gegenstände abwechslungsreich. Einen Blumentopf für Ideenreichtum verdienen die Entwickler aber nicht, da man das Spielkonzept so schon vor zwanzig bis dreißig Jahren kannte und in Elliot Quest im Grunde nur ein Best-of abgefeiert wird. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, da die Entwickler die Elemente wirklich gut kombiniert haben und jeder der einmal ein Spiel erleben will, das sich an klassischen Genre-Größen orientiert, muss hier zuschlagen!

Review: Harukana Receive (Vol. 1)

Vom 24. August 2016 bis zum 24. September 2020 erschien die Manga-Reihe Harukana Receive in Japan. Im Sommer 2018 folgte zwischenzeitlich eine Anime-Adaption, die einen Teil der Geschichte über Freundschaft und der Leidenschaft zum Beach-Volleyball-Sport abdeckt.

Eine Sportart in einer Anime-Serie zu behandeln, ist keine Seltenheit. Fußball, Basketball, Baseball und auch Volleyball sind aufgrund der Team-Mechanik hervorragend dafür geeignet. Harukana Receive kann zwar nicht mit der Episodenlänge von Haikyū!! oder gar dem alten Klassiker Mila Superstar mithalten, doch reichen die insgesamt zwölf Folgen, die auf zwei Volumes aufgeteilt sind, durchaus für eine kurzweilige und spaßige Geschichte aus. In der ersten Volume von Harukana Receive werden die Grundlagen für die Serie gelegt. Auf der einen Seite lernt der Zuschauer die Protagonisten und auf der anderen Seite die Regeln des Beach-Volleyballs kennen. Während der Sommerferien besucht die großgewachsene Ōzora Haruka ihre Großmutter auf Okinawa. Dort lebt auch ihre Cousine Higa Kanata, die seit ihrem letzten Treffen vor vielen Jahren jedoch nicht gerade in die Höhe geschossen ist. Kaum sind die beiden Cousinen am Strand angelangt, machen sie Bekanntschaft mit Tachibana Ayasa und Tōi Narumi. Sie spielen Beach-Volleyball miteinander, wodurch Haruka tatsächlich auf den Geschmack kommt. Narumi macht auf Harukas Frage nach einer Revanche zudem das Angebot, nach einer Woche ein weiteres Mal gegeneinander anzutreten, wenn sie mehr über den Sport gelernt hat. Ihre Cousine Kanata soll als ihre persönliche Lehrerin fungieren.

Seichte, aber unterhaltsame Story

Anstrengen müssen sich hierbei sowohl Haruka als auch Kanata. Während Haruka eine blutige, aber nicht untalentierte Anfängerin ist, hat Kanata den Kontakt zum Sport vor einiger Zeit verloren. Durch das gemeinsame Training verbessern sich nicht nur ihre Fähigkeiten. Auch ihre eingeschlafene Freundschaft vertieft sich dadurch. Harukana Receive ist somit in gewisser Weise eine Gute-Laune-Serie, da sie vor allem auf Ideen wie Vertrauen, Verständnis und Ehrgeiz basiert. Letzterer Aspekt sorgt dafür, dass sich die Charaktere im steten Wettkampf ständig neue Techniken, Angriffs- und Verteidigungsmuster ausdenken müssen. Das Geschehen bleibt somit nicht nur für das titelgebende Duo bis zum Matchball spannend, sondern auch für den Zuschauer. Natürlich ist der Aufbau bis zu einem gewissen Grad überdramatisiert, aber das ist für das Genre ohnehin üblich und vom Zuschauer womöglich so gewollt. In der dritten Folge treten mit Claire und Emily Thomas zwei weitere Oberschülerinnen dem Ensemble bei. Ebenso sei gesagt, dass mit Okinawa kaum ein besserer Handlungsort für die Sportart gewählt werden konnte. Steter Sonnenschein, blauer Himmel mit wenigen Wolken, weiße Strände und kristallklares Wasser sind eine traumhaft schöne Kulisse für die Story und liebevollen Charaktere. Da macht das Zuschauen nicht nur aufgrund der Handlung Spaß!

Zwischen Humor und Fanservice

In puncto Humor setzt Harukana Receive vor allem auf überdrehte Späße, die mit reichlich überzeichneter Gestik und Mimik gespickt sind. Herausragend ist der Humor zwar nie, doch ist er zumindest der Prämisse angemessen. Ein wenig anders sieht es allerdings bei den häufig eingesetzten Szenen aus, in denen die Körper der durchweg weiblichen Figuren in bestimmte Posen gebracht werden. Hier werden gewisse Körperstellen unnötig stark betont und selbst Umarmungen können mit einem romantischen und möglicherweise sogar erotischen Unterton falsch verstanden werden. Darüber hinaus reden die Charaktere sogar stellenweise darüber. Letzteres ist noch nachzuvollziehen, die anderen Inhalte brauchen weder Story noch Setting nicht. Es ist in gewisser Weise Fanservice, auf den sich der Zuschauer einlassen muss, will er Freude an der Anime-Serie haben. In puncto Bonusmaterial gibt es im digitalen Bereich der Blu-ray Disc lediglich ein Clean Opening und ein Clean Ending. Interviews oder Making-ofs gibt es leider nicht. Wer mehr über Harukana Receive erfahren will, kann aber zumindest laut Herstellerangaben in einem 28-seitigen Booklet schmökern. Wer sich abseits dessen mit den Charakteren verbunden fühlen möchte, darf sich außerdem ein Poster an die Wand nageln.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Harukana Receive erzählt eine seichte Geschichte, die nicht wirklich große Höhen und Tiefen durchlebt. Zumindest ist in den ersten sechs Episoden davon nichts zu spüren. Das heißt aber nicht, dass die Anime-Serie aus dem Jahr 2018 nicht unterhaltsam sein kann. Mir gefallen die liebevoll gestalteten Charaktere und die Bindung, die sie zueinander aufbauen und pflegen. Auch das Konkurrenzdenken passt in die Serienhandlung hinein. Es ist eben ein buntes Werk, das sich der Zuschauer vor allem im Sommer anschauen kann, um ein paar zusätzliche positive Vibes abzuholen. Wer das große Drama wie in Mila Superstar erwartet, wird aber vermutlich gegen den Kopf gestoßen, denn lediglich im Beach-Volleyball-Spiel punktet die Dramatik. Fanservice-Gegner werden mit der Serie auch weniger anfangen können, da ein paar Szenen durchaus fehlinterpretiert werden könnten und die Handlung oder den Inhalt selten bis gar nicht bereichern. Abgesehen davon macht die Anime-Serie eher aufgrund ihres sonnigen Okinawa-Settings Spaß. 

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Harukana Receive (Vol. 1)!

Review: Miitopia

Nintendo ist durchaus bekannt dafür, hin und wieder Wagnisse mit den hauseigenen Videospielen zu riskieren respektive etwas anders zu machen. Miitopia ist eines dieser Spiele, das uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge an den Rand des Wahnsinns treibt.

Seit dem Launch der Wii im Jahr 2006 sind die Miis nicht mehr aus der Nintendo-Welt wegzudenken. Die spärlich animierten Avatare sind auch auf der Switch integraler Bestandteil des Betriebssystems, kommen aber bei Weitem nicht mehr so häufig in Nintendos Videospielen vor. Ihre größten Auftritte dürften die Figuren in der inzwischen eingestellten Smartphone-Applikation Miitomo und den Nintendo-3DS-Spielen Tomodachi Life von 2013 und Miitopia von 2016 haben. Letzteres wurde im Mai 2021 auf der Switch neu aufgelegt, bleibt im Kern aber immer noch der fünf Jahre alte 3DS-Titel. Die Geschichte des Spiels findet im titelgebenden Fantasy-Reich Miitopia statt, das vom dunklen Fürsten bedroht wird. Wir schlüpfen in die Rolle eines Abenteurers und müssen die Welt retten. Das klingt wenig innovativ und das ist es im Grunde auch nicht. Allerdings dürfen wir für den Abenteurer und die Immersion unseren persönlichen Mii auswählen oder einen eigenen Recken dafür kreieren. Hinzu kommt, dass wir beim Erreichen neuer Handlungsplätze wie einer Stadt oder einer Burg auch alle dort anwesenden Bewohner optional ein eigenes Korsett überstülpen dürfen. Selbst dem Bösewicht dürfen wir ein eigenes Gesicht verpassen, wenn wir das wollen. Lediglich bei den Helden, die sich uns im Handlungsverlauf anschließen, müssen wir selbst kreativ tätig werden.

Humorvolles und kreatives Abenteuer

Dieser kreative Einschlag kann je nach Spielertyp überfordern, zumal das Erstellen eines Miis ein paar Minuten Zeit in Anspruch nimmt und aus dem sonst recht flotten Gameplay herausreißt. Allerdings können wir euch vergewissern, dass diese Investition von Zeit unglaublich wichtig ist. So macht es nicht nur optisch einen Unterschied, ob wir Seite an Seite mit unserer besten Freundin oder einer berühmten Persönlichkeit kämpfen. Auch die kurzweiligen Dialoge innerhalb der Heldengruppe können uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Der Inhalt der Gespräche hängt maßgeblich davon ab, welche Persönlichkeit wir dem entsprechenden Mii verpasst haben. Wenn unser Held beispielsweise frech an den Tag klotzt, dass er meilenweit gehen kann und unsere Begleiterin anmerkt, dass wir zu enthusiastisch sein, wir daraufhin an ihr echtes Vorbild denken und uns den Dialog in die Realität übertragen vorstellen, ist das unglaublich lustig. Miitopia steht und fällt mit seinem Humor beziehungsweise seiner Umsetzung. Wer schon bei Tomodachi Life die kuriosen Situationen nicht mochte, wird diese auch bei Miitopia nicht akzeptieren. Dennoch könnte es auch schwierig sein, Spaß an Miitopia zu haben, wenn zwar der Humor angenommen wird, das Gameplay jedoch aufgrund seiner eher engstirnigen Mechaniken für Unverständnis und Kopfschütteln sorgt – und das wird es leider.

Kontrollverlust in den Kämpfen

Sobald die Geschichte um gestohlene Gesichter der Miis, die auf Monster übertragen werden, erst einmal ins Rollen gekommen ist, erkunden wir über eine Oberwelt das Reich Miitopia. Wie in New Super Mario Bros. U bewegen wir unsere Gruppe über vorgegebene Pfade zum nächsten Zielort. Sobald wir einen Level betreten, laufen unsere Helden eigenständig los und führen dabei irrwitzige Gespräche. Hin und wieder kommt es zu Zufallsbegegnungen mit diversen Monstern. Eigens hierzu öffnet sich ein Kampfbildschirm, in dem wir unserem Helden rundenweise einen Befehl zuteilen. An dieser Stelle macht Miitopia jedoch einen riesengroßen Fehler, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Rollenspielen lassen sich unsere Mitstreiter nicht von uns befehlen. Diese greifen eigenständig an, was mal mehr und mal weniger gut funktioniert. Auffällig ist in jedem Falle, dass sie inflationär mit Magie und Spezialangriffen umgehen – und das in einigen Fällen noch nicht mal besonders gut. Warum unsere Begleiterin beispielsweise einen heftigen Feuerball auf einen Gegner schleudern muss, den wir bis auf ein bis zwei Lebenspunkte runtergeprügelt haben, ist uns schleierhaft. Sobald die Helden Massenangriffe beherrschen und die Gegnergruppen größer ausfallen, sind solche Momente zwar weniger nervig, aber alleine das Fehlen der Befehlsmöglichkeit stößt uns sehr bitter auf.

Eine Nacht im Gasthaus

Immerhin heilen sich die Charaktere in der Regel selbstständig und wir müssen nur selten eingreifen. Kommt es dennoch hart auf hart, stehen uns auch verschiedene Streuer zur Verfügung, um punkteweise Lebensenergie und den Magievorrat aufzufüllen oder gefallene Kameraden ins Reich der Lebenden zurückzuholen. Je mehr gestohlene Gesichter wir von den fiesen Monstern zurückerobern, desto bessere Streuer stehen uns mit der Zeit zur Verfügung. Zudem sei gesagt, dass in der Regel auch nur die Bosskämpfe etwas schwieriger ausfallen. Der Rest des Spielst ist einsteigerfreundlich und fordert nur bedingt, zumal wir alle paar Meter über ein Gasthaus stolpern, in dem unsere Wunden automatisch geheilt und unsere Streuer aufgefüllt werden. Interessant ist jedoch der Aspekt der zwischenmenschlichen Interaktion, denn wir können entscheiden, welche Miis in welchem Zimmer des Gasthauses unterkommen. Wenn zwei Miis in einem Zimmer nächtigen, lernen sie sich besser kennen und steigern mit der Zeit ihre Freundschaftsstufe. Wenn wir die richtigen Tickets gesammelt haben, können wir die Helden auch zusammen ins Kino, an den Strand oder in ein Café schicken, um gemeinsam Zeit zu verbringen und ihre Freundschaft zu vertiefen. Auch hier verzichtet Miitopia keineswegs auf seinen überaus abgedrehten Humor, der uns regelrecht um die Ohren fliegt.

Portierung mit wenigen Neuerungen

Allen voran möchte Miitopia mit Slapstick-Humor überzeugen, der über die Mimik und Gestik der Miis transportiert wird. Aufgrund der spärlichen Animationen gelingt dies der Präsentation nur selten, weshalb ein wenig Fantasie vorausgesetzt wird. Göttlich sind aber die Momente, in denen wir unsere Helden mit Nahrungsmitteln versorgen, die ihre Attribute permanent verbessern. Da kann es vorkommen, dass unsere Begleiter die Nahrungsaufnahme verweigern, wenn ihnen die Mahlzeit nicht schmeckt. Schön ist auch, dass die Ausrüstungsgegenstände an unseren Miis zu erkennen sind. Wenn uns die neue, aber weniger hübsche Rüstung nicht passt, können wir auch nur die Werte übernehmen und ein anders Outfit wählen. Sollten wir Amiibos unser Eigen nennen, dürfen wir uns in Miitopia in vielen Fällen über zusätzliche Outfits freuen. In Zusammenhang mit dem Erscheinungsbild der Miis möchten wir erwähnen, dass es in der Switch-Fassung im Gegensatz zur Ursprungsversion auch noch Perücken und Make-up gibt. Außerdem schließt sich uns ein Pferd an, das die Gruppe unterstützt. Ansonsten halten sich die Neuerungen leider arg in Grenzen. Bedientechnisch gibt es kaum Probleme mit Miitopia, da alle Aktionen erkannt werden. Lediglich die Menüführung und die Tatsache, dass die Befehlsübersicht in den Kämpfen die Hälfte des Bildschirms einnimmt, wären vermeidbar gewesen. So ist Nintendo die Portierung leider nur halb geglückt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Miitopia habe ich auf dem Nintendo 3DS als eines der wenigen Spiele von Nintendo leider nie gezockt. Auf der Switch wollte ich diesen Umstand unbedingt ändern, da mir der abgedrehte Humor von Tomodachi Life ebenso gefällt. Genau hier kann Miitopia auch punkten, denn das Spiel schmeißt meine Miis vielleicht weniger in abstruse Situationen, aber verstrickt sie dafür deutlich mehr in Blödeleien und abgedrehte Dialoge. Für sich genommen macht das noch kein gutes Spiel, aber wenn ich die Miis meinen Freunden nachempfinde, ihnen eine ähnliche Persönlichkeit verpasse und auch noch ihr Aussehen, dann kann dieser Umstand für sehr viele wunderbare Momente sorgen. Allerdings ist das Gameplay von Miitopia äußerst dünn. Im Kern ist der Titel ein Rollenspiel, das mir aber weitgehend die Kontrolle nimmt. So machen die rundenbasierten Kämpfe nur wenig Spaß, da ich fast keine Befehle erteilen kann. Auch das Erkunden der Spielwelt fällt flach, da die Gruppe automatisch einer Linie zum nächsten Ziel folgt und ich nur bei Abzweigungen eingreifen darf. So macht mir das Spiel höchstens zwischendurch bei einer kürzeren Bahnfahrt immer mal wieder Spaß, aber Stunden am Stück kann ich mich nicht mit dem Titel beschäftigen. Wer die 3DS-Version besitzt, muss nicht zwangsweise erneut zugreifen. Dafür gibt es in meinen Augen mit Pferd, Make-up und Perücken zu wenige Neuerungen. Alle anderen greifen eher zur Switch-Fassung.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Miitopia!

Prime Time: Inuyasha (Box 6, Unboxing)

Nachdem wir euch schon die ersten fünf Serienboxen der Anime-Serie Inuyasha stolz auf unserer Internetpräsenz sowohl in Rezensions- als auch Unboxing-Form vorgestellt haben, soll heute traditionell auch so mit der sechsten Volume verfahren werden. Wir stellen euch die sechste Box mit allen optischen und haptischen Merkmalen im Video vor. Viel Spaß!

Review: One Piece: Film Gold

Seit einigen Jahren überschwemmen gar nicht mehr so viele One-Piece-Filme die japanischen Kinos, wie es zur Anfangszeit der Anime-Serie um die Jahrtausendwende der Fall war. Das ist aber nicht schlimm, denn One Piece: Film Gold macht seinem glänzenden Name alle Ehre.

Im Falle des zwölften Films, One Piece: Film Gold, liefern die ersten Episoden der 25. Serienbox gewissermaßen eine Einleitung. Am Ende der 750. Folge wird kurz die Silhouette des Antagonisten gezeigt, der in der Anime-Serie danach aber keine größere Rolle spielt. Es bleibt bei einer Randnotiz. Allerdings ist es aus dem Grund, dass die Strohhüte zu diesem Zeitpunkt der eigentlichen Storyline mal wieder voneinander getrennt sind, gar nicht möglich, den Film einfach die Serienhandlung einzubinden. Wer damit jedoch leben kann, kommt in den Genuss eines der spannendsten One-Piece-Filme überhaupt. Das liegt unter anderem daran, dass sich One Piece: Film Gold frech von Filmen wie Ocean’s Eleven inspirieren lässt, aber sein ganz eigenes Ding durchzieht. Auf eine Exposition verzichtet der 120-minütige Film fast völlig. Während einer Gesangseinlage tauchen die Strohhut-Piraten mitten auf dem riesigen Stadt-Kasino-Schiff Gran Tesoro auf und müssen sich ein paar gierigen und fortan wohl verfeindeten Piraten entledigen. Dadurch wird Mister Gildo Tesoro, seines Zeichens Namensgeber und Herrscher von Gran Tesoro, auf die Strohhüte aufmerksam. Seinen prominenten Gästen bietet er durch seine rechte Hand, der hübschen Baccarat, einen hohen Kredit von mehreren Millionen Berry an. Monkey D. Ruffy nimmt das Angebot an und erfreut sich einer Glückssträhne.

Goldfinger Tesoro

Ruffy muss jedoch feststellen, dass auch die längste Glückssträhne irgendwann einmal ein Ende nimmt. Plötzlich schulden die Strohhüte Tesoro jede Menge Geld und müssen schauen, dass sie die Moneten bis zum Abend des nächsten Tages zusammenkratzen. Hier kommt das wundervolle Charakterdesign von One-Piece-Schöpfer Oda Eiichirō zum Einsatz, denn der Bösewicht ist selbstverständlich mit allen Wassern gewaschen. Wie Ruffy ist auch Tesoro ein Teufelsfruchtnutzer und kann jeden, der mit seinem Gold in Berührung gekommen ist, komplett mit Gold überziehen. Obwohl in One Piece nur sehr selten Figuren sterben, ist es mehr als überraschend, dass in diesem Zusammenhang per Hinrichtung Tesoros Fähigkeit demonstriert wird. Das nächste Opfer seines Goldfingers soll im Übrigen Lorenor Zorro sein, der als Geisel herhält, während die Strohhüte einen Plan aushecken. Hierbei hilft die toughe Diebin Carina, die Nami noch aus ihrer Jugend kennt und mittlerweile im Dienste von Tesoro steht. Gemeinsam wollen sie den riesigen Tresor am höchsten Punkt des Schiffes knacken. Hierzu müssen sie sich jedoch in Gruppen aufteilen, um das Sicherheitssystem von Gran Tesoro auszutricksen. Wie das bei One Piece so ist, geht auch dieser Plan schief und ob Carina vielleicht mit gezinkten Karten spielt, bleibt über weitere Strecken des Films nicht ganz klar. Spannend!

Goldig glänzender Film

Spannend ist in jedem Fall auch der Handlungsort, der sich bei den Neonleuchten deutlich an Las Vegas orientiert. Einen Schriftzug ähnlich wie in Hollywood existiert auf Gran Tesoro ebenso. Ansonsten gibt es noch Anleihen an Straßenrennen, die erbarmungsloser nicht sein könnten, und selbstverständlich übertriebene Würfel und noch größere Würfelbecher. Das mit goldener Farbe durchzogene Design des Films ist von Anfang bis Ende eine Augenweide. Ebenso gefallen die flüssigen Animationen und das Outfit der Strohhüte, die in einem ähnlichen Cowboy-Glitzer-Outfit auch in ein echtes Kasino stolzieren würden. Bei der deutschen Verkaufsversion gibt es zu den in Rōmaji und Kanji gehaltenen Texten auch deutsche Texteinblendungen. Musikalisch geht der Film, angefangen mit einem auf Deutsch gesungenen Song, in Ordnung. Die japanischen Stimmen sind natürlich ebenfalls mit an Bord. Allerdings kann der Soundtrack nicht mit den markanten Melodien der Serie mithalten, was anhand der sonst tollen Qualität ein wenig schade ist. Selbiges betrifft das Bonusmaterial von One Piece: Film Gold. Auf der Disc gibt ein dreißig Sekunden langes Grußwort von Ruffys japanischer Synchronsprecherin Tanaka Mayumi und als Beilage ein Poster. Hier verschenken Kazé Anime und Tōei Animation reichlich Potenzial. Es ist also doch nur das Gold, das glänzt!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Auch wenn es mir durchaus bewusst ist, dass die meisten One-Piece-Filme nicht in den Kanon der Serie eingewoben werden können, gibt es dennoch immer mal wieder ein paar Anzeichen dafür, dass es funktioniert. Bei One Piece: Film Gold klappt das leider aufgrund der Serienhandlung nicht. Schlimm finde ich das aber auch nicht, denn abgesehen von dieser Lappalie kann die Story des Films bei mir punkten. Ohnehin mag ich Gaunerfilme, bei denen es um einen Einbruch in eine Bank oder ein Kasino geht. One Piece: Film Gold vermittelt mir bis zu einem bestimmten Grad wunderbar dieses Gefühl, zieht dann aber doch wieder sein ganz eigenes Ding durch und stellt damit am Ende auch die langjährigen Fans zufrieden, die gar nicht so viele Experimente wünschen. Es ist aber nicht nur die Handlung, die mir gefällt. Auch der Bösewicht Gildo Tesoro mit seiner tragischen, aber im Film leider zu kurz gekommenen Hintergrundgeschichte, lässt sich wunderbar in der Story verarbeiten – erst als unüberwindbares Hindernis, später zu Kleinholz. Auch optisch mag ich den Film mit seinem ansprechenden Handlungsort, dem interessanten wie grausamen Unterdrückungsansatz der Bewohner und dem irren Kasinogefühl. Nur bei den Melodien und beim Bonusmaterial hätte ich anhand der sonst fantastischen Qualität des Films etwas mehr gewünscht. Nichtsdestotrotz ist der Film definitiv eine Empfehlung wert!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von One Piece: Film Gold!

Review: Final Fantasy [Pixel Remaster]

Während der Square-Enix-Präsentation auf der Electronic Entertainment Expo 2021 kündigte der Rollenspielriese aus Japan Neuauflagen der ersten sechs Final-Fantasy-Titel an. Den Anfang macht das sogenannte Pixel Remaster von Final Fantasy aus dem Jahr 1987.

Als am 27. Mai 1986 mit Dragon Quest der Archetyp des japanischen Rollenspiels aus dem Hause Enix erschien, dauerte es nicht lange, bis Nachahmer folgten. Anderthalb Jahre später wagte der ebenfalls vom Pen-and-Paper-Rollenspiel Dungeons & Dragons inspirierte Konkurrent Square mit Final Fantasy diesen Schritt. Wie diese Geschichte ausging, ist in der Retrospektive leicht erklärt. Final Fantasy wuchs zu einer der größten und vor allem weltweit erfolgreichsten Videospielserien aller Zeiten. Das Debüt der langlebigen Rollenspielserie funktioniert in einigen Belangen aber ein wenig anders als viele der in späteren Episoden etablierten Mechaniken. Allen voran sei hier die Story erwähnt, die weder umfangreich noch tiefgründig ist. Die Welt von Final Fantasy versinkt im Chaos, sodass die Erde bebt, die Länder von Feuersbrünsten bedroht werden, die Meere faulen und der Wind verblasst. Wie aus dem Nichts erscheinen die vier Krieger des Lichts, die die Welt vor dem Untergang bewahren sollen. Nachdem wir zu Beginn Klassen wie Krieger, Weißmagier oder Dieb für die vier Charaktere ausgewählt haben, müssen diese als erstes die vom bösen Krieger Garland entführte Prinzessin Sela retten. Danach geht es darum, die vier Kristalle der Elemente zu reaktivieren und die Welt zu retten. Gegen Ende der Story wird es im wahrsten Sinne des Wortes paradox. Das Pixel Remaster hätte diesen Aspekt der von Sakaguchi Hironobu und Terada Kenji erdachten Handlung besser beleuchten können.

Erkundungsmöglichkeiten mit Story-Aspekten

An dieser Stelle sei bereits gesagt, dass Square Enix eine nah am Original liegende Spielerfahrung bieten will. Wer sich auf Final Fantasy einlassen will, sollte also stets beachten, dass es sich bei dem Titel um ein Rollenspiel aus den 1980er-Jahren handelt. Soll heißen, dass sich die Story selten bis gar nicht über gescriptete Szenen entfaltet. Es ist unglaublich wichtig, dass wir den wiederkehrenden Dialog mit den zahlreichen Nicht-Spieler-Charakteren suchen. Oft lassen die Bewohner der Spielwelt in Nebensätzen wichtige Informationen fallen, die für den weiteren Spielverlauf essentiell sind. In der Elfen-Stadt verrät beispielsweise ein Dörfler, wo ein Levithanit genannter Edelstein einzusetzen ist, damit wir an ein neues Vehikel gelangen. Wie schon Dragon Quest ist auch Final Fantasy im ersten Teil relativ offen gestaltet. Es gibt zwar einen roten Faden, der durch das Abenteuer führt, doch immer dann, wenn eines der drei Fortbewegungsmittel Schiff, Kanu und Luftschiff als Erkundungsmöglichkeit hinzu kommt, öffnet sich die Spielwelt um ein gutes Stück. Auf diese Art und Weise können bestimmte Städte oder Dungeons aufgesucht werden, obwohl das vielleicht noch gar nicht nötig wäre. Im Kern geht es darum, in teils miteinander verzahnten Fetch-Quests wichtige Schlüsselobjekte zu sammeln und dem richtigen Charakter zu überreichen. Aufgrund dessen, dass wir viele Informationen im Hinterkopf behalten müssen, ist das Konzept vielleicht nicht für jeden Rollenspieler geeignet, aber in Zeiten von Zielmarkierungen eine nette Abwechslung.

Mehrere sinnvolle Neuerungen

In restlichen Gameplay-Belangen funktioniert Final Fantasy ähnlich wie der ein Großteil des restlichen Genres. Wir latschen mit der vierköpfigen Gruppe die Oberwelt ab, erkunden labyrinthartige Dungeons und besuchen Dörfer und Städte. Außerhalb der Ortschaften kämpfen wir in sehr vielen rundenbasierten Zufallskämpfen gegen Goblins, Skelette, Drachen, Elementare und andere fantasievolle Gestalten. Diese sind optisch zum Teil an die Monster aus Dungeons & Dragons angelehnt. Mit dem erbeuteten Gil, der Währung von Final Fantasy, können wir uns neue Ausrüstungsgegenstände zulegen und unser Inventar mit hilfreichen Heiltränken auffüllen. In dieser Hinsicht wurde das Pixel Remaster von Final Fantasy im Gegensatz zum Original vom Nintendo Entertainment System gleich mehrfach modernisiert. Beispielsweise wurden die Preise für Rüstungen, Waffen, Zaubersprüche und Co reduziert. So können wir uns gleich zu Beginn des Abenteuers mehr Wertsachen in den Läden des Königreichs Cornelia leisten, was den Spieleinstieg erleichtert und sogar verbessert, da wir so weniger grinden müssen. Außerdem ist es im Pixel Remaster möglich, diagonale Schritte zu gehen, wodurch sich das Bewegungsmuster der Gruppe in acht anstatt nur vier Richtungen deutlich natürlicher anfühlt. Ebenso wurde dem Spiel eine Auto-Battle-Funktion hinzugefügt, bei der der Kampf sogar in doppelter Geschwindigkeit abläuft. Hier wiederholen die Charaktere pro Runde einfach ihre Eingabe aus der letzten Abfolge, was sogar kampfübergreifend funktioniert. Klasse!

Einsteigerfreundliche Maßnahmen

Etwas ungewöhnlich ist die Orientierung des Magiesystems an die ersten Regelwerke von Dungeons & Dragons, denn anstatt Magiepunkten im herkömmlichen Sinne stehen den Zauberern pro Stufe zum einen maximal drei Sprüche zur Verfügung und zum anderen können diese nur begrenzt oft eingesetzt werden. Im Original, das auch auf dem Nintendo Entertainment System Classic Mini gespielt werden kann, ist dies eine haarige Angelegenheit, da gelernte Zauber dort nicht vergessen werden können. Im Pixel Remaster von Final Fantasy ist dies aber möglich. Zudem kommt mit dem Äther ein recht kostengünstiges Item hinzu, das die Magiepunkte beziehungsweise die Anzahl der einsetzbaren Zauber einer Stufe regeneriert. Die Zugänglichkeit in Final Fantasy ist jedoch auch in anderen Belangen gegeben, denn beispielsweise gibt es sowohl in den Städten als auch in den Dungeons eine Minimap am oberen Bildschirmrand zu bestaunen. Diese können wir auf Knopfdruck in einer Nahansicht betrachten, auf der tatsächlich auch alle Truhen und Türen – sowohl geöffnet als auch ungeöffnet – abgebildet sind. Ansprechbare Charaktere bleiben hier jedoch außen vor. Vor allem jene Spieler, die nicht den letzten Winkel in einem Dungeon abgrasen wollen, kommen hier auf eine deutliche Zeitersparnis. Wir stufen dieses Feature tatsächlich aber für zu mächtig ein, da es vor allem die Motivation schmälert, einen Tempel, einen Turm oder eine Höhle vollständig zu erkunden. Dennoch machen auch wir regen Gebrauch von der recht „angenehmen“ Option.

Liebevolles Retro-Gewand mit kleinen Tücken

Abgesehen davon fällt der Schwierigkeitsgrad des Pixel Remasters von Final Fantasy recht niedrig aus. Phasen, in denen wir die Helden stundenlang aufleveln, gibt es nicht mehr. Selbst die Bossgegner sind binnen weniger Runden besiegt. Nur der Endgegner schafft es, uns länger als zwei Minuten in einem Kampf zu halten oder uns ins Schwitzen zu bringen. Selbst blutige Anfänger dürften vor keinen Herausforderungen stehen – falls doch, freut sich gerade diese Spielergruppe über die Option, dass neben automatischen Spielständen auch Quicksaves außerhalb von Kämpfen angelegt werden können. Befinden wir uns auf der Oberwelt, können wir das Spiel ganz normal speichern. Optisch kann das Pixel Remaster mit ähnlichen Grafiken wie in der Game-Boy-Advance- und PlayStation-Version im 16-Bit-Gewand punkten. Leider kommt die PC-Fassung ohne Tuning-Möglichkeiten aus. Ständiges Shader-Flackern und nerviges Screen Tearing müssen mühselig über den Grafikkartentreiber oder dem Umstellen des Zeitformats (kein Witz!) behoben werden. Kundenfreundlich ist das nicht. Hier muss Square Enix nachbessern. Dafür wurde der Soundtrack von Komponist Uematsu Nobuo noch einmal stark aufgebohrt. Jetzt begeistert dieser mit orchestralen Klängen, die vor allem von Blas- und Streichinstrumente stammen. Angehört werden können diese auch in einer separaten Jukebox im Spiel. Dort finden wir in einer Fibel auch Informationen zu allen besiegten Feinden und zudem eine Übersicht der Artworks von Amano Yoshitaka. Wer sich auf diese wundervolle Reise einlässt, wird zehn bis zwölf Stunden von einem klassischen Rollenspiel verwöhnt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Entertainment-, Game-Boy-Advance- und PC-Fassung): Als ich das Erstlingswerk Mitte der 2000er-Jahre zum ersten Mal auf meinem Game Boy Advance gespielt habe, war ich direkt hin und weg. Sofort habe ich mich in das Franchise verliebt. Das erste Final Fantasy legte den Grundstein für viele Elemente, die das Genre und auch die Reihe maßgeblich lenken sollten. Da ist es mir auch egal, dass die Story weitgehend rudimentär ausfällt und erst das Ende einen interessanten Kniff für mich bereithält. Auch dass ich das Pacing maßgeblich bestimme, indem ich mit möglichst allen Charakteren spreche und vor allem Informationen im Hinterkopf mitnehme, ist für mich eine fantastische Alternative zu Zielmarkierungen und Konsorten. Das fördert einfach die Immersion, wodurch ich mich noch viel besser in der Welt aufgehoben fühle und mit zunehmender Spielzeit weiß, wohin ich irgendwann zurückkehren werde. Viel mehr mag ich aber noch das überaus flüssige Gameplay. Ich erkunde die Spielwelt in Dörfern, Städten und Dungeons und lege mich dabei mit unzähligen Monstern in zahlreichen Zufallskämpfen an. Dank der neuen Auto-Battle-Funktion verbessern sich meine vier Charaktere so rasant, dass sie es in Windeseile mit immer größeren Bedrohungen aufnehmen können. Das Monsterdesign und Magiesystem, auch wenn es stark von Dungeons & Dragon beeinflusst ist, gibt dem ersten Teil der Final-Fantasy-Reihe einen eigenständigen Anstrich, aus dem in späteren Episoden noch so viel mehr geworden ist. Audiovisuell ist das Spiel für Fans der 16-Bit-Zeit ohnehin eine Genugtuung, denn die Optik ist detailreich und verspielt. Auch die orchestrale Musik von Uematsu Nobuo haut mich vom Prolog bis zum Abspann um. Sie könnte fast schon als alleiniger Kaufgrund für das Spiel herhalten. Selbst wer das Original von Final Fantasy kennt oder eine spätere Portierung gespielt hat, wird auch mit dem Pixel Remaster wirklich viel Spaß haben. Ich habe diesen definitiv!

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Final Fantasy [Pixel Remaster]!

Review: Detektiv Conan (Box 13, Episoden 334–359)

Am 3. Juli 2006 wurde im deutschsprachigen Fernsehen die Ausstrahlung von Detektiv Conan plötzlich abgebrochen. Es dauerte ganze zwölf Jahre, bis weitere Episoden der Anime-Serie synchronisiert worden sind. Die ersten 26 neuen Folgen liegen in der 13. Serienbox vor.

Innerhalb von zwölf Jahren wachsen Kinder zu Teenagern heran und durchlaufen in jener Zeit eine steile Entwicklung, besuchen den Kindergarten, durchlaufen die Grundschule und gehen schließlich auf eine weiterführende Schule. Genauso lange hat es gedauert, bis mit der Ausstrahlung von Detektiv Conan im deutschsprachigen Raum fortgeführt wurde – inklusive der deutschen Synchronisation, bei der fast alle Sprecher der ersten Stunde für ihre Rollen zurückgekehrt sind. Fies war für Detektiv-Conan-Fans auf jeden Fall der Cliffhanger am Ende der 333. Episode mitten einem Fünfteiler. Das Warten hat sich aber in jedem Falle gelohnt, da die drei fehlenden Folgen dieser Geschichte den Auftakt der 13. Serienbox bilden und zudem wahnsinnig spannend inszeniert sind. Nachdem Edogawa Conan die Diskette von Herrn Itakura erbeutet hat, macht er sich zusammen mit Professor Agasa Hiroshi auf den Weg zu einer Berghütte. Von der verschneiten Hütte aus nehmen sie Kontakt mit der schwarzen Organisation auf, die nach dem von Itakura programmierten Programm für ihre undurchsichtigen Pläne trachten. Für den Zuschauer werden mit den ersten drei Folgen dieser Serienbox noch einmal verdeutlicht, dass Conans Gegenspieler mit allen Wassern gewaschen sind. Sie sind selbst der kleinen Spürnase noch ein bis zwei Schritte voraus und für ihn deshalb besonders gefährlich!

Neue Spielerei: Der Fußballgürtel

Nach der Fortführung dieses Handlungsbogens verfällt Detektiv Conan aber wieder in seinen gewohnten Trott. Das heißt, dass die eigentliche Rahmenhandlung nur noch bedingt angerissen wird. Stattdessen erzählt die Serie gewohnt viele kleine Einzelgeschichten, die sich nicht selten auch über zwei oder drei Folgen strecken. In der Regel geschieht ein Mord, bei dem der kleine Schnüffler dem Privatdetektiv Mōri Kogorō mit Hilfe seiner Werkzeuge wie Narkosepfeilen und einem Stimmenverzerrer unter die Arme greifen muss, da dieser die begangenen Morde niemals von alleine lösen könnte. Apropos Gadgets: Conan erhält in einer Episode von Professor Agasa einen Fußballgürtel. Dieser sieht nach außen hin zwar wie ein gewöhnlicher Gürtel aus, beinhaltet jedoch einen Fußball, der auf Knopfdruck aufgeblasen wird, allerdings nur für ein paar Sekunden die Luft halten kann. Damit gelingt es Conan nicht nur einmal, einen fliehenden Verbrecher mit einem gezielten Schuss über seine Powerkickboots aufzuhalten. Dass er sich aber nicht nur auf seine Utensilien verlassen kann, zeigt sich in einer Episode, in der Conan erkältet ist und kryptische Hinweise auf einen Mord pantomimisch erklären muss, die Kogorōs Tochter Ran und ihre beste Freundin Suzuki Sonoko erst einmal entschlüsseln müssen. Das passt hervorragend in den Humor der Anime-Serie und ist wirklich erfrischend.

Leichte Änderungen bei der Synchronisation

Aufgrund dessen, dass zwölf Jahre zwischen den Synchronarbeiten der 333. und 334. Episode vergangen sind, sind Veränderungen in der Synchronisation vorprogrammiert. Im ersten Moment klingt das schlimmer als es in Wahrheit jedoch ist. Die gute Nachricht hierbei ist definitiv, dass Tobias Müller, Giuliana Jakobeit und Jörg Hengstler-Modry für die Sprechrollen der drei Hauptfiguren zurückgekehrt sind. Auch einige Nebenfiguren wie Inspektor Megure Jūzō werden nach wie vor von vertrauten Synchronsprechern vertont. Dennoch gibt es bei manchen Figuren Unterschiede. Beispielsweise wird Professor Agasa inzwischen von Frank Ciazynski gesprochen, der dem Wissenschaftler aber ebenfalls auf seine Art und Weise reichlich Leben einhaucht. An andere Stimmen wie die von Tanja Schmitz, die jetzt Yoshida Ayumi spricht, ist jedoch ein wenig mehr Eingewöhnungszeit erforderlich. Dennoch lässt sich die deutsche Synchronisation durchweg hören. Lediglich dass manche Stimmen wie die von Müller älter klingen, verpasst der nach wie vor dichten Atmosphäre zumindest anfänglich einen leichten Dämpfer. Dies ist jedoch altersbedingt nachzuvollziehen und fällt nach ein paar Episoden nur noch wenig auf. Fans der japanischen Originalversion schauen mit der DVD-Veröffentlichung allerdings erneut in die Röhre. Trotz japanisch und nun nicht mehr deutsch gesungener Lieder im Intro und Outro liegt auf den fünf Datenträgern leider nur die deutsche Sprachfassung vor.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Episoden 334 bis 359 der Serie): Für viele ältere Fans des kleinen Detektiven brach im Juli 2006 vermutlich eine Welt zusammen – und Ende 2018 ging für sie dann endlich ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Die Synchronisationsarbeiten an Detektiv Conan gingen nach zwölf Jahren endlich weiter und das Ergebnis lässt sich bis auf wenige Ausnahmen wirklich sehen beziehungsweise hören. Nach kurzer Eingewöhnungszeit sind selbst die anfänglichen Beanstandungen fast wie weggeblasen. Für manche Zuschauer dürfte es aber womöglich schade sein, dass die Openings und Endings nun mit den japanischen Originalsongs ausgestattet sind. Neue deutsche Lieder wurden leider nicht eingesungen. Inhaltlich bleibt aber alles beim Alten. So gibt es hin und wieder ein paar Hinweise auf die eigentliche Rahmenhandlung. Größtenteils kommt der Zuschauer aber wieder in den Genuss von kleineren Geschichten, in denen ein Mord, eine Entführung oder ein Diebstahl geschieht. Auch Conans neues Gadget, ein von Professor Agasa entwickelter Fußballgürtel, bringt reichlich frischen Wind in die Ermittlungsmethodik. Hierbei macht es nach wie vor Spaß mitzurätseln, wer denn wohl der Täter ist. Damit kann also auch die nun mehr 13. Serienbox der Anime-Serie auf ganzer Linie überzeugen. Schön!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Detektiv Conan (Box 13, Episoden 334–359)!

Review: Piczle Puzzle & Watch Collection

Retro ist Kult! Das wissen wir nicht nur durch ansteigende Preise für gebrauchte Spiele aus den letzten Jahrzehnten, sondern auch durch stilistisch angepasste Titel, die uns nicht nur ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Mehrfach schafft dies die Piczle Puzzle & Watch Collection

In den 1980er-Jahren waren die Game-&-Watch-Handhelds von Nintendo nicht aus der Videospiellandschaft wegzudenken. Auch wenn das Konzept im Zeitalter der Nintendo Switch sicherlich nicht mehr massentauglich ist, hat Nintendo die angestaubte Marke nie ganz vergessen. So gab es immer mal wieder kleine Überraschungen wie Umsetzungen in Videospielen wie der Game & Watch Gallery. Ebenfalls wurden zu bestimmten Anlässen neue Konsolen produziert. Erst 2020 erlebte die Reihe in stark überarbeiteter Form ihr Revival mit Game & Watch: Super Mario Bros. und die Fortsetzung Game & Watch: The Legend of Zelda ist bereits für November 2021 angekündigt. Dritthersteller scheuen sich ebenfalls nicht davor, auf den Zug aufzuspringen. Publisher Rainy Frog setzt zwar auf kein eigenes Modell, dafür aber auf eine – leider recht kleine – Download-Sammlung auf der Switch. Rainy Frog serviert uns mit der Piczle Puzzle & Watch Collection ein überschaubares Trio, das dafür umso stärkere Schwerpunkte setzt. Mit von der Partie sind Piczle Cross, Piczle Loops und Piczle Pattern. Bei allen drei Spielen handelt es sich, wie es der Name der Kollektion vermuten lässt, um Puzzle-Spiele. Bevor wir mit dem Spielen eines Titels loslegen können, müssen wir es in virtueller Form erst einmal auspacken. Ohne Scherz! Da kommen echte Nostalgiegefühle auf.

Detailgetreue und einsteigerfreundliche Spiele

Über ein leicht verständliches Hauptmenü wechseln wir zwischen den drei Spielen durch. Zu Beginn der Anspielsession sind diese jedoch noch verpackt. Auf Knopfdruck öffnet sich der Karton automatisch für uns. Das Beste ist jedoch, dass wir die Packung im dreidimensionalen Raum drehen können. Selbiges betreffen auch die vollständig ins Deutsche übersetzten Beipackzettel. Selbst an eine Bedienungsanleitung, die obsolete Hinweise wie, dass die detailgetreu an die Game-&-Watch-Modelle erinnernden Handhelds nicht bei zu kalten Temperaturen eingesetzt werden sollten, enthält. Daneben werden natürlich auch die drei Spiele an sich erklärt, aber gerade diese Liebe zum Detail bescheren der Piczle Puzzle & Watch Collection Pluspunkte. Sonderlich komplex sind Piczle Cross, Piczle Loops und Piczle Pattern aber nicht – und das wollen sie auch nicht sein. Schließlich war es auch den Entwicklern der Vorbilder aus dem Hause Nintendo wichtig, die Titel schlicht und einfach zu halten. Wer sich von euch zudem mit Puzzle-Spielen auskennt, wird sich in den drei Spielen schnell zurechtfinden, da sie euch mitunter bekannt vorkommen könnten. Piczle Cross erinnernd frappierend an Picross, das ja auch nur das japanische Konzept von Nonogrammen aufgreift. Und selbst wenn ihr die Vorbilder nicht erkennt, geht der Einstieg aufgrund des logischen Aufbaus der Spiele schnell.

Drei Spiele mit zwei Spielmodi

Bei Piczle Cross geht es im Grunde darum, ein Bild freizulegen, indem wir in den Zeilen und Spalten der in gleich große quadratische Kästchen eingeteilten Gitternetze die am Rand vorgegebene Anzahl an Feldern ausfüllen. Aufgeteilt in zwei Spielmodi, werden in einem Modus die Fehler sofort korrigiert, uns dafür jedoch einer von drei Versuchen abgezogen. Im anderen Modus werden wir nicht bestraft, aber auch nicht darauf hingewiesen, dass wir einen Fehler gemacht haben. Diese Aufteilung in Game A und Game B, so wie wir es von den allermeisten Game-&-Watch-Modellen kennen, ist auch in Piczle Loops und Piczle Pattern enthalten. Im Game-A-Modus von Piczle Loops müssen wir auf einem Gitternetz eine Schleife um Zahlen ziehen, die an einer, zwei oder drei Seiten des Kästchens befestigt sein muss. Dabei entsteht zwar kein Bild wie in Piczle Cross, doch kann das Konzept ganz schön fordernd sein. Vor allem ein paar der Rätsel im Game-B-Modus, die schlicht schwieriger ausfallen, fordern unsere grauen Zellen. Piczle Pattern bildet leider das Schlusslicht des Dreierpacks, denn hier müssen wir aus einem Gitternetz mit einem kreuzförmigen Symbol den Boden umfärben, bis er komplett schwarz ist. Im zweiten Spielmodus ist das Feld bereits bearbeitet, doch je nachdem wie wir spielen, ähnelt es nach und nach der Vorgehensweise aus dem Game A. Sehr schade.

Nostalgische Gefühle

Optisch erstrahlen die Spiele in einem LCD-Look, wie wir ihn zum Beispiel von Game & Watch: Ball kennen. Soll heißen, dass alle dargestellten Elemente komplett schwarz auf einem einfarbigen Hintergrund erscheinen. Das gefällt wohl nicht jedem, gehört so nun aber mal zu der visuellen Orientierung an den Ursprüngen der Game-&-Watch-Reihe. Wenn wir den Gyrosensor verwenden, wird sogar ein Lichteinfall auf dem Gerät simuliert. Sonderlich schön sieht das nicht aus und ergibt auch keinen Sinn, wenn wir den Titel am Fernseher mit Pro Controller spielen. Im Handheld-Modus ist dieses Feature definitiv sinnvoller, aber auch nur, wenn beide Joy-cons an der Switch kleben. Nehmen wir diese ab, können wir das Spiel auch komplett über den Touchscreen spielen. Ähnlich wie bei der Collection of SaGa: Final Fantasy Legend ist der gesamte Handheld auf dem Bildschirm samt funktionstüchtigen Knöpfen abgebildet. Wir freuen uns darüber, dass nach Square Enix auch Rainy Frog auf die Idee kommt, die Switch richtig intuitiv zu nutzen. Grundsätzlich lassen sich die drei Spiele sowohl über den Touchscreen oder die Knöpfe spielen, doch müssen wir jede Eingabe einzeln tätigen. Auch wenn das nervig sein kann, simulieren die Spiele auch hier die Vorbilder. Anders sieht es bei der Akustik aus. Durchweg läuft Klaviermusik im Hintergrund, die zur Entspannung beiträgt – und dieses Ziel erreicht die Piczle Puzzle & Watch Collection auf ganzer Linie!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Die Piczle Puzzle & Watch Collection orientiert sich stark an Nintendos Game-&-Watch-Reihe, die vor allem in den 1980er-Jahren Erfolge feiern konnte. Mit den drei enthaltenen Spielen Piczle Cross, Piczle Loops und Piczle Pattern ist das Angebot der Kollektion zwar überschaubar, doch immerhin spielen sich die drei Titel grundverschieden. Auch wenn die Vorbilder für die Spiele bekannt sein könnten, überzeugen alle drei Titel mit ihrer Einsteigerfreundlichkeit. Es dauert auch ohne einen Blick in die Anleitung nicht länger als ein paar Minuten, bis das Konzept, die Regeln und die Steuerung durchschaut sind. Auch wenn die Piczle Puzzle & Watch Collection nicht sonderlich umfangreich ist, überzeugt sie mich doch mit ihren kreativen Ideen. Beispielsweise muss ich einen der drei Handhelds erst einmal virtuell aus der Packung befreien, bis ich ihn in die Hand nehmen kann. Dies führt mich direkt zum zweiten Punkt, der mir besonders gut gefällt. Ähnlich wie bei der Collection of SaGa: Final Fantasy Legend kann ich die Switch ohne Joy-cons in die Hand nehmen und alle Eingaben über den Touchscreen tätigen. Dadurch fühlt sich die Piczle Puzzle & Watch Collection fast so an, als ob ich tatsächlich ein altes Game-&-Watch-Modell in den Händen halten würde. Die Kollektion wird mich noch bei so einigen kürzeren bis mittellangen Bahnfahrten begleiten. Ich hoffe aber sehr, dass Rainy Frog noch weitere – und gerne auch umfangreichere – Collections in dieser Richtung veröffentlichen wird. Das Potenzial ist vorhanden!

Vielen Dank an Rainy Frog für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars der Piczle Puzzle & Watch Collection!

Prime Time: Lupin III. – TV-Special Collection (Unboxing)

Vor Kurzem haben wir euch die vier Fernsehfilme Lupin III. – TV-Special Collection im Rahmen einer Rezension ausgiebig vorgestellt. Heute soll unser Unboxing-Video dazu folgen, in dem wir auf die optischen und haptischen Merkmale eingehen. Viel Spaß beim Anschauen!

Review: Attack on Titan – Season 3 (Vol. 1)

Auf die Fortsetzung der Anime-Serie Attack on Titan mussten Fans des Franchises bei der dritten Staffeln nicht lange warten. Nur ein Jahr nach Veröffentlichung der zweiten Serienbox der zweiten Season legte Publisher Kazé Anime mit der dritten und längeren Staffel los.

Relativ ruhig beginnt die Story der dritten Staffel, denn unter Aufsicht von Levi Ackermann soll Eren Jäger mit seinen Titanenfähigkeiten trainiert werden, seinen Körper zu verhärten, damit das Loch in der Mauer Maria gestopft werden kann. Allerdings überschlagen sich dann die darauffolgenden Ereignisse, ausgelöst mit dem angeblichen Raubmord an Pastor Nick. Nur wenig später findet beim Besuch in einer Stadt ein Angriff auf den Pferdekarren von Eren und seiner Begleiterin Historia Reiss statt. Bei diesem Unterfangen werden Eren und Historia entführt. Mit Kenny Ackermann taucht zugleich ein neuer Charakter auf der Bildfläche auf. Einst war Kenny als Serienmörder bekannt. In der Zwischenzeit hat er jedoch die Seiten gewechselt und ist nun Kommandant des Rebellen-Unterdrückungstrupps der Zentralbrigade der Militärpolizei. Welche Verbindung zwischen Kenny und Levi besteht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Attack on Titan gehört auch in der dritten Staffel noch zu den besten Anime-Serien, was nicht zuletzt an der wendungsreichen Geschichte liegt. So gibt es auch in der dritten Staffel wieder einige Überraschungen zu erleben, die nicht vor den Schicksalen der einzelnen Figuren Halt machen. So wartet auf Historia eine wichtige Rolle, die die Zukunft des ganzen Reiches verändern könnte. Politisch betrachtet steht die Monarchie auf dem Spiel.

Ein vertrautes Gesicht

Am markanten Zeichenstil hat sich in der dritten Staffel nichts geändert. Nach wie vor kann Attack on Titan mit seinem Fantasy-Setting mit leichtem Science-Fiction-Einschlag punkten. Häuser mit roten Dachziegeln in mittelalterlich wirkenden Städten, durch die die Charaktere flitzen, sind immer noch das Markenzeichen von Attack on Titan. Ebenfalls gefällt die tolle Lichtstimmung, die je nach eingesetzter Lichtquelle wie Fackeln oder Sonnenuntergängen die Gesichtszüge der Charaktere parallel zur Atmosphäre schattieren. Die flüssigen Animationen kommen noch hinzu, die besonders den Szenen im dreidimensionalen Raum ihre ganz eigene Note verleihen. All dies erstrahlt im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p wunderbar. Das Anschauen macht aber nicht nur aufgrund des spannenden Inhalts und der verträumten Optik Spaß, sondern auch aufgrund der Akustik. Untermalt werden alle Szenen in der dritten Season von Attack on Titan mit gewohnt guter Musik, die vor allem die sehr actionreichen Szenen mit adrenalingetränkten Klängen für immer ins Gedächtnis brennen. In puncto Synchronisation können beide Synchronfassungen in allen sechs 24-minütigen Folgen dieser Ausgabe gleichermaßen punkten. Es hängt am Ende also nur von der persönlichen Präferenz des Zuschauers ab, ob er die deutsche oder die japanische Vertonung bevorzugt.

Herausragendes Bonusmaterial

Das Bonusmaterial der ersten Volume der dritten Staffel von Attack on Titan fällt durchaus üppig aus. Im digitalen Bereich gibt es ein Clean Opening und ein neunminütiges Interview mit Regisseur Araki Tetsurō, das einen kleinen Einblick in die Produktion gibt. Wie schon bei den vorherigen beiden Staffeln liegt auch der ersten Volume der dritten Season ein Booklet bei. Auf sechzehn Seiten erhält der Leser Informationen über verschiedene Charaktere, die mit hübschen Artworks begleitet werden. Hinzu kommt ein ausführlicher Episodenguide zu den ersten sechs Folgen dieser Staffel. Ein wenig Auflockerung versprechen hingegen die sechs Comic-Streifen mit jeweils vier Panels. Außerdem ist ein Stickerbogen mit von der Partie, der jedoch mit drei Aufklebern mit Chibi-Charakteren etwas schwächer als gedacht ausfällt. Wer die limitierte Erstauflage der ersten Volume der dritten Staffel erwirbt, erhält zudem ein großes, aber aufgrund der Verpackung natürlich vorab gefaltetes Poster dazu. Das Hauptaugenmerk im Bonusmaterial dürfte jedoch auf der Flagge liegen, die das Logo des Aufklärungstrupps aus der Serie ziert. Ein weiterer Pluspunkt der Erstauflage ist zudem die schmucke Serienbox, in der am Ende alle vier Volumes der dritten Staffel ihren Platz finden. So macht nicht nur das Anschauen, sondern auch das Sammeln von Attack on Titan viel Spaß!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Attack on Titan geht in die nächste Runde und diese Runde ist äußerst vielversprechend. Alleine die ersten sechs Episoden der Staffel bieten wieder so viele Wendungen und Überraschungen, die noch dazu gekonnt in die Story eingewebt sind, dass weder Langeweile noch Verwirrung auftreten. Besonders gut gefällt mir der politische Einschlag, der auch nicht vor dem Königshaus Halt macht. Weitere Charaktere wie Kenny Ackermann bringen ebenso frischen Wind in die Geschichte, die dadurch noch umfangreicher und interessanter ausfällt. Zu Beginn der Season steht weniger der Konflikt mit den titelgebenden Riesen im Mittelpunkt, sondern allen voran der zwischenmenschliche Dialog. In audiovisueller Hinsicht knüpft die dritte Staffel an die Erfolge der ersten beiden Staffeln an. So gefallen mir sowohl die Charaktermodelle, die Lichtstimmung, die Umgebungsgrafiken, die regelrecht adrenalingeladene Musik als auch die Synchronsprecher, die ihren Figuren Leben einhauchen. Über das Bonusmaterial freue ich mich als Fan des Franchises sehr, denn so etwas wie eine Flagge ist einzigartig und hebt die Veröffentlichung von anderen Anime-Serien positiv ab – auch wenn Attack on Titan das gar nicht nötig hätte.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan – Season 3 (Vol. 1)!

Review: Samurai Warriors 5

2014 erschien mit Samurai Warriors 4 ein Musō-Spiel, das mit seinem eingängigen Gameplay in seinen Bann zieht. Auf Basis des vierten Teils folgten drei weitere Episode, doch den richtigen Nachfolger Samurai Warriors 5 blieb uns Publisher Koei Tecmo bis Juni 2021 schuldig.

Musō-Spiele sind spätestens seit Hyrule Warriors aus dem Jahr 2014 und anderen Franchise-Verbindungen in der Mitte der Spielerschaft angelangt. Nach und nach erobert das eingängige Konzept den Massenmarkt. Samurai Warriors 5 will diesen Siegeszug fortsetzen. Vorweg sei gesagt, dass dem Titel dieses Unterfangen nicht in jeder Hinsicht gelingt. Das fängt bereits bei der Handlung an, denn während die meisten Samurai-Warriors-Spiele das Geschehen aus vielen Perspektiven zeigen, konzentriert sich Samurai Warriors 5 lediglich auf einen sehr kleinen Zeitraum. Im Fokus der Handlung steht die Beziehung zwischen dem ersten der drei Reichseiniger Oda Nobunaga und seinem General Akechi Mitsuhide. Historiker wissen, wie diese Geschichte im Juni 1582 endet. Aus Spoiler-Gründen werden wir hier nicht vorgreifen. Es sei jedoch gesagt, dass die Ambitionen von Oda, das im Streit liegende Land wieder zu vereinen, genauso im Mittelpunkt der Erzählung stehen, wie deren kriegerische Umsetzung. Das heißt, dass neben Oda und Akechi auch weitere historische Persönlichkeiten auftreten. Unter anderem lernen wir im Handlungsverlauf auch Tokugawa Ieyasu kennen, nur eben in seinen jungen Jahren. Für beinharte Fans dürfte dieser kurze Ausschnitt der Geschichte möglicherweise zu wenig sein. Anfänger freuen sich darüber, nicht gleich vom Umfang erschlagen zu werden.

Ein-Mann-Armeen prallen aufeinander

Samurai Warriors 5 ist in zwei essentielle Spielmodi aufgeteilt. Im Musō-Modus folgen wir der eingangs erwähnten Handlung, die in mehrere Kapitel aufgeteilt ist. Jedes Kapitel besteht aus verschiedenen Schlachten. Entscheiden wir uns für eine Schlacht, beginnt das Kapitel mit einer kurzen historischen Erklärung der Ausgangslage. Daraufhin folgt ein Dialog zwischen den beteiligten Charakteren und erst dann dürfen wir selbst Hand an das Spiel legen. Wie für das Genre üblich, kämpfen wir nach altbekanntem Musō-Prinzip als eine Ein-Mann-Armee gegen tausende Fußsoldaten, Bannerträger, Generäle und Fürsten. Hinter uns stehen zwar auch tausende Samurai, die für unsere Sache kämpfen, doch sind diese Soldaten eher Staffage, die zur Schlachtenatmosphäre beitragen. In den Kämpfen schnetzeln wir munter drauf los, reihen schwere an leichte Attacken und bilden somit Kombinationsangriffe, die komplexer werden, je mehr Erfahrungspunkte unser jeweiliger Held bereits gesammelt hat. Ebenfalls ist es möglich, bis zu vier ultimative Fähigkeiten auszuführen. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um temporäre Attributsverbesserungen oder sehr starke Techniken. Der mächtige Musō-Angriff ist natürlich ebenfalls mit von der Partie. Haben wir genug Blut bei den Feinden vergossen, können wir die Blutdurstanzeige leeren und noch mehr Schaden austeilen. Famos!

Kampf um die Burg

Mit der Zeit sammeln wir in Samurai Warriors 5 viele neue Waffen und können diese in der Schmiede weiter verbessern oder mit neuen Fähigkeiten ausstatten. Damit unsere Helden die verbesserten Waffen jedoch tragen können, ist es ebenfalls notwendig, dass sie geübt im Umgang mit ihnen sind. Dieser verbessert sich automatisch im Kampf, kann jedoch auch im Dōjō trainiert werden, wenn die nötigen Voraussetzungen geschaffen sind. Im Gegensatz zum Vorgänger Samurai Warriors 4 gibt es für unsere Recken jedoch eine recht niedrige Level-Grenze. Um diese zu erhöhen, ist es zwingend erforderlich und empfehlenswert, früh in den zweiten Modus des Spiels einzusteigen. Im Zitadellen-Modus, der nach Abschluss des ersten Kapitels freigeschaltet wird, müssen wir unsere Burg vor angreifenden Armeen beschützen und den feindlichen Kommandanten ausschalten. Für einen Sieg erhalten wir Ressourcen, die wir in den Ausbau der Gebäude investieren können. Verbessern wir beispielsweise das Dōjō, können unsere Charaktere auch höhere Stufen erreichen. Hinzu kommt, dass sich hierbei Paare bilden können, für die dann besondere Ereignisse freigeschaltet werden. Auch wenn es anfangs nicht danach aussieht: In Samurai Warriors 5 steckt sehr viel Umfang, der sich für langjährige Fans aber wohl zu sehr in zwei Modi versteckt, die nicht ganz ohne Wiederholungen auskommen.

Visueller Stilbruch

Wollen wir nicht nur die beiden Hauptfiguren, sondern auch die zahlreichen Nebencharaktere aufleveln, müssen wir im Musō-Modus erst eine Schlacht erfolgreich beenden, bevor wir sie frei mit unseren Wunschkandidaten angehen dürfen. Eine Änderung innerhalb der Reihe, die nicht jedem Fan schmecken dürfte, ist der visuelle Stilbruch. Anstatt einem natürlichen Look zu folgen, kommen in Samurai Warriors 5 Cel-Shading-Grafiken zum Einsatz. Diese fallen vor allem bei den Charakteren auf, bilden aber wunderbar eine Symbiose mit der Umgebung. Die PlayStation-4-Fassung läuft zudem butterweich auf der PlayStation 5. Auch aufpoppende Truppen sind kaum bis gar nicht zu bemerken. Unterlegt werden die Schlachten mit einer angenehmen Musik, die aber leider nicht an die Qualität des Vorgängers heranreicht. Schreie und Waffengeklirr verdichten aber zumindest die Atmosphäre. Ebenfalls gefällt uns die sehr gute japanische Synchronisation. Eine englische oder gar deutsche Vertonung gibt es leider nicht. Das ist aber nur während des Schlachtengetümmels bedauerlich, denn hier die bis auf wenige Mängel guten deutschen Bildschirmtexte zu lesen und sich dabei aufs Geschehen zu konzentrieren, ist kaum möglich. Wem das Gameplay alleine zu dröge ist, kann sich einen Freund schnappen und das Spiel lokal oder online zusammen genießen – und genau dieser Umstand sorgt dafür, dass Samurai Warriors 5 immer mal wieder herausgekramt werden will.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Nach dem katastrophalen Dynasty Warriors 9 habe ich weit im Vorfeld das Schlimmste für die nächste Episode der für mich noch sehr viel interessanteren Samurai-Warriors-Reihe befürchtet. Zum Glück ist dieser Fall nicht eingetreten. Die Geschichte um Oda Nobunaga und Akechi Mitsuhide ist nicht sonderlich komplex, dafür aber umso einsteigerfreundlicher. Aufgrund des Fokus auf einen kleinen Ausschnitt der Zeit der streitenden Provinzen werden Anfänger nicht gleich von unzähligen Charakteren, Bündnissen und Verbindungen erschlagen. Langjährige Fans werden jedoch genau diese Entscheidung kritisieren, fehlen ihnen doch viele bekannte Schlachten und Gesichter. Trotzdem macht Samurai Warriors 5 sehr viel Spaß, was vor allem am Kampfsystem liegt. Dieses punktet mit einer Vielzahl an Kombinationsangriffen und Spezialfähigkeiten. Der Zitadellen-Modus ist ebenfalls eine nette Idee, die mich zumindest für ein paar Stunden dazu animiert, Ressourcen für Gebäudeverbesserungen zu sammeln und die Beziehungen unter den Charakteren zu festigen. Leider ist recht schnell die Luft raus, da es keine weiteren Modi gibt. Dafür werde ich aber zumindest vor dem heimischen Fernseher immer mal wieder Spaß mit dem Spiel haben, wenn ich mich mit einem Freund lauthals ins Schlachtengetümmel stürze!

Vielen Dank an Koei Tecmo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Samurai Warriors 5!

Review: Inuyasha (Box 6, Episoden 139–167)

Nachdem Fans der Anime-Serie Inuyasha zunächst etliche Jahre auf die Fortführung der Geschichte warten mussten, ging es nach der fünften Serienbox recht rasant. Die sechste Volume erschien im hiesigen Handel nur zwei Monate nach der fünften Ausgabe im Oktober 2018.

Inuyasha baut in den Folgen des sechsten Episodenpakets auf den Geschehnissen der vorherigen Handlung auf. Der Yōkai Hoshiyomi entführt die fünfzehnjährige Oberschülerin Kagome, die ihrem Verbündeten Akitoki, einem Vorfahren ihres Kommilitonen Hōjō, unterwegs ist. Gemeinsam mit dem Halbdämon Inuyasha, der Dämonenjägerin Sango mitsamt ihrer Nekomata Kirara, dem buddhistischen Mönch Miroku und dem kleinen Fuchs-Yōkai Shippō versucht Akitoki, seine große Liebe aus den Fängen von Hoshiyomi zu befreien. Dieser war einst in die Menschenfrau Tsukiyomi verliebt, wurde von dieser aber angeblich verraten. Mit Hilfe der Klinge des Himmels und der Klinge der Erde will Hoshiyomi die Menschheit vernichten. Hier spannt die Serie gewissermaßen eine Parallele zur Liebesgeschichte zwischen Inuyasha und der Miko Kikyō, die durch den Hauptantagonisten Naraku vor fünfzig Jahren erfolgreich torpediert wurde. Es ist im Übrigen nicht das einzige Mal, dass Inuyasha in der sechsten Ausgabe Bezug auf die Vergangenheit nimmt. Es gibt sogar ganze Rückblickfolgen, die dem Zuschauer einen neuen Einblick in die Vergangenheit von Inuyasha und Kikyō geben. Auch wie Inuyashas Kette gefertigt wurde und wie Kikyōs Schwester Kaede ihr Auge verlor, wird hier geschildert. Das Altern von Yōkai wird am Beispiel der kleinen Kirara ebenso demonstriert.

Weitgehend gelungene Charaktervielfalt

Vermutlich gelingt es der sechsten Serienbox der Anime-Serie noch besser als den vorherigen Episodenpaketen, die Welt von Inuyasha mit derlei Hintergrundinformationen stimmungsvoll und atmosphärisch zu inszenieren. Einerseits liegt das sicherlich daran, dass der Fokus auf die einzelnen Protagonisten gelegt wird. Der Zuschauer erfährt nicht nur mehr über Inuyasha und Kikyō, sondern auch mehr über die anderen Gruppenmitglieder. Unter anderem wird gezeigt, wie Sango und ihr inzwischen von Naraku gesteuerter Bruder Kohaku als Geschwister untereinander gelebt haben. Auch dass eine neue Liebschaft von Miroku ans Tageslicht kommt, ist ein wichtiges Kriterium für die Liebesbeziehung zwischen ihm und Sango, die so mal wieder auf eine harte Probe gestellt wird. Shippō bleibt jedoch weitgehend ein Sidekick, der für viele Streitigkeiten mit Inuyasha verantwortlich ist. Andererseits gibt es in den Episoden der sechsten Serienbox selbstverständlich wieder ein paar Auftritte von Inuyashas Bruder Sesshōmaru, dessen Diener Jaken und seiner Begleiterin Rin. Hier wirft die Anime-Serie einmal mehr die Frage auf, was wohl mit Rin passieren mag, wenn sie älter wird. Eine Antwort darauf gibt es jedoch nicht. Immerhin machen die beiden Gruppen Fortschritte bei der Verfolgung von Naraku – und zwar mit neuen Fähigkeiten, aber mit noch gefährlicheren Gegenmaßen vom Feind.

Neue Antagonisten mit durchtriebenen Methoden

Naraku gelingt es in den abschließenden Folgen der ursprünglichen Anime-Serie, seine Kräfte zu streuen und neue Identitäten zu schaffen. Aus dem einstigen Säugling wächst der undurchsichtige Hakudōshi heran, der genauso durchtrieben und fast so intelligent denkt wie Naraku. Auch das Feuerpferd Entei, das ihm als blitzschnelles Reittier dient, ist Inuyasha und Co mehr als nur ein Dorn im Auge. Mit Prinzessin Abi kommt zudem eine ebenso gefürchtete Antagonistin hinzu, die ihren Vögeln befiehlt, jedem Menschen das gesamte Blut auszusaugen und somit dem fiesen Naraku als dessen neues Werkzeug dient. All dies gipfelt selbstverständlich in zahlreichen Kämpfen, die zwar – wie für die Serie gewohnt – sehr kurz ausfallen, aber dafür mit intelligenten Ideen punkten, wie sie zum Abschluss gebracht werden. Erzähltechnisch gibt es allgemein nur wenige Hänger und wenn, dann sind diese in der nächsten Episode bereits vergessen. Unter akustischen und visuellen Gesichtspunkten kann die Anime-Serie mit den bekannten Melodien und ihrem gewohnten Zeichenstil überzeugen. Das Charakterdesign von Takahashi Rumiko punktet in Verbindung mit den tollen Animationen von Studio Sunrise auf ganzer Linie. Es gibt nur zum Ende hin ein paar Szenen, in denen die Qualität fällt. Es bleibt somit spannend, wie die letzten Episoden in Inuyasha: The Final Act ausfallen werden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Inuyasha hatte leider immer mal wieder ein paar Tiefen, die aber schnell mit neuen Höhen wettgemacht wurden. Die sechste Serienbox der Anime-Serie gelingt einerseits das Kunststück, viele kleine Geschichten miteinander zu verweben und neue Charaktere einzuführen, andererseits aber auch die Rahmenhandlung mit eben diesen kleinen Details zu füllen. Es ist unglaublich spannend, der Heldengruppe um Inuyasha, Kagome und Co zu folgen und mit ihnen neue Abenteuer zu erleben. Das ist in der sechsten Ausgabe vielleicht auch deshalb so interessant, da die Figuren mit Rückblenden oder auf sie zugeschnittenen Episoden wichtige Auftritte haben, wodurch sie noch greifbarer werden. In puncto Inszenierung, Weltendesign und Erzähltechnik gibt es eigentlich nichts, worüber ich mich aufregen könnte. Lediglich bei so mancher Animation in den abschließenden Episoden wäre so viel mehr möglich gewesen. Vor allem bei Rückblicken, in denen Szenen aus den ersten Folgen wiederverwertet werden, fällt der Qualitätsunterschied sehr stark auf. Da die nächsten und letzten Episoden von Inuyasha als Inuyasha: The Final Act erst fünf Jahre später entstanden sind, bleibt es an dieser Stelle für mich aber umso spannender, da sich sowohl in puncto Erzählung als auch Technik einiges verändern kann. Nichtsdestotrotz wird jeder Fan der Anime-Serie bis dahin auch mit der sechsten Serienbox sehr glücklich werden.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Inuyasha (Box 6, Episoden 139–167)!

Review: The Great Ace Attorney Chronicles

Bis vor Kurzem hätte niemand gedacht, dass The Great Ace Attorney: Adventures und The Great Attorney 2: Resolve jemals in Europa erscheinen. Ursprünglich 2015 und 2017 für den 3DS in Japan veröffentlicht, reichte Publisher Capcom beide Spiele im Juli 2021 endlich nach.

The Great Ace Attorney Chronicles ist eine Kollektion, die aus den beiden Spielen The Great Ace Attorney: Adventures und The Great Ace Attorney 2: Resolve besteht. Beide Abenteuer beinhalten jeweils fünf Episoden, die leicht miteinander verflochten sind, aber dennoch ihre ganz eigenen Fälle schildern. Im Gegensatz zu den vorherigen Titeln der Ace-Attorney-Reihe spielen die Titel nicht mehr im gegenwärtigen Japan, sondern machen einen großen Sprung zurück in die Vergangenheit. Einerseits findet das Geschehen im Japan der Meiji-Zeit, andererseits im viktorianischen England statt. Der Zeitraum um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ist unserer Meinung nach clever gewählt, da die Kriminalistik nach unserem heutigen Verständnis noch in den Kinderschuhen steckte. So wundert es uns noch viel weniger als in den vorherigen Spielen, welch regelrecht absurde Fälle vor Gericht landen, die wir aufklären müssen. In unserem ersten Fall müssen wir uns zum Beispiel selbst verteidigen, da wir angeblich einen Professor unserer Universität ermordet haben sollen. Mittel, Motiv und Gelegenheit werden gar nicht hinterfragt. Im Gegensatz zur Realität sind wir schuldig bis unsere Unschuld bewiesen ist. Selbst der Richter scheint mehr auf Seiten des japanischen Staatsanwaltes oder der englischen Jury zu sein, als die Tatsachen einfach nüchtern zu betrachten. Haarsträubend!

Textlastige Gerichtsverhandlungen

Dennoch passt gerade der erste Fall sehr gut zu Hauptfigur Naruhodō Ryūnosuke, der sich zu diesem Zeitpunkt noch mitten im Studium befindet. Mit der Zeit und mit der Unterstützung seines guten Freundes Asōgi Kazuma und seiner Assistentin Mikotoba Susato reift er jedoch vom unsicheren Student zu einem Anwalt mit Gerechtigkeitssinn heran, der an seine Mandanten glaubt. Erzählt wird die Geschichte, wie für das Franchise üblich, hauptsächlich über sehr lange Dialoge. Vor Gericht besteht unsere Aufgabe darin, die Zeugen während des Kreuzverhörs in die Mangel zu nehmen, Widersprüche in ihren Aussagen aufzudecken und Beweise und Indizien zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen. Machen wir einen Fehler, wird uns einer von fünf Versuchen abgezogen. Gravierend ist das aber nicht, da wir jederzeit speichern und den alten Spielstand laden können. Wichtig ist also, aufmerksam die Texte zu lesen. Wer aufpasst, findet den einen richtigen Weg durch die zeitlich ausufernde Gerichtsverhandlung. Abzweigungen und Abkürzungen gibt es nicht. Gerechtigkeit braucht seine Zeit. Nicht selten vergeht so auch schon mal eine Viertelstunde, bis wir wieder ins Geschehen eingreifen dürfen. Wer Visual Novels nicht mag und keine Charakterstudien an seinen Gegenübern durchführen will, wird mit The Great Ace Attorney Chronicles wohl nicht viel anfangen können. Da hilft es auch wenig, dass wir gelegentlich selbst den Tatort nach neuen Spuren absuchen müssen.

Charmante Inszenierung

Illustre und überzeichnete Figuren wie ein Mütterchen an ihrem Lebensabend, das fröhlich ihre nächste Kreation strickt oder einem Soldaten, der seinen Neugeborenen auf dem Rücken trägt, machen The Great Ace Attorney Chronicles zu einem unverwechselbaren Genuss. Humor wird großgeschrieben – und dieser macht auch nicht vor den sehr gut geschriebenen englischen Dialogen Halt. Eine deutsche Übersetzung gibt es bedauerlicherweise nicht. Um beide Spiele stolperfrei zu können, ist gutes Schulenglisch eine Grundvoraussetzung. Hinzu kommen Fachbegriffe, die nachgeschlagen werden müssen, aufgrund ihrer Häufigkeit aber schnell verinnerlicht sind. Im Übrigen haben wir die Wahl zwischen einer englischen und japanischen Synchronisation, die überwiegend jedoch nur Sprachsamples abdeckt. Von einer Vollvertonung wie in Famicom Detective Club: The Missing Heir & The Girl who stands behind kann die Kollektion nur träumen. In visueller Hinsicht wurden die Spiele für die Veröffentlichung auf der Nintendo Switch, der PlayStation 4 und dem PC etwas aufpoliert. Erwartet hier aber keine Wunder, denn obwohl das Charakterdesign gefällt, wirken die Animationen trotz ihres Charmes veraltet. Am Ende steht und fällt der Kauf aber nach wie vor mit der Bereitschaft, ellenlange Texte zu lesen. Ist diese vorhanden, steht dem Spielspaß nichts mehr im Wege!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Lange habe ich auf The Great Ace Attorney Chronicles gewartet. Nachdem ich irgendwann die Hoffnung aufgegeben habe, dass Capcom die beiden Spiele für den Nintendo 3DS hierzulande noch veröffentlichen wird, kündigt der japanische Publisher plötzlich und wie aus dem Nichts eine Portierung an, die auch in Europa erschienen ist. Das Warten hat sich in meinen Augen definitiv gelohnt, denn sowohl das Japan der Meiji-Zeit als auch das viktorianische England bieten mir genügend Gründe, mich noch einmal auf ellenlange und ausufernde, aber dennoch sehr spaßige Gerichtsverhandlungen einzulassen. Besonders die Musik hat es mir angetan, die jede Gemütsverfassung von Naruhodō Ryūnosuke stimmungsvoll ausdrückt. Hinzu kommen einmal mehr illustre und regelrecht durchgeknallte Charaktere, die den Ernst der Lage mit Humor wie eine Karikatur des Lebens erscheinen lassen. Schuldig bis die Unschuld bewiesen ist, heißt die Devise. Eine Devise, die mich in The Great Ace Attorney Chronicles fünfzig Stunden lang nicht loslässt, bis auch der letzte Mandant wieder in die Freiheit entlassen wird.

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Great Ace Attorney Chronicles!

Prime Time: Detektiv Conan (Box 12, Unboxing)

Keine Rezension zur Anime-Serie Detektiv Conan kommt bei uns ohne ein dazugehöriges Unboxing-Video aus. Dieses Mal möchten wir euch im Video die zwölfte Serienbox vorstellen. Welche optischen und haptischen Vorzüge und Nachteile diese hat, erfahrt ihr von unserem Chefredakteur Eric im Video. Viel Spaß!

Review: ReLife (Vol. 1)

Zwischen 2013 und 2018 erschien in Japan die Manga-Reihe ReLife von Autorin Yayoisō. Im Jahr 2016 folgte eine dreizehnteilige Anime-Serie, die einen Teil der Handlung abdeckt. Nach vier Jahren des Wartens wurde ReLife hierzulande endlich von Kazé Anime veröffentlicht.

In der im August 2020 veröffentlichten ersten von insgesamt drei Volumes wird die Grundlage für die dreizehn Episoden umfassende Anime-Serie gelegt. Alles beginnt mit dem 27-jährigen und erfolglosen Kaizaki Arata. Dieser schlägt sich als so genannter Neet durchs Leben, wie es zum Beispiel von den Protagonisten aus den Anime-Serien Re:Zero – Starting Life in another World und Eden of the East bekannt sein dürfte. Soll heißen, dass er weder arbeitet noch studiert. Genau genommen hat er bereits an der Universität seinen Abschluss gemacht und stand auch schon drei Monate im Berufsleben, bis er seinen Job hingeschmissen hat. Zu Beginn der ersten Episode vermasselt er das nächste Vorstellungsgespräch bei einer Firma. Niedergeschlagen von diesem Erlebnis dreht ihm seine Mutter auch noch den Geldhahn zu. Just in diesem Moment taucht der undurchsichtige Yoake Ryō vor ihm auf. Angeblich arbeitet er für das titelgebende ReLife-Forschungsinstitut. Ryō wählt Arata für ein Experiment aus und dieser willigt ein, zumal nach erfolgreichem Abschluss des Experiments ein Jobangebot auf ihn wartet. Nach einem kurzen Schnitt erinnert sich nicht nur Taugenichts Arata daran, auf was er sich da eigentlich eingelassen hat – auch der Zuschauer ist um einiges schlauer. Arata soll wieder die Schulbank drücken und besucht ab sofort eine Abschlussklasse einer Oberschule.

Zurück an die Oberschule!

Da das ReLife-Forschungsinstitut auch die Unterhaltskosten für Arata zahlt, muss er sich um das Beschaffen von finanziellen Mitteln keinerlei Sorgen machen. Wie das aber an einer Oberschule so ist, muss Arata erkennen, dass seine Mitschüler circa zehn Jahre jünger sind als er. Das führt selbstverständlich zu generationsübergreifenden Konflikten. Beispielsweise siezt er seine Mitschüler aus reiner Höflichkeit und schadet so seiner Coolness. Damit nicht genug, muss er des Weiteren daran denken, jeden Tag seine Tasche zu packen. Schon am ersten Tag in der Schule fällt ihm auf, dass er keinen Stift dabei hat. Seine Lehrerin Amatsu Kokoro, die übrigens nur zwei Jahre jünger ist als Arata, entdeckt daraufhin beim Durchwühlen dessen Rucksacks eine Zigarettenschachtel. Logisch, dass sich Arata nach dem Unterricht auf eine Standpauke bezüglich der ekligen Glimmstängel einstellen muss. Hinzu kommen regelmäßige Tests, bei denen Arata und seine Mitschüler mindestens fünfzig Punkte erreichen müssen. Andernfalls werden die Tests so lange wiederholt, bis sie die Mindestanzahl an Punkten erreichen. Obwohl der Alltag eines Oberschülers stressig ist, machen ihn die Mitmenschen erträglich. So schließt Arata zum Beispiel Freundschaft mit der wenig gesellschaftsfähigen Hishiro Chizuru oder Ōga Kazuomi, dem es nicht gelingt, eine romantische Beziehung zu führen.

Dynamisches Gesamtbild

Bei den Charakteren von ReLife handelt es sich durchweg um interessante Persönlichkeiten, deren Facetten erst peu à peu zum Vorschein kommen. So macht das Ansehen jeder Folge Spaß, da immer mal wieder neue Geheimnisse gelüftet werden. Sämtliche Figuren sind im Übrigen schön gezeichnet und reichlich animiert. Zusammen mit den im Kontext plastisch wirkenden Hintergründen und Umgebungen ergibt sich auf diese Art und Weise ein überaus dynamisches Gesamtbild. Neben der bildschirmfüllenden Optik im 16:9-Format kann ReLife ebenfalls auf akustischer Ebene punkten. Die Comedy-Einlagen werden mit aufregenden Musikstücken unterlegt, während die wenigen ernsten Momenten eher mit ruhigen Klängen im Tonformat Dolby Digital 2.0 auftrumpfen. Das Tonformat trifft sowohl auf den japanischen Originalton als auch die deutsche Synchronisation zu. Während Arata im Original von Ono Kenshō gesprochen wird, leiht in der deutschen Variante Johannes Walenta dem Oberschüler seine Stimme. Bei Chizuru dürfen sich die Zuschauer wiederum auf die Stimmen von Kayano Ai respektive Daniela Molina freuen. Während die Anime-Serie mit lustigen Ideen durchweg punkten kann, fällt sie in puncto Bonusmaterial durch. Digitales Material schlummert auf der Blu-ray Disc nicht. In physischer Form bietet die erste Volume nur ein achtseitiges Booklet.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): ReLife bietet einen kuriosen Einstieg, der sich um ein mysteriöses Experiment dreht. Zurück an der Oberschule muss sich Protagonist Kaizaki Arata wieder im Alltag zurechtfinden, Entscheidungen treffen und erkennen, dass er als Neet nicht weiter durchs Leben gehen kann. Hinzu kommen verschiedene lustige Ideen, die die Story von ReLife aufwerten. Als charakterbezogene Anime-Serie fokussiert sich die Erzählung dabei vor allem auf die Persönlichkeiten der Figuren, über die die Zuschauer mit jeder Episode mehr erfahren und erfahren wollen. Hinzu kommt ein hübscher Zeichenstil mit gelungenen Animationen, die das Bild immer in Bewegung halten. Bei der stets passenden Musik und den tollen deutschen und japanischen Synchronsprechern gibt es ebenso nichts auszusetzen. Schade nur, dass das Bonusmaterial der ersten Volume äußerst dünn ausfällt. Hier wäre zwar mehr möglich gewesen, doch vielleicht ändert sich das noch bei den nächsten beiden Ausgaben. Erfahren werden das nur die Zuschauer, die dranbleiben. Lust darauf, ob und wie das Experiment in ReLife aufgeht, machen die ersten Episoden allemal. 

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von ReLife (Vol. 1)!

Review: Mario Golf: Super Rush

Sieben Jahre ist es bereits her, seit Allround-Talent Super Mario in Mario Golf: World Tour das letzte Mal den Golfschläger in die Hand genommen hat. Nachdem der Klempner auf der Wii U dem Sport nicht frönen wollte, ist es in Mario Golf: Super Rush auf der Switch soweit.

Seit der Jahrtausendwende kümmert sich Entwicklerstudio Camelot Software Planning fast ausschließlich um die Mario-Tennis- und Mario-Golf-Spiele. Ausnahmen bilden ganz selten Rollenspiele wie Golden Sun: Die dunkle Dämmerung aus dem Jahr 2010. Ganz ohne Rollenspiel-Elemente kommt jedoch auch Mario Golf: Super Rush nicht aus, das im Juni 2021 auf die Spielerschaft losgelassen wurde. Wie schon im Nintendo-3DS-Vorgänger gibt es auch auf der Switch eine Kampagne. In dieser können wir uns einen Mii zurechtschustern oder einen auf der Konsole gespeicherten Avatar greifen, um in die Story einzutauchen. Diese ist jedoch nicht der Rede wert: Wir wollen schlichtweg Golfprofi werden und kämpfen uns durch diverse Turniere in verschiedenen Clubs an die Spitze. Das beginnt relativ leicht und steigert sich recht langsam über die nächsten Stunden. Auch wenn im Hauptmenü von Mario Golf: Super Rush alle Hilfestellungen einsehbar sind, ist die Kampagne unserer Meinung nach ein viel besser Einstiegspunkt, da diese optional als Tutorial dient. Soll heißen, dass wir die Erklärungen nicht nur nachlesen, sondern die Vorgaben auch selbst ausprobieren können. Zudem erhalten wir für das Abschließen der Aufgaben direkt unsere ersten Erfahrungspunkte, womit wir die Fähigkeiten unseres Miis schlagartig verbessern und ins Erlebnis eintauchen können.

Schnell, schneller, Speed-Golf!

Bei jedem Level-Aufstieg dürfen wir ein Attribut wählen, das wir erhöhen wollen. Danach können wir zum Beispiel den Golfball weiter schlagen, die Schläge genauer zielen oder mit erhöhter Ausdauer länger über den Rasen flitzen, was je nach Golfart von immenser Bedeutung sein kann. Mit der Zeit bilden sich unsere Talente bei Level-Aufstiegen jedoch wieder zurück, weshalb unser Mii niemals zu übermächtig wird. Da wir bei größeren Aufgaben oder ganzen Turnieren gleich mehre Stufen aufsteigen, fallen die Mali ebenfalls nicht so stark ins Gewicht, da wir auf Wunsch den Verlust gleich wieder ausgleichen können. Neben dem standardmäßigen Golf gibt es in Mario Golf: Super Rush noch zwei weitere Varianten. Allen voran wäre das der Modus Speed-Golf, den Nintendo schon bei der Erstankündigung des Spiels groß beworben hat und dem Titel eine tiefere Bedeutung gibt. Hier schlagen alle Spieler und Computergegner gleichzeitig ab und sausen dann zu ihrem Ball auf der jeweiligen Golfbahn. Das Anrempeln der Rivalen, die dadurch verlangsamt werden, gehört hier zum guten Ton. Dadurch erhält das temporeiche Golfen ein wenig mehr Dynamik. Wer seinen Ball schneller einlocht, bekommt entsprechend mehr Punkte gutgeschrieben. Das ist eine bekloppte Idee, die in erster Linie aber nur im Mehrspielermodus mit echten Kontrahenten wirklich Spaß macht.

Chaos in der Golfplatz-Arena

Neben Speed-Golf gibt es in Mario Golf: Super Rush auch noch den Spielmodus Battle-Golf, der sogar mit Computergegnern gut, wenn auch nicht so gut wie mit echten Mitspielern funktioniert. Ziel des Spiels ist es hier, auf einem speziell dafür hergerichteten Golfplatz in einer geschlossenen Arena drei Löcher für sich zu gewinnen. In regelmäßigen Intervallen bricht auf dem Platz jedoch das Chaos aus. Soll heißen, dass beispielsweise Supersterne ausgeteilt werden, mit denen wir nebenher Jagd auf unsere Gegner machen können. Das ist nicht nur herrlich abgedreht, hier kommt sogar richtiges Super-Mario-Feeling auf, das in weiten Teilen des restlichen Spiels fehlt. Im Gegensatz zu Mario Golf: World Tour hat Nintendo das kunterbunte Spektakel auf ein Minimum heruntergedreht. Die Golfplätze wirken weitgehend natürlich und erinnern damit eher an Wii Sports und Konsorten anstatt an die farbenfrohen Spielwelten der Jump ’n’ Runs mit dem schnauzbärtigen Klempner in der Hauptrolle. Gerade in dieser Disziplin hätten die Entwickler bei Camelot Software Planning punkten können. Der Fundus an kreativen Möglichkeiten ist in den letzten Jahrzehnten schließlich ins nahezu Unermessliche gestiegen. Dennoch gibt es auch in der Kampagne ein paar nette Einfälle, die den drögen Golfalltag ein wenig auflockern und die kurze Einmalspielzeit dadurch ein wenig ausgleichen.

Verschenkte Möglichkeiten

Neben der Kampagne können wir zwischen den drei Spielmodi wählen, die alleine, im lokalen Mehrspielermodus und online funktionieren. Der Umfang ist aber überschaubar und auch das Freischalten von weiteren Inhalten wie neuen Plätzen hält sich in Grenzen. So spaßig es ist, Charaktere wie Peach, Rosalina, Toad oder Yoshi mit ihren unterschiedlichen Attributen und Spezialfähigkeiten auszuprobieren – am Ende ist das zu wenig, um uns bei Laune zu halten. Dabei macht Mario Golf: Super Rush grundlegend alles richtig. Wir müssen das Gefälle berechnen, die Windstärke in die Flugbahn mit einbeziehen und bei Regenfällen daran denken, dass der Ball nicht mehr ganz so weit rollt, wenn er landet. Auch den Golfbällen ein wenig Drall zu verpassen ist möglich. Obwohl sich der Titel mit einem Joy-con via Bewegungssteuerung bedienen lässt, fällt es uns wesentlich leichter, die Schläge via Analog-Stick und Knöpfen zu kontrollieren. In technischer Hinsicht ist das flüssig laufende Spiel schick, kann aber nicht mit Super Mario Odyssey mithalten. Bei der Akustik sieht es nicht ganz so gut aus. Die Melodien passen zum Geschehen, fallen für unseren Geschmack aber zu wenig auf. Bedauerlich ist auch, dass der lustlos klingende Kommentator nur rudimentäre Wortfetzen spricht und nicht gleich das Geschehen beschreibt. Hier hängt Nintendo in puncto Atmosphäre der Konkurrenz hinterher. Es steckt so viel Potenzial im Spiel, das leider nicht genutzt wird. Schade.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Bereits im Vorfeld war ich skeptisch, ob Mario Golf: Super Rush an Mario Golf: World Tour aus dem Jahr 2014 heranreicht. Die Antwort auf meine Skepsis ist leider nicht so einfach. Auf der einen Seite finde ich die Kampagne, so kurz sie auch ist, ganz in Ordnung. Die Geschichte ist zwar Grütze, doch dafür gibt es ein paar interessante Ideen und immerhin dient sie dank vieler Hilfestellungen als gelungener Einstieg ins Spiel. Auf der anderen Seite ist es jedoch überaus bedauerlich, dass der Umfang von Mario Golf: Super Rush sehr klein ausfällt. Selbst freischalten lassen sich nur wenige Inhalte. Natürlich macht es mir Spaß, die verschiedenen Figuren aus dem Super-Mario-Universum auszuprobieren und die Tücken der Golfbahnen aufzudecken, doch wenn mir dafür nur drei unterschiedliche Spielmodi zur Auswahl stehen und es nur wenige Golfplätze zum Austoben gibt, ist mir das auf lange Sicht zu wenig. Der Speed-Golf-Ansatz ist für mich nur dann einen Blick wert, wenn ich den Titel mit Freunden spiele. Mein Highlight bleibt ganz klar der Battle-Golf-Modus, denn genau hier passiert jener Irrsinn, den ich in einem Super-Mario-Spiel erwarte. Mario Golf: Super Rush vermittelt in viel zu wenigen Momenten das bekannte Feeling des Franchises. Schlecht ist das Spiel deshalb noch lange nicht und es macht zwischendurch für ein bis zwei Partien mit Freunden auch sehr viel Spaß. Wer in die Reihe einsteigen will, sollte es eher mit einer der früheren Episoden probieren, die sich etwas stärker am Super-Mario-Universum orientieren.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mario Golf: Super Rush!

Review: Lupin III. – TV-Special Collection

Bereits vor der Ausstrahlung der französischen Fernsehserie Lupin im Januar 2021 war klar, dass die Marke dadurch frischen Aufwind bekommt. Dies war auch Kazé Anime bewusst, die den titelgebenden Meisterdieb in der Lupin III. – TV-Special Collection ins Rennen schickt.

In Japan ist Lupin III. schon seit den 1960er-Jahren ein Thema. Hierzulande ist die Marke in dieser Form weniger bekannt. Am ehesten dürfte wohl der Film Das Schloss des Cagliostro aus dem Jahr 1979 ein Begriff für Anime-Fans sein, zumal bei diesem Film Miyazaki Hayao Regie geführt hat. Des Weiteren wurden 2006 die vier in dieser Kollektion enthaltenen Filme schon einmal auf DVD veröffentlicht. Bei diesen fürs Fernsehen entstandenen Filmen handelt es sich aber nicht um die Anfänge, sondern bereits um den fünften, sechsten, siebten und achten Serienteil, die zwischen 1993 und 1996 entstanden sind. Bisher gibt es die ersten vier und auch die nachfolgenden Werke noch nicht in einer deutschen Fassung. In Anbetracht der sehr hohen Qualität aller vier enthaltenen Filme ist das wirklich bedauerlich. Schon der erste der vier vorliegenden Fernsehfilme zeigt, dass das Konzept zeitlos ist und jede Menge Spaß bereitet. In Der Höllentrip von Regisseur Ōsumi Masaaki von 1993 ist Arsène Lupin III. mal wieder auf der Flucht, doch darf ihn sein ewiger Kontrahent, der bei der Internationalen kriminalpolizeilichen Organisation arbeitende Inspektor Zenigata Kōichi, nicht mehr verhaften. Seit drei ganzen Jahren gelang es ihm nicht, Lupin zu schnappen. Mit dieser kurzen Exposition stellt der Film klar, dass Lupin anscheinend ein wahrhafter Meisterdieb ist.

Nervenkitzel bis zur letzten Minute

Anhand dieser Ausgangslage beginnt der titelgebende Höllentrip jedoch erst, denn während sich Zenigata im Alkohol ertränkt, soll stattdessen ein von Interpol beauftragter Profikiller die Jagd auf Lupin eröffnen. Damit sich Lupin und sein Komplize Jigen Daisuke den Profikiller Keith Hayden vom Hals schaffen können, helfen sie Zenigata dabei, die terroristische Gruppe Shot Shell zu stellen, wodurch Zenigata wieder mit dem Fall betraut werden könnte. Um das Ziel zu erreichen, bringt Lupins ewige Liebe Mine Fujiko die Kernphysikerin Karen Kowalski von der Universität Moskau in Sicherheit. Sie schließen sich zusammen, um das russische Unterseeboot Iwanow zu stehlen, um die Aufmerksamkeit von John Klause, dem Anführer von Shot Shell, zu erwecken. Auch Lupins Freund, der Samurai Ishikawa Goemon XIII., ist mit von der Partie. Deutlich an Tiefe gewinnt der Film dadurch, dass es zwischen Jigen und Kowalski eine Verbindung gibt, die sich auf die Vergangenheit der beiden Figuren bezieht. Fraglich ist jedoch, warum in Der Höllentrip noch das Komitee für Staatssicherheit existiert, obwohl klar gesagt wird, dass der Ostblock zusammengebrochen ist. Dies ist aber nur eine Kleinigkeit, die nicht sonderlich stark ins Gewicht fällt. Der Höllentrip ist dennoch ein sehr spannender und vor allem unterhaltsamer Film, der neunzig Minuten lang durchweg unterhält.

Schätze und Weltherrschaftspläne

Regisseur Okuwaki Masaharu zauberte 1994 den Film Der goldene Drache aus dem Ärmel. Anlässlich des vierhundertsten Todestages von Ishikawa Goemon, einem Räuberbandenanführer aus dem 16. Jahrhundert, wird ein Kabuki-Stück aufgeführt. Diese Aufführung lässt sich sein fiktiver Nachfahre selbstverständlich nicht nehmen. Auf einmal tauchen Shinobi auf, die Ishikawas Schwert stehlen wollen. In dieses Tohuwabohu werden auch Lupin und Jigen hineingezogen. Hinter dem Angriff steckt der chinesische Mobster Chen Zhenzhong, der in Hongkong die Strippen zieht. Auch Mine schmeißt sich auf ihre eigene Art und Weise an den Mobster heran, um ihm Informationen über einen Schatz zu entlocken. Gemeinsam erfahren sie von Chen, dass sich auf der 1912 gesunkenen Titanic eine Drachenskulptur befindet, die bereits Lupins Großvater nicht stehlen konnte. Entsprechend kapern sie vor der Küste der kanadischen Insel Neufundland ein Unterseeboot, um den Schatz zu bergen. Abseits dessen sucht Ishikawa in den Bergen nach einer Schriftrolle, die laut seiner Jugendfreundin Kikyō von immenser Bedeutung für jenen ist, der über die Drachenfigur verfügt. Selbstverständlich ist die Suche nach der Skulptur und der Schriftrolle mit vielen Hindernissen verbunden. Allen voran Chen will beide Schätze für seine Weltherrschaftspläne in die Hände bekommen.

Freund und Feind

In Der Schatz des Harimao von Regisseur Dezaki Osamu aus dem Jahr 1995 ergattert Lupin zu Beginn der Geschichte eine wertvolle Bärenfigur. Der Meisterdieb Harimao hat im Zweiten Weltkrieg in Malaysia die Engländer um mehrere Milliarden erleichtert. Wo sich das Geld beziehungsweise der Schatz befindet, kann aber nur jener herausfinden, der neben der Bärenfigur auch über die Affen- und Adlerskulptur verfügt. Es heißt, dass Sir Archer in London ein Experte auf dem Gebiet sein soll, da er während des Zweiten Weltkriegs als ein Soldat in Malaysia gedient hat. Mine hat den Braten bereits gerochen und sich bei Archer und seiner Enkelin Diana eingenistet. Aufgrund hoher Schulden müssen sie für finanzielle Unterstützung mit dem undurchsichtigen Anwalt Russel zusammenarbeiten. Kurz nachdem die zweite Figur entdeckt wird, tauchen plötzlich auch noch Neonationalsozialisten auf, die ebenfalls Interesse am Schatz haben. Um dem von Führerin Helma Frodit angeführten Gegner zuvorzukommen, schließen sich Lupin und Archer zu einer Einheit zusammen. In der Zwischenzeit wechselt Mine, die mittlerweile Russels Spiel durchschaut hat, plötzlich die Seite. Hier zeigt sich, dass die Lupin-III.-Filme über bestimmte Merkmale verfügen, die sich von Film zu Film in gewisser Weise ähneln. So hat Mine keine Probleme, ihre Verbündeten einfach auszuwechseln.

Diamantenfieber

Der letzte Film im Bunde ist Der Diamant der Dämmerung aus dem Jahr 1996, für den sich Regisseur Sugii Gisaburō verantwortlich zeigt. Von seinem alten Freund Dolune erhält Lupin eine Hälfte des ominösen Diamanten der Dämmerung. Der Edelstein soll, zusammen mit der anderen Hälfte, der Schlüssel zum Schatz des nahezu ausgerotteten Stamms der Gelt sein. Lupins Reise führt ihn nach Marokko, wo er sich zum einen mit den letzten Überlebenden des Stammes zusammenschließt, und zum anderen mit der peitschenschwingenden Sadachiyo anlegt. Diese ist, wie jeder Gegenspieler von Lupin, hinter demselben Schatz her. Die Story spielt sich jedoch im Gegensatz zu den vorherigen drei Filmen, die den Handlungsort öfters wechseln, fast ausschließlich in Marokko ab. Schlimm ist das aber nicht, da das Szenario für den Zuschauer so oder so exotisch bleibt und ein Abenteuer verspricht, das mit Wüstensand und der peitschenden Antagonistin ein wenig an die Indiana-Jones-Reihe erinnert. Wie schon Der Höllentrip weisen Der goldene Drache, Der Schatz des Harimao und Der Diamant der Dämmerung eine Laufzeit von neunzig bis einundneunzig Minuten auf, wodurch sich eine Gesamtspielzeit von sechs Stunden ergibt. Alle Filme haben genau die richtige Länge für alle Uhrzeiten und werden auch beim mehrfachen Ansehen weder langweilig noch langwierig.

Spionagefilm-Einflüsse

Obwohl der Zuschauer vor dem Ansehen auf den Gedanken kommen könnte, dass sich die Abenteuer von Lupin wie typische Gaunerfilme anfühlen, ist dies in Wahrheit nicht der Fall. So orientieren sich die Filme neben Indiana Jones an James Bond. Vor allem die Spionagefilme haben einen großen Einfluss auf Lupin III. gehabt. Unter anderem spionieren sich die Figuren aus, hetzen sich in Verfolgungsjagden ab, erleben brenzlige Situationen mit sehr viel Explosionen und liefern sich Schusswechsel. Ebenfalls mit dabei sind Verkleidungen und die dazugehörigen Gesichtsmasken, um die leicht hinters Licht zu führenden Untergebenen der Antagonisten zu täuschen. Die Antagonisten sind in der Regel selbst größenwahnsinnig, streben nach der Weltherrschaft und haben meistens eine Schwäche für Frauen, was Mine natürlich ausnutzen kann. Hinzu kommt, dass immer wieder neue Bündnisse geschmiedet werden und Mine nicht die einzige ist, die zum eigenen Vorteil agiert. Dass James Bond ein Vorbild ist, wird besonders in Der Schatz des Harimao mehr als deutlich, wenn Mine plötzlich einen Wagen der Marke Aston Martin und eine Walther PPK betrachtet. Sir Archer behauptet sogar von sich, dass seine Geheimdiensttätigkeiten als Vorlagen für James Bond herhalten würden, was ihm in gewisser Weise zu einer Interpretation von Autor Ian Lancaster Fleming macht.

Schlagfertiger Humor

Auch Gadgets, bei denen sich zum Beispiel Funkgeräte in Feuerzeugen oder Taschenlampen in Ringen verstecken, sind Anleihen an Qs Erfinderwerkstatt. In gewisser Weise taucht in jedem Film auch eine weibliche Rolle auf, die quasi den Stellenwert des so genannten „Bond Girls“ innehält. Wie die James-Bond-Filme sind auch die Lupin-III.-Filme nicht frei von Humor. Dieser wird meist subtil über Dialoge, schnelle Wortspiele und Wortwitze transportiert. Der Humor kommt dabei aber keinesfalls ohne sarkastischen Unterton aus. Manchmal sind die Sprüche sogar bewusst albern und regelrecht überzeichnet gehalten. Ein wenig aus der Zeit fallen aus heutiger Sicht die erotischen bis sexuell plumpen Anspielungen, wenn Lupin bewusst oder unbewusst an bestimmte Körperstellen der weiblichen Figuren greift. Es wird aber weitgehend nicht toleriert. Lupins Verhalten wird meistens unmittelbar bestraft, sodass die Quittung im wahrsten Sinne des Wortes Schlag auf Schlag ausgestellt wird. Allerdings ist es fraglich, was das ständige Entblößen von Brüsten im Film Der Diamant der Dämmerung eigentlich soll. Nur selten ist dies für die Story irgendwie von Bedeutung. Schade ist auch, dass die Kollektion ohne Bonusmaterial auskommt. Gerade Making-ofs, Interviews mit den vier Regisseuren oder andere Einblicke in die Produktion wären interessant gewesen. Auch in physischer Form enttäuscht die Filmsammlung in dieser Hinsicht trotz der schmucken Box.

Bekannte deutsche Synchronsprecher am laufenden Band

In puncto Synchronisation gefällt die deutsche Fassung außerordentlich gut. Lupin wird in allen vier Filmen von Peter Flechtner gesprochen, der hier wahrhaftig eine seiner besten Synchronarbeiten abliefert. Vor allem da die deutsche Texten sehr salopp übersetzt worden sind, geht das Konzept auf. In einer Szene stehlen Lupin und Jigen ein Motorrad. Während der Besitzer des Bikes leer ausgeht, drückt Lupin dessen Begleiterin ein wenig Geld in die Hand, die daraufhin kein Auge mehr für ihren Freund hat. Lupin kommentiert dies in der deutschen Fassung damit, dass „sie doch keine Lust aufs Kornfeld hat“. In gewisser Weise wurde die deutsche Fassung fürs deutsche Publikum zugeschnitten, denn in Japan dürfte wohl kaum jemand Jürgen Ludwig Drews Schlagerversion des Songs Let your Love flow kennen. Abgesehen davon ist es erstaunlich, wie viele bekannte deutsche Sprecher für die Synchronisation engagiert worden sind. Jigen wird beispielsweise von Tilo Schmitz, Mine von Ghadah Al-Akel und Ishikawa von Peter Reinhardt gesprochen. In weitere Rollen sind auch Heike Schroetter, Bernd Vollbrecht oder Jörg Hengstler zu hören. Bei der japanischen Version sind hingegen der 1995 verstorbene Yamada Yasuo und Kurita Kan’ichi in der Rolle von Lupin zu hören. Beide Sprachfassungen sind auf ihre eigene Art und Weise gut und wirklich zu empfehlen.

Universelle Themen und klare Rollenverteilung

Beide Tonspuren liegen in DTS-HD Master Audio 2.0 vor und haben einen guten Klang. Das kommt der Musik von Komponist Ōno Yūji zugute, die den vier Abenteuern auf ganzer Linie Atmosphäre einhaucht und entfernt an Klassiker wie Dragon Ball erinnert. Das Bild liegt bei allen vier Filmen, da sie fürs Fernsehen erstellt worden sind, altersbedingt nur im 4:3-Format vor. Dennoch ist die Auflösung höher und da die Datenraten enorm sind, liegt ein jeder Film auf einer einzelnen Blu-ray vor. In Der Höllentrip kommt es hier und da noch zu ein wenig Filmkorn und Bildflimmern, doch heben sich diese Defizite mit der Zeit auf und sind in den anschließenden Filmen kaum bis gar nicht mehr zu beanstanden. Interessant ist, dass in Der Schatz des Harimao auch mit geteilten Bildschirmen gearbeitet wird, um so direkt zwei an unterschiedlichen Orten gleichzeitig ablaufende Handlungen zu zeigen. So oder so können alle vier Filme auf ihre eigene Art und Weise eine bestimmte Dynamik entwickeln, die nicht nur mit der Bildgestaltung und Bildsprache, sondern auch mit dem Inhalt zusammenhängen. Alle vier Filme der Lupin III. – TV-Special Collection funktionieren gut, da jedem Zuschauer sofort die Rollenverteilung klar wird und danach bei jedem Film einfacher fällt. Aufgrund der universellen Verständlichkeit kann ein jeder Zuschauer sofort Spaß mit den Filmen haben.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit, mich in irgendeiner Weise mit dem Lupin-III.-Franchise zu befassen. Nach dem Ansehen der Lupin III. – TV-Special Collection kann ich jedoch mit Fug und Recht behaupten, dass die vier enthaltenen Filme der Kollektion ein wirklich guter Einstieg in die Reihe sind. Die Handlung, die sich stets um einen besonderen Schatz an exotischen Orten dreht und dabei jedes Mal ein gleiches Muster aufweist, ist leicht zu verstehen und auch die Figuren sind schnell verinnerlicht. Hinzu kommen einige Anspielungen an Indiana Jones und James Bond, was mir als Fan der beiden Franchises natürlich sehr gelegen kommt. Optisch stoßen die Filme trotz ihres Alters auf Gegenliebe bei mir, denn die handgezeichneten Bilder sind wirklich ein Augenschmaus. Ebenso können mich die wunderbaren Melodien von Komponist Ōno Yūji verzaubern, die die einzelnen Filme von Anfang bis Ende stimmungsvoll unterlegen. Wer ein wenig etwas für Meisterdiebe, Kunsträuber, Geheimagentenfilme und größenwahnsinnige Antagonisten übrig hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Ich habe jedenfalls sehr viel Spaß mit den vier Filmen der Sammlung und kann die Lupin III. – TV-Special Collection daher wärmstens empfehlen!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Lupin III. – TV-Special Collection!

Review: Go! Go! Kokopolo 3D: Space Recipe of Disaster

Im Jahr 2011 erschien mit Go! Go! Kokopolo ein interessanter DSiWare-Titel, der laut vieler Kritiken zu den besseren Download-Titeln für den Nintendo DSi gezählt wird. Mit Go! Go! Kokopolo 3D: Space Recipe for Disaster geht das Franchise in die nächste Runde, überzeugt uns aber nicht gänzlich.

Seit Jahrhunderten wacht der Weltraumhase Mikosuki über das Rezept der Unsterblichkeit. In einem Moment der Unachtsamkeit, als er mit seinem Weltraumgleiter durch das Universum tuckert, kollidiert er mit einem Meteoriten und die Steintafel mit dem wertvollen Rezept geht verloren. Aufgespaltet in drei Teile landet es in den Händen drei verschiedener Charaktere, die motiviert durch ihr Steintafelfragment auf die Suche nach den anderen beiden Teilen gehen. Der titelgebende Luchs Kokopolo möchte beispielsweise so viel Chaos wie möglich anstellen. Kokopolos bester Freund Tatsumo, ein Okapi, hat hingegen nichts Besseres zu tun und der Schutzgeist Jinbe möchte sein Fragment einfach nur dem rechtmäßigen Besitzer zurückbringen, um allen Tieren zu beweisen, wie selbstlos er doch ist. Von Beginn an dürfen wir uns entscheiden, über welche Figur wir die Kontrolle übernehmen möchten. Der Story-Modus ist nämlich in drei Abschnitte gegliedert, die wiederum in jeweils drei Welten mit mehreren Levels aufgeteilt sind. Kommen wir in einem Level partout nicht weiter, dürfen wir mittendrin auch einfach den Charakter wechseln, um stattdessen eine der beiden anderen Geschichten in Angriff zu nehmen. Gut erzählt wird die Handlung dabei allerdings nicht, da wir in der Regel von einem Level zum nächsten hüpfen, ohne dass uns die Story erschlägt.

Verfolgungsjagden

Das Gameplay von Go! Go! Kokopolo 3D ist schnell verinnerlicht. Mit Kokopolo, Tatsumo und Jinbe rasen wir über schmale Plattformen, die im Grunde wie Korridore wirken und so keinen Spielraum lassen, nach links oder rechts auszuweichen. Sobald wir auf einen Gegner treffen, müssen wir ihn mit einer kurzen Attacke lähmen. Die Paralyse hält jedoch nicht sehr lange an, denn kaum haben wir einen Feind unbeschadet hinter uns gelassen, jagt dieser wild entschlossen hinter uns her und gibt erst auf, wenn er uns einmal getroffen hat oder wir ihn zu einem Hindernis, das er nicht überwinden kann, locken. Um einen Level abzuschließen, sind die wilden Verfolgungsjagden sogar obligatorisch, denn alle Gegner müssen am Ende von einer fleischfressenden Pflanze verschlungen werden. Ist uns das gelungen, müssen wir auf dem Touchcreen des 3DS noch ein Symbol für jedes geschnappte Individuum im richtigen Moment aktivieren, damit Schätze und Nahrung in den Korridoren auftauchen, die von uns anschließend noch für die bestmögliche Punktzahl eingesammelt werden wollen. Die Levels funktionieren zwar allesamt nach demselben Prinzip, doch lockern etwaige Modifizierungen die Spielabschnitte etwas auf. Kanonen, Sprungplattformen, Sägeblätter und Stachelfallen machen das Spiel leicht abwechslungsreicher, bleiben aber hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Abschreckende Elemente

Ein wenig sind wir auch von den drei Helden des Spiels enttäuscht. Es ist egal, für welche Figur wir uns entscheiden, denn die Unterschiede sind rein kosmetischer Natur. Hier hätte man, wie auch in den einzelnen Levels, so viel mehr bieten können. Das Rasen, das zudem nicht immer mit einer eleganten Bedienung konform geht, wird durch die schlauchförmigen Levels immerhin gelegentlich mit Bossgegnern, bei denen wir besonders unser Geschick unter Beweis stellen beziehungsweise die Steuerung beherrschen müssen, aufgewertet. In den meisten Fällen fallen jedoch auch diese Auseinandersetzungen zu leicht aus, sodass vor allem geübte Spieler nicht auf ihre Kosten kommen. Wirklich knifflig ist es eigentlich nur, sich von vielen Gegnern gleichzeitig verfolgen zu lassen, denn so gut wie jeder Fehler wird dann mit dem Abbruch sämtlicher Verfolgungen bestraft. Wer sich den Titel für unterwegs kauft, da das Spiel eher für kurze Bus- oder Bahnfahrten prädestiniert ist, sollte sich jedoch im Klaren darüber sein, dass gelegentlich auch Gebrauch vom Mikrofon des Handhelds gemacht wird, in das reingepustet oder reingebrüllt werden muss, um sich etwa aus den Klauen von Feinden zu befreien. Eine optionale Knöpfchensteuerung wäre uns für sämtliche Aktionen lieber gewesen. So verschenkt der Titel reichlich Potenzial, das auch Gelegenheitsspieler spüren werden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Wenn ein Spiel mit einer möglichst japanischen Aufmachung veröffentlicht wird, habe ich in der Regel das Bedürfnis, es mir zumindest einmal anzuschauen. Die ersten Levels von Go! Go! Kokopolo 3D: Space Recipe for Disaster haben mir gezeigt, welches Potenzial im Spiel schlummert. Leider ist es den Entwicklern definitiv nicht gelungen, dieses Potenzial im Verlauf dutzender Abschnitte zu entfalten. Zwar verändert sich die Level-Architektur nicht nur auf optischer, sondern auch auf inhaltlicher Basis zunehmend und stellt mich im Grunde sehr gut vor die Aufgabe, meine Laufwege der schlauchartigen Strukturierung anzupassen, doch Probleme mit Übersicht und Steuerung, sowie den abwechslungsarmen Charakteren, demotivieren spätestens nach ein bis zwei Spielstunden. Wer dringend Nachschub an Geschicklichkeitsspielen benötigt, sich mit den Defiziten arrangieren kann und Pausen abseits von relativ kurzen Bus- und Bahnfahrten überbrücken will, darf dennoch einen Blick riskieren. Alle anderen suchen sich Alternativen.

Prime Time: Inuyasha (Box 5, Unboxing)

Da wir euch bereits zu den ersten vier Serienboxen der Anime-Serie Inuyasha ein Unboxing-Video präsentiert haben, soll dies bei der fünften Ausgabe nicht anders sein. In unserem Unboxing-Video präsentiert euch Eric die optischen und haptischen Vorzüge und Nachteile der fünften Volume. Wir wünschen euch viel Vergnügen!

Review: One Piece: Box 25 (Episoden 747–779)

Insgesamt vier Volumes hat der Handlungsstrang auf dem Inselidyll Dress Rosa in der Anime-Serie One Piece verschlungen. In der mittlerweile 25. Serienbox fällt es daher zunächst gar nicht mal so leicht, sich auf kürzere Abenteuer rund um die Strohhut-Piraten einzulassen.

Nach dem ausufernden Kampf gegen den üblen Antagonisten Don Quichotte de Flamingo müssen die verbliebenen Strohhüte rund um Held Monkey D. Ruffy von Dress Rosa schleunigst verschwinden. Die Reise führt Ruffy mit seinen Verbündeten, dem Piratenjäger Lorenor Zorro, der Archäologin Nico Robin, dem Schiffszimmermann Frankie, dem Lügenbold Lysop, den Samurai Kin’emon und Kanjūrō, sowie Ruffys Komplizen Trafalgar D. Water Law zur ominösen Insel Zō. Dort wollen sie ihre bereits vor etlichen Episoden dorthin aufgebrochen Freunde, sprich Navigatorin Nami, Smutje Sanji, Schiffsarzt Chopper, Musiker Brook, den kleinen Momonosuke und Laws Bande treffen. Das Wiedersehen wird allerdings durch unterschiedliche Faktoren erschwert. Zō ist nämlich keine Insel im herkömmlichen Sinne. Wie der Name des Eilands es bereits andeutet, befindet sich Zō auf dem Rücken eines tausend Jahre alten und gigantischen Elefanten, der durch das Meer stapft. Erst einmal müssen die Helden also einen Weg finden, den Elefanten namens Zunīsha zu besteigen. Auf dem Rücken angelangt, lernen sie über mehrere Episoden hinweg das Herzogtum Mokomo allen voran durch die illustren Bewohner kennen. Hierbei handelt es sich um die so genannten Minks, die hybridartig wie Tiermenschen wirken. Auf diese Art und Weise kann Zō viel Interesse wecken.

Turbulentes Überschlagen von Ereignissen

Spannend und interessant ist jedoch nicht nur der neue Handlungsort, an dem die 33 enthaltenen Folgen dieser Ausgabe größtenteils stattfinden. Auch die dort erzählten Geschichten sind unterhaltsam und bannen regelrecht an den Fernsehbildschirm. So erfahren die Strohhüte von den Minks von einem Angriff von einem Piraten, der Jack, die Dürre, genannt wird und Kaidō, einem der vier Kaiser, unterstellt ist. Jack ist hinter dem Shinobi Raizō her, der sich auf Zō versteckt halten soll. Es entbrennt ein erbitterter Kampf, bei dem selbst die beiden Herrscher der Insel, Inuarashi und Nekomamushi eingreifen müssen. Auch der unter der durchtriebenen Big Mom agierende Mobster Capone „Gang“ Bege erreicht Zō. Mit überzeugenden Argumenten bringt er Schwarzfuß Sanji dazu, sich von den Strohhüten binnen weniger Minuten abzuwenden und mit ihm zu verschwinden. Was dahinter steckt, soll an dieser Stelle jedoch nicht verraten werden. Erzählt wird ein Großteil dieser Geschichten jedoch in Rückblicken, da Nami und die anderen schließlich einige Tage vor Ruffy und Konsorten auf Zō eingetroffen sind. Schlimm ist das jedoch nicht, da sich beide Erzählebenen wunderbar ergänzen und die für das Verständnis wichtigen Informationen im genau richtigen Moment in den Raum werfen. Dazu gesellen sich ein paar Nebengeschichten, die die Handlung von One Piece ebenso aufwerten.

Mehr Erzählung, weniger Kämpfe

Unter anderem bekommen wir einen kleinen Einblick in das Geschehen rund um Ruffys Vater Monkey D. Dragon, dem Revolutionär. Außerdem steht die nächste Reverie auf dem Plan, bei dem sich alle Herrscher der Welt in Mary Geoise einzufinden haben, um die Weltpolitik der nächsten vier Jahre zu bestimmen. Deshalb gibt es hier und da ebenso ein Wiedersehen mit Prinzessin Nefeltari Vivi oder Prinzessin Shirahoshi. Auch ein kurzer Einblick in Bartolomeos Kindheit ist durch die kurze Rast auf der Insel Silver Mine inbegriffen, bevor es nach Zō geht. Kämpfe gibt es allgemein wenige in der 25. Serienbox zu sehen. Der Fokus liegt klar auf der Erzählung. Rückblenden zu Ereignissen, die bereits aus vorherigen Episoden bekannt sind, könnten den einen oder anderen Zuschauer hierbei jedoch stören. Dazu sei allerdings gesagt, dass sich die Flashbacks in Grenzen halten und weitgehend sinnvoll erscheinen. Positiv ist auch, dass diese gezeigten Szenen technisch überarbeitet sind und nicht stumpf im 4:3-Format wiedergegeben werden. Allgemein befindet sich die Bild- und Animationsqualität auf dem gewohnten Serienniveau. Akustisch gibt es ebenso die bekannten Melodien aufs Ohr, die besonders bei Rückblenden für nostalgische Gefühle sorgen. Als Bonus winkt einmal mehr ein Booklet mit Hintergrundinformationen zu den Charakteren und einem Episodenguide. Schön!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Episoden 747 bis 779 der Serie): Nach dem Handlungsstrang mit Überlänge auf der Insel Dress Rosa bin ich wirklich froh, dass die Erzählung in der mittlerweile 25. Serienbox von One Piece ein wenig kürzer ausfällt. Obwohl die Geschichten an unterschiedlichen Orten und auf verschiedenen Zeitebenen stattfinden, funktioniert diese Art der Erzählung dennoch sehr gut. In vielen Fällen greifen diese Szenen sogar derart organisch ineinander, dass der Übergang schon fast fließend ist. Auch Rückblenden an Geschehnisse, die in der Serie bereits vorgekommen sind, können mich überraschen. Beispielsweise wurde vor hunderten Episoden einmal kurz angerissen, dass Sanji im North Blue genannten Meer geboren wurde. Erst jetzt baut die Serie diesen Hintergrund aus! Das finde ich wirklich fantastisch, da dies einmal mehr zeigt, dass One-Piece-Schöpfer Oda Eiichirō die Story schon von Beginn an richtig gut mit Schlüsselmomenten ausgebaut hat, die später noch einmal sehr wichtig werden. Erzähltechnisch sind die Episoden 747 bis 779 also einmal mehr ganz großes Kino. Lediglich Kämpfe zwischen den Strohhüten und den neuen Antagonisten kommen zu kurz, was mich persönlich aber nur wenig stört, denn am Ende weiß ich, dass das nur die Ruhe vor dem Sturm ist und in den nächsten Volumes wieder ordentlich die Fäuste fliegen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von One Piece: Box 25 (Episoden 747–779)!

Review: Fairune 2

fairune-2-1Fairune 2 sieht auf den ersten Blick wie ein japanisches Rollenspiel der alten Schule aus. Es versucht mit fröhlichen Grafiken und knallbunten Texturen zu begeistern. Wer allerdings einmal genauer hinschaut, wird einige Abweichungen entdecken.

fairune-2-2In Fairune 2 schlüpfen wir in die Haut einer jungen Abenteurerin, die sich auf Geheiß eines magischen Buches in eine Fantasy-Welt aufmacht, um verschiedene Feen zu retten. Auf unserer Reise schicken wir Monster ins virtuelle Nirwana, sammeln Erfahrungspunkte, entdecken viele Geheimnisse an unterschiedlichen Orten und setzen gefundene Gegenstände an bestimmten Punkten geschickt beziehungsweise bedacht ein. Das klingt zwar alles nach einem typischen japanischen Rollenspiel, doch das ist Fairune 2 nicht. Um Monster zu besiegen, müssen wir einfach nur auf sie losstürmen. Handelt es sich dabei um schwächere Feinde, nehmen wir währenddessen keinen Schaden. Je stärker die Monster jedoch sind, desto mehr Energie verlieren wir beim Angriff. Zum Glück verrät uns das Buch, welche Monster wir uns als nächstes vorknüpfen sollten. Das mündet mit dem Lösen von eigentlich simplen Schalterrätseln in einem weitgehend linearen Abenteuer, das mit ständigen Laufwegen demotiviert. Zwar kann der charmante Grafikstil mit seinem einprägsamen Soundtrack durchweg überzeugen, doch können diese beiden Punkte das lahme Kampfsystem mit gut gemeinter Puzzle-Nähe und die von nervigen Laufwegen begleiteten Rätsel nicht entschädigen. Fairune 2 hätte an vielen Ecken und Enden überarbeitet werden müssen, um nicht im Mittelmaß zu versinken.

Erics Fazit: Fairune 2 ist optisch und akustisch wirklich ein wahrer Genuss für Nostalgiker, die sich prompt an ältere Spiele wie Mystic Quest für den Game Boy erinnern dürften und sich zugleich über die satten Farben freuen. Inhaltlich ist das Spiel aber nur durchwachsen. Die Kämpfe fallen durch die Puzzle-Nähe sehr lahm aus und die restlichen Rätsel münden zu oft in einfallslosen Laufwegen. Fairune 2 hätte wesentlich mehr sein können, ist aber nur ein Titel für experimentierfreudige Rollenspieler geworden.

Review: Detektiv Conan (Box 12, Episoden 308–333)

Anfang Februar 2020 erschien die inzwischen zwölfte Serienbox der beliebten Anime-Serie Detektiv Conan. Wieder einmal warten einige neue Fälle auf den Käufer, die zum munteren Mitraten animieren, wer denn dieses Mal wohl wieder der Täter oder gar der Mörder ist.

Detektiv Conan knüpft in den Episoden der zwölften Serienbox an die jüngsten Geschehnisse aus der elften Volume nahtlos an. Bei einem unerwarteten Mordfall in einem chinesischen Restaurant in Yokohama fällt Mōri Ran halb ins Koma. In ihrem Fiebertraum erinnert sie sich daran, wie sie sich in den siebzehnjährigen Schülerdetektiv Kudō Shin’ichi verliebt hat. Dementsprechend handelt es sich bei den ersten Episoden der zwölften Ausgabe um einen Flashback, der der Rahmenhandlung vorangestellt wird. In dieser dreiteiligen Rückblende sind Ran, Shin’ichi und dessen Mutter Yukiko in New York unterwegs. Dort treffen sie auf die Schauspielerin Sharon Vineyard, die ihnen einen gar nicht mal so kurzen Blick hinter die Kulissen des Broadways ermöglicht. Während einer Theateraufführung wird allerdings der Schauspieler Heath Flockheart auf der Bühne vor Publikum erschossen. Shin’ichi bleibt keine Wahl und muss den Mörder entlarven. Hinzu kommt, dass ein japanischer Serienmörder die Straßen der US-amerikanischen Großstadt unsicher macht und das Treiben im Big Apple überschattet. So sehr diese drei Episoden eine willkommene Abwechslung in der Serienhandlung darstellen, so wenig können sie den regelrechten Nervenkitzel der restlichen Geschichte einfangen. Das ist aber nicht schlimm, denn kurz darauf geht es in Detektiv Conan im gewohnten Trott weiter.

Spannende und knifflige Fälle

Für die zwölfte Volume der Anime-Serie haben sich die Köpfe hinter den Projekt wieder viele Ideen einfallen lassen. Unter anderem verschwindet Tsuburaya Mitsuhiko, was den Detective Boys und auch Professor Agasa Hiroshi nicht entgeht. Sie machen sich auf die Suche, die sie in die Präfektur Gunma führt. Ausgerechnet hierhin ist jedoch der Serienmörder Numabuchi Kiichirō geflohen, den aufmerksame Zuschauer vielleicht noch aus der vierten Serienbox von Detektiv Conan kennen. In einem anderen Fall müssen sich hingegen der Privatdetektiv Mōri Kogorō und Shin’ichis Freund und Rivale Hattori Heiji aus Ōsaka auf einer Insel vor der japanischen Küste messen – und wie das Zusammentreffen ausgeht, können sich Fans der Serie zusammenreimen. Spannender dürfte da schon eine Entführung sein, bei der eine sehr wichtige Person aus der Hauptbesetzung plötzlich verschwindet. Shin’ichi ist in seiner geschrumpften Form unter seinem Alias Edogawa Conan einmal mehr auf die Unterstützung der Detective Boys angewiesen ist. Nachdem es schon in jüngster Vergangenheit einen Fall vor Gericht geschafft hat, wiederholt sich das Prozedere in der zwölften Serienbox. Einmal mehr darf der Zuschauer die Rechtsanwältin Kisaki Eri im Kampf gegen die Staatsanwältin Kujō Reiko in Aktion erleben. Kogorō nimmt dabei erneut eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Falls ein.

Bodenständige Mordfälle

Detektiv Conan fällt in den Episoden 308 bis 333 im Übrigen sehr viel bodenständiger aus als die vorherigen dreihundert Folgen, zumindest was die Inszenierung der Mordfälle betrifft. Es wird weniger auf übertriebene Mordkonstruktionen gesetzt und selbst die eigentliche Durchführung der Tat ist in einigen Fällen sehr viel nachvollziehbarer. Das ändert aber nichts daran, dass der Zuschauer immer noch seine helle Freude daran hat, mitzurätseln, wer denn nun von allen verdächtigen Personen der Täter ist. In dieser Hinsicht machen die Folgen aus den Jahren 2002 und 2003 alles richtig. Zum Ende hin gibt es sogar sechs Episoden, die ein paar Fälle schildern, die über einige Jahre hinweg geschehen, aber dennoch eine Einheit bilden. Hierbei kommen dann auch Nebenfiguren wie Kommissar Takagi Wataru und ebenso seine scharfsinnige Kollegin Satō Miwako zu Wort. In den letzten beiden enthaltenen Episoden der zwölften Volume fällt dann übrigens nicht nur ein Wort zur schwarzen Organisation – inklusive eines Cliffhangers, auf dessen Auflösung Fans der deutschen Synchronisation mehr als zwölf Jahre warten mussten. Das heißt, dass der Zuschauer bei der zwölften Serienbox Abschied von dem einen oder anderen Sprecher nehmen muss. Es bleibt also überaus spannend, wie sich die Geschichte in der dreizehnten Serienbox nach viel zu langer Wartezeit weiterentwickeln wird.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Episoden 308 bis 333 der Serie): Detektiv Conan knüpft in der zwölften Serienbox an die Qualität der elften Ausgabe an. Das heißt auf der einen Seite, dass es nach wie vor Spaß macht, der kleinen Spürnase bei den Fällen zuzuschauen und ebenso mitzurätseln, wer die Tat begangen hat, doch auf der anderen Seite wird die Rahmenhandlung nicht so wirklich vorangetrieben. Fans der Reihe werden sich daran kaum stören, freuen sie sich doch umso mehr über neue Hintergründe von verschiedenen Figuren wie Satō Miwako. Interessant ist ebenfalls, dass viele der dargestellten beziehungsweise von Conan rekonstruierten Fälle sehr viel bodenständiger wirken als noch in den vorherigen Episoden. Es gibt kaum übertriebene Mordkonstruktionen und die meisten Taten sind mit logischem Denken nachvollziehbar. Bei den enthaltenen Folgen handelt es sich im Übrigen um die Episoden, bei denen im Jahr 2006 die deutsche Synchronisation vorerst abgebrochen wurde. Erst im Jahr 2018 wurde diese fortgesetzt. Ein Glück, denn sonst wäre der Cliffhanger am Ende der 333. Episode wirklich sehr, sehr qualvoll gewesen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Detektiv Conan (Box 12, Episoden 308–333)!

Review: Kid Tripp

Es gibt Spiele, die wollen über Monate fesseln. Dann gibt es Titel, für die wir immerhin ein paar durchzechte Nächte brauchen, um sie durchzuspielen. Kid Tripp gehört zu den Spielen, die innerhalb von einer Spielstunde unterhalten und einmalig durchgespielt werden wollen.

Eine großartige Geschichte wird in Kid Tripp nicht erzählt. Der titelgebende Held ist auf einer einsamen Insel gestrandet und will von dieser entkommen. Gehindert wird er daran von der hartnäckigen Fauna, die ihm am Strand, in Höhlen, am Eismeer und in einer Vulkanlandschaft das Leben erschweren möchte. Wirklich spannend ist das nicht, zumal selbst Titel wie Super Mario World oder Donkey Kong Country schon zu Beginn der 1990er Jahre eine – wenn auch nur leicht – ausgetüfteltere Handlung erzählt haben. Dennoch sollte man Kid Tripp deswegen nicht verurteilen, da ohnehin nur wenige Jump ’n’ Runs Wert darauf legen und man Kid Tripp aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit sowieso zum Geschicklichkeitsgenre zählen müsste. Jede der vier aufgezählten Themenwelten besteht aus fünf kurzen Levels, die summa summarum zwanzig Spielabschnitte ergeben. In jedem der vierzig Levels läuft unser Held automatisch los und wir müssen im richtigen Moment auf den Knopf drücken, um ihn über Abgründe oder Hindernisse springen zu lassen. Kollidieren wir mit einem Hindernis oder landen in einer Grube, verlieren wir einen von zehn wertvollen Versuch und starten das Level gänzlich neu. Aufgestockt wird unsere Versuchsanzahl, wenn wir einhundert Goldmünzen einsammeln, die in den Levels verteilt sind. Sind alle Leben eingebüßt, heißt es „Game Over“.

Starke Spielwelt, faule Gegner

Der Game-Over-Bildschirm ist allerdings nur für die Hardcore-Fans des Titels tragisch, denn bei diesem Bildschirmtod verlieren wir alle Münzen, von denen wir ohnehin nur eintausend Stück für einen Erfolg sammeln müssen. Andere Herausforderungen, wie das Sammeln aller Münzen sämtlicher Welten oder das Beenden eines Levels ohne einen Gegner aus dem Weg zu räumen, erledigen wir fast schon im Alleingang. Feinde werden im Übrigen ganz klassisch besiegt, indem wir auf sie hüpfen oder etwas brutaler, wenn wir sie mit Steinen aus unserem nimmerleeren Steinvorrat bewerfen. Hauptsächlich geht es in Kid Tripp allerdings darum, ein Level so gut es geht abzuschließen und dazu gehören unweigerlich das Auswendiglernen der Spielwelt und der Positionen aller Gegner. Sehr oft kommt es nämlich auf millimetergenaue Sprünge an, die noch dazu auch korrekt zeitlich abgestimmt werden wollen, da nicht selten ein Sprung auf den nächsten und ein Feind nach dem anderen folgt. Während die Spielwelt recht vielseitig ausfällt und mit Palmen, Felsen, Eisblöcken und Lavaseen durchgehend sehr viel Abwechslung bietet, fallen die Feinde recht abwechslungsarm aus. Hasen, Schlangen, oder Spinnen lassen sich problemlos mit einem Hüpfer aus dem Weg räumen – nur Krabben wollen unbedingt mit einem Steinwurf erledigt werden. Da wäre viel mehr möglich gewesen!

Kurz, kürzer, Kid Tripp

Wer sich mit zwanzig Levels auf ein halbwegs umfangreiches Spiel freut, der irrt an dieser Stelle zumindest teilweise. Jeder Spielabschnitt ist in der Regel innerhalb von zwanzig bis dreißig Sekunden durchgespielt, doch aufgrund des Auswendiglernens wird die Spielzeit bei einem Durchlauf für durchschnittliche Spieler auf maximal sechzig Minuten gestreckt. Wer dann auch noch alle Erfolge sammeln will, kann auf die Spielzeit noch zwei bis drei Stunden draufrechnen. Die Steuerung funktioniert in den meisten Fällen hervorragend, denn nur selten hatten wir das Gefühl, dass ein Befehl per Knopfdruck nicht ausgeführt wurde. Grafisch erinnert das Geschicklichkeitsspiel stark an 8- und 16-Bit-Hüpfspiele. Während die Level-Architektur den Super-Mario- und Kirby-Spielen ähnelt, erinnert das hohe Spieltempo ein wenig an Sonic The Hedgehog. Spielfigur Kid Tripp selbst verweist mit seinem Aussehen hingegen wiederum auf Nintendos Allround-Talent Super Mario. Die akustischen Merkmale lassen uns an Game-Boy-Spiele erinnern und sorgen in jedweden Level für ein nostalgisches Gefühl. Soundtrack und Optik ergeben zusammen ein stimmiges Gesamtbild, das bei jedem Spieldurchlauf begeistert. Die Zeit bei kurzen Bus- und Bahnfahrten lässt sich mit Kid Tripp definitiv wunderbar vertreiben, doch mehr als einen Abend wird der Titel kaum füllen können.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der eShop-Fassung): Kid Tripp ist in meinen Augen ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite mag ich die kurzen Spielabschnitte, da sie sowohl intelligent gestaltet sind, als auch sehr, sehr viel Abwechslung bieten. Auf der anderen Seite ist das Spiel – trotz Auswendiglernen der Level-Architektur und Positionen von bestimmten Gegnern innerhalb einer Stunde viel zu rasch durchgespielt und entsprechend kurzweilig. Selbstverständlich habe ich dann noch nicht alle Erfolge freigeschaltet, doch auch dieses motivierende Unterfangen kann ich innerhalb von zwei bis drei weiteren Spielstunden erreichen. Aufgrund des recht geringen Preises sollten sich Fans von Geschicklichkeitsspielen den Titel aber auf jeden Fall einmal genauer anschauen, da besonders jene Spieler, die öfters kürzere Wartezeiten überbrücken müssen, schnell ins Geschehen eintauchen können und so die Zeit wie im Flug vergehen lassen. Wer sich auf ein mehr als abendfüllendes Abenteuer einlassen will oder sich für den Titel aufgrund ähnlich aufgebauter Smartphone-Spiele ohnehin nicht interessiert, sollte lieber ältere Jump ’n’ Runs der Super-Nintendo-Ära hervorkramen.

Unboxing: Hayao Miyazaki Collection [Special Edition]

Bereits vor einigen Jahren erschien die Hayao Miyazaki Collection in Form einer limitierten Erstauflage auf Blu-ray Disc. Bis auf die Nummerierung auf der Box und der beigefügten Bonus-DVD hat sich bei der Special Edition aber nichts geändert. Daher ist die Box auch deshalb durchaus eine Empfehlung wert, wie wir in unserem Unboxing-Video anmerken. Wir wünschen euch viel Spaß und gute Unterhaltung beim gemeinsamen Auspacken mit unserem Chefredakteur!

Review: Shin-chan: Crash! – Königreich Kritzel und fast vier Helden

Kaum zu glauben, aber wahr: Jahrelang war im deutschsprachigen Raum Crayon Shin-chan kein Thema. Nachdem bereits neue Folgen auf DVD veröffentlicht worden sind, folgte am 26. Juni 2021 mit Shin-chan: Crash! – Königreich Kritzel und fast vier Helden der 28. Film.

Im Gegensatz zur Anime-Serie erzählt der 28. Kinofilm, der hierzulande direkt auf DVD und Blu-ray Disc veröffentlicht wurde, eine wesentlich abgedrehtere Geschichte. Im Mittelpunkt von Shin-chan: Crash! steht das fantasievolle Königreich Kritzel, das dem Untergang geweiht ist. Das liegt daran, dass die Kinder auf der Erde nicht mehr kritzeln, also malen wollen, da sie ihre Zeit lieber mit Videospielen verbringen, in der Schule Tablet-PCs verwendet werden oder das Malen gleich in die virtuelle Realität verlegt wird. Es fehlt der Nation an Kritzeleien, die ihr Kraft geben. Entsprechend beschließt der gemeine Verteidigungsminister des Königreichs Kritzel auf der Erde oder genauer gesagt in der Stadt Kasukabe in der Präfektur Saitama in Japan einzufallen. Die ganze Geschichte wird noch absurder, als plötzlich Fallschirmspringer in Kasukabe landen. Hierbei handelt es sich um übergroße Buntstifte, die die Menschen auffordern, etwas zu kritzeln. Weigern sie sich, werden sie mit einer ominösen Fotokamera in Kunstwerke verwandelt und an die Wand gebannt. Der Prinzessin des Königreichs gelingt es in allerletzter Minute, den Hofmaler nach Kasukabe zu schicken, damit der magische Wachsmalstift den Auserwählten finden kann. Damit der Film seinem Helden gerecht wird, dürfte es jedem Zuschauer bereits klar sein, wer nur damit gemeint sein kann.

Humorvolle und abgedrehte Fantasy-Geschichte

Wer die Anime-Serie Crayon Shin-chan nicht kennt, der sollte wissen, dass es sich bei dem titelgebenden Nohara Shinnosuke um einen kleinen Jungen handelt, der nichts als Unfug im Kopf hat. Entsprechend humorvoll ist eine jede Geschichte, die das Franchise erzählt. Wie in der Anime-Serie ist der Humor auch in Shin-chan: Crash! regelrecht überdreht. Das fängt abseits der absurden Handlung schon beim Frühstückstisch an. Während sich sein Vater Hiroshi über das am Abend anstehende Nomikai auslässt, schießt Shinnosuke mit seiner Action-Figur ein Geschoss auf seine jüngere Schwester Himawari. Diese erleidet daraufhin einen Heulkrampf, der von der überforderten Mutter Misae gelindert werden muss. Im ganzen Tohuwabohu spritzt auch noch Kaffee auf Hiroshis Hemd und Shinnosukes Bus zur Vorschule wartet schon vor der Tür. Diesen verpasst der Bengel natürlich. Hinzu kommt, dass er sich von der hübschen Ōhara Nanako, seiner großen Liebe, ablenken lässt. Der 28. Kinofilm reiht im Minutentakt eine abstruse Situation an die andere. Deshalb ist er auch nicht im Geringsten langatmig. Ständig passiert etwas Lustiges oder Neues. Selbst neue Charaktere werden zum richtigen Zeitpunkt eingeführt. Damit Shinnosuke die Welt retten kann, kritzelt er sich mit dem Zauberstift drei ulkige Gefährten hinzu, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Kleine, aber feine Heldenreise

Zu Shinnosukes Gefährten gehört zum Beispiel eine sprechende Unterhose, die dem Helden mit Rat und Tat zur Seite steht. Ebenfalls erfährt Shinnosuke Unterstützung von einer weniger hübschen Nanako-Kopie, die als Packesel und helfende Hand aber gut genug ist und zudem auch ordentlich austeilen kann. Mit von der Partie ist auch Buriburizaemon, ein mühseliges Schwein, das mit einem Katana bewaffnet ist und selten mit offenen Karten spielt. Yūma, der Sohn einer Restaurantbesitzerin, schließt sich der Gruppe ebenso an, da seine Mutter nicht von einem Ausflug aus Kasukabe zurückgekehrt ist. Mit der Zeit wächst Shinnosuke über sich und seine Fähigkeiten hinaus. Neben der Heldenreise und dem Kampf gegen die vom Verteidigungsminister ausgesandten Truppen kommen weitere Themen wie Freundschaft hinzu. Schließlich muss Shinnosuke auch seine vier Freunde Kazama Tōru, Sakurada Nene, Satō Masao und Suzuki Bō aus der mittlerweile belagerten Vorschule befreien. Auch weitere illustre Figuren wie seine Mutter und seine Vorschullehrerin Ishizaka Midori gehören zu den Menschen, um die er sich in Shin-chan: Crash! kümmert. Natürlich  hat auch Shinnosukes Hund Shiro ein paar Auftritte. Die obligatorische Szene, dass die Familie vergessen hat oder verhindert war, ihn zu füttern, ist selbstverständlich in die wahnwitzige Handlung integriert.

Abwertung und Aufwertung

Böse Zungen behaupten, dass der Zeichenstil von Crayon Shin-chan nicht sonderlich gut sei. Womöglich ist dies einfach Geschmackssache, doch der 28. Kinofilm der Reihe kritisiert sich durch die fleischgewordenen Kritzeleien in gewisser Weise selbst. Diese sehen teilweise echt schrecklich aus, geben dem Anime-Film zugleich aber eine zweite Ebene, wodurch sämtliche Figuren und Animationen gleich viel besser aussehen. Crayon-Shin-chan-Fans wissen aber ohnehin schon, auf was sie sich einlassen. Akustisch reißt der Film im Gegensatz zur Serie aber einiges raus, denn auf die bekannten Melodien verzichtet der Streifen und bietet dafür einen Soundtrack, der einem Abenteuer- und Fantasy-Film würdig ist. Das Bonusmaterial des Films fällt aber leider dürftig aus. In digitaler Form liegen lediglich der japanische Trailer und das Clean Ending des Streifens vor. Ein Making-of oder Interviews mit den Köpfen hinter dem Projekt wären durchaus interessant gewesen. Dafür entschädigen ein Stickerbogen mit insgesamt elf Aufklebern und ein zweifach gefaltetes Poster als physische Dreingabe. Auch hier hätte die Veröffentlichung mit einem Booklet, das Informationen zur Produktion gibt oder auch zusätzliche Hinweise zur Geschichte und den Charakteren liefert, punkten können. Unterm Strich zählt aber der Inhalt und der ist in Shin-chan: Crash! sehr zufriedenstellend.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Shin-chan: Crash! – Königreich Kritzel und fast vier Helden ist ein herzerweichender Film. In diesem wird nicht einfach nur eine alberne Geschichte erzählt. Die Handlung zeigt, wie Shinnosuke mit der Zeit und mit neuen Verbündeten an seiner Seite über sich hinauswächst, sich für die richtigen Ziele aufopfert und trotzdem noch genau der Lausebengel bleibt, den die Fans lieben. Auch wenn die Geschichte klar dem Fantasy-Genre zugeordnet werden kann, stellt der 28. Kinofilm so ein Gegengewicht zur Serie dar, die sich eher um profane Dinge dreht. Das rege Treiben ist mit einem wirklich tollen Humor gepaart, sodass eine abstruse Situation an die andere gereiht ist. Dadurch ist der Film an keiner Stelle langatmig oder gar langweilig. Es macht durchweg Freude, den Film anzuschauen. Nicht nur Heranwachsende, sondern auch Erwachsene werden sehr viel Spaß mit dem 103-minütigen Abenteuer haben, da auch Themen angesprochen werden, die Kinder in ihrem jungen Alter gar nicht verstehen. Shin-chan: Crash! – Königreich Kritzel ist ein echter Tipp. Da bleibt nur zu hoffen, dass der hiesige Publisher Polyband auch weitere Filme des Franchises hierzulande veröffentlichen wird. Auswahl gibt es schließlich genug!

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplar von Shin-chan: Crash! – Königreich Kritzel und fast vier Helden!

Review: Tank Troopers

tank-troopers-1Mehrspielertitel erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit. Das hat auch Nintendo erkannt und mit The Legend of Zelda: Tri Force Heroes und Metroid Prime: Federation Force zwei wichtige Marken ins Rennen geschickt – und uns damit nur sehr mäßig überzeugen können.

tank-troopers-2Zu Beginn können wir sagen, dass Tank Troopers wesentlich mehr Spaß macht und dennoch ein paar große Fehler begeht. Wir schlüpfen in die Rolle einer Kompanie, die sich Panzerschlachten mit einem nicht näher definierten Feind liefern. Eine Story, die den Charakteren Persönlichkeiten verleiht, gibt es leider nicht. Ebenso haben es die Entwickler versäumt, das Universum auszugestalten. So werden wir einfach nur in den Kampf geworfen und wissen die ganze Zeit über nicht, warum wir uns überhaupt bekriegen. Der Titel verspielt hier großes Potenzial – vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass Nintendo mit Tank Troopers eine neue Marke ins Portfolio aufnimmt, wäre hier eine größere Anstrengung wünschenswert gewesen. Stattdessen möchte sich Entwickler Vitei aufs Gameplay konzentrieren und macht glücklicherweise immerhin hier einiges, wenn auch nicht alles, richtig. Tank Troopers unterteilt sich im Einzelspielerbereich in zwei Spielmodi, die aber nur wenige Unterschiede bieten. Im Rekrutenmodus werden uns die Soldaten pro Level vorgegeben. Hier müssen wir also mit den Charakteren im Panzer zurechtkommen, um die Mission erfolgreich abschließen zu können. Besonders schwierig ist das aber nicht, da die Spezialfähigkeiten der verschiedenen Figuren trotz großen Abwechslungsreichtums nicht über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Bonus für Mehrspielerfreunde

tank-troopers-3So können wir mit der Figur Max Späher Feinde in der näheren Umgebung erkennen und mit Spark können wir Gegner stattdessen kurzzeitig paralysieren. Allerdings kommt es vor allem auf das genaue Zielen und auf das zeitlich gut abgestimmte Abfeuern der Kanone an. Feindlichen Schüssen müssen wir geschickt ausweichen, um unnötigen Schaden zu vermeiden. Deshalb sollten wir auch unsere Lebensenergie im Auge behalten. Wenn unser Kettenfahrzeug fast auseinanderbricht, sollten wir dringend Reparatur-Power-ups suchen. Für besiegte Gegner und zerstörte Gebäude hagelt es zudem Münzen. Diese dürfen wir im Offiziermodus, der aus denselben Levels wie der Rekrutenmodus besteht, gegen neue Panzerwagen, Lackierungen und Gruppenmitglieder ausgeben. Da diese Inhalte nicht gerade spottbillig sind, fühlt sich der Titel als Solospieler aufgrund des Sammelns von neuen Moneten künstlich in die Länge gezogen an. Im Mehrspielermodus gibt es zwar deutlich mehr Münzen zu ergattern, doch wer darauf gehofft hat, online neue Gegner zu suchen, wird enttäuscht. Tank Troopers ist nur aufs lokale Spiel ausgerichtet. Immerhin benötigt nur einer der bis zu sechs Spieler den Download-Titel auf seinem Handheld, denn per Download-Spiel können eure Freunde Tank Troopers temporär auf ihre Handhelds herunterladen, ohne zum Kauf des Spiels gezwungen zu werden.

Mobiler Krieg für Hobby-Militärs

tank-troopers-4Allerdings kann Tank Troopers auch alleine gut und gerne einige Stunden lang unterhalten. Unterm Strich fallen die Missionen nämlich abwechslungsreich aus. Es geht nicht immer darum, alle Gegner zu besiegen. Manchmal müssen wir unter Zeitdruck ein markiertes Ziel erreichen, bei starkem Nebel alle Geschütztürme ausschalten, eine Basis unter Beschuss nehmen oder eine riesige Eisenkugel in einem Stadion durch mehrere Tore bugsieren. Das macht Spaß, entschädigt für andere Defizite und funktioniert dank der fast tadellosen Steuerung meist sehr anständig. Wer kein Fan davon ist, besonders bei eingeschaltetem Tiefeneffekt, seinen Handheld zu schwenken und somit aufs leichte Korrigieren der Fadenkreuzposition im Third-Person-Shooter zu verzichten, kann die Bewegungssteuerung optional auch jederzeit abstellen. Optisch besticht der Titel mit bunten Farben, die mit heiterer Musik auf der akustischen Seite fröhlich unterlegt wird. Einzig und allein die Animationen der Charaktere und Fahrzeuge hätten etwas frischer und die Kommentare der weiblichen Erzählstimme abwechslungsreicher ausfallen dürfen. Hobby-Militärs, die dem mobilen Krieg nicht abgeneigt sind und in ihrer Nachbarschaft bis zu fünf Freunde finden, kommen um Tank Troopers nicht herum. Alle andere sollten sich die Anschaffung aufgrund der Defizite mehr als einmal gut überlegen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Im Vorfeld habe ich mich sehr auf Tank Troopers gefreut, da ich grundsätzlich ein Fan von leicht verständlichen und spaßigen Mehrspielertiteln bin. Aufgrund des fehlenden Online-Modus weiß ich jedoch jetzt schon, dass ich auf Dauer nicht glücklich mit dem Titel werde. In meinem Leben kommt es viel zu selten vor, dass ich mit bis fünf Freunden am Tisch sitze und Mehrspielertitel spielen werde. Hier hätte ein Online-Modus wahre Wunder bewirkt, denn so spiele ich Tank Troopers eher alleine und störe mich trotz der sehr abwechslungsreichen Missionen und Spezialfähigkeiten zu oft an der fehlenden Handlung und des unausgereiften Universums. Erschwerend kommt hinzu, dass ich als Solospieler mehr Zeit benötige, um alle Inhalte freizuschalten, wodurch Tank Troopers dann doch zu sehr in die Länge gezogen wird. Schade, denn hier haben Nintendo und Vitei das volle Potenzial einfach nicht ausgespielt.

Review: Inuyasha (Box 5, Episoden 105–138)

Bevor die ersten vier Serienboxen der Anime-Serie Inuyasha im deutschsprachigen Raum auf Blu-ray Disc erschienen sind, veröffentlichte der Publisher Kazé Anime die fünfte, sechste und siebte Volume. Die fünfte Ausgabe machte 2018 mit Änderungen auf sich aufmerksam.

Inhaltlich knüpft die in der fünften Serienbox erzählte Geschichte an die überaus turbulenten Geschehnisse der vierten Volume nahtlos an. Die fünfzehnjährige Mittelschülerin Higurashi Kagome, der buddhistische Mönch Miroku und die Dämonenjägerin Sango wurden von dem durchtriebenen Giftmischer Mukotsu außer Gefecht gesetzt. Den verbliebenen Helden, sprich der titelgebende Halbdämon Inuyasha, der Fuchs-Yōkai Shippō und Sangos Nekomata Kirara bleibt nicht anderes als der Rückzug übrig. Trotz Mukotsus rasches Ableben am Ende der vierten Serienbox müssen sie sich vor sechs weiteren Feinden in Acht nehmen, denn der Halunke gehörte zu den sieben legendären Kriegern, die sich aus ihrem Grab erhoben haben. Während der Flucht werden die Helden vom maschinenartigen Ginkotsu gejagt. Dieser schießt messerscharfe Sägeblätter durch die Luft und versucht seine Gegner mit Stahlfäden in die Finger zu kriegen. Auf Inuyashas Geheiß sollen Shippō und Kirara die drei bewusstlosen Freunde in Sicherheit bringen, während er sich Ginkotsu stellt. Shippō und Kirara gelingt es, Kagome, Miroku und Sango in einen Tempel zu bringen, doch lauert ihnen dort bereits Renkotsu auf. So überschlagen sich die Ereignisse in den ersten Episoden dieser Serienbox mehrfach. Außerdem wird das Geschehen sehr spannend aus mehreren Blickwinkeln eingefangen.

Kämpfe an allen Fronten

Dementsprechend kommen in der fünften Volume von Inuyasha ebenso die Nebencharaktere deutlich häufiger zur Geltung. Wolfs-Yōkai Kōga trifft zum Beispiel auf den selbstverliebten Schwertkämpfer Jakotsu. Inuyashas verflossene Liebschaft Kikyō macht hingegen Bekanntschaft mit dem freundlichen Arzt Suikotsu. Wie es der Name schon verrät, gehört auch er zu den legendären sieben Kriegern. Allerdings handelt es sich bei Suikotsu um einen sehr tragischen Charakter, da dieser an einer Form von Schizophrenie leidet. Einerseits kümmert er sich um kleine Waisenkinder und wird dabei auch von Kikyō unterstützt. Andererseits gelingt es seinen Gefährten, auch seine bösartige Natur zum Vorschein zu bringen und macht dann auch keinen Halt vor seinen Schützlingen. Das ganze Geschehen spielt sich im Übrigen rund um den heiligen Berg Hakurei ab, der von einer heiligen Barriere geschützt wird und es jedweden Yōkai unmöglich machen soll, ihn zu betreten. Lediglich besonders starken Yōkai wie Inuyashas Bruder Sesshōmaru ist es halbwegs möglich, den Berg zu erkunden. An diesem geweihten Ort soll sich auch der geflohene Naraku befinden, der die Strippen hinter den sieben Kriegern zieht. Wie das möglich sein kann, soll nicht verraten werden. Es ist deshalb aber kein Wunder, dass auch Sesshōmaru, sein Diener Jaken und die kleine Rin dort anzutreffen sind.

Synchronisation nach 13 Jahren

Obwohl Inuyasha in den vier vorherigen Serienboxen meistens kleinere und weitgehend in sich geschlossene Geschichten erzählt, entwickelt sich mit der fünften Volume ein Handlungsstrang, der sich über zwei dutzend Episoden zieht. Dieser konsekutive Aufbau der Folgen ist durchaus spannend, kann mit der Zeit aber auch ermüdend sein. Ein Glück, dass sich das Blatt zum Ende hin wieder wendet und ein paar kleinere Geschichten erzählt werden, die in das große Gesamtbild greifen, aber doch eigenständig sind. Unter anderem werden die zwischenmenschlichen Beziehungen der Freunde hierbei ausgebaut. Insbesondere die romantische Beziehung zwischen Inuyasha und Kagome als auch Sango und Miroku wird auf eine ganz neue Ebene gehievt. Ebenfalls gibt es ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern wie der älteren Exorzistin, dem Mönch Mushin und Mirokus gewieftem Kumpel Hachiemon. Eine humorvolle Rückkehr in Kagomes Zeit ist ebenso vorhanden. Es bleibt also Platz für Humor. Bei der deutschen Synchronisation müssen sich Fans auf Veränderungen einstellen. Nebenfiguren wie Kagomes Familie oder Rin haben neue Synchronsprecher erhalten, da zwischen der Vertonung der 104. und 105. Episode 13 Jahre lagen. Die Hauptfiguren haben ihre Sprecher glücklicherweise behalten, auch wenn zum Teil aufgrund des Alters leichte Veränderungen in ihren Stimmen festzustellen sind. Dies fällt aber kaum bis gar nicht störend ins Gewicht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Fans der Anime-Serie Inuyasha mussten im Jahr 2005 ganz stark sein: Die Synchronisation ihrer Lieblingsserie wurde plötzlich einfach abgebrochen! Ein Schicksal, das wenige Jahre später auch Serien wie Detektiv Conan oder One Piece getroffen hat. Zum Glück lebt die Synchronisation dieser drei Serien wieder auf und Inuyasha ist inzwischen auch abgeschlossen. Die Episoden der fünften Serienbox von Inuyasha erzählen hierbei den großen Handlungsstrang um die legendären sieben Krieger, die von Naraku dazu instrumentalisiert werden, ihm Zeit zu verschaffen und Inuyasha und Co zu besiegen. So geht es in der fünften Serienbox richtig spannend los, auch wenn dieser sehr lange Handlungsstrang zuweilen ermüden kann. Immerhin kommen zum Ende hin wieder ein paar kürzere Geschichten hinzu, die dem Zuschauer ein wenig Luft verschaffen. Diese gefallen mir persönlich in Inuyasha tatsächlich ein wenig besser, da sie auch etwas mehr Platz für Humor lassen. Am meisten freue ich mich jedoch darüber, dass die Qualität der Animationen, der Charaktermodelle und der Hintergründe wieder deutlich zugelegt hat. Nur wenige Momente wirken so schäbig wie noch in der vierten Serienbox. Da bleibt zu hoffen, dass den Köpfen bei Animationsstudio Sunrise auch die abschließenden beiden Volumes mit dieser Qualität beglücken. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf diese beiden Ausgaben!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Inuyasha (Box 5, Episoden 105–138)!

Gameplay Gamers feiert den elften Geburtstag!

Hochgeschätzte Gameplay-Gamers-Leser,

es ist sensationelle elf Jahre her, dass auf Internetpräsenz der erste Artikel von uns veröffentlicht wurde. In diesen elf Jahren hat sich die Videospielindustrie überaus stark entwickelt und verändert. Mit Innovationen und neuartigen Ideen haben uns Nintendo, Sony, Microsoft und Co mit Konsolen überrascht und mit Spielen an den Bildschirm gefesselt. Unser rein privat betriebenes Projekt blieb davon nicht unberührt, denn schließlich sind wir es, die sich mit den Auswirkungen von neuen Konzepten beschäftigen. Mit unserem kleinen Team wollen wir auch in Zukunft weiterhin auf diesem Grundgerüst aufbauen und werkeln fleißig im Hintergrund weiter, um euch auf Gameplay Gamers auch in Zukunft tolle Erlebnisse zu bieten.

An unserer Ausrichtung wird sich dabei nichts verändern. Nach wie vor möchten wir euch die Erfahrung präsentieren, die ihr von uns aus den letzten elf Jahren gewohnt seid. Soll heißen, dass wir unseren Fokus auf Artikel über Videospiele, Anime, Manga, ostasiatische Filme und Kultur nicht aus den Augen verlieren werden. Dazu gehören hin und wieder auch Specials, deren Gedanken nur noch darauf warten, verfasst zu werden. In den nächsten Monaten dürft ihr von uns also erneut viele interessante Artikel erwarten. An dieser Stelle bleibt uns wie in jedem Jahr nur eines möglich zu sagen: Vielen Dank für tolle elf Jahre mit euch!

Eric Ebelt

Review: Legend of Mana

Im Jahr 1999 veröffentlichte der damals noch alleinig unter Square bekannte Publisher Legend of Mana für die PlayStation in Japan. Ein Jahr später erschien der Titel ebenso in Nordamerika. Den Europäern blieb Square Enix das Rollenspiel 21 weitere Jahre lang schuldig.

Legend of Mana spielt im Fantasy-Reich Fa’Diel. Dieses Land ist eintausend Jahre nach dem Sterben des titelgebenden Mana-Baums zerfallen und in den so genannten Artefakten versiegelt worden. Wir schlüpfen in die Rolle eines nicht näher definierten Helden respektive einer nicht näher beschriebenen Heldin. Wir sollen uns um die Erweckung der Welt kümmern. Das heißt, dass wir immer dann, wenn wir eines dieser ominösen Artefakte finden, sie auf einer zu Beginn recht leeren Weltkarte platzieren. Bei den Artefakten handelt es sich im Übrigen um profane Dinge wie Bauklötze, ein Medaillon oder einen Anker. Mit der Zeit entsteht eine stimmige Welt, die bei jedem Spieldurchgang eine andere Form annimmt. Das liegt auch daran, dass wir nur einen vorab selektierten Ausschnitt von Fa’Diel im Spiel erwecken können. Aus welchen Gründen wir diesen Auftrag in die Wiege gelegt bekommen, verrät uns das Spiel nicht wirklich. Ganz allgemein hält sich Legend of Mana mit einer Handlung zurück. Viel mehr konzentriert sich die Erzählung auf einzelne Geschichten, die teils miteinander verwoben sind. Hierbei lernen wir viele facettenreiche Charaktere kennen. Zum Beispiel den grimmigen Elazul, der ständig seine orientierungslose Freund Perle aus den Augen verliert, oder den Schmied Watts, der in seinem berlinerischen Dialekt genauso zum Schmunzeln anregt wie eine fleischgewordene Teekanne. Ja, auch mit Humor geizt Legend of Mana nicht.

Verloren in Fa’Diel

Dargestellt wird das Geschehen durchweg aus der zweidimensionalen Seitenperspektive. Im Gegensatz zu den beiden Super-Nintendo-Vorgängern Secret of Mana und Trials of Mana ist die Spielwelt jedoch wesentlich verschachtelter. Das heißt, dass jedes auf der Weltkarte von uns erweckte Gebiet aus mehreren kleinen Arealen besteht. Ein Grund dafür dürfte mitunter der kunterbunte Grafikstil sein, der auf vorgerenderte Hintergründe setzt. Während dieser Stil vor allem in den Dörfern und Städten von Fa’Diel sehr gut funktioniert, sorgt er in den zahlreichen Dungeons eher für Verwirrung. Es fällt uns schwer, Höhlen, Wälder und Ruinen von Anfang bis Ende vollständig abzusuchen. Verlassen wir beispielsweise ein Gebiet nach unten aus dem Bildschirm heraus, kommt es häufig vor, dass wir auf einmal von links oder rechts in den nächsten Bildschirm hineinstolpern. Räumliches Denken hilft hier nur bedingt weiter. Mit ein bisschen Ausdauer, ein wenig überschüssiger Zeit und etwas Sitzfleisch kann zwar jeder einzelne Dungeon bezwungen werden, doch Legend of Mana hat hier im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern genauso wie bei der grundlegenden Story ganz klar das Nachsehen. Unserer Meinung nach hätte Legend of Mana in dieser Disziplin eine automatische Kartenerstellung gutgetan. Manuell ist dies ohnehin kaum möglich, da zu viele Spielabschnitte eher gleich aussehen. Mit einer Automap würden wir uns definitiv seltener in den Dungeons verlieren.

Quality-of-Life-Funktionen

Square Enix verschenkt aber nicht nur Potenzial beim Remaster, denn es haben auch ein paar Quality-of-Life-Funktionen ihren Weg ins Spiel geschafft. Beispielsweise können wir im Remaster für die Switch, die PlayStation 4 und den PC so gut wie jederzeit das Spiel speichern. Hinzu kommt, dass Legend of Mana bei jedem Wechsel des Areals zusätzlich einen automatischen Spielstand anlegt. Sollten wir also plötzlich und unerwartet von zu starken Monstern überfallen werden, verlieren wir so gut wie gar keinen Fortschritt. Derlei Features würden wir nur zu gerne häufiger in japanischen Rollenspielen sehen – und das nicht nur in Remaster-Fassungen. Legend of Mana geht sogar noch einen Schritt weiter und lässt uns fast alle Kämpfe ausstellen. Das ist jedoch nicht immer sinnvoll, denn für die knackigen und nicht überspringbaren Bosskämpfe sollten wir schon jede Menge Erfahrungspunkte sammeln und unseren Helden aufstufen. Nichtsdestotrotz ist es so sehr leicht möglich, die verschachtelten Dungeons sehr viel schneller zu verlassen. Eine Funktion, aus dem Gebiet auf Knopfdruck zu entkommen, wäre unserer Meinung nach aber sehr viel sinnvoller gewesen. Legend of Mana macht nicht nur anhand solcher Spielspaßergänzungen keinen Hehl daraus, anders zu sein wie die Konkurrenz. Dies liegt vermutlich auch an Produzent Kawazu Akitoshi, der für seine Rollenspielexperimente durch Final Fantasy II und der SaGa-Reihe bestens bekannt ist.

Kawazu Akitoshis Rollenspieleinflüsse

Grundsätzlich funktionieren die Kämpfe in Legend of Mana noch genauso wie wir es aus der vorgegangenen Entwicklung der Reihe kennen. Mit Schwertern, Stäben, Bögen und Co attackieren wir die zumeist aus den Vorgängern bekannten Gegnern mit ihrem markanten Design. Allerdings können wir uns bei Feindkontakt nur noch im Bildschirmausschnitt bewegen. Eine Flucht vor den Feinden ist nicht mehr möglich. Besiegen wir einen Gegner, lässt dieser einen Beutel mit einem Material, die als Lucre bezeichneten Goldmünzen oder Juwelen fallen. Die Klunker dienen in Legend of Mana als Ersatz für Erfahrungspunkte. Sammeln wir die Juwelen also nicht rechtzeitig ein, da diese nach nur wenigen Sekunden auf dem Bildschirm verschwinden, gehen uns also wertvolle Erfahrungspunkte verloren. Selbiges gilt auch für Lucre und Materialien. Auch dann, wenn wir eine mächtige Spezialattacke aufladen oder die Objekte auf einem nicht beweglichen Objekt und nicht zur Seite manövrierbaren Monster landen, läuft die Zeit bis zum Verschwinden weiter. Das ist nicht nur unnötig, sondern auch lästig und manchmal sogar frustrierend. Während Materialien und Lucre sofort im gemeinsamen Inventar landen, erhalten Erfahrungspunkte wirklich nur die Charaktere, die die Juwelen auch einsammeln. Ist also ein Nicht-Spieler-Begleiter oder ein gezähmtes Monster schneller, gehen uns die Erfahrungspunkte durch die Lappen. Mit Eile und Geschick ist das jedoch machbar.

Gemeinsam nicht viel mehr erreichen

Richtig gelesen! Unser Held oder unsere Heldin ist nicht durchweg alleine in Fa’Diel unterwegs. Je nach erzählter Story schließt sich uns automatisch ein weiterer Charakter an, um sich mit uns in die actionreichen Kämpfe zu stürzen. Ebenso ist es möglich, besondere Monster-Eier zu fangen und auszubrüten. Heraus kommt ein Monster, das im Kampf ebenfalls ordentlich austeilen kann. Nun ja, zumindest versucht die künstliche Intelligenz ihr Bestes. Zu oft passiert es unserer Meinung nach, dass die Figuren ausgeknockt werden. Sie regenerieren sich mit der Zeit zwar und stehen auch wieder auf, doch grundsätzlich empfiehlt es sich eher, einen Freund auf die Couch zu berufen und das Abenteuer gemeinsam zu erleben. Das funktioniert auf der einen Seite definitiv besser. Auf der anderen Seite dürfte dem Mitspieler auf lange Sicht jedoch die Identifikationsbasis fehlen. Zumindest den jeweils anderen Helden von Legend of Mana spielen zu können, wäre eine gute Möglichkeit gewesen, den Zwei-Spieler-Modus interessanter zu gestalten. Immerhin kehrt neben dem Schmieden von Waffen und Rüstungen und dem Anbauen von Obst und Gemüse auch das LCD-Minispiel Ring Ring Land zurück. Dieses war nur im japanischen PlayStation-Original integriert und Besitzern der PocketStation genannten Peripherie vorenthalten. Brettspielartig sammeln wir mit einem Monster Items und tragen mit Auswürfeln Kämpfe aus. Kurzweilig und nett, aber nicht mehr.

Audiovisueller Genuss

Stilistisch betrachtet ist Legend of Mana eine wahre Augenweide. Uns begeistert der im Anime-Stil gehaltene Look durchweg. Sowohl saftige Wiesen, verschnörkelte Fachwerkhäuser, dunkle Höhlen, sonnige Strände, staubtrockene Wüsten und in den Himmel ragende Türme beweisen mit ihrer schier zeitlosen Gestaltung, dass das Spiel aus dem Jahr 1999 auch noch im Jahr 2021 begeistern kann. Ein wenig anders sieht das bei den Charaktermodellen aus. Diese heben sich mit ihrem verpixelten Aussehen ähnlich von den Umgebungen ab, wie wir es beispielsweise aus Romancing SaGa 3 kennen. Allerdings wirken die Animationen etwas zu abgehakt, was sich ulkigerweise auch in der Steuerung des Spiels bemerkbar macht. Hin und wieder ist es wirklich ein Graus, sich vor einem sich in Bewegung befindenden Charakter zu stellen und ihn anzusprechen. Auch in den Kämpfen lassen sich die Charaktere nicht ganz so flott steuern, wie wir es noch aus den beiden Super-Nintendo-Vorgängern Secret of Mana und Trials of Mana kennen. Dennoch gewöhnen wir uns schnell an diesen Umstand und mit der Zeit fallen diese Defizite gar nicht mehr so schwer ins Gewicht. Mitunter liegt das auch am fantastischen Soundtrack von Komponistin Shimomura Yōko, die sämtliche Situationen vortrefflicht unterlegt. Auch während einer Spielpause bleiben uns die Melodien im Gehör – und das ist bei einem japanischen Rollenspiel immer ein großes Kompliment, wie wir finden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC- und Nintendo-Switch-Fassung): Zwischen den Jahren 2016 und 2020 legte Square Enix die ersten drei Teile der Mana-Reihe mit Remakes neu auf. Für die vierte Episode, sprich Legend of Mana, muss lediglich ein Remaster herhalten. Das ist in erster Linie nichts schlimmes, denn das Spiel begeistert vor allem optisch und akustisch auch zwei Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung. So gefallen mir die malerischen Landschaften mitsamt dem liebevollen Charakter- und Monsterdesign. Auch die fantastischen Melodien von Komponistin Shimomura Yōko gehen mir ins Ohr. Leider kann das Spiel in sämtlichen anderen Belangen nicht mit den Vorgängern mithalten. So fallen die Dungeons umständlich verschachtelt aus. Auch durch seltsame Perspektivenwechsel wird eine Orientierung unnötig erschwert. Bei den Kämpfen ärgere ich mich hingegen darüber, dass von Monstern verlorene Materialien, Geld und Juwelen so schnell verschwinden. Auch die künstliche Intelligenz der Mitstreiter, wenn sie denn mal vorhanden sind, war schon vor zwanzig Jahren ausbaufähig. Square Enix verschenkt mit dem Remaster unglaublich viel Potenzial, weshalb in mir die Frage aufkommt, ob ein Remake nicht die elegantere Lösung gewesen wäre, um solche Defizite auszumerzen. Auch die wenigen Quality-of-Life-Funktionen wie das automatische Speichern beim Gebietswechsel oder das Abschalten aller normalen Kämpfe täuschen nicht darüber hinweg. Fans der Mana-Reihe, die den Titel noch nicht kennen, dürfen mit diesem Wissen im Hinterkopf aber ruhig einen Blick riskieren. Wer aber noch keinen Serienteil gespielt hat, sollte lieber die Remakes oder Originale von Secret of Mana und Trials of Mana probieren.

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Legend of Mana!